Samstag 18. April 1903
153. Jahrgang
Drittes Blatt
eines
Reihe r-...o— >- -
Tages doch wieder ein Hohenzoller bon Einzug halten unö in dem lieblich gelegenen Schlosse vielleicht gmnzenbe
Nr. 90
♦ r|d)ctet täglich auhet Eonnlaqs.
Dem siebener Anzeiger werden im Wechiel mit dem hessischen Landwirt bie Oietzener .Samilitn- blauer viermal in der 'hiodx beiqeleflt 5Utanon6brud u. Her» laq bei ÜIÜ t» l'icdea Univerl. Hach-u Siem» drudereiiltieNch Erden» VUbafnon. Ervediiwa und ®ruderet.
e <6 a I P r afce 7. Hbtrflr für Deveichenr ttnirtgcr Wtrfcrn.
^rrniprrdianitblufc *Nr 61.
vezagdprres: mona U ich 7ö *9»^ ote ruh ifibrhd) Urt. 7.20, durch x)lbhnle» u. 4metaftelleit
' Fährt man mit der Stadtbahn von Bellevue ostwärts, so erb lieft man, cm Stück Hinterm Lehrter Bahnho,, linker kant, einen Rest aus noaj älteren Berliner Tagen, der in feinem rändel mehr als wei-mutig berührt. ES ist l-in alter Pavillon im Nococrost.l, der aus einer ganz unwürdigen Umgebung von Lauenvorräten. Möbelwagen,
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Plaudereien aus der Kaiserstadt.
(Nachdruck verboten.)
Schloß Dellevoe nnb seine Geschichte. — Die Schicksale eine« vergefleaca Pavillons.
Die Notiz, daß die naiierlüiber an diesem tranig rrüb- /inasmaßigen Osterfeste ihre Ostereier im Park von BUlcoue fudkn durften, hat bas Interesse für das stille Schlag an der Spree wieder einmal lebetidig gemacht, ^n der Nahe bt-d „Großen Sterns" im Tiergarten, der jetzt eine Um- acftaltung und künstlerische Ausschmückung aus Kosten der „Großen Berliner Straßenbahngesellschaft" erfahrt, em Stück Wegs hinter den Zelten, dicht am lullen Spreeufer, liegt der langgestreckte, f-hmu-Nase Lau, umlranzt Mn einem wundervoUen Park, der zumal um d-.- Lcit der Ftiederbtüte und der Rojenpracht dreSchntuchlaDe• natur- schwärmerischen Passanten erweckt. Vom Potsdamer Platz führt fn gerader Linie über die SklleDuc-strogc eine SUI« Lü) diesetn »oheniollernjitze, die schon unter Prinz «rdt- nand dem jüngsten Bruder des alten t$nfc, un !8. ca^t’ bündert angelegt wurde. Ursprung tch hatten hier Kalo, nisten unter dem ersten Preupentonrg eine Maulbeer- »lantaae angelegt; als aber die Seidenraupe nicht Neig- una Zeigte |id> in der Mark gedeihlich weiter zu ent- wackeln, "lauste der Schöpjer des Tiergartens, der Baumeister Friedrichs des Grogen, Herr ran Knobelsdorfs, S Än'-ren, lieg die Bäume mit dem safrangelben Holz und de» widerlich fügen Fruchten oeischwiiiden und baute !ick> daselbst eine Meierei. Ern Freiherr ton bet Horst, Etaatsminiftei usw„ erwarb biefe 17.3 und baute eintn Flügel an. Bon einem Hofrat Bertram ging der Besitz dann aus Prinz Ferdinand Uber, der ^hlov Bo levue ui feinet heutigen ü-estall erstehen liest. Eine Zeitlang war dann Leileoue bet Betlinet Biohnfttz jenes genialen Zol- letnprinzen, bet in der Schlacht van Saalfe.d sein Leben taffen mustte. Und bie Berliner vor 100 Jahren mögen
Landwirlschasl.
Allgemeine Ausstellung für hygienische Milchoersorgung in Hamburg. Tas Programm für diese vom 2. bis 10. Mai ftattfinbenbe Ausstellung ist am Donnerstag festgestellt worden. Die Eröffnung findet am 2. Mai im AuSstellungsgebäude Deloorom statt. Währenb der Dauer der Ausstellung sinden Versammlungen . der Tierärzte und die Generalrarfammlung deS Deutschen Milchwillschosttichen Vereins statt. Vorträge werden u. a. hallen: Geh. Medizinalrat Prof. Dr. RUbner- Berlin, Pros. Tr. Opertag-Berlin, Zlnestierarzt Never- lnann-Bremeroörde, Lelonumierat Vibrans-Weiibhaufen, PhysikuS Tr. Pfeifser-Hamburg, Polizerdirektor Dr. Roscher- Hamburg, Tiretivr des chemischen Unter,uckungsamts in uitona Tr. Rein sch, Lekonomierat Tr. Müller-Darmstadt, Geh. Medizinalrat Professor Tr. Heubner-Berlin.
alten Kisten usw. mit seinem zierlichen Dach und den hohen blinkenden Fenstern austaucht toie ein galanter höfischer Kavalier, der fick unter bie misera Plebs verirrt har. Zweihundert Jahre sind an ihm vorübergezogen. AIS er von b^m Günstling Friedrichs I., Graf Kolbe von War- tenberg, erbaut wurde, umfräiuien ihn die Lauben, Beete, Grotten und Fontainen eines Lustparks, der an der Stabt* grenze, auf bet sogen. „Bullenwie,e" zur Erlustigung bet üppigen Hosgesellscl-aft jener Tage ang.legt woroen war. Icanch Frou-frou von bauschigen Seibcnröaen, manch Getrippel nicblicher Stöck-lschuha,en hat er vernommen, wohl auch manch heißes LiebeSgeflüster, manchen kapriziösen Jächcrschlog und manch nachgebenden zärtlichen seufzet! Auch die Mebibumsclgläubigen jener Tage sanden darin ihren Hafen und die geistigen Ahnen Anna Rothe's ihre Rechnung. Tempi passati! Allmählich verscholl bie Lust und der Mum-nensa-anz, und statt der kick-ernden Scherze fielen Tränen auf den noch immer grünen Plan, xie Doro- lheenstädtische Gemeinde hatte den Boden erworben und begrub hier ihre Toten. Ter Pavillon blieb — aber als Leick-enhalle! Und wieder eine iLeile — dann verschwand auch der K-rchhof vor dem ungestümen Drängen der sich maailDoll erweiternden Großstaot. Kunst und Industrie nahmen bie Stätte in Besch. Ter Pavillon würbe ein Bildhauer-Atelier, biS schließlich ein Handelsherr mit feinen Geschäftsbüchern und Pulten )clntn Einzug in den luftigen Raum hielt und fein Kontor daraus machte. Längit ist der g.ane Pmu versd-iwunden — em Meer von Häusern umstarrt ihn, und statt des galanten Geplauder- per bepuderten Funker und Hofoämchen au5 fernen Tagen vernimmt er trockene Reihen von Zahlen und anderen projaifd^n Uns.nn. Mer nachts, tvenn_ der Mond über Die xuujtr herauf,.e-gc und der letzte Stadtbohn-ug mit seinem mobernen ^e.J Ci nütaoergebrauii ist, tann fängt c r an zu träumen von den vergebenen Zeller seiner Fugend. ... A. R.
£tn grotzartiger städtischer Saatvaru
Die städtische Festhalle in Dlonnheim, die Schöpfung de- genialen vaumcistets Professor Bruno Schmitz, ist dieser Tage mit einem Musiksest eingeroeibt worden. Mannheim hat mit der Halle ein Bauwerk erhalten von monumentaler Sck-önheit, das aber auch zugleich -weckentspreck-Liid ist in feiner ganzen Eintellung und feurer vorzüglichen Akustik. Ter hitrliche Bau, ein bleibende- Denkmal der Kun ft- liebe und de- Gemeinsinns der "Mannheimer, ist In vier Jahren emporgewachsen und entstanden trotz des Wider- spcuck-s jenes engherzigen Spießbürgertums, das ja auch anbetm Orts dem trafuaen Neuen, nicht dem guten Alten, sondern dem schlechten Alten zuliebe ein nur erfreuliches, gesundes Gedeihen versagt uiid Kulturfortschritten mit lächerlicher Knauserei und allerlei Scheingründen sich entgegen stemmt. Jetzt freilich schwelgen auch die Nörgler in öeitflimmung und beanspruchen stolz ihren Anteil am (gelingen eines großen Wertes. So ist das ünmer und überall. Nach der Dresdener Städte-Ausflillung werden gewiß an verschiedenen Orten, die sich mll Auszeichnung beteiligt hüben, gerade bie Herren sich am bufften tun mit ihrem LokalpalriotiSmus, bie am wenigsten Grund dazu haben, well sie ihre liebe Vaterstadt nur blamiert haben würden, wenn s noch den Köpfen der Banausen ginge. Wenn man sicht, mit luildjcn oft red>t besck-ämenden Hinbernissen in deutschen Städten scl-öne, eble uird immerdar gemeinnützige Bestrebungen weiter als bis nun nächsten jttieger- ober Gesüngvbteiiisseste sck-auelider SJiänncr zu känipsen haben, muß man angesichts bessen, was doch noch Neues und Vor- zügllches geleistet wird, festes Vertrauen gewinnen zu der sieghaften Kraft des jungen, Nützlicl-es mll Schönem der» einigtnben, sck-affensfreudigen Geistes unserer Zell. Die städtische Festhalle in Mannheim i ft ein neues, großes Merkmal dasur, daß es fd)öner wird in deutschen Städten und daß das Spießertum wohl schimpfen, aber eine frische fKenaiffancebcroegung nicht aufhallen kann.
Zehn Jahre dauerte der „Krieg im Frieden", der wegen dieser Halle geführt wurde, bevor der erste Spatenstich ge- schah. Es ist bemerkenswert, daß dieser Kamps sich gerade in der entgegengesetzten Richtung bewegte, wie sonst fast überall. Son'it nämlich ist es txu Stadtoberhaupt und der Siabtrat, von denen bie Pläne zur Verschönerung der Stadl gejdunicbet werden und toeldje zagend bei den Bürgern mit den zugeknöpften Taschen wegen der nötigen Gelder vorstellig werden. Hier erleben wir das umgekehrte Sck-au- spiel. Haupt und Rat der Stadt beschränken ihr Proaromm zunächst auf eine Konzerthalle, beantragen beim Bürger- auüfchuß dafür einen Jahreszuschuß von 25000 Mk. Wah- renb indes die Platzfrage immer lebhafter besprochen Wird, schwillt dem Bürgerausschuß das Selbstgefühl, der Zuschuß wird auf 35 LOO Mk. erhöht. Znzwis ^en aber, während bie Platzsrage immer weitere Ivviientreife zieht, regt sich unter den Bürgern, von der lvkalpatriotischen Presse geschürt, eine immer heftigere Bewegung, glerch einen glänzenden Monumentalbau zu errichten.
Ter ganze Bau hat nun zwar die oumme von 2 647 17« Mark und bü Reick)spsennigen verschlungen, aber Mannheim hält mit feiner Festhalle letzt den Rekord in ganz Deutschland, die Halle ist so prächtig und geschmackvoll ausgefallen, daß die Dinge, bie darin vollführt werden, öfters Mühe haben werden, sich ihrer würdig äu erweisen.
Als Baustelle ist nach langem Schwanken der FriedrichS- vlatz geroäljlt worden. Groß, mit dem Wahrzeichen deS WaifenurmS in der Mllte, mit Fontänen und Garten- aiilageii verschwenderisch ausgestattet und einem Kranz von fertigen und helbsertigen roten Sanbjteinbauten umgürtet, hat der Platz an der Festhalle soeben sein strahlendstes "uiwel erhalten. Bon außen zwar fällt der Glanz, der von ihr ausgeht, nicht so sehr in die Augen, da sie nicht aus
dem erwähnten Kranz hervorfticht. sondern in ihm eingebaut ist und darum nur mll der Hauptsassade auf den Platz mündet. Auch tagt der Bau in feinen Höhenverhältnissen, dem Charakter einer Halle entsprechend, nidg über die Umgebung hinaus, und auch die beiden mäßig hohen stadtwärts angebrachten Türme fallen vom Platz aus nicht in die Augen. Mll seinem roten Sandstein, seiner grünroten Zicgelbebachung erweckt die Halle von außen den Eindruck einer behaglichen Vornehmheit.
Mit Reck)t hat die Platzfassabe bie plastische Kunst in weitestem Maße zu Hilfe gerufen. Zivei Portale laben zum Eintritt ein, bereu eins mit bem Kopfe Beethovens, das andere mit bem Mozarts gekrönt wird. Chimurengruppb-n zu beiden Seiten der Köpfe stellen frei nach Metzsck)e das apollinische und dionysiscbe Element der Tonkunsl, ober wie die Festschrift sagt, die schmeichelnde und die packende Gewalt der Musik dar. Auch hier wie bei Klinger hat Beethoven als Machtattribut den Adler zur Seite. Wellen- or na mente lösen jcüiank Frauengestalten und Phantasie- köpfe in geschmackvoller, bie romantischste ber Künste fijm- tolifiercnbcr Anordnung ab. Je mehr wir uns der Halle nahem, umsomehr überrascht ihre Raumausdehnung. Ter Baublock, auf dem sie liegt, besitzt 144 Meter Länge und 102 Meter Breite. Die Halle selbst umfaßt zwei völlig getrennte große Säle, und zwar nach bem Fnedrichsplatz zu über der zu ebner Erbe gelegenen Wanbclhalle ben )lonzertsaal im ersten Stock, an welchen sich stadtwärts ber große Festsaal anlehnt. Während der Konzertsaal bie übliche Recküeckform ausweist, wird ber Festsaal burch einen Halbkreis abgeschlossen.
Gebicgen, eui|ad) unb traulich wirtt b.ese Wandelhalle mit ihren 5 Metern Höhe und ihrem Reichtum an Pfeilern mit pentelischem Marntor- unb Ealacata Belag. Auffallend ist nur bie Abwefenhell von Spiegeln. Wir finb aber eher geneigt, anzunehmen, daß ber Spiegellieferant den Termin versäumt hat, als daß das schöne G.sck-lecht von Mannheim auf dies wichtige Korrektiv des weiblichen Reizes Verzicht leisten wollte. Neben ben ©eitengarberoben fuhren zwei Toppeitreppen an einem munter plätschernden Brunnen unb einer auf einer Mosaiktafel eingezeichneten Grünb- ungö-Urkunbe vorbei in den Konzertsaal. Der Anblick ist namentlich abends überwältigend. Der moderne Stil mit seiner unerfchöpsluhen CmamentiE, seiner aus allen Kulturquellen gespeisten Phantastik, feiert hier einen Triumph sonbergllichen. Nirgeiids bleibt das Auge un- gefeffelt, unb dennoch empfängt es von überallher den Eindruck des Zusammenpassens aller So überleite zu einer fesselnden Harmonie.
Die Decke überwölbt ben Saal in flacher Elipse. Tltrch Bänder von Perlmuttermuscheln teilt sie sich in fünf Felber, von benen die brei inneren mit Glasmosaik infruftiert find und mit den transparenten zwölf Sternbildern in Buntglas geschmückt sind. Noch paffender wäre es gewesen, bie zwölf Tonarten zu fomboli|ieren, wobei bie bekannte Spielerei zwischen Farben unb Tonarten sowie auch bie Zwillingschaft zwischen ben harmonischen Tonarten (Cis unb Des, Fis unb Ges- ber Entfaltung ergötzlicher Spielereien Vorschub geleistet hällelt. Die heute ausschließlich herrscheltben Tongeschlechter Dur unb Mail hätten fich bann noch in ben beiben Endfelbem tummeln können. So bienen biefe hauptsächlich ber Anbringung prächtiger Beleucht- ungskörper, bie an sich schon Kunstwerke bilben unb nament» lich in ber Abbämpsung ber inneren Lichtsonnen burch fasfabenartige Glasgehänge feenhaft wirken. Auch bie Aus- ftattung ber mit blauschtmmernben Sternen besäten brei Jnnenselber läßt auf einen wahren Beleuchtungslünstler schließen. In vier Golbbronzereliess ist weiter baS mufi- kalische Motiv ber vier Sätze der Sinfonie ausgeführt, das auch durch zwölf Medaillons der bedeutendsten Tonsetzer genügend unterstrichen wird. TaS Tunkclgrau des Par
terres, das Weiß der Emporen unb bie reich« Goidbronz« der Fries- und Deckenausschmückung wird durch die mall- grüne Posamentierung der Gefloßen angenehm unterbrochen. Die ziemlich slach ansteigende Estrade cthält, abgesehen von den Friesen neben der Orgel, welche die Wal- tüieii- und die Siegsriedsage zum plastischen Gegenstaiidc haben, ihre naturgeinaße ^uöichmückung durch die Kunst der Labenden, die Toiletten der Siiißuibcn. , Dageßen ist die ßcgeiiübcrliegenbe Saalseite von nicht geringer malerischer Wirkung. Symbole und phaiitastische Kopse als hochragende Wappelihaller, zweimal die Pallas Athene, erinnern uns daran, daß dieser Saal auch gelegenllich der Kunst ThalienS fluioibmet sein soll. Uno da bemerken wir auch schon an uu|eren Sitzen einen kleinen Mes.ingapparot, der dirse in einem Nu umdreht und uns erlaubt, auf der dem Podium entgegengesetzten Seite gelegentlich ein Bühnenspiel zu geniepen. Die vier Ecken oeS SaaleS sind gerunbut, bie Akustik erweist sich alS vorzüglich.
Ter große Festsaal ist im Gegensatz zu bem bet zarteren Kuns! geweihten Kouzertsaal mehr für bie Ergötzung unb Anregung größerer Mas,en bestimmt unb vermag mit ben Stahplätzen etwa 5G0J Personen zu fassen, wähcenb das Podium allein schon für mehr als tausend Personen Raum bietet. Der Saal enthält fia> jeoer Pruns- enlsaltung, wirkt aber doch durch den Sct-wung unb bie einh.illiche Durchführung seiner Linien sehr gesaOinackvoll. Ter breiten Empore ist noch eine zweite ausgesetzt. Tie am Pobium sün,schissige Anlage wird ba, wo der Halbkreis beginnt, dreischifsiß. TaS sü-lauk und leicht ausße,etzte Tonnenßewölbe, welches die Bedachunß bildet, ruht auf Pfeilern, die fülßeriujtig nach unten immer masfißrr trar- ücn. Ter Gewölbestil ist in allen Teilen des SaaleS, namentlich in den Seitenschiffen zu ebener Erde kraftvoll dnrchgefühct. Während die Sine im Konzertsaal gepolstert sind, geuüßcn hier Holzfitze. Sür Musikieste ßtogen Stils und für Geistcsäußerungen jeder Art, die auf breite Massen wirken sollen, gerade der rechte Ort! Mannheim hat alle Ursache, nut feiner Fe st Halle, sowohl was seinen künstlerischen Gcschniack, wie was praktische Verwendbarkeit betrifft, zufrieden zu fein. Jedenfalls hat Bruno Schmih da in oer Lösung einer ziemlich vermittelten und anspruchsvollen Ausgabe ein leuchtendes Muster geschossen.
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amir- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
manch liebes Mal gelauscht haben, wenn LouiS Ferdinand feinem Flügel die wundervolle Musik entlockte, die ihm so manches Herz im Sturm gewann; doch wirds auch nicht an Kops schütteln gefehlt haben, wenn der lebens- freudige, ebenso verwöhnte wie feuerköpfige Prinz es em bischen ärger trieb, als es die Spreeatl-ener von damals für gut befanden. Prinz August, Lou.s Ferdinands Stuber, war ber nächste Insasse des Schlosses. Zivei Denkmäler von ihm, der als begabter Feldherr und besonders als Reorganisator der Artlllerie gilt, schmücken den lauschigen Park. Unter Friedrich Wilhelm IV. sollte hier eine Gemäldesammlung im großen Stile erstehen. Toch ließ man den Plan später wieder fallen und überwies hm schon vorhandenen Anfang der Nationalgollene. Und eit der Zell erwacht dieses Tornröschcnschloß nur ganz eiten zu einem kurzen ftöhlick-en Leben. Ab unb zu eiert man wohl ein Gartensest für bie Kaiserkinder tm park; manchmal quartiert man auch hohe Gäste hier ein, wie weiland den Schah von Persien — nicht just zum Vorteil der Gardinen, Portieren und Teppiche! — aber zu dauerndem Wohnsitz hat es kein Hohenzoller wieder erkoren. Eine Zeitlang hien eS, der Kronprinz soll es einmal bewohnen; aber auch dieser Plan Hot nur schwache Aussicht auf Verwirklichung, obgleich die Terrainspeku- lation in Moabit mit dieser Idee schon lebhaft zu Gunsten großen F^mbahnhoss aglliert hat. Indes ist die der Prinzen ja lang — und zweifellos wirb eines


