ein geführt.
sd. Darmstadt, 12. Aug. Ans den Schießstälrden der Dragoner hinter dem Infanterie-Exerzierplatz ist gestern abend ein- grüße res Feuer ausgebrochen — anscheinend durch Brandstiftung — welches durch ausrückende Abteilungen der Dragoner und Trains alsbald gelöscht werden konnte. — In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer in der Preuß. 5)ess. Eisenbahngemeinschast Ludwig Dern zu Alsfeld auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. August.
Mainz, 10. Aug. Durch Beschluß des Schulvorstandes wurde der hiesigen Hilfsschule ein siebenjähriges Mädchen überwiesen, das ohne Finger geboren wurde. Nur an der linken Hand findet fiel) an der Stelle des «einen Fängers ein Ansatz, mit dem es faßt und auch beim Schreiben den Griffel führt. Auf Verwendung der Lehrerin und des Schularztes hin wird nun für das Kind durch Bandagist Hattendorf eine Vorrichtung konstruiert, um dem Kinde das Schreiben mit der rechten Hand zu ermöglichen.
Zustand in Mazedonien.
Fortgesetzt laufen, wie aus Saloniki gemeldet wird, Meldungen über weitere Zerstörungen von Bahn-Anlagen und Telegraphen-Leitungen ein. Die zur Reparatur ausgesandten Arbeiter mußten unverrichteter Dinge zurückkehren, da sie von den Banden vertrieben wurden. Da auch die Bahn-Angestellten sich weigern, wegen der großen Lebens- gesahr den Dienst weiter zu versehen, hat der Verkehrs-Ehes in Saloniki direkt in Konstantinopel die provisorische Einstellung des Verkehrs beantragt. Der General-Direktor der Bahn begab sich infolgedessen auf die österreichische Botschaft, um Vorstellungen zu erheben. Die letztere ^entsandte einen Sekretär zum Großvezir, um diesem den Fall vorzulegen. Er erklärte jedoch, daß gar kein Grund zur Beunruhigung vorliege und daß er den Behörden m den Wilajets Befehl gegeben habe, alle notwendigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. — Zn Konstantinopel hat die deutsche Botschaft am Montag bei der Pforte Schritte unternommen, um einen wirksamen Schutz für die aufs schwerste bedrohte Saloniki- Monastir-Linie zu erreichen.
Ausland.
Haag, 11. Aug. Prinzgemahl Heinrich reist heute abend nach Mecklenburg, um seine Mutter zu besuchen und den Festlichkeiten in Wismar beizuwohnen, welche aus Anlaß der endgültigen Wiedervereinigung dieser Stadt mit Mecklenburg-Schwerin und dem deutschen Reiche stattfinden.
Wien, 11. Aug. Das Armeeverordnungsblatt meldet die Ernennung des Prinzen Ludwig von Würt-
Prozeß Kuurbert.
In der Dienstage Sitzung je^te der Staatsanwalt Par- mentier das Verfahren in den mit den Crawfords zusammenhängenden Angelegenheiten auseinander. Zeuge Parmentier sagte aus, er habe die Crawfords verschiedene Male gesehen, die Daurignaes spielten keineswegs deren Rolle. Im weiteren Verlause des Verhörs des Anwalts Parmentrer wurde festgestellt, daß dieser in der Tat die Crawfords persönlich nicht gesehen hat. Parmentier beteuert aber seinen guten Glauben und- versichert, er habe ebenso wie alle an das Vorhandensein der Crawfords geglaubt, obwohl er mit ihnen nur auf dem Wege des poste- restante-Verkehrs in Verbindung gewesen sei. — Ter Anwalt der Crawsords, Auzoux, sagt aus, daß diese ihm eine Abschrift der strittigen Testamente übermittelten, und gibt Einzelheiten über die auf richterliche Entscheidung bewirkte Oessnung des Geldschranks. Der Zeuge wird mehrmals durch Therese Humbert unterbrochen. Nach kurzer
Deutsches Keich.
Sw ine münde, 11. Aug. Heute nachmittag um 5.45 Uhr traf die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, bei schönem Wetter nach glücklicher Ueberfahrt hier ein und machte beim Zollschuppen fest. Ein zahlreich versammeltes Publikum brach in lebhafte Hochrufe aus, für die der Kaiser, auf der Kommandobrücke stehend, dankte. „Sleipner" legte bei der „Hohenzollern" an, während „Nymphe" aus der Rhede verblieb. Das Fort schoß beim Eintreffen der Schiffe Salut. Der Kaiser verbleibt die Nacht hier an Bord der „Hohenzoüern". Auf der Fahrt hierher hörte Se. Majestät den Vortrag des Chefs des Marinekabinetls.
Plön, 11. August. Der Kronprinz trat heute nachmittag um 3.40 Uhr von sämtlichen hier weilenden Prinzen nach dem Bahnhofe geleitet, die Rückreise an.
Norderney, 11. Aug. Der Reichskanzler Graf Bülow ist nach Berlin abgereist.
Bremerhaven, 11. Aug. Prinz Rupprecht von Bayern mit Gemahlin ist heute mit dem Lloydschnell- dampfer „Kaiser Wilhelm der Große" auf der Rückkehr von seiner Weltreise hier eingetroffen und alsbald über Bremen nach München weitergereist.
Berlin, 11. August. Bei der von dem Berliner Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins zum Besten der Ueberschwemmten Schlesiens eingerichteten Sammelstelle sind bereits über 4300 Mk. in bar sowie große Sendungen von Kleidungsstücken eingegangen.
Dessau, 11. August. In der Vertrauensmänner- Versammlung der freisinnigen Vereinigung für den Wahlkreis Deffau wurde einstimmig für die Reichstagsersatzwahl der frühere Abgeordnete Schrader ausgestellt, der die Kandidatur angenommen hat.
Buenos Aires, 11. Aug. Der hiesige deutsche Gesandte Frhr. v. Wangenheim ist gestorben.
t em berg zum Rittmeister des 4. Dragonerregiments. — Wegen des Bielekcr Todesmarsches wurden Generalmajor Dragoni von Raben horst, Oberst Gr neu zweig von Eichen sieg und Oberst Toerock de Te lekos von ihren aktiven Dienstposten en t hob en. Das Armeeverordnnugsblatt meldet ferner, daß dem Ober- leumant Ernst Ehmayr vom 12. Infanterieregiment für eine umsichtige und zweckmäßige Durchführung dev unter ungewöhnlichen Verhältnissen statttzehabteu Marsches von Trebinje nach Biele t vom Krre gsmmrstertum mittel)! Dekretes eine Belobigung zuteil wurde.
Budapest, 11. Aug. Die am Donnerstag rn Wien 'tattsindende Audienz des Grasen Khuen - Hedcrv a r y beim Kaiser wird als der erste Schritt zur Lösupg der Krise bezeichnet. Allgemein herrscht die Aufforstung, daß der Lösung bedeutende Schwierigkeiten entge,genstehen, da das von Szell und Khuen-Hedervary bewilligte Maß von Konzessionen in der Armeesrage schwer durchzusetzen^ fetu wird. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß sich die Oppo- sitioii beruhigen wird, falls die Per,önlichleit des tun jti gen Ministerpräsidenten eine Gewähr bietet, daß die Konzessionen in nationalem Geiste durchgeführt und die Reformen ur den ungarischen Regimentern so schnell wie nröglich verwirklicht werden. Die Blätter bezeichnen den ehemaligen Mimper- präsidenten Wekerle und deii Grasen Apponyr als Kandidaten für das Ministerpräsidium, welche am meisten Aussicht haben. ,. .. r j „r
Sofia, 11. Aug. Heute waren hier Ge r u ch t e über die Ermordung des bulgarischen Exarchen verbreitet, fanden aber bisher von keiner Seite Bestätigung.
Belgrad, 11. Aug. Wie bestimmt verlautet, wird der Bruder des Königs, P r i n z A r z e n K a r a g e o r g i e - witsch, welcher der russischen Armee als Oberst angehort, demnächst als e o m m a n d i e r e n d e r General an die Spitze des serbischen Heeres treten. Ihm fällt die Aufgabe zu, die seit dem ^lönigsmord zwischen den serbischen Offizieren Herrschenden Zwistigkeiten beizulegen.
der über die Obergasfe ziehend, die Kermetz erosfnen ,on. 3. Eine jede Kameradschaft möge sich einen Obmann (Präsidenten) wählen, der während der Kirmeß und auch spater innerhalb der Kameradschaft für Handhabung der Ordnung und guten Sitte einzutreten verpflichtet ist. 4 Ebenso lade ich alle Kameradschaften ein, einen gemein,amen Präsidenten der gesamten Jugend von Langsdori zu wählen, dem alle jungen Leute ihr Vertrauen eutgegenzubruigen für ihre Ehre hallen, und der in allen Dmgen dnuug,
Wohlanständigkeiten und gute Sitten innerhalb der Kameradschaften zu fördern und hochzuhalten besugr und verpflichtet sein soll. Die Ortsbehörde lvurde demselben alsdann hierin aufs nachdrücklichste ihre Unterstützung gewähren. Zum Schluß richte ich die dringende Bitte an alle Wohldencenden unserer Gemeinde, deren ge,under Blick von parteiischem Hasse nicht getrübt ist, an dieser Neuorganisation der Langsdorser Jugend, die die Selbstverwaltung und Selbstverantwortlichceit der Jugend bezweckt, mitzu- wirken. Nur dann, wenn die Jugend in Kamerad schäften mit eigener Leitung eingegliedert und sie reibst für ihre Taten verantwortlich gemacht wird, kann die Jugend wieder vernünskigen Zielen zugeführt und wieder zu Zucht, guten Sitten und Wohlan,tä.idigteit zurü-agesührr werden. Die neue Zeit hat die alten Götter gestürzt. Zuchtloser wie je ist die Jugend allenthalben geworden und weder kennt sie noch Scheu vor Gott und den Menschen, noch Ehrfurcht vor Aller, Anselien und Obrigkeit. Darum müssen ihr neue Grenzen gesetzt werden, aber es müssen solche sein, wie sie unsere freigeistige Zeit erfordert, die Selbstverwaltung." Nachbarstaaten. In G e i s e n h ei m warf ein Einwohner seine Schwiegermutter die Treppe hinunter, daß sie das Genick brach. — In Kostheim wurde das Dienstmädchen des Bürgermeisters im Keller infolge einer GaS-Explosion schwer verletzt. — In der Nähe von Waldmichelbach wurde die Leiche eines etwa 30jähr. Mannes mit furchtbar zerschossenem Gesicht aufgefunden. Tie Pistole lag neben dem Selbstmörder. — Am Montag früh verunglückte in einem Werke der Odenwälder H a r t st e i n i n d u st r i e am Roßberg bei Roßdorf ein Arbeiter dadurch, daß derselbe von einer Maschine erfaßt wurde. Ter Verunglückte wurde noch vormittags tot in das Krankenhaus eingevracht. Eine Familie von neun Kindern und Mutter verliert ihren Ernährer. — In T aut enheim bei Alzey hat sich die Frau eines Barbiers vergiftet. —
ß Münster (Kr. Friedberg), 12. Aug. Nächsten Sonntag und Montag wird hier das herkömmliche Kirch weih- f e st begangen, welches auch von den Nachbarorten gern besucht zu werden pflegt.
§ Bergheim bei Ortenberg, 12. Aug. Für unsere Gemarkung ist nunmehr auch das neue Grundbuch und B e r g g ru n d b u ch nach dem Reichs-Jmmobiliarsachenrecht
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 12. August 1903.
** Der Eisenbahnverein Gießen veranstaltet am nächsten Sonntag ein großes Waldfest an der Licher- straße. Der Abmarsch beginnt um 3 Uhr nachmittags von der Licherstraße mit Musik. Zutritt Haden alle Mitglieder des Vereins mit ihrerij Familienangehörigen. Für die Jugend wird ein Karussell auf dem Festplatze aufgestellt werden.
** Kirmeß zu Langsdorf am 16. Augst 1903. Der Bürgermeister zu Langsdorf erließ nach der „Hungener Landpost" folgende Bekanntmachung, die lvegen der darin an gestrebten Verbesserung der Sitten und- der ^Neuorganisation der Jugend zur Selbstverwaltung und Selbstverantwortlichkeit allgemeines Interesse verdient. „Um unserer Kirmeß, die eine Gedächtnisfeier ist zum Andenken an dis vor Jahrhunderten vom Grafen Philipp zu Solms verfügte Freilassung unserer Vorfahren von Leibeigenschaft und greulicher Ltneckstschaft, wieder zu festlicherem Charakter zu verhelfen, richte ich an die Ortseinwohner und insbesondere an die gesamte wohldenkende, gesittete und verständige Jugend von Langsdorf die folgende Bitte: 1. Diejenigen Einwohner, die im Besitze von Fahnen sind, mögen, damit an den Kirmeßtagen ihre Häuser schmücken. 2. Die Jugend von Langsdorf, Burschen und Mädchen, die Schuljugend und auch alle auswärtigen jugendlichen Teilnehmer an unserer Kirmeß mögen sich um 3 Uhr nachmittags vor der Hungener Pforte, auf der Hungener Chaussee, zu einem Festzuge — Radfahrer, Vorreiter, Schuljugend und Mädchen voran, dann die Musik und hernach die Burschen — ordnen,
einen begeisterten Empfang bereiteten. Tie Kaiserin und Königin "lassen hierfür allergnädigsten ^ank sagen. In Allerhöchstem Auftrage bringe ich dies zur öffentlichen Kenntnis. Ter Oberpräsident. In Vertretung Michaelis.
Der Papst
wurde, als er gestern, Dienstag morgen, vor einer großen Zahl Andächtiger die Meste zelebrierte, infolge der schlechteii Luft, die in der ungenügend gelüfteten Kapelle herrschte, von leichtem Unwohlsein befallen. Er tonnte jedoch nach kurzer Ruhe die Kapelle verlassen, und in ferne Gemächer zurückkehren. Ein Arzt aus Venedig, der zugegen war, stellte fest, daß es sich nur um ein vorübergehendes Unwohlsein handelte, das von den Anstrengungen der letzten -rage herrührte, erie für Dienstag festgesetzten Empfänge des östreich-ungarischen Botschafters zur Ueberreichnng des Beglaubigungsschreibens und des gesamten Korps der Nobelgarden zur Beglückwünschung sind verschoben worden, wie verlautet, bis Donnerstag, da Lap- poui dem Papste auch für morgen Ruhe empfohlen hat. D-er Papst begab sich nachmittags in den Garten des Vatt- fan5. — Der „Voce della Verita" zufolge werden seitens des Vatikans Maßregeln getroffen werden, nm das Vetorecht der Mächte für die künftigen Konklave ab- Kuschaffen. _________ _____ ______
Ermordung des russischen Konsuls in Monastir.
Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß zwischen dem russischien Konsul in Monastir und dem dortigen Wali seit einiger Zeit eine scharfe Differenz bestanden haben soll. Beide hatten bei ihren vorgesetzten Behörden beantragt, den anderen abzuberufen. Rostkowski soll, als der Posten ihn nicht grüßte, aus dem Wagen gesprungen jein und dem Posten zwei Ohrfeigen gegeben haben, worauf der Mißhandette den Lwnsul niederschoß. In Monastir wird auf russische Initiative eine große Trauer feier für den Ermordeten ftattfinben, der sämtliche fremden Konsuln beiwohnen werden. — Ein russisches Kriegs)chiff trifft in den nächsten Tagen in Saloniki ein, um die Leiche des Konsuls nacij; Rußland zu bringen.
Burgwällen usw. Diese weisen eine erschreckende Ab-I nähme auf.
In Uebereinstimmung mit Ranke empfahl Redner als in jeder Beziehung mnstergiltig das hessische Denkmalsschutzf- gesetz vom Jahre 1902. Tie erhaltungswürdigen unbeweglichen Tenkmäler werden in ein amtliches Verzeichnis ausgenommen und erlangen damit gesetzlichen Schutz. Eigenmächtige Beschädigungen, ,elbst durch den Besitzer, werden bestraft. Auch steht es dem Staate frei, in gewissen Fällen das Enteignungsversahren einzuleiten. Von allen Funden ist der Behörde Anzeige zu machen. Ausgrabungen bedürfen der Genehmigung und unterliegen besonderen Vorschriften. Auch ist das Enteignungsrecht des Staates für Fundstellen vorgesehen. 2er tKebner sieht den Hauptzweck des Gesetzes nicht in bi cm Zwange, sondern darin, daß es dem Volke seine Pflichten gegen oie Hinterlassenschaft der Vorzeit zum Bewußtsein bringe. — Wichtiger noch als die Gesetzgebung sei eine Organisation des Denkmalschutzes. Es fei nicht gut, für diie Denkmäler der geschichtlichen und der vorgeschichtlichen zeit nur eine Aufsichtsbehörde einzusetzen. Vor allem könne die Pflege der vorgeschichtlichen Denkmäler nicht von der musealen Sammeltätigkeit und der wissenschaftlichen Forschung getrennt werden. Deshalb müßten zu prähistorischen Denkmalspflegern die Vorstände der prähistorischen Museen bestellt und entweder eigene Kommissionen ober besonder. Ausschüsse für Jne vorgeschichtlichen Denkmäler gewählt werden. Zum Schluß beantragt der Vortragende, daß eine Kommissiyn gewählt werde, ine alle einschlägigen Fragen prüfen und der nächstjährigen Versammlung bestimmte Vorschläge unterbreiten ,olle.
Prof. Lissauer (Berlin) venvies auf die Bedeutung der systematischen geographischen Sichtung der prähistorischen Fund stücke nach den einzelnen Typen.
Kais. Notar Welter (Lörchlngen>, Vorstandsmitglied
der Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde in Metz sprach über die Maren, Mar dellen, v o r g e s ch i ch t k i ch e W o h n g r u b e n. Notar Welter führt beide Eittstehungs-Theorien der Mardellen an, um sich für die künstliche auszusprechen. 9tach ihm sind diese zahlreichen Erdvertiefungen zu keinem anderen Zwecke entstanden, als um Menschen zur Wohnung zu dienen. Welter verwirft die Theorie der Erttstehung durch Auslaugung von unterhalb befindlichem Salz- oder Gipslagen, indem er nachweist, daß die Maren sich auch da befinden, wo keine Salz- oder Gipslagen in der Tiefe anzutrefsen sind, ja, auf felsiger Grundlage ruhen. Nachj ihm können Maren ;eoocy, nur ba Vorkommen, wo Ton und Mergel sich am Platze oder in nächster Nähe befinden. Es ist dies das Charakteristische der Aiardelle uno der Welter'schen Theorie. Redner weist nach, wie die Wobngrube entstand, wie sie unterging; begründet es durch Kritik der Fnndornameme bei allen bis dahin ausgegrabenen Mardellen. Er schreibt die Entstehungsperiode der La Tene-Zeit zu und läßt die Mardelle noch weit in die Römerzeit hinein bestehein.
An den gestrigen Vortrag des Prof. Kloatsch (Heidelberg) über das Problem der einfachsten Feuer- fteingeräte schloß sich heute eine lebhafte Erörterung.
Dr. I. Nüesch (Schaffhausen) spricht über Die vorgeschichtlichen Nieberlassurrgen des Di en scheu -Ln ben Jurahöhlen des Randen im Karrton Lchafshausc.n,illsbcsonbere über {eine neue n Grabungen im Keßler lwochbeiThayngen. Nachl den Untersuchungen der berühmten Renntierstation an dem Felsen zum Schweizerbild unternahm er in methodischer Weise die Untersuchung eines mächtigen Schuttkegels vor dem südlichen Eingang in die Höhle zum Keßlerloch. Die sämtlichen mehr als 2000 von Menschenhand bearbeiteten Gegenstände stammen aus der ältesten Steinzeit und geben
uns ein vollständiges Kulturbi!o des Renntierjägers uad), der letzten Eiszeit. Ganz besonders interessant ist die Höhle noch dadurch, baß außer den Knochen und Zähnen von 43 Arten von Tieren, welche als Nahrung den Troglodyten dienten, sich in einer Tiefe von 3 Meter eine, alte Feuerstätte vorfand, aus welcher zahlreiche angebrannte und eal- cinierte Knochen vom Mammut und Rhinoeeros, neben solchen vom Remitier, Wildpferd, Steppenesel, Alpenhase, u. a. lagen. Der beste Beweis dafür, daß diese großen Dickhäuter zurzeit der Höhlenbclvohner existierten und am Nord fuß der Alpen gejagt wurden. Damit hat Dr. Nüesch ben Mammutjäger in der Schweiz entdeckt und nachgewiesen. Ein weiteres großes Interesse nimmt die Höhle zum Keßlerloch noch dadurch in Anspruch, daß in einer Nische derselben menschliche Skelettreste von einem Pygmäen von nur 120 Ctm. Körperhöhe aufgefunden wurden. Seit dem erstmaligen Auffinden von Pygmäen aus der neolithifchen Zeit in der Niederlassung am Schweizerbild find Ucbcrrcfte solch kleiner Menschen der Steinzeit auch in Dachseubüel bei Schaffhausen, an verschiedenen anderen Orten in der Schweiz, in Frankreich, im Elsaß und in Schlesien nachgewiesen worden.
I n g a n z E u r o p a hat daher w ä h r e n d d e r S t e i m zeir eine Zw ergr afse existiert, welche den Rassen- zwergen von Afrika und .Asien an Körperhöhe und gracilem Bau ähnlich war, und welche wahrscheinllch als die Ureim wohncr Europas, sowie die Vorläufer der hoch gewachsenen Varietäten des Menschengeschlechtes betracht t werden muß.
Zum Schluß legte Pros. Stieda (Königsberg i. Pr.) einige menschliche Knochenreste vor, welche durch Lagerung in rotfarbigem Lehmboden diese Farbe vollständig eilige sogen haben.


