Wahl-Vewegung.
m. Kassel, 19. Mär-. Am Mittwoch fand die Pro- vinzial^ersammlung des Bundes der Landwirte unter dem Vorsitze des Rittmeisters De ich m ann- Lembach statt. Nachdem der Bundesvorfitzende Dr. Ro e s i ck e-Gers- dorf über „Die politische Lage" gesprochen unb dabei die bekannten Forderunaen des Bundes dargelegt halte, auf die sich jeder Kandidat zu verpflichten habe, wurde ohne Widerspruch folgender Resolution zugcstimmt: ,/Die Pro- Vinzial-Dersammlung des Bundes der Landwirte beschließt heute, unserem Bundesvorstände für seine vollständig begründete Ablehnung des Antrags Kardorff ihren Tank aus- zusprechen und die volMändig sachliche Begründung dieses Verhaltens anzuerkennen. Die Antwort auf die Annahme des jetzt angenommenen, ungenügenden Zolltarifs wird Hessenland bei den nächsten ReichstagSwahlen geben." — Reichstagsabg. Liebermann v. Sonnenberg führte sodann aus, daß das Programm der d e u tschso zi a l e n Partei sich vollständig mit demjenigen des Bundes der Landwirte decke, und im selben Sinne äußerten sich die antisemitischen Reichs lagskaiididaten deutschjozialer Richtung für Wolshagen-Hofgelsmar und Kassel-Melsungen Graf Reventlow und Amtsrichter Lattemann- Schmalkalden. — Die vielfach bezweifelte Nachricht, daß im Wahlkreise Marburg -Kirch Hain-Frankenberg an Stelle des bisherigen Aba. Dr. Böckel der deutschsozial, Antisemit Zimmermann kandidieren werde, verliert nach dem vorstehend Mttgeteillen an Unwahrscheinlichkeit.
Saarburg, 19. März. Für den Reichstagswahlkreis Saarburg-Merzig-Saarlouis stellt das Zentrum den bis> hörigen Abg. Roer en wieder auf.
Kirche und Schule.
Köln a. Rh., 19. März. Die „Köln. Volksztg." schreibt zu Aeußerungen der „Nordd. Allg. Ztg." gegen die Je- suitenbewegung: ,^Es ist erfreulich, endlich einmal ein kräftiges Wort von dieser Seite gegen die gewissenlose Hetzerei zu hören. Noch besser als durch Worte könnte Graf Bülow Ihr durch Taten ein Ende machen. Er braucht nur möglichst rasch die Entscheidung im Bundesrat herbeizuführen, dann würde der ganze Lärm, der ja nicht einer wirklichen Erregung und der Besorgnis weiterer Volkskreise vor den Jesuiten entsprungen ist, sondern nur den Versuch eines Haufensvon Fanatikern darsteltt, die Regierungen einzuschüchtern, sehr bald verstummen. Wir nehmen jetzt an, daß die Nachricht von der beabsichtigten Hinausschiebung der Entscheidung falsch war. Möge man nun auch nicht länger zögern. Je weiter man die Entscheidung hinausschiebt, umsomehr Gelegenheit gibt man den Hetzern, mit Lügen und'Ge häfs ig leiten die Leute aufzuregen."
Rom, 19. März. Der Schüler streik wächst sich immer mehr zu einem Generalstreik aus. Auch die Schuljugend von Florenz Mailand, Livorno, Verona und anderen Städten schwänzt in corpore die Schule und veranstaltet Straßendemonstrationen unter Pereatrufen aus die Minister. In Verona übergaben die Schüler dem Präfekten einen Protest gegen den Minister. In Turin hielten die Jungen ein großes Meeting ab. Inzwischen versucht man, auch die Mädchenschulen zur Teilnahme an dem Streik zu bewegen.
Ausland.
London, 19. März. Im Unterhause erklärt Ge tald Balfour aus eine Anfrage wegen des Einflusses des deutschen Zolltarifes auf Den britischen Handel, daß die Zollvertragsoerhandlungen diesen Tarif noch modifizieren würden. Es feien jedoch auch bei der deutschen Negierung bereits Vorstellungen erhoben worden. Bei der Kreditforderung für Südafrika verbreitet sich Chamberlain, von lautem Jubel begrüßt, über die dortige Lage. Es feien bereits über 100 000 Buren wieder auf die Farmen gebracht unu für Entschädigungen und Requirierungen schon rund 15 Millionen gezahlt worden. Die Aussichten namentlich für den Ackerbau seien sehr günstig. Wann die Einrichtung der Selbstverwaltung angängig sei, könne er noch nicht sagen. Zur Zeit liege das Kronkvloniesystem im eigensten Interesse der Kolonien. Die Wohlfahrt Transvaals hänge von der Go l d i n d u st ri e ab. Englands Fehlschlag oder Erfolg entscheide mit über Fehlschlag oder Erfolg der Goldindustrie.
Hoek van Holland, 19. März. Heute nachmittag trafen die Königin und PrinzHeinrich hier ein und begaben sich an Bord des Panzers Holland", wo sie aus der Kommandobrücke stehend die Ankunft des Herzogs Paul Friedrich von Mecklenburg, (älteren Bruders des Prinzgemahls Heinrich), erwarteten, der von dem deutschen Scl)ulschiff „Charlotte" herüberlam. Trotz des stürmischen Wetters begaben sich die Königin, Prinz Heinrich und Herzog Paul Friedrich unter dem Donner der Geschütze und den Hochrufen der Matrosen beider Schiffe, an Bord der „Charlotte", wo die Königin und Prinz Heinrich eine halbe Stunde verweilten. — Tie Königin verlieh dem Kommandanten der „Charlotte", Kapitän Mandt, das Kvm- mandeurkreuz, dem militärischen Begleiter des Herzogs Paul Friedrich Oberleutnant v. Arnim das Offizcertreuz des Ordens von Oranien-Nassau.
Brüssel, 19. Dlärz. Zwischen dem Ministerpräsidenten de Smet de Naher und dem Sozialisten Landervelde erfolgte gegen Ende der heutigen Kammersitzung ein hef- tiger Zusammen st oß. Bandervelde erklärte: Ta der Piüifident mich gegen die Angriffe des Ministers nicfyt genügend schützt, so beschränke ich mich auf die Bemerkung, daß des Ministers Unverschämtheit mir gegenüber nur in seiner Kriecher ei gegenüber dem König ihres Gleichen findet. Die sozialistische Partei beschloß, die Rede Vanderveldes in 100 000 Exemplaren zu verbreüen.
Paris, 19. Mrz. Wie die Blätter melden, ist zwischen dem Präsidenten Loubet und dem Marine- minisler Pelletan aus Anlaß der bevorstehenden Reise Loubets nach Algier ein Konflikt ausgebrochen. Trotzdem Der Präsident sich bereits an Bord des Dampfers „Jeanne d'Arc" eingefchifst hat, sind von Pelle.tan btshcr keinerlei Anordnungen bezüglich der Zusammenziehung des Geschwaders ergangen, welck)es den Präsidenten aus seiner Reise begleiten soll. Der Grund für dieses Verhalten des Ministers soll darin zu fudjen sein, daß derselbe keine Einladung zur Begleitung Loubets erhalten Hal. PeUeran soll beabsichtigen, Anfang April sich mit dem Mittelmeer- Gcsd)wader nad) Algier zu begeben, um den Präsidenten dort zu erwarten. Hierzu ist jedoch die Genehmigung des Präsidenten notwendig, welche Pelletan bisher nidjt erhalten hat.
— Die Regierung wollte von der Kammer in einem Finanzgesetz erledigt wissen: die Regelung der Alkohol- ft e u e r, Der Zucker st euer, Der Petroleumsteuer, Die Beteuerung der aus Anlaß Der Pferderennen usw. ge
schlossenen Wetten, die Frage der Tabakzonen und der Tabakbureaus, der Erbschaften und hundert andere Gegenstände mehr. Wie vorauszusehen, Hal die Teputier- tenkammer nur einen Teil dieser übermäßigen Arbeit geleistet und lediglich die Angelegenheit des Zonentabaks, der Branntweinbrenner und des Petroleums unter vieler Mühe und gewaltigem Widerstand der Interessenten geordnet.
— lieber die gestrige Abstimmung in derDe- putienenkammer, durch weld)e sämtliche Genehmig- ungsgesuche von Schulkongregationen abgelehnt wurden, wird berichtet, daß 25 Mitglieder der ministeriellen Union Temocratique, darunter die früheren Minister Cailloux, Tecrais und Leygues, sich von der Regier- ungsmehrhett getrennt hatten. In parlamentarischen Kreisen besteht die Ueberzeugung, die Kammer werde die Genehmigungsgesuche der übrigen Kongregationen und der Karthäuser, mit noch größerer Mehrheit ablehnen, und auch die Gesetze von weiblichen Kongregationen würden dasselbe Sd)ictsal teilen. Ter Sieg der Regierung wird von Den radikalen Blättern mit Befriedigung begrüßt. Die Nationalistifdjen und konservativen Butter ertennen ebenfalls den Sieg der Regierung an und sagen, deren Tyrannei sei jetzt unumsa-ränkt. Sd)uld an diesem Ausgange sei teils den Kongregationen selbst zuzuschreiben, die ihre reichen Mittel nicht zur Unterstützung einer antiministeri- ellen Politik zur Verfügung gestellt hätten.
Lissabon, 19. Acurz. infolge der anhaltenden Erregung unter der Bevölkerung sott der Kr ie gs zu st an d über das ganze Land verhängt werden.
Wien, 19. Diärz. Hier laufen fortgesetzt Nachrichten ein, daß die m a c e o o n i s ch e n I n s u r g e n t e n sich im Kampfe gegen die türh|d)en Truppen Der Dynamitbomben bedienen, wodurch auch bei einer großen Ueber- macht eine panikartige Flucht der Türken hervorgerufen wird.
Wien, 19. März. Das Abgeordnetenhaus setzte die erste Lesung der Ausgleichsoorlagen fort. Die Abgg. Bretter und Stein fpradjen für vollständige politische und Zolltrennung von Ungarn, Poyse und Psafsinger erklärten den Zolltarif für den Abschluß von Handelsverträgen nicht geeignet. Letzterer hätte Beantwortung der deutschen Agrarzölle durch einen in* Duftriellen Stampftarif gewünscht.
Budapest, 19. Ä-ttirz. Abgeordnetenhaus. Die Obstruktion verhinderte in der heutigen achtstündigen Sitzung die Fortsetzung der Wehrdebatte.
Konstantinopel, 19. Dttirz. Ein gestern abend erlassenes Jrade nimmt die in der Adener Abgrenzungsfrage von England gezogene Demartationslinie an. Die Delimttcttioustommiffion dürfte nunmehr ihre Tätigkeit beginnen.
New y or t, 19. März. Eine Depesche au5 Panama meldet über Kämpfe in Honduras, daß der Gcgen- präjiDent Dr. Bonitta die Stadt Santa Barbara eroberte und seine Anhänger in Stärke von 5200 Mann Tegucigalpa bedrohen.
Aus Stadt un) Kuiiö.
Gießen, den 20. März 1903.
** Der Provinzial ausschuß verhandelte am Mittwoch in zweiter Instanz über eine beabsichtigte Dampf- kesselanlage in dem Ke rusche Lwhlensäurewerk zu Bad Nauheim. Wir haben über 131 erste Verhandlung in dieser £adje, welche damit endete, daß eine Lokalbesichtigung vor- genvinmen wurde, seinerzeit bcridjtet Es handelt sich darum, daß der Staat als Eigentümer des Bades Nauheim, sowie die Stadt dlauheim gegen diese neue Dampstessel- anlage mit der Begründung Einwendungen erhoben haben, daß 1. durch den neuen größeren Dampfkessel größere Belästigungen durch Rauch und Ruß hervorgerufen werden würden, als durch den bisherigen, 2. daß durch die in Verbindung mit dem neuen Dampfkessel geplante Aufstellung neuer Pumpen und Maschinen dem Boden mehr Kohlensäure entzogen werde als bisher, was nach dem Heilquellen- schutzgesetz unzuläffig sei, 3. daß das beabsichtigte neue Verfahren zur Reinigung der rohen, dem Boden entströmenden riohlensäure, vermittelst Durchführung durch wässerige Potaschelösung dem Werk den Eharatter einer chemischen Fabrik verleihe, welche als solche nach § 16 der Gewerbeordnung bonzessionspslichtig sei, während die Vertreter des Werkes dies bestreiten. Professor Diefenbach von der Technischen Hochsd)ule, als Sad)0erständiger vernommen, erklärte vor dem Provinzialausschuß folgendes: Eine Definitive dessen, was man unter einer chemischen Fabrik zu verstehen habe, sei in der Gewerbeordnung nickst gegeben. Die Kommentare widersprächen sich in dteser Beziehung. 'Nach seiner Ansicht sei eine chemische Fabrik vorhanden, wenn ein chemisches Produkt mittels eines chemischen Prozesses hergesteltt werde. Diese Merkiiiale seien im vorliegenden Falle gegeben. Kohlensäure sei ein chemisches Produkt, auch deren Gewinnung durck) das beabsichtigte Verfahren sei ein chemischer Prozeß, sodaß also hiernach das Kernsche Werk als chemische Fabrik zu betrachten sei. Der LandeS-Geologe Dr. Steuer äußerte sich in einem interessanten Vorträge über die Bildung der Kohlensäure in Der Erde. Die Stollen des Kernschen Werkes in Nauheim stünden seiner Ansickst nach mit der Sohle des Kurbrunnens in Kommunikation; würde nun das Kernsche Werk feine Produktion vervierfachen oder verachtfachen, was nach der geplanten Vergrößerung des Werkes geplant zu fein scheine, so würden die Kurbrunnen Darunter leiden. Die gesteigerte Kvhlensäureenttiahme könne zur Folge haben, daß Der Nauheimer Sprudel, vielleicht nicht augenblicklich, aber doch bei ungünstigem Grundwasserstand versteche. Dr. Steuer wies auf die Tatsache hin, daß im Rheintal nachgewiesenermaßen seit 12 Jahren Der Grundwasserstand sich um einen ganzen Meter gesenkt habe. Dieser Fall könne in Bad Nau- beim ebenfalls eintreten. Jnterclsanl war der Hinweis deS Sack>verständigen auf* Bad Gerolstein. In der dortigen Gegend hat man sich bevor das Bad bestand, vergebliche Mühe gegeben, Gärtnerei zu betreiben. Es wollte nichts gedeihen, das Wack-stum entwickelte sich nicht, und zwar wegen der Kohlensäure, die stark aus der Erdoberfläche entwich Erst seitdem das Bad lind damit die Quellen in Betrieb genommen sind, ist der Boden um Gerolstein an» baufähig und das ertragreichste Gartenland geworden. Professor Dr. Sonne-Tarmstadt erklärte, daß auch er die geplante Vergrößerung des Kernschen Werkes als Anlage einer chemischen Fabrik im Sinne Des 8 16 Der Gewerb».-- ordnung erachte. Tie gleiche Ansicht teiü yab..[mipefwr Dr. Gerhard-Gießen. Tie Forts.tzung der Verhandlung ist aus Mittwoch, den 1. April d. I. angesetzt.
* * Enteignung der Sampltsichert Hosraithe am SelterSwcg. Gestern verhanoette die Lotaliommission in S en der Enteignung des Lampus jüjtn Besitztums, welkes bekanntlich die Stadt zur ^Regulierung der Straße
benötigt. Tie Stadt hat dafür freihändig 50 000 Mark geboten, während die Lokalkommission den Wert nur auf 45 000 Mark schätzte. Tas Lampus sche Grundstück hat im Ganzen eine Fläche von 470 Quadratmeter. Die Lokal- kommission hat die darauf stehenden Gebäude mit circa 10 000 Mark bewertet Tie Preise, die am Seltersweg für Baugelände in letzter Zeit freihändig bezahlt würden, belaufen sich auf 50—70 Mark pro Quadratmeter. Tie Mitglieder der Lokallommission gaben sich gestern in der Verhandlung alle Mühe, die Witwe^Lampus und Deren Sohn zur Annahme des von der Stadt gemacksten Gebotes zu veranlassen, jedoch ohne Erfolg, sodaß das Verfahren seinen Fortgang nehmen muß.
Pros. Ruhland sott beaviichttgen, eine Reihe liberaler Blätter, die sich mit seinen Angelegenheiten eingehender beschästtgten, als ihm lieb ist, zu verklagen.
• • Hefjisch - Thür. Staatslotterie. Bei Der heute fortgesetzten Ziehung Der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 40 000 ü)!k. auf Nr. 46967, 3o UuO Mk. auf Nr. 76545, 5000 Mk. auf Nr. 19450 25115 87164, 3000 Mk. auf Nr. 5400 10262 16493 36857 83077 69720 83419 95397 98375, 2000 Mk. auf Nr. 3980 4635 13758 31004 45106 49115 52109 59516 72887 75535 87984 91334 99085. Ohne Gewähr.
* • Bodenreform, ißir erhalten folgende Zuschrift, Die wir um so lieber veröffentlichen, als wir ihr im wesentlichen zustimmen: Es giebt wenige Fragen des WittschaftS- und Rechtslebens, die für so viele und Damit für Die Volks- gesamtheit eine so unmittelbare BeDeutung haben wie Die BoDenfrage. Die rechte Behandlung des stäDtischen Baugrundes bildet geradezu ein Lebensinterefse für Hausbesitzer iüie Mieter, Unternehmer roie Bauarbeiter. Es genügt, sich zu erinnern an Tinge wie die Wohnungsnot mit ihren verhängnisvollen Folgen, an Das Jllusorlschwerdcn wirtschaftlicher Berbesserungen Durch Steigen Der Theten, an das in größeren StäDten nicht seltene Elend unbezahlter Bau- hanDwerker, um Bestrebungen dankbar zu begrüßen, rote sie der „Bund Deutscher BoDenreformer^ mit von Jahr zu Jahr l'teigenDem Erfolge vertritt. Hier haben sich 'Ulänner Der Praxis mit hervorragenden Vertretern Der Wissenschaft aus allen politischen Parteien zusammengefunden zu wirklich fruchtbarer Arbeit für Staat unD Gemeinde. Einer der bedeiltsam- sten Reformvorjchläge ist Die Empfehlung des Erbbaurecht es, das in einigen Stadtgemeinden, roie Frankfurt a. 3)L, bereits, roie es scheint, mit großem Glück an einzelnen Grundstücken durchgeführt worden ist. Graf Posadorosky hat es noch kürzlich im Reichstage warm empfohlen; Professor Sohm, einer der Mitarbeiter am Bürgerlichen Gesetzbuche, sagt Darüber:
,Tas Erbbaurecht hat eine große Zukunft. ES ermöglicht dem kapilallosen Teil Der Bevölkerung, ein paus gegen bloße Zinszahlung zu eigeninmsahnlichem Rechi zu erwerben. Es ermöglicht andererseits Der GcineinDe, das Eigenlum an Grund und Boden m der Hand zu behalten und die Zuwachsrente spaterer Zeuen, überhaupt die Versügungsgeivatt über Den städtischen Boden der Gemeinde, d. h. der Geja»tuhelt, zu bewahren. T»e Stadt wird der Herr dies Grund und Bodens fein nnd nicht der Spekulant/
Wir freuen uns, schon jetzt mitteilen zu können, daß Der erste Vorsitzende des ^Bundes deutscher Bodenreformer^ Adolf Damaschke aus Berlin (der Verfasser einer vorzüglichen, bei Johs. Rüde in Berlin erschienenen Schrift ,Ucber Bodenreform". D. Red.) wohl schon in den nächsten Tagen über dieses auch für unsere Stadt so wichtige Thema hier einen öffentlichen Vortrag halten wird, und werden nicht verfehlen, über Zett und Ort der Versammlung rechtzettig nähere Aktt- teilung zu machen.
Hs. Besitzwechsel. Das Hrch. Jughardische Anwesen, Marktplatz 9kr. 15, ging durch Kauf in den Besitz des Kaufmanns August Wallenfels (vormals Vlttinhaber der Firma A. & G. Wallenfels) hier für 50 000 Mk. über.
**ZumBesitzwechfel der Ferd. B u r k'schen Kunst- mühle wird uns noch berichtet, daß der Käufer für Den Kaufpreis noch Die Pferde und Das zur Mühle gchöreuDc Inventar erhält. Ter Käufer wird Das Etablissement am 1. Juli übernehmen und in unveränderter Weise durch seine beiden ältesten Söhne weiter betreiben lassen.
A.B. Fußballspiel. Sck)on seit mehreren Jahren wurde der Fußballsport hier am Orte von Schülern betrieben. Wie wir nun hören, hat sich jetzt in Gießen, wie auch in den größeren Nachbarstädten, ein Klub aus jungen Kaufleuten gebildet, die unter Dem Namen „Gießener Fußballklub" mit ihren llebungsspielen am Sonntag nachmittag auf Dem Trieb beginnen werden.
♦ ’ T i e gegenwärtige warme Temperatur hat in unseren Gärten, wie uns schon mehrfach mitgeteilt wurde, Das pflanzliche Leben in überraschenoer Weise zur Entwicklung gebracht. Heute wurde uns nun sogar ein Schmetterling, und zwar Der nicht gerade gern gesehene Kohlweißling, auf die Redaktion gebracht. Tas frühe Erscheinen dieses Kvhlfeindcs laßt ein ganz be,anders starkes Auftreten desselben in diesem Jahre vermuten. Gefangen wurde er im Beckerschen Garten ui der Steinstraße.
)( Rodheirn a. d. B., 28. März. Ein außergewöhn» lich großer Leichenzug bewegte sich heute durch die Straßen unseres Torfes, galt es dock) einem allgemein geachteten und geliebten Manne das Geiette zu seinem frühen Grabe zu geben. Ter Verstorbene roar oer Werkmeister Ludwig Tonges hier. Seit ungefähr 20 Jahren roar er in der Zigarrenfabrik des Kommerzienrat Gail zu Gießen tätig, zuerst als Arbeiter, dann als Werkmeister. Durch seine Treue und scttt takwoltes Auftteten war es chm gelungen, sich die Zuneigung seines Chefs unb feiner Herren Vorgesetzten in reichem Maße zu gern innen. Ties wurde chm besonders durch bie innige Teilnahme unb bie vielen Beweise herzlicher Liebe wäh renb seines langen, schmerzhaften Leidens gezeigt. Unter Den vielen Leidtragenden bemerkte man auch Kommerzienrat Gail nebst dessen ersten Beamten.
1. Geiß-Nidda, 19. März. Nachdem der Bau unsere, Wasserleitung gesichett ift, ist man eifrig Dabei, mit Nidde Telephon Verbindung zu berocrifteUigen. Da unser Tors mit fast 800 Einwohnern zu den größeren zu rechnen ist, ip zu erwarten, daß die Postbehörde unserem lebhaften Wunsck entgegen kommt, umsomehr, als die Gemeinde gewiß einer Beitrag dazu leisten wird. — Ter Bau der Kreisstraß« Geiß-Nidda — Echzell wird nächstens begonnen. — Di' Aussaat des Sommergetreides hat ihren Anfang gc nommen. Der Acker hat vorzüglich ausgewintert, el nebeltet sich ausgezeichnet. DaS Wrntergetreide hat entgegen vielfachen Befürchtungen gut überwintert. Ter Roggen steh gut, und der Weizen, den man schon vielfach für vettorer


