Samstag 13. Juni 1908
153. Jahrgang
Nr. 136
Erstes Blatt.
Tie „Äöln. At-g." meldet aus Wien folgendes: Da in
zechte. So
Tas Leichenbegängnis.
mengung des Auslandes fürchten wir nicht, da das auch bei Bulgarien nicht der Fall war. Ich bitte datieren, daß hier im Lande überall Ruhe t herrscht. Tie Ruhe wird auch ferner an*
berichteten. Auf ihre Ditte übernahm ich das Minister- sidllim. Mit Karageorgiewitsch stehen wir vor* jig in keiner Verbindung, wenngleich die Armee ... I ihn zum König ausgerufen hat. Seine Wahl zum "" König ist wahrscheinlich, da fein anderer Ausweg gegeben ist. Es wird Sache der Skupschtina sein, ihn zum
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Semlin um 80 Gendarmen.
diach einer Pariser Depesche liegt Exkönigin Natalie Leber krank in ihrem Hotel in Versailles. Niemand als der Arzt und ihre Schwester, Prinzessin Ghika, werden zugelassen. — Exkönigin Natalie protestierte gegen die Belattung König Alexanders in Serbien und verlangt, daß >er Leichnam chres Sohnes zur Beisetzung chr ausgeliefert werde. .
autiei Sonntag«.
Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dein kesflschea Landwirt die -seltner Familien. blätter viermal in der Woche beige legi.
Koianonadruct u. Verlag bet Brühl 'schen Unwerl.-Buch- u.8<em- bruderti (Uietidj Erden) Redaktion. Urvebtno* und Drude re»:
Lchatftrabe 7.
Adresse für Depeichent «uzetger Gletzeu.
F^rniprechanichluh Nr 5L
Tem „Neuen Wiener Tageblatt" wird aus Semlin telegraphiert, daß von den in den Konak eingcdrungencn Sol* baten die Königin geschändet und König Alexander ver- slümmett worden sei. — Tie „,Nationalztg." veröffentlicht eine Unterredung eines Belgrader Korrespondcnlen nid Oberleuttrant Mischttsch, der äußerte: „Wir waren unserer viele, ob ich oder andere zuerst schossen, darüber bestehen eigentlich nur Vermutungen. Uns i|t die Hauptsache, daß unser Werf gelungen ist. Wir lei st elendem Vaterland einen ungeheuren Tienst und sind sehr befriedigt von unserem Erfolg. Gegen den Adjutanten Lazar Petrowitsch feuerte der als vorzüglicher Schütze bekannte Hauptmann Milan Ristttsch den ersienSchuß ab, der den Adjutanten an der Stirn traf, sodaß er sofort tot war." — Tem „SfcrL Tagebl." wird aus Belgrad tele- i graphiert. Die den Anschlag leitenden 30 Offiziere erklärten, sie hätten die Ermordung des Königspaares nicht vermeiden können, weil man erfahrungsgemäß fürchten mußte, der König werde fich durch seine treuen Atchänger zu den oft von ihm geübten Verfolgungen und Gcwaltmaßvegeln hinreißen lassen, wenn die Königin allein gelötet oder verjagt worden wäre. Alle vom König in der letzten Zell entlassenen Beamten und Richter wurden in Amt und Würden wieder eingesetzt.
Tie serbische Kolonie in Berlin ermßt eine Erklärung, in der es u. a. heißt, daß sie das Geschehene nicht bedauere. Tas Betragen des Königs fei während der letzten Zeit derart gewesen, daß es zu einer Katastrophe habe kommen müssen. Tie allgemeine Veranlassung der Verschwörung sei in seiner Ehe mit Traga Maschin, dein I letzten Staatsstreich und dem unerhörten Terrorismus bei v_: Die Absicht der Königin,
zum Thronfolger zu ernennen, habe die Lata-
~ ' \ wäre der
Offiziere halt, die sich jedoch als Diufleute polizeilich angemeldet haben. Sic halten Beratungen in einem dorrten Hotel mit Dr. Nenadowitsch, bem Vertreter des Prinzen
^.>cter Karageorgiewitsch. Nenadowitsch unterhält einen lebhaften Depeschcnwcchiel mit Belgrad und mit Genf.
Die„Neue Freie Presse" schreibt: Durch die Ereignisse in Belgrad sind alle amtlichen Verbindungen Serbiens mit dem Auslande durchrissen. Lee Gesandten Serbiens besitzen keine Vollmacht mehr, das Land zu vertreten. Die a uSw ä r tige n Ae m t e r kennen etzt keine Regierung Serbiens, mit der sie Berühr pflegen werden Ter Mangel amtlicher Verständigung wirkt aus die staatlichen Kondolenzen zurück, üxjt die am Montag erfolgende Entscheidung der Slupschttna wird wieder die völkerrechtlich anerkannte Stellung Serbiens zum Auslande Herstellen. Man erwartet, daß der lleber- aang zu den geordneten Verhältnissen sich rasch vollzieht.
Im ungarischen Abgeordnetenhause gab Vizepräsident Tallian Vizek dem schmerzlichen Gefühle tiefsten Bedauerns über die grauenhastc Katastrophe AuS- druck, deren Opfer König Alexander als letztes Glied der Dynastie Obrenowitsch geworden ist, welche sletö Freunde Ungarns, uiü) bestrebt gewesen seien, freundnachbarluhe Beziehungen zu Ungarn zu erhalten. DaS Haus sei einmütig in dem Wunsche, daß es der serbischen Ration gelingen möge, ttotz schwerer Krisen sichere Grundlagen für seine Entwicklung zu legen. Die Führer der Opposition, oranz Kossuth und Gras Zichi> drucken ihre Zuslimmung za den Worten deS Präsidenten aus. v. Szell erklärt, er wolle sich darauf beschränken, seinem tiefen Schmerze und der Entrüstung über die Schreckenstat Ausdruck zu geben, deren Folgen sich zur Zeit noch nicht übersehen ließen. In Beantwortung einer Anfrage erklärt der Attnisterpraft- dent, es wäre verfrüht, sich hinsichtlich etwaiger Folgen und Veräüdcrungen, die eintreten tonnten, zu äußern. Er wolle nur die Hoffnung ausdrücken, daß keine solche Verwickelung eintreten werde, welche eine Aenderung der ungarischen Politik gegenüber bem Nachbarstaat nötig machen würde. Jeden,alls werde die Negierung darauf bedacht fein, jeder eintretenden Eventualität gegenüber die Interessen des Landes zu wahren. — Einer Meldung der ,/Jicuen Freien Presse" aus Budapest zufolge verstärkte die ungarische Regierung die Grenzbewachung bei
«Ti? «eichen des Königs und der Königin in der letzten Nacht in bet Familiengruft der Obre- Wurden w IIe alten gricdhojcs 5L ffltocuS
ekt Sin^tung rourbe dur-ch lieben Geistliche vor, ntmmtn Tie ^remonic, d.e sich üt aller Stille »oll, La bauetie von halb 2 bis 3 tihr morgens $« ^rge wurden aus einen einfachen Lastwagen gehoben. Tem EondE folgte niemand. Tie L-eichen des SvnigSpaEs waren arg verstümmelt. B e i d e n war in,olge der großen Suclt, mit der sie ans dem »enster in' den Park Yinap. geworfen worden waren, die Wirbelsäule ge
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger "
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. Ibrochen. Reben zahlreichen Schußwunden wiesen sie
Das $>rama von Belgrad. auch Stichwunden auf.
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stand lebhafter diplomatischer Erötterungen zwischen Wien! ^^wan Obrenowitsch, zur Linken Fürst Milan Obreno- und Petersburg. Es handelt sich vor allem um llurst b€I ^ohn des Milosch und Prinz Sergius, ein un- Peter Karageorgiewitsch, dessen Wahl durch die serbische mittelbar nach der Geburt verstorbener Bruder des Königs Volksvertretung unzweifelhaft ist. In Wien hat man allem Alexander. Ter Adjutant Allchael Naumowitsch wurde Anschein nach die Bedenken gegen den Fürsten rasch über- gestern nachmittag begraben.
wunden, denn die offiziöse Presse rühmt ihn bereits als Die Mordtat.
Freund Oesterreichs, gegen den eine Abneigung sich nicht würde rechtfettigen lassen. In Petersburg läßt man sich, wie stets in schwierigen politischen Lagen, Zeit zur Entscheidung. Die russische Presie kargt ja nicht mit den stärksten Ausdrücken der Verurteilung des Belgrader Blutbades. Aber es ist wohl zu beachten, daß dasjenige Petersburger Blatt, wann häufig die Anschauungen der Leitung der auswättigen Politik zum Ausdruck kommen, daß die.Nowoje Wremja' bereits .mildernde Umstände* zur Geltung bringt, indem sie voraus- fttzt, daß hervorragende Vertreter der radikalen Pattei an der Bluttat nicht beteiligt seien. Kurzum, die Diplomatie Oester- reich-UngarnS und Rußlands wird sich verständigen, die ge- schehenen Tatsachen bedauern und den König Peter acceptieren. Wer sich im politischen Getriebe Nerven und Empfinden bewahtt! hat, dem muß daS Eine sich geradezu aufdrängen: die Beobachtung, mit welcher erstaunlichen Kaltblütigkeit die Diplomatie und die Börse über die entsetzlichen Gescheh- nisse hinweggekommen sind. Fast unglaublich schnell fanden sich beide auf den nüchternen Boden praktischer Erwägungen zu- rück, nachdem die erste Bestürzung überwunden war. AuS Äreisen der Hochfinanz wurde versichett, die Wendung sei — .Gefühlsregungen ä part“ — eigentlich eine solche zum Günstigen, denn König Alexander habe der wirtschaftlichen Entivickelung Serbiens im Wege gestanden, und zur Abstoßung der serbischen Wette sei nicht der mindeste Anlaß. Die Diplomatie ihrerseits beschäftigte sich alsbald aufS gründ- lichste mit der Frage, welche weitere Entwickelung der Dinge die zweckmäßigste ist. Die ,Aufrechterhaltung der Drbnung'
auf dem Balkan, darauf kommt eS an. DaS hat gewiß letzten Wahlen zu suchen, manches für sich, daß in so aufgeregten Zeiten die „Balkan- ^Tat gjruber zum Thronfolger „ . ,
Wächter* nicht die GeisteSgegenwatt verlieren, und daß auch strophe beschleunigt. Peter Karageorgiewitsch die Finanzkreisen sich angelegen sein lassen, eine beruhigende König Serbiens.
Auffassung zu verbreiten. Aber, alles in allem, die ,6enti- Serbiens Zukunft.
Mentalität", die Gefühlsregung, ist doch etwas gar zu eilig weiß man immer noch nichts von einer Ab-
überwunden worden. Je mehr Einzelheiten über ^ore r e i f e t> e 3 Prinzen Peter Karageorai ewitsch. günge bekannt werden, um so abscheulicher, medetträchtiger erklärt, vor Montag würde er keine offizielle Mitteilung erscheint das Verhalten der Verschwörer. Die Tat ist mit ^as Wiener „Fremdenblatt" veröffentlicht eine
einer Grausamkeit, Unmenschlichkeit, ja mit einer Unterrebung seines Belgrader Korrespondenten mit dem Vertierung begangen worden, die wenig Beispiele in der neuen MinisterpräfllK'nten Awakumowitsch Ticser
Gcickicbte hat Wo bleibt der Aufschrei der Em- äußerte: ,Lch kam am 11. d. M. ans Alcxinatz zuruck,
iSetcyicyte __bi(beten Welt der sich doch so grell wo ich in einer advokoton chen Angelegenheit tätig war.
pörung der ge amten gebildeten ^ett, oer oo^ ,z« ^urj)e sofort ins Ministerium berufen, -wo mich die
und einmütig erhob bei dem ^emdenmord m lLhm [üSigen Minister erwarteten und über die vollzogene Tat mal hat di° Entrüstung nicht 24 Stunden beteten. Auf ihre Bitte ‘
merkenswert kühl lautete auch das Berliner Idegramm ..
Ar Köln. W. worin der Zuversicht Ausdruck gegeben CT wurde, daß die „serdischen Zuckungen" nickt üder Serbien ||UJ hinausgreifen. Die „dlordd. Allg. Ztg- scheint ttuef) o“ einer ziemlich gelassenen Betrachtung zuruckaekehrt, uibemr sie die Mitteilungen der Meldungen folgendermaßen ein- J^ige wählen oder nicht. Tie Regierung wird ihn leitet: „Heber die entfefeli^en Die | ni(^tw üoJjc^iaQen, sondern diese Aufgabe den Deputierten
unter allen Umständen lebhaftes menschliches Mttgefuyl verlassen. Wir werden bann demissionieren. Eine Ein- Ntil den Opfern der Katastrophe, norn-nttich dem UN- U II . - ~ .. < -------
aliirfließen mngen König wecken müssen, laufen fortgesetzt!
neue Berichte ein, die auf Genauigkeit ui den Sie/ju konst
kaum Anspruch mach«! können, im allgemeinen ftdoch den !
SVraana ziemlich übereinstimmend schildern. Nauern
SStia"0 ^äutschland wird von her Umwälzung in Serbien dauern.
nicht berührt und darf davon nicht berührt werden nach ^elgriid nicht ein Bürger krieg, sondern Ruhe herrscht, denkt den Grundsätzen und Ueberlieserungen unfern man in Wien nttch daran, irgend welchen militäriscken
Polittk. Aber es hat sich inBelgrad eine derl^rKibarsten auszuüben. Noch weniger Grund fei für Mobil-
Tragödien der Menschhett ^esCTt, eim ^ragodie, ^rhanden. Ten «crsick)erungcn Peter Kar a,-
die an den Gruiidlogen der ^ue ^^€«6^1^111 L c e to t Vertretern der Presse gejgenüber, daß
rüttelt Die neuen leitenden Manner m Serbien s e mU Oesterreich auf guten Fuß stellen wolle, wird
bilden eine Gesellschaft von Meuchelmördern und Helsirs- - $(auben geschenkt, und auch heroorgehoben, daß Peter Helfern, darüber kommt man Nicht hinweg. Karageorgiewitsch magyarisch versteht V^rausftchtlich wird
Prinz Peter.Karageorgiewitsch mißbilligchwie erer- [[)m ^kupschttna den Königsthron anbieten und keine klärte, das abscheuliche-Verbrechen aus d^scharftie. „War dagegen Einwendungen erheben, Montenegro etwa
um konnte man das Äcnigypaar nicht ausgenommen, well Fürst Nikolaus mit feinem Schwieger-
die Grenze schicken! Wir leben doch nicht.wit lo. 3 IPverfeindet ist und diesem den Prinzen Mirko vor- huiidert!" Warten wir ab, ver schieben wollte. Eine von serbischen Stud ente-i neben
die Mitschuldigen an diesem abscheulichen Verbrechen u Verschwörung der Offiziere betriebene republika-
nehmen wird, das ferne Plane verwirllichte, für die, nmh^^sche Verschwörung gilt ungefährlich für Kara- Meldungen aus Budapest, eine ungeh-ure Propag°ni>- „ ba8 Wnlgstimn
^rof^anlationen, &lug^^^u^^eTl ufro.getrieben Ji n J Nach Privatmeldungen aus Semlin lauten die Nach-
Müt zum Ucbrigen, day der in Paris lebende^Bruder ^ten^rnst. In der Provinz finden Militär- des kommenden Scrbeiikonigs,Pnnz Arsen, di.. 8 n ruhen statt. Tie Garnison Mm Nisch, welche sich an-
in den Geschicken seines Hauses ^r einer: cmieruanuchWl Belgrad zu marschieren, verweigert der
Bar feierte, wo er ben gan«n Kandckatur des Prinzen La r a g e 0 r g i e w i t s ch chre Zn -
~ wird der „Voss. Ztg. aus Paris mitgeteiu. L-t m m u n g und erklärt, der Neuordnung nicht eher Lu- ' stimmen zu wollen, als bis sä m tlich e Te i ln e h m er der
Verschwörung mit dem Tode bestraft sind.
In Paris wird versichert, daß ein Nachkomme der Familie Obr en 0 w i t sch am Leben ist. Die Mutter desselben, eine Frau Cristitsch, welche mit dem verstorbenen König Mllan in intimen Beziehungen gestanden habe, hält sich gegenroärtig in Konstantinopel auf. Tie Vaterschaft Mllans soll aus mehreren Briefen klar hervorgehen, welche Photographiett und an mehreren Orten in sicherem Gewahrsam niebergetegt feien. . . .
Nach einer Meldung aus Wien smd dort einige Persönlichkeiten aus Belgrad eingetragen, die man für serbische
monailtCbTbVl^ oiertd* ♦fitjrtid) Mk. MO; durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich to Ps.; durch die Post Alk. 2.— vienel- |ät)d- auAld)L BeNellg. Annahme von Anzeigen üt die "taacviiuinmer ti oormuiagi 10 lUjr.
;,etlenpvet<: lokal ll’UU Quorvätt» Bü P1-.
Vera,«wörtlich *üt den pollL und adgem. Teil P- tButfo für .Stadt und tanö' und -Gerichtesaal' «oauft Dötz, füi den lln« jeiqfntrtt: Pans Beck.
Wahl-Bewegung.
— Herr Abg. Köhler-Langsdorf protestiert in einem Schreiben an uns gegen die Behauptung, daß der Platz des Gießener Abgeordneten im Reichstags Hause feit zehn Jahren so gut tote unbese tzl et Er schickt uns eine Liste über die Sitzungstage des Reichstages, denen er seit 1893 seinen „sorgfällig geführten Tagebüchern" zufolge beigewohnt haben will. Tanach hat er allerdings in den drei ersten Jahren feiner p<ulamen- tarischen Tätigkeit einmal in 17, einmal in 30 und einmal in •27 Sitzungen sich gezeigt. Aber bereits im Jahre 1896 beginnt fein parlamentarischer Eifer zu erlöschen. In jenem Jahre verzeichnet seine Liste nur 9 Sitzungen, das folgende Jahr 1897 sogar nur 4, in denen er in Berlin anwesend war. 1898/99 zeigte er sich wieder etwas fleißiger, ui je 10 Sitzungen ist er in jenen Jahren erschienen, 1900 sogar zu ganzen 11. Im Jahre 1901 aber ist er wieder nur zu 7, und 1902 sogar nur zu vier Sitzungen nach Berlin gereift. Ja, wlll denn Herr Köhler ernsthaft dadurch nachweisen, daß er feine Pflicht getan und seinen Wahlkreis wirklich betreten hat? Unseres Erachtens beweist er dadurch das strikte Gegenteil!
t Klein- Linden, 13. Juni. Gestern abend hiell. das liberale Wähltomitee von Gießen im Saale des Gasthauses „zur Burg" eine aut besuchte Wählerversammlung ab. Außer dem Kandidaten Kommerzienrat Hey- ligenftaebt sprachen Reg.-Rat Dr. Metzler, Stadtverordneter Kirch, Oberlehrer Altendorf und Amtsrichter Neuenhagen. Tie sachlichen und zweckentsprechenden Ausführungen der Redner sicherten der Versammlung einen schönen und guten Verlauf und brachte den Gießener Herren den warmen Beifall der Teilnebmer. Am gleichen Abend fand auch in Allendorf a. Lahn eine Wählerversammlung statt, die auch in jeder Weise einen beseitigenden Verlauf nahm. Tort sprachen, außer bem Kandidaten, Prof. Dr. Erb und Meliorationsbaurat Wiß- mann. ,
— Von 185 sozialdemokratischen Kandidaten, deren Beruf sich sestitellen ließ, waren der „Poft" zufolge: Schttftsteller 19, Redakteure 36, Buchdruckereibefitzer 7, Verleger 1, Rechtsanwälte 2, Toktoren ohne nähere Fakultätsangabe 8, Arbeiterfekretäre 7, Sekretäre 2, Verbandsvorstand 1, Parteikafsierer 1, Vereinskasfierer 1, Privatbeamte 2, Stadtverordnete 4, Gauvorstand 1, Magi ftratsrat 1, Gemeinderat 2, Gastwirte 14, Zigarrenfabri- lanten 9, Zigarren Händler 2, Expedienten 4, Lagerhalter 2, Rentier 1, ^iagarnier 1, Kaufleute 4, Händler 1, Fabrikant 1, Geschäftsführer 4, Werkmeister 1, Gutsbesitzer 1, Handwerksmeister 11. In Summa 181 Nich t ar b eiter, zu denen Schriftsteller, Redakteure und Gastwirte die Hmrpit-- konttngente stellen.__________________________________
— Blinde Eifer jucht. „'Dieine Frau wollte kürzlich eiinnal Maggi's Suppenwürze abjchaffen. — „/Absr warum Denn ?“ — „Aus Eifersucht! Weil ich gejagt habe: Ich schwärme für Maggi!'


