Ausgabe 
18.3.1903 Drittes Blatt
 
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Mittwoch L8 März 1 »08

153. Jahrgang

Drittes Blatt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

§ 8 Ab-

biefle lüt Tepelcbeni «azrtgertcfcrn.

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gliedert werden. , .

Fraßdorf (Dresden) empfiehlt folgende Rewlutton:

Der zweite allgemeine Kongreß der Krankenkassen Teutsclstands hält eine Verschmelzung der gesamten Arbeiter-

mchs uiuer bun jeugen au» jener ii g. jen und unter Staub und aben jtnb.

wcssensourftige Ung ^eit, die nur htt'oc . Scoder auf Speicher!

gebirges nähert.

Hier endet mein Auszug, ^ch muß )chon wieder an den Rückweg denken. So sehr ul) mich ^.uch über den Spaziergang in frischer Derglust gereut habe, so sehr hat mir auch die Plauderei meines eilten aus alter Zeit gefallen.

Hat sich unser Oberhess ischer Geschichts- oerein schon um die Zeiten und Urnftänbe, als der Zehnte noch erh.brn wurde, getämmert? Heute g.ebe es noch leb-nde Zeugen aus jener Ze.l, schon nach ebum Jahrzehnt Cann der letzte b - kn sein, ^ann gräbt hinterher der

Versicherungen im Interesse der Versicherten für geboten. Turch eine solche würde eine viel schnellere und zufrieden- tellendere Fürsorge für die Kranken und Invaliden herbei- zuführen sein, auch würden sich die Verwaltungskrsten ver­ringern. Zur Durchführung der Witwen-, Waisen- und Ar- beitslosenunterstühung würde durch eine solche Vereinigung eine sehr geeignete Organisation geschaffen.

Der Kongreß hält aber eine Verschmelzung nur dann für annehmbar, wenn dabei die Selbstverwaltung durch Der- icherte und Arbeitgeber, wie sie bei den organisierten Krankenkassen gegenwärtig gegeben, nicht angetastet wird. Eine ersprießliche Sozialreform ist nur dann zu erzielen, wenn bei deren Durchführung diejenigen, für welche sie ge­geben, den wesentlichen Einfluß haben.

Es muß daher der lebhafteste Protest dagegen erhoben werden, daß jeder Fortschritt auf sozialpolitischem Ge­biete mit Einschränkung der Selbstverwaltung erfaufi wer­den soll."

Rach kurzer Debatte wurde die Resolution an­genommen.

Am Rachmittag in der Schlußsitzung beschäftigte sich der Kassenkongrey mit den Anträgen. Ohne Debatte wurde zunächst ein Antrag des Arbeitervertretervereins "München und Umgegend angenommen:Vereinfach­ung der Organisation durch Schaffung großer leist­ungsfähiger Kassen, sowie Zulassung zur Bildung großer Ka.senverbände."

Ebenso wurde debattelos dem Anttage der Kassen von Krefeld und Braunschweig zugestimmt (zu, § 1 des Kranken­versicherungsgesetzes):Obligatorische Ausdehn­ung d e r V e r s i ch e r u n g s p s l i ch t auf alle gegen Ge­halt ober Lohn beschäftigten Personen, einschließlich der Hausgewerbetreibenden, sofern ihr Jahresgehalt 3000 Mk.

einem Sams tag vor der Zugbruae dieses Schlosses stand, das in der s)laü)i zuvor durch unzufriedene Bauern, unter denen sich die Fiscliborner hervor raten, halb zerstört war. Ader am Dienstag morgen schon loaren zwei Schwadronen aus Butzdach da, denen Infanterie folgte. Damit war oer Bauerntneg des 19. Jahrhunderts im Vogelsberg vorbei.

Mein Alter ist jetzt ins rechte Fabrwaüer gekommen. Er erzähtt aus den Zeiten, da noch der Zehnte erhoben wurde, wie Zehnimänner, nachdem das Getreide im Felde geschnitten, gebunden und aufgestellt war, die Getreide- l-ausen zehnteten. Tas zehnte Gebund gehörte der Herr­schaft, in das zehnte Gebund knüpften die Zehntmänner einen Knoten zum Zeichen, daß dies Gebund der Herrschaft zufalle. Tie Bauern stellten die dicksten Garben mitten in den Hausen, die schtvächeren rund herum. 9hir aus diesen außen her um stehenden Garben durften die Zehnt­männer wählen. Auch auf dem Kartoffelacker wurde ge- zehntet, die 11. Rute der Ackerfläche gehörte wieder der Herrschaft. Jene wurde abgemessen und durfte von dem Besitzer des Ackers nicht geerntet werden. Die Herrschaft verlaufte die Ernte von diesen 11. Ruthen, aber die ge­ringen Leute machten fick fein Gewissen daraus, die ge- zehnteten Kartoffeln zu plündern, uou) ehe die Herrschaft Darüber verfügt hatte. Auch der 50. Hammel in der Herde gehörte bet. Herrschaft. Waren nur 49 Hammel im Pferch, fo hatte die Herrschaft keinen Anspruch; dieser flieg oei 100 Hammeln au| zw i Stück, bei 150 Hammeln aui Drei Stück. Mein Gewcchrsmann hat als Junge oft das sogen. Rauchhuhn abgcliefert. Jedes Haus, aus dem ein Schornstein rauajte, hatte ein Huhn, das sogen. Rauchhuhn, an die Herrschaft abzugeben. Waren s mehr Schornsteine, so war auch die entsprechende Zahl an Hühnern zu liefern. Später wurden statt des Huhnes drei Batzen bezahlt. Wie viel ist das nach unserem Getde? Tie Hühner muffen da­mals noch billig gewe,en sein. Auch die sogen. Sack- ftucht war im Herbst zu liefern, offenbar em bestimmter xeil an dem eroroschenen Getreide.

Am 1. 'Jtouemocr ist ul lei. he ui gen, am 2. November Allerseelen, am 3. November istall der Teufel", so sagten die Bauern, denn an diesem Tage wurde die Sacksrucht, das Rauchhuhn und manche and-re Abgabe emgeforoert.

Unter solchen Gesprächen kämm mir auf die Höhe. Herbstein mit seinen zwei Kirchen lag in seiner ganzen Ausdehnung wie eine beträchtliche Staat anzuschauen im

Tagelohnes durch die höhere Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Gemeindebehörde und Aeußerung von Ver- tretem der beteiligten Arbeitgeber und Versicherten, jedoch ür männliche Erwachsene nicht unter 2 Mark, für alle ihrigen versicherungSpslichtigen Personen nicht unter 1.50 Mark. Aenderungen der Festsetzung treten erst sechs Monate nach der Veröffentlichung in Kraft.

Zu ß 20 wurde beschlos,en ('Absatz 1, Ziffer 1 und 2)*. Obligatorische Klasseneinteilung nach dem wirklichen Arbeitsverdienst Antrag Krefeld) und (Absatz 1, Ziffer 2): Gewährung der Wöchnerinnenunterstütz- u n g auf sechs Wochen und Bestrafung nach § 26 a, Abs. 2, Ziffer 2 a, bei Verrichtung von Lohnarbeit während der Unterslützungsdauer (Antrag der Kassen von Trier, Krefeld, Sonneberg, itoburgj. Weiter wurde zu demselben Paragra­phen ein Berliner Antrag angenommen, die RegierungS- rnrlagc wie folgt abzuändern:In Fällen ufiu. ist zu­nächst derjenigen Kasse, bei welcher der Verstorbene nach den Bestiinmuiigen des Krankenversicherungsgesetzes oer- sicherungspflichtig war usw., nach der Vorlage der Kom­mission Ersatz zu leisten."

Zur Frage der Walderholungs stäkt en nahm der Kongreß folgenden Frankfurter Antrag an:Tie Kassen können genesenden Kassenmitgliedern mit ihrer Zustimmung Kur und Verpflegung in einer Erhol­ungsstätte gewähren."

Bei § 29, Absatz 2, wurde einem Antrag Krefeld zu- gestimmt:Verwendung der Gelder seitens der Kasten für vorbeugende Krank enfürsorg e."

§ 32, Absatz 2, soll nach einem angenommenen An­träge der Vereinigten Hilfskasse Hamburg-Altona folgende Fassung haben:So lange der Reservefonds die Hälfte dieses Bettages nicht erreicht, ist demselben min­destens ein Zehntel des Jahresbetrages der Kassenbetträge zuzuführen; hat der Reservefonds die Hälfte dieses Be­trages erreicht, so genügt die Zuführung eines Zwanzig­stels des Jahresbetrages der Kassenbetträge."

Wetter wurde beschlossen:Als Ersatz der inv ß 6, Ab­satz 1, Ziffer 1 bezeichneten Leistungen gilt die Hälfte des Krankengeldes, sofern nicht höhere Aufwendungen nach- gewiesen werden." (Anttag Frankfurt a. O.)

Zu K 54a:Die Mitgliedschaft dauert im Falle der Erwerbsunfähigkeit fort."

Zu § 57:Beschränkung des Regreß­anspruches der Armenverbände an die Krankenkassen auf diejenigen Leistungen, welche erfrantten Mitgliedern zustehen. Auf die von den Kassen gewährte Famllien- jürforge haben die Armenverbände keinen Regreßanspruch." (Antrag Krefeld.)

Zu 57 b uiid 58 wird eine Resolution angenommen: Daß es im Interesse der Versicherten liege, wenn in Streitigkeitsfällen die Aufsichtsbehörde in erster, ein Fachschiedsgericht in zweiter und das Reichsversicher­ungsamt in dritter Instanz entscheiden würde, wie dies bei der Unfall» und Invalidenversicherung bereits in Gelt­ung ist."

Schließlich sprach sich der Kongreß noch für die Bild­ung von Zentralkommissionen und einer Organi­sation derselben zur Erzielung günstiger Bedingungen beim Bezug von Arzneien usw. aus. Ein Festtommers schloß am Abend den Kongreß ab. Die Stadl Berlin hatte dem Kongreß einen Zuschuß von 2000 Mark bewilligt.

hellen Sonnengtanze vor uns. Zu unserer Linken ragt der Herbsteiner Galgen aus Rixselder Gemarkung. Wir kreuzen die Dahn Lauterbach-Geöern und folgen der Straße, die über Hörgenau nach Engelrod führt, das ausgedehnte Dorf Hopfmannsfeld rechts liegen lassend. An der westlich dieses Torfes hinziehenden mäßigen ^>öhe ragt schon wieder ein Galgen, den ein Schwarm schreiender Tohlen umkreist. Noch müssen diese Wahrzeichen einer barbarischen Zeit dem, dessen Gewissen beschwert ist, erscheinen wie warnend ge­hobene Finger, die sich gegen ihn, an klagend erheben. Ver­ursacht doch der Anblick dem Wanoerer, der leichten Herzens seine Straße zieht, ein unbehagliches Gefühl, ein Gruseln. Wir passieren einen ausgedehnten Wald, in dem sich die Fichte und Kiefer besonders durch ihren schlanken Wuchs auszeichnet, und damit beweisen, auf welchem^ fruchtbaren Grunde sie stehen. Dann folgt wieder offenes Feld, Grund- roiefen und Feldwiesen, Wüstungen mit Basallblöcken über­säet, mit denen nicht selten Feldwiesen ober Aecker um­friedet sind. Hierzulande ist die Einzelhut anscheinend nicht mehr so im Schwange wie früher. Ich sehe mich ständig nach solchen Einzelhütern um und entdecke nur einen ein­zigen Bauersmann, bei fünf Stück Rindvieh auf einer Wüst­ung weisen läßt, auf der sie wohl die zum Leben not­wendige Nahrung finden, aber auch nicht mehr.

In Engelrod k.h.rn wir ein. Mir fällt der Tialekt auf. Er ist grunöoers^icden von dem im streife Gießen ober Schotten oder Alsfeld. Wir sind nicht allzuweit von der allen Bst'chossstaot Fulda entfernt, das kling, aus dem Tialekt heraus, der sich dem der Deoölkerung des Rhön-

mendlhcfcvbtfl.. eiert* täbiltä) tu 8-20. k»u«ch 'llbbole- u Zweigstellen monatlich 6o id durch die Polt Alt L oienet- läbtl auvldjl BeNcllg. Annahme von Äiijfigce tüt 6i< iaje«nuiiiiiirt blt DotmUidjl 10 Ufot» ßnlenpteii lofal

tu tUg.

©e laut iv»ii hd)i 10t pohl allgem» Teil 1) tMinto, tüt .Stadt und L*an6* und .Gerichiasaal' Gurt via io. lüt Oen An- tetaenteil 6>an fed.

nicht übersteigt." ,

Paach - Schwiebus wünscht im Interesse des Schutzes der deutschen Arbeiterschaft dieAusdehnung der Versicher­ung auf alle in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Kinder." Auch diesem Anträge wurde zu- gestimmt. Weiter soll auf Antrag der bereinigten Hilfs- lassen Hamburg-Altona § 1 noch eingejügt werden:Aus­dehnung der Versicherungspflicht auf alle gegen Lohn ober Gehalt beschäftigten Personen forcie Lehrlinge und Ge­werbetreibende, sofern deren Jahreseinkommen 3000 Mk. nicht übersteigt. Zu §§ 23 b wurde ein Antrag der Kom­mission bereinigter Krankenkassen Frankfurt a. M. an­genommen:Aufhebung sämtlicher Befrei- ungsanträge mit Ausnahme derjenigen, die aufÖfrrunb nachgewiesener Mitgliedschaft bei einer dem § 75 ent­sprechenden Hilfskaste beantragt werden." 3u § 3 bean­tragte dieFreie Vereinigung der Krankenkassen mit freier Arztwahl Berlin":Personen des Soldaten st andes unterliegen der Versicherungspflicht, wenn sie in einem ber- sicherungspflichtigen Betriebe gegen Gehalt ober Lohn be- jdjäftigt werben." Der Antrag fand Annahme. Zu § 6 a, Absatz 1, Ziffer 2 wurde beschlossen (Anttag Trier): Streichung der Bestimmung der Krankengelbbersagung bei Schlägereien, Xruntfälligteit und geschlecht­lichen Ausschweifunge n", sowie ferner (Antrag Ham­burg-Altona) Streichung der Worte:oder durch schuld­hafte Beteiligung bei Schlägereien ober Raufhändeln, durch Trunkfältigkett ober geschlecchliche Ausschweifungen." _

Auf Antrag oon Z a f k e - Hamburg würbe zu § " satz 1 beschlossen:Festlegung des ortsüblichen

Nr. 65

Eriche,», tlgfie außer Bonn lag*.

Dem Siebener Anzeiger werdem tm Wechsel mit dem Kesfische» tandwirt die Gleßenee Familien- blätter viermal in der Woche beigclcgu

Roiaiionßbrud u. Ber- lag der Brüh l'Ichen ttniv« rs.-Buch- u. Stein- druckorer tVietsch Erden)

Mebafiion, »rpebuioe und Druckerei.

Im Aogeisverg.

(Originalartilcl desGieß. Anz.")

Der Frühling beginnt und damit die Wanderlust aNer derer, die der Berus in der Regel in der Stacht festhält und die sich freuen, die wenigen freien Arbeitstage in Wald und Feld, auf einem nur auf ganz kurze Zeit be­rechneten Ausflüge verbringen zu können. Eine Reste viel weiter hinaus in die Schveiz ober gar nach Italien ist gewiß betlodenb genug, unb wer Zett unb Mittel hat, bequem geworben ist, große Ansprüche an Küche unb Keller, Unterkunft usw. zu madjen gewohnt ist, wiro immer wieder den breit ausgetretenen Pfaden folgen, bie in all die Wunderländer unter südlicheren Himmels- strichen führen. In unseren Vogelsberg laufen viele Wege, bie dem bescheidenen Wanderer, der nur roenige 4Xige jiaj losmachen kann, großen Genuß bieten. Tiefe Wege sind so gut und so oft beschrieben, daß sich jeder mit feiner Zett danach einrichten kann. .

Ich wanderte im vergangenen Hochsommer die -straßc von Lauterbach in der Richtung Herbstein und hatte das Glück, auf dem Wege mit einem alten Bauern zusam- menAutreffcn, der schon im Jahre 1548 ein 17 jähriger ^unqe war, bie Gegenb, die wir durchwanderten, genau kannte, und dem Feld unb Wald, Berg unb Tal, Torfer unb Schlösser, die sichtbar rouroen, Anlaß gaben, mir aus fernen ^uqcnberinncrungen Mitteilungen zu machen.

Die Straße steigt von Lauterbad) ziemlich steil, zur Rechten läuft die Bahn LauterbachGedern, die Hohen oberhalb Lauterbach zu unserer Recksten sind malenich schon Hübsche Landhäuser und jchlogartige Villen lugen aus Baumgruppen unb den frischgrünen Bergwiesen Zu unserer Linten zieht wett die Höhen hinauf ^ine ausgedehnte ^eibe bie mit zahlreich einzelnen wen,chattenben Laub- bäumen besetzt ist. Ganz ähnliche noch weiter ausgedehnte Weiden ttestcn wir oben. Sie naben gar nichts einsorm.ges, ba bie eintet stthenoen prächtigen Laubbaume die flache des S^eralianaeÄ forige^ot unteroredjen und dem ..uge des Man^?rs ungelichme J^mxhe buten. Wald unb Few, Wiese und Wewe, ^al uno .vügel wechseln rechts unb links fnrtaefcfit Dort oben vor uns tauchen wieder aus dem Grün alter Baum gruppen massige Gebäude auf: schloß Gisenbach. Der Anblia macht meinen Weiter aujs neue bereit Er erzählt, wie er als Bub *m -lars 1848 an

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger v w

ju Verlagen. 4JIC|C yaroerung oer zipui^ici |ci (Beifall.)

Die Resolution wurde darauf mit dem Zusatz Tischen- börffer (Berlin) fast einstimmig angenommen.

Weiter sprach Fräßdors (Tresden) über die An­gliederung der Krankenversicherung an di e Invalidenversicherung. Das Versicherungswesen müsse vereinfacht werden. An die vereinigten Versicher­ungen könnten auch sehr gut Arbeitslosenversicherung, Wit­wen» unb Waisenversicherung und Arbeitsnachweis ange-

Zu der heutigen Sitzung des Krankeiikassentages wurde zunächst über die Apo the ken fr age beraten. Ter Re- serent Buck>drucker P. M a g n a n (Berlin) hob hervor, daß diese Angelegenheit schon so oft die Krankenkassen unb die Oefsentlichkeit beschästiat habe, daß sich kaum noch etwas Neues sagen lasse. Die soziale Gesetzgebung habe sich in erster Reihe als ein Segen für die Apotheker erwiesen. Bei einem so bedeutenden Verdienst sollte man meinen, daß die Apotheker sich zu Preisnachlässen bewogen fühlen würden. Mer das Gegenteil sei der Fall. Da die Kassen für alle Ausgaben Belege haben müssen, sei es nötig, alle Medikamente durch Rezepte zu entnehmen, unb da sei mehr als einmal eine Ucbervortcilung ber Kassen vorgekommen, wie sck)on oerschiedenttich nachgewiesen werden konnte. Turch den Boykott haben die Kassen erhebliche Summen gespart. Die Gesetzgebung wäre verpflichtet, den Kassen zu Hilfe zu kommen und eine Reichs irzneitaxe zu schassen. Wenn die Krankenkassen sich bie Meb.lamente selbst beschaffen könnten, würde es möglich fein, Millionen zu ersparen, die auf die Prophylaxe unb Krankenpflege mehr verwendet werden könnten. (Beifall.)

Redner empfiehlt folgende Resolution zur Annahme:

Der 2. Allgemeine Kongreß der Krankenkassen Deutsch­lands hält es für durclstius notwendig, daß gesetzliche Be­stimmungen geschaffen werden, welche den Krankenkassen, eventuell in Kassenverbänden, es gestatten, eigene Apotheken zu errichten, welche es ihnen aber zum mindesten gestatten, solche Arztteien, welche von den Apotheken im Handverkauf abgegeben werden, direkt an die Mitglieder auf Grund ärzt­licher Verordnungen zu liefern."

In der Debatte erklärt Tischendörfser (Berlin), oaß ihm die Resolution noch nicht wett genug gehe. Man müsse ganze Arbett machen unb die Kommunalisier­ung der Apotheken verlangen. (Beifall.) Er bean­trage, in ber Resolution zu sagen:Wir fordern Kommu­nalisierung der Apotheken, unb bis das erreicht ist, die Er­richtung eigener Apotheken burch die Krankenkassen." (Leb­hafte Zustimmung.)

Knappsck-aftsbirektor Henz (Guben): Met weiter würde man kommen, wenn man folgendes fordere: 1. eine Festlegung der Begriffe Rezeptur unb Hanbverkauf. 2. Er­weiterung ber Taxe durch Ausnahme indifferenter Mitte! und Salven. 3. müsse man bitten, den Bestrebungen der Apotheker, ihnen den Alleinverkauf aller von den Kranken­kassen benötigten Arzneimittel zuzuweisen, die Genehmigung zu versagen. Diese Forderung der Apotheker sei ungesetzlich

-Lg-meincr deutscher ^raukevkaffen-Kongreh. ll.

Berkin, 16. MLrz.