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Zweites Blatt.
153. Jahrgang
Freitag 16. JannarlKOS
Gießener Anzeige
General-Anzeiger *'*' '**'
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Ve»«sOpr«t», m»natItch75$M, viertel* jährlich Mk 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich G;> Pf.; durch dtePost Alt 2.—viertel» lährll aucid)L Vestellg. Annahme von Anzeigen für die 1age6nummee bis vormittag- 10 Uhr, 8etlenpielS; lokal 12Pf^ QaSroätlS 20 Psg.
Belanl wörtlich: für den polit u. afigeitx, teil; P. Wtttko: lüt „Stadt und Vanb* und J3ertd)t6faale Hurt Plato; für den An- zetqsnteil Han- Beck.
Nr. 13
tLIsich auuet Sonntag-.
Dem (Lietzener An-erg-r werden im Wechsel mit dem hessische«, tandwirl die »tebrner Familien» blätter viermal In der Woche beigelegt
Notationsdruck u. Üev log bei Brüh l'schea Univers.-Buch- u. Klein- drucket e» (Pietsch (itbeit) Redaktion, (IrpcbitW« unb Druckerei:
Schulftrahe !.
Cbrefle für Depeschen, Anzeiger Gtetzeu.
Fern sprrchaMkbliißAr 51
ein kalter Winter schuld", antwortete Gras Rostopschin. „Meinem Vater wurde als Huldbeweis entweder der Fürstentitel oder — ein Zobelpelz angeboten. Und da es gerade ein sehr kalter Winter war, wählte mein Vater den Pelz." Diese russische Bewertung der Fürstenwürde' scheint auch in Deutschland Eingang finden zu sollen.
Am 17. Jan. werden folgende Ritter des Schwarzen AdlerordenS investiert: Die Prinzen Adalbert von Preußen. Maximilian von Vaden, General v. Bock und Polach, der General der Artillerie z. D. Wiler v. d. Planitz, Staatsminister v. Thielen, General v. Lig- n i tz, Botschafter Graf Wedel und Admiral Köster. Ter Prinzgemahl Leinrick der Niederlande ist durch Unwohlsein verhindert, an dem Kapitel teilzunehmen.
Bibel und Babel.
Wir haben in unserem gestrigen Feuilleton näheres über den dieser Tage vor dem Kaiserpaar an öffentlichem Orte gehaltenen Vortrag des bekannten Assyriologen Tr. Fr. Delitzsch über „Bibel und Babel" unseren Lesern mitgeteilt in der Voraussicht, daß es noch viel von sich werde reden machen. Jetzt wird bekannt, daß dieser Ertrag „wegen der Angriffe auf den Grund- und Glaubenssatz, daß die Bibel als Gottes-Offenbarung anzusehen sei", Mißbilligung in Berliner kirchlichen Kreisen erregt. Prof. Telitzsch sagte in seinem Bortrage wörtlich: „Es giebt keine größere Verirrung des menschlichen Geistes, als den Glauben, die Bibel sei eine persönliche Offenbarung Gottes". Tiefe und andere Ausführungen sollen demnächst im preußischen Abgeordnetenhaus von konservativer Seite zur Sprache gebracht werden, um den Kultusminister zur Stelmngnahme zu veranlassen. Uebrigens begegnet auch in nichtkirchlichen Kreisen die Telitzsche These Protest mit der Begründung, daß diese moderne Anschauung nicht einen Glauben zu ersetzen geeignet sei, der Millionen Menschen als teuer und unantastbar gilt.
Aus Stadt uiiü Land.
Gießen, 16. Januar 1902.
** Der nächste 14tägige Unterrichtskursus für Müller unb Bäcker findet, wie man uns auS Berlin meldet, vom 9. bis 21. März in der kgl. landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin N., Jnvalidenstraße 42, unter Leitung des Vorstandes der Anstalt, Geh. RegierungSrat Prof. Dr. ü. Wittmack, statt.
W. Nidda, 12. Jan. Im Jahre 1902 wurden in der Stadt Nidda geboren 41 Personen, cS starben 46, auf- geboten wurden 15 Paare, getraut 19 Paare. — Eine praktische Erfindung hat die Firma Keck zu Nidda gemacht, sie hat nämlich einen Jmkerhandschuh konstruiert, der keinen Bienenstich durchlüßt, der aber doch nicht mit (Summt überzogen tst, was seither der Fall war. Da das Gummi bei der Berührung mit Wachs und Honig klebte, so war der Handschuh nicht gut zu gebrauchen. Jetzt ist derselbe innen und außen mit einem Tricotstoff überzogen. Die Firma hat den Handschuh patentieren lasten.
Darmstadt, 13. Jan. Der Hessische Unterstütz ungS verein für die Invaliden aus dem Jahre 1866 hielt gestern nachmittag hier seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Oberkonsistorialpräsident Buchner, erstattete über die Geschäftslage Bericht. Er hob hervor, daß es wohl schwer sei, das Ideal zu verwirklichen, daß mit dem letzten Invaliden auch der letzte Pfennig verschwinde, die Befürchtung sei aber durch einige Umstände geschwunden, daß die Mittel allzu früh versiegen werden. Seit 1873 werde von den Ständen ein Staatszuschuß gewährt, außerdem habe in neuerer Zeit eine für den Verein günstigere Teilung zwischen diesem und dem Staate stattgefunden, dazu komme, daß das Reichsgesetz vom 31. Mai 1901 von 1902 ab erhöhte Pensionen bewilligte. Die dadurch bewirkte Ersparnis berechne sich für 1902 auf 650 Mk. Bemerkenswert sei, daß der Abgang bei den 1866er Invaliden verhältnismäßig viel geringer sei als bei den 1870ern. Das Vermögen wies 1901 noch 17 560 Mk. auf. Die Zahl der Invalide,: betrug 1900 noch 40, 1901 deren noch 32 und 1902 28. Der Voranschlag für 1903 bewegt sich in demselben Rahmen wie der vorherige.
Mainz, 14. Jan. „Er" statt „Sie". In der vor einigen Tagen abgehaltenen Sitzung eines kleinen hiesigen Karnevaloereins hielt auch ein junger Mann als Dame einen Vortrag. Ein im Lokale anwesender fremder Schiffer war von der Dame derart entzückt, daß er sie einlud, bei ihm Platz zu nehmen und sie reichlich regulierte. Durch den riesigen Durst der verehrten Jungfrau etwas stutzig gemacht, entdeckte er dann seinen Irrtum und zog sich unter donnerndem Gelächter der Rarrhallesen beschämt zurück. — Fra d a. Die allgemeine deutsche Fra da - Ge selischaft ist um Oktroifreih e it für ihr Erzeugnis eingekommen. Um nun dem Finanzausschuß ad oculos zu demonstrieren, daß ihr Produkt alloholfret, hatte die Gesellschaft 4 Flaschen eingesandt, die einer Kostprobe unterzogen wurden. Noch ehe die Flaschen leer waren, war die Ueberzeugung der Alkoholfreiheit bereits so gefestigt, daß Oktroifreiheit beschlossen wurde.
Vermischtes.
• Köln, 15. Jan. Im Innern eines hiesigen Hotels, daS gegenwärtig einer Renovierung unterzogen wird, wurden heute 40 Zentimeter unter dem Boden liegend zwei Leichen
aufgefunden. Der Schädel des männlichen unb weiblichen Skeletts weisen Schußwunden auf. Seit Jahren machte sich im Hotel ein starker Modergeruch bemerkbar, ohiie daß die Ursache festzustellen gewesen wäre. Die Staatsanwaltschaft hat sich der Sache angenommen. Es handelt sich um ein Verbrechen, das vor mindestens 25 Jahren auSgeführt worden sein muß.
• Ertrunken. AuS Halle a. d. S. wird gemeibeh Im Dorfteichc bc§ benachbarten Zöschen ertranken 3 Schnl- knaben.
* Schleswig, 15. Jan. Der Kassierer Johannes Claus von der hiesigen Spar- und Hilfskasse ist flüchtig. Man spricht, wie die „SchleSw. Nachr." melden, von einer Unterbilanz von 60 000 Mk.
* Paris, 15. Jan. Während des gestrigen TageS sind infolge der starken Kälte 10 Personen auf der Straße zusammengebrochen und mußten ins Hospital gebracht werden. In der letzten Nacht sank die Temperatur auf 18° unter Null. — Ein hiesiges Blatt verzeichnet das Gerücht, wonach der Direktor des „Matin" auf Veranlassung des hiesigen Vertreters einer auswärtigen Macht verhaftet worden sein soll. — In Tonreoing brannte in der vergangenen Nacht, die große Tuchfabrik von Rithine nieder. Der Schaden beziffert sich auf 500000 Franks.
• Paris, 15. Jan. In einer hiesigen Kaserne wurden bei einer Schießübung ein Korporal und ein Soldat durch eine verirrte Kugel verivundet.
** Zwei Großfürsten von Banditen entführt) Eine Depesche der römischen „Pntriä" bringt die Mitteilung, daß zwei russische Großfürsten, ein Pair von England und drei andere Personen, die sich in Montecarlo aufgehalten haben, plötzlich verschwunden sind. Man fürchtet, daß sie von Banditen entführt sind. Auf der russischen Botschaft zu Rom war nichts Genaueres bekannt, doch teilte man mit, daß der Herzog von Leuchtenberg und sein Sohn von Monaco kürzlich abgereist find, ohne daß man wußte, wo sie geblieben wären.
Universitäts-Nachrichten.
— DaS ListorifHe Iustitnt in Rom, an besten Spitze bekanntlich fett kurzem der Breslauer Historiker Pros. Dr. AloyS S ch u 11 e getreten ist, hat nicht nur durch ein neues Statut eine erweiterte Organisation erhalten, sondern soll auch eine Verstärkung seine- Personals unb eine erhebliche Erhöhung der ihm zur Verfügung stehenden Mittel erfahren. Es ist zunächst die Anstelluna eines zweiten Assistenten mit einer Renumeralion von jährlich 8000 Mark vorgesehen. Weiterbin soll zur Entlastung des ersten Sekretärs (der von jetzt ab Den Titel Direktor führt), für die Bureau- unb Kalkulaturgeschäste eine Hilfskraft gegen eine Jahres- Vergütung von 1800 Mark angenommen werden. Der Fonds zur Erwerbung von Archivalien und Büchern, zur Ausführung unb Förderung archivalischer Publikationen rc. unb zu sonstigen archivalischen Zwecken wird um jährlich 6238 Mark ausgebessert. Außerdem soll zur außerordentlichen Vervollstänbiguna der Bibliothek des Instituts eine einmalige Ausgabe von 10 000Mk. gemacht werden. Arif Grundlage der neuen Organisation wie der verstärkten Mittel ist anzunehmen, daß das Historische Institut eine gedeihlichere Tätigkeit als bisher entfalten wird. Tie Aeuordnung ist das Ergebnis der mündlichen und schriftlichen Vorstellungen, die Prof. Dr. Schulte s. Z. beim Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten Grafe,i von Bülow erhoben hat, der den Anregungen des Breslauer Gelehrten nach Maßgabe der verfügbaren Mittel bereitwilligst Folge leistete. Erwähnt sei noch, daß mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse des Historischen Instituts die Dienstwohnung des Leiters derselben neuerlich aus Staatskosten mit dem notwendigen Mobiliar ausgestattet werden soll, wofür rund 9000 Mk. verausgabt werden sollen.
Landwirtschaft.
München, 15. Jan. Der Minister des Innern beauftragte den Landwirtschaftsrar, im Verein mit Vertretern maßgebender Institute (Grundsätze für Maßnahmen zur intensiven und nachhaltigen Hebung des 6) er st en bau es auszustellen.
— Verkauf der Früchte auf dem Halme. Im § 840 der Zivilprozeßordnung ist bestimmt, daß Früchte auf dem Halme gepfändet werden können, daß die Pfändung jedoch nicht früher als einen Monat vor der gewöhnlichen Zeit der Reife erfolgen darf. Kann nun, wenn die Fruchte bereits vor einer rechtzeitig bewirkten Pfändung vom Grundstückseigentümer verkauft waren, der Käufer mit Erfolg die Jnterventionsklage erheben? Tiefe Frage hat man bisher verneint, indem man davon ausgeht, daß der Käufer an den Früchten noch kein Eigentum erworben habe, und daß sein aus dem Kaufverträge entspringendes Rechts der Zwangsvollstreckung nicht entgegenstehe. Gegen die herrschende Auffassung wendet sich jetzt nut beachtenswerten Ausführungen Tr. Kramer- M a , n z. Er begründet ferne Ansicht folgendermaßen : Benn Abschlüsse des Vertrages über den Verkauf stehender Früchte sei der übereinstimmende "Wille der.Kontrahenten darauf gerichtet, daß der Käufer berechtigt fern solle, die Früchte vom Grund und Boden zu trennen, um sie zu Eigentum zu erlangen. Somit enthalte der Kaufvertrag zugleich die zum Eigentumserwerb erforderliche Einigung der Parteien darüber, daß das Eigentum auf den Käufer übergehen solle, er enthalte die Uebcrgabe, allerdings nur in bedingter Form, nämlich bedingt durch die Trennung und Aneignung der Früchte. Ta nun nach Len maßgebenden Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches (§ 101) der bedingt Berechtigte schon wahrend der Schivebezeit dadurch rechtlich geschützt sei, daß jebe weitere Verfügung, auch eine zwangsweise vollstreckte, insoweit unwirksam sei, als dadurch die von der Bedingung abhängige Wirkung vereitelt würde, so müsse angenommen werden, daß bie Pfändung dem Käufer gegenüber nicht durchdringen könne. Man darf begierig sein, ob es der Auffassung Kramers gelingen wird, sich Geltung zu verschaffen und der — nach der jetzt herrschenden Ansicht aussichtslosen — Jnterventionsklage des Käufers zum Stege z»i verhelfen.
JHe heutige Dummer umfaßt 10 gelten.
Nolitische Tagesschau.
DaS Kartell der OrdnungSpartetea.
Man schreibt uns ferner aus Berlin, 15. Januar:
Als sehr erwünscht für die Reichstagswahlen betrachtet bie Regierung offenbar ein Kartell der Ordnungsparteten. Die vsjiziöse „dlordd. Allg. Ztg." yiebt soeben einer Zuschrift aus Leipzig Raum über bie Schwierigkeiten, die sich dort mit dem Kartell entgegenstellen. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet es als bedauerlich, daß „angesichts des verschärften Andrängens der Sozialdemokratie gegen die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung die Versuche zu einem Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien bisher ohne rechten Erfolg geblieben )uüx" Mit dieser Tatsache wird sich aber die Regierung absiNden müssen, denn kaum jemals ist die Zeit dem Kartell, der „Sammlungs- politik" so ungünstig gewesen wie jetzt. Wenn sogar in Sachsen, wo noch am ehesten auf Zusammenschluß zu hoffen war, der Lcrndesaus schuß der nativnallcheralen Partei einstimmig die Ablehnung des Entwurfs zu einem Kartellvertrag beschlossen hat, dann ist anderswo erst recht keine Aussicht für die Verwirklichung des Gedankens vor- hatiden. Der unter vieler Mühe zusammengebrachte Zoll- tarisiZusammenfchluß beweist nichts für die Wahlen. Oder es müßte denn gelingen, kurz vor den Wahlen ein ebenso kräftig wirtendes Verbindungsmittel ausfindig zu machen, wie es in diesem Fall die grimmige Abneigung io ar, sich den Willen der Sozialdemokratie diktieren zu lassen. Mit der Mahnung zum Zusammenschluß an die bürgerlichen Parteien ist garnichts getan. Solche Einmischung der Reichs-Regierung in die Wahlvorbereitung durch Ratschläge kann den Kartellbestrebungen eher schaden als nützen. Denn das betonen alle bürgerlichen Parteien, bis zur äußersten Rechten hin, vor den Wählern, daß sie nicht „gouvernemental" sind, daß ihr Urteil in keiner Weise von der Auffassung der Regierung beeinflußt werde. Also es ist Zurückhaltung für die Regierung am Platz.
Steruregen.
Die Ansage ru dem am 18. Januar stattfinbenden Krö- nungs- und Ordenssest ist soeben erschienen. Daß das Fest eine ungewöhnlich große Zahl von Auszeichnungen bringen wird, wie man meldet, erscheint glaubhaft. Hauptsächlich richtet sich das Interesse darauf, ob den an dem Zustandekommen des Zolltarifs hervorragend beteiligten Parlamentariern eine Anerkennung zugedacht ist? In Betracht kommen Führer des Zentrums, der beiden konservativen Parteien und der Nationalliberalen. Und ferner ist man in unseren politischen Kreisen gespannt, ob der Reichskanzler dock noch den Fürstentitel empfängt, den er soeben erst angeschlagen hat. Wir glauben allerdings nicht, daß der Fürstenstand dem Kanzler innerhalb so kurzer Zeit zum zweiten Male angetragen werden wird, denn es bestehen ja die wohlbekannten und jedem erklärlichen Grunde fort, die Graf Bülow zum vernünftigen Verzicht veranlaßten.
Der russisch. Graf Rostopschin wurde einmal vom gefragt, warum er nicht Fürst sei? „Daran ist
Monfleur Klron.
von einer dem toskanischen Hofe nahestehenden Seide gehen dem „Rh. E." interessante Aufklärungen über Girvn zu, denen wir folgendes entnehmen:
GH um betreffend, kann eS als eine — Rohheit, wenn nicht als eine rohe Prahlerei, eines geckenhaften, eitlem Menschen gelten, öffentlich nach der Entoeckung seines Ber- kedrS mit der Kronprinzessin zu erklären: „daß der Kron- vrin- (der Gatte, der bisher ahnungslos im Verkehr mit seiner angetrauten Frau lebte) wohl nicht behaupten werde wollen, daß das Kind, daS die Kronprinzessin unter dem Herzen trage, sein — Kind sei!" Wäre die Entdeckung nicht erfolgt, so stünden die Angelegenheiten zwischen dem Kronprinzen und der Kronprinzessin ruhig ald vor einem Jahre unb — Giron wäre der Tritte im Hause gewesen. — Sollte Giron auch ferner den jetzigen ruhigeren Gang der AuSgleichsverhandlungen durch seine Suggestionen auf die aufgeregte Kronprinzessin und die ihm ergebenen Blatter durch seine unwahren Angaben stören, so wird man vielleicht Gelegenheit nehmen, die aufgefangenen Briefe der Öffentlichkeit zu übergeben. Es geschah dies biS jetzt nicht, weil man am königlichen Hofe zu Dresden, als auch am großherzoglich toskanischen Hose alles in Ruhe ordnen will, um der zKronprinzessin nicht die Brücke ab- zuschneiden, über welche sie zu gehen hat, wenn sie künftig ein Heim finden will. Sie kann es frei wählen, wie sie in demselben, es ist ihr dies verbürgt worden, unangefochten leben soll.
Gen f, 15. Jan. Von zuständiger Seite erklärte man bie Meldungen der Wiener Blätter bezüglich der Rückkehr der Kronprinzessin nach Oesterreich als lächerliche Kombination. Tie Sckcidungsfrage sei enbgiltig geregelt und die jetzigen Verhanolungcn berühren nur noch finanzielle Punkte und die zeitweilige Begegnung der Prinzessin mit ihren Kitckern. — Justizrat Körner, Tr. Zehme unb Polizeikommissar Schwarz sind abgereist. Tie weiteren Verhandlungen werden schriftlich geführt. Tie hiesigen Abendblätter bringen ein vout Anwalt Lachenal inspiriertes Kommunique, nach dem die Kronprinzessin von Sachsen chr in Dresden verbliebenes, Privateigentum durch einen Üaurmecdiener erhalten hat. Ter Kronprinz stimme der Ehescheidung zu, jedoch nicht der König.
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