Zweites Blatt.
153. Jahrgang
Mittwoch IS. Juli 1903
W
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger 99
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
vezngspreis monatlich 75 Pi., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole» u. BroeiglieUen nwnatltd) 65 Pl.; durch die Poft Mk.2.—vienel- jährl. auSjchU Beftellg. Annahme von Anzeigen ür die i-agetinumnier ji5 pormttiag» 10 Uhr. ^eilenpTtt»; total ILM, auswärts 20 Ptg.
Brraatworlitch lür den poltt und aUgerru Teil P. Wtttto, für , Stadt und iLandE and -lAerrchrsjaalE: Auaust Götz, für den An» fletgenteil: $>an« Beck.
Nr. 163
Erscheint täglich außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamtiien- dlätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck a. Verlag bei Brühl 'schon Urlivers-'Buch» u. Stein» dructerei (Pietsch Erben) Redaktion. Grpedittoa und Druckerei:
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FkmlprkchanlchlußNr. 51.
JHe Heutige Kummer umfaßt 10 Selten.
Volilische Tagesschau.
Zur Fahrt des Kaisers nach Oesterreich.
Der Herbstaufenthalt Kaiser Wilhelms in Wien wird sich anscheinend höchst glanzvoll gestalten. In der H-osburg ist man bereits jetzt mit den Empfangsvorberell- ungen beschäftigt, und was die „Neue Freie Presst von dem in Aussicht genommenen Empfang zu erzählen weiß, läßt die Freude des greisen Kaisers Franz Joses über den Besuch seines Verbündeten erkennen. Vielleicht ist aber noch bemerkenswerter, was nicht in dem Programm steht: es Kdort Ungarn. Die Stadt Budapest wird also den schen Kaiser, dem sie im Winter 1896 eine begeisterte Ausnahme bereitete, bei dieser Gelegenheit nicht in ihren Mauern sehen, obgleich die ungarischen Magnaten damals dem Wunsch stürmisch Ausdruck gaben, den Kaiser bald wieder in der Hauptstadt Ungarns begrüßen zu können. In den letzten sieben Jahren hat sich indessen mancherlei geändert, nicht auf deutscher, wohl aber aus ungarischer Seite. Es ist dort ein Chauvinismus gezüchtet worden, der den östreichischen Staatsmännern, nicht zulc^t dem von Gerechtigkeit erfüllten Herrscher selbst, argen Verdruß bereitete, und die es vor allem abgesehen hat aus die Unterdrückung der deutschen Sprache und die Ausrottung deutschen Wesens. Kaiser Wilhelm dürfte, wenn nicht durch die Darlegung der Tagespresse, so aus den Jahresberichten des Allgemeinen deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande, von diesen Vorgängen Kenntnis genommen haben. Schwerlich mit Behagen. Sollte er also in der Tat auf einen erneuten Besuch Ungarns verzichten, so kann das dem deutschen Empfinden nur zur Genugtuung gereichen, umsomehr, als Graf Bülow im Reichstag es ablehnte, durch die Organe des Auswärtigen Amtes Vorstellungen in Budapest zu erheben. Der in Ungarn immer trotziger das Haupt erhebende politische Radikalismus hält übrigens auch Kaiser Franz Josef der Hauptstadt dieses Kronlandes fern.
Herr v. Tirpitz und Herr Hollman«.
Man schreibt uns aus Berlin, 14. Juli:
Marinestaatssekretär v. Lirpitz weilt wieder im Schwarzwald, in St. Blasien, wo er seinerzeit, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Ostasien marinepolitischen Studien für das Flottengesetz sich hingab. Da die Begründung der Kreuzervorlage bereits vorbereitet ist, ist der Gedanke an das vom verflossenen Reichstag ab gelehnte neue Dienst- aebäude für das Reichsmarineamt wohl der einzige, der Herrn v. Tirpitz jetzt in seiner Muße von Amtswegen beschäftigen könnte. Es gibt Leute, die da meinen, Herr von Tirpitz werde in diesem neuen Gebäude nicht mehr seiner Tätigkeit nachgehen. Die Kombination ist einigermaßen wohlfeil, denn es werden Jahre ins Land gehen, ehe das neue Dienstgebäude für das Marineamt fertiggestelll ist, und bis dahin können in Herrn v. Tirpitz wie in jedem anderen Mitgliede der Regierung „Gesundhellsrücksichten" auftauchen. Fest stehe jedenfalls, daß Admiral Hollmann, in dem viele ob seiner vertrauten Beziehungen zum Kaiser — „Babel-Bibel-Brief" — den kommenden oder richtiger den wiederkommenden Marinestaatssekretär sehen, nicht im neuen Dienstgebäude amtieren wird. Es kann mit aller Bestimmtheit versichert werden, daß Hollmann der Rückkehr in ein Staatssekretariat oder Ministerium grundsätzlich abgeneigt ist. (£r hat dies auch dem Kaiser zu erkennen gegeben, als ihm seinerzeit das Portefeuille der Reichspostverwaltung angeboten wurde.
Rußland als „Störenfried".
Man schreibt uns ferner aus Berlin, 14. Juli:
England will den Krieg. Zwar nicht im eigenen Lande, auch nicht in seinen Kolonien, sondern in Ostasien. Wäre die Sache nicht bitter ernst: die krampfhaften Bemühungen der der englischen Negierung nahestehenden Blätter, die politische Lage im fernen Osten als äußerst gefährlich hinzustellen, könnten Ergötzen erregen. Natürlich ist Rußland der friedenstörende Bösewicht. Japan und die Vereinigten Staaten haben von dieser Seite angeblich das Schlimmste zu gewärtigen, und wenn sie sich nicht alsbald aufraffen und mit gezogenem Schwerte den Russen gegen- übertreten, dann ist es mit ihrem politischen Einfluß in Ostasien ein für alle mal vorbei. Sie sind von dem uneigennützigen, nur auf das Wohl seiner Freunde bedachten England rechtzeitig gewarnt worden. Der feine Spott ist verdient, mit dem die deutsche Regierung mehr andeutungs- als ausdrucksweise zu den Alarmnachrichten der englischen Blätter Stellung nimmt, und zwar durch die offiziöse ,Nordd. Allg.Ztg.". Diese gibt z. B. heute eine ruffische und eine englische Schilderung der Lage in Ostasien in unmittelbarer Aufeinanderfolge wieder — sie stehen natürlich im vollkommenen Gegensatz — und bemerkt trocken: »Es lvird sich zeigen, welche Auffassung der Wirklichkeit besser entspricht." Der russische Kriegsminister hat von Port Arthur aus die Heimreise angetreten. Damit ist genug gesagt. Die deutsche Regierung neigt in dieser Frage zweifellos der Ansicht Rußlands zu; sie ist überzeugt, daß General Nuropattein die Situation nicht für kritisch hält, und daß Rußland nicht daran denkt, auf einen offenen Konflikt in Ostasien. hinzuarbeiten. England kann durch das Gebühren seiner Presse leicht zum Spott den Schaden davontragen, ; indem es der japanischen und amerikanischen Negierung Anlaß zu Mißtrauen gibt.
Die Dergröberuag der politische« Kampfesweise.
Es ist eine zwar bedauerliche, aber unbestreitbare Dcll- sache, daß die Form und der Ton der Wahlkämpfe von Wahl zu Wahl sich ganz wesentlich verschlechtert hat und zwar zeigt sich diese Erscheinung gleichmäßig bei allen extremen Parteien. Die Offenbacher Vorgänge sind ja bekannt. Der Fall, daß Bündler gegnerische Agitatoren oder Vertrauensmänner mißhandelt haben, wie in dem früheren Wahlkreise des Dr. Derlei, ist nicht vereinzelt geblieben. Aus einer Reihe von Wahlkreisen worden ganze Akte unerhörter Roheit gemeldet; sozialdemokratische Zettelverteller wurden mll Hunden aus den Orten bezw. den Gutshösen gehetzt, mit Schimpsworten wie Lumpen, Schufte regaliert, Steine auf sie geworfen und noch Schlimmeres ü^nen angedroht. Um die abhängigen Existenzen einzuschüchtern, wurde kein Mittel des Terrorismus unversucht gelassen. Aus . der Gegend von Lübeck verzeichnet der „Nordd. Cour." folgenden charakteristischen Fall:
Am 16. Juni wurden im Gute Futterkamp bei Lütjenburg für den sozialdemokratischen Kandidaten Weinheber 26 Stimmen abgegeben. Jnsolgedesj^n beschloß der Rittergutsbesitzer von Platen-Hallermünd-Weißeuhaus-Futter- kamp Vergeltung zu üben: Ec ließ sämtliche Jnsten-Ein- wohner mll so vcelem Land, da, fte eine Kuh daraus halten können — dahin verständigen, daß vom 1. Mai 1904 an ihnen das Land genommen würde, sie also ihre Kuh bis dahin veräußern müßten.
Wie die Bauernbündler in Bayern am Wahltage in Aktion traten, zeigt folgende Schllderung der klerikalen „Köln. Vollsztg.":
Im Larwauer Bezirk, wo der Bündlerkandidat Mitter- maier wohnt, hatten an manchen Orten handfeste Bündler die zum Wahllokal führenden Wege besetzt. Nahte sich ein Zentrumsverdächtiger, dann wurde er einer Leibes-Visitation unterworfen, ihm der Zentrumszettel genommen und durch den allein wahren Bündier- zettel ersetzt. Die Verfolgung erstreckte sich im Dauerlauf hier und da bis ins Wahllokal. Weniger bekannt dürfte es sein, daß ihr Wahlrecht ausübende Zentrumsleute verhöhnt und fast boykottiert wurden, was manche am Stichwahltage von der Urne f ernt) leit
Mll welchen Mitteln von der Kanzel für die Zen- trumskaudidaten gearbeitet worden ist, zeigt die bauernbündlerische „Nene Bayer. Landesztg." an folgenden zwei Fällen:
Mehrere achtbare katholische Bürger der zum größten Teil bauernbündlerischen Gemeinde Eßleben äußern in einer Zuschrift an die Redaktion ihre Entrüstung über eine Predigt, welche der Pfarrer Altheimer von Obergleichfeld am Peter- und Paulstage hielt. Der Zentrums- Pfarrer sprach u. a. von der „schlechten Gemeinde Eßleben" und schimpfte über die in Egleben viel gelesene „Landes- Leitung", durch welche Erwachsene und Kinder, ja sogar Die Kinder im Mutterleibe verdorben würden. Am gleichen Tage hat in Rupprechtshausen der P. Boni- sazius vom Ktoper Fährbrück in seiner Predigt ebenfalls die Bauernbündler heruntergevutzt, weil sie sich von „gewissenlosen Menschen", die sich ihrer seinen Bildung und Religiosität bei jeder Gelegenbell rüümen, aber keine Svur davon haben, und die Geistlichen bet jeder Gelegenheit verleumden, irre führen ließen.
Zu den schlimmsten Ausschreitungen gehört Wohl, was, nach dem Bericht der ,^Leipz. Volksztg.", dem sozialdemokratischen Vertrauensmann für den Wahlkreis Düren-Jülich widersahren ist. Bei einer Agitationstour entging er nur mit Not dem Geschick, von fanatischen Zentrumsanhängem in ein en Teich geworfen undertränktzu weroen.
Wahlziffern.
Nach den amtlichen Wahlergebniffen verteilen sich die Parteien mit ihren Wahlstimmen auf die einzelnen Staaten wie folgt:
Sozialdemokraten: Preußen 1664 006, Bayern 213 506, Sachsen 441 764, Württemberg 99 743, Baden 72 300, Hessen 69 130, Mecklenburg 56 144, Oldenburg re. 62199, Thüringische Staaten 142 674, Hansestädte 136 343, Elsaß-Lothringen 68 294, zusammen 3 025 103.
Zentrum: Preußen 1128835, Bayern 422642, Sachfen 4786, Württemberg 89978, Baden 134 158, Hessen 3316 3, Mecklenburg 0, Oldenburg rc. 16 032, Thüringen 1535, Hansestädte 2544, Elsaß-Lothringen 20034, zusammen 1853 707.
Konservative: Preußen 750 441, Bayern 18375, Sachsen 81014, Württemberg 13 958, Baden und Hessen 0, Mecklenburg 39 219, Oldenburg rc. 0, Thüringen 6707, Hansestädte und Elsaß-Lothringen 0, zusammen 909 714.
Nationalliberale: Preußen 648 040, Bayern 154 574, Sachsen 110 857, Württemberg 61403, Baden 103530, Hessen 6886 5, beide Mecklenburg 67 04, Oldenburg rc. 8579, Thüringen 60 588, Hansestädte 3362, Elsaß- Lothringen 16 891, zusammen 1 243 393.
Freisinnige Volkspartei: Preußen 385 972, Bayern 32 545, Sachsen 25 935, Baden 1329, Hessen 9 7 48, Mecklenburg 7325, Oldenburg rc. 18 073, Thüringen 21763, Hansestädte 20 815, zusammen 523 505.
Reichspartei: Preußen 264 633, Mecklenburg 7496, Thüringen 2716, Eltaß-Lothringen 7709, zusammen 282 454.
Freisinnige Vereinigung: Preußen 132873, Sachsen 2590, Mecklenburg 21650, Oldenburg rc. 5788, Thüringen 36 853, Hansestädte 23 993, Elsaß-Lothringen 17 869, zusammen 241116.
Antisemiten: Preußen 125103, Bayern 3594, Sachsen 77963, Hessen 105 9 5, Oldenburg rc. 9842, Thüringen 14 548, Hansestädte 2942, zusammen 244 587. Mittelstandskandidaten: Preußen: 26809. Chrisi- lichsoziale: Preußen 23115. Nationalsoziale: Pre'.i- ßen 11 262, Sachsen 1770, Württemberg 102, Oldenburg:c. 5534, Thüringen 5304, Hansestädte 3362, zusammen 27 343. Welsen: Hannover 90010, Braunschweig 4141, Hamburg- Land 63, zusammen 94 214.
Bauernbund: Bayern 98197, Württemberg 19130, zusammen 117 327.
Bund der Landwirte: Preußen 52 647, Bayern 18 287, Württemberg 15 817, Baden 10266, Hessen 2529, Oldenburg rc. 12211, Thüringen 2283, Hansestädte 310, zusammen 114 350.
Wildliberale: Preußen 12 332, Bayern 10625, Sachsen 3333, Oldenburg rc. 24514, Hansestädte 36 618, Elsaß-Lothringen 15 552, zusammen 102 974.
Deutsche Volkspartei: Preußen 9129, Bayern 5885, Württemberg 62 609, Baden 7815, Elsaß-Lothringen 9166, zusammen 93 804.
Bei der Hauptwahl im Jahre 1903 waren im Ganzen 12 490 660 Wahlberechtigte vorhanden (1898: 11441094). Abgegeben wurden insgesamt 9 495 952 gültige Stimmen (1898: 7 752 693). Die Zahl der Wahlberechtigten hat sich um 1049 566 vermehrt, dagegen ist die Zahl der abgegebenen Stimmen um 1743 259 gestiegen. Die Wahlbeteiligung übersteigt also die natürliche Zunahme der Wahlberechtigten um fast 700000 Stimmen.
Falsche Nechenexnnpel.
Die Reichsregierung beschäftigt sich jetzt post feetnm mit Betrachtungen darüber, wie schön alles hätte werden können, wenn nur überall die bürgerlichen Wähler einig wie ein Mann zusammen gegen die Sozialdemokratie gestanden hätten. Nicht gewachsen wäre die Sozialdemokratie, nein, sie läge jetzt kläglich zerschmettert am Boden. Die offiziöse ,Nordd. Ztg." stellt jetzt folgendes intereffante Rechenexempel an:
Im Wahlkreise Randow-Greifenhagen z. B. siegte der Sozialdemokrat mit einem Vorsprung von 148 Stimmen, während 10 600 Wahlberechtigte der Urne fernblieben. Im Wahlkreise Gotha betrug die Mehrheit des Sozialdemokraten nur 65 Stimmen. Dort beteiligten sich 6300 Wahlberechtigte nicht an der Wahl. In Rostock- Doberan stehen der Mehrheit von 548 Stimmen für den Sozialdemokraten 4000 Wahlberechtigte gegenüber, die nicht gewählt haben; in Darmstadt-Groß-Geran betrug die sozialdemokratische Mehrheit 743 Stimmen bei 7100 Wahlenthaltungen, in Braunschweig 1611 Stimmen bei 10 700 Wahlenthaltungen, in Elberield-Barmen 1256 Stimmen bei 11 500 Waylemhaltungen, in Breslau-West 2535 Stimmen bei 13 000 Wahlenthaltungen, in West- Havelland nur 99 Stimmen bei 4000 Wahlenthaltungen. In Zittau siegte der Sozialdemokrat im ersten Wahlgange mit einer Mehrheit von 228 Stimmen, während 4500 Wähler den Urnen iem- blieben; in Plauen betrug die sozialdemokratische Mehrheit 1047 Stimmen bei 9200 Stimmenthaltungen. In München L. haben rund 39 000 Wahlberechtigte nicht gewählt: dort siegte der Sozialdemokrat im ersten Wahlgange mit einem Mehr von 9000 Stimmen. . . . In allen diesen Wahlkreisen hätte eine regere Beteiligung der bürgerlichen Parteien zunächst Stichivahlen zuwege bringen können und bet einem geschlossenen Vorgehen gegenüber der Sozialdemokratie die 9heberlage der letzteren im zweiten Wahlgange. An 20 Wahlkreise hätten der Sozialdemokratie aus diese Weise abgenommen werden können. Rechnen wir dazu die 24 Wahlkreise, die dank der Lässigkeit und Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien der Sozialdemokratie bei den Stichwahlen zugesallen stitd, so wäre die sozialdemokratische Fraktion im neuen Reichstage nicht in Stärke von 81 Mann, sondern nur mit 37 Mann erschienen/
Die Rechnung hinkt! Die Wahlbeteiligung ist diesmal wie bei uns im Wahlkreise Gießen, fast allenthalben im Reiche viel größer gewesen als bei früheren Wahlen. Auf die bürgerlichen Kreise kommt dabei wie bei uns so im Reiche ein sehr erheblicher Anteil. Zwar ist keineswegs zu leugnen, daß noch regeres Interesse so manches Wahlergebnis von Grund aus geändert hätte, und daß der größere Teil dir Wahlsäumigen im bürgerlichen Lager zu suchen ist. Nichts desto weniger haben die Stichwahlen an verschiedenen Orten bewiesen, daß auch die Sozialdemokratie noch Wahlsäumige aufweist und es deshalb unrichtig ist, wenn das reichS- ossiziöse Blatt alle Wahlsäumigen einfach den bürgerlicheu Parteien zuweist.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Juli, lieber den bisherigen Verlauf der Nordlandsreise des Kaisers wird aus Bergen (Norwegen) telegraphiert: Die Jacht „Hohenzollern" trat am 11. Juli morgens 8 Uhr von Swinemünde die Reise nach Norwegen an und passierte bei schönem Wetter nachmittags den Sund. Den Salut für die dänische Flagge gab der begleitende Kreuzer „Nymphe" ab. Die Erwiderung, erfolgte von dem dänischen Fort. NackM wurde in der Bucht von Skagen geankert. Am 12. morgens wurde die Fahrt fortgesetzt. Abends gegen 10 Uhr warf die „Hohen- zollern" an der norwegischen Küste vor Kvpervik Anker und ging am 13. Juli morgens nach Bergen Weller, das gegen 2 Uhr nachmittags unter dem Salut der Forts er reicht wurde. Das Wetter war bis zum 12. Juli abcirds schön, wurde dann aber kalt und regnerisch.
— Eine angebliche Acußcrung des Kaisers wird von der sozialdemokratischen „'..iinchener Post" verbreitet. Danach soll sich der Kaiser nach dem Frühstücke, das er in Hamburg bei dem dortigen Gesandten v. Tfchirjchky und Bögendorff einnahm, zu seinem Gastgeber folgendermaßen geäußert haben: „D i e s o z i a l d e m o k r a t i s ch e Ba n d e


