ziehen. „Dabei sollen die Truppen im öffentlichen Inter- effe Dienste leisten, bei Wegebauten, bei dem Errichten von Regierungsgebäuden, Befestigungen und dergleichen." Tas vorgeschlagene Mittel könnte recht gute Dienste leisten, wenn wir nur wüßten, wer die Unterhaltungskosten dieser Negerarmee übernehmen soll!"
ES wäre wohl überhaupt angebracht, wenn unsere schwarzen Staatsbürger auch einen Teil der Kolonialkosten übernehmen würden. Eine gereckte Verteilung dieser Steuerlast auf alle Erwachsene und die Forderung, sie nicht in Naturalien, sondern in Geld zu leisten, wird jeden Steuerzahler nötigen, eine Zeit lang sich bei einem weißen Manne zu verdingen, um mindestens soviel Geld zu verdienen, wie er (Steuern zu zahlen hat. Eine ganze Anzahl whrde aber, wenn sie erst den Wert des Geldes begriffen hatte, länger in Arbeit bleiben, denn der Neger ist durchaus nicht so träge, wie er geschildert wird. Die grausamen Sklavenjagden und zahlreichen Kriege in manchen Gegenden Afrikas haben allerdings die Bevölkerung daran gehindert, Land zu roden und zu bebauen. Es gibt aber c^uch Teile, die sogar die Früchte ihres Fleißes exportieren. Der Liberiakafsee, Palmöl und Kopra, die von Westafrika ausgeführt werden, sind Erzeugnisse des Land- baues, den Eingeborene treiben, Körner, Reis und Kopra tonunen auch aus Afrika zur Ausfuhr.
Aus Südafrika ist bekannt, daß die Eingeborenen ohne direkten Zwang arbeiten, ja auch willig sind, bei Europäern zu dienen, wenn sie genügend Lohn erhalten. In den Gold- und Diamantbergwerken treten jährlich ungefähr 1OOOOO Schwarze in Arbeit, und zwar ohne Zwang.
Die Arbeitsfrage unserer Kolonial-Großgrundbesitzer dürfte leichter zu lösen sein, als die bei ihren Berufsgenossen zwilchen Rhein und Diemel. Allerdings hier wie dort ist ein wesentliches Moment dieser Frage die Behandlung der Artbeiter.
Volilische Tagesschau.
Algier in Marokko.
Tie Vertreter der Dschemmas und von sieben Dörfern von Figig sind am 10. d. M. in Deni-Unif angekommen, um ihre Unterwerfung anzuzeigen. General O'Eonnor erklärte ihnen, die Zenaga am 8. Juni erteilte Züchtigung sei nur der Anfang des Vorgehens gewesen, das er, wenn nötig, sortsetzen werde. Frankreich habe die Bewohner von Figig nicht gestraft, weil sie sich für den Prätendenten erklärten. Tie Dschemmas müßten die Verantwortlichkeit für die Taten ihrer Staminesange- hörigen und die Taten derer tragen, welche sie bei sich aufnäbmen. Frankreich wünsche weder eine Erniedrigung, noch den Ruin Figigs, sondern im Gegenteil seine Wobl- fahrt. (Wie edel!) Tie im Bau begriffene Eisenbahn werde, wenn Sicherheit herrsche, Wohlfahrt bringen. Er sei gekommen, um eine Sicherheit herbeizuführen; er werde sie herbeiführen, ohne vor irgend einem Mittel zurück- zuschrecken. Er werde die Friedensbedingungen mitteilen, die er zunächst als Genugtuung, sodann aber besonders als Garantie für die Zukunft fordern müsse. Verhandlungen über seine Bedingungen könne er nicht zulassen.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Juni. Der Kaiser hörte gestern im Hoppegarten den Vortrag des Ministers v. Dodbielski und den des Landstallmeifters Grabensee-Celle, der von einer Reise mm Studium der französischen Pferdezucht im Westen itnb Süden von Frankreich zurückgekehrt ist. Gestern abend begab sich der Kaiser zum Reichskanzler und nach einer Konferenz mit demselben zum Diner beim Offizierkorps des 2. Garde-Ulanenregiments. §eute morgen besichtigte der Kaiser auf dem Bornstedter Felde das Regiment der Garde du Corps und das Leib-Garde-Husarenregrment. Der Besichtigung und der anschließenden Gefechtsübung wohnten außer den direkten Vorgesetzten des Regiments und den fremd herrlichen Offizieren auch die Kaiserin und Prinz Friedrich Leopold bei. Das Frühstück nahm der Kaiser beim Offizierkorps des Leib-Husarenregiments ein.
— Prinz Andreas von Griechenland wurde bis auf weiteres zur Dienstleistung bei dem 23. Dragonerregiment in Darmstadt zugelassen.
— Der Papst ernannte anläßlich des bevorstehenden Jubiläums des Augustinusvereins zur Pflege der katholischen Presse dessen ersten Vorsitzenden, den Verleger Otto in Krefeld, zum Ritter des Piusordens. Der Führer der römischen Deputation, Redakteur Grün au-Neuß, erhielt das Ritterkreuz des Georgiusordens.
— Offiziös wird der Meldung, daß eine deutsche Finanzministerkonferenz bevorstehe, widersprochen und vermutet, daß es sich beim Aus streu en dieser Nachricht um ein Wahlmanöver I>andle, weil die radikale Presse, cm diese Konferenz Betrachtungen über Erhöhung der Tabak- lmd Brausteuer geknüpft habe.
Dresden, 9. Juni. Im Anschluß au die Sitzungen 6er Tabakberufs genossen schäft fanden gestern und heute im königlichen Belvedere der Brühlschen Terrasse zu Dresden die Borstandssitzung und die Hauptversammlung des Deutschen Tabakvereins statt. Die Versammlungen waren ans allen Gegenden Deutschlands gut besucht; dieselben wurden geleitet von dem Vorsitzenden des Deutschen Tabakvereins, Kommerzienrats Collenbusch (Dresden). Zu eingehenden Beratungen tarn es in Sachen der Abwehr gegen die amerikanischen Trustbestrebungen, welche seither von einem zu dem Behufe gebildeten Komitee in 'Dresden geleitet und vom Tabakverein unterstützt wurden. Auf Grund eines vom Vorsitzenden erstatteten Berichts über die seitl-erige Tätigkeit in dieser Angelegenheit und über die Mtwendigkeit, diese Gegenbeslrebungen auf eine breitere Grundlage zu stellen, wurde beschlossen, die Bekämpfung der Bestrebungen deö amerikanischen 'Tabaktrustes, das deutsche Tabakgewerbe dem amerikanischen Tollar dienstbar zu machen, zu einer Hauptaufgabe des Deutschen Tabak- Vereins zu gestalten und dieselbe in Gemeinsamkeit mit dein seitherigen Abwehrkomitee nachdrücklich und opferwillig aufzttnehmen. Ein Hauptgegenstand der Tagesordnung war ein Bericht des Direktors Hammerschlag von der kaiserlichen Tabakmanufaktur in Straßburg über die Bestrebungen zur Verbesserung des deutschen Tabakbaues und die seitherigen Erfolge aus diesem Gebiete.
München, 10. Juni. Ein Vertreter der „Münchener Zta." hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Frhrn. v. Podewils, der sich dahin aussprach, daß eine Konferenz der bundesftaatlichen' Finanz - miurfter an sich eine außergewöhnliche Begebenheit sei. Tie Bestimmtheit, mit der das Beratungsmaterial für die Konferenz prophezeit sei, eile den Ereignissen weit voraus. Die bayerische Regierung habe wiederholt im Landtage ihren Standpunkt iur Bier- und Tabaksteuerfrage bargelegt, unb
da sich die Lage der Dinge nicht geändert habe, liege für die bayerische Regierung kein Anlaß vor, diese Stellung- nahme zu ändern. Im Gegensatz zu den Ausführungen des Berichterstatters des „Lok.-Anz." über seine Auslassungen betreffend feine Aufnahme in Berlin äußerte der Ministerpräsident, daß er sich nicht der in dem genannten Blatte gebrauchten Superlative bedient habe.
Wahl-Bewegung.
In der neuesten Nummer der bauernbündlerischen „Volksmacht" wurde in einer vom Freiherrn v. Wangenheim und den Landtagsabg. Köhler und Hirschel unterzeichneten Erklärung bekannt gegeben, daß sich die Vorstände des Bundes der Landwirte und des hessischen Bauernbundes dahin geeinigt haben, fortan in der Vertretung aller Interessen von Bauern und Mittelstand Hand in Hand zu gehen, und bei allen Wahlen zu parlamentarischen Körperschaften gemeinsam aufzutreten. Die Not der Zeit, der Kampf um den Zolltarif, der besondere Haß, mit dem die linksstehenden Patteien im gegenwärtigen Wahlkampf alle Bestrebungen, die auf den Schutz der Landwirtschast gerichtet feien, verfolgten, müßten eine Mahnung sein, alle Streitigkeiten unter einander zu vermeiden, damit nicht durch Uneinigkeit in den Reihen der Vertreter von Landwirtschaft und Mittelstand die eigene Kraft abgeschwächt werde. — Was diese Erklärung eigentlich jetzt soll, nachdem die Agrarier sich in allen hessischen Wahlkreisen längst schon geeinigt haben, bleibt ein Geheimnis der alten Mamsell „Volksmacht" und des Kleeblattes Wangenheim-Köhler-Hirschel. Und ebenso sinnlos ist die Bemerkung von dem „besonderen Hasse" der linksstehenden Parteien. Die Kandidaturen Heyligenstaedt und Wallau zeigen jedem, der nicht ganz einseitig, ganz ausschließlich die Agrarier im deutschen Reiche herrschen lassen will, daß dieser alte „Köhler"-Glaube eine faustdicke Torheit ist. Unsere liberalen Wähler und ihre Kandidaten vergelten keinesmegs gleiches mit gleichem; so sehr sie selber auch von den Agrariern gehaßt werden, dieser Haß beruht nicht auf Gegenseitigkeit. Das kommt in dem Programm der liberalen Kandidaten klar genug zum Ausdruck.
— Der „Vorwärts" schreibt: „Der Wahltag ist ein so wichtiger Tag im Leben des Staatsbürgers, daß er als Feiertag betrachtet werden sollte. Wir erheben seit je die Forderung, daß in Würdigung dessen bie Wahl am Sonntag vorgenommen werde. Muckerei und mahltaktische Ermägungen der herrschenden Parteien haben sich bisher diesem Verlangen midersetzt. Mögen daher die Arbeiter menigstens versuchen, in ftiedlicher Verständigung mit den Unternehmern wenigstens einen Teil des Tages zum Feiertage zu machen. Wir richten an alle Arbeitermähler das Ersuchen, mit den Unternehmern in Unterhandlungen zu treten, daß am Wahltage von mittag an die Arbeit vollständig ruhe."
Ausland.
London, 10. Juni. Tre „Times" melden aus Valparaiso: Es ist jetzt festgestellt, daß bei den Mas ch in en eines Dampfers im Hafen von Valparaiso irgend etwas in Unordnung gebracht worden ist, und zwar vermutlich durch Anarchisten, von denen ein dort bekannter Führer die Agitation betreibt Ties erklärt jedenfalls auch die Tatsache, daß die Maschinen des Tampfers „Arequipa" in der Nacht, in welcher der Tampfer sank, nicht gleich funktionierten. Ter Gerichtshof hat gefunden, daß tatsächlich ein Hindernis vorhanden gewesen sei.
Paris, 10. Juni. Ten hiesigen Blättern wird aus London gemeldet: Präsident Loubet werden anläßlich seines Besuches in England militärische Ehren erwiesen werden, wie einem regierenden Monarchen. Ten Ehrendienst übernimmt eine Abteilung der Leibgarde. Eine Eskadron wird ihn auf allen seinen Fahrten begleiten. Ehrenposten werden überall da aufgestellt, wo der Präsident einen Besuch abzustatten hat. Bei der Ankunft in den englischen Gewässern werden zu Ehren des Präsidenten Salutschüsse abgefeuert
Aus Stad! uni» Kani».
Gießen, den 11. Juni 1903.
* * Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Kasernenmarter Michael Diehm bei der Garnison- vermaltung Gießen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Oberhessischcr Geschichtsverein. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß der für kommenden Samstag geplante Ausflug auf die Saalburg durch ctroa ein tretendes schlechtes Wetter nicht gestört mird, da überall, auch auf der Saalburg selbst, ein schützendes Dach in unmittelbarer Nähe ist.
** Eine Feier der Halbhundertjährigen fand von Samstag auf Sonntag hier statt, von dessen Verlauf uns interessante, Tjeitere Änzelheiten berichtet werden. Im Cafe Ebel, dessen neuer Besitzer, Herr Benz, wie mir ihn keimen, den alten Ruf des Lokals weiterhin fördern wird, sand am Samstag abend das Festessen oct 50er statt, an dem 70 Herren aus allen Kreisen unserer Stadt teilnahmen. Das sehr heitere und stimmungsvolle Fest verlief dort ausgezeichnet und ohne irgend welchen Mißton. Speise und Getränke wurden allgemein als vorzüglich «ineifannt. Die Zusammenkunft dauerte so lange, daß «dien Teilnehmern die Sonne schon heiß auf den Kops schien, als sie sich auf den Heimweg begaben. Sonntag früh war Frühschoppen in SteinS Garten. Drän veranstaltete dabei eine photographische Aufnahme, die im ganzen sehr gut gelang und an der nur der Umstand auf» fiel, daß die meisten nicht so recht aus den Augen schauen wollten. An einem Spaziergang nach dem Dindhof nahmen nicht alle teil, weil viele Ehefrauen ihren Männern die Stiefel nicht geben wollten. Aber Montag früh ging man mit Kind und Kegel nach dem Philosophenwald, um dort bei Frau Leib, die ca. 40 Kuchen gebacken hatte, noch eine prächtige Nachfeier zu verleben. Zum Nachtessen, das dort pattfand, brauchte man 7 Hett. Bier. An musikalischen Genüssen fehlte cs auch nicht: 18 Mann der Militärkapelle unterhielten die Festteilnehmer und spielten spater noch zu einem Tänzchen auf. Nach einem Lampionzug bis vor die Stadt traten die Fünfzigjährigen die Weiterreise durchs Leben an.
* * Sommcrfcst des „Sängerkranze s". Sicherem Vernehmen nach wird das Sommerfest des „Säuger- kranzes' acht Tage früher, als auf der Festkarte ver
zeichnet ro'ft, abgehalten werden, also statt am 28. Juni schon am 21. Juni, i>a Musikdirektor Krauße für den 28. Juni in Nauheim engagiert ist. Es ist zu erwarten, daß der Vorstand seinen passiven Mitgliedern durch Inserat diese Aenderung alsbald bekannt geben wird.
** Omnibustarifänderungen. Wir machen unsere Leser auf die Bekanntmachung des Vorstandes der Omnibusgesellschaft im Inseratenteil aufmerksam. Hiernach müssen für Kinder, die bereits laufen können, die gewohnte Taxe von 10 Pfg., für kleine Gepäckstücke 10, für größere 20 Pfg. bezahlt werden. Diese Aenderungeu treten mit dem 15. d. M. in Kraft.
sl. Leihgestern, 10. Juni. Zu dem am 21. Juni stattfindenden Stiftungsfeste des hiesigen Turnvereins, verbunden mit Fahnenweihe, haben bis jetzt eine größere Anzahl Turnvereine ihr Erscheinen zugesagt. Ter herrlich gelegene Festplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Großen-Linden, so daß jedem auswärtigen Teilnehmer zur Rückkehr günftige Gelegenheit geboten ist. Die kunstvoll gestickte Fahne, welche in der Mitte das Bildnis Jahn's aufweist, ist von der Bonner Fahnenfabrik hergestellt und giebt einen klaren Beweis von der vorzüglichen Leistungsfähigkeit der genannten Firma.
Butzbach, 10. Juni. In der gestrigen Gemeinde» ratssitzung teilte Bürgermeister Küchel das Antwortschreiben der Kgl. Eisenbahndirektion Franksiwt a. M. auf die Eingabe der Bürgermeisterei hier, betr. Errichtung eines unterirdischen Durchganges am Bahnübergang am Bahnhof mit, wonach dieses Gesuch abschlägig beschieden wurde.
k. Bad Nauheim, 10. Juni. Heute vormittag länbcte man im hiesigen Parkteiche die Leiche des ca. 24jährigen Orth von hier. Der junge Mensch, der ausschweifend gelebt zu haben scheint, verzechte fein letztes Geld am Donnerstag in „Freundeskreisen". Tann sagte er: „Jetzt geh ich in den Teich!" Und er hielt Wort: am Freitag morgen fand man Hut und Rock am Ufer hängen, während die Leiche erst heute gefunden wurde.
□ Aulendicbach, 11. Juni. Gestern wurde der Führer des Milchwagens der Büdinger Molkerei auf dein Wege von Bleichenbach hierher von einem Gewitter überrascht. Das eine Pferd hatte über die Deichsel getreten und als der Kutscher ihm helfen wollte, fuhr gerade in der Nähe ein Blitzstrahl nieder. Das Pferd scheute, schlug aus und traf den Kutscher am Kops. Der Mann stürzte zu- sammen, die Pferde rannten davon, warfen nach kurzer Zeit den Wagen um und standen. Alles war zertrümmert. Dem schwer Verletzten war der Wagen über den Hals gegangen und er wurde auf einem Schiebkarren heimgebracht.
[] Marburg, 10. Juni. Bei dem heute abend hier niedergegangenen Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen hob sich am Hirschberg das Pflaster und gewaltige Wassermassen ergossen sich aus der Erde. Die Ursache war wieder einmal das Platzen eines Kanalrohres, welches das Wasser nicht all zu fassen vermochte. Bei einem solchen Fall machen sich jedesmal umfangreiche Erdarbeiten notwendig. — Nach dem Gewitter fand man in einem Garten eine alte Frau, welche vermutlich durch einen Blitzschlag betäubt war. Sie wurde in ihre Wohnung getragen.
0 Marburg, 10. Juni. Heute abend y2ll Uhr traf der Großherzog von Mecklenburg zum Besuche des Geheimrats Pros. Dr. Küster hier ein. Der Genannte holte ihn auch am Bahnhof ab.
Mainz, 10. Juni. Generalfeldmarschall Graf Waldersee und der kommandierende General des 18. Armee- korps, v. Lindequist, leisteten gestern nach der Truppenbesichtigung einer Einladung der Sektkellerei Kupferberg u. Comp. Folge. Dem Direktor des Hauses, Herrn Florian Kupferberg, hatten sich zur Begrüßung der Gäste angeschlosfen: Oberbürgermeister Dr. Gaßner nebst Gemahlin und Tochter, Geistlicher Rat Körner, sowie die Damen des Hauses. Ein im Konzertsaale aufgetragenes Frühstück beschloß den von schönstem Wetter begünstigten Besuch, der auf die Gäste sichtlich den besten Eindruck machte. Einer Einladung des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gaßner folgend, wird Graf Waldersee heute um halb 1 Uhr das Frühstück bei ihm einnehmen. Heute nachmittag kurz vor 5 Uhr reift Graf Waldersee von hier ab. — Nicht 100, sondern nur 50 italienische Arbeiter waren gestern hier eingetroffen, um als Ersatz für die ausgesperrten Maurer verwendet zu werden. Heute nacht sind sämtliche italienische Arbeiter heimlich wieder von hier ab gereift und au8 der Streikkasse ihre Fahrkarten bis Köln bezahlt worden. Die Italiener waren in einem Haus m der Wallaustraße untergebracht, in dem sich eine Wirtschaft befindet. Einer der Streikführer hatte sich in der Wirtschaft als Kellner verdingt und hierdurch gelang es ihm, mit den Italienern zu verhandeln und sie zur Abreise zu veranlassen.
Vermischtes.
~ ' Berlin, 10. Juni. In Steglitz ist der Gärtner Sewohl beim Baumbeschneiden herabge stürzt und wurde auf dem eisernen Vorgartengitter buchstäblich aufgespießt. Er ist seinen schweren Verletzungen erlegen.
* Hamburg, 10. Juni. Ein bei Schulau badendes 17jährige8 Kindermädchen wurde von der Elbströmung fortgerifien und ertrank vor den Augen der Mitbadenden.
* Lissabon, 10. Juni. Der Ministerpräsident unterzeichnete die Konzesiwn des Prinzen Hohenlohe betr. Er- richtung von Sanatorien für Lungenkranke auf Madeira, für die er ein Monopol erhält. Die Kon- zesiion tritt in Kraft, sobald die Garanttesumme von 400 000 Mark gezahlt, die Pläne des Sanatoriums eingereicht und fettens der Regierung gutgeheißcn find.
* Gibraltar, 10. Juni. Der Genieoffizier Mosalesso machte gestern vor einer militärischen Kommission Versuche mit einem neuen photo-teleskopischen Apparat, welche äußerst zuftiedenstellend ausfielen.
Bei der Besteigung des Balm Horn es ist der Berner Student Egon v. Steiger abgestürzt.
Feuer. Wie aus Halle a. S. gemeldet wird, brannte Weckers Papierfabrik in Schkeuditz bis auf den 2^2^ n^ec* ^cc Schaden beträgt mehrere hunderttausend
Gin geisteskranker Verschwender. In Berlin giebt es einen reichen Bettler, den 40jähr. Freiherrn o. d. E., der, obwohl er aus den Zinsen feines Vermögens monatlich 500 Mark zu verzehren hatte, mit diesem


