Ausgabe 
14.1.1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Die ycutige Kummer umfaßt 10 Seiten

Kcöer die Kröffaung des preußischen Landtages

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Ivirb uns aus Berlin, 13. Januar, geschrieben:

Ter preußische Landtag braucht sich nicht besonders anzustrengen in der lebten Zession dieser Legislaturperiode.

taan# außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden iin Wechsel mit dem hessischen Landwirt bte Gtetzcner Kamillen- blätter otermal in der Woche beigeltgt tRoianrniibnid u. Ver­lag bei Viühl 'schen l1nivecs.-Buch-u.Tletn- biudvcci (Pietsch kx vben) Pitbuftton, Orpebttio» und Druckerei:

Echnlfirabe 7.

Übicfl« tüt Depeschenr Anzeiger Gießen.

ftmilprrd)<inld»iu6'Jlt 51.

Die Konzentration des Großkapitals, die zu den bemerkenswerten Erscheinungen des finanz- wirtschaftlichen Lebens der letzten Jahre gehört, ist zu einem gewissen Stillstand gekommen. Die Großbanken sind offenbar faturirt*; das Bedürfnis, Mittelbanken oder Wechselgeschäfte in der Provinz anzugliedern, ist befriedigt. Damit entfällt ein wesentlicher Grund für neue Kapitalsoermehrungen der führenden Institute, und das kann vom Standpunkt einer gesunden Volkswirtschaft aus nicht bedauert werden. In deren Interesse ließt vielmehr, daß dem mittleren und kleinen, mit einem Wort: dem Privatbankier, Licht und Lust gelaßen wird. Die EmisfionStätigkeit ist gewiß ein wichtiger Zug dcS Bankwesens, aber wenn sie zum maßgebenden wird, ent­wickelt sie daü Bankwesen in der Richtung eines Geschäfts» Monopols der Großbanken. Die Kapüalsoermehrungen anderer­seits leiten zur tLmisfionStätigkeit hm, weil diese verhältnis­mäßig am lohnendsten ist. Der Privatbankier hat vom Emissionsgeschäft im allgemeinen wenig Nutzen.

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Vermischtes.

Ein Duell. Aus Saarbrücken wird dem »Pfälz. Kurier" gemeldet: Der Bürgermeister von St. Johann, Dr. Neff, kanl dahinter, daß seine junge, bildhübsche Frau mit einem Rittmeister der Ulanen ein Liebesverhältnis unterhielt. Zwischen dem Bürgermeister und dem Rittmeister fand als­dann ein Zweikampf statt, wobei Dr. Neff verwundet wurde. Die junge Frau ist nun mit dem Rittmeister durch­gebrannt.

* Dortmund, 18. Jan. DerDortm. Ztg." zufolge brach heute im Theaterbuceau des Stadttheaters, welches sich in einem alten morschen Nebengebäude des Letzteren be­fand, Feuer aus, das bald auf die Bühne und den Zu­schauerraum übersprang. Das Bühnenhaus ist vollständig abgebrannt. Sämtliche Requisiten find ein Raub des Feuers geworden, ebenso ist das Mobiliar des Zuschauerraumes zum größten Teil zerstört.

* London, 13.Jan. Infolge der heftigen Stürme der letzten Tage werden zahlreiche Schiffsunfälle gemeldet.

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Tour I. , Uta-6®* 8,05.

Gemeinden in protestantischen Gegenden gedacht, meint der ,Meichsbot^.

DieGermania" ist über den Inhalt der Thronrede nicht erfreut. Sie findet, baß in der letzten Tagung einer arbeitsreichen Legislaturperiode Schmalhans Küchenmeister ist: Pellkartoffeln mit Hering und polnisches Czrazh. TieBert. Neue st. Na dir." meinen, daß die ungünsti­gen Finanzen der Thronrede den Stempel aufdrücken. Der ganze angekündigte Stoff werde sich bequem bis Mitte oder Ende Mai erledigen lassen. DieNation alztg." findet den Inhalt der Thronrede unbedeutend; bezeichnesiid sei es, daß die Kanalvorlage überhaupt nicht erwähnt sei. Mit Befriedigung müsse es erfüllen, daß die wiederholt erörterten weiteren Maßregeln zum Schutze des Deutsch­tums in den Ostmarken erfolgen sollten. Much dieVoss. Z t g." ist der Ansicht, dag sich das ganze Programm des Landtags in zwei Monaten erledigen lasse. Trocken und nüchtern in der Form, kahl und dürr dem Inhalte nack), so kennzeichne die Thronrede die gegenwärtige Politik des größten deutschen Einzelstaates. TasBe r l. T a g e - blatt" findet den Inhalt der Thronrede durchaus nicht überraschend, wohl aber befremdend, daß der sonstigen inneren Verwaltung und ihrer etwaigen Weiterentwicklung mit keinem einzigen Worte Erwähnung geschehen sei. Mit der Kanalvorlage solle vermutlich erst die neue Volks­vertretung betraut werden. DieVolksztg." glaubt sich durch den Inhalt der Thronrede zu der Bemerkung ver­anlaßt: In der Tat, nach jeder Richtung hin sind es trübe Aussichten, unter denen der preußische Landtag es versucht, zum Segen des Vaterlandes die letzte Session der diesmaligen Legislaturperiode hinter sich zu legen. Wegen des Fehlens der Kanalvorlage in der Thronrede sagt dieB e r l. Z t g.":Versunken und vergessen, das ist Miquels Fluch."

TaS Programm, das die Thronrede zur heutigen Eröffnung »es Landtags ausstellt, ist am meisten bemerkenswert durch ras, was es nicht enthält: Es fehlt jegliche Erwähnung »er Kanalprojekte. Tiefe sind, wie wir vor Wochen

Mittwoch 14. Januar 1803

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monatlich75Pi. viertel«

Y . _ , , jährlich SRI 2.20; durch

jik '> Abhole- u. Zweigstellen

Jr moimtlirf) 65 Pi.; durch ' KM Sri HR dtePosl Alk 2 vteriel-

jährl. ausschl. Bestellg.

T". I? j b; I Annahme von Anzeigen

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Ä bis pormttlage 10 Uhr«

Zeilenpret«: lokal 12P^

^****4^ Uir9n>ütl4 20 Psg.

triumphiert, herrscht großer Gedankenreichtum. Den Prinzen um» geben vier teilnehmende Freunde, zwei Philosophen, ein Dichter und ein Offizier, deren Gespräche ost recht mitztg, aber doch zu weit ausgesponnen sind. Tie Dialogform kleidet Morhardts Ge­danken über den Konflikt zwischen Fürslenpflicht und Liebe sehr gut.

Eine Zeichnung der Kaiserin. Das Kaiserpaar stattete am 12. d. Mts. dem Atelier des Bildhauers Harro Magnusien einen Besuch ab, und sah sich die Entwürfe zum Roon-Denkmal, zu einem Kaiser Wilhelm-Denkmal für Bonn imb zu einer Sta­tuette des flötenblasenden Kronprinzen Friedrich, des späteren großen Königs, an. Dabei konnte der Künstler dem Monarchen eine von der Kaiserin geferkigtePorlräkzeichnung vorsühren, welche die hohe Frau als junäe Prinzessin ihrem Zeichenlehrer Christian Karl Magnusien, dem Baler des Bildhauers, gewidmet halte, und die eine ihrer Schwestern darstellt. Tas Bild ist in Bleistist mit leichter Aquarelltönung ausgesührt und trägt die Unterschrift der Autorin. ,

Tie Bestrebungen, die Freude an der bildenden Kunst und ihren Werken zu heben und das eigene Urteil weiter auszubilden, beherrschen die Gegenwart in einem ganz ungewöhnlichen Maße. Zahllos sind die Unternehmungen, welche die Schätze der Ver­gangenheit dem deulsd)en Hause zuzuführen suchen. Bisher war aber noch keines vorhanden, welches den Plan: jeden Tag einen anderen künstlerischen Eindruck, eine andere künstlerische Erinnerung und einen anderen künstlerischen Nachweis zu bringen, verwirklicht hätte. Spemaiins Kun st- Kalen der sollte in den Jahres- bedarf der deutschen Familie euigefuhrt werden. Für den Preis von einem halben Pfennig täglich bringt er eine vortreffliche Re- produktivn eines et werter mit e läuterndem Text und

zahlreichen Taten und Nachweisen. So will er an seinem Teile dem Heien Sehnen der Ration nach einem Verständnis jür die Kunst Genüge tun-

Literaturnachwetse geboten werden. In der Regel wird man sich jedoch mit den Auskünften des Lexikons selbst begnügen können, die um so belehrender und eingehender sind, als ein musterhafter Jllustrattonsapparat die zum Verständnis notwendige Anschaulich­keit vermittelt. Ritt einer Reichhaltigkeit ohnegleichen ist das Werk auch in dieser Beziehung ausgeslattet, sind es doch mehr als 11 000 Abbildungen, Karten und Pläne, welche teils im Text, teils aus über 1400 Jlluslralionstaseln erscheinen, worunter etwa 190 künst­lerisch vollendete Farbendrucktafeln und 300 Kartellbeilagen beson­ders hervorzuheben sind. Außerdem sind auf etwa 130 Textbei­lagen noch besondere Erläuterungen zu den Abbildungen, Naniens- register zu den Karten und Plänen, statistische Uebersichten re. ge­geben. Ter soeben erschienene erste Band zeigt an Seinem Teil bereits alle die hier erwähnten Vorzüge, und wir können nur bebaiiern, durch Raummangel gehindert 511 sein, im einzeln darauf emzugehen. Tie günstige Zett des bandwerjen Er­scheinens zum Aiikauf dieses nationalen Hausjchatzes wird gewiß reichlich benutzt iverden.

Ein symbolistisches Werk über den Tod deS Kronprinzen Rudolf. Ter in Paris lebende Genfer Dichter Mathias Morhardt Hal sick) in feinem neuesten Werk der Prosa anbeqiiemt.A. Ja Gioire uamjer- ist ein philosophisches Drama in drei Akten, das sich an ein historisches Ereignis, den geheimnisvollen Tod des Kronprinzen Rudolf in Meyerling, aulehnt. Ter Dichter hat der Wirklichkeit bloS die Tatsache des doppelten Selbstmordes und die Würde des Helden entlehnt, ist sonst aber sehr frei verfahren. Tie Todesart selbst hat er kühner Weise dem assyrischen Altertum ent- lehnt, denn jein Prinz Robert und seine Gräfin de Romana sterben wie Sardanapal in den Flammen eines Holzstoßes, den sie selbst nuigeidjidjiei haben. Tie zialoyje des Liebespaares sind äußern poetisch, und in dem einzigen Dialog zwilchen dem Prinzen nnc lemem Vater, dem Kaiser, wo das Recht über die Staawcaüon

einrcißen zu lassen. Die kräftig behagliche Rede des würd' tembergischen Mbg. Schrcmpf (ronf.) war mehr nach dem Geschmack des Hauses, lieber diesem Hin und Her verrann Stunde auf Stunde; es sahen sich noch veranlaßt, das Wort zu ergreifen, die Wog. Deiuhardt (nl.), Molkenbuhr, v. Elm (Soz.), Lucke, Dr. Roesicke (Bd. d- L.). Die Resolution fand schließlich einstimmig Annahme, kostete aber eine volle Sitzung.

Feindliche Brüder.

Wie wir bereits in unserem heutigen Parlaments­blatte meldeten, hat am Dienstag in Berlin in Sechen des Bundes der Landwirte die Reichspartei unter dem Vorsitz des Mbg. v. Kardorft eine Sitzung abgchalten. Es ist begreiflich, daß Herr v. Kardorsf, der mit Eklat seinen Austritt ans demBund der Landwirte" erklärt hat, ohne daß jedoch dies Beispiel seitens seiner poli­tischen Freunde Nachahmung gefunden hat, besonders bar» nach verlangt, zu erfahren, was diese zu tun gedenken, oder ob sie den ihrem Führer vom Bunde zugefügten wuchtigen Schlag alsPrivatsache" aufzufassen wünschen. Vorläufig hat Herr v. Kardorfi nur die Genugtuung, daß einer der größten schlesischen Grundbesitzer, der Herzog von Ratibor, Mitglied des preußischen Herrenhauses, sich ge­nötigt sieht, aus demBund der Landwirte" auözu- scheiden, weil der BundMännern, wie Herrn v. ftar- dorfs, den Krieg erkläre." Der Verlauf der Breslauer Bundesversammlung zeigt, daß von einem Friedensschluß zwischen Bündlern und Konservativen keineswegs die Rede sein kann. Auf dem parlamentarischen Boden spielt sich nun das Weitere ab.

Feuilleton.

McyerS Große» Konversations-Lexikon. Ein Nachschlage­werk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 24u Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Stnrieu und Plänen im Text und auf über 14OO Jllustrationstmelu (darunter etwa ISO Farbendrucktafeln und 300 selbständige Karten- betlagen) foiuie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden 6U (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig

und Wien.) Das Erscheinen der neuen Auflage eines Riesen- werkes, wie es Meyers Großes KonversationS-Lexrkon ist, muß unS m doppelter Beziehung zur Bewunderung hinreißen, indem wir glelcherweife über den hohen Stand der Lexikographie und über die AuNlahmsiahlgkelt des deutschen Volkes staunen. Ter Schlüssel dazli bietet sich m "Wrer reich bewegten Zeit, in den unaufhalt- jaiuen Joiijchrltten der Wißenschafl und der Technik und in der dadurd; bevuorgerideiieit Spezialisierung aller Gebiete. Sie per- hindert oder erschwert doch den Ueberblick, schafft also das Be­dürfnis nack; einem Nachschlagewerk, wie es uns m mustergültiger Weife imGroßen Meyer" geboten ist. Schon an den angegebenen Zahlen laßt sich die Bedenlnng dieses einzigen Unternehmens er­messen, welches das gesamte Wissen unserer Zeit in mehr als 148 000 Artikeln und Verweisungen ziljammensaßt, also in einer Ziffer, von der sick) nad) menschlichem Ermessen erwarten läßt, daß sie vollständig ist. Tiefe Art der Schätzung ist ja äußerlicher Natur, sie hält aber auch sland, wenn wir uns mit dem Inhalte des Wer^s jelbst bejahen. Keine Frage, die nicht ihre Antwort fände, und meleaeAnlwort I Klar, ruhig, fachlich und unparteilich, ober dock) angeue m und anregend, wobei für 10lebe, die Heer in einem Sondergebieie einbnußcn »vollen, ülS mit den Zielen einer Gnzyilvpäcue vereinbar »st, iovgiäUigc

Nur ein paar Minuten, und die heutige erste Sitzung de» pceußifchon Abgeordnetenhauses war erledigt. Morgen, MUtivvch, findet die Neuwahl be» Präsidiums flatl, zn-eiseUos mit dein Ergebnis, daß Herr v. Kr 0 cher, dieser schlagfertige und witzige Leiter der Verhandlungen, aufs neue als erster Präsident bestätigt wird. Mit viel Jnlercfse sahen fidj die Abgeordneten in dem bilderge-, fchmüalen Sitzungssaal um. Lb die Akustik gewonnen hat durch die inyuijd)en vorgenommei^en Aenderungen, darüber läßt sich heule beider Kürze der Sitzung lein Urteil ermög­lichen. Beim Etat wivd man entscheiden können, wenn die lauten uiü) die leisen Redner auj treten. Uebrigens ist be­merkenswert, daß auch aus koliservativer Seite der Vorsatz besteht, im Hinblick aus die Ftuauzlage in Preußen soviel als möglich zu sparen. DieKreuzzttz.", die beiläufig ihre Freude darüber ausspricht, daß die Staatsregieruna einen Hinweis auf die Kunalvorlagenicht sür erforderlich ge­halten", erklärt, das Abgeordnetenhaus habe Grund genug zur Zurückhaltung in Bezug auf Geldsorderungen.

Im Herren hause wurde heute das bisherige Prä- idium Fürst zu Wied als Präsident, Freiherr von Man­en f s e l und Oberbürgermeister Becker - Köln als Vice- iräsidenten, witt>ergewählt. Auch die ftüheren Schrist- ührer wurden wiodergewählt.

Preßstimlnen über die Thronrede.

DerReia)übote" bejd)ä[tigt jiai hauptsächlich mit Zern angekündigten Gesetz über die Bildung tirchlicher Hilfssvnds für tatholisdie Pfarrgemeinden. Tas Blatt kann fid) nod) keine rechte Vorstellung davon machen, wie diese Hilfssotids gei>ad)t seien und weld)em Zwecke sie dienen sollen. Vielleicht sei an die Gründung neuer katholischer

foUen, entsprechend den vom Grafen Bülow vor Jahr und Tag im Abgeordneterihause dargelegten Programm für den Sdjutz des Tenlschtums in den Lstmarken angewendet wer­den. Taß dort außer den mittleren uiid unteren Beamten auch den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen Zulagen in Aussicht stehen, war bereits bekanwt und wird durch die Throiiiede bestätigt. Tie geplanten Ausgaben zur Er­weiterung des Staatseiseiibahnnetzes, zur Förderung der Kleiiibahitunlernehmungen dürsten fid) in dem üblichen Rahmen halten. Tie Thronrede wurde schweigend entgegen­genommen. Gras Bülow verlas die Kundgebung. In der Prefte wird heute abend der gcfchäftsmäßige, kühle Ton der Thronrede kritisiert. Aber ist das Fehlen des Schwunges w verwundern in so mißlichen Zeiten? Ein Tcsizit von 371/g Millionen und die Perspektive eines kaum minder be­deutenden Fehlbetrags im neuen Etatsjahr regen wahrlich nicht zu gehobener Sprache und (Stimmung an. Preußen muß wie das Reid) den Kredit zur Hälfte nehmen zur Herstellung des Gleichgewid)ts.§n beträchtlicher Höhe", so deutet die Thronrede an.

Politische Togesschau.

Die Tabaksteuer als Reichstagsouverture.

Die Parlamenlsmajchine ist in Berlin ohne beson­deres Geräusch wieder in Gang gekommen. Mit der Reichs­etatsdebatte wird man sick) wohl nod) einige Tage ge­dulden müssen, da den Reidjötag zunächst Resolutionen und Petitionen zum Zolltarif besc^astigen, ein Thema, bei dem die vor den Ferien gewaltsam geschlossenen Schleusen der Beredsamkeit sich wieder öffnen können.

Einigermaßengruiidiich" ließ fid) in der Tat bereits die Erörterung der ersten, von der. Kommission de» anUagien Resolution an. Sie wünscht eine Untersuchung, inwieweit die Ausjahrungsoorschristen des 1879er Ta­bak st euergesetz es im Interesse der kleinen Tabak- bauern vereinfacht werden tonnen. Abg. Ehrhardt (Soz.), seines Zeichens Tapezierernieister und Stadtrat in Ludwigshafen, schilderte auf» eingeyendste die Lage der Tadarpsioaizer Süd Westdeutschlands. An Material war sein Vortrag reichhaltiger, als der vorangegangene des Abg. Frhrn. v. Hehl, der natürlich gleichfalls die Reso­lution zur Annahme empfahl. Den Standpunkt des Tabak- h and eis vertrat in | einer ruhigen, shmpaihischen Art Abg. Frese (Freis. Vergg.), der Erwählte Bremens. Ein Geheimrat vom Reichsjihatzamt präzisierte die Stellung der Regierwng dahin, daß den kleineren Tabak­bauern möglichstes Entgegenkommen erzeigt werden soll. Es besteht also Aussicht, daß über vexatoriswe Maßregeln gegen bie Tabakdauern in Zukunft nicht mepr geklagt zu werden braucht. Wird dies erreicht, dann ist ter Zweck der Resolution erreicht, wie Abg. Beckh-Koburg (fr. Bp.) bemerkte.

Einen Widerhall der Zolltarifdebatten rief der cholerisch veranlagte Abg. Geyer (Soz.), Zigarrenfabrikant zu Leipzig, wack), indem er gegen dieTabakagrarier" polemi­sierte und speziell dem Abg. Frhrn. v. HeylProfitwut über den Zolltarif, hinaus" zum Vorwurf machte. Dieser verwahrte sick) wiederholt in scharfen Worten, dock) weitere Kreise zog der Zwischenfall nicht; der Reichstag scheint nicht geneigt, sich von neuem in die Zollkampsstimmung hin-

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chon auöführten, auf längere Zeit vertagt, möglicherweise ogar ganz abgetan, um sie späterhin durch eine große iisenbaljnvorlage zu ersetzen, die den Agrariern sym-, palhifcher ist, weil der kostspielige Bahntransport die Kon­kurrenz des ausländischen Getreides besser fernhält.Wo ein Kanal Platz bat, hat aud) eine Eisenbahn Platz", ent­gegnete Gras B a l l e st r e m auf die Bedenken wegen Raum- niangels. Vorläufig freilich reizen solche Vtteseiiunterneh- mungen überhaupt nicht zur Jnangrifsnahme. Aud) die preußischen Finanzen weisen einen gewaltigen Fehlbetrag auf, 3 7 i/8 Millionen. Große Summen

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