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12.1.1903 Erstes Blatt
 
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Die Kumbert-Kffai« vor dem Vntersuchaug»- richter.

Paris, 9. Januar.

Man war auf das erste Verhör der Frau Therese Humbert, daS gestern im Robinet deS Untersuchungsrichters Leydet erfolgte, sehr gespannt, aber die Erwartungen der Wißbegierigen erfüllten sich keineswegs. Ihr Gatte, FrSdöric Humbert, hatte auf die Fragen des Untersuchungsrichters über die Geschäftsführung und beiläufig auch über die Millionen» erbschaft geantwortet, darüber werde seine Frau Rede stehen können, fie wisie eS bester. Er soll auch geäußert haben, er werde nichts sagen, waS gegen seine Frau gedeutet werden könnte, schon um ihrer Tochter willen, und er werde sich auch hüten, seinen Schwägern Romain und Emile Daurignac irgendwie zu schaden.

Emige Blätter, darunter derGauloiS", berichten bos­haft, die deS Betrugs und Schwindels angeklagte Frau Humbert habe beim Eintritt in daS Robinet deS Unter­suchungsrichters nicht nur ihrem Anwolt Henri Robert, son­dern ouch Herrn Leydet mit einem »bonjour, Monsieur Leydet, bonjour", kräftig die Hond geschüttelt. Dos soll ober eine Erfindung sein, denn noch dem »Echo de Paris", doS gern den Schein oufrecht erhält, olS erfreuen sich die Humberts deS Schuhes der Regierung und der Gerichte, steckte der Untersuchungsrichter den Kopf tief in die Akten, ols Frou Humbert den Annäherungsversuch mochte. Sie hot sich im Gefängnis von den Stropozen der Reise und, wie eS scheint, auch von den Sorgen erholt, tritt munter auf und ist kampflustig. Ihre ersten Worte waren für ihre Angehörigen, ihren Gatten, »die Rechtschaffenheit selbst", ihre Brüder und ihre Schwester Maria. Die letztere, sagte sie, hätte sogleich mit ihrer Tochter Eva auf freien Fuß gesetzt werden sollen, denn sie wiste von allem nichts, und ihre Brüder haben ihr in guten Treuen gedient, ohne sich von ihr in die Geschäfte einweihen zu lasten. Sie allein sei verantwortlich, und nur sie, welche ein Opfer war und sich manchmal bis zur Unvorsichtigkeit vor­gewagt hätte, sollte zur Rechenschaft gezogen werden. Man möge nicht nur ihre Schwester, sondern auch den Gatten und die Brüder der Haft entlasten.

»Darum handelt sich nicht,* versetzte der Unter­suchungsrichter, der von Frau Humbert gern näheres Über ihren Lebenslauf erfahren hätte. Sie aber erklärte schlank­weg, man werde erst vor den Geschworenen etwas aus ihrem Munde erfahren. Nun zählte der Untersuchungsrichter auf, was er über ihre Jugend wußte.

»Warum fragen Sie mich denn, da Sie so gut unter­richtet sind," höhnte Frau Humbert. Sie ließ sich nur zu einigen Entgegnungen herbei, als Herr Leydet seine Ver­wunderung darüber äußerte, buj der Vater Humberts, ein angesehener Mann und schon unabsetzbarer Senator, im Jahre 1878 in die Heirat seines Sohnes mit ihr, die älter war als dieser, fein Vermögen, aber eine nicht makellose Ver­gangenheit hatte, willigte. »Fröböckc," erklärte sie, »wohnte damals nicht bei feinen Eltern, und er drang so lange briefiich in feinen Vater, bis dieser die Einwilligung gab."

»DieS wäre wahrscheinlich unterblieben," meinte Herr Leydet, »wenn fie nicht durch List den alten Humbert über­zeugt hätte, daß zwei alleinstehende Frauen sie zur Erbin eingesetzt hatten. AuS diesen zwei Erbschaften wurde bann", fügte er hinzu, »vielleicht mit Hilfe des rechtskundigen Schwiegervaters, die dritte, die Crawford-Erbschaft, welche ihr erlaubte, die großen Anleihen aufzunehmen."

»Ach ja, die Anleihen," rief Frau Humbert aufgeregt. »Davon, von den Wucherern, die mir viermal mehr Geld abgezapft haben, als ich von ihnen erhielt, werde ich später reden, vor den Geschworenen. Dort werde ich sie entlarven und an den Pranger stellen ..."

Ehe sie entlasten wurde, forderte der Aktuar die An­geklagte auf, daS Protokoll zu unterzeichnen.

»Was? Unterzeichnen? Ich habe ja nichts gesagt," wandte sie ein. Aber auf den Rat ihres Anwalts nahm sie endlich die Feder und setzte mit kräftiger Hand ihren NamenSzug darunter.

Vermischtes.

"Berlin, 10. Jan. Der Defraudant Neßler wird anfangs nächster Woche der deutschen Polizeibehörde übergeben und sodann in das Moabiter Untersuchungsgefäng­nis überführt werden. Der 28 Jahre alte Geschäfts­reisende Feodor Rnopf auS München, der sich auf der Durchreise in Berlin befand, wurde gestern Abend im Tier­garten von einem Straßenbahnwagen überfahren und getötet.

" Röln, 8. Jan. Als heute vormittag gegen 12 Uhr ein Boot der Kölner Dampfschiffahrt sich inmitten des Stromes befand, stellte sich ein unbekannter Pastagier auf eine Bank und sprang in den hochgehenden Fluß. Die Rettungs­versuche blieben infolge der starken Strömung erfolglos.

" Hamburg, 10. Jan. Der Mörder der am vorigen Sonntag in einem Hofe in Altona tot aufgefundenen Frau Haase wurde heute von der Altonaer Polizei verhaftet. Es ist ein bereits mehrfach wegen Gewalttätigkeiten vorbe­strafter 19 Jahre alter Schiffsreiniger namens Bittuff.

_ Metz, 8. Jan. Ein Soldat, der bisher in der fran­zösischen Fremdenlegion in Algerien diente, von dieser aber desertierte und nunmehr seiner Militärpflicht genügt, hat dem hiesigen Kriegsgericht die Meldung erstattet, daß ihm am Wachtfeuer in Algerien ein Kamerad ein Geständnis abgelegt habe, daß erderMörder des Gymnasiasten Winter in Könitz sei. Der Soldat in Metz hat ein umfangreiches Material zu Protokoll gegeben unter Angabe einer großen Zahl von Zeugen, die bei dem Wachtfeuer zugegen waren. Das Protokoll und sämtliche Akten sind heute der Staats­anwaltschaft in Könitz übermittelt worden.

Genf, 10. Jan. Andrö Giron, der Geliebte der sächsischen Kronprinzessin, nahm ein Monats-Abonnement für tägliche Eisenbahnfahrt von Lausanne nach Genf. Er reist jeden Morgen nach Genf und kehrt abends nach Lausanne zurück.

"Trient, 9. Jan. Nach einer hier aus Chile ein­gelaufenen Mitteilung besitzt Johann Orth nahe bei Val­paraiso eine große Farm und befindet sich samt seiner Frau wohl. Die Nachbarn kennen ihn unter dem Namen Sonnor Juan. (???)

Marseille, 9. Jan. ®d den gestrigen Pferde- rennen kam eS zu tumultuösen Auftritten infolge eines Unfalles nach einem bei Rennen. Die Menge zerschlug die Tribünen und brach die Umzäunung ab. Die Polizei mußte verstärkt werden und mit blanker Waffe gegen die Menge vorgehen, welche schließlich auseinander getrieben wurde.

* Gin Prozeß um 20 Centimes, also etwa 16 Pfennig, beschäftigt gegenwärtig die Pariser Gerichte gleich- zeittg mit dem Hundert-Millionenschwindel der Humberts. Baron de Sibert verlangt von der Metropolitain-Gesell- schaft den Ersatz für einen kleinen Rinderballon, den sein Knabe nicht in den Wagen der Untergrundbahn hinein- nehmen durste und deshalb stiegen lassen mußte. Das Gericht wird festzustellen haben, ob die Gesellschaft ihren Reisenden das Mitbringen so harmloser Gegenstände, tote eines nicht einmal lenDaren Kinderluftballvns, verbieten kann. Wie auch das Urteil ansfallen mag, jedenfalls ist heute in der Zeit der Luftschiffahrt ein derartiger Prozeß nicht uninteressant.

* Das Roßfleischessen, das der Berliner Tier­schuhverein imLuisenhof" veranstaltete, um den Wohl­geschmack guten Pferdefleisches zu zeigen, war sehr stark besucht. In Hellen Haufen hatten sich die Geladenen ein- gefunden, und durch eine unbewachte Nebentür kamen dazu auch viele Ungeladene, so daß die 616 Plätze sehr schnell sämtlich besetzt waren. Herr Oberbürgermetster Kirschner hatte sein Wusbleiben mit dienstlicher Behinde­rung entschuldigt, und zugleich seine volle Anerkennung für die Veranstaltung ausgesprochen, mit der Bemerkung, daß er als Kind selbst Pferdefleisch mit Genuß gegessen habe. Sein Vater habe damals bei einer Hungersnot eine Anzahl Pferde schlachten lassen und deren Fleisch verteilt. Man sah viele Stadtverordnete, den Fürsten Lwoff mit seiner Gattin Vilma Parlaghy, den Kommerzienrat Kühnemann, Oekonomierat Herter und andere bekannte Persönlichkeiten. In großer Zahl waren Vertreter der Arbeiter-Organi­sationen, der Krankenkassen und vieler Vereine gekommen. Im Namen des Berliner 'Tierschutzvereins begrüßte Herr Regierungsrat v. Seefeld die Gaste und erklärte, man wolle zeigen, daß das Roßsteisch an Nährwert und Ge­schmack anderem Fleisch gleichwertig sei. Der Tierschutz­verein habe ein Interesse daran, daß den Pferden das klägliche LoS erspart werde, das die meisten heute im Alter haben. So lange das Vorurteil gegen Pferdesteisch bestehe, könnten die Pferdeschlachter keine höheren Preise zahlen, und infolgedessen auch keine wertvolleren Pferde ankaufen. Mit dem erhöhten Absatz werde sich auch die Beschaffenheit des in den Handel kommenden Pferdefleisches stetig bessern. Der Redner schloß seine Ausführung mit dem WunscheAuf guten Appetit". Solchen entwickelten die Gäste denn auch in vollstem Maße. Die Kraftbrühe und auch die Pökelzunge, wie das gespickte Filet wurden allgemein gelobt. Die Stimmung der Tafelnden, denen zu dem Mahl sogar noch Freibier gegeben ward, ließ im allgemeinen nichts zu wünschen übrig. Im Vorraum hatte der Verein der Roßschlachter eine Ausstellung von Pferdevierteln, von kaltem Pferdebraten, gepökeltem Pferde­fleisch, Pferdewurst und anderen schönen Dingen veran­staltet, von denen man unentgeltlich Kostproben erhielt und auch größere Einkäufe machen konnte. Hier hörte man vielfach uneingeschränktes Lob und ehrliches Erstaunen darüber, wie gut die Würste u. dgl. m. schmeckten.

Ein vornehmer Banker otte ur. Oberstleutnant Fitz George, ältester Sohn des Herzogs von Cambridge, hat Bankerott gemacht. Die Gläubiger versammelten sich in London, aber wurde vonseiten beß Oberstleutnants kein Anerbieten gemacht. Die Schulden sollen sich auf 33 OOO Pfund Sterling belaufen. Der Hauptgläubiger ist die Firma Cox u. Co., mit einer Forderung von 80 386 Pfund Ster­ling, für die der Firma nichts weiter bleibt als ein Anspruch auf die Oberstleutnantspension des Schuldners.

* Der größte Zirkus auf der Erde. Aus London vom 9. Jan. schreibt man: DaS Geschmackloseste, was der Londoner »Daily Expreß" bisher geleistet hat, ist heute durch die seinem Spezialartikel auß Delhi angefügten Spitz­marken übertroffen worden. Diese lauten: »Barnum ist übertroffen. Delhis größter Zirkus auf der Erde. Gefärbte tanzende Pferde. Barnum ist bekanntlich einer der größten Zirkusbesitzer, den jedes Kind m England kennt. Die Fest­lichkeiten zur Kaiserproklamatton in Indien mit einer Zirkus­vorstellung zu vergleichen, wird aber schwerlich mit dem pa­triotischen Gefühle der Engländer in Einklang gebracht werden können, die sich heute durch den fetten Aufdruck auf denExpreß"-Plakaten verleiten ließen, das Blatt zu kaufen, um die welterschütternde Nachricht, daß Barnum übertroffen sei und in Delhi einen Konkurrenten gefunden habe, in Augenschein zu nehmen.

* Ein Naturwunder. Hänschen (Augenzeuge, tote Onkel seine Perrücke abnimmt): Onkel, hast Du denn Deine Haare so außerordentlich in der Gewalt?

*EinOpfer. Er: Ich sehe nicht ein, warum wir nicht sparen können. Sie: Du hast Recht, ich werde mir von jetzt ab meine Kleider und Hüte selbst machen. Er: Das ist hübsch von Dir. Sie: Und was willst Du tun? Er: Ich werde mir einen Vollbart stehen lassen und mir meine Cigaretten selber drehen!

* Ver schn appt. Gast: Alle Wetter, haben Sie da einen großen Kater! Wirt: Nicht wahr. . . das sind mindestens acht Porttonen! (Lusttge Blätter.)

* Verschämt. Käufer:Von wem haben Sie denn diese schönen großen Kartoffeln bezogen?" Händler:Der Herr will ungenannt bleiben!"

* Gutes Zeichen. Parvenü:Rosa, heut' scheint's ernst zu werden, heut' wird der Graf kommen, um Dich anhalten! Ich seh' schon einige Gläubiger um unsere Villa schleichen!" (Meggendorfer Blätter.)

Vom Exerzierplatz. Feldwebel:Was, Ein­jähriger, Ihnen ist das linke Bein eingeschlafen? Herr, wie können Sie im Dienste mit Ihren Beinen solchen Luxus treiben.

Kunst und Wissenschaft.

Parsisal" ein Oratorium. Folgende Erklärlmg ist ver­schiedenen Zeitungen zugegangen: Wir Unterzeichneten, die wir der Ehre teilhaftig waren, den Umgang des Meisters zu genießen, und seine Absicht abgesehen von seiner öffentlichen Erklärung, sein WerkParsifal" einzig und ausschließlich in Banreuth aufgeführt wissen zu wollen genau kennen, protestieren hiermit gegen die in Amsterdam stattgehabte Gesamtaufführung des Bühnenweihfest­spieles als gegen ein Unternehmen, das im Widerspruch steht zu dem Willen des Meisters und eine Verletzung seiner Kunst bedeutet, insofern, als ein Bühnenweck in der Form eines Oratoriums zur Konzertaufführung gebracht worden ist. Karl Klindworth. Hans Richter. Adolf v. Groß. Emil Heckel. Felix Mottl. Franz Fischer.

E. Fr. Dlafenavp. H. P. Fck>r. v. Wolzoge». Engelbert Humper­dinck. Julius Kniese.

Die berühmteGalerieHenneberg in Zürich soll verkauft werden. Ihr Besitzer, der Seidenfabrikant Henneberg, beabsichtigt, die Schweiz zu verlassen und sich in seine Heimat nach Schlesien zurückzuziehen. Tie Villa am Züttcher Alpenquai mit ber Galerie von Bildern erster Meister im Werte von etwa 1 Million steht nun zum Verkauf. Von Böcklin, Defregger, Lenbach, Prglheim, Menzel und Segantini sind 116 Gemälde tm Preise von 60000 Mk. bis 112 000 Mk. vertreten. Tie Kommission der Gott­fried Keller-Stiftung hat, wie derSchwäb. Meck." meldet, bereits einige Ankäufe gemacht; ebenso schickten verschiedene Museen ihre Vertreter nach Zürich.

Gerichtssaal.

«<l. Darmstadt, 10. Jan. Zwei Zöglinge deS RettungShauseS zu Hähnlein, der 18 Jahre alte Schuhmacher F. CH. B. au« Nieder- Florstadt und der gleichalterige Schuhmacher Wilh. Z. aus Gießen, sind beschuldigt, aus dem Parterre gelegenen Kleiderzimmer sich verschiedene Kleidungsstücke anderer Zöglinge, sowie eine silberne Uhr mit Kette, baares Geld zc. angeeignet zu haben, wofür B. 5 unb Z. 8 Wochen Gefängnis erhält.

Arbeiterbewegung.

Wien, 10. Jan. Vor dem städtischen ArbeitSvermittelungSanst kam es heute nachmittag zwischen demonstrierenden Arbeits­losen und d e r P 0 l i z e i zu heftigen Zusammenstößen. Letztere wurde tätlich insultieck und mußte mit blanker Waffe einschreiten. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Ein Wachmann wurde durch einen Steinwurf verletzt.

Meerane, 10, Jan. Ter seit drei Monaten andauernde Aus st and der hiesigenFabrikweberist dem »Meeraner Tagebl." zufolge heute durch Annahme der zwischen den Weberei- besitzern und der Streikleitung vereinbarten Bedingungen beenbe* worden.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

EmissionSchlotzbrauerei" Kiel, Aktien. Die Anmel­dungen aus obige Aktien, welche u. a. anch bei der Bank für Handel und Industrie, Depositenkasse Gießen, zur Zeichnung auslagen, sind in solcher Höhe eingegangen, daß selbst Anmeldungen, bei Denen sich die Zeichner einer freiwilligen Sperre unterwarfen, nicht voll und solche auf freie Stücke, soweit dieselben nicht ganz ausfallen mußten, nur mit minimalen Beträgen berücksichtigt werden konnten.

Neue Südwest-Afrikanische Siedelungöaesellschast. Unter dieser Firma chat sich in Berlin vor zirka 14 Tagen eine Gesell­schaft m. b. H. gebildet, deren Zweck die Ansiedelung von zicka 16 Buren (u. a. Andrieas de Wet, Maritz re.) und weiterhin auch Reichsdeutschen in Deutsch-Südwestafrika ist. Wie unS geschrieben wird ist der Prospekt von hervorragenden Männern, unter anderen Exz. Geheimrat von Bergmann, Prof. Haffe, Prof. Siemettng, Frei­herr v. Thüngen u. A., zur Zeichnung empfohlen. Das Auswärtige Amt hat sich Exz. von Bergmann gegenüber bereit eckläck, 180 000 Hektar Land zu Mk. 0.50 per Hektar zur Verfügung zu stellen, so­bald das Betriebskapital von zicka Mk. 400 000 gedeckt ist. Die Rentabilität ist dadurch nach sachverständigem Guthaben gesichert. Die Versendung deS Gesellschaftsvertrages unb ber Anmelbungen zu Zeichnungen von mindestens Mk. 5000 für jeden Anteil über­nehmen die Geschäftsführer Dr. E. Th. Förster und AndieaS be Wet in Groß-Lichterfelde bei Berlin, für Süddeutschlanb unb Oester­reich auch bie Deutsche Buren-Zentrale, München 28.

lieber ben nationalökonomischen Einfluß, welcher ben großen beutschen Schiffahrtsgesellschaften inne wohnt, geben einige Ziffern Aufschluß, welche in ber Gegenwart um so wichtiger sind, als verschiebentlich bie Behauptung aufgetreten ist, die beutschen Schiffahrtsgesellschaften nähmen den deutschen Geld- mackt zu sehr in Anspruch. Die Rhedereien haben dem deutschen Mackte mehr Kapitalien zugesühck, als sie ihm entzogen haben. Die letzte Jahreseinnahme jeder der großen Rhedereien wirb mit 100 Millionen Mack kaum überschätzt werden, und zwar sinb bas zum großen Teil Gewinne, welche vom Ausland herrühren und welche ben beutschen Weckten und Fabriken, ben Bergwecken, Nahrungsmittelproduzenten, beutschen Handwerkern, Arbestem unb Seeleuten zugute kommen. Als sprechender Beleg dafür, daß e8 sich hinsichtlich des Personals hierbei nicht um eine geringe An­zahl, sondern um eine ansehnliche Summe handelt, mögen die ein­schlägigen Zahlen des Norddeutschen Lloyd an dieser Stelle Auf­nahme finden. Die Besatzung ber Flotte des Norbdeutschen Lloyb beläuft sich auf über 10 000 Mann. Von biesen kommen 6 500 Per­sonen auf die rein seemännische Schiffsbemannung, von der allein 505 Kapitäne und Schiffsosfizlere und 522 Maschinisten sind. DaS übrige Schiffspersonal, Aerzte, Zahlmeister, Köche und Stewards, ist noch über 3 500 Köpfe stark. Das an Land beschästtgte Personal besteht einschließlich der Direktion ans 320 kaufmännischen und au8 über 2000 technischen Angestellten, Ingenieuren, Weckstättenarbeitern, im Heimatshafen. Dazu kommen noch 6000 Dockarbeiter, Küper und Stauer, die im Heimatshasen und den zahlreichen auswärtigen Häsen für ben Norddeutschen Lloyb tätig sind. Alles in Allem be­schäftigt der Norddeutsche Lloyb in seinen Diensten ein Personal von 18 400 Menschen.

WöchkvMt Aebttßcht der Todesfälle in der Stadt Gießen

53. Woche. Vom 28. Dezember bis 81. Dezember 1902. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militärs

Sterblichkeitsziffer: 14,05, nach Abzug von 4 Ortsfremden: 6,01 °/co.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom L Lebensjahr: 2.15. Iaht

Tuberkulose des

Lungen

1

1

Bronchitis

1(D

KD

Schlagfluß

2

2

Gehirnhautentzündg.

1(D

1(1)

Lebensschwäche

KD

1(1)

Selbstmord

KD

1(1)

Summa:

7(4)

6(3)

1 (1)

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel ber Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Abonnent P. Von einem Abdruck Ihrer Gedichte mfiffen wir leider absehen, ebenso von einerKritik"; damit Sie indessen sehen, wie sehr wir unseren heimatlichen Dichtern entgegenfommen, wollen wir eine Perle Ihrer Sammlungen hier veröffentlichen:

O Welt, rote bist du schaurig, leg' ab das Totenkleid.

Mach mir das Herz nicht traurig, kennst ja mein bitt'res Leid."

Säntiti was ist Säntlw? fragen unsere geehrten Leser. Die Antwort fällt nicht *cwer und sei der guten Sache wegen an dieser Stelle erteilt. Säntis ist der beste Magenbitter, der bis heute auf den Markt gebracht wurde, ein Likör, der als pikantes Genussmittel sich ebenso g-osser Beliebtheit erfreut, wie er als schätzenswertes Heilmittel bei VerdaunngsntSrungen etc. die grössten Erfolge anfznweisen hat. Säntis wird von der Firm Dr. W. Knecht & Co. in Frankfurt a. Jff. hergestdlt und von vielen Aerzten empfohlen Seiner vorzüglichen Eigenschaften halber verdient er warme Empfehlung Probefl. Mk, 1., grosse Flasche Mk. 2.50. Ueberallerhältlich. Vertreter; Ch. Ludwig Themas, Bahnhofstr. 87. 482