Ausgabe 
11.7.1903 Drittes Blatt
 
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Nr. 160

triftet»* tägttft außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesfischen Landwirt die Giessener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Der» lag der Brüh l *140« Untvers^Buch- «. Stetu»

Gchulftratze 7.

Adresse für Deoeschenr Anzeiger Gießen. Fernfprechanschlnß Nr.öl.

Drittes Matt.

1S3. Jahrgang

Samstag 11. Juli 1903

MehenerAnzeiger

General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giessen

Bezugspreis, monatliches Pf^ viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel« lährl. ausschl. Bestellg. Lnnahrne von Anzeigen ür die TageSnummer dis vormMagS 10 Uhr. ZeilenpreiSr lokal U Pf- auswärts 20 Psg.

Berautwortlift für den poltt and allgem. Teil: P. öttttoi für , Stadt und ßcmlr und .Gerichtösaaf: August Götz; für den An­zeigenteil: Han- Beck.

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Sitzung der Stadtverordneten.

P. GieHrn, 9. Klli.

^Schluß.)

Bei der Submission Mr Aus führ uug d^r Weitz- Kinderarbeiten in der städtischen Ka ferne war WeitzbinderMeister Kah-lerurann unter 15 Konkurrenten der billigste. Das StoL-tbauamt schlagt vor, diese Arbeit dem nLchstbMgsten Weißbnrderweister Wagner zu über­tragen. Bcmdeputxrtiou und SbÄriver ordnete waren aber der Ansicht, daß kein Grund vorliege, diese Arbeit dem Billigsten nicht zu übergeben, und es wurde beschlösse::, dieselbe Kohlermann zu übertragen.

Ber dem Ausschreiben zur Pflasterung eines Teiles der Hamm st ratze ist .Pflastermeister Hofmanu mit 579.90 Mark Mindestfordernder geblieben. Obschon der Kostenvor- an schlag für diese Arbeit nur 548 ML vorsieht, beschließt die Versammlung, Hofmann die Arbeit zu übertragen.

Die Heyligenstaedtsche Dampfstraßenwalze ist bis zum Herbst für den Kreis in Anspruch genommen. Du Firma Scheid-Limburg hat sich bereit erklärt, pro Stmrde zu 4.40 Mk. der Stadt chre Dampf-Straßenwalze zur Ver­fügung zu stellen, wenn diele mindestens 10 Tage zu je 13 Stunden Arbeit für die Walze hat. Die Versammlung erklärt sich mit diesem Angebot einverstanden.

Die Baug esuche der B äug en o s s en schäft des evangelischen Arbeitervereins für den Wetzlarer­weg sind zurückgezogen worden.

Zur Durchführung des genehmigten Fluchtlinien- plaues inderMarb ur gerftratze beantragt die Baw- deputatiou, die Versammlung wolle ihre Zustimmung geben Mr Enteignung des erforderlichen Geländes, da die Be­sitzer, denen die Stadt für den Quadratmeter 6 Mk. geboten hat, teilweise 10 Mk. dafür verlangten. Stadtv. Hanau ist der Ansicht daß die Forderung von 10 Mk. nicht zu hoch ser. Wenn die Stadt an Kalbfleisch diesen Betrag gegeben habe, könne sie au Puth, der gegenüber Gelände besitzt, nicht weniger gebe». Der Oberbürgermeister bemerkt hierzu, frei Kalbfleisch sei Gelände in der ganzen Tiefe des Grundstücks zur Anlage einer Querstraße abgetreten, bei Puth handele es sich aber nur um einen schmalen Streifen VordergelLnde. Stadtv. £56 er erklärt, 6 Mk. sei ein an­nehmbares Gebot. Die Versammlung erklärt sich mit der Nachsuchuutz der Enteignung einverstanden.

Einem Gesuch von Konrad Rübsamen um Gestatt­ung von Kieslagerung auf einem Teile des Schweine­marktes wird stattgegeben.

Mit dem erfolgten Anschluß des neuen Friedhofes, des Armeumntes und des Hochbauamtes an das Fernsprechnetz, dessen Lotwendigkeit der Oberbürgermeister nachweist und begründe^ erklären die Stadtverordneten sich nachträglich eüwerstaudeu.

Die erfolgte Ausführung der Verlängerung der städti- scheu Gasleitung in der Nodheime rstratze, für die bereits früher 1300 ML vorgesehen sind, findet nach­träglich die Billigung der Versammlung, ebenso ist dieselbe mit der bereits ausgeführten Wellerführung von Gas- und Wasserleitung in der Landmaun ft ratze einverstcurden.

Die evangelische Kirch eng em ein de weist dar­aus hin, daß auf dem Wege zwischen der Johanneskirche und dem Schoorgraben des Abends junge Bursche und Mäd­chen allerlei Unfug treiben. Es wird beantragt, die Stadt wolle zur besseren Beleuchtung des Platzes, um das Treiben besser überwachen zu können, eine GaÄaterue auf stellen. I

Das Gas- und Wasserwerk hat festgestellt, daß die Verlegung der Gasleitung und die Aufstellung einer Gaslaterne 220 Mark erfordern würde, daß aber die Unterhaltung der La­terne pro Jahr eine Ausgabe von 67 M. erfordere. Die Direktion des Gas- und Wasserwerks ist der Ansicht, daß eine Beleuchtung des betreffenden Weges nicht erforderlich sei, wenigstens nicht im Interesse der Stadt liege, da der Weg hinter der Kirche kein öffentlicher sei und in der Dunkelheit auch von niemand begangen werde. Die Deputation schlägt vor, die Laterne dort auszustellen und als Richtlaterne zu unterhallen, wenn die Kirchengemeinde die Unterhaltungs­kosten mit 67 Mk. pro Jahr zu zahlen übernimmt. Stadtv. Krumm hält es für Sache der Stadt, für Ordnung inner­halb der Stadt zu sorgen. Die Kirche sei nicht dazu da, die Kosten der Beleuchtung jenes Platzes zu tragen, damit endlich einmal die zum Himmel schreienden Zustände hinter der Kirche ein Ende finden; es sei der Berus der politischen Gemeinde, für Zucht und Ordnung einzutreten. Stadtv. L ö b e r meint, es könne der Stadt auf 67 Mk. das Jahr nicht ankommen, wenn damit bessere sittliche Zustände geschaffen werden. Stadtv. Heichelheim spricht sich dahin aus, daß es Sache der Polizei sei, hier Wandel zu schaffen, wenn in der Dunkelheit die Sache hinter der Johanneskllche wirklich so schlimm fei, wie hier behauptet wird. Stadtv. Schaff st aedt will den Weg durch ein Gitter abgeschlossen haben, das ja bei Tage offen sein kann. Es gäbe noch Hunderte solch dunkler Ecken in der Stadt, man tonne doch, nicht 100 Laternen aufstellen, um diese zu beleuchten. Stadtv. Wallenfels erllärt, daß vor der Kirche mindestens eine Laterne zu viel stehe, man könne eine davon an den bezeich­neten dunllen Platz verlegen, dann werde die Sache ihre Erledigung gesunden haben. Der Oberbürgermeister schlagt eine Lokalbesichtigung vor, womit die Versammlung ein­verstanden ist.

Zur Vergütung au die Schutzmannsch a st für die Fortführung der Personenstandsaufnahme werden 300 Mark verlangt und bewilligt. Stadtv. I u g h a r d t wünscht, daß die Beamten sorgsamer diese Aufnahme machen. Es sei durch eine anonyme Anzeige bekannt geworden, daß jemand 2 Jahre lang keine Steuern bezahlt habe. Der Obe rbürg er meiste r weist darauf hin, daß ja ein Ver­sehen überall einmal vorkommen tonne, er hoffe, daß mit Einrichtung eines in Aussicht stehenden besonderen Scheuer­bureaus solche Versehen nicht mehr Vorkommen.

Die nachstehenden nicht auftber Tagesordnung stehenden Gegenstände werden wie folgt erledigt:

Dem Bauunternehmer Scheppelmann wird ein An­bau an seinem am Wißmarerweg stehenden Backsteinmacher­häuschen genehmigt (Dispenserteilung).

Für die Verlängerung der'Bismarck st raße wird die Fortführung der Gas- und Wasserleitung be­schlossen-

Baumeister Gerbet vom Hochbauamt, Bautechniker Köhler vom Diefbauanlle und Stadtkassenrechner Doepfer bitten je um 3 Wochen Urlaub, der bewilliget wrrd.

Die Rechnung des Gas- und Wasserwerks für 1901/02 findet Genehmigung.

Der VereinEontentia" wünscht im Verein mit vier anderen Wohllätigkeitsvereinen die Ueberlassung des Philosophenwaldes am 2. August d. I., in dem­selben Umfange, wie der Wald zu dem Jugendseste freige­geben wird. Ebenso wird die Ueberlassung der Spiele, welche für die Jugendfeste von der Stadt angeschafft sind, von den Vereinen erbeten. Die Stadtverordneten beschließen, den

gende Löwin.

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Famüien-Nachrichten.

Geborene: Eine Tochter dem Heinrich Bücking in Alsfeld. Gestorbene: Geh. Finanzrat Karl Weil in Darmstadt.

Warnung 1

Die meisten Nachahmungen von Dr. Hommels Haematoge» werden, um das D. K. P. Mo. 81,391 zu umgeben, mit Zuhilfenahme von Aether bereitet, ein Zusatz, der insbesondere" ftfr Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das aetherfreie Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausdrücklich Dr. Homme! s Haematogen und achte auf die Schutzmarke »8äu-

Wald unter den üblichen Bedingungen den bez. Vereinen zu überlassen.

Ein Antrag von Ehr. Rühl um Erlaubnis zur Auf­hellung eines Grabdenkmals auf dem alten Friedhöfe und die dadurch nötig werdende Durchbrechung einer Mauer wird abgelehnt. t

Eine Rechnung von 422 Mark des Pflastermeisters Hof­mann für ausgeführte Reparaturpflasterung wird nachträglich von den Stadtverordneten gutgeheißen.

Zur Tagesordnung zurückkehrend, beschließen die Stadt­verordneten, am 30. Juli die letzte Sitzung vor den Ferien abzuhalten.

Ein Gesuch um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb des Kaufmanns Fried r. Kopp für das Haus Bismarck­straße 30, wird wegen des Mangels eines Bedürfnisses nicht befürwortet.

Befürwortet werden die Gesuche um Wirtschaftserlaub-- nis des Ph. Hofmann, Wetzsteinstraße 14. (Derselbe will bauen und provisorisch in einer Scheuer Flaschenbierhandel betreiben), des Joh. Georg Seipp für die Liebigs- höhe und des Hch. Koch für das Haus Wallthorstraße 28.

Auszug aus Sku Kircheubüchers der Staat Gjetzru.

Evangelische Gemeinde.

Getraute. Matthäusgemeinde. Den 27. Juni. gakob Christian Heinrich Ott, Händler zu Gießen, und Anna Marie bermann, Tochter des verstorbenen Schneiders Heinrich Obermann zu Wiera, Kreis Ziegenhain. Lukasgemeinde. Den 27. Juni. Otto Emil Brinkmann, Kaufmann in Zürich, und Lina Aurelia Maria Elisabeche Möller, Tochter des Rentners Adolf Möller zu Gießen. Johannesgemeinde. Den 27. Juni. Justus Reinhard August Wilhelm Schmitt, Glastrmeister zu Gießen, und Anna Elisabeths Manch Tochter des Privatmannes Philipv Manck zu Gießen.

Getaufte. Matthäusgemeinde. Den 1. Juli. Dem Brauer Emil Mäßler eine Tochter, Martha, geboren den 9. Mai. Luk as g emeind e. Den 24. Juni. Dem Großh. Forft- asfesfor Dr. Weber ein Sohn, Werner Jakob, geboren den 17. Oktober 1902. Den 28. Juni. Dem Eisenbahn- Werkmeister-Diätar Konrad Fricke eine Tochter, Therese Minna Frieda Erna, geboren den 11. April. Johannesgemeinde. Den 28. Juni. Dem Taglöhner Heinrich Arnold eine Tochter, Marie Katharme, geboren den 14. Mai. Denselben. DemMusikalienhärrdler Ernst Challier jun. eine Tochter, Anna Frieda Gertrude Margarethe, geboren den 30. Mai.

Beerdigte. Markusgemeinde. Den 27. Juni. Jakob Wacker, Schreinermeister, ein Wittwer, 66 Jahre all, starb den 25. Jrmi.

mnnngi soiiea

Technikum Jlmenau Ingenieure, -Teohelker und -WerkmHeter.

StaatekoKunissar.

Merlei aus Deutschlands SchaHkästlciu.

(Nach-rmck verboten.)

Nürnberg einst »ntz jetzt. Alte und neue Bemmen. Iu dm Kirchen. Bei Hans Sachs und im Tucherfchlstzcheu. Ans der Burg und im DLrerhauS.

I»Deutschlands Schatzkästlein" herrscht ein geschäfti­ges Treiben. Gnirlcmden und Kränke schmücken manch Uvrklein, bayrische und reichsdeutsche Banner stehen hinter den Fenstern zum Aushängen bereit, und der große Fest­platz mit seinen stolzen Ehrenpforten ist fertig. Denn in wenig Tagen halten deutsche Turner aus clllen Gauen, ia auch von jenseits desgroßen Heringsteiches", ihren Einzug in die alte Noris und ringen um das Eichenreis des Sieges. Wer N,ü r n b c r g zum ersten Male sieht, muß seine Vorstellungen von diesem lieben alten Meistersrnger­best stark retouchieren; denn so ganz die mittelallerliche Stadt, wie sie die Phantasie uns meist vorgezaubert hat, ist sie nicht mehr. Manch moderner Bau drängt sich zivischetl die würdigen alten Zeugen einer stolzen Ver­gangenheit, und das nervbse Treiben der elektrisch be­leuchteten Großstadt mit Trambahnen und Hotelwagen, Equipagen, Automobilen und alten möglichen Fahrrädern, fleht in einem wunderlichen Gegensatz zu den grauen Zwinger türmen und hochgiebeligen Häusern. Wer sobald 2u diese erste Enttäuschung glücklich überwunden hast, packt Dich schnell der Zauber der schönen stattlichen Neste cner Zeit, in der Nürnberg der Mittelpunkt deutschen Hleißes und deutscher Kunst gewesen! Die alte Pegnitz- stadt mit ihren an den Süden gemahnenden Brücken ist so recht die Stadt der Brunrren und Brünnlein. Wo sich ein Plätzchen auftut, sprudelt cncch ein Wasser und zwar in ost recht künstlerischer Weise, oft mit drolligem H>umor gefaßt. Der berühmtesck)öne Brunnen" auf dem Markt­platz aus dem Eride des 14. Jahrhunderts wird augen­blicklich neu aufgebaut und kann sich daher den Turrcern mit feinen Kurfürsten und Propheten nicht präsentieren; (fber der mit naiver Heiterkeit ausgestatteteTugend- Wnnrit", der etwa 200 Jahre später entstand, zeigt die

uocktbusigen, wasserspendenden Frauengestalten als Ver­körperungen der Tugenden mit der über ihnen thrmienden Gerechtigkeit in allem Glanze. Auf dem Obstmarkt, in­mitten der ftünkischeu Obstweib lein, die viel netter und bescheidener sind als unsere forschen Werderinnen in Berlin,' schaut das Gänsemünnlein durch sein schmiede- eisernes Gitter auf das Marktgewuhil, und in den Höfen des Rathauses fällt besonders der Apollobrunnen aus, der noch von Peter Bischer stammt nnb erst vor sieben Jahren aus dem berühmtenGermanischen Museum" dem Leber: und Treiben der Stadt wieder zurückgeschenkt wurde. Weiterhin findet man, schon im Revier Hans Sachsens, den Dudolsackspfeiferboumren, ferner den zu Ehren des Nürn­berger Dialektdichters Grübel errichteten Grübelbrunnerr und manchen anderen mehr. Auch Peter Henlein, der Erfinder der Taschenuhren,Nürnberger Eierlein" ge­heißen, soll demnächst sein Brünnleiu bekommen. In den Kirchen zieht uns manch Krmstwerk von Adam Kraft und Veit Stotz, besonders fteilich das Kleinod Peter Bischer- schen Schaffens, das Sebckldusgrab in der Sebalduskrrche, an, die jetzt zur Hälfte wegen eines gewaltigen, große Kosten erforderrrden Ausbaues gesperrt ist. Man ist eben in Nürnberg eifrig dabei, alles zu erhalten, was cm die Zeiten der höchsten Blüte der Stadt gemahnt, ein Streben, das nicht immer vorhanden war, aber in ferner jetzigen Beharrlichkeit manch anderem Orte zum Vorbild dienen könnte. In der Sebalduskirche kam ich zu einem Führer, der sich^ mit vipevahnlicher Geschäftigkeit an mich hängte, um! mir Nürnberg zu zeigen, das ich von ftüheren Besuchen her ganz gut kannte. Ich ließ ihn gewähren und schwatzen. Ta er im Theaterchor mitwirkte, wußte er sehr gut über dieMeistersinger" Richard Wagners Bescheid uiü> leitete mich nicht wenig stolz an die Hinterfront von Hans Sachs' Haus, die in Bayreuth und anderswo als Modell für das Straßenbild in denMeistersingern" beautzt wor­den ist. Dann gingS zu Tuchers Jaadschlößchen, das am besten in ganz Nürnberg ein echtes Bild aus alten Tagen gießt, da durch Diele Generationen hindurch alles mit pietätvollem Verständnis erhalten geblieben ist, ohne außer Gebrauch getommen zu sein. Ätau träumt in diesen

I Zimmern mit ihrem braunen Getäfel, den festgefügten alten Tischen und Lehnstühlen und den nachgedunkelten Malereien, viel kösllicher von 111Väterzeiten, als im schön­sten und reichsten Museum, das durch die Fülle des Er­haltenen und Aufgestapellen zu keiner einheitlichen Stim­mung gelangen läßt. Da mein Figaro Durst hätte, gings auf einen Sprmtg insBratwurstglöckle", einem Schänk- stübilein aus Albrecht Durers und früheren Tagen, das geschwisterlich an die sonst fteistehende Moritzkapelle an- gebaut ist und ein schönes Zeugnis von der Harmlosigkeit aller Zeiten ablegt. In dem engen Raum herrscht ein eifriger Bier- und Bratwurstbetrieb, weswegen die Reise­snobs aller Nationen hier auch viel lieber hocken, wo Albrecht Dürer gezecht, als dort, wo er gesonnen und ge­arbeitet hat. Auf her Birrg, die einst der Sitz der zollern- schen Burggrafen gewesen, gewinnt man einen überraschen­den Rundblick auf das weichiu ausgedehnte moderne W'rn- berg, von dem die Fremden, die nur dasalte" Nürnberg sehen wollen, gewöhnlich gar keine Vorstellung haben. Sensationsbedürftige Seelen versäumen nicht, hier auch der Folterkammer ihren Besuch abzustatten, und sich mit wonnigem Gruseln erllären zu lassen, auf wie verschiedene Art unsere Altvodern ihre Ätitmenschen gequält und ge­martert haben. Dem abholde Naturen aber wandert! end­lich ins Dürerhaus, das in zweien seiner Stockwerke die Fülle Albrecht Dürerschen Fleißes und Könnens in liebe­voll gesammelten Originalen und Nachbildungen zeigt. Ein ebenso hübsches wie liebenswertes Nürnberger Maler- kind besorgt hier in anmutiger Weise die Obliegenheiten der Beschließerin und trägt durch ihre ktrappen aber treff­sicheren Erläuterungen, die wohltuend von dem gewohnten Lakaien-Sermon in Schlössern und Museen abstechen, nicht wenig dazu bei, den Besuch des alten Dürerhaules als Höhepunkt Nürabergisa)er Streifzüge zu gestalten. An ihr hätte Meister Dürer ganz sicher ein hohes Wohlgefallen gefunden. Die Nürnberger Stadtkinder von heute fteilich scheinen die Augen des Meisters nicht geerbt zu Haden, denn der Goldfinger an der Linken war leer. Oder sind im Dürerhaus die Körbe billig'? ... A. R.