Ausgabe 
18.5.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 115

»rfchetut tSgltch außer Sonntag«,

Lern Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem KesKschen tandwlri die Lietzener Zamilien- blätter oiennal tn der Woche beigelegt.

Rolatlon-druck u. Ver­lag bet vrü h l'schen Untoe tL'®ud>- u.6tctn- b rudern (Prehch Erben) Kebattwa. fcpeöUtxm und Druckemr

GchNlßraße 7.

Adresse Mr Deveschenr Anzeiger Wiefern.

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Montag 18. Mai 1903

153. Jahrgang

Zweites Blatt.

vezngdpre»»: monatlich 7bPlvlettel- iährlich Mk. 2JO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich to Ps.; durch diePost "Iik.r.menel- jührl. auSschl. Bestellst. Annahme von Anzeigen tot die lagetnummer bis vormuiagi 10 Uhr. geilen prell: lokal 12'91, auflrodrtl tu Big. Berantwortltch tüt den poltL und allstem. Teil: P. Wittko. für »Stadt und Vanb* und -GerrchtssaalE: August Götz; tot den An­zeigenteil: Pani Beck.

Gießener Anzeiger

Tjr General-Anzeiger v **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

5>k heutige Mummer umfaßt 10 Seit«.

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3>it AeichslagsKandidatureu in Kesse«.

Der diesmalige Wahlkampf wird, tote fast überall 6n Reich, so auch bei unS in Hessen, kein wahrhafter Kampf iverden, der von großen, einheitlichen Gesichts- punkten geleitet wird, sondern ein kleinlicher Interessen­kamps. Die etwaigen Hoffnungen, daß sich das Volk nach den Erfahrungen bei den letztjährigen stnrmbewegten Reichstagsverhandlungen endlich einmal aufraffen und unter Beiseitelassung aller niedrigen Parteigelüste einen Reichstag nach Berlin schicken würde, der von frischem, nationalem Geist beseelt, eine würdige, der ncuerwachten deutschen Nation angemessene Vertretung darstellt und die gesamten Interessen des großen Erwerbs- und Wirt­schaftslebens gleichmäßig zu berücksichtigen verspricht, müssen It.-er schon jetzt als gescheitert betrachtet werden.

Von diesen großen nationalen Gesichtspunkten ist leider auch bei uns in Hessen wenig zu verspüren. In Worms, Darmstadt (siehe die Meldung von dort an andere» Stcklle), Main^ u. a. 0. leisten sich die Liberalen ^aS gefährliche Spiel einer Doppelkandidatur, und da, nL> es wirklich glücklich gelingen Mächte, alle liberalen Wähler unter einen Hut zu bringen, wie bei uns in liegen, da findet sich mcyt der richtige Mann, oder es wird ihm von der Körperschaft, deren Inter- essen er b *nt, die Genehmigung zur Annahme eines Mandats versagt. Auch hier tragt also die leidige In- teresselipolitik wieder den Sieg über die großen nationalen Gesichtspunkte davon!

Wir erhalten heute folgende Anschrift vom Lande aus der Gegend von Nidda:

Wer ist denn das liberale Wahlkomitee in Gießen? Herr Dr. G u t 1 l e i s ch wäre für die liberalen Parteien der Kandidat, der A u S s l ch t auf (£ r f o l g hat. Er hat, fowett ich die Sache auf bem Xlanöc überschaue, das unbegrenzte Vertrauen der ^andleule. Ist er gar nicht.zu bewegen!

Das schreibt uns ein Mann, von dem wir an» nehmen du: ,eu, daß er feine Leute und die Verhältnisse in feiner Gegend genau übersteht und zudem nicht ohne Einfluß auf eine stattliche Zahl von Wählern ist. Das Gießener liberale Wahllomitee fetzt sich zufammen ans oen Vorständen des nattoiialiiberalen und des freisinni­gen Wahlvereins und giebt sich die größte Mühe, geeignete ^Persönlichkeiten zur Annahme des Mandats zu bewegen. Aber alle Verhandlungen sind leider vergeblich gewesen. Man hat das Planbar mehreren Männern von Einfluß und Bedeutung angetragen, aber immer ohne ben erwünschten Erfolg. Die augenblickllck-eu Verhand­lungen aber werden hoffentlich zu einem erfreulichen Re- ^^Noch^uiwerständlicher aber alS das Vorgehen der Offen- zachcr Handelskammer erscheint uns das Verhalten der hessischen Zentrumspartei. Sie hat beschlossen, in allen Wahlkreisen mit ihren Sonderkandidaturen hervor- lutreien, auch da, wv nicht die geringste Aussicht auf eine neniienswerie Zahl von Stimmen für den Zentrnmstanbr- Daten vorhanden ist. Mit diesem unverständlichen Beginnen wird den bürgerlichen Kandidaten eine mehr ober minder große Zahl von Stimmen entzogen. Selbst in Tarinftadt und Offenbach konnte sich das sozialistensreuudliche Zentrum nicht entschließen, seine Kaiididatengelüste zu bezähmen. In Darmstadt hat man sogar den Geniestreich begangen, den früheren Reichstagsabg. Tr. Schmitt, der eme Wieder­wahl in Mainz absolut ablehnte, als Zählkandidaten zu nennen Da wissen denn also die Wähler wenigstens von vornherein, daß ihr LHeg zur Wahlurne zwecklos ist und ihre Stimmen auf PSrteiparole einfach verpuffen sollen Vielleicht entschließet sich die Witzbolde da lieber, dem populären Herrn Müller oder Schulze ihre Stimme -u geben, wenn sie nicht, was wir hoffen wollen, ver­ständiger handeln als die Parteileitung und nach Pflicht und Gewissen auf denjenigen Kandidaten ihre Stimmen vereinigen, von dem sie sich eine angemessene, würdige Vertretung 6er allgemeinen vaterländischen Jrrteresfen ver­sprechen bür i en.

Politische Tagesschau.

Studentische Ehrengerichte.

Die Vereinigung der Alten Herren der im Kosen er S. C bereinigten studentischen Korps will, wie man der ,,^gL Rundschau" mitteilt, bei dem bevorstehenden Kösener Kon> grefj eine für die gesamten dem S. C. angehörenden Korps gültige Ehrengerichtsordnung für Zwei!amp f e mit schweren Waffen beantragen, die folgende Punkte ^Kein Ehrengericht darf vor Ablauf von 24 stunden nach Ueberbringung der Forderung zusammenrreten. Bei Forderungen auf Pistolen muß, wenn ine (jrage nach Ge­nehmigung der Forderung gestellt ist, auf ^rlangen tutch nur eines Ehrenrichters die Beschlutzfasfung um 24 stunden verschoben werden und muß dieser, eine nochmalige Ver­handlung vorausgehen (im Anschluß an § 83 der Kv^ner Statuten). Nach F-cstftellung des Tatbestandes soll jedes Ehrengericht sich zunächst eingehend mit der -^rage beschäf­tigen, ob im vorliegenden Falle das Verhalten leider,Par­teien korrekt gewesen ist. Stellt es sich heraus, day die Veranlassung zu dem Ehrenhandel, der der Forderung zu Grurrde liegt, auf grundlose ober leichtfertige Provokation des einen Teils zurückzustchren ist, ,o kann da» Ehrengericht Revokation und Tevrekatron verlangen und die Angelegenheit endgültig damit für er l e b i gt er­klären. Hat einer der beiden Kontrahenten sich durch fein Verhalten einer Handlungsweise schuldig gemacht, welche

mit den Begriffen der Ehre unvereinbar ist, so soll daS Ehrengericht es untersagen, daß die Angelegenheit überhauptmitderWaffe ausgemacht wird. Ob dieser Fall gegeben ist, darüber entscheiden die Ehrenrichter mit Stimmenmehrheit. Bereut der Beleidiger feine Handlungs­weise und ist er zur Revokation bereit, so ist der Beleidigte verpflichtet, dieselbe anzunehmen, wenn nach dem Urteile des Ehrengerichts dadurch seiner Ehre kein Eintrag geschieht (im Anschluß an 8 84 der Kösener Statuten). Das Ehren­gericht soll in jeder Weise versuchen, durch ernstliche Ver­teilungen eine Versöhnung der Parteien anzustreben und insbesondere alle Umstände, welche den Ehrenhandel und seine Veranlassung in milderem Lichte erscheinen lassen (Trunkenheit, sonstige Erregung usw.) in diesem Sinne ver­werten. ________________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Mai. Man meldet aus Knrzel: Heute vormittag trafen der Kaiser und die Kaiserin von Schloß Uroille unter Glockengeläute ein und nahmen an dem Gottes­dienste in der Kaiserkirche teil. Nachher begab sich das llaiserpaar nach dem Wilhelm- und Viktoriastist für alte Leute und von dort nach der neuen evangelischen Pension im alten Hugenottenschloß. Nach der Besichtigung fuhr das Kaiserpaar nach Uroille zurück. Zu dem Frühstück im Schlöße waren u. a. geladen der neue kommandierende General des 16. Armeekorps, v. Stößer, BezirkSprasident Graf Zeppelin - Aschhausen und Kreisdirektor Graf VillerS- Grigencourt.

Der Chef des MilitärkabinetS, v. Hülsen-Häfeler, erlitt während des Exerzierens eine Herzaffcktion und wurde in das Lazarett gebracht. Der Kaiser besuchte mit dem General v. Stößer den bisherigen kommandierenden General deS 16. Armeekorps, Grafen Hüfeler, und verweilte eine halbe Stunde. Nach dem Besuche bei dem Grasen Häseler fuhr der Kaiser gestern nach dem Amphitheater. In der Mitte der Arena war ein Tisch aufgestellt, auf dem die Pläne des Amphitheaters aufgelegt waren. Zunächst erklärte Major Schramm die Ausgrabungsarbeiten deS Amphitheaters bei der später in und auf ihm erbauten Kapelle, der FestungS- mauer u. s. w.

Ueber die Ansprache deS Kaisers in Bitsch als Antwort auf die Begrüßung durch den Vizepräsidenten deS LandeSauSschusieS, Jaunez, berichtet die »Köln, ßtg.*: Der Kaiser sagte, er wisse, daß das Bitscher Land nicht reich sei. Wer arm fei, lerne sich mit wenigem einrichten. Er wisie, daß die Bewohner ihm treue Untertanen feien, und Treue, Zucht und Ordnung hier machte er eine Pause, dann winkte er der versammelten Geistlichkeit mit dem Mar­sch a 11 st a b zu und christliche Gesinnung feien aber auch nötig.

Ter Kaiser teilte nach der .Köln. VollSztg.* ge­legentlich der Metzer Feier dem Erzbischof Fischer feine bem- nächstige Ernennung zum Kardinal mit. Er legte Wert darauf, daß Fischer diese Nachricht zuerst aus dem Munde des Kaisers erfahre.

Gelegentlich feiner jüngsten Anwesenheit in Straß­burg empfing der Kaiser, wie nachträglich gemeldet wird, im dortigen Kaiserpalais den Generaladjutanten des Königs von Spanien, Marquis de Bascaran, in Audienz, der dem Kaiser das Bild des jungen KömgS vorlegte, welcher dasselbe anläßlich seiner Ernennung zum Chef deS preußi­schen Jnsant.-RegtS. Nr. 66 diesem Regiment verliehen hat. TaS Bild wird voraussichtlich morgen auf dem Truppen­übungsplatz Alten-Gradow dem Kommandeur deS Regiments feierlich überreicht werden. Zu Ehren deS spanischen Gesand­ten fand später vor demselben auf Befehl des Kaisers ein Vorexerzieren einer Eskadron Husaren sowie einer Batterie Feldartillerie statt, woran sich unter Leitung deS Komman­deurs der 30. Division eine Gefechtsübung anschloß.

Der preußische Finanzminister Frhr. v. Rhein- baben ist auf seiner Amerikareise in New-Port einge­troffen. Nach einer Depesche des ,93erl. 2agebß/ hat Mstr. Perkins von der Firma I. P. Morgan u. Co. gestern zu Ehren des Ministers ein Frühstück gegeben.

Aus Caracas wird vom 15. Mai gemeldet: Der heute fällige Wechsel zur Bezahlung der deutschen Re» flamation wurde ein gelöst. Von den deutschen erst- ((affigen Forderungen von 1 718 815,67 Bolivares sind nun­mehr 1086 289,39 Bolivares bar bezahlt. Die Mitglieder der zur Festsetzung der deutschen zweilklasiigen Forderungen eingesetzten gemischten Kommisiion sind jetzt sämtlich ernannt. Für Deutschland ist der hier vor einigen Wochen eingetroffene Legationsrat Goetsch, für Venezuela der Rechtsanwalt Zu- loaga und als Obmann der Generaladvokat Luffield aus Detroit ernannt worden.

Meiningen, 17. Mai. Der Erbprinz von Sachsen- Meiningen hat am Vormittag im Palais Wohnung gc- nommen. Neben den drei in der Presse letzhin erwähnten Erlasien des Erbprinzen existiert übrigens, einem schlesischen Blatte zufolge, noch ein weiterer, durch welchen die dis da­hin zugelasienen polnischenPredigten in den Garnisonen des 6. Armeekorvs untersagt worden seien, soweit die Garnisonen Ersatz aus polnischen Gegenden haben.

Stuttgart, 17. Mai. Die Frische und Rüstigkeit, die Generalfeldmarschall Graf Waldersee bei seinem gegen­wärtigen Aufenthalt in Württemberg an ben Taq legt, fällt

allgemein auf. Tag für Tag mustert er anberc Teile unseres Armeekorps unb bewährt babei eine erstaunliche Ausdauer. Er scheint sich von den Sttapazen der Chinaexpeditton und der nachfolgenden Erkrankung ausgezeichnet erholt zu haben. Bei der Besichtigung deS hiesigen Dragoner-Regiments setzte er sich an die Spitze der Schwadronen und nahm in scharfem Ritt allen voran auf der Rennbahn sämtliche Hindermsie. Dieses Reiterstück des alten Herrn imponierte gewaltig. Der König erweist dem Generalfeldmarschall huldvollste Aufmerk- amkeit.

Wahl-Bcwcgnng.

n. Aus dem Wahlbezirk Alsfeld-Lauterbach- Schotten liegen uns heute zwei Zuschriften vor. Die eine, aus der Lauterbacher Gegend, lautet: Heute, am Sonntag, hat in Lauterbach zu Gunsten der Kandidatur von jviciSrat Dr. Wallau eine VertrauenSmänner-Versamm- lung stattgefunden. Da der seitherige ReichStagS- abgeorbnete, Maler Bindewald, bereits im Herbst und Winter seinen Bezirk bereift unb in fast allen Orten Versammlungen abgehalten unb auch baS sei nicht ver­schwiegen, nicht ohne Erfolg, so wäre eine sehr rege Agitation beS Wallau-Komitees durchaus am Platze. Aller­dings darf sie nicht nur in Wahlaufrufen und Versamm­lungen nur in den größeren Orten bestehen. Bei der Lauheck unserer Bevölkerung heißt eS arbeiten auch im, kleinsten Orte. Nicht die Wähler müssen zu den Kandidaten, sondern der Kandidat oder wenigstens besten Vertrauensmänner müssen zu den Wählern kommen. Einflußreiche Männer in jedem Orte gewinnen, das bedeutet sicheren Erfolg! Ferner schreibt man uns aus Ulrichstein: Nachdem, sich KreiSrat Dr. Wallau bereit erklärt hat, ein Reichstagsmandat für unseren Wahlkreis anzunehmen, sind die vereinigten liberalen Parteien eifrig mit ihren Wahlaufrufen beschäftigt. Auch hier Haden sich die Führer der nationalliberalen unb frei­sinnigen Parteien beschlossen, biefe Kandidatur nach besten Kräften zu unterstützen. Wenn alle Faktoren treu zusammen» halten, wird es auch leicht gelingen, Herrn Bindewald, der für unsere Landwirte auch nicht daS geringste übrig zu haben scheint und es auch in den vielen Jahren, wo er die Ehre hatte, unseren Wahlkreis im Reichstag zu vertreten, nicht ein­mal der Mühe wert gefunden hat, vor seinen Wählern über sein Tun und Treiben im Reichstag Rechenschaft abzulegen, auS dem Sattel zu heben und damit einer hochgeachteten Persönlichkeit, die seit Jahren mit den Wünschen der Be­völkerung innigft vertraut ist, Gelegenheck zu geben, die Ver­tretung unseres Wahlkreises im deutschen Reichsparlamente zu übernehmen.

a. Marburg, 16. Mai. Gestern abend hielt der sozialdemokratische Reichstagskandidat Bader- München eine öffentliche Versammlung ab. Ihm trat in/tftonbiger Rede der nationalsoziale Kandidat von Gerlach ent­gegen, während von den Konservativen niemand erschienen war. Die Diskussion, die bis 1 Uhr nachts währte, spielte sich haupffächlich zwischen dem Genossen Dr. MichelS uqb Herrn von Gerlach ab. Von Interests war die Aeußerung Baders, er werde, da er auf den Dörfern wohl kein Ver­sammlungslokal bekommen werde, in den von Gerlachschen Versammlungen daselbst als Diskussionsredner auftreten, um für seine Partei Propaganda zu machen.

Braunschweig, 17. Mai. Eine in Wolfenbüttel statt­gehabte Versammlung von Landwirten erklärte mit Ausnahme eines Herrn ihren Au st ritt aus dem Bunde der Landwirte und sprach sich gleichzeitig r die Kandi­datur dcS Nationalliberalen Kaufmann aus.

Ausland.

Stockholm, 16. Mai. Beide Kammern nahmen ohne Debatte die Vorlage an, durch welche die Regierung er­mächtigt wird, von dem Rechte abzusehen, Wismar mit Umgebung durch die Erlegung der Psandsumme wieder einzulöscn. Tie Kammervräsidenlen sprachen der Stabt Wismar die besten Grüße und Wünsche für ihren Eintritt in das deutsche Vaterland" aus.

London, 17. Mai. TerExchange Telegraph Com­pany" wird aus Portsmouth gemeldet: Tie Jacht König Eduards erhielt Befehl, sich zum 18. Juni seefertig zu halten. Es heiße, der Herrscher werde T e u t s ch 1 a n d und Rußland besuchen.

Paris, 17. Mai. Ter Landwirtschaftsminister empfing gestern eine Gruppe Pariser Abgeordneter, welche angesichts der Brotteuerung eine Herabsetzung der Ge­treidezölle von ihm erwirken wollten. Ter Minister erklärte, die jetzigen Getreidepreise rechtfertigten eine solche Maßregel nicht.

Präsioent Loubet empfing gestern den Groß­fürsten MichaelMicharlowitsch; demselben wurden militärische Ehren erwiesen. Loubet stattete später dem Groß­fürsten einen Gegenbesuch ab.

Heute nachmittag kam es in der Kirche des Bezirks Belleville zu einer Schlägerei, bei der etwa z e h n P e r - fönen verletzt wurden. In dem Augenblick, wo der Geistliche die Predigt begann, erscholl aus einer Gruppe von Freidenkern, die unmittelbar unter dem Altar Platz genommen hatten, der Ruf:Genug!" Sofort fielen meh­rere klerikal gesinnte junge Leute mit Stockhieben und Faust- schlägen über die Freidenker her. Tas Handgemeirge mürbe schnell allgemein; es wurde mit Stühlen geworfen. Tie^