2Irt, einräumte. Die Antwort seitens Deutschlands konnte
nur sein, daß Kanada das Recht der Meistbegünstigung entzogen wurde, das; also die Erzeugnisse Kanadas nicht nach den Sätzen des Vcrtragstarifs, sondern den höheren des autonomen Tarifs zu veralten sind. Diesem einfachen und klaren Sachveryalt gegenüber ist es geradezu naiv, wenn der ^inanzminister der britischen Kolonie im Parla- ment von dem Versagen einer „billigen Behandlung" der kanadischen Erzeugnisse sprach und damit den kanadischen Zuschlagszoll von einem Drittel des gegenwärtigen Zolls aus nach Kanada eingehende deutscl)e Waren rechtfertigte. Nach dieser Auffassung hätten wir uns die Zurücksetzung hinter England ruyig gefallen lassen sollen — das ist denn doch eine gar zu starke Zumutung an „Europas übertünchte Höflichkeit". Bei einem Zollkrieg wird Kanada sicherlich nicht der gewinnende Teil sein. England hat nicht einmal von der Vvrzugs^chandlung zu profitieren vermocht, es ist in seiner Einfuhr nach Kanada stehen gebliebiii. Selbstverständlich wird der Gegenschlag gegen die kanadischen Kampfmaßregeln nicht ausbleiben. Line große Zahl land- wirtschastticher Produkte des Landes — u. a. Weizen, Gerste — können in so empfindlicher Weise von deutschen Zollerhöhungen getroffen werden, daß die Einfuhr zum Stillstand kommt. Der kanadische Zoll beispielsweise auf deutsche Stahlschienen, bisher zollfrei, demnächst 7 Dollars für die Tonne, hätte unsere Eisenindustrie zu einem früheren Zeitpunkte schädigen können. Jetzt, wo der Jnlandsmarkt eine entschiedene Belebung zeigt, kann ein Ausfall im Export verschmerzt werden. Aber — die kanadische Regierung will sich auch diesen Kampfzoll überlegen: er soll erst in Krast treten, wenn die kanaoischen Werke die nötigen Schienen in genügender Menge und Beschaffenheit Herstellen können. Das ist wenigstens vernünftig, daß die Kanadier nicht ins eigene Fleisch schneiden wollen. Bei Maschinen zur Gewinnung von Rübenzucker, ebenfalls eine deutsche Ausfuhrware, muß Kanada schon jetzt die Abhängigkeit vom Auslande zugeben: diese Maschrnen sollen noch aus ein weiteres Jahr zollfrei bleiben. Nach dem Bericht des kaiserlichen Konsulats in Montreal bilbet Rohzucker den wichtigsten Arttkel der deutschen Einfuhr nach Kanada. Es fragt sich, ob der belgische und der französische Rohzucker den Bedarf der kanadischen Raffinerien decken. Preis und Qualität kommen dabei auch in Betracht. Die Neigung zu Entgegenkommen wird nicht eben groß sein, wenn die belgische und französische Konkurrenz sieht, daß sie nicht entbehrt werden kann seitens Kanadas. Deutschlands Forderung an Kanada ift und blerbt: Einräumung derselben Zollbehandlung, welche England genießt. Es hat Kanada nichts geholfen und wird ihm nichts helfen, die Vermittlung der britischen Regierung anzurufen. Hier hören die deuischell Rücksichten auf, und es ist umsoweniger zu solchen ein Anlaß, als gerade das hochimperialiftische Kaitada auch politisch keineswegs zu den Freunden Deutschlands zählt.
Vom Balkan.
Am 17. d. M. wurde der deutsche Geschäftsträger vom Sultan in Audienz empfangen. Die Botschafter Rußlands und Qesterreich^llngarns waren vorher empfangen worden.
Tie unter Leitung des Generals Sadik stehende Mission zur Versöhnung der Albanesen, welche sich in Ipek aushält, ailt als hart von den Albanesen bedrängt, welche nicht übel Lust zeigen, deren Mitglieder als Geiseln zurückzubehalten. Ter Generalgouverneur von Ueskueb verlangte weitere Verstärkungen, um gegen Ipek vorzurücken und die Mission zu befreien. In diplomatischen streifen ift man dagegen, dem Wiener Korr.-Bur. zufolge, der Meinung, daß die Komitees absichtlich das Gerücht verbreitet haben, daß sie zu Ostern eine größere Unternehmung vorbereiten, um die gesamte Bevölkerung zu erschrecken, die Muhamedaner zu reizen und Gewalttaten herbeizuführen. Einen allgemeinen Aufstand hält man jedoch für gänzlich ausgeschlossen. Kenner des Landes und der Lage in den Provinzen sind der Ansicht, daß die Komitees einen letzten Versuch machen, das Bandenunwesen möglichst auszudehnen, doch dürfte dieser Versuch schwerlich von Erfolg begleitet fein, da die Komitees zwar über eine genügende Anzahl von Personen verfügen, ihnen aber die Geldmittel zu fehlen beginnen. Länger als höchstens zwei Monate dürste die Tätigkeit der Banden kaum aufrecht zu erhalten fein. Schemsi Pascha zieht bis zum 18. April bei Mitrowiha, Prizrend und Verissowitz 3ö Bataillone zusammen, sowie genügend starke Abteilungen Artillerie und Kavallerie. Tas Kommando über dieses Korps behält wahrscheinlich Schemsi Pascha. Die Entsendung eines Marschalls ist erwogen, aber bisher nicht beschlossen. Man hofft, daß noch in letzter Stunde eine friedliche Unterwerfung der Albanesen gelingen werde.
Tie Pforte verständigte den russischen Botschafter, daß der Attentäter Ibrahim zum Tode verurteilt fei, und daß der Anstifter deö Attentats, der Kaufmann Hussein in Mitrowitza, sowie die Anstifter des Angriffs auf Mitvowitza ebenfalls ihrer Bestrafung entgegensehen. Nach den Berichten Hilmi-Pafchas hat sich die Situation in Macedonien wesentlich gebessert. Ter Pascha glaubt ebenfalls nicht an einen allgemeinen Aufstand. Die vom Sultan zu den Albaneseii entsandte Frlelnnskommis.ion hat bisher kein positives Resultat erzielt, jedoch von den Albanesen das Versprechen erhalten, daß sie vorläufig nicht aggreffiv vorgehen werden.
In Sofia hat die Studentenschaft für die Öfter feier tage ein Massenmeeting aller Bevölkerungsschichten einberufen, um gegen das Verhalten der Regierung in der makedonischen Frage zu protestieren.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. April. Der Kaiser hat gestern zur Feier des Löjährigen Jubiläums des Seekadctten-Schul- schisfeS „Moltke" an Die Inspektion deS BildungSwesenS per Marine folgendes Glückwunschtelegramm ergehen lassen:
„Am heutigen Tage, an welchem vor 25 Jahren auf meinem Schulschiff „Moltke" zum erstenrnale Flagge und Kommando-Zeichen gesetzt worden sind, entbiete ich den Offizieren und Mannschaften dieses SchisfeS meinen kaiserlichen Gruß mit dem Wunsch, daß daS bewährte Schiff n^iterhin glücklich fahren und erfolgreich seinen wichtigen Aufgaben gerecht werden möge. Wilhelm."
— DaS Kais er paar besichtigte heute auf dem Potsdamer Bahnhof in Gegenwart des KriegSministerS und Anderer Herren einen Lazarettzug.
Die Wiederherstellung der Kaiserin wird dem „Verl. Tagebl." zufolge erst Mitte Mai eine vollkommene fein, lvenn auch die Absicht besteht, den ÖHpy verband bereits in nächster Woche zu entfernen. Zur Beschleunigung der Rekonvaleszenz wird die Kais.r.n Crnbc pieseL Monats in das Neue PalaiS übersiedeln. Ihr erster Ausflug wird voraussichtlich der Teilnahme an tur Kieler
Woche gelten. Ein Aufenthalt in (Sabinen komme erst' im Monat Juli in Frage.
— Gegen die Berliner Bekämpfung des Mädchenhandels haben Warschauer Stellenvermittlungs- bureaus eine Beschwerde an die hiesige russische Botschaft gerichtet. (Eine Unverfrorenheit, die nur von Polen ausgehen kann. D. Red.)
— Nach einem unterm 14. d. M. ergangenen Erlaß des preuß. Ministers des Innern hat die Auflegung der Wählerlisten für den Reichstag am 18. Mai zu beginnen. Die Ermittlung des Ergebnisses der am 16. Juni stattfindenden Wahl hat am 20. Juni zu erfolgen. Die Wahlkommisfare haben die Termine für die Stichwahlen auf den 25. Juni anzuberaumen.
— Die „Tägl. Rundschau" teilt auf Grund angeblich unbedingt zuverlässiger Erkundigungen mit, die Nachricht, daß sich die Regierung entschlossen habe, von der Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit für die gewerblichen Arbeiterinnen von 11 auf 10 Stunden Abstand zu nehmen, entbehre jeder Begründung. Aus den Berichten der Gewerbeaufsichtsbeamten soll in der nächsten Zeit eine Darstellung der Verhältnisse zusam- mengestellt werden.
Anslnuö.
Haag, 18. April. Ter Minister des Aeußern veröffentlicht ein G.lbbuch über die Angelegenh.it in Venezuela, welches den Schriftwechsel über den Schutz der niederländischen Interessen enthält. Daraus ergiebt sich, daß die venezvlanische Regierung bemüht ist, den Abschluß des Schiedsgerichtsvertrag.s mit Hollano hinauszuschieben, in dem sie angebe, daß die Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht herzlich genug seien, um den Vertrag binnen so kurzer Zeit abzuschließen. In Euracao habe man das mit Venezuela abgeschlossene Protokoll nicht eingehalten, indem man Ma dos, der zu den Aufständischen in Beziehungen stthe, Schutz gewährte. Nach langjährigen münd- licken und schriftlichen Verhandlungen habe Castro schließlich in einer Audienz der niederländischen Regierung volle Genugtuung zu teil werden lassen, sodaß der holländische Gesandte in Caracas festgestellt habe, daß die Audienz viel dazu beitragen werde, die herzlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten, welche bereits anfingen, die Tendenz einer Lockerung zu zeigen.
Brüssel, 17. April. Wie aus Korea berichtet wird, hat der Kaiser von Korea dem belgischen Konsul in einer Privataudienz milgeteilt, daß er einer Brüsseler Finanzgruppe eine bedeutende Minenkonzession zugesprochen habe und zwar gegen Zahlung von iy> Millionen Francs.
Paris, 17. April. Das amerikanis cheGesch Wade r verbleibt in Marseille bis zur Ankunft Loubets aus Algier. Bei diesem Anlaß werden das französische, englische, russische und italienische Geschwader, die sämtlich aus Algier eintresfen, mit den Amerikanern Grüße tauschen. Ter amerikanische Botschafter erbat und erhielt Instruktion für dieses Erscheinen der amerikanischen Flagge in Marseille.
— Die Karthauser, an deren Likör-Fabri k die amtlichen Siegel angelegt wurden, verbarrikadierten sich im Kloster Saint Laurent-Depont. Sie rechnen darauf, daß die Bevölkerung den bevorstehenden Maßnahmen der Gendarmerie Widerstand entgegensetzen werde.
Grenoble, 17. April. Ter Prior des Karthäuser Klosters erklärte dem Polizeikommissar, der feststellen wollte, ob die Mönche dem Befehl, das Kloster zu verlassen, nachgekommen seien, er gehe nicht und erwarte feine Entfernung durch Militär. Der Kommissar berichtete den Vorfall dem Präfekten.
M a dr i d, 17. April. Silvela erklärte die Schließung der in Melilla gelegener marokkanischer Zollverwaltung als unabweislich, so lange die Oberhoheit des Sultans im Rifsgebiet nicht hergestellt sei. Damit erkennt die spanische Regierung die Rebellen als kriegführende Macht an, was für die Entwickelung der Ma- vo Ido frage von der größten Bedeutung ist, zumal die Zoll- Verweigerung anderer Häfen wahrscheinlich ist. Vermutlich beruht der Beschluß der spanischen Regierung auf einem Abkommen mit Frankreich und England.
Rom, 17. April. Tie Anklagekammer voll Neapel verfügte die Freilassun g des russischen Nchiliften Götz.'
Wien, 17. April. Die „N. Fr. Pr." schreibt authentisch, das neue austro-un garische Feldgeschütz werde ein Rohrrücklaufgeschütz mit Schutzschild em fein. Die Munitionswagen erhallen Panzerung.
Belgrad, 17. April. Tie Bewegung ae gen das Königshaus nimmt außerordentlich zu. Der König scheint völlig isoliert Bei den letzten Straßenexzessen wurden die Bilder des Königs und der Königin öffentlich zerrissen.
Petersburg, 17. April. Im amtlichen Teil des „Kawkas" wird mitgeteilt: Im Arrestlokal des Fleckens Sschi im Gouvernement Schwarzes Meer starb am 30. März nachts ein weaen Trunkenheit tags vorher feftgenommener Bauer. AlS Tooesur fache wurde übermäßiger Branntweingenuß fest- aestellt Etwa hundert größtenteils betrunkene Manner verlangten die Sezierung der Leiche, da der Dauer von Schutzleuten im Arre ft lokal erschlagen worden sei. Sie drangen in das Arrestlokal ein, schlugen auf die Schutzleute los und befreiten die Gefangenen. Militär zerstreute den Menschenhaufen. Acht Gefangene entflohen. Die Sezierung ergab, daß der Tod des Dauern infolge von Schlägen eingetreten sei. Die schuldigen Schutzleute wurden dem Gericht übergeben. Der Kreischef, dem das Arrestlokal untersteht, der Kreisarzt, der die Leiche besichtigte und die Schuldigen aus dem Volkshaufen wurden zur Verantwortung gezogen.
Dran, 17. April. Präsident Loub et ist heute vormittag von einer großen Menschenmenge lebhaft begrüßt, hier angekommen.
Algier, 17. April. Die mitgcteilt wird, ift ein Sittern at gegen den Präsidenten Loubet noch rechtzeitig gestern abend verhindert worden. Die Polizei verhaftete nämlich eine Frau, welche bereits als verdächtig signalisiert worden war. Man fand bei ihr einen geladenen Revolver vor: sie erklärte bei ihrem Verhör, sie habe nur den Präsidenten sprechen wollen.
Washington, 17. April. Zu den guten Bestimmungen deS neuen amerik anischen Einwanderung SaesetzeS gehört auch die gegen Mädchenhandel, indem fte vorschreün: Die Jmportation von Personen weiblichen ®ifcf)Ied>t5 zu unmoralischen Zwecken ist ein Verbrechen unv wird mit Strafhaft von einem biS zu fünf e’.hcen wwie einer 5000 Doll, nicht übersteigenden Geld- str .:e b.legt Diese Seslirnmung ist eine wesentliche Verschärfung der bisherigen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 18. April 1903.
- I.I. K.K. H.H. der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen fuhren gestern mit Automobil von Darmstadt über Frankfurt nach Alsfeld, trafen dort heute früh ein und begaben sich alsbald zur Auerhahnjagd. Nach Rückkehr fuhren die hohen Herrschaften mit Sonderzug von Alsfeld nach Gießen und fetzten nut dem anschließenden l)-Zug 76 die Weiterreise nach Darmstadt fort.
- JustuS v. Liebigs 30. Todestag ist heute. Am 18. April 1873 starb Liebig zu München im Alter von 70 Jahren. Der 12. Mai dieses Jahres ist bekanntlich fein 100jähr. Geburtstag. Durch A. v. Humboldt's Vermittlung erhielt ec 1824 die Professur der Chemie in Gießen und hier entwickelte er jene außerordentliche Tätigkeit, aus der für die Wissenschaft und für das Wohl der Menschheit so große Erfolge heroorgehen sollten.
— Ordensverleihung. Se. Mas. der König dok Italien hat dem Kunst-Schriftsteller und Verleger Alexander Koch in Darmstadt das Ritterkreuz der Krone von Italien verliehen.
** Die Konfirmationsfeiern nehmen morgen ihren Anfang. Mit welchem Stolz wandeln die jungen Mädchen einher, zum erstenrnale angetan mit der Tracht der Erwachsenen! Noch wissen sie sich darin nicht recht zu benehmen; ihre Schritte sind entweder zu hastig oder übertrieben vorsitig; die eine Hand brauchen fte jajt fortwährend zum Raffen des ungewohnt langen Kleides, wäIrrend sie mit der anderen krampfhaft Taschentuch und Bouquet halten. Natürlich stecken die Finger in lveißem Glaceleder; den Hals schmückt ein Sanubändchen mit schwarzem Kreuz, das sich bei den Wohlhabenderen in Gold verwandelt. Aber sonst ist von aufdringlichem Schmuck nickst viel zu sehen. Tenn bei der Konfirmation ist Dergleichen verpönt, und dem entsprechend wird auch meift eine durch keinen Hut bedeckte ein|ad>e Haarsiisur, gewöhnlich ein paar Zöpfe mit einfachen Schleifen, gewählt. Auch die jungen Herren, bei deren Kleidung der |teife Hut und der Gehrock von ehemals heutzutage von einem weichen Filz und vom Jaquet abgelöft ist, zeigen viel Gravität und Würde. Sie alle wissen ja, daß der Tag der Konfirmation für sie, zum mindesten soweit sie den minder begüterten Klassen angehören, den Beginn eines neuen wichtigen Lebcns- abjchnllts markiert. Vorbei sind jetzt die Tage kindlichen Spiels, da man unbekümmert in den Tag hinein lebte und die Eltern und Erzieher sorgen ließ . Nun kommt der Ernst der Lehrjahre, die dem jungen Mensck-en späterhin Selbständigkeit und eigene Existenz sichern sollen. Noch haben die wenigsten, wenn sie Den Tag ihrer Einsegnung feiern, ein volles Verständnis für das wirkliche Leben mit feinen Mühen, Kümmernis,en und Enttäuschungen. Ader eine Vorstellung von dem zu erwartenden Wechsel in ihrem Dasein haben sie sämtlich, und die prägt sich in ihren Mienen und in ihrem ganzen Wesen so rührend wieder.
• • Hessischer Oberlehrertag. Zur diesjährigen Tagung waren von nah und fern zahlreiche Gäste herbei- geeilt. Ein Teil besuchte am Nachmittag unter Führung von Gießener Kollegen den Gleiberg; eine andere Gruppe frischte durch einen Gang durch die Stadt alte Erinnerungen wieder auf. Abends vereinte ein Bierabend, wozu der Gießener Oberlehrerverein eingeladen hatte, die Teilnehmer in Steins Garten. Hierzu waren als Gäste außer den auswärtigen Vertretern verschiedene Professoren der philosophischen Fakultät bet Ludoviciana erschienen. Oberlehrer Dr. Trapp, der Vorsitzende des hiesigen Vereins, begrüßte mit warmen Worten die Gäste. Im Namen der hessischen Kollegen dankte Oberlehrer Dr. Neßl in g-Darmstadt, für die Gäste aus anderen Staaten sprach der Vorsitzende des badischen Ober- lehreroereins, Direktor Dr. Keller-Freiburg, dessen von Begeisterung getragene Rede in ein Hoch auf die deutsche Schule, die deutsche Wissenschaft und das deutsche Leben auS- klang. Ein kleines flott gespieltes Theaterstück, „Das Beamtengesetz/ mehrere koniische Vorträge und eine vortreffliche Bierzeitung brachten die Teilnehmer bald m frohe FefteSstimmung, die sie lange zusammenhielt.
• * In der Gemälde-AuSstellung am Brand wird am Montag wieder ein großer Wechsel der seit erst vierzehn Tagen ausgestellten Gemälden vorgenoinmen. Die Gemälde der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler, sowie die au§ hiesigem Privatbesitz stammenden hervorragenden Werke bleiben nur noch morgen Sonntag ausgestellt, und eS sei daher der baldige Besuch der diesmaligen interefjanten Ausstellung empfohlen. Von Mittwoch ab findet eine korporative Ausstellung der Karlsruher Kunstgcnossenschaft bi5 zum 3. Mai statt. Die Kollektion von Bruno LiljeforS bleibt nur noch acht Tage ausgestellt. — Die Ausstellung ist am Montag geschloffen.
• * Anlagemusik. Wie uns mitgetcckt wird, finden morgen Sonntag und den nächstfolgenden Sonntag Konzerte am Liebigdenkmal statt.
M TextorS Terrasse. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab arrangiert Herr H. Ramsener, der übrigens vor etlichen Tagen von der hiesigen Behörde als Theater-Unternehmer konzessioniert wurde, ein humoristisches Konzert, verbunden mit theatralischen Aufführungen. AuS dem reichhaltigen Programm seien folgende Hauptnummern hervorgehoben: „Eine verfolgte Unschuld-, Poffe mit Gesang; ,TaS erste Mittagessen- oder „Kleine Ursachen, große Wirkungen-; »Im Kleinem Buchenwald-; ,DaS Hochzeitssiräußchen" :c. :c. In diesem Konzert wird Herr Ramseyer durch seine Fräulein Tochter, derzeit Mitglied deS ThaliatheaterS zu Straßburg, unterstützt. Den musikalischen Teil hat Herr Volk von hier übernommen. Es ist wohl anziinehmen, daß der Textorsche Saal morgen bis auf den letzten Play gefüllt sein wird.
Mittelrheinischer Fabrikantenverein. In der Aprilversammlung des mittelrheinischen Fabrikantenvereins berichtete Eisenbahndirektor Schön eld-Lippstadt über die bei Den sächsischen Staatsbahnen bcab ichtiate Reform deS Personentarifs, welche auch Die Billiaung oe5 sächsischen Eisenbahnrats gefunden hat und im wesentlichen darauf hinauSläufi, unter Fortfall der Rück,ahrkarten, bce Einheitssätze auf 7 Pfg. für die 1. Klasse, 4»/, Ps^ für die 2. Klaue, 3. Pfg. für die 3. und 2 Pfg. für die 4. Klasse für daS Kilometer unter Erhebung eme5 Zuschlags von L Pfg. daS Kilometer für Benutzung Der Schnellzuge in den ersten drei Daaenklasfen festzustellen. Freigepäck soll beihehaUcn werden. Bestehen bleiben Arbeiterwochenkarten, Schülerkarten, MovatSkar-en und Monatsnebenkarten, Er-


