Ausgabe 
19.9.1903 Drittes Blatt
 
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Nr. 220

rf 4fr eint tS-ttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers«*Huch- u. Stein- bructeveKPietschSrde«» Wetxrttton. «rpeditt«, tmb Druckereii

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UDreffe für Depeschen, Anzeiger Gieße«.

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Drittes Blatt. 153. Jahrgang Samstag 13. September 1903

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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MW

V ** -eigentett: Han- Beck.

ArSer die letzte Wirtschaftliche Krisis hat man sich auf der <s>ieneralber,am mlung des Vereins für Sozialpolitik in Hamburg sehr eingehend unterhalten. lieber die Theorie der Krisen und die Ursachen der letzten Krisen streiten sich die Gelehrten. Die Theorie des Referenten Pros. Dr. So mb art wurde von allen Seiten bestritten; jeder Gegner entwickelte dabei eine andere Theorie.

Prof. Kind ermanu-Heidelberg nannte als Mittel zur Entwickelung der Produktion: Vermehrte Nachfrage nach Arbeit oder Gut seitens des Staates und der Kommune, Transporterleichterungen, bessere Kredit- organisation, Vorschüsse (z. Bl. an die Landwirt­schaft), materielle Wohlfahrtseinrichtungen (Wohnungs­wesen), allmähliche Ausbildung der Arbeitslosenversicher­ung, staatliche und kommunale Armenpflege, Aufstellung einer landwirtschaftlichen Verschuldungsstatistik zur Be­ruhigung der Bevölkerung, Unterstützung von Geiwsjen- schasteu, Förderung von Einigungsämtern. Staat und Kommune hätten aber auch die Pflicht, bei drohender Ueberproduktion rückbildend einzugreifen. Ties sei möglich durch Verringerung der eigenen Nachfrage, durch geringe Krediterschwerungen (Diskonterhöhungen), durch Lransporterschwerungen (gegenüber der ausländischen Kon­kurrenz), durch Zollverringerung bei übermäßiger Aus­breitung von Kartellen und schließlich durch Hinweise von Staat und Kommune, daß es für die Produktion Zeit sei, sich einzuschränken.

Rechtsanwalt Dr. Esch enb ach-Berlin empfahl den: Verein fürSozialpolittk, dieGutvolkerung desplat­ten Landes bei gleichzeitiger Hypertrophie der Arbeits­kräfte in der Industrie zum Gegenstand der Untersuchung zu machen. Wetter redete er einer Aenderung des Bör­sengesetzes das Wort. Tie Behauptung, daß die Börse seit Inkrafttreten des letzten Börsengesetzes darniederliege, sei Irrtum. Tie Börse habe die gesunden und notwendigen Funktionen vollständig wahrnehmen können. Man stehe jetzt erneut vor der Furage, wie vom Publikum der schädliche Einfluß der Börse ferngehalten werden könne. Nach seiner Ueberzeugung würden wirtschaftliche Kriesen bei uns nur dann zurückzuhatten sein, wenn dem Kapital und der Börse klar die Wege vor geschrieben werden, in denen sie sich zu halten haben.

Regierungsrat a. D. Dr. Lüdig, der Geschäftsführer des Zentralverbandes deutscher Industrieller, bedauert, daß Prof. Schmoller in seiner Eröffnungsrede von der Partei der Scharfmacher gesprochen und so einen Ausdruck, der sonst nur in den Niederungen der parteipolitischen Tagespresse und im Jargon der Turchschnittsparlamen- tarrer gebraucht werde, in die wissenschaftliche Terminologie eingeführt habe.

Privatdozent Dr. Liefmann-Gießen behandelte ebenfalls die Kartellsrage und kommt zu dem Schluß, daß die Kartelle der Zukunft, indem sie die Produktion dem Markt anpassen und die erforderlichen Einschränkungen auf die Schultern aller Produzenten legen, einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen können. Wenn ein Kartellgesetz zu ftande kommen sollte, müsse es als wich­tigste Bestimmung das Verbot enthalten, daß die Ab­nehmer gezwungen werden, Abschlüsse auf lange Zeit im voraus zu machen. Als eine notwendige gesetzgeberische Aktion bezeichnet der Redner weiter die Bekämpfung der Spekulation. Er denkt dabei zunächst an die Boden­spekulation. Als eines der wichtigsten Resultate, die das Studium der letzten Krisis ergebe, sei festzustellen, daß die sozialistische Auffassung, die Krisen würden immer schärfer werden, sich als falsch herausgestellt habe; denn die letzte Krisis sei verhältnismäßig milde verlaufen, und da die Tendenz bestehe, die Produktion in immer größerem Umfange zu organisieren, wäre als sicher vorauszusagen, daß die Krisen in Zukunft noch milder werden würden.

Dr. Jastrow-Berlin kommt in seinem Schlußwort auf die zukÜn ftig e n H and e ls v ertrüg e zu sprechen. Die Feststellung, daß der Arbeitsmartt sich bessere, gestatte nicht die Prophezeiung, was nun komme. Voll und ganz

sei er überzeugt, daß es ein nationales Unglück sein würde, wie Deutschland es noch nicht erlebt habe, wenn keine Handelsverträge zu stände kämen Es wäre das die Ver­hängung der Arbeitslosigkeit über weite Distrikte des Vater­landes. Mit Rücksicht auf diese Gewißheit^sage er beruhigt: Eine Regierung, die Deutschland ohne Handelsverttäge re­gieren kann, gibt es nicht. (Beifall.)

Nach weiteren Ausführungen von Hoftat Hecht und Prof. Sombart, sowie einem Rückblick auf die Verhandlung von Professor v. Philippovich schloß Prof. Schmoller die Versammlung mtt der Bemerkung, daß sofort in eine Untersuchung über kommunale Sozialpolitik eingetreten werden solle, deren Ergebnisse den Gegenstand der Beratung auf der nächsten in zwei Jahren stattfinden- d en Gen er alv er sammlun g bilden werde.

Uolitifthe Tagesschau.

Zur Marburger Stichwahl.

Auf dem sozialdemokratischen Parteitage kam Herr Bebel auch auf die Stichwahl in Marburg zu sprechen. Nach dem Münchener Beschluß durften die Ge­nossen für keinen bürgerlichen Kandidaten stimmen, der für Militär- und Flottenvorlagen eintrttt. Nun konnte aber der Fall in Frage kommen, daß ein Freisinniger, der auf der andern Seite Gegner aller indirekten Steuern, Liebesgaben, Verteidiger des Wahlrechts usw. ist, einem Bündler gegenübersteht. Da, so führte Bebel aus, meinten wtt im ^Lrrteivorstand, daß es geboten sei, parteioffiziös hier einen Wink den Parteigenossen zu geben. Wir waren überzeugt, daß der Parteitag sagen werde: Ihr habt ge- sündrgt, aber ihr habt recht getan. (Zustimmung.) Die Marburger Genossen hatten sich nun aber an den Partei­tagbeschluß gehalten. Sie waren darin im Recht und Ge­nosse Heine zu seiner etwas hochfahrenden Erklär­ung gar nicht berechtigt. Heine fühlte sich aus seinem Freundschaftsverhältnis zu Herrn v. Gerlach verpflichtet, den Beschluß zu telegraphieren: (Heine: Nur den Vor- wärts-Artikel). Das ist doch dieselbe Sache. Man kann sich die Lage der Atarburger Genossen denken, als sie nun eines Morgens das Heinesche Telegramm lasen. Als ich über diesen Fall von Tr. Michels aus Atarburg eine Beschwerde erhielt, schrieb ich, ihm: Ich würde euch auch geraten haben, für Herrn v. Gerlach zu stimmen. Ich habe keinerlei Sympathien zu Herrn v. Gerlach. Im Gegenteil, ich weiß auch, daß er ein Flotten- und Milttärschjwärmer, Mettpolitikschwärmer ist. (Stadthagen: Ueberhaupt ein Schwärmer.) Wer auf der andern Seite ist er ein Gegner aller indirekten (Steuern, ein Verfechter des allgemeinen Stimmrechts. Ta dürfte kein Zweifel sein, wie man stim­men solle, da auch ein Bündler in Frage stand. Genosse Michels erwiderte darauf: Ja, wenn man so mit uns ge­sprochen hätte, würden wtt ganz anders gehandelt haben.

Vermischtes.

Elbing, 17. Sept. Die Verhaftung des Stadt­kämmerers Krüger in Stuhm erregt großes Aufsehen. Es werden ihm große Unterschlagungen zur Last gelegt.

* Madrid, 17. Sept. Die Enthüllungen über die Korruption der Polizei haben einen großen Skandal hervorgerufen. Es hat sich herausgestellt, daß die meisten Polizeibeamten Mitarbeiter von Ver­brechern waren. Sie teilten mit den Dieben und Be­trügern und fungierten als Beschützer von Dirnen, als Hehler und Besitzer von Spielhöllen und öffentlichen Häusern. Die Negierung hat den Chef der Polizei und sämtliche Beamte abgesetzt und eine Untersuchung angeordnet.

'Lemberg, 16. Sept. Der Gutsbesitzer Loma­schew sky ist jüngst ermordet worden. Jetzt hat man als die Mörder zwei leichtsinnige Universitätsstudenten namens Maletzky und Winkler ermittelt.

Mos kau, 17. Sept. In der Gemeinde Tulpan im Gouvernement Perm, wurden 8 Personen, darunter 4 Kinder, ermordet. Zur Verbergung des Verbrechens wurde ein Haus in Brand gesteckt. Ein verdächtiges In­dividuum wurde verhaftet.

* Ein Schwindel auf dem Viehmarkt. Ein Fleischermeister, der schon seit 35 Jahren die Märkte be­sucht, berichtet über einen schwindelhaften Tric, der auf dem! Wiehnlärkten in Westpreußen geübt wird, das Folgende: In der Regelarbeiten" sechs bis acht Gauner zusammen; der Verkäufer muß ein biederes Gesicht machen, um Ver- ttauen zu erwecken. Eine Frau will eine Kuh verkaufen. Ta naht sich ihr ein Mann, der mit Kennerblick die Kuh betrachtet.Muttche, was kost'n das Kuhche?"80 Taler." Een seines Kuhche, aber auch een feines Geld. Ich möcht Ihne das Kuhche ab kaufen. Nehmen tse 75 Taler ? Hier is Geld!" Und dabei flattert er mit einem Hundertmark­schein herum.Nein, unter 80 Taler kann ich das Kuhche nech verköpe. Sie giwt aber ooch so 'ne scheene gelbe Milch und so 'ne scheene feste Butter, wie keene andere. Na, na, mei Kuhche is ftischmilch und 15 bis 20 Stof Milch gibt se ooch alle Tage. Ich verköp das Kuhche bloß, weil wir abgebrannt sind."Na ja, scheen is das Kuhche; ich wer se kaufen. Von wo sind.Se?" Man wird nicht handelseins. In lauten Worten rühmt derKäufer" das Kuhche immer wieder. Ein zweiter Kaufliebhaber ruft entzückt aus:Was es das für een sch eenes Kuhche I" Ein dritter Käufer" mengt sich ein. Es wird immer lebhafter; jeder will das Kuhche haben; es handelt sich nur noch um einen Taler. Ta tritt ein Jnshmann vor, zahlt die 80 Taler und zieht mit dem Kuhche von dannen. Die anderen Käufer tun ganz verdutzt, bieten dem Käufer 3, 4 unk' 6 Mk. Draufgeld. Aber er ist unerbittlich; ein Kuhche, um das so viel Menschen geftritten haben, muß gut sein; das Kuhche soll ihm reichen Ertrag bringen. Zu spät merkt er, daß er eine lungen­kranke Kuh gekauft hat, daß die ganze Geschichte eine Komödie war; man hat ihm das Draufgeld nur angeboten, um ihn sicher zu machien. Die Bande mitsamt dem ehr­baren Muttche steckte unter einer Decke und teilte sich das Geld, um das der arme Jnstmann betrogen worden war.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Hessische Genossenschaftsbank. Laut Geschästsberichl gehören der Genossenschaftsbank 22 Mitglieder an, daruMer 9 Korn- haus-, 4 Molkerei-- und 2 Pferdezuchtgenossenschaften, die Kasseler Landwirtschastskammer 2c. und 4 Privatpersonen, welche zusammen 287 Geschäftsanteile von je Mk. 100 und eine Haftsumme von Mk. 574 000 gezeichnet haben. Der Kassenumsatz betrug im Jahre 1902/03 Mk. 1 811 350 (gegen Mk. 837 598 im Vorjahre und Mart 425 000 in 1897/98, dem Gründungsjahre). Im ersten Semester 1903 hat sich der Umsatz auf Mk. 1490 000 erhöht. Wie in der am 15. d. M. stattgehabten Generalversammlung mitgeteilt wurde, ist der erzielte Gewinn nur ein geringer gewesen; er beträgt in den fünf Jahren nur Mk. 2332, dagegen allein Mk. 2100 im ersten Semester 1903. Der Hauptzweck der Genossenschaftsbank ist be­kanntlich der, ihren Mitgliedern billiges Geld zu verschaffen, sie tut dieses, indem sie das erhaltene Geld an die Genossenschaften ohne Provision, mit nur 74 pEt. Zinsspannung, zu 3 s/4 pEt. ausleiht. Der Reservefonds betrug am 30. Juni 1903 Mk. 3264. Aus den in der Generalversammlung gemachten Mitteilungen über die h e s s i s ch e n K 0 r n h ä u s e r ist zp entnehmen, daß deren Mit­gliederzahl sich gegen früher erheblich gesteigert hat, so hat Betten­hausen jetzt 65 Mitglieder mit 105 Anteilen, Hoheneiche bei Esch- wegen 40 mit 73 Anteilen, Zierenberg 17 mit 97 Anteilen, Hof­geismar 74 mit 152 Anteilen, Hanau 33 Mitglieder mit 69 Anteilen, heute zusammen 229 Mitglieder mit 496 Anteilen, gegen 111 Mit­glieder mit 338 Anteilen stüher. Allerdings haben die Kornhäuser im letzten Jahre wegen der »nassen Ernte" materielle Erfolge nicht zu erzielen vermocht.

ür Maschinenbau und

Progr. frei.

Feuilleton.

Einkünfte deutscher Schriftsteller.

Angesichts der Bewegung, die von deutschen Gelehrten angeführt wird, um den deutschen Buchhandel zu zwttigen, niedrigere Bücherpreise zu stellen und den Zwischenhändler (Sortimenter genannt) als nutzlosen Verteuerer auszu­schalten, ist es von Bedeutung, welche Einnahmen deutsche Schriftsteller einst erzielten und wie sie in der Gegenwach bezahlt werden. In der Berechnung der Bücherpreise spielh das Honorar des Autors eine nicht unbedeutende Rolle. Wenn dasselbe im Laufe der Zetten gestiegen ist, außerdem die Lebensbedürfnisse eine bedeutende Preiserhöhung er­fahren haben, dann wird es kaum befremden dürfen, wenn auch die Bücherpreise nicht gesunken sind. Berufsischrift- steller, die ausschließlich von dem Ertrage ihrer Fedev gelebt hätten, gab es nach Tony Kettens Forschungen bis ins 18. Jahrhundert überhaupt nicht. Gellert bezog als Professor 100 Taler Gehalt. Klopstock errang durch seine unsterbliche Messiade einen neuen Anzug sanft Httt, dazu für jeden Druckbogen ganze 2 Taler, die sich bei späteren Auflagen bis zu einem güldenen Dukaten (3 Taler 5 Sgr.) steigerten. Bürger darbte zeitlebens und schlug sich mit Uebersetzungen durch; erst sechs Wochen vor seinem Tode wurde er reich durch ein Geschenk der hannöverschen Regierung in Höhe von 50 Talern. Auch Lessing mußte sich als Lieber[efeer durch des Lebeno Not schlagen, bis er Bibliothekar in Wolfenbüttel wurde mit eurem Jahres- gehalt von 600 Talern. Goethe war ein guter Ge­

schäftsmann, sah in jedem Verleger ein gefährliches Sub­jett, für das er eine eigene Hölle wünschte, da er die der gewöhnlichen Sünder für gut hielt. An Staatsgehalt als Minister bezog er zuerst 1200, später 1800 Taler. Cotta, das Subjekt", sein Verleger, zahlte chm von 1795 bis 1832 233 969 Gülden, d. h. durchschnittlich int Jahre 6323 Gulden oder reichlich ztoei Minister gehälter zu 1800 Talern; seine Erben aber erhielten bis 1865 270944 Gulden, oder jährlich im Durchschnttt 8210 Gulden. Schiller erhielt als Medikus ohne Portepee monallich 18 Gulden Gchatt und war genötigt, die Druckkosten der ersten Auflage seiner Räuber aus eigener Tasche zu bezahlen. Für den Fiesko empfing er 11, für den Don Carlos 21 Louisdors, für drei Auflagen fdses Wallenstein erhielt er, ebenfalls von Cotta, 5246 Gulden oder 24 Jahresgehätter eines Medikus, für Maria Stuart 1540 Gulden. Ms außerordentlicker Pro­fessor bezog Schiller kein Gehalt, fpater bekam er den Hof­ratstitel mit 200 Talern Jahreseinkünften, die sich bis 1804 auf 800 Taler steigerten. An Honorar zahlte CottiO- an Schiller und dessen Erben bis zum Jahre 1833 275 000 Mark. Theodor Korner bezog als k. k. Hoftheaterdichlter 1500 Gulden Jahresgehalt. Kleist konnte in Berlin als freier Schriftsteller sein Leben nicht fristen. Kant erhiett für feine Kritik der reinen Vernunft 4 Taler pro Druck­bogen, als Professor im 46. Lebensjahre angestellt, empftng er ein sehr bescheidenes Gehalt. Heine erzielte mit seinen Reisebildern und dem Buch der Lieder je 50 Louisdors, für seine sämtlichen Werke auf elf Jahre von Campe 20000 Francs. Grillparzer lebte als Hofkonzipist in Dürftig­keit, erhielt später ein Kaiserliches Ruhegehalt von 300

Gulden. Für dos Verlagsrecht seiner Werke hak die Firma Cotta insgesamt 36 000 österreichische Gulden bezahlt. Bauernfeld bezog als Beamter 920 Guldjen, später eine Pension von 400 Gulden. Fr eytag erhielt für Soll und Haben hohe Summen, für die sieben Bände der Ahnen 420000 Mark. Spiel Hagen, der anfangs des Lebens Not kennen lernen mußte und für seine ersten vier Romane 200 Taler einkasfierte, verdiente mit den späteren ein hüb­sches Vermögen. Georg Ebers bezog für seine alt­ägyptischen Romane mehr als eine Million Mark, Paul H e Y s e für seine Novellen und Gedichte ähnliche Summen. Fritz Reuter brachte es durch die Fürsorge seines Ver­legers auf eine Jahresrente von 5000 Talern, die sich nach und nach auf 20000 Taler steigerte. Hamerling erhielt für seinen Homuncnlus 10000 Mark. Dahn, Baumbach und Wolff erhalten für ihre in zahlreichen Auslagen erscheinenden Werke 1 bis 1.50 Mark pro Band, was alljährlich bedeutende Summen ergibt. Auch Geibel und B 0 d e n st e d t ernteten bedeutende Honorare. Suder­mann hat durch seine Ehre 300 000 Mark erzielt und wurde Schloßbesitzer. Auch Hauptmann hat sich mehrere Villen erschrieben. Zu den Einkünften b-er letzteren beiden erfolg­reichen Schriftsteller steuerten Aufführungs-Anteile Erkleck­liches bei. Pastor Fr en ss en wurde durch das Honorar seines Mode gewordenen Romans Jön: Uhl in Höhe von etwa 125 000 Mark veranlaßt, der Kanzel Afr entsagen und sich auf einem stattlichen Land gute ganz der Muse in die Arme zu werfen. Auch Ganghofer und Rosegger sind durch Honorare wohlhabende Leute geworden.