Ausgabe 
13.7.1903 Erstes Blatt
 
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PortraitS von Helene On cken-Gießen. Die Ausstellung wird am Sonntag dem 19. d. M. geschloffen.

** Waldbrand. Gestern nachmittag kurz nach 3 Nhr entstand wohl infolge einer Unvorsichtigkeit eines Vorüber­gehenden an der Chaussee nach dem Schiffenberg rechts am Waldeingang ein kleiner Waldbrand. Niederes Holz hatte sich entzündet und brannte stellenweise. Das Feuer wurde jedoch bald von einigen Paffanten gelöscht. Der Schaden ist nicht erheblich.

S. Langsdorf, 13. Juli. Das vor einigen Tagen (o aufsehenerregend angekündigte ^Gaisfest" zu .Langs­dorf hatte wirklich einen glänzenden Verlauf. Der Ort war auss vorteilhafteste mit Laubgewinden, rotweißen, schwarzweißroten, einer gelbweißen und einer schwarz­weißen Fahne festlich geschmückt, und schon in erster Mittags­stunde konnte man Festteilnehmer ans umliegenden Ort- scbajten durch die Straßen ziehen sehen. Gegen 3 Uhr nahm der Festzug an der Licher Pforte Aufstellung und bewegte sich unter Jubel und Musikspiel nach dem am anderen Ende des Dorfes gelegenen Schnepfen Hain. Der Zug wurde von zwei mit Blumen geschmückten Radfahrern und zwei stolzen Vorreitern angeführt. Diesen folgten die ganze weibliche Jugend, hübsm der Größe nach ausgestellt, dann em Musit'chor, der sxrr Direktor Köhler in Be­gleitung des Landwirtschastslehrers Schwarz aus Als- seld und einiger anderer Lehrer, der Kriegervereiin, der Gesangverein, dann der Gemeindebock mit einem Gefolge von cq. 5060 Gaisen und Gaisböcken. Alle Tiere hatte man mit Blumen, roten und blauen Bändern aufs vorteil­hafteste herausgeputzt. Im Schnepfenhain angekommen, hielt derGaijen-Direktor" Köhler die Festrede, in der er vor allen Dingen alle auswärtigen Teilnehmer des Festes begrüßte, und in der er hervorhob, daß das Fest einen sozialpolitischen Charakter trage. Er lich seine Rede in Lin dreimaliges Hoch auf das Vaterland ausklingen. Land- wirtschaftslehrer Schwarz referierte sodann in einem kurzen Vortrag über die Ziegenzucht: und chre Bedeutung für den kleinen und großen Bauer. Nunmehr nahmen Tanz und allerhand sonstige Vergnügungen, während man aus einer Wiese nebenan die Gaisen und Böcke froh heruni- springen ließ, ihren Anfang. Das so vortrefflich ausgedachte Gaisenfest nahm somit einen guten und schönen Verlauf. Man kann den Langsdorfern zu ihrer eigenartigen Idee nur gratulieren!

§ Butzbach, 12. Juli. Heute nachmittag gingen mehrere Unwetter über unserer Gegend nieder, die von wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlägen begleitet waren. Man sand Hagelkörner, so dick wie Taubeneier. Der strich­weise entstandene Flurschaden läßt sich momentan nicht schätzen. In Fauerbach v. d. H. verursachte der Blitz ein Schaden­feuer, das zwei Gebäude ergriff und von der rasch herbei­geeilten Löschhülfe auf seinen Herd beschränkt wurde.

/\ Friedberg, 12. Juli. Die Erweiterung des Wasserwerks ist seitens der Stadt ins Auge gefaßt, um auch das vor zwei Jahren eingemeindete Fauerbach an- schlreßen zu können. Die Herstellung dieses Anschlusses wird die Summe von ca. 9000 Mark erfordern. Die Gemeindesteuern werden um 10 pCt. erhöht. Die Kirschenernte ist gegenwärtig im Gange. Sie fällt gering aus; man erzielt nicht eine halbe Ernte. Großen Verlust erleiden dadurch in erster Linie die durch ihren Kirschenreichtum berühmten Orte Ober-Rosbach und Ockstadt. Die Kirschenpreise sind daher sehr hoch.

t. Laubach, 12. Juli. Am Samstag kam Se. Kgl. Hoheit der Großherzog mit Extrazug abends halb 7 Uhr hier an. Am Bahnhof wurde er begrüßt von dem hiesigen Grafen. Alsbald defllierten die Kriegervereine des Bezirkes an dem Großherzog vorbei. Am Abend brachte die Stadt dem hohen Gaste des Grafenhauses einen prächf- tigen Fackelzug dar, an dem sich die Vereine, die zwei ersten Klassen der Stadtschule und des Gymnasiums und der hiesige und auswärtige Kriegervereine beteiligten. Bürger­meister Jochem gab der Freude Ausdruck, Se. Kgl. Hoheit in Laubach begrüßen zu dürfen und brachte das Hoch auf den Landesherrn aus. Zwei Vereine trugen Lieder vor. Das Ganze bot in dem schönen Schloßparke eine herrliches Bild. Am Sonntagvormittag wohnte der Großherzog dem Gottesdienste bei, in welchem Pfarrer Volp. predigte. Um 3 Uhr nachmittags erfolgte der Einzug des Großherzogs im benachbarten Wetterfeld, wo oie Vorführung des Lutherfestspieles erfolgte. Lehrer Jakob hatte seinen ländlichen Gesangverein so geschult, daß er es wagen konnte, dies Festspiel aufzuführen. Man muß sagen, daß die Ausführung ihm und dec Beharrlichkeit seiner Wetter­felder vortrefflich gelungen ist. Besonders war Luther, die Hauptperson, sehr gut getroffen. Beim Verlassen des Festsaales überreichte der Landes fürst dem Lehrer das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Dann erfolgte die Rückfahrt nach Laubach, wo um 7 Uhr Diner stattfand, wozu Vertreter der staat­lichen, kirchlichen und städtischen Organe Einladungen er­halten hatten. Um 9 Uhr fuhr der Laudesfürst unter jubeln­den Ovationen der Bevölkerung ab.

-n. Büdingen, 13. Juli. Bei einem gestern abend über unsere Stadt ziehenden Gewitter zündete ein Blitz­strahl gegen >/410 Uhr in den Stallnngsgebäuden des Fürstlichen Pachtgutes Salinenhof bei Büdingen. Im Augen­blick stand der ganze Dachstuhl der Stallungen in Flammen, denen auch die Habseligkeiten der über den Ställen wohnenden Knechte und Mägde zum Opfer sielen. Dem beherzten Ein­greifen einiger hiesiger Bürger gelang es, das Vieh bis auf wenige Stück Ferkel aus den Flammen zu retten, mittels in Eimern beigetragenen Wassers den Brand, soweit er schon die an die Stallungen anstoßenden Scheunen ergriffen hatte, zu löschen, und nach Eintreffen der Schloßspritze auch das Feuer nach dieser Richtung auf seinen Herd zu beschränken. Die nach und nach eintreffende städtische Feuerwehr setzte dem Weitergreifen des Feuers in der Richtung des Wohnhauses ein Ziel, sodaß es nach etwa fünfstündiger angestrengter Ar­beit der Feuerwehr, Bürger und Gymnasiasten, welch letztere sich rührig am Wassertragen beteiligten, auf seinen Herd be­schränkt war. Menschenleben sind keine zu beklagen. Die Trümmer der Stallungen brannten heute morgen noch.

-h- Vom oberen Vogelsberge, 12. Juli. Gestern nachmittag zogen mehrmals starke Gewitter m der Richt­ung von Nordwest nach Südost über unser Gebirg. Die elektrischen Entladungen waren ungemein stark; mehrmals schlug der Blitz in Bäuine, strichweise hagelte es auch, ohne jedoch nennenswerten Schaden anzurichten.

Hanau, 11. Juli. Auf der Bahnstrecke in dec Nähe von WllhelmSbad ließ sich dec 27 Jahre alte Kaufmann Her mann Stapf überfahren und blieb sofort tot.

Er hinterließ einen Brief an ein Fräulein Hofmann. Stapf stammt aus Pforzheim und war in letzter Zeit auf den Höchster Farbwerken beschäftigt.

a. Amöneburg, 12. Juli. Auf Anregung des Re­gierungspräsidenten hat der Landesausschuß zu den Kosten der Erhaltung der Mauerreste des ehemaligen Schlosses hier 250 Mk. bewilligt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz feierte der Geh. Kom­merzienrat W. R ö m h e l d seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden ihm von den verschiedensten Seiten, auch durch die städtische Verwaltung Glückwünsche ausge- prochen. Geh. Kommerzienrat Römheld hat sich um den Mainzer Gewerbeverein verdient gemacht, deffen erster Vor­sitzender er lange Jahre war und dessen Ehrenvorsitzender er heute noch ist. Nach Mitteilung des Frankfurter statistischen Amtes ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung poli­zeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des ent» prechenden Ueberschusses der Geburten über die Sterbefälle am 1. Juli er. mit rund 30 8 000 anzunehmen. Die Generalversammlung des Kunstvereins für das Großherzogtum, die am 11. d. M. in Darmstadt stattfinden sollte, ist bis zum September vertagt worden.____________________

Gerichtssaal.

Gießen, 13. Juli. Standgericht. Am Samstag ver­handelte das Standgericht in der alten Kaserne stuei Fälle mili­tärischer Vergehen. Der Gerichtshof bestand aus Major Hofmann als Vorsitzenden, Hauptmann Brandenburg und Oberleutnant Giese als Beisitzer. Im ersten ^all, welcher von Leutnant Wolff als Ankläger vertreten wurde, drehte es sich um Gehorsam sver- w e i g e r u g und Achtungsverletzung, begangen gelegent­lich einer Kontrollversammlung in Lich. Der Wehrmann Groß­haus daselbst Halle sich schon vor dem Antreten der Mannschaft zur Kontrolle einen Rausch angeschafft. Während nun die Mann- chaft auf der Straße angetreten war, erschien Großhaus unter der Tür einer nahe gelegenen Wirtschaft und fang ganz vergnügt gewöhnliche Tingeltangelmelodien, sodaß ein Teil der versammelten Mannschaft belustigt wurde. Der dienslluende Gendarm, der den bezechten Menschen vor Torheiten bewahren wollte, ging zu ihm hin, nahm ihn beiseite, machte ihn darauf aufmerksam, daß er schon bestraft werde, well er die Kontrolle versäume, verbot das Singen und veranlaßte den Kellner eines Lokals, auf Großhaus zu achten. Kamn war der Beamte wieder auf die Straße zurück getreten, so erschien der Sänger abermals vor dem Wirtshause und störte die Kontrolle. Erneut schritt der Gendarm ein, aber erst beim dritten Male brachte er den Mann aum Schweigen. Kläger und Gerichts­hof waren übereinstimmend der Ansicht, daß eine Strafe von fünf Tagen Mlltelarrest für die Tat des Angeklagten als genügende Sühne zu erachten sei. Demgemäß wurde erkannt. In der weiteren zur Verhandlung kommenden Sache vertrat Oberleutnant Stephan die Anklage. Der Unteroffizier H. Zuchland vom Kaiser Wilhelm-Regt. war beschuldigt, die nötige Achtung gegen einen Vorgesetzten verletzt zu haben. Der Angeklagte war als Küchen- Unteroffizier in der Küche des 2. Bataillons tätig. Der Tatbestand der Anklage war nach dem teilweisen Zugeständnis des Unteroffi­ziers Zuchland und nach der Beweisaufnahme der folgende: Am 1. Juu abends gegen 7 Uhr erschien Hauptmann B. in der Unter­offiziersküche des 2. Bataillons und direkt hinter ihm trat Zuch­land, der Zucker aus dem Lager geholt hatte, ein. Man begab sich in die Mannschaftsküche, wo der Hauptmann die Kochkessel ab­leuchten ließ, dabei einen Tadel wegen des unsauberen Randes eines Keffels aussprechend. Zuchland widersprach wiederholt, ohne gefragt zu fein. Der Hauptmann rügte auch die unvor- schristsmäßige Haltung des Unteroffiziers, was der Angeklagte da­mit entschuldigt, er sei von ftüh 4 Uhr in der Küche ununter­brochen tätig gewesen und habe Kopfschme^en gehabt. Das Stand­gericht kam nach langer Beratung zum Schuldigspruch und er­kannte auf 8 Tage Allttelarrest.

-i- Gießen, 13. Juli. Wegen Beleidigung durch ein Zeitungs-Inserat wurde am Donnerstag der Besitzer und Redakteur des ,Bad-Nauh. Anz.", Peter Muth, von der Berufungsinstanz der hiesigen Strafkammer zu 400 Alk. Geldstrafe und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Tas Schöffengericht in Bad-Nauheim hatte s. Zt. nur auf 20 Mk. Geldstrafe und die Kosten des Ver­fahrens erkannt. Von einer Freibeitsstrafe wurde abgesehen, ob­gleich das Gericht bezweifelte, daß der Verurteilte durch die erheb- liche Geldstrafe überhaupt getroffen werde.

Sport.

E. T. Gieß en, 13. Juli. Bei drückender Hitze fanden gestern auf dem Trieb oie vom Gießener Fußballklub ausge­schriebenen Sportswettkämpfe statt. Die Ergebnisse waren befriedigend. I. 200 w-Vorgabelaufens: 1. E. P u t t l i tz (10 m Borg.) in 26 Sek., 2. L. Vogt (10 m Borg.), 3. H. Huber (0). II. 100 w-Vorgabelaufen. Offen: 1. L. Schmalz (0) in 13 Sek., 2. W. S ch w a n (5 m Borg.), 3. K. Ens er (0). IIL 1500 m- Vorgabelauferr. Offen: 1. W. Schwan (0) in 4 Min. 53^/z Sek., 2. E. Puttlitz (0). Von den 6 Läufern, die genannt hatten, liefen mir drei durchs Ziel, einer davon wurde disqualifiziert. IV. 100 m-Mallaufen, Klubmeisterschaft: nach vorangehendem falschen Start wurde 1. H. H u b e r in 14 Sek., 2. F. H a n n e s, 3. L. H o f. V. Fußballweitstoßen: 1. H. H u b e r mit einem durchschn. Stoß von 39,65 rn, bester Stoß 45,10 rn. 2. E. Puttlitz, Durchschn. 35,72jm, bester Stoß 43,20 m, 3. L. Hof, Durchschnitt 33,07 m, bester Stoß 37,60 m. VI. Dreisprung ohne Brett: 1. E. Seyfferth mit 9,50 m, 2. H. Huber mit 9,45 m, 3. E. Putlitz mit 9 m. VII. Weitspringen ohne Brett: Nur ein Konkurrent. A. Bötz 4,68 m. Handel ulldMrkchr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Grimberg, 11. Juli. Fruchtmarkt. (Durchschnitts­preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.50 bisMk., Korn 14.50, bis 00.00 Mk., Gerste 00.00 bis 00.00 Hafer 14.30 bis 00.00 All., Erbsen-18.0000 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mark, Samen 00.0000 Mk., Kartoffeln 8.00 bis 9.00 All.

1c. Frankfurt a. M., 13. Juli. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktprelse. Weizen All. 16.7517.00, Kurhessischer Alk. 16.7517.00, La Plata All. 16.5017.55, Kansas Alk. 16.5017.50, Roggen (hiesiger) Marl' 16.5017.50, Gerste (Wellerauer) All. 00.0000.00, Franken- Felder All. 00,0000,00, Hafer All. 14.2515.00, Mais Mk. 12.2512.50, Weizenmehl 0 All. 25.7526.25, 2. Qualität All. 23.75

bis All. 24.25, 3. Qualität Mk. 21.7522.25, Roggenmehl 0 All. 22.7523.25, 1. Qualität All. 20.2521.25, Weizenklele All. 9.00 vis Mk. 9.25, Roggenkleie Mk. 9.7510.25, Maiskeime All. 10.25 bis All. 10.50, Franken, Pfälzer, Ried Alk.00.00000.0. Alles per 100 Kg. ab hier. r 2 .

tc. Frankfurt a. M., 13. Juli. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche Dlotieningen der heutigen Viehmarkt­preise/ Äuin Verkaufe standen: 403 Ochsen, 165 aus Oest­reich, 57 Bullen, 2 aus Oestreich, 759 Kühe, Fersen, Stiere mid Rinder, 00 aus Oestreich, 179 Kälber, 105 Schafe und Hammel, 1117 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, o Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1.Qualität6971 All., 2. Qual. 6567 All., 3. Qual. 5963Mk.; Bulleii 1. Qual. 61 bis 63 All. 2. Qual. 5860 All.; Kühe 1. Qual. 6365 All., 2. Qual. 62 All., 3. Qual. 5153 All, 4. Qual. 4850 All., 5. Quaü 0000 All. Kälber: 1. Qualität8081 Pfg., Lebendgewicht 4849 Pf., 2. Qual. 5560 Pfg., Lebendgewicht 7062 Pfg., Schlacht­gewicht 6668 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 0000 Pfg., 3 Qual. 00- 00 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 56 - -57 Pfg., Lebendgew. 43 Pfg., 2.Qual. 00- 55 Pfg., Lebendgewicht 42-00 Pfg., <». Qual. 48 - 50 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh.gedrückt. Keili Ueberstand.

Sriefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

K. M. Darüber wird man wohl noch in Darmstadt zu ent» cheiden haben.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Hirsch berg, 13. Juli. Der 3 0. Ab geordneten - tag des deutschen Krieg erbundes, zu o-em Per­treter aus allen Teilen Deultschlands eingetroffen sind, wurde durch den Vorsitzenden, General der Infanterie von Spitz durch eine Rede eröffnet, iw der er besonders die Not­wendigkeit der Bekämpfung der Sozialdemokratie darlegte und sie mir einem Hochruf auf den Kaiser, die verbündeten Fürsten und die freien Städte schloß. An den Kaiser wurdk ein Telegramm abgesandt. Als Ort des nächsten Abgeord- netcntages wurde Krel gewählt.

Stuttgart, 13. Juli. Der Generalleutnant z. D. Marchtaler, der die Feldzüge von 1866 und 1870 mit­gemacht hat, Onkel des württembergischen Militärbevoll­mächtigten in Berlin, ist im Alter von 82 Jahren ge­storben.

London, 13. Juli.Daily Telegraph" veröffentliche den Inhalt einer Privatunterredung, dre Deleasse nach der Rückkehr aus London mit einem Freunde hatte. Er sagte, der dem Präsidenten Loubet in London bereitete EmpfanZ war großartig und lieferte den Beweis für die Aufrichtig^ und Loyalität der englischen Regierung. Der tiefe Eindruck, den er selbst von dem Besuche m London empfing, sei, daß die Reise der Friedenssache und damit der Mensch- lichkeit diente.

PortArthur, 13. Juli. Die Zahl der hier zusammen», gezogenen russischen Soldaten beläuft sich auf 30000. Weitere 16 000 Mann werden erwartet. Die Konferenz zwischen den Behörden unter dem Vorsitz des Kriegsministers dauert fort. Sie werden morgen ihren Abschluß finden.

New-Dork, 13. Juli. Eine schreckliche Lynch» Justiz fand in Devon im Westen Virginias statt. Ein Neger, der beschuldigt war, ein junges Mädchen ver­gewaltigt zu haben, wurde eingefangen und lebendig ver­brannt. Während der Scheiterhaufen brannte, wurde ihm die Zunge ausgerissen, die Augen ausgestochen, sowie Hände und Füße abgehauen.

Die Krankheit -es Papstes.

Rom, 12. Juli. 9,50 Uhr abends. Auf dem Peters-- platz und in der Umgebung des Vatikans sammelten sich heute größere Menschenmengen an. Die Wachen im Vati­kan, die verstärkt worden waren als sich das Befinden des Papstes verschlimmerte, sind seit heute wieder auf den gewöhnlichen Stand gebracht worden. Die Aerzte fanden den Papst heute inbessererStimmung. Er bedauerte, daß Mazzoni ihm heute nicht erlaubte, das Bett zu ver­lassen und daß er seit acht Tagen ans Zimmer gefesselt sei. Auch die Kardinäle, die der Papst empfing, fanden, waß das Gesicht des Kranken nicht den Ausdruck eines Sterbenden habe. Das Auge sei, so erzählten sie, lebhaft, die Stimme klar, das Gedächtnis vortrefflich. Derd'Jtalie" zufolge hat das gesamte Personal " des Quirinals den Befehl erhalten, Rom nicht zu verlassen. Demselben Blatte zufolge hat der König beschlossen, im Falle des Ablebens des Papstes nach Rom zurückzukehren, andernfalls werden der König und die Königin-Mutter am 29. Juli, dem Todestage des Königs Humbert, in Rom ein treffen.

Rom, 13. Juli. Die neue Besserun g im Befinde! des Papstes wird nach derVoce della Verita" auf die nach dem Vatikan gebrachte Mitra d es h eiligen Ja­nuarius zu rückgeführt. Wie das Blatt erfährt küßte der Papst die wundertätige Mitra. Dann wurde die Stirn des Kranken mit der Mitra in Berührung gebracht. Schließlich wurde die Reliquie auf einem Tisch neben dem Bett des Papstes aufgestellt. Im Laufe des gestrigen diachmittags verlangte der Papst häufig Nahrung.' Am Sonntag abend gegen 6 Uhr versammelte sich die katholische deutsche Kolonie in Rom, um im Petersdome für den Papst Bittgebete zu verrichten. Der Bittgang nach St. Peter fand unter großem Gepränge statt.

Telephonischer Kursbericht«

Irnnktun ä. SU. 13. Juli 1903.

SY^/o Reicheanleihe . . 102.20 3'Vu do. ... 91.35 3V,o/o Konsole .... 102.30 3% do......91.35

8xii°/o Heesen .... 101.10 372% Oberheesen . . . 100.00 4% Oesterr. Goldrente . . 103.00 4xI6% Oesterr. Silberrento 100.95 4% Ungar. Goldrente . . 101.75 4°/o Italien. Rente . . . 103.35 4V, % Portugiesen . . . 49.35 3% Portugiesen 31.25 1% C. Türken . ... 34 00 Türkenlose 130.20

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 43.80 4V2% äussere Argentiner.

3% Mexikaner .... 26.85 tVgO/o Chinesen .... 92.20 Electric. Schuckert . . . 92.00 Nordd. Lloyd . . . . 98.20

Kreditaktien 208.00 Diskonto-Kommandit. . . 186.20

Darmstädter Bank . . . 136.20 Dresdener Bank .... 146.90 Berliner Handelsges. . . 153.30 Oesterr. Staatsbahn . . . 142.90 Lombarden 18.00 Gotthardbahn .... 191.50 Laurahütte 213.75 Bochum ...... 172.80 Harpener 177.70 Tendenz: ziemlich fest.

Bekanntmachung.

Die Stelle des städtischen Vollziehungsbeamten (Psandmeisters> ist infolge Ruhestandsversetzung des bisherigen Inhabers anderweit zu besetzen. Allt der Stelle ist em penswnsfähiger Gehalt von 180 All., steigend um jährlich 40 Mk. bis zum Höchstgehalt von 2200 Mk,. sowie Hinterbliebeneu-Fürsorge verbunden. Bewerber, welche die Prüfung nu Finanzfach II. Kategorie bestanden und als Vollziehungsbeamtc schon praktisch tätig gewesen sind, erhalten den Vorzug. Ateldungen sind schriftlich unter Beifügung von Leberrslauf, Zeugnisabschriften und Gesundheitsschein bis zum 10. August hierher einzureichen.

Gießen, ben 11. Juli 1903. 5494

Der Oberbürgermeister.

I. V.:

Cu r s ch m (tun, Beigeordneter.

Bekanntmachung.

Im Interesse einer möglichst frühzeitigen Juattgriffnahme der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen ist es er­forderlich, daß die Anmeldungen neuer Fernsprech-Anschluffe spätesteuo bio 5um 1. August an die Kaiserlichen Telegraphen- atlstaltetr eingereicht werden. .

Verspätet angemetdete und infolgedeffen außerhalb des Bauplans herzustellende Einschlüsse können in dem nächsten Bau­abschnitt nur dann ausgesührt werden, wenn bie Antragsteller zu den entstehenden Mehrkosten einen Zuschuß von la All. leisten, lleberfteigcit jedoch diese Mehrkosten 50 All., so wnd der lvtrkitche Betrag derselben eingezogen.

Darmstadt, den 8. Juli 1903.

Kaiserliche Ober-Poftdirektton.

Kobelt.