Aulstaud in Mazedonien.
Die Pforte erhielt Nachrichten über Niederbrennung von fünf Dörfern bei Eoftoria im Wilajet Mo- nasrir durch macedonische Insurgenten. sämtliche Einwohner dieser Orbsch,a.fteu, Muselmanen und Griechen, seren getötet. Die Morte macht diese Vorfälle zum Gegenstarrd einer Protestnote an die Großmächte. Insurgenten fehlen die Ortschaften Ramua, Lera und Dolenti, drei Stunden westlich von Monastir, in Brand, auch fand ein heftiger Julanrurenstoß bei scheida mit regulären Truppen statt, wobei die Insurgenten gänzlich ausgerieben wurden, ^n der Stadt Monastir ist die Panrk groß, sämtliche Ehrrsten hoben sich für längere Zeit verproviantiert und ihre Hauser verbarrikadiert. Der Verkehr stockt gänzlich Zehn Bataillone sind zur Verstärkung nach dem Wilajet Monastir crbbeordert worden. — Nach Meldungen aus Saloniki wurde eine Modi l m a ch u n g s o r d r e für 24 Redifbataillone erlassen. In einzelnen Dörfern des Wilajets Monastir soll sich dre Landbevölkerung den .üomitatschibanden ongefchlossen haben, andererseits bildeten sich mo Ham nie panische Gegenbanden, die mit den ersteren bereits verlustreiche Zusammenstöße hatten. Nach Monastir sind auch Artillerieverstärkungen ab g e g angen.
Are ungarische Affäre.
Graf Ahnen Hcdervary kehrte Samstag nachmittag fünf Uhr aus Ischl zurück. Es fand alsdann ein Ministerrat statt, der einstimmig die Erneuerung des Demissions- aesuches beschloß. Dieser Beschluß wurde dem Monarchen ttlegraphisch mitgeteilt und da noch heute die telegraphische Annahme der Demission erwartet wird, dürfte Gras Khuen Hedervary am Montag dem Abgeordnetenhause seme Demission bekannt geben, welches sich alsdann bis zur Bildung eines neuen Kabinetts vertagen wird. — Tie meiste Aussicht, Nachfolger des Grasen Khuen zu werden hat Gras Albert App onyi, der bereits zum Kaiser behufs Besprechung der Lage berufen wurde.
Infolge der Annal)me der Demission des Kabinetts wird die Lage als eine günstigere angesehen. Tie Ankunft des Kaisers in Budapest wird für Mittwoch erwartet. Derselbe wird auch mit den Führern bet Opposition Rücksprache nehmen._________________________________
Die Keidelöerger Aniversitätsfeier.
Dos Schloßfest, das am Samstag wiederholt wurde, war ein Schauspiel, das jedem Teilnehmer unvergeßlich sein wird. Ruprechts-, Friedrichs- und Otto Heinrichs-Bau, Bibliothek-, Frauenzimmer-, Faß- und Saalbau, die den Schloßhof umrahmen, strahlten in einem Meer von Lichtern: Lampions, Illuminationslämpchen, und Gasflammen. Als der Hof erschien, tat die Pyrotechnik ein übriges und ließ einen Teil nach dem andern in rotem bengalischem Licht aufslammen. Auf dem Hof konzertierte die B-oettge-Kapelle, im Bandhaus die Kapelle des zweiten Tragoner-Regüneuts, unten im Keller eine bessere Bockmusik. Aus dem großen Faß wurde Wein verzapft, d. h. nicht eigentlich aus dem großen, sondern aus einem kleineren, das drinnen Unterschlupf gesunden hatte. Tas Schloß ist restauriert und reformiert. Abends merkt man aber noch nicht viel davon. Vielleicht auch nicht bei Tage. Vormittags sand in der Stadthalle ein Festakt statt, bei dem die Ehrenpromotionen der Universität aus Anlaß ihres Jubiläums verkündet wurden. Tie theologische Fatultät hat zu Ehrendoktoren ernannt den Stadtpsarrer in Karlsruhe W. Brückner, Dr. jur. Margaretha Tunloy Gibson, Dr. Phil. Agnes Smith-Lewis, den Dichter Gustav Frenssen, den Pfarrer an der Kaiser FriedrichÄedächtniskirche in Berlin Wilhelm Hagenau, den früheren Psarrer Friedrich Naumann, den Präsidenten des badischen evangelischen Oberkirchenrats Dr. Phil, Friedrich Wielandt und Psarrer a. D. Richard Wimmer-Freiburg. Als Ehrendoktoren wurden von der juristischen Fakultät perkündet der Prosessor der Rechte an der Universität Paris Paul Frederic Gerard, der Verfasser des Werkes „lieber den Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland", Heinrich Friedjung-Wien, der Professor der Geschichte an der Universität Tübingen Georg v. Below, Ministerpräsident v. Brauer, Justiz- und Kultusminister Dusch-Karlsruhe, der Oberbürgermeister von Baden-Baden und Präsident der zweiten Kammer Albert Gönner, und Ministerialdirektor Wilhelm Hübsch. Ehrendoktoren der medizinischen Fakultät wurden Jean Henry Tumont-Genf, Gust. Moynier, Prosessor der Soziologie, Genf. Arkenius, Prof, an der Universität Stockholm, W. Ramsay, Prof, in London, Prof. Lenard-Kiel, Georg Schweinburg-Riga. Danach wurden vom Dekan der philosophischen Fakultät solgende Ehrenpromotionen bekannt gegeben: Dialer HanS Thoma, Adolf Hausrath, Peter Rosegger, Richard Maus-München, Joh. Bänsch-Trugulin, Verleger in Leipzig, Prof. Gustav Schmol- ler-Berlin, Finanzminister von Böhm-Bawerk, Wien, Henry Bradley, Vorsitzender der englischen Philologengesetlschaft Wallace, Martm Lindsal, Prosessor an der Universität St. Andrew, Carto Fiorille, Direktor der Altertümer in Rom. Zuletzt wurden die Ehrendoktoren der naturwissen- fch astlich-mathemat isch en Fakultät verkündet. Es sind: Oberbürgermeister Wilckens-Heidelberg, I. G. Tar- loux, Professor der Mathematik, Paris, Stanislaus Paniz- zaro, Prosessor der Chemie, Rom, Alfr. Bogniaux, ehemaliger Professor der Naturwissenschast in Verviers, R. T. Glazebook, Direktor des physiologischen Instituts in Richmond, William Huggins, Prosessor der Astronomie, E. Charles Pickering, Direktor der Sternwarte am Howard College in Cambridge (Nord-Amerikä), F. A. Fouque, Prosessor der Geologie am College de France, Paris, Emile Maupas, Zoologe und Bibliothekar am Museum in Algier.
Urozeß Kunibert.
Wie aus Paris gemeldet wird, hat am Samstag mittag 12 Uhr der Humbert-Prozetz vor dem dortigen Schwurgericht seinen Anfang genommen. Für die Presse waren 125 Plätze reserviert worden. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß die Verhandlungen, salls besondere Zwischenfälle nicht vorkommen, am 15. ds. beendet sein werden. — Bereits von 10 Uhr an war der Saal übersüllt. Um 121/4 Uhr wurden die Angeklagten, begleitet von Gardisten, in den <-aal geführt. Frau Therese Humbert trug ein schwarzseidenes Mi eit), ein weißes Spitzentuch und einen Hut Mit weißer Blume. Frederic Humbert hatte ein Akken- bündel unter dem Arm. Präsident Bonnet verlaß die Anklageschrift, wurde aber wiederholt von der Angeklagten, Frau Humbert, unterbrochen.
Der Verteidiger Labori mußte sie östers beschwichtigen. Kaum begann der Präsident: „Ihr Vater war. . als Theresens Wortschwall losbrach, Den der Präsident nicht einmal einzudämmen versuchte; sie erklärte unter großer Heiterkeit Die Daungnacs und dre Humberts für „größte
Gtoire Frankreichs". Der Präsident beginnt sofort mit dem Verhör der Frau Humbert,, indem er sie über Geschästs- und Vermögenslage ihres Vaters befragen will, Frau Humbert beginnt jedoch sofort gegen alle Feststellungen der Anklage lebhaft zu protestieren. Der Präsident will sie zur Ordnung verweisen, doch behält sie schließlich das Wort, um zu versichern, daß ihre Familie eine der anständigsten in ganz Frankreich sei, daß alles, was man gegen sic vorbringe, falsch sei und daß man nichts beweisen könne.
Das Verhör der Frau Huinbert setzte sich stundenlaug ort unter beständiger Heiterkeit des Publikums. Frau Humbert ist immer wieder bemüht, der Beantwortung der vom Präsidenten gestellten Fragen durch Versicherung ihrer Ehrlichkeit auszuweichen. Sie beschwört, daß alle An- chuldigungen salsch seien und daß nwn ihr nichts beweisen könne. Der Präsident läßt jedoch nicht locker und stellt, öbald Frau Humbert ihren Redeschwall unterbricht, um Lust zu schöpfen, seine Fragen mit seiner Ironie aufs neue. Er fragt an, warum sie fo viel Schulden gemacht habe, Frau Humbert: „Wir hätten alles bezahlt." Präsident: „Um zu bezahlen, mußten Sie aber irgend Vermögen haben." Frau Humbert: „Das werde ich an: Schlüsse sagen." (Große Heiterkeit.) Der Präsident kommt dann aus den angeblichen Inhalt des Kassenschrankes zu sprechen. Als seine Fragen verfänglich wurden, suchte Frau Humbert immer wieder abzuschwenken, was der Präsident jedoch verhindert. In Bezug auf die reute viagere gibt ine Angeklagte zu, daß diese Versicherungsanstalt ganz ihr eigenes Werk war, daß ie sie gründete und in eine Gesellschaft umwandelte. Dejr Präsident fragt: „Warum haben Sie sich denn nicht selbst an der Gesellschaft als Mitglied beteiligt?" Frau Humbert antwortet mit einem beredten Hinweis aus den sozialen Nutzen, den diese Kasse dem ganzen französischen Volke bringen könne und schließt, wie immer, mit der Ver- icherung, daß alles, was sie getan habe, ehrlich gewesen ei. Unter diesen Umstünden ist cs klar, daß das Verhör inhaltlich gar nichts ergeben wird und auf die Geschworenen keinen gerade günstigen Eindruck macht. Dem Verhör Therese Humberts folgte dasjenige ihres Mannes Frederic, welches sehr kurz verläuft. Der Präsident hält ihm vor, wie schlecht er gegen den guten Ruf seines Zchwagcrs gehandelt habe. Frederic Humbert antwortet, er sei ein Opfer von Wucherern geworden und habe sich nie mit den Prozessen seiner Frau besaßt. Um 5 Uhr nachmittags wurde die Verhandlung abgebrochen und auf Montag vertagt.
Die Morgenblätter vom Sonntag besprechen eingehend die gestrige Sitzung des Humbert-Prozesses und erklären einstimmig, daß diejenigen, welche interessante Enthüllungen erwartet hätten, enttäuscht worden seien. Frau Humbert trete überhaupt mit weniger Ueberzeugung auf, als man erwartet habe. Einige Rechtsanlvälte erklären, die geplanten Enthüllungen seien nur leeres Gerede, während andere Advokaten^wieder behaupten, daß Frau Humbert in einer späteren Sitzung interessante Enthüllungen machen werde. Man versichert, daß Frau, Humbert nachder gestrigen Sitzung erklärt haben soll: „Man erwartet Enthüllungen von mir. Ich werde sie machen, wenn cs mir paßt. Ich kenne Persönlichkeiten, welche dann nicht lachen werden. Man will wissen, wo die großen Geldsummen, die uns zur Verfügung standen, hingetommen sind, man wird es dann wissen!" — Labori hatte nach der Sitzung eine lange Unterredung mit dem Generalprokurator.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 10. August 1903.
^*EinigegrößereRohrbrüche an der Wasserleitung haben sich infolge Ausführung der Sielbauarbeiten nach Zufüllung der Gräben in den letzten Tagen wieder bemerkbar gemacht, jo am Samstag auf dem Markt- olatze und gestern in der Rittergasse und in der Markt- traße, infolgedessen die Wasserversorgung in dem angrenzenden Gebiet zeitweise unterbrochen werden mußte. Die entstandenen Schäden wurden durch das Gas- und Wasserwerk sogleich beseitigt.
** Der Neubau der Veterinäranstalt zwischen Franksurterstraße und dem Bahnkörper schreitet rüstig vorwärts, sodaß die Rohbauarbeiten bis Herbst beendet sein werden. Es find bis jetzt nur drei Gebäude im Bau begriffen : die anatomische, die pathologische und die chirurgische Klinik. Die betden ersten Gebäude sind bereits zwei Stockwerke hoch und erhalten in den ersten Tagen das Dach. Sie werden Operations-, Versuchs- und Hörsäte und Wohnungen für die Änstaltsdiener enthalten. Um die chirurgische Klinik, an welcher die Arbeiten noch zurück sind, werden die Ställe errichtet für Pferde, Hunde, Hafen, Kaninchen, Hühner usw. Noch nicht begonnen sind: das Verwaltungsgebäude utrd die Anstaltsschimiede. Sämtliche Gebäude erhalten Zentralheizung und elektrische Beleuchitung. Die Gesamtkosten der Anstalt sind zu 600 000 Mk. veranschlagt, wovon auf die drei begonnenen Gebäude nebst Terrainregu- lierung, Einfriedigung rc. 342 000 Mk. entfallen. Ter Weiterbau der Credner- und Klinikstraße bis zur neuen Anstalt wird in aller Kürze begonnen werden.
*• Pserd gegen Rad. Gestern fand auf dem Rennplatz a. d. H. ein zweites Wettrennen des bekannten Texas- Tex statt; diesmal hatte er es mit dem ausgereichneten Dauerradfahrer Gräf aus Frankfurt zu tun. Gräs fuhr ohne Motorführung und wurde von dem Reiter bei 25 Runden dreimal überholt. Wenn Texas-Tex die Pferde nicht bei fast jeder Runde hätte wechseln können, wäre der Sieg sür Gräf ganz sicher gewesen.
)( Lieh, 9. Aug. Auf dem aussichtsreichen Berghang gegenüber unserer Stadt nahm heute das früher mit der Sedanseier verbundene Jugendfest nach weihevoller Ansprache des Herrn Fuhr hier und einem Hoch auf Kaiser und Großherzog bei Musik, Trunk, Spielen und Tanz fröhlichen Verlaus. Außer der hiesigen und der hier in Pslege besindlichen Jugend beteiligte sich gegen Abend ungebetenerweise auch ein junges Volk geflügelter A m e i f e n, das wiederum durch einen kurzen aber kräftigen Regenguß vertrieben, auch die ältesten Beine wieder jung machte, ohne der allgemeinen Fröhlichkeit Schaden zu tun.
n. Eichelsdorf, 8. August. Der bei dem Obsthändler Konrad Hembach hier bedienstete Fuhrknecht Lotz von Villingen fiel auf der Rückfahrt von Eichelsachsen, wo er Birnen für seinen Arbeitgeber gekauft hatte, so unglücklich vom Wag en, daß er sich einen doppelten Nippenbruch zuzog und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
ß M i ch e l b a ch b. Schotten, 7. Aug. Vor einigen Tagen ging ein bei den Wasserleitungsarbeiten beschäftigter Monteur von dem benachbarten Busenborn hierher, begleitet von einer Anzahl junger Leute. Unterwegs wurde aus einem Walde unweit unseres Dorfes plötzlich mit Steinen geworfen. Die zwei Begleiter liefen davon, während der Monteur der Stelle zugrng, von oer aus geworfen wurde.
Sogleich erfolgte ein Angriff, mehrere Leute schlugen mit starken Knütteln aus den Wehrlosen ein. Dieser lief dem Dorfe zu, von den Angreifern verfolgt. Hier wurde er nochmals geschlagen, daß er, die Hände über den Kopf vor Schmerzen legend, blutüberströmt liegen blieb. Einer der rohen Gesellen rief: „Gebt ihm noch eins; er ist ja doch kaputt!" Am nächsten Morgen brachte man ihn in das Schottener Krankenhaus. Drei tiefe Kopfwunden gehen bis zur Hirnschale; zwei Rippen sind gebrochen; das Rückenmark ist verletzt und mehrere Stichwunden weist die eine Schulter auf. Der Arzt hofft ihn am Leben zu erhalten. Drei junge Leute von hier standen von morgens 11 bis abends 9 Uhr im Verhör; auch wurde der Ge- chlagene mehrmals kurz vernommen. Hoffentlich findet diese rohe Tat ihre Sühne!
R. B. D a r m st a d t, 9. Aug. Verein der Ober- Hessen. Der schon seit Jahren von vielen in Darmstadt lebenden Oberhesjcn gehegte Plan, die Landsleute in ge- elliger und praktischer Hinsicht durch die Gründung eines Vereins einander näher zu führen und so gleichsam auch einen Mittelpunkt sür bie unsere Residenzstadt vorübergehend befuajenben Oberhessen zu schassen, gelangt in diesen Tagen endgiltig zur Ausjüyrung. In einer gestern abend von ca. 50 Personen besuchten Versammlung ist bie Gründung eines solchen Vereins endgiltig beschlossen worden, und es haben sich auaj bereits 80—90 Herren auf einer vorläusigen Liste als Mitglieder angemeldet. In der Versammlung wurde betont, daß der neue Verein, — der wirtlich einem „längst gesühlten Bedürfnis" entspricht, beim bie Zahl ber Ob er Hess en in Darmstadt ist so groß, baß z. B. in manchen Beamtenkreisen bis zu 50 Prozent gezählt werben — zunächst geselligen Zwecken bienen und jede Politik ausgeschlossen fein soll. Für später ist auch Die Schaffung gemetnnüyiger Einrichtungen, Unterstützungs- kasse, Auskunfterteilung, Pflege der Anhänglichkeit und des weiteren Aufblühens der schönen, engeren Heimat usw. in Aussicht genommen. Tie Versammlung wählte nach längerer eingehender Besprechung über die neue Gründung ein Komitee von neun Personen, das unter Leitung des Eisenbahnsekretärs Bauer ein provisorisches Statut ausarbeiten und die weiteren vorbereitenden Schritte in die Wege leiten soll. Tie definitive Begründung des Vereins wird alsdann am Samstag, den 15. August, abends 9 Uhr im Saal der Brauerei Gebr. Schul, Schloßgasse 25, er» olgen.
Darmstadt, 10. August. Der Großherzog reiste heute Vormittag nach Worms zu den Verhandlungen des Anthropologen-Kongresses.
r Dieburg, 9. Aug. Das von dem Arbeiter-Sänger», bunde für Rhein- und Maingau veranstaltete 2. Bundes- e ft wurde in dem der Stadt gehörigen herrlichen Schloßgarten abgehalten, welcher die etwa 8—10 000 Besucher kaum zu fassen vermochte. Bei dem Konkurrenz-Singen erhielt in Gruppe 3 (26—30 Sänger) der Verein Eintracht-Gießen (Dirigent A. Bauer) den ersten Preis.
Mainz, 8. Aug. Eine Kellnerin war in Ver dacht gefommen, einen Taler entwendet zu haben, der Taler war aber nirgends zu finden. Es wurde ber Verbacht rege, bas Mäbchen habe ben Taler verschluckt. Die Polizei machte beshalb wenig Umftänbe unb nahm bie junge Dame in Haft. Dort kam benn auch in ber Tat ber Taler auf dem natürlichen Wege wieder zum Vorschein unb bie Diebin war überführt. — Kurz vor Feierabend schlug au ber Hobelbank bei ber Firma G. Gerster bem Hobelmcister Emil Seitelmann aus ber Neckarstraße ein Stück Holz, bas er zu früh losgelassen hatte, mit solcher Wucht gegen ben Leib, daß der Getroffene, der in bas Rochushospital kam unb bort operiert würbe, gestern nachmittag gestorben ist. — Die Polizei ermittelte eine Anzahl Volksschüler, bie an einer Zuckerwarenbude auf bem Meßplatz bie Leinwcmb ausgeschnitten unb bann für etwa 100 Mark Schokolabe gestohlen hatten. (M. Tgbl.)
Wiesbaden, 9. August. In der Nähe des Wald^ Häuschen wurden die 21jährige von Weickhmann von hier und der aus Wien gebürtige 24jährige Chemiker Ontl durch Cyankali vergiftet aufgefunden. Aus hinterlassenen Briesen geht hervor, daß die Unglücklichen die Tat wegen hochgradiger Schwindsucht ausgeführt haben.
Kleine 9)i i 11 c 11 u n g e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Friedberg wird am 15. Oktober eine alkoholfreie Speise- und Kaffeewirtschaft eröffnet.— Die Schweinemärkte in Friedberg werden nächsten Mittwoch, 12. August wieder beginnen, ba die Schweinepest stetig abnimml. — In Lang-Göns verstarb ein Angehöriger der ehemaligen hessischen Jäger namens Müller, der erst kürzlich am Jägerappel in Friedberg teilnahm.
Vermischtes.
* Flitsch, 9. Aug. Hier wütete ein großer Brand. 70 Wohnhäuser, die Kirche, das Gemeindehaus, die Klöppelschule unb das Armenhaus find eingeäschert. lieber 100 Familien sind obdachlos.
* Braunschweig, 8. Aug. Ein 6 jähriges Mädchen, welches von den Früchten des Goldregens gegessen hatte, starb an Vergiftung. Ein Knabe, welcher gleichfalls von den Schoten gegessen hatte, liegt schwer krank darnieder.
Leipzig, 8. Aug. In einer in der Gohliser Vorstadt gelegenen Wohnung wurden heute mittag der Rechts- anwalt Eduard Paul Neubert, 36 Jahre alt, und seine 41 Jahre alte Ehefrau in dem gemeinschaftlichen Schlafzimmer bewußtlos aufgefunden. Rechtsanwalt Neubert war bereits tot, während seine Frau noch lebend nach dem Krankenhaus übersührt werden konnte. Nach bisheriger Ermittelung liegt Gasvergiftung infolge defekter Leitung vor.
* Stuttgart, 9. Aug. Ein nach unerträglicher Hitze heute mittag niedergegangenes Gewitter richtete großen Schaden an. Auf dem Schloßplatz und in den Anlagen wurden zahlreiche alte Bäume durch den Wirbelwind zerrissen. Das Dach des königlichen Wintergartens wurde durch einen Baumfall beschädigt. Die Bänke wurden zusammengeschlagen. Ein Forstamtsassistent wurde beim Waisenhaus zu Boden geschlagen und am Kopf verletzt.
* Paris, 8. August. Gestern wurde in Deauville ein 14 jähriger Knabe von einem Automobil über fahren und sofort getötet.
* Paris, 9. Aug. Der Luftschiffer de la Vaulx unternahm gestern Vorversuche mit seinem Ballon für bie spätere Durchkreuzung bcs Mittel meeres, die zufriedenstellend ausfielen.


