der Fürsorgeerziehung der aus der Strafhaft entlassenen Personen ausgeworfene Summe von 24 000 Mk. nicht für genügend. — Abg. Hoheisel (Ztr.) wünscht, daß^die konfessionellen Erziehungsanstalren auch wirklich konfessionell bleiben, und daß nicht eine katholische Anstalt von einem Evangelischen geleitet werde.— Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.) bittet, dafür zu sorgen, daß den katholischen Orden, die sich mit Fürsorgeerziehung befaffen, möglichstes Entgegenkommen bewiesen werde. — Minister v. Hammerstein bittet, einstweilen mit Anträgen auf gesetzliche Abänderung des Fürsorge-Gesetzes nicht hervorzutreten. Unter feinen Umständen dürfe natürlich das Gesetz zur Proselytenmacherei benutzt werden. — Abg. Fr. Friedberg geht auf die Vor- kommnisie bei der Untersuchungshaft des Arztes Dr. Schulz in Köln ein. Es sei nicht nötig, daß em in Untersuchungshaft befindlicher Arzt seine Zelle selbst reinigen müsse, und daß er nach Erlegung des Vorschusies für die Selbstbeköstigung zwölf Tage auf die Gewährung der Selbstbeköstigung habe warten müsien. — Ein Re gierungs- kommissar erwidert, die in dieser Angelegenheit ergangenen Gerichtsurteile bewiesen, daß die Kölnische Polizeiver- waltung in geradezu frivoler Weise durch den Arzt und die „Köln. Ztg." verleumdet worden sei.
Die früyere Kronprinzessin von Sachsen.
Tas Erkenntnis des Ehegerichtshofes (vgl. unser heutiges Parlamentsblatt) spricht die völlige Scheidung der kronprinz liehen Ehe aus, und da der König auf sein Bestätigungsrecht verzichtet hat, so erhält das Urteil sofort Rechtskraft. Was hinter den verschlossenen Türen verhandelt worden ist, erfahrt die Oefsentlichkeit zunächst natürlich nicht, aber da nach den amtlichen Bekanntmachungen die Klage des Kronprinzen nur auf Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft gelautet hat, so ist der Antrag auf Scheidung der Ehe vermutlich von feiten des beklagten Teiles, also von der Prinzessin, gestellt worden. Es mußte in diesem Falle nach dem § 1575 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der lautet:
Der Ehegatte, der auf Scheidung zu klagen berechtigt ist, kann statt auf Scheidung auf Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft klagen. Beantragt der andere Ehegatte, daß die Ehe, falls die Klage begründet ist, geschieden wird, so ist auf Scheidung zu erkennen.
das Gericht die Scheidung aussprechen Scheidung „vom Bande" ist ein alter juristischer Ausdruck, wie überhaupt in dieser „Eheirrungs"-Angelegenheit mancherlei besondere und nicht jedem Laien sofort verständliche Ausdrücke zutage getreten sind. Die frühere Kvonprirrzessin ist nunmehr en d- giltig vom sächsischen Königshaus gelöst, kein Recht steht chr mehr zu, als die Herausgabe ihres Heiratsgutes, falls ein solches vorhanden ist, zu verlangen, kein Recht an ihre Kinder, oder auch nur an ein Wiedersehen mit ihnen. Heber die Kosten des Ge- rechtsverfahrens, auch der gesamten Verteidigung, die nach dem Rechtsspruch der Prinzessin zur Last fallen, wird vielleicht eine Einigung in der Stille erzielt werden, übermäßig hoch können sie nicht sein.
So ist durch den Gerichtsspruch die unglückliche Frau tu die frostige Einsamkeit einer Frecheit gefloßen, die sie in unbegreiflicher Verblendung gesucht hat. Man mag Teilnahme mit chr fühlen, die Schuld an chrem Schritt, der nun diese furchtbaren Folgen nach sich gezogen hat, nicht nur bei ihr allein suchen; man mag überzeugt sein, daß, wie alles, auch hier etwaige Ränke und Machenschaften, deren Opfer vielleicht Prinzessin Luise geworden sein mag, zu chrer Zeit an die Sonne kommen werden: An dem Richterspruch läßt sich nicht rütteln, volle Objektivität ist dem Gericht gewahrt gewesen und dem Recht i'st sein Recht geworden.
Die Verurteilte weilt indessen in chrem stillen Winkel tn der Metairie am Genfer See. Die richterliche Entscheidung ist chr schon mitgeteilt worden. Auf besondere Anweisung Lachcnals wird die Prinzessin täglich von Prof. Forel untersucht Zugleich werden vom Direktor Dr. Martin gründliche Beobachtungen angestellt Die beiden Aerzte sollen dann über das sogenannte „seelische Befinden" der Prinzessin ein längeres Gutachten adgeben.
Tie Kronprinzessin ist nicht geisteskrank, dagegen, wie leicht begreiflich, in einer aufgeregten, von Gewissens- gualen und Heimweh gesteigerten seelischen Verstimmung. Die sich jagenden Fehltritte und Enttäuschungen haben ihre Folgen gezeitigt. Aber auch die letzige Isoliertheit und Ruhe befriedigen sie nicht. Sie will heim, nach Dresden, nach Salzburg, um Verzeihung zu bitten und wenigstens im Schatten ihres so jämmerlich verscherzten Glückes zu weilen. Ihr jetziger Zustand ist beklagenswert. Giron, dem sie chre ganze Zukunft opferte, hat mit ihr gespielt, wie die Katze mit der Maus und nun dasselbe frivole Spiel vielleicht schon wieder mit einer andern Dame begonnen. Und Leopold Wölfling, chr Bruder, der hin und wieder von Montreux herkommt, kann ihr auch wenig Mut mib Vertrauen mehr einflößen, da auch ihm ein gut Teil Schuld an der Verführung zu kommt. Wer ist dann noch da in der Umgebung? Alles frenide Gesichter, Insassen der Anstalt, Geisteskranke, Unglückliche. Hier kann und will die Kroiiprinzessin nicht bleiben und setzt deshalb alles daran, um in ernt stilles Heim nach Oesterreich zurückzukehren. Und sobald chr dieses gestattet sein wirb und die persönliche Disposition die Reise erlaubt, wird die Prinzessin den Heimweg antreten, um in einem stillen Plätzchen tn der Zurückgezogenheit zu leben. Das ist ihre beste Wahl, da in Dresden ihrer Wirksamkeit für immer ein Ziel gesetzt ist.
Die Stellung des toskanischen Hofes zu der unglücklichen verirrten Tochter ist noch immer ungeklärt. Die Großherzogin weilt bekanntlich in Wien, doch wird dort vermutet, der Besuch müsse nicht notwendig einer Erörterung über die Verhältnisse der Kronprinzessin gelten, die Anwesenheit der beiben jüngeren Schwestern spreche eher für das Gegenteil. Die Großherzogin reise um diese Zeit alljährlich nach Wien und bringe einige Wochen daselbst zu. Außerdem weilt Kaiser Franz Josef gegenwärtig in Ofenpest. Nach der „N. Fr. Presse" wird betont, daß der Führung der Verhandlungen durch den Wiener Hof nicht nur von toskanischer Seite keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt, sondern daß dies vom Großherzog ausdrücklich gewünscht wurde. Ter Großherzog soll bei dieser Gelegenheit, als es sich um das Eingehen in die Verhandlungen mit den Vertretern der Kronprinzessin handelte, in seinem gebrochenen Deutsch — er spricht mit stark italienischem Anklang — die Aeußerung getan haben: „Ich will von diese deutsche Mensche nichts wissen", womit er jedenfalls die Advokaten meinte. Für die Richtigkeit der Annahme, daß die Führung
der Verhandlungen durch eine Wiener Hofstelle den Wünschen der Eltern der Prinzessin entsprach, wird auch noch die Tatsache angeführt, daß vor etwa acht Tagen ein Schreiben der Prinzessin Luise am Salzburger Hofe eintraf, aus dem zu entnehmen war, daß sie sich in unvorhergesehenen finanziellen Schwierigkeiten befinde, und in dem sie um die Zusendung einer entsprechenden Geldsumme bat, um in den nächsten Wochen ihren Aufwand bestreiten zu können. Dieses Schreiben wurde vom Hofe, da man nicht selbständig einen Drlschluß fassen wollte, unbeantwortet gelassen und nach Wien geschickt, von wo aus dann an den Anwalt der Prinzessin eine entsprechende Weisung abging.
Unverbürgt verlautet, daß die Groß he rzo g in von Toskana nach chrer Rückkunft von Wien, vorausgesetzt, daß chre Reise den gewünschten Erfolg haben sollte, ihre seit Langem geäußerte Absicht, sich nach Cannes zu begeben, aus führen werde. In diesem Falle wäre ein Wiedersehen zwischen Mutter und Tochter nicht ausgeschlossen. Noch unverbürgter ist die Meldung, int Auftrag des toskanischen Hofes werde die Villa des Fürsten Wrede in Sanct Gilgen wohnlich eingerichtet. Man glaubt, daß die Kronprinzessin dort nach ihrer Niederkunft Aufenthalt nehmen werde.
Indessen nimmt die Sache vielleicht abermals eine neue Wendung, da Giron soeben von der Prinzessin selber nach Nyon berufen worden ist, das er allerdings bereits wieder verlassen hat. Es heißt, er wolle mit dem Rechtsanwalt Lachenal darüber beraten, wie am besten einer Internierung der Prinzessin Luise in dem Sanatorium La Metairie bei Nyon vorzubeugen sei. Denn er argwöhnte, daß man dort die Prinzessin für geistesschwach er Hären und ihr dann dasselbe Schicksal bereiten werde, wie der Prinzessin Luise von Belgien. Tie Prinzessin hatte sich, so behauptet man, Giron gegenüber in einem Briefe beunruhigend geäußert und darauf hingewiesen, daß der Aufenthalt in der Heilanstalt, in der zahlreiche Nervenkranke wären, ihren Zustand eher verschlimmern als bessern würde. Diese neue Begegnung mit Giron auf Wunsch der Prinzessin selber muß selbstverständlich nicht nur in Dresden, sondern auch in Wien aufs unangenehmste überrascht haben und wird jedenfalls weitere schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen.
Aus München wird gemeldet: Wie verlautet, hat die Prinzessin Luise in dem Brief an die ihr befreundete Prinzessin Therese von Bayern mit aller Bestimmtheit versichert, das zu erwartende Kind habe den Kronprinzen zum Vater.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 12. Februar 1903.
— Die nächste Sitzung der medizinischen Gesellschaft findet Dienstag den 17. Februar, abends 7 */z Uhr, im Hörsaale des anatomischen Instituts statt. Vortragender: Herr Dr. Koeppe: „Physikalische Diagnostik der Nierentätigkeit." Aerzte sind als Gäste willkommen.
•* Freisinnige Volkspartei. Es wird uns geschrieben: Am vergangenen Sonntag tagte hier im Hotel Viktoria der Vorstand des Bezirks-Verbandes der Freisinnigen Volkspartei für die Provinz Oberhessen. Der Vorstand sah von einer aus Anlaß der Reichstagswahlen für die Provinz zu berufenden Parteiversammlung vorerst ab und zwar mit Rücksicht auf die im März d. I. nach Frankfurt am Main einzuberufende Landesversammlung für Hessen. Es wurde beschloßen, den Parteigenossen zu empfehlen, diese Versammlung zahlreich zu besuchen.
** Kriegerverein. Die gestern abend in der Restauration Feidel abgehaltene Hauptversammlung erfreute sich eines zahlreichen Besuches seitens der Veremsmitglieder. Nachdem der zwecke Vorsitzende die Erschienenen begrüßt hatte, wurde in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst erstattete der Kassierer den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr, aus welchem heroorging, daß der Rechnungsabschluß ein sehr günstiger gewesen ist. Die verzinslich angelegten Gelder sind von 3200 Mk. in 1901 auf 3800 Mk. zu Ende 1902 angewachsen. Außerdem hat der Verein noch 600 Mk., aus den Werningschen Kriegsfestspielen herrührend, zu Unterstützungszwecken zur Verfügung. Der Bericht wurde gutgeheißen und dem Kassier für seine nunmehr 16jährige Mühewaltung herzlichst gedankt. Hierauf trug der Schriftführer den Jahresbericht vor, der über die Vereinstätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahr und über die Mitgliederzahl Auskunft gab. Aus diesem Bericht ging hervor, daß der Verein jetzt etwas über 300 Mitglieder zählt. An Unterstützungen für erkrankte Kameraden sind namhafte Beträge ansgezahlt worden; auch wurden, wie alljährlich, die Kinder verstorbener Kameraden bei der Weihnachtsfeier reichlich bedacht. Aus dem Ueberschuß bei den Kriegsfestspielen sind 17 5 Mk. an Kriegsveteranen verteilt worden. Im abgelaufenen Vereinsjahr wurden 6 Vorträge teils von dem 1. Vorsitzenden, teils von anderen Vereinsmitgliedern gehalten. Diese Vorträge waren fast immer gut besucht. Nachdem nun die Kasfenprüfungs-Kommission gewählt und der Voranschlag für 1903 genehmigt worden war, wurde zur Vorstandswahl geschritten. Die seitherigen Beamten des Vereins, Kamerad Amtsrichter Wiener, 1. Vorsitzender, Bommersheim, 2. Vorsitzender, Dort, Kassier, Mübus, 1. Schriftführer, wurden durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Bei der Wahl der Ausschußmitglieder erhielten die Kameraden Förtsch, Kling, Dörr, Stuhl, Heß, Merkel, Rohleder, Möser, Währum, Sauer, Nickel und Dickors die höchste Stimmenzahl. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und schloß der 2. Vorsitzende die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser und Großherzog.
g. Großen-Linden, 11. Febr. Die hiesige Wald- und Feldjagd wurde vorn Gemeinderat freihändig an ein Konsortium von Landwirten vergeben, wie man erfährt, zu einer Pachtsumme, die etwas geringer ist, als die, welche der seitherige Pächter für die Jagd bezahlt hat. Im Falle einer öffentlichen Versteigerung unserer Jagdgründe wäre zweifellos, schon in Rücksicht auf die günstige Lage (Nähe der Stadt, Bahnstation) und weil diese von guten Jagdrevieren umgeben ist, ein höherer Erlös für die Gemeinde herausgekommen.
in. Lützellinden, 11. Febr. Im vergangenen Jahre hat unsere Gemeinde für Holz aus ihren großen Waldungen zwischen Klein-Linden, Gießen und Großen-Linden, die a n- sehnliche Summe von rund 30000 Mk. gelöst.
n. Dutenhofen, 11. Febr. Wie wir kürzlich berich
teten, soll im Frühjahr ein dritter Lehrer angestellt und ein Schulhausneubau errichtet werden. Der Gemeinderat hat nun aber die Anstellung des dritten Lehrers abgelehnt. Die Regierung wird jedoch auf diesem Beschluß bestehen bleiben.
** Mainz, 11. Febr. Stadtverordneten-Ver- sammlung. . (Sin Gesuch des Gewerkschaftskartells um Uebernahme der Kosten einer Arbeitslosenzählung auf die Stadtkasse gab zu einer längeren Debatte Veranlassung. Namens der sozialpolitischen Deputation war, trotzdem das Gewerkschaftskartell seinen Antrag zurückgezogen hatte, beschlossen worden, eine allgemeine Arbeislosenzählung durch die Reichsregierung zu befürworten, da eine lokale Zählung einen Wert nicht beanspruchen könne, auch müßte eine solche Zählung in kurzen Zeitabschnitten wiederholt werden. Die Bürgermeisterei wird daher ersucht, bei dem nächsten hessischen Städtetag diese Angelegenheit im Sinne der Deputation zur Beschlußfassung zu bringen. — Zur Frage der Sonntagsruhe in den Geschäften hat jetzt auch der evangelische Kirchenvorstand ein Schreiben an die Stadtverordnetenversammlung gerichtet. Es wird darin gebeten, die halbe Stunde von halb 11 bis 11 Uhr dem Geschäftsbetrieb nicht freizugeben, da der evangelische Hauptgottesdienst erst während dieser Zeit zu Ende geht. Im übrigen wird der in Aussicht genommenen Einschränkung der Sonntagsarbeit rückhaltslos zugestimmt. — Die bisher unerkannten Thäter, welche am 5. d. Mts. nachts den von der Musikprobe von Mainz nach Hause gehenden Musiker Jäger überfallen und schwer mißhandelt haben, sind verhaftet worden. Es sind dies drei in Bretzenheim und ein in HechtS- heim wohnende Taglöhner, welche sich nunmehr vor Gericht zu verantworten haben. — Der Bezirksausschuß der Gewerbeoereinsbezirke Mainz-Bingen halte eine Beschwerdeschrift an das Ministerium gerichtet, wegen der baupolizeilichen Geschäftsführung der Kreisämter Mainz- Bingen, besonders wegen verzögerter Erteilung von Baubeschwerden, ferner wurde gerügt, daß in den Landgemeinden des Kreises Mainz bei Neubauten eine doppelte Sockelreoision stattfinde, während dies im Kreise Bingen nicht der Fall sei, und daß sich staatliche Baubeamte bei der Lieferung von Materialien an Gemeinden beteiligten. Ein weiterer Punkt der Beschwerde betraf Arbeitsvergebungen an auswärtige Handwerker und Generalunternehmer. Da diese Beschwerde vom Ministerium als unbegründet zurückgewiesen worden ist, so haben die Mitglieder des Bezirksausschusses in einer Versammlung beschlossen, ihre Mandate in die Hände der Wähler zurückzulegen, damit die Wähler entscheiden können, ob die erwähnte Beschwerde „leichtfertig" war. Das Ministerium ist von dieser Entschließung in Kenntnis gesetzt worden.
Worms, 7. Febr. Die Handelskammer Worms erklärte sich in einem vom Ministerium eingeforderten Gutachten nut dem Entwürfe über die Kaufmannsgerichte im Prinzip einverstanden, hält aber für notwendig, die Maximalgrenze des Jahresarbeitsoerdienstes von 3000 auf 5000 Mk. zu erhöhen. Für den § 3 des Entwurfs schlägt sie folgende Fassung vor: „Die Kaufmannsgerichte sind ohne Rücksicht auf die Höhe des Streitgegenstandes zuständig für Streitigkeiten aus dem Rechtsverhältnisse zwischen rc." Ferner soll ausdrücklich bestimmt werden, daß der Vorsitzende Jurist sein müsse. Auch weiblichen Kaufleuten und Handelsgehilfinnen, die über 25 Jahre alt sind, soll für die Wahl der Beisitzer das aktive Wahlrecht zugesprochen werden. Außerdem tritt die Handelskammer für eine Erhöhung der Berufungssumme von 100 Mk. auf 300 Mk. ein.
Vermischtes.
• Marseille, 11. Febr. Die Oelfabrik von Rocca, in der etwa 100 Arbeiter beschäftigt sind, wurde durch Feuer zerstört.
Kunst und Wissenschaft.
Die Buhn en an gehörigen der Kölner Stadt» theater erlassen eine in der Tonart recht geharnischte und schroffe Erklärung, in welcher sie ihrem Bedauern übet die Handlungsweise der slädtlschen Theaterkommission Ausdruck geben, indem diese „1. Direktor Julius Hofmann erlaubte, von seinem Vertrage unter Anwendung des berüchtigten Kündigungsparagraphen, wonach das gesamte Personal mit Ablauf der Spielzeit entlassen ist, znrückzu- treten; 2. dem neuen Direktor Otto Pnrschian ans Graz keinerlei Verpflichtung auferlegte, die laufenden Verträge in ihrer Gesamtheit und ursprünglichen Fassung zu übernehmen." Die Anstellung der Solomitglieder an den beiden Theatern, sowie die Erneuerung ihrer Verträge erfolgte bisher stets unter Zustimmung und nach den ausdrücklichen Wünschen der städtischen Theaterkoni- mission, derselben Kommission, die Direktor Purichian gestatte, nur einen Bruchteil des entlassenen Personals, und auch diesen nur unter veränderten Bedingungen, teilweise mit verkürzten Gagen, wieder zu engagieren. Die Kommission treffe somit die Hauptschuld dafür, daß eine grobe Anzahl bewährter Darsteller sich in schiverer Sorge um ihre Existenz und Karriere befinde.
Kandel und Verkehr. Kolkswirychasl.
Köln a. Rh., 10. Febr. Der Jahresbericht der Westdeutschen Bodenkreditanstalt über das 9. Geschäftsjahr ist erschieiieii. Tie ordentliche General-Versammlung der Aktionäre findet am 11. März d. Js. statt. Es wird eine' Dividende von 4 l/j pEt. (gegen 4 pCt. im 93.) vorgeschlagen.
Köln, 11. Febr. Sämtliche Kaliwerke, die für die Schwemm' steinfabrilation in Betracht kommen, vereinigten sich zu einem Syndikat. Die Kalkpreise für die diesjährige Geschästszeit wurden von dein Syndikat erhöht.
Hamburg, 11. Febr. Der Schiffsverkehr ^im Hamburger Haien nahm einen derartigen Umfang an, daß Schiffe nur mit außerordentlicher Verzögerung Landungsplätze erhalten könneii. Insonderheit bei der Hamburg-Amerikalinie nahm der Betrieb einen über die vorhandenen Landiingsgelegenheiten weit hmauSgehenden Umfang an, so daß die Gesellschaft, da ihr der vamburgische Staat nicht mehr in genügendem Maße Räume zur Verfügung zu stellen vermag, fortan auch die Altonaer Quais in Anspruch zu nehmen beabsichtigt.
Diskontherabsetzung. Die Reichsbank hat den Diskont» satz von 4 auf 31 2 Proz. und den Lombardzinsiuß von 5 auf 4'/j Proz. herabgesetzt. — Dieser Herabsetzung haben sich angeschlossen die Badische Bank, die Bayrische Notenbank und die S ä ch s i s ch e B a n k. .
Bremer Zigarrcnfabrikcn vorm. Biermann u. Tchorling, Bremen. Tie mit Mk. 2 Ali kl. Aktienkapital und Mk. 516 uuo restlicher Lbligationenschuld arbeitende Gesellschaft erzielte in 1902 nach Alk. 13 670 (i. V. Mk. 14139) Abschreibungen einen Reuige, winli uon Mk. 183 694 (Alt. 213 581), woraus, wie schon berichtet, 8 pEt. (9 pEl.) Dividende verteilt merben. Tas Sager liebt inU Mk. 1 44 Mill., Immobilien in Norddeutschland mit Mk. 0.37 Mtll.,


