Postwertzeichen bcrrug 297,1 Millionen Mk. gegen 282,8 Millionen im Jahre 1901.
w. Wißmar, 17. DcK. Zu den von der Bürgermeisterei Krofdorf bereits bekannt gegebenen Jagdverpachtungen möchten wir auch die hiesige Gemeindejagd- erwähnen. Tas Jagdrecht der Feldmark der hiesigen Gemeinde, 700 Hektar umsasseird, soll Montag, den 18. Januar 1904, mittags 12 Uhr, bei Gastwirt Bruck hier öffentlich ausgeboten werden. Die Pachtbedingungen können gleichfalls vorher auf der Bürgermeisterei eingesehen werden.
-j- Friedberg, 18. Dez. Ein interessanter Streit ist hier ausgebrochen. Vor etwa drei Wochen wurde aus der Kaiserstraße die 24. Filiale eines Frankfurter Kolonialwarenhauses errichtet. Ueber die niedrigen Preise des Warenhauses herrscht unter den Kolonialwarenhändlern große Erregung, zumal alles in das Warenhaus strömt.
8. Ulfa, 18. Dez. Gestern abend hielt Pfarrvikar Zins er von Joachimstal in Böhmen vor gut besuchter Versammlung einen l1/, stündigen Vortrag über die evangelische Bewegung in Oesterreich und über seine Tätigkeit als evangelischer Geistlicher inmitten der katholischen Bevölkerung. In fesselnder Weise wußte er die Verhältnisse der evangelischen Glaubensgenossen in bewegten Worten zu schildern und am Schlüsse so herzlich für seine Gemeinde zu bitten, daß eine Tellerspende den Betrag von 25 Mark ergabt „s." B i e d e n k o p f,17. Dez. Dem Komitee des K r e i & kriegerdeukmals, dessen Grundsteinlegung bereits Sonntag, den L November, erfolgte, ist von den in Baltimore lebenden Biedenköpfern eure Beisteuer von 1000 Mark in diesen Tagen zugegangen. Gleichzeitig wurde Bürgermeister Grünewald nachstehendes Schreiben über- mittell: „Genehmigen Sie, unseren Herzensgefuhlen Ausdruck zu geben, indem wir sagen, wir sind stolz, unsere liebe Heinratstadt Biedenkopf mit einem Kunstwerk ge- chmückt zu wissen, das ewig Zeugnis ablegen wird von der eil)ft, zum Tode führenden Vaterlandsliebe der Bewohner ,)es Kreises Biederrkopf."
E. B. Darmstadt, 18. Dez. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat sich heute mittag nach Erledigung des Justizetats bis zum 5. Januar vertagt. Die Etatsberatung im Plenum dürfte demnach erst in der zwecken Hälfte des Januar chren Anfang nehmen.
Frankfurt, 18. Tez. Die Erschließung neuer Einnahmequellen für das nächste Geschäftsjahr bildet gegenwärtig die Hauptsorge unserer städtischen Behörden. Als Oberbürgermeister Adickes vor einiger Zeit der Stadt- vevordneterr-Versammlung den Verwaltungsbericht überreichte, machte er bereits darauf aufmerksam, daß die ordentlichen Ausgaben, insbesondere für das Schul-, Kranken- und Armenwesen, um rund eine Million gestiegen sind, während die zur Deckung bestimmte Einkommensteuer nur eine Steigerung von etwa 30 000 Mark erwarten läßt. In der jüngsten Stadtverordneteniitzung betonte der Oberbürgermeister nochmals, daß an oer Äeiaerung der Ausgaben nur das Wachsen der regelmäßigen Lasten schuld sei, nicht etwa die von ihm befolgte Sozialpolitik, die sich in Straßendurchbrüchen und großen Landankäusen äußert. Tie städtische Einkommensteuer wird in gleicher Hohe wie die staatliche erhoben, aber nur in den oberen Steuer- stufen, in der mittleren und unteren treten geringere Sähe ein, und an dieser Einrichtung aus Miquetscher Zeit wrll man nicht rütteln. Tex steuer juchende Blick eches zu diesem.
Behufe eingesetzten gemischten Ausschusses ist deshalb auf andere Einnahmequellen verfallen. Neben einer Erhöhung der Hundesteuer (die bisher 15 Mark beträgt) schlägt er die Erhebung einer Abfuhr- mrd einer K'analgebühr von den Mietern vor und erhofft davon eine Einnahme von 800 000 Mark im Jahre. Außerdem soll nunmehr auch ein Lieblingsgedanke des Oberbürgermeisters Adickes greifbare Gestalt gewinnen, nämlich die Besteuerung des Wertzuwachses von Grund und Boden. Einzelheiten über diese neuen Steuern sind noch nicht bekannt; der Bericht des Steuerausschusses wird aber in allernächster Zeit erscheinen.
[] Alarbürg, 18. Dez. Die Strafkammer verurteilte heute einen etwa 70 Jahre alten Invaliden Namens Hch. Scheidemantel aus Spießtappei wegen eines an einem kleinen Mädchen begangenen Sittlichkeitsverbrechens zu 6 Monaten Gefängnis.
[] Marburg, 18. Dez. Ein älterer verheirateter Maler von hier stürzte so unglücklich vom Gerüst, daß er an den erhallenen Verletzungen starb.
[] Kirchhain, 18. Dez. Die Kornhaus-Genossenschaft für den Kreis Kirchhain beschloß gestern, neben dem neuen Kornhaus am früheren Ohmtalbahnhof noch ein großes Lagerhaus zu erbauen.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Aus Kassel meldet man, daß laut Mitteilung an die Kreisbehörden, die Erhebung einer Bezirkssteuer von 6,6 pEt. des bezirksabgabenpflichtigen Steuersolls in Aussicht genommen ist. — Im Lumdatal wurde dieser Tage die Regulierung der Lumda bei Treis und Daubringen beendet.
Oerichtssaal.
— Das Reichsgericht hat entschieden, dc vertrieb im Wege des Schneeballverfa Lawinen-, Hydra-, Gella- usw. System genannt) als Veranstaltung einer Ausspielung im Sinne des § 286 des Strafgesetzbuchs und der §§ 22 ff. des Reichsstempelgesetzes vom 14. Juni 1900 anzusehen ist. Da derartige Ausspielungen nur mit obrigkeitlicher Genehmigung zulässig sind und einer hohen Stempel ab gäbe unterliegen, so bat das ermähnte Urteil dahin geführt, daß die gedachte Geschäftsform seitens inländischer Gewerbetreibender nicht mehr zur Anwendung gelangt Dagegen sind neuerlich mehrfach Bestrebungen ausländischer Gewerbetreibender hervorgetreten, durch unerlaubte Anwendung des in weniger urteilsfähigen Kreisen anscheinend noch immer als vorteilhaft angesehenen Schneeball- verfahrens in Deutschland Absatz zu verschaffen und dadurch dem reellen inländischen Geschäft unlautere Kontur r e na zu machen. Auf diese Weise sind bis jetzt nachgewiesener- maßen Uhren und hier bei uns in G i e ß e n namentlich wollene, baumwollene oder seidene Damenkleid ungs st ücke zur Einfuhr gelangt; es ist aber keineswegs ausgeschlossen, daß auch andere Waren im Wege des Schneeballverfahrens angeboten werden. Die in letzter Zeck beobachtete Zunahme dieser 2lrt des Geschäftsverkehrs gibt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß nach § 286 des Strafgesetzbuchs die Veranstaltung einer öffentlichen Ausspielung ohne obrigkeitliche Erlaubnis mit Gefängnis b i s zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 3000 M k. und nach §§ 25 und 27 des Reichsstempelgesetzes die Empsangnahine oder der Vertrieb ausländischer Spielausweise ohne Entrichtung der Stempelabgabe mit einer dem fünffachen Betrage der hinterzogenen Abgabe gleichkommenden Geldstrafe geahndet wird.
der W ar eure n s (auch
Handel und Verkehr. VolkLwirischafll!
— Emisfiousmodalitäten bei der neuen Reichsauleihe. Demnächst schon sindet beim Reichsschatzsekretär eine Enquete statt, die die Modalitäten ausfindig machen soll, um bei Ausgabe einer neuen Reichsanleihe Erscheinungen zu vermelden, wie sie bei der letzten Anleihe zu Tage kamen. Es trat nicht allein bei der letzten Ausgabe der 3proz. Reichsanleihe, sondern auch bei früheren Ausgaben die unangenehme Erscheinung ein, daß kurze Zeit nach der Subskription die Kurse zurückgmgen; wie besonders empsindlich bie§. nach der letzten Anleihe der Fall war, daran braucht wohl nicht weiter erinnert zu werden; es ist übrigens auch schon ausgiebig! geschehen. Die Besprechungen sollen sehr bald beginnen und hierzu vorerst nur wenige große Bankhäuser und Banken eingeladen werden.. Die Frage der Ermäßigung der Börsenstener wird jedoch hierbei nicht in Betracht kommen. — Bei dieser Gelegenheit kommen wir nochmals auf die jüngst nach der „F. Z." gebrachte Mitteilung: zurück, es solle mit der Begebung einer neuen Anleihe zugewartet werden, inn den Markt nicht allzu sehr zu überladen, demgegenüber wird nicht mit Unrecht darauf hmgewiesen, daß schon im vorigen Jahre gerade die schon verhältnismäßig späte Begebung! nut ein nicht unwesentlicher Punkt der verfehlten Emission war. Es ist bekannt, daß gerade die ersten Monate jeroeilen für eine1 rege Emlssionstätigkeit benutzt werden und daß es daher verfehlt ist, wenn man erst dann erscheint, wenn gewissermaßen der Rahm schon abgeschöpft ist Schon jetzt erfährt man, daß im nächsten Jahre eine außergewöhnlich lebhafte Emissionstätigkeit bevorsleht und die neue Reichsanleihe wird so wie fo »lachhinken, da sie erst nach der Etatberatung herauskommen kann. Es märe also jede weitere Verzögerung nur von Nachteil.
Zur industriellen Lage. Tie B u d e ru s s ch e n Eisenwerke in Wetzlar können wieder die gleiche Dividende wie im Vorjahr, nämlich 5 Proz., verteilen. Auch werden die Abschreibungeri gleich hoch wie die vorjährigen sein; damals betrugen diese 1*/« Millionen.— Die Düsseldorfer Eisen- hüttengesellschast hat wieder ein uligünstiges Jahr hinter sich. Sie hat einen Verlust von 46 998 Mk. zu verzeichnen. Tie Uiiterbilanz erhöht sich nach 33181 Alk. Abschreibungen auf 126 312 Alk.
Boru Geldmarkt. Die Angelegenheit des Geldinarktes kommt jetzt hauptsächlich wegen der Börfenbedürfnisse zur Besprechung. In Berlin und Frankfurt macht sich nach ivie vor eine gewisse Zurückhaltung der Geldgeber mrd eine ziemlich starke Versteifung des Zliisfußes geltend.
Zur Judustriclleu Lage. Nach der „Arbecksmarkt-Korr." ist in der Klelnelsenmdustrie eine wesentliche Besserung eingetreten, doch ist der Geschäftsgang iioch lange nicht gut genug, um alle Arbeitskräfte zu beschäftigen. Im Erzbergbau sind die gehegten Envar- tungen in Erfüllung gegangen. Die Förderung stieg und kam auch in den günstigen Ergebllissen zum Ausdruck. Flott beschäftigt sind die Siegerland- und die nassauischen Gruben. Nicht ganz so lebhaft war die FÖrderniig in anderen deutschen Bergrevieren; doch haben dieselben für die Gesamtförderung nur geringe Bedeutung.
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