fest zugleich fein WfLhriges Jubiläum als Angehöriger des Korps feierte, das ihm von S. K. H. dem Gvoßherzog ver- 1 iohene Ehrenzeichen für 25 Jahre. HauptniMin Lindenstruth überreichte dem Jubilar namens des Vereins eine in hübschem Rahmen eingefaßte Urkunde für 25 Jahr und schloß feine Ansprache mit einem „Gut Wehr!" auf Haupt- inann Sauer. Dieser dankte mit Versprechen, auch tveiter- lün seine Schuldigkeit zu tun. Branddirektor Traber nahm noch einmal das Wort, nm den Angehörigen des Korps Kour. Häuser urrd Karl Volk Diplome für 15jährige Dienstzeit un Nmnen der Stadtverwaltung zu überreichen. — Das Vergnügungsprogramm des Llbends war überaus reichhaltig. Ein Teil unserer Militärkapelle spielte, und der Bauersche Eesangverein unter Kapellnieister Polster trug unter allgemein ein Beifall hübsche Gesänge vor. Ein lustiger Schwank „Sperling und Sperber", der vorn Ehemännerleben erzählte, wurde von hiesigen Dilettanten überaus geschickt dargestellt. Es waren Damen und Herren von hier an dem Spiel beteiligt: die Herren Volk nnb Wein- Ijorb als die Kaufleute Sperling und Sperber, Frl. Arnold und Frau Stommel als deren Frauen; in Rebenrollen traten auf die Herren Stommel und Waldschmidt und Frl. Franz und Frl. Wagner. Später ergriffen noch der 2. Präsident des Bauer scheu Gesangvereins, Herr Todt, und Stadtv. Kirch zu kurzen Beglücllvüuschungen das Wort, und Branddirektor Traber widmete unter scherzenden Worten den Damen ein „Gart Wehr!" Es war schon Nachmitternacht, als der Festball begann. — Gestern nachmittag machte die Gailsche Feuerwehr einen Ausflug nach Klein-Linden, uni im Gast- lArus zur Deutschen Eiche eine kleine Nachfeier abzuhalten.
** Prof. van Calker. Zum ordentlichen Professor für Staats-, Berwaltungs-, Kirchen- und Völkerrecht an der Landesuniversität an Stelle des in den Ruhestand getretenen Professors Dr. K. F. Heiurburger, ist bekanntlich der bisherige Privatdozeut in der juristischen Fakultät der Universität Freiburg i. Br., Dr. jur. Wilhelm van Calker ernaMit worden. Calker ist 1869 zu Rentin in Bayern ^boren, absolvierte (1887) das Gymnasium in Kempten und studierte in München und Berlin. 1891 bestand er die erste juristische Prüfung. Dann widmete er sich drei Jahre der juristischen Praxis und legte 1895 die zweite Prüfung für den höheren Justiz- uiid Verwaltungsdienst in Bayern ab. 1895/96 uiid 1896/97 betrieb er landwirtschaftliche Studien an den landwirtschaftlichen Akedemien in Weihen- stephan und Hohenheim und an der Münchener Technischen Hochschule 1897/98 war er bei der Regierung, Kammer des Innern von Oberbayern und im bayerischen Staatsmiuiste- rrum des Innern beschäftigt. 1898 wurde er bayerischer Bezirksamtsassessor. Von 1899 bis 1903 war er zu staatsrechtlichen Studien beurlaubt. 1900 promovierte van Calker in Freiburg i. Br. mit einer Dissertation: „Die Anfänge des badischen Budgetrechts". Auf Grund einer Habilitationsschrift: „Das badische Budgetrecht in seinen Grundzügen. 1. Teil: Geschichtliche Entwicklung" habilitierte er sich im Dezember 1900 in Freiburg i. Br. als Privatdozent für die Fächer: Allgemeines Staatsrecht, Deutsches Reichs- und Landesstaatsrecht, deutsches Verwaltungsrecht, Lirchenrecht der Katholiken und Protestanten und Völkerrecht. Das Gießener Lehramt übernimmt van Cialker mit Beginn des Wintersemesters. Als Ordinarius wird er zugleich Mitglieo der juristischen Prüfungskommission für die erste juristische Prüfung.
**£.H. Evang. Jünglings- und Manner- Verein. Gestern, am Tage von Leipzig, am Geburtstage des Kaiserherolds Em. Geibel und des Dulders auf-dem Kaiserthrone, unseres „Fritze", beging der hiesige Evang. Jünglings- und Männerverein sein 16. Jahresfest unter zahlreicher Beteiligung von außen her. Namentlich hatte sich der um 6 Jahre ältere und durch willigere Beteiligung von Männern stärkere Marburger Bruderverein in stattlicher Zähl eingefunden. Um halb 10 Uhr morgens begann die Feier mit einem Gottesdienst in der Jo Hannes kirche, der gut besucht war. Unter Begleitung des aus Vereinsmitgliedern gebildeten und gut geschulten jugendlichen Po- faunenchors brauste das „Lobe den Herren" re. durch die Kirchenhallen. Die Liturgie mit der trefsich ausgewähten Schriftlektion Ps. 119, 1—11 hielt der Gründer und Leiter des festfeiernden Vereins, Pfarrer Dr. Naumann. Vian sah und hörte ihm an die dankbare Freude über den vom Herrn dem Verein geschenkten festlichen Tag. Es folgte als Gesang der Gemeinde das alte köstliche „Valet will ich Dir geben", bann die herzbewegliche, schlichte, klare und warme Predigt des Pfarrer Koch von Lützellinden über das Sonntagsevangelimn von der Stellung des Gichtbrüchigen, Matth. 9, 1—8, mit dem Hauptsatz: „Was sagt unser ev. Abschnitt der Jugend" und der Antwort: „Komme zu Jesu, denn 1. ohne Jesus bist du verloren, 2. durch ihn bist Du gerettet." Hoffentlich erscheint das gewaltige Zeugnis voll mutigen Glaubens und treuer Liebe, voll ernster Mahnungen an die Jugend im Druck, um auch „solchen, welche bei der Feier nicht zu sehen waren", das Herz für die christlichen Jugend Vereinigungen zu erwärmen. Nachmittags i/24 Uhr setzte sich die Festfeier in der Kleinkinderschule fort. Die geräumigen Säle waren dicht besetzt, doch fehlten leider die Leute von „Bildung und Besitz". Auch gewahrten wir — irrten wir, soll es uns lieb sein — nur einen einzigen Kirchenältesten. Posaunenchöre, Ansprachen „voll Geistes und voll Kraft", Jo des Festpredigers über Joh. X, 27 f., des Marburger Stadtmissionars Köhler über Luc. 17, 32 — kurz, kemhast, packend — des verdienten greifen Vereinsleiters, welcher Ä.uch mit Gebet und Segen die Feier uni ßi/i Uhr schloß und der bei seiner amtliditen Ueberbürbung um Unterstützung von Brüdern durch Uebernahme von Vorträgen im Vereine, sowie um einen geeigneten Manu zur Leitung eines Gesangchors bat. Vorträge des Marburger Singoereins, Zithervorträge, die Verlesung des interessanten Jahresberichts, Rezitation des Gedichts „Immer fröhliche eine ergötzliche Aufführung „Gespräch über die Zwecke des Jünglingsvereins" wechselten ab mit (^emeinbegefangen voll Wärme unb Innigkeit. Es war eine selten schöne Feier.
A. Heuchelheim, 18. Okt. Heute abend versammelte sich auf dem Platze beim Rathaus unter dem gespenstigen Schein von Pechfackeln eine größere Anzahl Vergnügungslustiger, die den Kunststücken einer Zirkusgesellschaft ihre Aufmerksamkeit schenkten. Einige städtische Zuschauer unb Zuschauerinnen standen dabei und freuten sich darüber, wenn die Jugend, besonders die Dorfschönen, über die herzerschütternden Spässe eines Clowns in stürmische Heiterkeit ausbrach.
-i- Steinberg, 19. Okt. Am 15. Oktober ist die hiesige Zigarrenfabrit von Ehr. Keß le r u. Co., Bremen, an die Firma Rinn u. Eloos, Heuchelheim, welche hier ebenfalls schon eine Fabrik besaß, übergegangen. Aus diesem Anlaß veranstaltete die Firma Rinn u. Cloos am Samstag abend im Saale der Schmandt'schen Wirtschaft für die Ar- beiier ihrer beiden Steinberger Fabriken ein Fest, bas einen
recht schönen Verlauf nahm. Der Teilhaber der Finna, Herr Rinn, begrüßte die Erschienenen und erteilte dann dem Prokuristen ber Firma, Herrn Bergen, das Wort zu einer bem Anlasse angepaßten Ansprache. Mit dieser Erwerbung hat der Arbeiterstand der Firma Rinn u. Cloos die Zahl 600 überschritten, gewiß ein erfreuliches Zeichen für den stetigen Aufschwung, welchen das noch junge Geschäft nimmt.
)( Grünberg, 18. Okt. Auf Anregung auswärtiger Besucher hat sich ein hiesiger Bürger schon längere Zeit mit dem Plane beschäftigt, auf Grund des ozonreichen Klimas hier die gegebene natürliche Lage zu einem Ku r- or t auszunützen, und dieser Plan wurde nun gestern abend einer öffentlichen Versammlung unterbreitet, welche unter zahlreicher Beteiligung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Zimmer tagte, ytachdem der Vorsitzende des Verkehrs- verechs, .Herr Schmidt L, die volle Sympathie und Unter» tützrlng dieses Vereins für das Projekt zugesagt hatte, ergriff Herr G. Rohleder das Wort, um den schon feit einiger Zeit in ihm erwachten Gedanken, die Stadt als Kurort auszubauen, in ausführlicher Weise den Anwesenden darzulegen. Der Referent besprach die schon von vielen Fremden anerkannte prachtvolle und gesunde Lage der Stadt und wies darauf hin, daß sich bereits ein Frankfurter Konsortium gebildet habe, welches das von ihm angeregte Projekt verwirklichen wolle. Herr Rohleder denkt sich die Ausführung folgendermaßen: Auf dem der Stadt gegenüber gelegenen „Tannenkopf", von wo man eine prachtvolle Aus,icl)t bis zum Feldbergturm hat, solle ein großes Kurhotel mit etwa 100 Zimmern mit Aussichtsturm errichtet worden, auf der Südseite nach Lauter hin eine große Ruhehalle; sodann bei der Ziegelhütte eine Milchkuranstalt nach holländischem Muster, und der jetzige Holzplatz sei als Spielplatz für die Jugend herzurichten; endlich an der Dickeismühle eine Nervenheilanstalt mit etwa 30 Betten und das Brunnen- uni) Dickelstal als Promenade mit einer Allee zu versehen. Die Stadt brauche keine Kosten hierbei zu tragen, sondern nur für eine bessere Straßenreinigung zu sorgen. Die Hauptfrage fei jetzt, ob die Stadt einem derartigen Unternehmen entgegenkommen wolle, und dann müsse festgestellt werden, ob für nächstes Frühjahr hier etwa 20—30 Herren Wohnung erhalten könnten, damit diese die für das Projekt gegebenen Verhältnisse selbst beobachteten. Der Redner schloß mit dem Hinweise, daß vor allem ein Komitee gebildet werde, das tüchtig arbeiten müsse; wenn jetzt auch noch mancher über die Sache lache, o würde sie doch zu stände kommen. Grünberg habe von oben nichts zu erhoffen, es müsse sich selber helfen. (Das klingt ja wie Verzweiflung! Jfts denn so schlimm? D. Red.) Der Vorsitzende dankte für die klaren Ausführungen des Herrn Rohleder und sagt die größtmögliche Unter* tützung der Stadtverwaltung zu. In der nun folgenden ziemlich lebhaften Diskussion sprachen sich die Redner in zustimmender Weise aus, wenn auch einige Herren der Verwirklichung dieses Planes mit etwas weniger Vertrauen entgegeusehen, da die vom Referenten erwähnten Persönlichkeiten nicht namentlich genormt würden. Schließlich wurde unter allgemeiner Zustimmung beschlossen, ein Komitee zu bilden, das sich aus allen Kreisen der Stadt zusammensetzt und nun der von Herrn Rohleder gegebenen Anregung näher treten wird. Die hierdurch erwachsenden Kosten sollen durch fteiwillige Geldbeiträge gedeckt werden.
R. B. Darmstadt, 18. Okt. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland kamen heute früh von Wolfsgarten hierher und besuchten den Gottesdienst in der ruj)tfdjen Kapelle, an welchem auch Prinz Andreas von Griechenland mit Gemahlin und das russische Gefolge tellnahrnen. Heute abend kamen das Aarenpaar und der Großherzog mit dem Automobil nach Darmstadt und besuchten das Hoftheater. Die Aufführung von Wagners „Rienzi" war wieder eine Musterleistung. Sehr prunkvoll war die große Balleteinlage im zweiten Akt, in der von den Gladiatoren vorzügliche turnerische Schaustücke vorgeführt wurden. Herr Spemann, der den Rienzi zum erstenmal sang, verlieh dieser Rolle eine geradezu iDeale Verkörperung, Frau To Hi als „Adriano" war stimnllich und darstellerisch voll auf der Höhe, und Chor und Orchester bewiesen unter der bewährten Führung des Hofkapellmeisters de Haan die schon oft gerühmte Sicherheit und Exaktheit. Oberregisseur Waldeck bekundete in der ganzen Aufführung wiederum eine vortreffliche Regiekunst. — Die heutige Sitzung des Landesausschusses der nationalliberalen Partei Hessens war von über 70 Delegierten aus allen Teilen des Landes besucht; unter den Anwesenden befanden sich auch die Reichstagsabgg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim, Graf Oriola und Kammerpräsident Geh. Regierungsrat Haas, sowie eine Anzahl nationalliberaler Landtagsabgeordneter. Nach kurzer Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitzenden, Justizrat Schmeel L, der u. a. aus den erfreulichen Aus gang der Reichs tagswähl und den Sieg der Nationalliberalen bei der Darmstädter Landtagswahl hinwies, referierte der Vorsitzende eingehend über den demnächst zur Vorlage kommenden neuen Gesetzentwurf, betr. die Abänderung der Gemein d e u m l a g c n. Tie Versammlung beschloß nach kurzer Debatte, in der besonders die drei ReichDtagsvertreter chre Anschauungen vor- trugen, nach Bekanntwerden der Regierungsvorlage eine weitere Besprechung über diese wichtige Gesetzesmaterie im Landesausschuß stattfinden zu lassen. Eine eingehendere Besprechung fand darauf die Frage der hessischen Wahlrechtsabänderung. Reckstsanwait e al Im an n-Alzey referierte über die neue diesbezügliche Regierungsvorlage, worauf eine Anzahl Abgeordnete und Delegierte ihre Anschauungen über die einzelnen Bestimmungen des Gesetzentwurfs näher darlegten. Die Besprechung über die Aufgaben der Parte: im Reichstag, über welche Gra' Oriola referieren sollte, mußte der vorgerückten Zeit wegen verschoben werden. Es soll daher am 22. November eine allgemeine Landesversammlung nach Frankfurt ein- berufen werden, die sich vornehmlich mit der Erörterung über diese Ausgaben zu befassen hat.
Wiesbaden, 17. Okt. Heute morgen wurde das Rentner-Ehepaar Pohl erschossen in seiner Wohnung aufgefunden. Die Eheleute, welche in anderthalbjähriger kinderloser Ehe lebten, lagen neben einander in Gesellschafts-Toilette. Anscheinend hat Pohl zuerst seine Frau und dann sich selbst erschossen. Pohl war 24, die Frau 23 Jahre alt.________ ______
Hlinörl und Verkehr. KolkswiLtschast
— Braurrsteiubergwerke vorrn. Fernie. Mit Rücksicht aus die große V e r s ch i e d e n h e i l der Ergebnisse des Werkes in den einzelnen Atonalen Hal der Grubenvorftand beschlossen, bis aus weiieres nur von Quarlal zu Quartal Berichle herauSziigeben. Im verfloßenen Quartal Juli— September roneben versende!: Für Aü. 362 469.08 Manganelsen- und Braunstein, Schlennne und Vlebenprodukie. Der Relngewinn des Werkes im abgelegenen Vierleljahr beträgt Mk. 129 047.29.
fo. Frankfurt a. M., 19. Okt. (Orig.-^elear. des „(Stoßen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreife: Weizen Mk. 16.25—00.00, Kurhessischer All. 16.50-*-00.00, La Plata Alk. 16.50—16.75, Kansas Mk. 16.50—16.75, Roggen (hiesiger) Mark 13.00—13.25, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.25—15.50, Franken- selderMk. 16,00—16,25, Hafer Mk. 13.00-13.75, 'Mais Mk. 12.75—13.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.75—26.25, 2. Qualität All. 23.75
dis 9)if. 24.25, 3. Qualität Mk. 21.75—22.25, Roggenmehl 0 Alk. 22.00—22.50, 1. Qualität Mk. 19.25—20.25, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Rtk. 0.00, Roggenkleie Mk. 9.75—10.25, Maiskeime Mk. 10.25 bis Mk. 00.00, Franken, Psälzer, Ried Ntk. 00.00—000.0. Alles per 100 Kg. ab hier.
to. Frankfurt a. M., 19. Okt. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutiger» Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 477 Ochsen, 139 aus Oestreich, 77 Bullen, 4 aus Oestreich, 733 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oestreich, 294 Kälber, 554 Schafe und Hämmel, 1637 Schweine, _ 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgervicht: Ochsen 1.Qualität74—75Mk., 2. Qual. 68—69 Mk., 3. Qual. 65—67 Mk.; Bullen 1. Qual. 66 bis 68 Atk., 2. Qual. 62—64 Mk.; Kühe 1. Qual. 67—09 Mk., 2. Qual. 65—66 Mk., 3. Qual. 54—56 Mk, 4. Qual. 51—53 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: 1. Qualität88—90Pfg.,Lebendgewicht 54—56 Pf., 2. Qual. 85—87 Pfg., Lebendgewicht 51—53 Pfg., Schlachtgewicht 72—75 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 68—70 Pfg., 2. Qual. 58—60 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 58—00 Pfg., Lebeudgew. 46 Pfg., 2. Qual. 57—00 Pfg., Lebendgewicht 45—00 Pfg., 3. Qual. 49—54 Pfg., Lebendgewicht 00-p00 Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh gut, kem Ueberslaud; bet Kleinvieh gut, alles verkauft.
GeriMssaal.
Gießen, 18. Okt. In der Kriegsgerichtssitzung am Samstag (über die tuir morgen ausführlicher berichten), wurde eine Beleidigungsklage eines Gertchtsassessors gegen zwei Unteroffiziere, die diese gegen den Kläger und midere in einem Eisenbahnwagen mitfahrende Passagiere ausstießen, vom Kläger zurückgezogen, trotzdenr der Tatbestand hinreichendes be- lastendes Material ergeben hatte.
Kriefkasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben nuberückfichtigt.)
„Landessynode". Für Reformation, Totenfest und Advent ehr erwünscht. Ergebensten Tank!
Neueste Melduugeu.
OrigntaldrahLmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 19. Okt. Der Schluß der K a i s e r r e d e bei der Einsegnung in der Friedenskirche in Potsdam lautet: Wenn Ich nun auf Meine persönlichen Erfahrungen zurückblicke, so kann Ich Euch nur versichern,, — und Ihr werdet dieselbe Erfahrung machen —: Der Angell und DrehMnkt unseres menschlichen Lebens, zumal aber eines verantwortungsvollen und arbeitsreichen Lebens, — das ist mir klarer geworden von Jahr zu Jahr — liegt nur einzig und allein ,in der Stellung, die man zu seinem Herrn und Heilande einnimmt. Ich nannte ihn die „persönlichste Persönlichkeit", und das mit Rechll Wie es nicht anders sein kann im menschlichen Leben, und wie es uns allen begegnet, so ist es auch mit ihm gewesen. Es ist der Streit der Meinungen um ihn entbrannt: Manche waren für ihn, manche haben im Zweifel gestanden, viele waren gegen ihn, aber darüber kann kein Zweifel sein, und der schärfste Feind und Leugner des Herrn ist nur der Beweis dafür: Der Herr lebt noch heute als ganze Persönlichkeit, die nicht ignoriert werden kann! Noch heute schxeitet seine Lichtgestall, unserem geistigen Auge nur sichtbar und der Seele fühlbar, unter uns einher: tröstend, helfend, stärkend, auch Widerspruch und Verfolgung erweckend, und weil er nicht ignoriert werden kann, so wird jeder Mensch gezwungen, bewußt oder unbewußt, das Leben, das er lebt, das Amt, das er führt, das Werk, das er treibt, immer darauf zu basieren, unter welchem Gesichtswinkel er unserem Heiland gegenüber steht und ob seine Arbeit im Sinne des Herrn getan, ihm wohlgefällig ist, oder ob es das Gegenteil ist. Sein Gewissen, wenn es noch lebt, wird ihm stets darüber Auskunft geben. Gewiß, ich glaube gern, daß viele Menschen heute der Ansicht sind, im heutigen „modernen" Leben mit seinen vielfachen Aufgaben und verantwortungsvollen Stellungen ist es undenkbar, daß man sich mit der Persönlichkeit des Heilandes so eingehend beschäftigen und auf ihn Rücksicht nehmen kann, wie es früher geschah, und die Menschheit hat sich neben dem Herrn den Himmel ausgeschmückt mit vielen herrlichen Gestalten, frommen Christen, die Heilige genannt werden und an die sie sich hilfesuchend wenden, aber das ist alles Nebensache und eitel. Der einzige Helfer und Retter »ist und bleibt der Heiland. Ich kann euch nur eines von ganzem Herzen raten für euer zukünftiges Leben! Schafft unb arbeitet ohne Unterlaß, das ist der Kem des Christenlebens, wie er es uns vorgelebt hat! Werfet einen Blick in die Schrift und le)et die Gleichnisse unseres Heilandes. Am schwersten wird der bestraft, der nichts tut, der sitzen bleibt, mit dem Strom mitgeht und die anderen arbeiten läßt, wie im Gieichm)se von den Pfunden. Was auch eure Pasionen, was auch eure Gaben sein mögen, es möge jeder danach trachten, auf jeinem Gebiete das Beste zu leisten und eine Perfonllch-keit zu werden, in seine Ausgaben hiueinzuwachsen, in ihnen zu schaffen und sie.zu fördern nach dem ^ifplele des Heilandes. Trachtet vor allem darnach, daß das, was ihr vomehmt, möglichst stets zu einer F^ude für eure ..rit- menscheu werden kann — denn das ist das Schönste, mit anderen sich gemeinsam freuen zu können — und wo das nicht möglich ist, daß euer Wert den Mrmenschen wenigstens zu ^Nütz und Frommen sein möge, wie unsere^ Herrn arbeitsreiches und tatenreiches Leben es stets gewesen, dann habt ll/r nur das erfüllt, das von euch erwartet wird. Dann werdet ihr brave deutsche Manner, rucytige Prinzen Meines 5rnuses werden und teilllehmen können an der aroßen Arbeit, die uns allen beschieden ist. Daß ihr solche Arbeit mit Segen zu ihrem Ziele fuhren möget, daß euch. Gattes unb des Heilandes Hilfe dabei nicht fehlen möge, darauf leeren wir am heutigen ^age unsere Glaser.
Wien, 19. Okt. Der König der Belgier unter» nahm heute nachmittag eine Spazierfahrt in der Stadt. Abends sand in Schönbrunn Famillentafel statt, an der der Kaiser, der König Leopold, die Mitglieder des Kaiserhauses und Graf Goluchawski leilnahmen. Nach einem halbstündigen ßcrcle lehrte der König der Belgier nach der Hofburg zurück. Gegen 8 Uhr 30 Minuten reifte der König nach Paris ab.' Zur Verabschiedung hatten sich aus dem Bahnhofe der Kaiser, die Prinzen Philipp und Leopold von Koburg, der Ehrendienst und der belgische Gesandte mit den Mitgliedern ber Gesandtschaft eingefunben. Stach herzlicher Verabschi bung oom Könige ber Belgier kehrte ber Kaiser nach Schöm nun zurück.
Peking, 17. Okt. Die „Times"-Meldung, daß get \ bie hiesige englische Gesandtschaft em Spreng ' attentat verübt wurde, ist völlig unbegründet.


