85,/*präzile he
,d8 5,/,Uhr pr5!11, 'ekto, 6 T„
°°°
Inf,, duieh
Nk 8,. II, andere geehrte
Nr. 44
• r|<Deint täglich außei Sonntags.
Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit de», kesfischen Canöroirl die Gtehener Kamillen» blätter viermal in der
Woche beifleleQL tRoianonfibrud u. Verlag der Brüh l'schen Umoerl.-Buch- u.Etein- brudere« Cilielld) (irben)
Äebaftion, Exoedmoa und Druckerei.
Schulftratze 7.
Obiefle tüt Tepe,dient «uzeigcr Gtetzea.
Fern>vrechani<bl>ißAr 51
Samstag 21. Februar 1903
153. Jahrgang
Drittes Blatt.
CS moudtli<h76*Vl. oierieit
▼ Ar sj ▼ .äbri.d)»« 8.20. v».ch
Gietzener Anzeiger N
General-Anzeiger v .S»
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen
teil V lüntto *ür .Stad» und Uanb* und Weiid)i»luale ttutl Plato tüi Den *21 n- teuienteil t>un« Beck.
em.
Goethe
>P. t-31
lull, für
> 1811,
; ' L-^nBeethoeen J’S d88 Herrn Ernst ^■'. lür Studierende fta, h .7 der Uh za h "J Einr.8?*" 8tudciten:
• bintnt'-karte i.bu Mk kane 6u PL,. 1R.'
0 Pfg. * “**
chiWltzü, ille:
n BM«.
Gut für Mitglieder, r och and.
»ball
1606
Dienstag.
7 Uhr
j Leik
e
635*5
CÄ^-
•ff. C- =
La«lStaSd^."8'
B & .-E
»
avoül^ö rntttOlT/
fchMM Damenlackn 40 Psg. mit Familien freu ssentir KMT Mg« »°»SN" qNich gef^murften Som tovfl“ * mit Bltli gälte finb »•’* ^Dttv-rs^L— I0b6'
(fil9 Z-ebruar: w»
tttn^j5—77^*
Die Wahlbewcgung.
ANmählich sängt man an, auch außerhalb der Sozialdemokratie sich zu regen. Allerdings kräuseln sich er|tleife die Wellen, aber man empfindet es doch bereits, daß die bürgerlichen Parteien sich nicht völlig mit der Ruhe begnügen wollen. Im Reichstag hat man begannen, den Loztaldemokraten auch einmal energisch gegenüberzutreten und ihnen nicht, wie es sonst üblich war, ohne Kumps das Feld zu überlassen, uno im Lande Deriudg man hier und da wenigstens, durch rechtzeitige Ausstellung der Kandidaten der Organisationsaroeit die gesicherte Grundlage zu geben. Bei uns in Gießen freilich rühren sich die bürgerlichen Parteien immer noch nicht in dem Maße, toic es wünschenswert wäre. Die Christlich-Sozialen haben eine geheimnisvolle Kandidatur in PeLto, aber die Narionalliberalen und Freisinnigen, die in der Stadt weitaus die Majorität bilden, sind immer noch kandidatenlos. Allerdings fehlt auch noch immer eine zugkräftige Wahlparole, die imstande wäre, auch die Ofenhocker von ihrem warmen Platze sort-ulocken und fie anzuspornen, sich in das Getümmel des Kampfes zu stürzen. Die großen Zolldebatten sind vorüber. Der Reichsregierung ist die Marschroute für die künftigen Handelsverträge durch den Zolltarif einigermaßen bündig vorgeschriebeu und erfahrungsgemäß besitzen so komplizierte Fragen, wie sie etwa in der Äeiftbegünstigungsklausel ausgedrückt sind, der großen Masse gegenüber keine besondere Zugkraft. Die Parole „Aegen bie Sozialdemokratie" ist in der Haupt- ache lediglich negativ, sie bildet nicht ein Programm.
Wird es möglich sein, das Bürgertum zu vereinen, daß es, wenn es auch nicht von vornherein geschlossen gegen die Sozialdemokratie zu Felde zieht, doch sich duhm vereinigt, daß es in der Stichwahl gegen den ScHia.li.sten Front macht? Wir glauben es nicht, auch wenn der „Vorwärts" mit grimmigen Geberden auf das „Wahlkartell der Zoll- wucberer" hinweist, das „vor keiner Gewalttat zurückschrecken" und, wie sich das Blatt ausdrückt, „die ganze ^ollbande von Äröcher über Spahn bis Bassermann" vereinigen soll. Im üblichen Enthüllungston erzählt das sozialistische ^entralorgan, daß das neue Kartell „sämtliche Brot- wuchererparteien" umfasse, die „unter Kar Korf ,s Führung Reckt und Gesetz nichtswürdig brachen"; ein brüderliches Bano umfasse das Zentrum, den weiland Kulturkampf- Liberalismus und die beiden konservativen Parteien. Die Freisinnigen seien ausgeschlossen worden, Eugen Richter sei trotz seines Zollverrates" nur hier und da als Aushilfe der Made teilhaftig geworden, in das Kartell auf genommen -n werden. Außerdem seien die Zirkus-Wusch-Männer des 71/2 Markzolles formell nicht dabei, doch würden 'ohnehin bie" ^konservativen ihnen bie Geschäfte besorgen. Natürlich suchen nach Ansicht bes ,/Vorwärts" bie „Spießgesellen bei karbörfserei" noch ihren Seelenbund zu verschleiern, man spielt twch bie Komödie ber Uneinigkeit, während doch schon der nationallib.rale Kuhhandelsvertragsentwurf fertig- gestellt fei. Natürlich sei es die feste Absicht des neuen Kartells, die Rechte des Volkes, natürlich in erster Linie das Wahlrecht, zu zertreten.
Wir glauben ja nicht, gleich so vielen, daran, daß das rote Gespenst allzu fürchterlich erscheinen und allzu zahlreiche Siege erfechten wird; wir glauben, daß bie ^ozial- demokratie im schlimmsten Falle fünf ober sechs neue Mandate erobern wird. Aber auch das würde ein neues Abbröckeln an dem Ordnungsbau bedeuten, würde einen starken
moralischen Einfluß ausüben und als Beweis dafür angeführt werden, daß das Alte morsch geworden ist und nichts mehr imstande ist, der „aufblüh.tiben jungen Parteider Roten Widerstand zu leisten. Nein, wir dürfen uns nicht mattherzig in die Defensive drängen lassen, solidem müssen enischloisen zum Angriff üb.rg^hen. Das ist aber nur möglich, wenn man im Kampfe nicht dem eigenen Nachbarn in den Arm fällt. B.s^er sind die Aussichten reilich, trotz der Versicherungen des „Vorwärts", noaj recht chwächlich. Mit großem Eifer verwahrt sich die ka.holischc „Germania" gegen ein Wahlkartcll der Zollparteien, hält das offenbar für einen schwer beledigenden Vorwurf gegen das Zentrum und schreibt:
„Wir wollen mit dem „Vorwärts" kurzen Prozeß machen und fordern ihn hiermit auf, öffentlich die konkreten Tatsachen kutidzugeben, auf denen seine Behauptung vom Wahikartell der Zvllwueyer^r beruht. Ent.oeder ober! Mit einem lügnerischen roten Zettungsgesindtt unter ber Cleons-Maske wollen wir uns nur bann aus- einanbersetzen, wenn Tatsachen, bewiesene ober erweisbare Tatsachen, eine feste Unterlage jür jebe weitere Diskussion geben.
Kunst und yji|"|'ru|d)U)L
FrankfurterOper. Wagners „Rin g b e s Nibelangen" wirb in ben Tagen vom 8. Februar bis 9. März im Opernhaufe in Szene gchen. Am Samstag, ben 2b. b. M., gelangt (bei aufgehobenem Abonnement) „Das Rheing 0 l b", Diontag, ben 2. März „Die Wal- E ü r e", Mittwoch, ben 4. März „Siegfried" und Dttiibag, ben 9. März „Götterdämmerung" zur Aufführung. Für solche Theaterbesucher, bie ben gesamten Echklus zu besuchen wünschen, ist bie Einrichtung getroffen worben, daß sie bei Abnahme von Karten für bie vier Abende zusammen eine Preisermäßigung von 25 Prozent genießen, also ben Kassenpreis für nur drei Vorstellungen zu entrichten haben. Diesbezügliche Anmelbuugen nimmt einzig bie Renbantur ber Neuen Theater-Aktiengesellschaft, Hochstraße 46, burch Bestellkarte entgegen.
Heber „Ki 11 b er bes VolkeS", Roman von Alfreb Bock, Verlag F. Fontane L Co., Berlin, ben wir an biefer Stelle bereits getoürbigt haben, lesen wir in ber Wiener Neuen Fr. Presse.": „Ein vor treffliches Buch, turmhoch über den landläufigen Erzeugnissen des Büchermarktes, voll Gemütstiefe und Menschenkenntnis, mit einem überraschenden Reichtum an Stimmungen. Es ist ein Roman ber Klein- ftabt, bes Pfahlbürgertums, wie es aus ben Voraussetzungen eines ganz bestimmten Heimatsbodens hervorwächst. Eine ganze Anzahl ernster und komischer Gestatten, deren innere Entwicklung der Verfasser mit geschärftem Ohr erlauscht hat, tritt mit plastischer Deutlichkeit vor uns. Die arme Fabrikarbeiterin, die ber gewissenlose Schreiber — er ist halb „Wurm" unb halb „Leonhard" — verführt, und bie sich aus schwerer Seelenpein zu dem Entschlüsse, zu leben unb zu arbeiten, burchringt, die skrupellose Doisschöne, bie nach ungezählten Freiern auch den Schreiber in ihre Netze zieht, ber freifinnige Lehrer, ber im engen Strci)e ber Kleinstabt erleuchtend unb bilbenb — allen reaktionären Anfeinbungen zum Trotz — eine weitausgreifende Tätigkeit entfallet, das alles sind Gestalten von echtem Herzschlag, von Fleisch unb Blut, unb sie treten in einer Fülle bewegter, fesselnber Hanblung in Aktion. Wie ber hoch
sinnige Lehrer bann bie reuige Gefackene zu sich emporläutert, wie anbererseits ber Ehebund ves schurkischen Notar- schreib^rs mit ber reichen Alleiweltliebst.n ein jammervolles Enbe nimmt, bas ist in prächtiger Entwicklung unb mit quellender UnmittcIbarLil vor uns ba^gclegt. Alfceb Dock hat schon mit seinen ftuhercn Erzählungen, ber „Pflastermeisterin" und dem „Flurschütz", überaus bemerkenswerte Sicherheit in der Schilderung des dörfischen kleinlebens bekundet. Seine Eigenart hat sich seither noch schcttser ausgeprägt, und wtt fürchten nicht, uns einer Uebertrcibung chuldig zu machen, wenn wir sagen, daß ein Hauch von >en „unsterblichen" Seldwylern über biejen „Kindern des Volkes" schwebt."
Landwirtschaft.
Breslau, 19. Febr. Wie die „«chles. Ztg." hört, haben bie preußischen Minister für Landwictfchast unb des Innern eine außerordentliche Ermittelung ber Winterbestellung angeordnet, weil anzunehmen sei, daß infolge später Ernte und vorzeitig eingetretenen Frostes die für bie Herbstsaaten besiimmien Felder großenteils nicht wieder bestellt werden tonnten. Hiermit fei auch eine Umfrage darüber verbunden, wie viel Kartoffeln wegen vorjährigen Novemberfrostes nicht geerntet werben formten.
Paris, 19. Febr. Tas „Journal Lsftziel" melbet: Nach ben amtlichen Berichten über ben otanb der Herbstsaaten beträgt in Winterweizen bie Anbaufläche 6 547 027 Hektar gegen 6 691636 Hektar im Vorjahre; bie Durchschnittsnote für ganz Frankreich beträgt 70,5 gegen 69,9 (wenn 80 gut, 60 ziemlich gut bebeutet). Die mit Winterhafer bestellte Fläche betrügt 801883 Hektar gegen 793 013 Hektar im Vorjahre, die Durchschnittsnote 65,1 gegen 64,4, in Roggen beträgt bie Anbaufläche 1359 386 Hektar gegen 1414 533 Hektar, bie Note 74,4 gegen 77,5, in Gerste die Anbaufläche 150 591 gegen 158123 Hektar, bie Note 73,6 gegen 75,1 im Vorjahre.
Elilgestmöt.
Für Form unb Inhalt alter unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Vor dem Provinzialausschuß wirb gegenwärtig wegen ber Enteignung bes Gelänbes an ber Klinikstraße zwecks Erbauung ber neuen Kliniken verhanbelt. Es ist unseres Wissens bisher noch nicht genügenb bar aus ausmerksam gemacht worben, baß bie Erbauung ber Kliniken an dieser Stelle wichtige städtische Interessen verletzt. Tenn es kann wohl nicht in Zweifel gezogen werden, daß die Reservierung des in Rede stehenden Geländes für die Kliniken der Stadt das beste und gesundeste Bauterrain in jenem Viertel nimmt. Bei einer auch nur flüchtigen Bettachtung des Terrains ergibt sich ohne weiteres die große Bedeutung für die fortschreitende Bebauung der Stabt, aber auch gleichzeitig bie Gewißheit, daß fein anberes Terrarn dort als ein Äquivalent in Frage kommen kann. Anbererseits ist nicht einzusehen, warum die Kliniken nicht auf ber anberen Seite der Klinikstraße erbaut werben sollen; irgenbwelche stichhaltige Grünbe, bie dagegen sprechen sollten, find bisher doch nocy nicht geltend gemacht worden.
Ein unparteiischer Burger.
Plaudereien aus der Kaiserflad!.
(Nachdruck verboten.)
Kolportageschrecken. — Der gefoppte Zeitungshandler. — Wieder ein neues Tänzchen! — Thcaterfreudeu und -leiden.
In diesen Wocyen hatte Berlin eine jener roten lieber» schwemmungen, die an das Blutwasser des Nil erinnerten. Auf allen Korridoren lagen, von den Treppenstufen der alten Vvrstadthäuser leuchteten sie dem Auf steigenden entgegen; in den Wagen ber Straßenbahnen knisterten fte unter robusten Mädchenhänben, bie das kostbare Opus vor dem Flammentob im Kamin feuer gerettet hatten, zu dem es die gefühllose, einer wirklich interessanten Lektüre un zugängliche Herrin verdammen konnte: nämlich die ersten öcite eines geradezu brutalen Lesefutters, das als „Zeit- r 0 m a n" nach ben Auszeichnungen bes Scharfrichters von Magbeburg, Wilhelm Reinbel, in die Welt gejchlcudert wirr und zu seinem Teile selbstverständlich redlich dazu beiträgt, bie überspannten Vorstellungen unserer viertel- unt achtelgcbildeten Küchenbragoner, Fabrilmäbel uno Schnei- bersräuleins noch mehr zu verwirren. Tie Rückseite diesem Heftes trägt ein Facsimile bes Mannes, ber bas Gruseln von nun an groschenweise erregt, in bem er bestätigt, daß die historischen Angaben in diesem Roman auyeinen „Auszeichnungen" stammen. Tie Handschrift Laicht der einer Köchin in mittleren Jahren, bie ihr letztes Verhältnis längst abgetan hat und sich „5ricf]cf)reibenber Weis schon lange nicht mehr betätigt. Man kommt bei biefcn ungelenken, mühsamen und verl.exlen eajri,laugen unwill kürlich auf bie Idee, baß ber gute Mann feinenJpoJten nie erhalten hätte, wenn bie Handschnst seines 3eichls^)weric^ nicht etwas glatter gewesen wäre. Aber was tut s, bic Kunbfchast, bic an den Hintertreppen woont, scgrcibt auch nicht beffer; und bei der bloßen ^orsteAung, ^as; jcn. Hand, bie fo unerbittlich den Tobe»streich zu steht, hier zur Feder gegriffen hat, öU dem Z ,
um Augusle'n und Anna n u,w. vor gleisungen und anderen bösen Taten zu warnen, sp-mA der Schmugroschen, ben bas billiger geroo b 0
au.
neck,
n'
iert
nächsten - / selber auch
n, NUN
Suiten'
im 1
ein r
pack'e seine *
h- Ruf, d'? V? n'chtun? s:§ ohne- f s: „Schwindel!......
gab er endlich allm Widerstand 'n fester und verschwand in der
all l innnier zn lpü dieser schrecklichen
letzt täglich ab wirft, op.erfreudig in der Tasche, bis er in ber üpand des s^munzelnden Kviponeurs verschwindet. Hofjentlicy mertt Mavariie noa) lange nicyt, daß die Kotelettes jetzt nur noaj 90 Pfennig kosten; denn an bie ab v>efte tonnen es werden, die ber „berühmte, wenn auaj unheimliche Zeitgenosse" ber „Mit- und Nachwelt" spenden toUL Ob es sich nicht lohnte, wirklich gute Lektüre mit recht gruseligen Titeln auch niüelwei.e auf ben Hintertreppen einoU.chmuggeln? ^,enn biefer ^chunb- roman erlebt auf diesem Verbreitungswege eine Auflage, an die gewiß selbst o^enssen nicht heranreicht.
Bedeutend schwerer als diese Apostel der in Pacht genommenen Heulerphantasie haben es Heuer unsere Zeitungskolporteure. Ter Extrablatt-Sch Win bei, der früher einmal in so herrlicher Blute stand, zieht nicht mehr. Sie widmen sich jetzt irgend einer neu cm stauchenden Leitung, bie mit einem Sensationsartikel bas unkundige Publikum ködern soll. So erschollen seit Wochen an den frequentesten Straßenecken die heiseren Rufe: „Nrn zehn Pfennig! Berliner Extrapost mit ihren sensationellen Enthüllungen: Tie Kronprinzessin von Lachsen — ein Lpfer der Jesuiten!" Endlich scheint es bem langmütigen Berliner aber doch zu viel zu roerben mit biefcrn enbtofen Jesuitenopfer; denn ich war zufällig Zeuge einer bedyft brolliqcn Szene, bie sich bas Publikum mit einem solchen „Camelot" le .etc. Milten in feine Anpreisungen ertönte nämlich laut unb tief der Nus: „Schwinbel n-ütend drehte sich der also m seiner Derufsehre Ge häntte um Ta kam der Ruf auch schon von ber anderen -eite'" Dann von einer dritten und vierten; immer kraf ttqer'-nd höhnM«! Auch aus benJenftent in ber W stimmte man ein. Tas. berühmte Echo auf dem schloß- äfah tnm Simonetta Bei Man and war em Kinderspiel dagegen. Selbst au3 bn vrräberiahr nden Straßenbahn- tnag^n s" A.te der k.
T in schon „mc Schwindel'" R
Aus dem Gebiere der Tanzkunst haben wir in dieser Saison wieder eine Errungenschaft zu verzeichnen, bic wie die Washington-Post aus Amerika gekommen ist. Für den neuen Tanz, ben „Cake-Walk" ist Amerika freilich nur eine Turchgangsstation gewesen, allerbings von einer ziemlichen Tauer; denn ber „Cake-Walk" stammt aus Afrika; er ist ein National-Vergnügen jener lieben Men- sci-enbrüder, bie einen Zylinderhut sür Monsieur unb eine Korallcnkette für Madame schon zu den überladenen Toiletten zählen —. Wer ihn herübergebracht hat, diesen formierten, freiwilligen Veitstanz, bei dem Arme unb Beine wie bei einem wahnsinnig geworbenen Hampelmann zotteln unb schlenkern, baß man wirklich Angst hat, bre Gelenke könnten vielleicht boch einmal versagen, unb so ein Arm ober Sein möchte einem aus boshaftem Versehn mitten vor ben Kopf fliegen — wer ihn herübergebracht hat, mag es nun eine kapriziöse Amerikanerin ober ein schwarzer Kellner gewesen fein, er hat den Tank der Nation verdient! Vorläufig tanzt man Cake-Walk nur bei ausgelasscndsten Gelegenheiten auf den Festen der Bo- hemi^n5 bei ben „frechen Ratten" unb zweifellos auch auf bem nächstens riatffinbenben Ball der „Lustigen Blatter"- aber da es ein wirklicher und wahrhaftiger Veitstanz' ist, so steckt er auch an — und demnächst wird ganz Berlin „Cake-Walken". Wahrlich, ein gehirnerschütternder Anblick.
Sn unfern Theatern kracht es wieder ein bischen. Die Direktion des „N enen Theater s", bie mit einem Lotten halben Dutzend Novitäten hintereinanber dnrch- ^^allen war, hat ihr Szepter in bie Hanb des jugendlichen -N ar Reinhard gelegt, ber am ...Kleinen Theater", bem früheren „Schall und Rauch" Erfolg über Erfolg zu ver- - "icknen hat. Dir dürfen von dieser jungen, rielbewußten ^raft noch manche frohe Ueberraschung erhoffen. Er ist :n der öden R>n^e ^on G'sckö'ftslenten und Goldmachern unter den Berttne" Theaterdirektoren eine wirklich sympathische Ersck'-inin'g und wirb seinem M-'ii'ter^ B^ahm, b-'m er über Na^' den Kopf gewachsen iff. noch manches zu raten aufgeben. A. R.


