Ausgabe 
12.5.1903 Zweites Blatt
 
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womrenen Lerrntnisse praktisch cm zuwend en. Neben der Verwendung im Kriege würde die Sanitätskolonne auch im Frieden, z. B. bei größeren Eisenbahnunfällen. in Tätig­keit treten. Mr hoffen, daß der demnächst erscheinende Aufruf in allen Kreisen unserer Stadt Anklang findet und Männer, welche Lust und Liebe zur Sache haben, der Sani- tätskolonne bei treten. Gleichzeitig machen wir darauf auf­merksam, daß im Berlage von Ruh. Schütz in Berlin NW. der Geh. Obermedizinalrat und Vortragende Rat im preuß. Ministerium Dr. Pistor vortrefflich aus gearbeitete Ta­bellen überbie Behandlung Verunglückter bis zur Ankunft des Arztes" hat erscheinen lassen, die wir allen Samaritern zur Anschaffung empfehlen.

**ft rontmusterung. Brigadekommandeur General­major Graf Kanitz ift aus Darmstadt mit seinem Adju­tanten Oberleut. Frhr. v. Habeln gestern zur Frontmusterung des Reaiments hier eingetroffen und im Hotel Großherzog von Hessen abgeftiegen. Heute früh gab unsere Regiments­kapelle zu Ehren des Generals em Ständchen. General­major Grxis kanitz wird bis Freitag hier verweilen.

* Der VereinContentia" veranstaltete am Sonntag sein erstes ,,S o m m e r f e ft", das wegen des ungünstigen Wetters nicht sehr stark besucht war, jedoch einen schönen Verlaut nahm. Die Kinderspiele mit Preis­verteilung fanden allgemeinen Anklang, auch wurde flott getanzt und lustig um Preise geschossen. Der Verein kann auf ein schönes Fest zurückblicken. Gestern, Montag, wurde das Preisschießen bis 9 Uhr fortgesetzt, dann fand bei heiterster Stimmung die Preisverteilung statt. Als Sieger gingen von 119 Schutzen folgende Herrn hervor: 1. Stud. Hch. Hemsold, 2. Geometer Hch. Damm, 3. Hch. Wenderoth, 4. Stud. Dauber, 5. Wenderoth, 6. H. Stremei, 7. H. Sehrt, 8. A. Kuhnd, 9. Je. Wenderoth, 10. Einj.-freiw. Gümblein, 11., 12. und 13. Geometer Daubert, 14. Kuder, 15. M. Sehrt.

** Vortrag im Cafs Leib. Der Schriftsteller Friedrich Robert aus Hamburg wird seinen VortragWar die Religion nie da§ Ergebnis der Wissenschaft?" heute, Dienstag abend 8x/i Uhr im Eafv Xieib halten. In der gestern verüffenllichten Anzeige war als Termin der Mittwoch angegeben.

(?) Leichenbegängnis. Am 9. d. M. wurde in Bermuthshain der in weiteren Kreisen bekannte Agent, Stellenvermittler und Landwirt Ernst O echter zu Grabe getragen. Er starb in der hiesigen Klinik. Oechler hat ein Alter von nur 40 Jahren erreicht. DemGieß. Anz." ist er eine lange Reihe von Jahren ein fleißiger Mitarbeiter gewesen.

** Nach tigalle n. In vergangener Woche wurde be­obachtet, daß em dtachtigallenpaar im Restaurationsgarten derHeuchelheimer Allihle" sich eingenistet hat. Hoffentlich haben die munteren Sänger nach den drei Eisheiligen, die von gestern ab etwas Abkühlung, sogar mit Gewitter und Regengüssen, gebracht haben bald wieder Sonnenschein. Wir wünschen uns das natürlich auch. Die drei gefürch­teten Herren schellten glücklicherweise oorüberzuziehen, ohne tu das Frühlingsleben besondere empfindliche Schäden zu verursachen.

* Liebig-Dekoration. Eine der Bedeutung des Tages angepaßte SchausensterdckoraNon hat das Delikatessengeschäft von Eberh. Metzger ausgeführt. Aus Aitlaß des 100. Geburtstags Lie­bigs sind im Metzgerscheu großen Erker zwischen Palmen und Blattgewächsen bic künstlerisch ausgeiührten Reklamen der Liebig- rwmpagnie ausgestellt, zwischen deiien in geschickter und wirkungs­voller Weise viele Büchsen mit Fleischextrakt zerstreut sind.

0 Ettingshausen, 9. Mat. Bei der Ecgänzungs- wahl zum Kirchen Vorstand wurden gewählt: Heinrich Serth mit 25, Johannes Keil I. mit 17 und Heinrich Waller mit 12 Stimmen. Als weltliches Mitglied zur Kirchensynode wurde Johannes Keil I. wiedergewählt.

)( Allendors a. d. Lda., 11. Atai. Heute stürzte hier die im Umbau befindliche Scheuer des Balthasar Wießner vollständig zusammen. Das alte Gebäude war von der Stelle gerückt und sell einigen Tagen auf von Zimmerleuten angelegten Suützen gehalten worden. Allmrer waren an der Grundmauer beschäftigt, und der Bauherr befand sich im oberen Teil der Scheuer, wo noch viel Stroh lagerte, als ein verdächtiges Krachen vernehmbar wurde, das alle zur schleunigsten Flucht trieb. ES war gerade Zell, und die in höchster Lebensgefahr Schwebenden wurden vor zähem Tod bewahrt.

Burg-Gemünden, 12. Mai. Das neue Grund- buch nach deut B. G. B ist nun auch für unsere Gemark­ung angelegt, so daß in letzterer von jetzt ab das Reichs- Jmmobiliarsachenrecht zur Anwendung kommt.

§ Burgbrach t, 10. Mai. Gestern feierte Lehrer Eckert hier lln Kreise seiner Kollegen sein 25jähriges Dienftjubiläum.

)-( K'ülzen ha in, 10. Mai. Tas Bezirkskrieger­fest des Berbattdes Ulrichstein flltdet am 21. und 22. Juni hier statt.

§ Butzbach, 12. Mai. Ter früher hier wohnhafte Kaufmann Heinrich Roth, zurzeit in Wetter bei Marburg, hat sein hiesiges an die Weilarer Straße grenzendes Ho i- raite-Au wesen (etwa 1600 Quadratmeter) zum Preise von 24 000 Marl au Weißbindermeister Hasselbach hier ver­kauft. Die Uebcrgabe soll am 1. Oktober er. erfolgen.

Mainz, 10. Mai. Generalfeldmarschall Graf Wal- dersee hält in seiner Eigenschaft als Generalinspekteur der 3. Armeeinspektion am 17. 2Jlat auf dem Großen Sande eine Parade über die gesamte hiesige Garntson. An den Tagen vorher ftnden Inspizterungen der einzelnen Truppenteile stall.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Infolge des andauernden Regen- wetterü hat sich, wie aus Bad Ems gemeldet wird, hinter dem HotelNassauer Hof" eine Felswand von 2000 Kbm. Inhalt gelöst und stürzte zusammen. Menschen sind tticht verunglückt,. auch slltd die Mineralquellen nicht ge­schädigt. In B i e b e r i ch wird das füttfiahrige Töchter- chett des Verwalters Schmidt vermißt. Da das Kind zum letzten Male m Begleitung eines Mannes gesehen wurde, der es in den Schloßpart lockte, nimmt man an, daß an dein Mädchen ein Sittlichkeitsverb rechen begangen worden ist. Jedoch toaren bisher alle Nachforschungen vergeblich.

Die cütBiflfder der ^audesuniverfität.

Gießen, 12. Mai.

In der Aula unserer Umucrfität hat sich heute ein schöner und erhebender Festakt abgespielt, würdig des großen Mannes, der den Namen Gießens in alle Welt und zu allen Völkern getragen hat, würdig auch c»es Jal)rHunderts, das seit des Gelehrten Geburt verflossen ist uni> ein so sichtbares Gepräge seines Schaffens und der djjcimjdjcn Wissenschaft trägt. Liebig ist hier sd)vn einmal l-crvo fragend gefeiert worden, als man ihm in der Ostanlage das sckwne Rlarmoroenkmal septe. Heute, an feinem 100.. Geburtstage, wurden wiederum bantbar

gedenkende Worte gesprochen, die in ihrer einfachen Be- »eutsamkell well über die Grenzen unserer engeren Heimat bringen werden. Um 11 Uhr versammelte sich in der Universitätsaula eine ansehnliche Zahl von Festteilnehmern. Die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden und des Mllitärs waren erschienen, und unter den geladenen Gästen, die zum Tell mll ihren Damen erschienen, waren, heben wir hervor, daß von der Famllie des großen Ge­lehrten an der Feier teilnahmen: Fräulein Marie^von Liebig aus Fritzlar, Liebigs jüngste Tochter, und Fräu­lein Meta Buff aus Gießen, eine Großnichte Liebigs. Die Regierung war vertreten durch die Ministerialräte Weber und Braun, die Technische Hochschule Darmstadt durch Prof. Dr. Schering, die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt durch den Professor Dr. Voigt.

Unter den Klängen des Krönungsmarsches aus der Oper ,S)ie Folkunger" von Kretschmar betraten in feierlichem Zuge Rektor und Senat, sowie die Angehörigen des Lehrkörpers unserer Universität den Saal und nahmen um die mit Lorbeer und gärtnerischen Dekorationen umrahmte Büste des großen Chemikers zu beiden Seiten Platz. Die Aula hatte durch die Gättnerei Karl Becker ein des Tages würdiges Aussehen be­kommen. Die Fahnen der Universität und der studentischen Korporationen waren wirkungsvoll in der Aula aufgestellt.

Nachdem der FrauenchorLaudate pueriu von Men­delssohn-Bartholdy sehr ansprechend vorgetragen vom Aka­demischen Gesangverein unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Trautmann, verklungen war, erhob sich Geheimer Hof­rat Prof. Dr. Naumann zu der Festrede. Wir können sie ;eute nicht mehr ausführlich in unser Blatt bringen, müssen uns vielmehr begnügen, heute nur einiges Wesentliche mitzuteilen, das in unseren seitherigen Liebigaufsätzen noch nicht enthalten war, um in den nächsten Nummern unseres Blattes einen ausführlicheren Auszug zu geben. Geheimrat Naumann teilte mit, daß er als derzeitiger Inhaber des Lehrstuhls Liebigs zu sprechen die Ehre habe und einen umfangreichen Vortrag ausgearbeitet habe, den er aber an dieser Stelle vollständig mitzuteilen sich versagen müsse. Später werde der Vottrag im Druck erscheinen. Interessant war zu hören, daß vieles, was bei Gelegenheit der Einweihung des Denkmals geschrieben worden sei, so z. B. die Anekdoten von Explosionen in Liebigs Jugend, ins Reich der Fabel gehörten. Einige von Liebig selbst in seinen brieflichen Mitteilungen überlieferte Äußerungen charakteri- ieren den großen Mann und fein Leben am besten. Er elbft sprach es aus, daß er in Bonn und Erlangen nur das Bewußtsein seiner Unwisienheit in vielen Dingen erlangt habe, nicht eine sonderliche Förderung seiner chemischen Wissen- chaft. Die biographischen Mitteilungen, so, daß Liebig chon mit 21 Jahren außerordentlicher und im Jahre 1825 bereits ordentlicher Professor in Gießen wurde, sind den Lesern bekannt. Wie Liebig ein weitschauender, praktischer und darum allen kleinlichen Erwägungen abholder und manchmal gegen unberufene Einwendungen heftiger Mann war, daß er in feiner Abwehr oft etwas vom Spott des Dichters Heine entwickeln konnte, das wurde vom Redner mit schönen Worten ausgefühtt. Liebig hat aber auch kämpfen müssen um feine Fortschritte. Das Nähere über die Erweiterungsbauten seines Laboratoriums sowie die inanziellen Unterstützungen, die er bei der Regier­ung durchsetzte, teilen wir später mit. Amüsant war eine heitere Anekdorte, die Beweis ablegt für Liebigs Witz und satyrische Veranlagung. Seine Praktikanten kamen einst zu spät, einer nach dem anderen, zur Arbeitsstelle. Da agte Liebig etwa: Ah, so kommen die Herren, gerade wie reim Filtrieren, Tropf auf Tropf. Gegen seine Fach- genosien war Liebig ein stets liebenswürdiger und bereitwilliger Berater. Wille und Arbett, betonte er, seien für wissenschaftlichen Fortschritt besonders am Platze. Der Vortragende schloß, indem er darlegte, wie ; er ade Gießen, in dessen Mauern Liebig die chern. Wissen- chaft in den Sattel gehoben habe, mit freudigem Stolz >ie Feier seines 100. Geburtstages begehen dürfe.

Nach Geheimrat Naumann und einem Vortrag des Akad. Gesangvereins wurde eine Ehrenpromotton vom Tekan der philos. Fakultät vollzogen. Dabei nahm Prof. Dr. Bar- tholomae das Wort zu ungefähr folgender Ansprache:

Hochansehnlicke Festversammlung! Um dem Tage, an dem es sich zum 100. Male fährt, daß der große Sohn unserer Alma mater, Justus v. Liebig, geboren wurde, eine besondere Weihe zu verleihen, hat die philosophische Fakultät der Landesuniversität be­schlossen, einem Manne, der ganz im Sinne Liebigs allezeit mit Eiier und Erfolg bestrebt war, die Ergebniste der chemischen Wissen­schaften dem gemeinen Wohle dienstbar zu machen, und der mit Gießen und feinem chemischen Institut eng verwachsen ist, ehren­halber die höchste akademisck)e Würde zu verleihen. Kraft meines Amtes ernenne ich als Promotor rite constitutuB den Direktor der elektrochem. Gesellschaft in Fl ix in Spanien, Provinz Tarragona, Herrn Earl Pistor aus Gießen, zum Dr. philos. hon. causa.

Schließlich teilte dar Rettor der Universität, Prof. D. Krüger, der Veifsammulng im Auftrage S. K. H. des Großherzogs mit, daß dieser, als Rektor Magiu- ficentissirnus der Universität ein in O e l gemaltes Bildnis Liebigs nach dem besten im Besitz der Fa­milie des großen Gelehrten befindlichen Bild der Universität Gießen verliehen habe. Ter Rektor knüpfte daran Worte des Tankes und der Freude über die landesoäter- liche Huld und teilte weiter mit, daß das Bild, bei feier­licher Gelegenhell in kurzem überreicht werden solle.

Ein Marsch aus dem OratoriumHerakles" von Händel schloß die Feier in der Aula.

Mittlerweile hatte die Sonne ihre freundlichen Strahlen durch das seither ein wenig mit Regen drohende Gewölk hervollrlicken lassen, und so war die folgende feier­liche Auffahrt tun Liebigdenkmal in der Cftonlage^ vom günstigsten Wetter begleitet Hier um das herrliche Stand­bild versammelte sich wieder eine ansehnliche Bersamm- lung.

Die studentischen Korporationen waren wiederum durch ihre Chargierten vertreten und hatten zu beiden Seiten deS Tenkmals Aufstellung genommen.

So. Magn. der Rektor der Landesuniversität, Professor D. Dr. Krüger, sprach folgende Wolle:

Ter Kranz, mit dem die Geschichte Liebigs Stein geschmückt bat, ist unverwelklich. Tie ^orbeern, die wir heute an seinem Tenkmal nicdertegen, werden vergehen.^ Bleiben wird die dank­bare Erinnerung an fein Wirken imb Schaffen, bleiben die stolze Freude, daß die Ludovuiana den Tlann den Ihren nennen durike, des Name die Welt erfüllt, bleiben das leuchtende Vorbild, das er uns allen gegeben hat. Dessen eingedenk lege id> diesen Kranz im Namen meinet Kollegen am Denkmal l'icbigs nieder.

Auch die Unio. Marburg ließ einen Kranz- nieder­

legen durch den Dekan der hiesigen philosophischen ftantiiäT Dr. Bartholomae.

Ferner wurden noch mit kurzen Ansprachen folgende Kränze niedergelegt: Von der Studentenschaft durch den Vertreter der Nicht-Korporations-Studenten etud. theol. Unverzagt und ein anderer Kranz von einem Vertreter des Gießener 8. 0. Von der Technischen Hochschule in Darmstadt durch Prof. Dr. Schering, von der deutschen Chemischen Gesellschaft durch Prosesior Dr. Elbs und ein Kranz auch von der Frankfurter Akademie.

R. B. Darmstadt, 12. Mai. (Del.) Zur heuttgen Liebigfeier in der Geburrsstadt des berühmten^ ChemllerS ist die Residenz festlich geschmückt. In allen Schulen der Stadt fanoen schon früh morgens Festakte statt, in den beiden Gymnasien und der Lberrealschule, der Viktoria- chule, dem Lehrerinnenseminar usw. wurden Festveran- laltungen abgehalten, bei welchen in Festreden das Leben uno Wirken des großen Toten in würdiger Weise den Scyülem vor Augen geführt wurde. Tas kleine bescheidene Gevurtshaus Liebigs in der großen Kaplaneigasse 30 ist mit frischen Laubgewinden geziert, und in den Xiaben und Auslagen der Geschäfte erblickt man vielfad) das mit Lor­beertranzen umwundene Bild des Gefeierten. Der Haupt­eftakt des Tages begann um 10Hz Uhr im städtischen Saal­bau, der in allen Teilen dicht besetzt war. Unter den Anwesenden befanden sich Se. lönigl. Hoheit der Groß­herzog, das Staatsministerium, zahlreiche Vertreter großer wissenschaftlicher und industtieller Korporationen, wie die Teutsche chemische Gesellschaft, die Deutsche Bun- !engesellsck)ast, der Verein Deutsd)er Chemiker, die Ver­treter des Vereins hessischer Aerzte, des Landwirtschaftsrats usw. und von den näheren Verwandten des Gefeierten bemerkten wir seine Tochter, Frau Geheimrat Thiersd­aus Leipzig, Prof. Dr. Knapp und Gemahlin aus Straß­burg, mehrere Enkel und Entelinnen aus Darmstadt, Mün­den, Leipzig, Magdeburg, Berlin und viele andere. Die Feier begann mit dem großen Orchesterwerk von Joh. Seb. Bach:Tönt ihr Pauken, erschallet Trompeten". Zuerst sprad) Geh. Hofrat Professor Dr. Stödel, indem er im Namen des Rektors und Senats den Großherzog, die zahlreichen Ehrengäste und die Verwandten des Gefeierten begrüßte. Die Festrede hielt Geh. Rat Professor Volhardt, ein früherer Schüler Liebigs. Nach dem U/s stündigen Vor­trag begrüßte Beigeordneter Dr. Glässing die Festversamm­lung namens der Stadt und schmückte die Büste Liebigs mit einem großen Kranz. Geh. Rat Professor Dr. Wagner sprach- dann über Liebigs Verdienste um die Landwirtsd-ast, und Dr. Heil über Liebigs Beziehungen zur Medizin. Mit einer Festhymne vom Hofkapellmeister de Haan schloß die Feier um l1/» Uhr. Um 2 Uhr nachmittags fand ein Festessen unter Beteiligung der Behörden im Saaldau statt. Am Nachmittag folgen Ausfahrt und Huldigung vor dem Liebigsdenkmal der vereinigten Korporationen der Techn. Hochsd)ule und abends allgemeiner Kvmmers im Saalbau.

Vermischtes.

Heber die Entdeckung einer Höllenmaschine an Bord des Dampfers ,Umbria" von der Eunard- Linie aus New-Pork wird von doll noch berichtet: Die Umbria" sollte am Samstag nachmittag abfahren und mit­tags erhielt der Polizeikommissar Greene emcn Brief, in welchem ihm mitgeteilt wird, daß im Eunard-Dock sich eine Kiste mit 100 Pfund Dynamit befinde. Darin fei eine Maschine, die jeden Augenblick eine Explosion Her­vorrufen könne. Die Gesellschaft habe England den Krieg erkläll und die Zerstörung jeden Dampfers, der unter britischer Flagge aus New-Pork abgeht, beschlosien. Der Briesichreiber Namens Pietro Demallmi erhielt den Befehl, das Werk mit der Zerstörung der ,£)ceaniS- zu beginnen, doch fuhren so viele Frauen und Kinder auf dem Schiffe, daß die Gesellschaft ihren Plan noch in letzter Minute änderte. Die Gesellschaft habe beschlossen, den 9tew-Porker Hasen von den englischen Schiffen zu säubern. Die Polizei ließ sofoll die Ladung derUmbria4 durchsuchen und entdeckte eine Kiste, die am Freitag von zwei Italienern aufgegeben war und in der man ein ominöses Ticken Hölle. Die Kiste wurde unverzüglich m den Fluß geworfen und später auf dem Polizeiamt geöffnet Sie enthielt zwei Abteilungen, und in jeder 100 halbpfündige Stäbe Dynamit, sowie ein kompliziertes Uhrwerk und einen elektrischen Zünder, der zwei mtt dem Dynamit verbundene Pulverlunten in Brand setzen konnte. Das Dynamit genügte, um 45 Tonnen Felsen zu sprengen und würde den Boden auch des größten Dampfers einfach weggeblasen haben. Die britische Botschaft in Washington faßt die Bedrohung des britischen Schiffsverkehrs als sehr ernst auf. Die Polizei ermittelte, daß die Kiste in einem grünen Wagen von zwei Italienern auf die Landungsbrücke gebracht wurde. Das Dynamit ist in Pennsylvamen fabriziert, die Batterien stammen aus Ohio, das Uhrwerk ist in Connecticut angefertigt. Tie grapho­logischen Sachverständigen gaben ihr Gutachten dahin ab, daß der Alles von einem gebildeten Amerikaner, der. feine Handschllft zu verstellen suchte, geschlleben sei.

* Görlitz, 12. Mai. In der Nacht stteß ein auf dem Bahnhofe eintreffender Berliner Zug mit einer Loko­motive zusammen. Ein Beamter und ein Train- soldat wurden verletzt.

ttirche und Schule.

DieBerl. Pol. 'Jtadjr." melden: Bischof Korum ge­nehmigte die Erteilung des katholischen Religions­unterrichtes an der neuerrichteten kommunalen höheren Töchterschule in Kreuznach.

Kunst und Wlffcnschnü

Rom, 11. Mai. Nach einer Meldung derTllbuna* ent­deckte der Proiessor an der Universität Padua, Catellna, den Erreger der vuhnercholera. Es ist der Schimmelpilz aus der Fmnilie der Mucideen.

Kandel und Verstestr. Volstüwirtschast.

Berliner Börse vom 11. Mai 1903.

(Mugeteilt von der Bank Tür Handel und Jnduune, Gießen.)

Die neue Woche eröffnete in freundlicherer Stimmung; sowohl die 9lacbrid)tcn über die Lage in Marokko wie auch m Aiacedomen und China lauteten beifer und beeinflußten die Haltung der Börse dementsprechend. Durkemverte bildeten heute das Hauptinteresse der Spekulation, da sowohl hier wie auch in Palls neuerdings günstige Nachrichten betreffs der Unificmmg vorlagen. Bon sonstigen Renten zogen Spanier im Enttlang mit Paris neuerdings an. Bessere i<?ijen beruhte aus Rheinland und Westfalen roirften animierend auf