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14.8.1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt. 153. Jahrgang Frettag 14. August 1903

Eichener Anzeiger

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Amk- und Anzeigeblatt für den Kreis Kieken WW

....... jetgentetl: Pan« Beck.

Nr. 189

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegL

Rotationsdruck u. Ver­lag der Br ühl'schen Uuwers.-Buch- u. Stein- druckere» (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstraße 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Aernsprechanschluß Nr. 5L

Iie Heutige Yummer umfaßt 8 Seiteu.

Politische Tagesschau.

Zur Reichstagswahl in Dessau

interessiert oin Artikel derNatt. Lorr.", worin es heißt: Wir haben bereits unserem Zweiset Ausdruck verliehen, ob der Kandidat der Freisinnigen Vereinigung, Schrader, eine ähnliche hohe Sttmmenzahl.auf sich vereinigen kann, wie dies am 16. Juni Herrn Roesicke gelungen war. Geschieht dies nicht, so geht aller Wahrscheinlichkeit nach der Wahl­kreis an die Sozialdemo traten verloren. Eine Kandidatur Büsing, die zu Anfang der Erörterungen über die Kandi­daten frage in Vorschlag gebracht war, hatte diesen wahr­scheinlichen Ausgang mit Sicherheit vermieden. Um jeder Verdunkelung der wirklichen Tatsachen vorzubeugen, müssen wir feststellen, daß die Konservativen und der Bund der Landwirte in richtiger politischer Erkenntnis der Wichtig­keit dieser ReichDtagswahl erklärt hatten, für Büsing zu stimmen, falls die Freisinnige Vereinigung ebenfalls sich dazu entschlösse, für Büsing einzutreten. Es war also die Gelegenheit gegeben, auf eine durchaus einwandsfreie libe­rale Persönlichkeit das gesamte bürgerlich^ Läger und die Ordnungsparteien mit ihren Stimmen zu vereinigen imbi diesem Kandidaten aller Parteien gleich in der Hauptwahl gegenüber der Sozialdemokratie zum Siege zu verhelfen. Dieser Vorschlag ist von der Freisinnigen Vereinigung be­dauerlicherweise zurück gewiesen worden. Wenn der Wcchl- feldzug der bürgerlichen Parteien jetzt verloren gehen sollte, jo trifft einzig und allein die Verantwortlichkeit die Frei­sinnige Vereinigung, die in ihrer kurzsichtigen Politik An­stoß daran nahm, einen Mann wie Büsing als liberalen Kandidaten anzuerkennen und auf einem Kandidaten ihrer spezifisch freisinnigen Färbung beharrt, obwohl sie damit rechnen muß, daß Herr .Schrader in der Stichwahl schwerlich die Stimmen des Bundes und der Konservativen erhält und somit der Kreis an die Sozialdemokratie verloren geht. Auch die selbstverständliche Hilfe der Nationalliberalen, falls Schrader wirklich zur Stichwahl gelangt, wird dieses Schick- sal kaum abzuwenden vermögen.

Natümalso-iale und Freisinnige Vereinigung.

In der .Mln. Ztg." finden wir heute über die Ver­einigung beider Parteien eine Notiz, die daraus hinweist, daß das Werden dieser erweiterten liberalen Partei gar nicht "auf so festen Füßen steht, wie es wünschenswert er­scheint. Es heißt darin: Aus die helle Freude) die der Ein­tritt der Nation al sozialen in die Freisinnige Vereinigung ansänglich in beiden Lagern wie in ihrer Nachbarschaft heroorgerusen hatte, ist eine starke Ernüchterung gefolgt.

Man erinnert sich nach und nach wieder der geschichtlichen Vergangenheit beider Richtungen und weissagt aus ihr böse Meinungsverschiedenheiten für die Zukunst, man betont die Unterschiede in den Charakteren der Führer aus beidein Seiten und sindet, daß man sich wohl etwas zu schnell durch die Initiative eines einzigen Mannes habe bewegen lassen, eine neue Gemeinschaft zu bilden, deren Fundament nicht Realitäten, sondern luftige Zukunftsträume bildeten. Trotz- alledem müssen wir bekennen, daß es uns leid tun sollte, wenn der kommende Parteitag der Nationalsozialen und der Freisinnigen Vereinigung durchaus nicht, ja, wir glau­ben und hoffen sogar, daß der in Elberfeld jüngst zum Aus­druck gebrachte Wunsch mehrerer Nationalsozialen, lieber Anschluß an die nationalliberalen Jugendvereine zu suchen, eine recht ausgedehnte Verwirklichung finden wird. Aber die Dinge liegen (doch so, daß mit Naumann und seinen Freunden eine Schar von Männern, denen bei allen Uw- klarheiten Verständnis für die großen Fragen der Zeit und ein nationales Rückgrat nicht ab gesprochen werd en rönnen, an die Tür des deutschen Liberalismus klopfen, um auf dem Boden der nun einmal gegebenen Parteiverhältnisfe in Reih und Glied mitzuarbeiten. Wird nicht der LÄeralismus den Schaden davon haben, wenn sie zurückgewiesen werden? Aöan muß aber doch, wenn neue Schlachtreihen gebildet werden sollen, auf die neuen Aufgaben sehen, die mit ihnen geLöst werden sollen, und nicht immer nur auf die Vergangenheit, die zu der jetzigen Zerklüftung des Liberalismus geführt hat. Was unserem Liberalismus not tut für den großen Kampf gegen die Reaktion und die illiberale Sozialdemo­kratie, den er künftighin auszufechten haben wird, das sind Weitherzigkeit, Einigkeit und Initiative! Und diese drei Notwendigkeiten des Liberalismus müssen unseres Er­achtens jeden liberalen Mann veranlassen, zu wünschen, daß der Eintritt der Nationalsozialen in die Freisinnige Ver­einigung in Göttingen bestätigt, aber nicht aufgehoben wird.

Heber das österreichischeVeto" gegen Rampolla läßt dieNeue Freie Presse" in einem längeren Artikel wie folgt sich vernehmen: Heute ist es kein Geheimnis mehr, daß es Oesterreich gewesen, das sich in letzter Stunde im Ämklave der Wahl des einstigen Staatssekretärs Kar­dinal Rampolla zum Papste entgegengestellt hat. Der Ent­schluß Oesterreichs, die Wahl Rampollas wenn möglich Au verhindern, ist erst unmittelbar vor Eintritt der Kar- dinäle ins Konklave in Rom selbst zur Reife gediehen. Die Kardinale Oesherreichs waren nach Rom abgererst, ohne daß auch nur ein einziger von ihnen zuvor vom Kaiser Franz Josef empfangen worden wäre und Gelegenheit gehabt hätte, aus dem Munde des Monarchen einen Auftrag in dem Sinne entgegenzunehmen, daß gegen die Wahl Ram- vollas ein Veto eingelegt werden sollte. Auch zwischen dem Grasen Goluchowski und den östreichischen'Kardinalen

hatten in letzter Zeit keine Begegnungen stattgefunden. Graf Goluchowski hatte sich einige Tage nach Erkrankung Leos XIII., als es schien, daß das Ableben des schwer leidenden Papstes sich noch lange hinausziehen sollte, nach Vittel begeben. Die entscheidende Entschließung betreffs des Verhaltens Oesterreichs gegenüber dem Konklave reiste erst unmittelbar vor jenem Freitag, dem letzten Juli, an dem die Kardinale zum Konklave in den Vatikan einzogen. Bereits am 23. Juli bemerkte unser Blatt:Es wird an­genommen, die Kardinale Gruscha, Skrbensky, Puzyna, Katschthaler und Vaszary werden Gelegenbeit haben, sich wiederholt im Hause des östreichisch-ungarrschen Lotschaj- ters am Vatikan, Grasen Szecsen, zusammenzusinden, und dort im Palazzo Venezia würde ihnen bekannt gegeben werden, inwieweit der östreichisch-ungarischen Regierung die Kandidatur des einen Karbinals genehmer wäre als die des andern." Ursprünglich bestand auch tatsächlich auf östreichischer Seite keinerlei Absicht, ein Veto gegen irgend einen der Papabali einzulegen. Es handelte sich vielmehr damals nur darum, an den Patriotismus der Kardinale der Monarchie zu apellieren und sie im Reichs- und Frie- densinteresse dringend zu ermahnen, von der Wahl dieser oder jener Person abzuftehen, von der angeitomtnczt würoe, daß sie einem guten Einvernehmen des Heiligen Stuhles mit Oesterreich-Ungarn oder mit dem Dreibünde im Wege stehen konnte. . . Dabei hätte es sein Bewenden haben sollen. Die Kardinale Oesterreichs-Ungarns, die einige Tage vor dem Konklave in Rom eingetroffen waren, über­zeugten sich aber halb während der Kongregationen und auch sonst während der Besuche, die sie den anderen Kol­legen machten und von diesen empfingen, daß Rampolla nicht geringe Chancen hätte, Papst zu werden. Er schien die allermeisten Aussichten zu haben lange nach ihm erst rangierte Gotti. So nebenher sprach man allerdings auch von den Aussichten Sartos, Serasino Vannutellis, di Pie­tros. In den östreichischen Kardinälen, noch mehr aber in dem Botschafter Grafen Szecsen hatte sich demgemäß die Anschauung befestigt, daß Gefahr im Anzuge wäre und daß im höchsten Interesse unserer Monarchie die Wahl Ram­pollas verhindert werden müßte. . .'. Oesterreich hatte sich erst in zwölfter Stunde zu dem im Konklave zu'machen- den Schritte entschlossen, um dadurch seine guten Bezieh­ungen zum Heiligen Stuhl zu retten. "

Landwirtschaft.

Gießen, 13. Aug. Die Schweinepest, welche sich im Frühjahr über ganz Oberhessen und die angrenzenden preußischen Gebiete ausbreüete und die Schwememärkle sehr nachterlig be­einflußte, ist jetzt im Erlöschen begriffen. Doch bereits greift eine neue Seuche unter den Schweinen um sich, die R o t l a u f s e u ch e in der Form der sogenannten Backsteinbtatlern. Die Seuche breitet sich besonders in den Kreisen Wetzlar und Alsfeld aus.

34. Aeutscher ArttHropotogenLongreß.

(Original-Bericht desGieß. Anz.")

(Nachdruck verboten.)

IV.

C. Worms, 13. August.

Aus der Schlußsitzung ist noch über folgende bemer­kenswerte Vorträge zu berichten:

Marine-Oberstabsarzt Dr. Krämer (Kiel) spracht über: Die Bedeutung der Matten- und Tqtanier- muster auf den DiarsHallinseln nach eigenen Forschungen, hierauf Herr L. Wils er "(Heidelberg) überDie Rassen der Steinzeit".

Steinzeit ist ein weiter, Hunderttausende von Fahren umfassender Begriff. Da der Fortschritt menschlicher Ge­sittung anfangs sehr langsam, später, gleich einem ins Rollen gekommenen Stein, immer schneller sich vollzog, so hat die ältere Steinzeit (Palaeolithicum) mit rohen Werkzeugen sehr viel länger gedauert, als die jüngere (Neolithicum) mit ihren vervollkommneten Waffen und Werkzeugen, mit Ackerbau, Viehzucht und wohnlichen Häu­sern. Den Uebergang bildet die mittlere Steinzeit (Meso- lithicum) mit dem Hund als erstem Haustier. Der letzte Abschnitt der Steinzeit wurde in Europa etwa im 3. Jahr­tausend unserer Zeitrechnung nach ungefähr 10 000 jähriger Dauer durch den ersten Gebrauch des Kupfers beendet. Tie während der alten Steinzeit in unserem Weltteil lebenden Menschenrassen hatten durchweg einen länglichen (dolichoccphalen d. h. langköpfigen) Schädel. Die älteste von ihnen, wahrscheinlich die älteste bekannte überhaupt, ist Homo primigenius, bekannt durch die Funde von Ne- andertal, Spy, Krapina, Taubach, La Naulette, Schipka, von kräftiger, plumper, untersetzter Gestalt, mit wlldem, tierischem Gesichts ausdruck und engem Schädel. Jünger, wahrscheinlich um Jahrtausende, ist Homo mediterraneus, auch von mittlerem, aber schlankerem Wüchse und mit ge­räumigerem Schädel, bekannt durch die Funde von Engis, Egisheim, Brüx, Brünn, Steeten, Höchst, Mentone,Olmo, Stammrasse der heute lebenden schwarzhaarigen Mrttel- ineervölker. Verwandt mit ihr ist die durch die Funde von Schweizersbild und Dachsenbühl bekannte Zwergrasse (Homo nanus). Wieder einige Jahrtausende später, zur Rentierzeit, betritt eine noch höher entwickelte Raste von hohem, kräftigem Wuchs, mit sehr geräumigem, wohl­gebildetem Schädel (Homo priscus), bekannt durch dre ounde von Cro-Aiagnon, Chancelade, Solutre, Mentone, Predmost, Starrgenäs, den Boden unseres Weltteils. (R'st rj.it Beginn der neueren Steinzeit treten zuerst verein- fcclt, später zahlreiche die aus Asien, wo ihre Verbreit-, ungszentrum ist, stammenden Rundköpse aus (Homo brachh- acpharus), eine Rasse mit rundlichem, ziemlich geräumi­gem Schädel und kräftiger, untersetzter Gestalt. Rein ist

die Rasse, die sich in zwei Hauptströmen, einem nördlichen, längs der Nord- und Ostjeeküsten, und einem südlichen, im Donautal aufwärts, über Europa ergossen hat, nur an wenigen Orten, in Westfalen, in der Aiark, in der Schweiz gesunden worden; meist wird sie im Zustande der Ver­mischung mit den europäischen Rassen angetrofsen, wie in Borreb-y, Furfooz, Grenelle, Truchöre. Von ihr stam­men die heute besonders in Mitteleuropa häufigen Rund­köpse (Horno alpaeus) ab. Mit oder bald nach der rund- köpfigen beginnt wieder eine langköpsige, höchgewachsene Rasse, die höchst entwickelte unter allen (Homo europaeus), die Stammrasfe der neuzeitlichen Kulturvölker mit dem Verbreitungszentrum in Süd-Schweden, in mächtigen Strö­men den Welttell zu überfluten; sie ist die hauptsäch­lichste Trägerin und^ Verbreiterin der verhältnismäßig schon recht hohen Gesittung der Steinzeit. Auch sie konnte'der Mutmischung mit den älteren langköpfigen, besonders aber der rundköpsigen Rasse nicht entgehen, wurde aber immer wieder durch rasjenreine Nachschübe verstärkt.

Die Wilserschen Darlegungen stießen in der Versamm­lung auf verschiedenen Widerspruch, dem Prof. Klaatsch in sehr scharfer Weise Ausdruck verlieh. Klaatsch erklärte, daß er von einer Reihe Fachkollegen beauftragt sei, gegen den Vortrag zu protestieren. (Lebhaftes Bravo.) Derselbe enthalte eine solche Fülle von Unrichtigkeiten, daß diese kaum korrigierbar seien. Es handle sich fast durch­weg um willkürliche Vermutungen (stürmische, langanhal- tenoe Bravorufe).'

Tiefer Zwischenfall entbehrt insofern nicht eines pikan­ten Beigeschmacks, als Wilser bei den Franzosen den Ruf einer Autorität besitzt, die in wissenschaftlichen Abhand­lungen häufig als Quelle zitiert wird.

Prof. Dr. Rud. Martin, Direktor des Anthropolo­gischen Instituts L>er Universität Zürich, sprach über einige neuere Hilfsmittel des .anthropologischen Unterrichts an Hochschulen, Dr. Blind (Straß­burg) über Elsäßische Steinzeitbevölkerung. In der Kette der anthropologisch genauer durchforschten Gebiete fehlte bis noch vor wenigen Jahren ein wichtiges Glied, das Elsaß, trotz des großen Interesses, welches das Land bei seiner Lage und seiner geschichtlichen Vergangen­heit bieten mußte. Aber an der Ausfüllung dieser Lücke ist seither rege gearbeitet worden: neuere archäologische Forschungen und deren volkstümliche, manchen Fund vor der Zerstörung rettende Verbreitung (Forrer) einerseits, andererseits Messungen an der heutige,i Bevölkerung (Straß­burger Anatomisches Institut, Schwalbe) und Studien über mittelalterliche Deinhausreste (Blinde welch, letztere die Kluft zwischen alter und neuer Zeit überbrückten, ermög­lichen es jetzt, die Zusamuienjetzung der elsäßischen Be>- völkerung seit gallo-römischer Zeit, ja sogar seit dem ersten Auftreten der Metallkultur forllaufend zu verfolgen. Aber in der Geschichte der elsässischen Anthropologie fehlen

noch genügende Kenntnis je über den Steinzeitmenschen, ob­wohl sich allenthalben archäologische Reste der neolithischen Kultur in genügender Anzahl vorsinden, um ein unab­hängiges Bild von deren Entwicklung vom ersten Seß- hastwerden der diomaden bis zu verhältnismäßig weit ge­diehener Industrie zu entwerfen. Der Vortragende hat es daher unternommen, über die bisher bekannt gewordenen Steinzeit-Skelettreste zusammenfassend zu referieren. Der älteste bekannte, palaeolithische Schädel, der durch die bep rühmten Egisheimer Fragmente dargestellt wird, wird jetzt (Schwalbe) unzweifelhaft der Cro-Magnon-Race zugezählt, d. h. der noch heute lebenden MenschenspezieB in ihrer lana- köpsigcn Varietät. Mit Ausnahme eines einzigen, mehr dem Furfooz-Typus sich nähernden Schädels entsprechen aber auch, alle übrigen, bis in die 80er Jahre bekannt ge- lvordenen Reste dieser Cro-Magnon-Race (Funde von Boll­weiler, Tagolsheim, Kolmar). Auch alle neueren und neuesten Funde ergeben ein ganz zweifelloses lieb er gewicht der Langköpfe bezw. der Cro-Magnon-Race. Die Inten­sität und Reinheit der steinzeitlichen Dolichocephalie tritt aber in doppelt grelles Licht in einem Lande, wo schon die nächste Kulmrstufe mit dem Auftreten des Metalles aus­gesprochene Kurzkopfformen aufweist, die sich bald derart im Lande festsetzten, daß trotz der früheren und späteren Dolichocephalenbeimischungen jich eine weitaus überwiegend brachycephale Bevölkerung entwickelte, daß im Mittelalter 84.5 Proz., heute nach Messungen an Lebenden über 75 Proz. der Bevölkerung der Brachjycephalie angehpren und der Durchschnittsindex im Mittelälter bei 85, heute bei 8182 liegt.

Geheimrat Wa l d e y e r (Berlin) legte einige Papua» schädel aus Tam-ara bei Berlinhafen (Neu-Guinca - vor, die in der Ausbildung der Nackengegend ein« höchst eigetm tümliche Anaolie zeigen; sie kann vielleicht durch das Schlafen aus Nackenhölzern erklärt werden.

Schließlich wird noch ein von Dr. Nüesch (Schaff­hausen) gestellter Antrag angenommen, den Reichs­kanzler zu ersuchen, daß bei der wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Kolonien der Erforschung der Zwergrassen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Cs giebt im mittleren Afrika, insbesondere in joich,en Gebieten, die den deutschen Kolonien angehörc'n, noch eine ganze Reihe solcher Zwergrassen, und es ist bei dem Fort- schreiten der Kultur unbedingt notwendig, daß schleunigst eine gründliche Untersuchung erfolgt, da voraussichtlich in verhältnismäßig kurzer Zeit die Zeugen dieser kleinen Menschenrassen verschwunden sein werden.

Es erfolgte hieraus unter den üblichen Förmlichkeiten >er Schluß des Kongresses, der nicht nur als einer der bisher bestbesuchlen zu bezeichnen ist, sondern auch in wissen- chaftlichcr Hinsicht eine günz ungewöhnlich umfangreiche und interessante Tagesordnung erledigt hau