Ausgabe 
16.3.1903 Drittes Blatt
 
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der Wohnungsinspektion sei namentlich auch za beachten, ob oute und billige Kleinwohnungen in ausreichender An- zahl vorhanden seien und im verneinenden Falle müsse entsprechende Vorsorge getroffen werden, auch dürsten Maßnahmen nach der einen oedr anderen Leite hin nur schrittweise und mit möglichster Schonung berechtigter Privatinteressen unternommen werden. Tie Wohnungs- inspektion sei nicht so aufzufassen, als richte sie sich gegen die Vermieter, vielmehr sei sie eine Ma^egel der Wohl­fahrtspflege, die auch auf den Mieter einzuwirken habe, ioenn er eine an sich gute Wohnung vorschriftswidrig benutzt. Kreisrat Fey ist ebenfalls der Meinung, daß die Durchführung des Gesetzes nur allmählig erfolgen könne. Er empfahl, insbesondere dahin zu wirken, daß die Ge­meinden rechtzeitig in ihrer Umgebung gelegenes Land a n k a u f e n, um es später der Erbauung in einer die gesunde Entwickelung der Gemeinden fördernden Weise er­schließen zu können, auch könne in größeren Gemeinden im Ledürfnisfalle die Gründung gemeinnütziger Bau- Vereine in Erwägung gezogen werden. Ter Bürger­meister von Nieder-Florstadt empfahl gleichfalls den An­kauf von Gelände durch die Gemeinde und die zweckmäßige Aufteilung desselben, wodurch in seinem Orte die Bau­tätigkeit erheblich gefördert worden sei. Fabrikant Langsdorf befürchtet ein Hemmnis für die Lauvereine insofern, als die Landeskredit lasse den Bauvereinen Gelder nur durch Vermittelung der Gemeinden gewähre, worauf der Landeswohnungsinipektor erwiderte, daß eine der­artige Mitwirkung der Gemeinden bei den gemeinnützigen Bauoereinen unbedingt erstrebt werden müsse. Ander­wärts, z. B. in Rheinland, leisteten die Gemeinden fast durchweg Bürgschaft für die von jenen Vereinen aufzu­nehmenden .Hypotheken, ohne daß irgend eine Gesetzes- vorschrist darauf Hinweise; man könne wohl erwarten, daß die Gemeinden des Großherzogtums mit der Zeit eine gleiche Stellung gegenüber den Bauvereinen einnehmen, umsomehr, als das Wohnungsfürsorgegesetz selbst diesen Zoll ausdrücklich vorsieht. Es sei deshalb zu empfehlen, daß die gemeinnützigen Bauvereine mit entsprechenden Anträgen an ihre Gemeindeverwaltungen herantreten. An die Konferenz schloß sich eine Besichtigung der von dem genannten Bauverein errichteten Häuser, deren sehr zweck­mäßige innere Einteilung den Beifall der Beschauer fand. (Geländeankauf durch die Behörden ist eine bodenreforme­rische Maßnahme von größter Bedeutung. Sie hemmt vor allen Dingen die unreelle Bauspekulation, und sichert den Gemeinden selber die Gemeinderente. Tas im Bürger!. Gesetzbuch vorgesehene Erbbaurecht, §§ 10121017, giebt den Gemeinden vorzügliche Gelegenheit zur Besserung der Wohnungsverhältnisse. T. Red. desGieß. Anz.")

Hanau, 15. März. Unter den Mannschaften des 1. Bataillons des Fnf.-Regts. Hessen-Homburg Nr. 166 ist vor einiger Zeit die Genickstarre ausgebrochen. Der­selben ist bis jetzt ein Mann zum Opfer gefallen. Das 2. Bataillon, welches bisher von der Seuche verschont blieb, siedelt aus diesem Grunde Dienstag den 17. noch Mainz über.

Vermischtes.

* Berlin, 15. März. Nach einer aus Luxor hier emgetrof jenen Meldung ist der deutsche Kronprinz dort an den Masern erkrankt. Der Verlauf der Krankheit ist bisher normal. Die Besserung in dem Be­finden des Prinzen Eitel Fritz hält an. Der Prinz ist seit gestern fieber frei.

* Paris, 15. März. Der Polizei-Präfekt hat ein Degen-Duell mit scharfen Waffen, an welchem zwölf Personen tellnehmen wollten, untersagt.

* P r i n z e s s i n Lu i s e. Wiener Meldungen gegenüber erfahren dieL. N. N." aus zuständiger Quelle, daß zwischen dem Dresdener 5) o s und der Prinzessin Luise von Tos­kana keine Verhandlungen mehr schweben, da alle fragen durch ein direktes Abkommen erledigt wurden. Auch von einer späteren Auswanderung der Prinzessin mit Giron sei keine Rede. Die Prin­zessin bleibe zunächst noch einige Wochen nach der Ent­bindung in Lindau. Nunmehr soll übrigens auch die Aussöhnung des Groß Herzogs von Toskana mit der Prinzessin Luise in naher Aussicht stehen. Es verlautet, daß der Großherzog m nächster Zeit mit seiner Tochter zusammen tommeji werde und daß am

toskanischen Hofe Vorbereitungen zur Abreise des Groß- hcrzogs nach Lindau getroffen werden. Eine in Nizza weilende Tarne des ösrreichischeu Hockadels, welche sich an die Prinzessin Luise mit einem tellnelpnenden Brief ge­wendet har, hat von ihr ein Antwortschreiben erhalten, in dem es heißt:Keine Frau von Herz, mag sie auf der Stufenleiter des Lebens noch so hoch oder noch so niedrig stehen, wird mich mißverstehen, wenn ich sage, daß ich einen der schwersten Kampfe, der je an ein weibliches Wesen herangetrelen ist, durchzukämpfen hatte. Nun bin ich für eine Weile nach den furchtbaren Stürmen auf hoher See, in den stillen Hafen der Ruhe, in mein liebes Lindau, in die Arme meiner guten Mutter eingelaufen, die nicht nur eine Großherzogin nach ihrem offiziellen Titel, fondern auch eine Großherzogin wegen ihrer un erreichten und unerschöpflichen Herzensgröße ist. Tie Mutterliebe bleibt doch der Inbegriff aller edlen und genußreichen Aufwallungen, deren das weibliche Herz fähig ist, die Summe aller besten Gefühle der Frau, und niemals habe ich es so sehr empfunden wie jetzt, welches Glück es gewährt, Mutterliebe zu empfangen und wie tief unglücklich man ist, sie nicht gewähren zu können. Während ich aufjauchze, mich als die willige Tochter einer liebenden Mutter zu fühlen, durchzuckt mich der heftigste Schmerz, wenn ich meiner Kinder gedenke, nach denen ich mich so unendlich sehne, und von welchen ich durch die Machr unserer Verhältnisse so lange fern gehalten werde. Die Teilnahme edler Menschen ist mein einziger Trost in den schweren Stunden, die mich heimsuchen und die hoffentlich bald fteundlicheren Ausblicken Platz machen werden. Der Kronprinz von Sachsen wird am 19. d. nach Neapel abreisen.

Eine Klage gegen König Humbert. Der römischeCorr. Giudtztarw", eine Gerichtszeitung, deren Angaben auf volle Zuverlässigkeit Anspruch haben, bringt jetzt nähere Mitteilungen über eine schon vor längerer Zeil in die Öffentlichkeit gedrungene Angelegenheit, die den italienischen Hof angeht. Es handelt sich um die Klage auf Alimentenzahlung, die eine Tarne der lombardischen Aristo­kratie gegen die königliche Vermögensverwaltung erhoben hat. Die verwitwete Gräfin Cesarina Gaddi-Hereolani, deren Eltern in der Zeit der italienischen Befreiungskriege eine Rolle gespielt und für die Garibald in ischen Unternehm­ungen grofee Opfer gebracht haben, behauptet und will be­weisen, daß ihr jetzt Zljähriger Lwhn einem Verhältnis mit dem König Humbert entsprossen sei. Sie har deshalb die königliche Verwaltung vor Gericht gefordert und eine ausführliche Klageschrift eingereicht, die demCorriere Giu- diziario" vorgelegen Hai. Ihr Anfang lautet:Die Klä­gerin war noch ein ganz junges Mädchen und ihre außer­gewöhnliche musikalische Begabung berechtigte sie zu den glänzendsten Zukunftshoffnungen, als sie, ohne es zu wollen, die gnädige Aufmerksamkeit weiland Sr. Majestät des Königs Humbert auf sich zog, dessen Werbungen sie nicht zu widerstehen vermochte. Die Beziehungen währten vom Juli 1880 bis zum Januar 1883 und hatten die Geburt eines Knaben zur Folge, der am 20. März 1882 in Rom zur Welt kam. Seit dem Aushören der Beziehungen hat die Klägerin nach bestem .Vermögen für sich und ihr Kind ge­sorgt. Der Wegfall der Unterstützung seitens dritter ^Per­sonen hat sie jedoch genötigt, allmählich allen wertvollen Besitz zu veräußern, und sie kann sich. 6er Notwendigkeit nicht mehr entziehen, einen Appell an die Stelle zu richten ufw." Die Klageschrift erwähnt noch, daß. die Klägerin im Juli 1880 erst vierzehn (!) Jahre alt war, daß sie bis 1883 auf dem Postwege oder durch Angestellte des königlichen Hauses" Unterstützungen erhielt und daß daS Kind, auf dem Standesamt als "unbekannter Herkunft" angemeldet, nach­träglich durch die Ellern der Klägerin anerkannt worden ist. Von feiten der königlichen Hausverwaltung liegt noch keine Aeußerung zu der schon seit geraumer Zeit in die Presse gedrungenen Angelegenheit vor.

* * Das Ende eines Lebensromans. Die Ge­mahlin des früheren PrinzenBernhardvonSach- sen - Weimar, jetzigen Grafen Erayenberg, mürbe, wie wir bereits kurz meldeten, jim Mittwoch in Hannover bei einer Spazierfahrt im Stadtwalde von einem Un­wohlsein betroffen, das ihren Tod zur Folge hatte. Die Gräfin fuhr mit chrem Gemahl im Zweispänner, den sie selbst lenkte. Sie wurde plötzlich von Krämpfen be­fallen, und chr Gemahl lenkte das Gespann eiligst nach dem nahen Vorort .Kleefold, wo die Gräfin in das Haus eines Arztes geschafft wurde. Es stellten sich wiederholl

Krämpfe em, und trotz oer ^emuyungen Tcrvrv

starb die Tarne nach zwei Stunden^ ein Lungenödem hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. Seit dem 24. Mai 1901 führt Prinz Bernhard von Sachsen Deimar-Eisenach den Namen eines Grafen Erayenberg. Tie Verstorbene ist am 6. Mai 1866 in 2übcu als Ella Brockmüller ge boren. In der Freien und Hansestadt Lübeck, in der Hauptverkehrsstraße zum Bahnhof, Holstenstraße genannt, sicht ein alter solider Gasthof:Hotel 93rotfmüller'_ Be sonders Gesa astsreisende macken ibn gern zum Stün punkt ihrer Eroberungszuge in der Lübecker Geschäftswelt. Sein Begründer, der dem Hause oen Namen gab, hatte sich strebsam aus einfachen Verhältnissen emporgearbeitet. Neben oem blühenden Geschäft blühten ihm fünf liebliche Töcyter, die jüngste, Namens Ella, war die schönste unter ihnen und noch ein Kind, als der Vater den Gasthof ver kaufte und als wohlhabender Villenbesitzer sick auf den Wcmhandel zurückzog. Mit kaum achtzehn Jahren, eine bestrickende Schönheit mit schwarzem Lockenhaar, elfen- beinweißem Teint und schlanker, zarter Gestalt, heiratete sie einen Oberlehrer an der höheren Bürgerschule vecks, der bald daraus nach Hamburg versetzt wurde. Die junge Zrau, von ihrer Familie und chrem Mann ver­göttert, war mit mehr Fleiß als Begabung schriftstellerisch tätig, namentlich als Mitarbeiterin desHamburger Kor refpondenlen", für den sie Romane und Kritiken schrieb. Als Schriftstellerin lebte sie auch, als sie sich nach mehr­jähriger Ehe von ihrem Gatten getrennt hatte, in Berlin, und hier lernte sie der Marquis Hermann Franz Lucche f in t kennen, ber 1894 die scköne damals Mjährige Frau zu seiner zweiten Gemahlin machte. Nach etwas mehr als sünfjähriger Ehe, der eine 1898 in Wiesbaden geborene Tochter entsproß, starb der tränfUcfc Marquis am 8. No­vember 1899 in Wiesbaden. Kaum elf Monate spater ver­mählte sich die 34 laynge Witwe am 6. Oktober 1900 in London mit dem Prinzen Bernhard von Sachsen- Weimar, der einer Seitenlinie des Weimaraner Hauses entsprossen, am 10. Oktober 1855 in Stuttgart geboren, der schönen Frau zu Liebe auf seinen Rang und alle Ehren ft el tun gen als Prinz verzichtete und den Namen eines Grafen Erayenberg annahm. Zwei Jahre hat dieses Ehe glück gedauert und noch nicht vierzig Jahre alt, ist die aus dem S?otcl Brockmüll er in Lübeck k^rvorgegangene Ge mahlin eines deutschen Fürstensohnes aus regierendem Hause durch einen jähen Tod von der Selle chres brüten Mannes hinweggerafft worden.

Eisenbahn Zeitung.

Dresden, 14. Marz. Wie die wTr. R. Nachr.' aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist die sächsische Eisen. bahntarif-Resorm nur bis zum 1. Oktober ver­tagt loorbcn, von welchem Zeitpunkte ab sie dann cm- geführt werden soll. Sämtliche Dienststellen sind bereits amt lief) angewiesen, die Vorbereitungen fertig zu stellen.

Holzversteigerung.

Dienstag, den 17. d. Mts. werden aus dem Franzen» malb, 2lbt. Herenbusch, Tiefenthal und Fuchsbau versteigert:

4 Kiefernstämme von 2529 Etm. Durchm., 57 Mtr. Länge = 1,38 Jstm.; 67 Fichtenstämme von 1330 Etm. Durchm., 814 Mtr. Länge = 17 Fstm.; 148 Fichten» Derbstangen von 812 Etm. Durchm, 813 Mir. Länge ----- 11,96 Fstm.

Eiche. 3600 Wellen, 52 Rmtr. Stöcke.

Nadel: 416 Rmtr. Knüppel, hiervon 60 Oäntr. in Schichten von 34 Mtr. Länge; 4370 Wellen, 82 Rmtr. Stocke.

Zusammenkunft morgens 9 Uhr in Abt. -Hexenbusch am Eisenbahnübergang.

Das im Distr. Fuchsbau zerstreut sitzende Holz wird nicht vorgezeigt, und kommt mittags gegen 12 Uhr zum Ausgebot.

Nähere Auskunft erteilt Großh. Forüwart Menges zu Großen-Linden.

Gießen, den 9. März 1903.

Großherzogliche Dbcrförfteici Schiffen berg.

Heyer.

Feuilleton.

Behring über sein Tube r ku lose se rum. Geheimrat Behring hielt dieser Tage, wie bereits telegra­phisch gemeldet, in Wien einen Vortrag über die Bekämpf­ung der Tuberkulose und sagte dabei über das von ihm gefundene Serum, daß therapeutische Effekte derzeit nur bei Rindern erzielt werden können, und daß er es jetzt noch nicht für angezeigt erachte, das Serum auch bei Menschen anzuwenden. Seine Experimente sind ge­lungene Jnstllutsexperimente: daß sie gelungen find, ist heute kaum mehr anzuzweifeln, immerhin wird es aber noch notwendig sein, diese Experimente auch im großen Maßstabe zu erhärten. Das von ihm gewonnene Serum stammt aus einer Reinkultur menschlicher Tuberkelbazillen. Die Bazillen werden im luftleeren Raume getrocknet, sodaß sie ihre Virulenz nickt einbüßen können. Gewöhnlich wer­den Tosen von vier Geling ramm dieser Bazillen, mit etwas Wasser emulgiert, intravenös ober subkutan dem Tiere in­fiziert. Von den vielen Tierversuchen, die Behring angestellt hatte, sind sehr wenige ungünstig verlaufen, indem die Tiere nach der Znjekrion mit Fieber, Atemnot und be­schleunigtem Puls reagierten; dock auck diese Tiere haben >ich nach überstandener Krise als gegen Rindertuberkulose immun erwiesen. Tabei machte Behring die Erfahrung, je jünger das Tier war, dem er injizierte, desto reaktions­loser blieb der Verlauf, und umgekehrt, je älter das Tier, '»efto heftiger die Reaktion. Diese mit einem aus mensch­lichen Tuberkelbazillen gewonnenen Serum vorb.handelten Tiere haben eine volit.nnrnene Immunität gegen Rind er- tuberkulöse erlangt. Nicht so günstig ist das Resultat bei Den älteren Tieren. Wenn es auch gelungen ist, die Tiere nach der Injektion immun zu machen, verloren sie mit der Zeit die erworbene Immunität. Die in der Jug.md im­munisierten Tiere blieben, wenn man ihnen auch noch so viel Rindertuberkel einimpfte, immer immun. Diese an der Hand der Tierversuche gewonnenen Erfahrungen ergeben fehl' wichtige Konsequenzen jür Die Bekämpfung Der mensch­lichen Tuberkulose. Zunächst i st es festzustellen, Daß, tounn gegen die menschliche Tuberkulose günstig gcfampTc werden foÜe, der Kamps schon in dem ingendi ichen Aller auf» aenrmmen werden müsll. C3erabe so wie nur Das junge

Tier immun gemacht werden kann, ist es auch bei Dem höchst entwickelten Organismus, bei den Menschen. Zm Kindes­aller, wo der Körper der verheerenden Wllkung der Jn- feftionserfranhingen am meisten preisgegeben ist, in einem Aller, wo er geradezu schutzlos dieser Art der Erkrankungen gegenübersteht, aber wo er am meisten der Reaktion einer Schutzimpfung widerstehen kann, in diesem Mer wird auch das menschliche Individuum gegen Die Tuberkulose immun gemacht werden müssen. Den Zeitpunkt, da sich auch die Menschhell gegen die Tuberkulose zu schützen im stunde sein wird, näher zu bestimmen, ist jetzt unmöglich. Bis Dahin sagt Behring mutz sich die Menschheit mit den Palliativmitteln gegen die Tuberkulose bequemen und mit der Pflege in den Kllanstalten, Deren Erfolg, wie statistisch nachgewiesen, ein ganz kolossaler ist. Tie Phthisiker müssen in Die Heilanstalten; dort lernen sie, wie ftc weiter zu leben haben, und wie sie, von der Anstalt heimgekehrt, ihre jungen Familienmitglieder vor der Ansteckung bewahren können. Tenn in der Jugend wird die Tuberkulose aequi- riert Die erbliche Belastung ist nicht, von solcher Dich­tigkeit, als man anzunehmen geneigt ist. Das Kind, das mit dem tuberkulösen Vater oder der tuberkulösen Mutter zusammen lebt, ist einfach der Ansteckung preisgegeben. Und im jungen Aller ist die Ansteckungsgefahr am größten; je älter der Mensch wird, desto unwahrscheinlicher ist die Acqui- rierung der Tuberkulose. - Tr Noux tn Parts, dem Professor v. Behring ausreichendes Derjuchs^Matertal gab, erhofft, nach Pariser Meldungen, tn absehbarer Zeit die Immunisierung der Säuglinge gegen Tuber- kulose.

Ein lunger Anfänger von 60 Iahren. Das nachstehende von der Wiener Zeit ^rotfentlichte schreiben Karl v Holteis, Prag den 17. CLober 18oo geschrieben und an Den Stuttgarter hoftheatermtendanten Baron von &al[ gerichtet, bezahl, sich aufJung und Alt' einen Drama- tischen Nachzügler Des in jungen fahren )n fruchtbaren Bühnendichters. Es lautet:Hochwohlgeborener, hochzu- verchrender Herr! <seü einigen Wochen bei meinen hiesigen FreunDen zum Besuch, empfing ich heute Dero gütige Zu­schrift, welche mir aus Graz nachgescnDet rouroc, uiib be­eil'. mich, das oerlangte zweite (Srempuir so gleich zu über- schicken ' Ich bin Ihnen aufrichtig dankbar jur Die freund­lichen Worte, Die Sie mir gönnen wollten, uno wünschte nur,

Durch einigermaßen leibliche Erfolge insoweit aufgemuntert zu werben, Daß ich Mut fänDe, noch mehrere Entwürfe zu Theaterstücken auszuführen, ehe mtr der Vorhang für immer fällt. Bis jetzt hat mein letzter Verbuch wenig Teilnahme gefunden. Berlin, Karlsruhe', Weimar jetzt Stuttgart, haben ihn einiger Auftnertfamkeit gewürdigt. München, Kassel, Hannover, haben die Bücher ohne weiteres remittiert Schwerin und Mannheim haben ebensowenig von sick hören lassen wie Dresden. Und mit Wien steht es (wie man mir schreibt^ noch zweifelhaft Das ist nicht geeignet, einen jungen Anfänger von bald 60 Jahren anzu treiben. Jedoch, wenn auch nur hier und Da ein wohl gesinnter Mann von Geist nnd >)erz den Zuruf ertönen läßt:Lebst Tu auch noch, alter Vagabundund wenn aus diesem Zuruf nachsichtige Teilnahme durchdring, jo genügt das dem bescheidenen Sinne. In diesem ^innc wiederhole ich meinen Tank nnd verharre hochachtungsvoll Euer hochwohlgeboren ganz gehorsamster C. v. foöltet.

Plastiken und Kartons von Arnold Rech- be rg. 15 Tafeln mit erläuterndem Text. Verlag von I. I. Weber in Leipzig Preis in Mappe 6 Mk. Ter Künstler, dem diell Mappe gewidmet ist, gehört zu den auffälligen Erscheinungen frühreifer Talente, die bet ihrem ersten Auftreten in der Leffentlichkeit mit Werken von starker persönlicher Eigenart, neuen überraschenden Ideen und einet gestaltenden Phanta'ie erscheinen, die sick nachhaltige Be­achtung und Änerketrnung erzwingen. Tiefe Anerkennung Hut sich auch der heute erst 23jäbrtgc Arnold Reckberg er­rungen, als er die Originalwerke, die in der vorliegenden Mappe in Reprodukn.n.n vere.nigt sind, schuf. Er,.aurnrch ist es, daß Reckbergs Arbeiren sackt Kartons, eine lebens­große plastische Figur und Drei Büsten) die Frucht eines nur einjährigen Studiums sind Sckon im ersten Viertel fahr mooellicrte er den Kopf desGeigerkönigs", dann wagte er sich an die bedeutenoe Aufgabe, eine llb^nsgroße Figur zu modellier ui, feinFürst der Finstern.»" er'iand; es folgten Die beiden Büsten desSchicksals" und desJünglings von Sais", und im August vorigen Jahres begann er den Karton zyklus, der das Martyrium des Genies in seinen einzelnen Lebensstationen schildert. Meister Klinger hat dem jugend­lichen Künstler, der Zurzeit nock unter dem Banne der stärkeren Phantasie Sascha Schneiders steht, das günstigste Prognoftikon für die Zukunft gestellt.