Ausgabe 
18.12.1903 Drittes Blatt
 
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Nr. 297

Drittes Blatt.

153. Jahrgang

Freitag 18. Dezember 1903

Erschein täglich mi' Ausnahme des Sonntags.

DuGietzetn. Familienbliitter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Unwersilätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen.

Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen.

Kirchliche Nachrichten.

Politische Tagesschau.

Soldatenm ßhandlungen durch Worte.

Austeilung der heil. Kommunion, um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe.

Militärgottesdienst mit Predigt, um 9 V, Uhr: Hochamt mit Predigt.

I« der Iohauneskirche.

Sonntag den 20. Dezember. 4. Advent:

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Euler.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes« gemeinde Pfarrer Dr. Naumann.

Nachmittags 31/? Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Gottesdienst und Ehristbescherungsseier der Kleinkinder» Bewahranstalt.

Mittwoch, den 23. Dezember.

Nachmittags 3 % Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinder aus dem Kindergottesdienst derJohannesgemeinde.

Pfarrer Dr. Naumann.

Donnerstag, den 24. Dezember.

Nachmittags 3 Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinder aus dem Kinderqottesdienst der Lukasgemeinde. Pfarrer Euler.

Am 1. Weihnachtsfeiertag nach allen Gottesdiensten Samm­lung für die Kleinkinder-Bewahranstalt.

Am 2. Weihnachtsfeiertag Beichte und heiliges Abendmahl

schritten worden. Zur Begründung wird angeführt: der durch die politischen Verhältnisse in China bedingte tele-

Jn derStraßb. Post" finden wir folgende beherzigens­werte Auslassung über Soldatenmißhandlungen durch Worte, denen wir durchaus beipflichten können:

In dein Prozeß gegen den Leutnant v. Arnim vom Leibgrenadierregiment in Karlsruhe ist festgestellt wor­den, daß dieser Offizier dem Grenadier, wegen dessen Mißhandlung er zu 14 Tagen Stubenarrest verurteilt wor­den war, zugeriifen hatte:Tas Schwein schießt mich nach tat." Jeder, der gedient hat, weiß, wie verbreitet die Unsitte mancher Vorgesetzter ist, den Unter­gebenen beleidigende Ausdrücke zuzurusen. . Herabsetzende Bezeichnungen aus dem Tierreich, zum Teil in geradezu raffinierter Zusammensetzung, sind gang und gäbe, aber leider werden nach weit schlimmere Ausdrücke gebrauchst, Ausdrücke, die denjenigen, welchem sie gelten, gerade als moralisch minderwertig um nach den mildesten Kommen­tar anzuwenden erscheinen lassen. Wir empfinden e§ | geradezu als eim patriotische Verpflichtung, die Aufmerk- | samkeit der maßgebenden Behörden auf diese Uebelstände zu lenken. In der Kaserne und auf dem Exerzierplätze kann es nicht zugehen, wie in einemPensionat für Töchter höherer Stände", und die kriegsmäßige Erziehung van jungen Leuten im Alter von durchgehends zwanzig Jahren kann sich nicht immer im Salanton vollziehen. Aber trotzdem wird niemand, der Personen und Verhält­nisse kennt, uns Unrecht geben, wenn wir die. Behauptung aufstellen: Es wird gewohnheitsmäßig im Soldaten­leben zu viel gebrüll-t und geschimpft! Auf das gewohnheitsmäßig" möchten wir dabei einen besonders starken Nachdruck legen. Es gibt Vorgesetzte, die sich daran

Mutter zu der Angeklagten sagen, sondern Lina oder durcki die voliti'ctten Veryairnme in vinuia oeuinyit: > Karolina! Herr Medizinalrat Kreisarzt ~t- a l s e r sprach

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lausen. Auf dem Rücken hatte es eine große Narbe, van einer Brandwunde herrührend. Es sei undenkbar, daß das Kind, das nicht laufen konnte, mit dem Rücken om den Ofen gekommen und dadurch verbrannt sei. Ter Befund spreche dafür, daß dem Kinde vorsätzlich die Brand­wunde beigebracht worden sei. Es wäre dringend geboten, wenn das bedauernswerte Geschöpf so bald als möglich in gute Pflege komme. Ter Amtsanwalt betonte,

Bei einer Aufführung, müßten die Hauptdarsteller EnthWer der poetisch-märchenhaften Reize der Dichtung sein: dann entstünde in dem Hörer ein eigenartiger Retz, ehr liebevoll

EeN/?tladderadatsch-.Redakteur Fo yann e s Tro jan hat schon die Mitte der Sechzig überschritten; aber fern Kurnor bleibt gesund und altert nicht. Tas beweisen die Neuen Scherzgedichte; mag er nun eine Ode aus Upupa epops oder einen Hymnus auf den A;sessor anstim- men ob er den Spickaal und Sauerwurm bringst oder Meyer im Stranbkorb verewigt, Das Lachen ist gesund. Mer sich also nächstes Jahr kerne Badereise leisten kaum wage einen Taler und fünf Groschen daran und kaufe sich Johannes Trojan zum Grillenvertreiben. (Cotta tn Stutt- S8It'2_ Das Weib als ©att.in. Von Dr. med. H. Klencke. Lehrbuch über die physischen, seelischen und sittlichen Pflichten, Rechte und Gesundheitsregeln der deut- ^rau im Eheleben. Eine Körper- und Seelendiatetik des Laibes in der Liebe und Che. (Leipzig Ed. Kummer) Dieses Buch behandelt das Leben in der Ehe mit wohl­anständiger Offenheit und Schicklichkeit, und gibt über Meles Ausschluß, was für Männer, Frauen und Jungfrauen ton größter Wichtigkeit ist. Ter bisherige Absatz von 15 starken Auflagen mag für die Gediegenheit des -^es sprechen - Moderne Erziehungsfragen. Briefe einer Mutter von Johanna Thimm. Vermag von Leonhard Simion, Berlin. Nicht nur Müttern uich ^zaehern ist diese kleine Schrift der verw. Frau Prof. Thimm tn Tttsit zU empfehlen, sondern allen denen, die rntt Interesse die Ent­wicklung der Jugend betrachten und für deren KunbFe - ungen Verständnis suchen. Eine gute und kluge Mutter ist es die die Erfahrungen und Beobachtungen, die sie an eigenen u.nd sremden Kindern gemacht hat, barm nieder- legt Sie zeigt den Weg, sich be i,edem einzelnen gatt in® die Eigenart des Kindes zu vertieien und darin bte Beweggründe feines Verhaltens zu suchen, .^entwickelter solcher Erziehungsuufgube die Persönlichkeit der Mutter

g>egen üb ersteht und je verständnisvoller diese selbst die Zu- tände des Lebens erkennt, desto eher wird es ihr ge- ingen, in rechter Weise ihr Kind zu beeinflussen. Durch alle Ratschläge, welche diese Mutter gibt, zieht sich wie ein unzerreißbarer Faden die Liebe der Mutter zu ihren Kindern, die Liebe, die nimmer aushört, die immer wieder kommt und zu Helsen versucht, die immer wieder hofft, und die sich dadurch, auch wenn alles fehlschlägt,wenigstens noch das Recht gesichert hat, am Mutterherzen ihrem un­glücklichen Kinde Zuflucht und Frieden bieten zu können." Üeberall kommt diese verständnisvolle Liebe zu Wort. Welche Macht als die der Liebe könnte auch eine Mutter über ihren erwachsenen Sohn ausüben?" sagt die Ver­fasserin einmal. Dadurch wirkt die kleine Schrift über­aus anfprechend: außerdem bietet sie eine Menge praktischer Ratschlage und Weisungen, die auf den Leser um so über­zeugender wirken, als sie das Resultat einer Beurteilung find, die einen hohen sittlichen Standpunkt verrät.

Als reichverzierter Großoktav-Leinenband liegt der 8. Jahrgang des von Clementine Helm und Frida Schanz begründeten Almanachs J'un g e M ä d che n, aus- aestattet mit 18 farbigen Bildertafeln und zahlreichen Text­bildern und Vignetten vor. Der Band enthält größere und kleinere, für junge Mädchen passende Erzählungen und Gedichte, aber auch sorgfältig ausgewählte, belehrende Auf­sätze aus Kunst- und Literaturgeschichte sowie Schilderungen (besonders des Frauenlebens) aus fremden Ländern. Be­sonders reich und schön illustriert ist darunter ein Aufsatz: ,Ter Märchenmaler Moritz v. Schwind", von Frida Schanz, ferner ein Aufsatz:Bilder aus Nordholland". Tie mit dem Titel:Kränzchenarbeiten" versehene Schlußabteil­ung. des Bandes enthält eine reiche Auswahl von Anleit­ungen zu häuslichen Kunstarbeiten: Stickereien und son­stigen Kleiderverzierungen, Handarbeiten zum Zimmer­schmuck, Porzellan-Malerei und manches ähnliche: zahl­reiche sorgfältig gezeichnete Vorlagen für jede Art dieser Kunstfertigkeiten werden in kleinern und größern Bildern geboten. (Verlag von Velhagen und Kinsing in Bielefeld.).

Litteratur und Kunll.

- Nachdem Prof. Dr. Rick, ard M u t h er bste gesamte Malerei des 19. Jahrhunderts, ;orote speziell die fran­zösische Malerei zum Gegenstand historischer Darstellungen gemacht hat, betrachtet er in einer neuen Veröffentlichung Tie belgischeMalerei im 19. ahrhund er t (Be - lin S Fischer. M. 6). Muth er ist ein interessanter aber auch sehr strenger Kritiker. Kein Wunder, daß der belgische Klaftizismus die Gefchichts- und Genremalerei in der ttsten Hälfte des Jahrhunderts, auch Wappers, Gallait und de Kewer schlecht bei ihm wegkommen. Erst mit den Riefen- bilderu Antoine SBterts beginnt für ihn wirkliche Kunst tn Belasten für den der Staat 1850 in Brüssel eine Art grtecht- cfien Temvels errichtete, das heutige Wstertzmuseum, ge­räumig genug, um die gewaltigsten Maschinen zu bergen, und wo letzt die Werke dieses Malers ausgestellt Jtnb. Mer auch Wiertz ist ihm nicht der Meister, auch er gehörte mit WnvveÄ unb Gallait zu denMalern im Nebenamt . Tst Maler wieder die Alten zum Vorbild nehmen,

schen MaleÄ des vergangenen Jahrhimdersts. Um so Werter mirb mcm

r . l e" h^t st"r verbstenstvolle Maeterlinck-

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Generalkonsulats in Shanghai sowohl mit der .Zentral I stelle als auch untereinander und mit andern Kaiserlichen^ Konsulaten des Landes sowie mit den Militär- und Ma­rinebehörden hat in der Zeit vom 1. Okt. 1901 bis Ende Sept. 1902 einen Kostenaufwand von 187 248 Mk. verlangt, ebenso ist im Marineetat für 1902 die Forderung von 265 000 Mark zur Beförderung von Briefen, Telegrammen, Post- und Frachtstücken um 384 657 Mark überschritten wor­den Von dieser Ueberschreitungssumme entfallen 13o 798. u» rv~xy- S<.

Mark auf Mebrausaaben an Nachsendungskosten und Tele- daß wiederum eine, wie dies in letzter Zeit öfters der grammaebübren aus Anlaß der Blockade von Venezuela. Fall gewesen, der scheußlichsten Ktndcsmißhandlungen dem Be°w Reichs ge?unbheit samt ist 1902 eine Etats-Gericht zur Wuttteilung vorltege. Nur eine hohe Strafe Überschreitung in Höhe von 7468 Mark für Amtsbebürfnisse könne abschreckenb wirken, er beantrage sechs Monate vor^mmen- begrünbet wirb biefe Ueberschreitung wie Gefängnis. Das Gericht erkannte auch auf btese. ES ! folgt ' anaeft'chts bet Gefahr der Einschleppung ber Pest empöre ;ebes menschliche Gefühl, wie bte Angeklagte thr durch die S ch i f f s r a 11 e n sind zur Vertilgung der Ratten Kind mißhandelt habe xtc Mutter habe sich tn etn weiches durch Generator Gas Versuche in größerem Umfange äuge- Bett Aegt, wagend ihr Kind aus dem kalwu Bodew ftpHf morden An Dien st Prämien für Unterofstr-lhabe schlasen müssen. Die Angeklagte fei mwmis au^.9\. !iere hatte der Etat für 1902 3557000 Mark gefordert, gangen, das unglückliche Kind langsam und systematisch Diese Forderung ist aber um 548670 Mark überschritten > zu Tode zu martern. worden, was so begründet wird: der Abgang einer größeren Zahl von Unteroffizieren mit Zwölfjähriger und längerer Dienstzeit, als angenommen war, hat die Aus-, Evanaelische Gemeinde.

Zahlung der Tienstprämie in werterem Uwsange bedingt, Am 4. Advent, Sonntag den 20. Dezember, dabei war erst im Vorfahre diese Etatsforderung um 'Gottesdienst.

666OOOMark erhöht worden. Die M a n o v er ko st e n sur der Stadtkirche.

Preußen waren für 1902 auf 2092880 Mk. berechnet. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer v. Schloffer.

Tie^e Etatssumme ist um 401 608 Mark überschritten wor- Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthaus- und Markus-

das ^en.' Durch die Verleihung goldener Schulterplattschnüre gemeinde. Pfarrer v. Schloff er und Pfarrer Schwabe.

sich daran Estatsübtt°chre^ng"von 14182^M«?°enhswnben; biesen Nachmittags3Uhr: ber

gewöhnt haben, bei allen möglichen Gelegenheiten ,/Ter außerordentlichen Ausgaben steht auch eine au ßeror- Pfarrer v. S ch l o s f er. Pfarrer Schwabe.

Kerl",Tie Kerls",Tas Schwein",Ter E',el , n ahm e gegenüber: 9OOO Mark, die dem Abends 5 Uhr: Weihnachtsfeier für die Militärgemeinde.

Der Schafskopf" usw. zu sagen, daß sie sich gar nichts, Reichskanzler anonym zugegangen sind. | Pfarrer Euler,

mehr dabei denken. Gerade gegen diese wie - 11 1 1 I Am 1. Weihnachtsfeiertaq wird im Hauptgottesdienst Buchte

wir sagend gegen diese Abstumpfung des feineren KerilHISsltcll. lund heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markusgememde

gehends ein sehr femes Gefühl dafür, ob Aeußerung g s 1 laufen kann und ab-

bürfen. Ein Schimpfwort wieKerl" oberSchwein brennt bas Dnd ert ar e y a^rr e^ ^t y ftedt! Eines

-bgefthen bavon, baß es W.* rMten öe^aa bie AngeNagw,W kurz vorher bie Wohnung verlassen hatte,

der°MißDnblungen burch SBorie J^ruf^en^eftgS'e Mten Toms': Ias^nn Katholische Gemeind«.

Volkes rnüsftn^als^anstänbige junge Leute behmtbelt wer- E machen!^ Wahrenb d°s °heltc^Kwb etn Samn8' uhr:1 Gelegenheit zur

tüedt wer . ------- Bestreben der Angeklagten darauf gerichtet war, das Kind ^rinittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. .

Non Etatßüberfckreitunaen langsam zu Tode zu martern. Das Kind kam nicht em um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und m derielben

an bS"te(anfenSfebeä S S nicht I Nachmittags um Bfr, ^nKhriftenlehre; darauf Aboents-Andachst