Samstag 11. April 1903
153. Jahrgang
Viertes Blatt.
Nr. 85
vezngepretSr monaihrti7b'ül., viertel» jfihrlid) Mk. 2.20; durch vlbbole- u. HivetgfteHeit iiiomitltd) 65 üf.; durch biei'Oli Ät.S.— viertel» jäbrL ausfdjL ^efteÜfl. Annahme von BnjeigtR füi die Lagevnuinmer bis vormiiiüge 10 Uhr. Zonenpreis lokal 121MW aueivarie 2u Big. lieianiroottlid) Hit den poltu und aQflem. Teil: U ttutfo. tüt »Stadl und Vanb* und JAend)t»laale. Auaust Götz, füi den Iln- zeiaenteil: £>an« Beck.
'Äe!Z* zrry 9 a 9
« Gietzener Anzeiger
SS lJ General-Anzeiger "
-ZL'O- Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
rn 1 vrechanlitluß Vir 5L ______________________________________________________ _______
Vorlage mit 81 aeae der demokratischen Live
Gegründet 1868.
Ederstrasse 8
Asterweg 47
1 1(1)
es nun direkte oder indirekte, aufgebracht werden müssen, die Erzeugung-kosten vermehren und infolgedessen dazu beitragen, die Stellung der deutschen Industrie auf dem Weltmärkte zu erschweren.
Au dem dolländijcheu KeaeraistreiL
n.irt> aus Amsterdam telegraphiert: Der größte Teil der Arbeiter der städtischen GassabriKn ist dem allgemeinen Ausstande beigetreten. Der Betrieb ist in sehr beschränktem Mage aufrecht eichulten, doch wird die Bürgerschaft durch die Direktion in einem Zirkulär aufgefocdert, den Gasverbrauch
6 (2) 8 (1) 2 (1)
Summe 11(4)
senden und aüzulassen. Bereits eingelieferte, unterwegs befindliche Sendungen sind den Absendern, weil Beförderung nicht erfolgen kann, zur Verfügung zu stellen. 9lad) einer weiteren Mitteilung ist auch der Verkehr über WiMerswhk eingestellt.
_____________:ralen angenommen. Da- Haus genehmigte mit 86 gegen 6 Stimmen die Aufstellung einer militärischen Etsenbahnbrigad« zur Aufrechterhaltung des Eisenbahndienstes im Falle eines Au-standes und beschließt sodann eine Enquete über die Lage der E'.scnbcchuangs- fteilten. Das Haus vertagte sich darauf auf unbestimmte
auf das äußerste ein^ufdjräiileiu Der Streik hat sich inzwischen auch auf die Möbelarbeit er, Cigarrenmacher uni) Fensterreiniger auSgidchnl, doch streiken eine große Anzahl Vcreiniaungen nicht, die eben* falls an das Abwehrkomrtee angeschlos.en sind. Das Holl)- wasserreservoir der Stadt in Wee,percarspel ist stark militärisch bewacht. Automobile mit Soldaten fahren unausgesetzt die ganze Wasserleitungslinie hin und her. Las Telegraphcnamt wird abends mit 15 (Ak) Kerzen und lUu Petroleumlampen erleuchtet, um Gas zu sparen. Die städtischen Arbeiter werden ermahnt, sich keine Furcht von Strei- kelidcn einjagen zu lassen; den Arbeusivtlligen wird Beförderung versprochen. Die Ötegierung und dre Bürger sind fest entschlossen, den Kanipf zu Ciide zu führen, der ernster zu werden scl-emt als mau annahm. Dre Bürgerwehr ist aufgeboten, um bei der Aufrechterhaltung der Ordnung HUse zu leisten. Die Bärkerwagen fahren unter Bedeckung von MUilär durch die Straßen.
Tie zweite Hammer hat Artikel 2 der Aus- st andsvorla ge bett. Bestrafung der in den Aus- st a n d tretenden Eisenbahnangestellten mit 78 gegen 15 Stimmen angenommen. Tagegen stimmten die Sozialisten, die demokratischen Liberalen und ein christlicher Demokrat. Sodann wurde die g a n z e A n s ft a n d s - Vorlage mit 81 gegen 14 Stimmen der Sozialisten und
J)ie städtisch-« Zuschlag« jur tztok-mmensteoer.
Wir lesen in der „Köln. &tg.":
Unwillkürlich fragt man sich wie es kommt, daß in einzelnen Orten die Steuern nidyt erhöht zu werden brauch- ten, während in so vielen anderen ganz erhebliche Erhöhungen eintreten müssen; die Ursache wird fast immer bei der Verwaltungsbehörde der Stadt zu suchen sein, die der Aufgabe einer richtigen Finanzwirtschaft nicht gewachsen ist. Die tüchtigsten Stadtverordneten haben oft Nicht bitj Gabe, in freier Rede den besten Ecdanken wirksam Ausdruck zu geben, daher bleiben triftige Gründe, die gegen eine Geldsorderung geltend yemacht werden könnten, oft unausgesprochen. Es sei hiermit auf eine wunde Stelle aufmerksam gemacht, nämlich auf den übertriebenen Ehr» geiz, den leitende Personen an den Tag legen, sei es, daß sie es an lu$urwfen öffentlichen Bauten andern Städten zuvortun wollen, sei es, daü sie ihre Person dadurch künstlich heben wollen, indem Wie sich mit einem unnötig großen Stade von Beamten ui .geben. Aber auch abgesehen von der Triebfeder des Ehrgeizes in Bezug auf letzteren Punkt, bleibt immerhin die Tatsache, daß wahrscheinlich in nickst wenigen Städten mit einer geringem Zahl von Beamten gewirtschaftet werden könnte. Zieht man einen Vergleich mit industriellen Unternehmungen, so muß zugegeben werden, daß diese durchweg ganz bedeutend größere Anforderungen an Beamte stellen, und stellen müssen, da oft die Lebensfähigkeit eines Unternehmens davon adhängt. Gerade so gut wie gewöhnliche Sterbliche zuweilen gewaltig ins Zeug gehen müssen, könnten dies auch städtische Beamte, aber kommt es wirklich einmal so weit, so wird gleich der Antrag um Hilfe gestellt und den „unwiderlegbaren" Gründen gegenüber wissen die Stadt- Vater nicksts zu sagen und bewilligen zu leicht das Verlangte. Sind dann neue Stellen geschaffen, so bleiben si? auch wenn die vorübergehenden Arbeiten längst beendet find. Möchten doch die maßgebenden Persönlichkeiten bedenken, daß bei den steuer zahlenden Bürgern sehr viel böses Blut gerade dadurch erzeugt wird, daß jie sehen, wie bequem städtische Angestellte, für welche sie, die Steuerzahler, sich abplagen müssen, es sich bei ihrer Tätigkeit madjen. Man gewinnt stets den Eindruck, als ob die Bürger für die Behörde da wären. Die den Städten durch zu viel Beamte entstehenden Ausgaben stehen vielfach in einem ungünstigen Verhältnis zu dem, was die Städte für die Bürger leisten. Die starke Steigerung der Steuern ist bezeichnend dafür, daß vielen städtischen Behörden der wirtsd>aftliche Sinn abhanden gekommen ist; die wirkliche Bedeutung des Wortes „sparen" fdieint man dort ganz ver- aesfen zu haben, wennschon das Wort selbst häufig aud- at prodien wird. In den städtischen Haushaltungsvoran- schlagen ersd-einen so manche Ausgaben, von denen man nidst sagen kann, daß sie unbedingt nötig seien, an deren Vorhandensein sich die maßgebenden Personen aber so sehr gewöhnt haben, daß ihnen solche Posten gar nicht auf- fallen. AuS falscher Sparsamkeit werden oft nötige Ar- besten nicht ausgeführt, wahrend gleichzeitig an anderer Stelle das Geld geradezu zum F-enster hinausgeworfen wird. Es ist ja verständlich daß bei unerwartetem Ueberschuß, der sich in einem Jahre ergiebt, viele Anträge für dessen Verwendung kommen, und glatt angenommen werden, aber eine sorgsame Verwaltung soll wie jeder gute Hausvater an die Zukunft denken und nicht auf einmaligen Ueberfdstth dauernde Ausgaben begründen, vergleiche man einmal die Ausgabeposten des letzten Etats einer Stadt mit denjenigen vor 10, 20 und 3U Jahren; auch wenn man das natürliche Wachstum und die natür- licke Steigerung aller Anforderungen berücksichtigt, durfte man zu überraschenden Ergebnisftn kommen. Wahrschem- lich wird sich Herausstellen, daß ein unnatürlich großer Sprung in den Ausgabeposten un letzten Jahrzehnt ftait- tiefunben hat. Solche Etats, die eine Reihe von Jahren ?urüdliegen, geben gute Anhaltspunkte dafür, welche Ausgaben sich verringern lassen, und barm m u ß es heute gesucht werden, die Ausgaben der Städte müssen verringert tverden, die Lage, in der sich Deutschland befindet, fordert bieS gebieterisch, Deutschland muß einen Teil feiner Jndustrieerzeugnifse ausfahren und kann dies meistens nur bei billigen Verkaufspreisen; man vergesse daher nicht, daß die höheren Ausgaben der Städte, — sowohl wie auch bie des Staates — welche in Form von Steuern, seien
Zeit.
Rach einem Rotterdamer Telegramm wurde im Haag ein großes Meeting im Freien abgehalten, das von der Bauarbeiter-Organisation uerajiftaliei war. Starke Polizei- und Truppen-Ausgedole verhindern jede Ruhestörung. In Haarlem ist ein Gasardctter von 40 Ausständigen halb totgeschlagen worden. Während der Eisenbahncrstreik auf den Linien der EtaatS^iienbr.hn-GescUsd)aft noch kleinere Störungen verursacht, gilt er für bie holländische Eisenbahn-Gesellschaft als völlig mißlungen. Letztere verspricht den deutschen und englischen Trail, il^üterverkebr wieder besorgen zu können. Aus fast allen Städten sind kleinere Ruhestörungen zu berichten, veranlaßt von Streikenden, welche heinikehrende Arbeiter belästigen.
Ter Sekretär des Schutzkomitees teilte den Amsterdamer Zeitungen den Beschluß mit, den allgemeinen Aus- st a n d bereits gesternmit tagaushörenzulassen. Eine Massenversammlung, welche bie gesamten Arbeiter- Vereinigungen unter bem Vorsitze bes Schutzkomitees im Jndustriepalaste ab hielten, hat biefen Beschluß indes nicht getiHigt In dem allgemeinen Lärm waren die jtomiiee- mitgliebcr verhindert, das Wort zu ergreifen. Die Vereinigungen beschlossen, den Ausstand auch ohiie das Einverständnis des Komitees fort zu setze n. Infolgedessen dauert der Ausstand, mit Ausnahme der Diamantenschleifer, fort
Der „Voss. Ztg." zufolge bleiben die größten Blätter in Rotterdam von dem Ausstande in den Druckereien unberührt Nur die kleinen Fachblätter erscheinen nicht.
In Rotterdam feuerte eine auf dem Bahndamm ausgestellte Cchildwachc auf vier Bahnarbeiter, bie trotz wieder» Isolier Aufforderung den Bahndamm nicht verlassen woltten. Einer von chnen wurde getötet
Die Eisenbahn-Dirck.ion Mainz macht amtlich bekannt: Degen des Ausstandes in Holland sind bis auf weiteres Eilgut- und Fracht-Sendungen nach Stationen der niederländischen Staatsbahn über Emmerich nicht mehr abzu-
u IC ueg ----- ---- - ------
Carl Stückrath, Möbelfabrik DD
e f - Gearündet 1868.
Giessen
Dfllüildjt Tagesschau.
Der Bond der Landwirte vnd der Rheinische Bavernvereio.
Tein Buiid der Laiidwirte ist es gelungen, in den katholischen gchcinischen Bauernverein Zwiespalt Hineinzutranen und einen großen Tell der Mitglieder, darunter auch den Sekretär des Bauernvereins, Schreiner, zu sich hinüberzuziehen. Infolgedessen legte vor einiger Zeit der Vorsitzende oes Rheinisd)en Bauernbundes, Q>raf Spee, fein Amt nieder. Beide durch das Dazwischen treten des Bundes aufs bttterste verfeindete Gruppen des Bauernvereins versuchten nun, ihre Anhänger um sich zu scharen, und veranlaßten 2lb- slimmungen bei den Ortsoerbänden des Nheinisd)en Bauernvereins. Wie die „Qfeimaiiia" mitteilt, ei hätten sich 66 Vorstandsmitglieder, 794 Ausschußniitglieder und 20 264 sonstige Mitglieder für den Grafen Spee, für den abtrünnigen Schreiner dagegen nur 13 Vorstandsmitglieder, 141 Ausschußmitglieder und 3037 sonstige Mitglieder. Dem Grafen Spee steht nach dieser Voreiitscheidung also eine siebenfache Mehrheit gegen den Vündler Schreiner zur Verfügung. Dieser Tage sollte nun auf einer Generalversammlung des Rheinischen Bauernvereins zu Neuß die Ange«< legenheit zur mirtlid^n Entscheidung gelangen. Es bandelte sich dabei um Sein oder Nichtsein des Bauernvereins und um den Verlust des Vermögens des Vereins, das 200 000 Mk. beträgt. Falls die Mehrheit der Generalversammlung sich für Schreiner erklärt, fällt dieser Schatz selbstverständlich dem Bund der Landwirte zu. Aber zur Entscheidung kam es nicht: der Verlauf der Versammlung gestaltete sich so stürmisch, daß bie 85er* fammlung, noch bevor ein Beschluß gefaßt werden konnte, aufgelöst werden mußte. ,
Nun erklärt die ^Rhein. DolkKstimmriO daß von deic Anhängern des Grafen Spee zunächst eine Abtreibung des Saales verbucht worden war Als dies mißlang, habe man 400 bis 500 Neußer,dteilweife Mitglieder des Volksvereins, in die Versammlung tommanbiert, die sich durch Ausheben einer den Saal abschließenden Rollwand Eintritt Oer* schassten und einen derartigen Radau verübten, daß der Vorsidende die Versammlung schließen mußte. Die beiden sich befehbenden Rid-tungen hielten später getrennt Versammlungen ab, ohne indes zu einem bestimmten Resultat zu Dom men.__________________________________________
WchkMchk Ikbtrlidjt brr SobrsfäÜr in brr itabt
14. Woche. Vom 29. März bis 4. April 1903. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (Infi. 1600 Mann Militär) Dlerblichkeitszisfer: 21,26,
nach Abzug von 4 Ortsfremden: 15,46 Vro.
Kinder vom
: 2.-16. Jahr
Anm.: Tie m Riammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden strankheU auf von auswärts nach O-ießen gebrachte Äranfe kommen.
DLA- Luftkurort Altcuburg tu Lberhesscn. JdyUrfche Lage a. Nordabhang des DogelsbergeS. Aerztl. empiohl. Erholrrngsauienthatt f. Lominerfrtjchler, Nervöse, Genejende. Llaub- ireie Spaziergänge in Herr!. Laub- u. Nadelwäldern, ozonreiche, kräftigende Lutt. yreunbL Verpflegung, gute Küche. Vorzügl. Trink- iDafier. Aiilchkuren (befle Milch). Sturzbad un Fluß. Jagd, sZifcherei. Fuhrwerk. Zur Nachtur empi. iJn der Nähe die alteviüml. Stadt Alsfeld, _d. hessifche Rotenburg", rn. Sehenswürdrakeiten.) All. Nah. fturoerciu Altenburg, Lberhcsfcu, Srat.AlsfeldiGieven-sstllda-.
ES starben an: Zusammen: Erwachsene:
im
1. Lebens;ahr
Lungenschwindsucht
2(1)
2(D
—
Ltiimnnhenkrainpf
1
—
1
Brustfellentzündung
1
—
—
Bauchfellentzündung
KD
—
—
Gehirnentzündung
111)
1(1)
tieberctrrhose
1
1
—
Altersschwäche
1
1
—
Lebeusfazwäche
2(1)
—
2(1)
Selbstmord
1
1
—
Einzelne Mel, sowie Vollständige Wohnnngs-EinricMnngen
in jeder Ausführung zu billigsten Preisen stets am Lager.
Abgepasste Gardinen in creme und weiss, das Fenster von Mk. 3. an.
Eigene Polster-, Dekoration- und Tischler-Werkstätten für Neuanfertigung und Aufarbeitung.
Zeichnungen und Voranschläge bereitwüligst zur Verfügung.


