Nr. 238
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Drittes Blatt.
Samstag 10. Oktober 1903
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
153. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger
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Veraa»a»oriiich *ür den polt! and atigern» Teil P Witiko für .Stadl und tlanir und »GerichtSsaaf August Gütz, iür den An» zeicienteil Pan« Beck.
Ki« Urteil üöer die landwirtschaftliche Krisis, bas wegen der Sachkenntnis, aus die es sich stützt, die weiteste Beachtung verdient, hat soeben Frhr. v. d. Goltz abgegeben. Frhr. v. d. Goltz, Professor für Landwirtschaft und Agrarpolitik an der Bonner Universität und Direktor der landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf, ist als einer der umsichtigsten und kenntnisreichsten Agrarschrift- steller durch seine vielen Werke bekannt und hat zeitlebens der Landwirtschaft durch seine Berufstätigkeit nahe gestanden. Er schreibt:
Das Resultat der vorangegangenen Untersuchungen über Ursachen und Charakter der landwirtschaftlichen Krisis läßt sich in folgenden Sätzen zusammenfassen: 1. Das Sinken der Preise von Getreide, Zucker, Wolle und einigen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen hat im Verein mit dem gleichzeitigen Steigen der Wirtschafts- kosten zur Wirkung gehabt, daß die landwirtschaftlichen Reinerträge zurückgegangen sind. Der Rückgang ist aber weder so groß, noch so allgemein gewesen, daß er für sich allein eine zureichende und vollpändige Erklärung für die ungünstige Lage abgeben könnte, in der gegenwärtig viele Landwirte sich befinden. 2. Schpn vor Eintritt des' Sinkens der Reinerträge war die Lage vieler Landwirte eine bedenkliche und zwar infolge zu starker hypothekarischer Verschuldung. Diese wurde insonderheit veranlaßt durch die Ueberschatzung des Bodenwertes und durch die Nichtbeachtung dersiür die Höhe der hypothekarischen Belastung maßgebenden wirtschaftlichen Grundsätze. Das Hinzutreten des Rückganges der Reinerträge hat dann die jetzige landwirtschaftliche Krisis teils herbeigeführt, teils verschärft. 3. Auch in der nämlichen Gegend ist die wirtschaftliche Lage der einzelnen Unternehmer, Besitzer sowohl wie Pächter, verschieden. Die Verschiedenheit wird bedingt einerseits durch das Maß von Geschick, Fleiß, Sorgfalt oder Sparsamkeit, welches jeder in seiner Wirtschafts- und Lebensweise anwendet, anderseits durch die Höhe der Schuldzinsen, welche er zu zahlen hat. 4. Gegenden und Güter, welche vorzugsweise auf Ge- treideproduktion angewiesen sind, leiden unter den gegenwärtigen Verhältnissen viel mehr, als diejenigen, deren Schwerpunkt an der Vi eh h a ltung liegt. 5. Die Lage der Großgrundbesitzer ist im Durchs schnitt ungünstiger, als die der Bauern, und -zwar deshalb, weit jene sowohl mehr unter den niedrigen Preisen von Getreide usw. und den hohen Wirtschaftskosten zu leiden haben, als auch, weil sie stärker verschuldet sind. 6. Zum Teil aus den unter 5. genannten Ursachen, zum Ddil wegen der ungünstigeren klimatischen und wirtschaftlichen Lage ihrer Betriebe, befinden in den östlichen und besonders in den nordöstlichen Bezirken des Deutschen Reiches die landwirtschaftlichen Unternehmer sich, in einem gedrückteren Zustande als in den mittleren und westlichen Bezirken. 7. Di-e Lage der ländlichen Arbeiter ist gegenwärtig so günstig, wie sie seit dem Entstehen derselben als einer besonderen Gruppe der Bevölkerung niemals gewesen ist. Der trotzdem herrschende Mangel an Arbeitern tragt zur Verschärfung der Krisis wesentlich bei. Unter ihm leiden die Großgrundbesitzer mehr wie die
Bauern wegen des ungünstigeren Klimas, auch die östlichen Teile des Reiches mehr, als die westlichen.
Diese Leitsätze sind wvhl die besonnenste Würdigung der gegenwärtigen Lage der Landwirtschaft, die jemals in so knapper Form gegeben worden ist. Sie gehen auf die Frage, wie der Krisis äbzuhelfen sei, nicht ein, wollen insbesondere mit der Tagespolitik nichts zu tun haben. Auf landwirtschaftlicher, insbesondere auf bäuerlicher Seite, ist den Schutzzöllen nicht eine derart hohe Bedeutung beizumessen, wie es von der extrem-agrarischen Agitation geschieht. Es giebt, zumal unter dem kleineren Bauernstände, viel schwerere Nöten, als der Tiefstand der Getreide- preise. Sie werden vornehmlich durch das Genossenschaftswesen und Bestrebungen bekämpft, die mit anderen unter dem Namen Ländliche Wohlfahrtspflege zusammengefaßt werden. Gewiß ist in beider Hinsicht viel geschehen, aber fast noch mehr als auf agrarpolitischem Gebiete, bleibt auf diesem Felde unpolitischer Arbeit zu tun übrig. Möge es dazu nirgends, insbesondere nicht im Kleinbauerngewerbe, wo die Helfer so selten sind, an tatkräftigen, opferwilligen und gemeinnützigen Menschen fehlen.
UermiWes.
* Stettin, 8. Okt. Heute nachmittag erschoß aus Eifersucht der Schiffsstauer Bredig auf offener Straße seine Frau in Gegenwart ihrer Mutter. Er gab auf seine Frau vier Revolvcrschüsse ab, worauf er die Waffe gegen sich selbst richtete.
* Newyork, 9. Okt. In den letzten 24 Stunden herrschten starke Negenfälle. Der Eisenbahnverkehr von Newyork ist vielfach unterbrochen. Die Newyork-Zentral- Linie steht in ihrer ganzen Ausdehnung 12 Fuß unter Wasser. Keller und Abzugskänäle sind überschwemmt. Von der virginischen Küste werden heftige Stürme gemeldet.
Eine furchtbare Familien-Tragödi e, welcher drei Menschenleben zum Opfer fielen, hat sich, wie wir bereits kurz meldeten, in Leipzig-Eutritzisch am Donnerstag zugetragen. Ter 35 Jahre alte Lithograph Arthur Felix Seifert hat seine 58jähr. Mutter und seine 36 Jahre alte Schwester, eine Witwe, bei denen er wohnte, mittels Revolvers erschossen, und sich dann auf gleiche Weise selbst entleibt. Frau Klementine Ottilie verw. Seifert, geb. Huhle, bewohnte mit ihren zwei Kindern, der Tochter Helene Melitta verw. Köppe und dem Sohne Lithograph Arthur Felix Seifert, zusammen ein Logis. Der in derselben Etage wohnhafte Rangiermeister Richter hörte in der Seifertschen Wohnung Angst- und Hilferufe und gleich darauf vernahm er mehrere Schüsse. Der Mann versuchte sofort in die Wohnung einzudringen, was jedoch nicht gelang, da die Vorsaaltür verschlossen war. Richter schlug mit voller Kraft gegen die Tür, wobei ein Fenster derselben aufsprang. Hinter dem-Fenster erschien sogleich Seifert und gab aus einem Revolver einen Schuß nach Richter ab. Letzterer, der unverletzt blieb, flüchtete in seine Wohnung. Kurz darauf fielen in der Seifertschen Wohnung noch zwei Schüsse. Den h'erbeigeholten Polizei-
.beamten bot sich nach gewaltsamer Oesfnung der Tür ein entsetzlicher Anblick dar. Frau Seifert lag auf einem auf dem Vorsaal stehenden Bett, ihre Tochter daneben. Beide Frauen, die kein Lebenszeichen mehr von sich gaben, zeigten an der Kehle, bezw. am Halse Verletzungen, die ihnen offenbar mit einem Küchenmesser beigebracht waren. Seifert lag ausgestreckt tot in der Küche, neben ihm ein Revolver, in welchem sich noch einige scharfe Patronen befanden. Wie in der Wohnung deutlich zu ersehen ist, hat zwischen Seifert und seinen beiden Opfern ein harter Kampf stattgefunden. Die Schwester Seiferts, Frau Köppe, war zuletzt Wirtschafterin. Seifert arbeitete zu Hause. Er soll in seinem Berufe tüchtig gewesen sein und einen guten Verdienst gehabt haben. Wie man sich erzählt, hat die Familie Seifert im allgemeinen einträchtig zusammengelebt. Im Jahre 1900 ist Seifert eine zeitlang in einer Nervenklinik untergebracht gewesen. Es kann wohl mit Bestimmtheit angenommen werden, daß der Mann die furchtbare Tat in einem Anfalle von Geistesstörung verübt hat.
* Die Haftentlassung desOberlehrersDr. Ries in Oldenburg ist, wie die „Weserztg*" berichtet, fälschlich gemeldet worden: Dr. Ries sitzt vielmehr nach wie vor m Untersuchungshaft. Der Beschluß des Landgerichts, Dr. Ries gegen eine Kaution von 5000 Mark zu entlassen, trat nicht in Kraft, da das Oberlandesgericht auf Intervention des Staatsanwalts Einsprache erhob und die Kaution auf 15 000 Mark erhöhte. Der Beschluß des Oberlandesgerichts muß Gründe gehabt haben, die sich der Kenntnis der Oeffent- lichkeit entziehen. Ein Todesfall in der Familie pflegt doch sonst ein Grund zur vorläufigen Entlassung eines Untersuchungsgefangenen zu sein, es müßte deny sein, daß dieser em ganz schweres Verbrechen auf dem Kerbholze hat. Bei Dr. Ries handelt es sich aber doch nur um eine Beleidigung; allerdings ist der oldenburgische Justizminister der Beleidigte.
Gin Kinderfreund.
Es giebt immer noch Eltern, die es für richtig halten, ihren Kindern erhitzende, aufregende Getränke zu geben (wie Kaffee, Tee usw.) Solche Getränke tragen nach ärztlicher Ansicht nicht nur eine Gefahr für das körperliche und geistige Wohl der noch in der Entwicklung begriffenen kleinen Wesen in sich, sondern sie sind auch von nachteiligster Wirkung auf das Aussehen der jugendlichen Gesichter und Gestalten. Es kann daher nicht oft genug gesagt werden, daß wir in Kathreiners Malzkaffee ein vollkommenes, in jeder Hinsicht einwandfreies Kinder- getränt besitzen, das durch seine Milde und Wohlbekömmlichkeit den günstigsten Einfluß auf die Gesundheit und die Entwicklung des kindlichen Organismus ausübt, deshalb auch von den Aerzten empfohlen wird.
Kathreiners Malzkaffee, der für die Kinder am besten in Milch gekocht wird, ist überaus wohlschmeckend und wird von den Kleinen dauernd gern genommen, während reine Milch oft bald widersteht und in vielen Fällen überhaupt nicht gut vertragen wird. 7033
Are neuen Wandgemälde im Altarraum der Ioyauneskirche in Kießen.
Als vor fast zehn Jahren unsere Johanneskirche ein- geweiht wurde, war der Altarraum durch den Mar selbst mit seinem Abendmahlsrelief, durch das große Glasgemälde der Kreuzigung, durch die dekorative Malerei an den Wänden und Gewölben sehr prächtig geschmückt. Aber inmitten dieser Dekoration sah man vier leere Rahmen, die einst weitere Bilder einschließen sollten. Durch ein Legat des im Jahre 1900 verstorbenen Rechtsanwalts Labroisse wurden die Mittel zur Ausführung dieser Wandbilder der Gemeinde dargeboten; morgen, Sonntag, werden sie zum ersten Male vor den Blicken der Andächtigen sich enthüllen.
Die Aufgabe, jene vier in der Dekoration des Raumes enthaltenen Rahmen mit Bildern zu füllen, schien auf den ersten Blick keine besonderen Schwierigkeiten zu bieten, erwies sich aber bei näherer Prüfung als sehr eng umgrenzt und konnte eine befriedigende Lösung nur dann finden, wenn der ausführende Künstler diese Grenzen anerkannte und die Fähigkeit hatte, auch innerhalb derselben lebensvoll und eindringlich zu gestalten.
Zunächst beschränkten die fest gegebenen Rahmen die Figurenzahl der einzelnen Bilder: sollten die Gestalten vom Schiff aus, das in diesem Kirchenbau mit dem Altarraum sehr glücklich zu einem einheitlichen Ganzen sich verbindet, deutlich erkennbar sein, so konnten in jedein Rahmen höchstens 2—4 untergebracht werden. Unterwarf man sich aber diesem Zwang, so gewann man den Vorteil, daß die neuen Figuren in ihren Größenvgxhältnissen sich den sehr gut gewählten des Glasfensters anpassen ließen. Auch auf die Anordnung der Figuren mußte Größe und Form der Rahmen bestimmend einwirken. Nach oben sich entwickelnde Szenen, wie Himmelfahrt, Auferstehung waren ausgeschlossen. Es mußten Gegenstände gewählt werden, die mit wenigen Figuren auf ungefähr gleichem Niveau ohne Schaden für die künstlerische Wirkung dargestellt werden konnten.
So kam es, daß die ursprüngliche, schon in der Festschrift von 1893 ausgesprochene Absicht, links Verkündigung und Geburt Christi, rechts Auferstehung und Himmelfahrt darzustellen, nicht festgehalten wurde. Es wurde sogar sehr ernstlich erwogen, ob man nicht statt Szenen aus der heiligen Geschichte lieber Apostel, zu zweien und dreien verteilt, in die Rahnten fe/,en sollte, die daun als ideale Zuschauer der Kreuzigung Hütten gelten tonnen. Aber die
I Schwierigkeit, die Zwölfe zu lebensvollen, individuellen Charakteren auszugestalten und besonders die große Nähe wesentlich derselben Schar in dem Abendmahlsrelief des Altars schlossen diese im Prinzip vielleichjt beste Lösung der gestellten Aufgabe aus. Es galt nun, Szenen zu finden, die mit der gegebenen Kreuzigung sich zu einem Zyklus so zusammenfassen ließen, daß links Szenen, die sich vor der Kreuzigung, rechts solche, die sich nach dieser abspielten, dargestellt wurden. Und weil die Auswahl für die rechte Seite sehr beschränkt war, mußte diese den Ausschlag geben, die linke sich ihr anpassen.
Auf diesen Umwegen ist nach eingehenden Beratungen das Programm für diesen Gemäldeschmuck gewonnen worden. Da die Auferstehung selbst ungeeignet schien, sollte wenigstens der Auferstandene in einem wenig späteren Moment, in der Begegnung mit Maria Magdalena, dar- gestellt werden, und wie von selbst ergab sich dazu als Gegenstück eine der Kreuzigung nahe vor aus gehende Hauptszene der Passion, der Seelenkampf des Heilcurds in Gethsemane, bei dem aber die schlafenden Jünger in diesem Falle keine Stätte finden konnten. Für die beiden äußeren Felder, die der Passion ferner gerückt sind, war allgemeinere Bedeutung erwünscht: Christus als Lehrer, als Prediger, als Religionsstister sollte hier zur Erscheinung .kommen. Christus mit den beiden Jüngern in Em aus paßte als Abschluß der ganzen Reihe, Christus mit Maria und Martha in Bethanien schien eine in diesen Zusammenhang gut sich einfügende und auch genügend bedeutsame Szene aus des Heilands Erdentagen.
Auszuführen waren diese Bilder natürlich möglichst genau in der Technik der bereits fertig gemallen Umgebung, nicht in so lebhaften Farben, daß diese Umgebung dagegen matt erscheinen konnte, aber auch nicht so gedämpft, daß neben dem hell durchleuchteten Allarbild, das ohnehin das dominierende Bild des ganzen Raumes war und blieb, die Wandgemälde unscheinbar ausgesehen hätten. Hier konnte kein noch so wohl überlegtes Programm helfen; nur das sichere Gefühl, die an ähnlichen Problemen gewonnene Erfahrung des Künstlers konnte diese größte Schwierigkeit überwinden.
Alles kam jetzt aus die Gewinnung eines für diese vielfach bedingte Aufgabe besonders geeigneten Künstlers an. Da Einheitlichkeit der Gesamtdekoration des Altarraums erste Bedingung, das große Glasbild aber das eigentlich tonangebende Element im Ganzen war, so wurde Herr Professor Schaper in Hannover, der den Karton zu dem Fenster'
I gezeichnet hatte, um Uebernahme der neuen Arbeit gebeten und, als er selbst, wegen Ueberhäusung mit anderen Aufträgen, ablehnen mußte, einer seiner Schüler, Herr Karl Wiederhold, Lehrer an der Kunstgewerbeschule zu Hannover, mit der Ausführung der Bilder betraut. Herr Wiederhold hat das in ihn gesetzte Vertrauen vollauf gerechtfertigt. Von seinem Lehrer getreulich beraten, hat er sich in die komplizierte Aufgabe vortrefflich hineingedacht und würdige Bilder aus dem Leben des Heilandes der Kceuzig- ungsszene zur Seite gestellt. In großen Zügen, unter Vermeidung gehäufter Detalls, die in Wandbilder von solcher Fernwirkung nicht gehören, läßt er aus Raum und Rahmen seine Gestalten sich entwickeln. Kräftige Farben, die von den gedämpften Tönen der Umgebung vorzüglich überleiten zu dem hellen Farbenspiel des Glasbildes, sind zu harmonischer Gesamtwirkung sorgsam abgestimmt. Nie vergißt der Maler, daß es um dekorative Wirkungen sich handelt, daß kein einzelnes Element an dem Ganzen heraustreten darf; darum kein entschiedener Kontrast von Tag und Nacht, darum die Wiederkehr gewisser gerade hier besonders wirksamer Farbenwerte.
Wenn die Hülle vor diesen Bildern gefallen ist, wenn sie im Verein mit der entsprechend aufgeftischten Umgebung und mit dem neu gereinigten Glasbild in die Kirche hineinleuchten, werden die Beschauer mit Freuden dieser harmonischen Gesamtwirkung inne werden. Sollte jemand, was kaum anzunehmen, über zu große Buntheit klagen, und nun das Schiff zu farblos finden gegenüber jo prächtigem Altarraum, fv bedenke er, daß nicht das die dauernde Wirkung ist, mit der der Künstler rechnen durste; die kommt erst, wenn eine die grellsten Farben abdämpfende Schicht von Staub sich über das bunte Glas lagert. Stellt man sich so die künftige Wirkung vor, so wird man die Leistung des Künstlers richtig nnd gerecht beurteilen können. Die Gemeinde darf sich dankbar freuen, das traulich anheimelnde Innere ihres Gotteshauses im Sinne des Baumeisters, dem es auf die Ramnwcrkung besonders an kam, so freundlich und würdig zugleich neu geziert zu sehen und in diesem Gemäldeschmuck das Vermächtnis eines Mitbürgers zu besitzen, dem es ein lieber Gedanke war, die Kunst im Dienste der Religion sich betätigen zu lassen.
Gießen, 10. Oktober 1903.
Dr. Bruno Sauer, Prozessor an der Universität.


