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09/02/1903 Zweites Blatt
 
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Universität zu Giessen, ittr Abend: nachmittags 5 \ Uhr.

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Nr. 33

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Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem kesfifchen Landwirt bte Siebener Familien, blätter viermal In der Woche beigelegt

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu Univers.-Buch- u. Stein- bruderet (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstraße 7.

Abteile tüt Depeschenr Anzeiger Gießen.

AernsprrchanschlußNr 51

Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Montag 9. Februar 1NO3

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

ve»n gspret-i monallich7bP1., otertet- jährlich ML. L20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.: durch die Post Wit. 2. Dtertel» jährt auSscht Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSiitirniner bte vornttitagS 10 Uhr, ßeilcnpiei8; lokal 12'UL *a«*8roärtfl 20 Psg.

Veranlivorilich: tfh den polii. u. öligem. Teil P Wittko: für Stabt und Land' und .Gerichlssaal' Gurt Plato, füi den An­zeigenteil HanS Bed.

Ale heutige Kummer umfaßt 10 Seite».

Bekanntmachung.

Auf Grund deS § 59 der Verordnung, die Anlegung des Grundbuches und die Ausführung der Grundbuchordnung betr., wird der 2. März 1903 als der Zeitpunkt bestimmt, in welchem das Grundbuch für die Gemarkung Rödgen in Ansehung der von der Anlegung seither ausgeschloffenen Grundstücke Flur l Nr. 168*/10, 465 V10, 466*/ie, 467y10, 4678/10 als angelegt anzusehen ist.

Vor diesem Zeitpunkte sind alle nach dem Ablaufe der Anmeldungsfrist erworbenen Rechte und Einwendungen, die zur Erhaltung der Wirksamkeit gegenüber dem öffentlichen Glauben des Grundbuchs der Eintragung bedürfen, bei dem unterzeichneten Amtsgerichte anzumelden, widrigenfalls ein Vorrang gegenüber den in das Grundbuch einzutragenden Rechten, in Ansehung deren die Anmeldung nicht versäumt worden ist, verloren geht. Der Anmeldung bedarf es nicht, wenn die Rechte in den bisherigen Büchern eingetragen oder von dem Eigentümer angezeigt worden sind, es sei denn, daß deren Aufnahme in das Grundbuch von einem Anträge des Berechtigten abhängt.

Gießen, den 3 Februar 1903.

Großherzogliches Amtsgericht.

Politische Wochenschau.

In der vergangenen Woche war es der Reichskanz­ler, der sich mit den Agrariern oratorisch herumschlug. Zum Tischtuch-Zerschneiden kam es dabei allerdings nicht, obschon der erste Strauß über dem gemeinsamen Tischtuch beim Festmahl des Landwirtschaftsrats ausgefochten wurde. Graf Bülow hat sich besser in seiner Gewalt als der preuß. Landwirtschaftsminister v. Podbielski und führt seine Gegen­stiche in der Regel mit vollendeter Eleganz aus. Bei der erwähnten genußreichen Gelegenheit halte Graf Schwerin- Löwitz, der Vorsitzende des Landwirtschaftsrats, über die Unzufriedenheit, die Mutlosigkeit und die angebliche Ver­nachlässigung der staatsstützenden Landwirtschaft Klagen laut werden lassen und ziemlich deutlich mit der Entziehung des landwirtschaftlichen Vertrauens und der Bekämpfung etwaiger Handelsverträge gedroht. Der Reichskanzler rühmte demgegenüber die Vorteile, die der Zolltarif dem Grundbesitzer- und Bauernstand bringe, warnte vor ent­nervendem Pessimismus und pries den Wert der bekannten kleinen Mittel" zur Hebung von Ackerbau und Viehzucht. Tie Agrarier waren von der Zumutung, selber zu wirken in wackerer Arbeit, daß ihre Wünsche zur Wahrheit werden, jo wenig entzückt, daß Graf Büloiv am Freitag von ihrer Seite recht bittere Worte im Reichstage zu hören bekam. Er fertigte jedoch sowohl den Bundesführer Dr. Rösicke, als den Antisemiten Liebermann v. Sonnenberg mit aller Gründlichkeit ab und erhielt dann von dem redemüden Hause sein Gehalt sogar einstimmig bewilligt. Ein Beweis dafür, daß seine agrarpolitischen Leistungen bei den Bünd- lern doch eine höhere Bewertung finden, als sie sonst ein­zugestehen pflegen.

Kerne Diäten, aber Jesuiten! Unter dieser Spitzmarke hat man in den Blättern der verschiedensten Parteirichtungen gar mancherlei Kommentare über des Kanzlers Aeußerung gelesen, daß zwar § 2 des Jesuiten­gesetzes zur Aufhebung, aber die Diäten noch nicht reif zur Einführung seien. Nun, Graf Bülow ist eben Realpolitiker: Im Parlament braucht er das Zentrum und muß ihm daher hin und wieder ein Konzessiönchen verabreichen; im Bundes­rat braucht er die Regierungen der Einzelftaaten und darf ihnen daher nicht vor den Kopf stoßen. Seine Erklärung aber, daß die preußischen Stimmen im Bundesrat für die Aufhebung des § 2 abgegeben werden sollen, scheint in Bundesratskreisen doch überrascht zu haben. Man hatte allerdings schon vor einem Jahre geglaubt, daß der Wider­stand, der bisher in Preußen gegen diese Korrektur des Jesuitengesetzes bestand, beseitigt sei. Man hatte sich darin aber getäuscht und war ieut nicht darauf vorbereitet, daß es dem Reichskanzler gelungen sei, die Einwilligung Wilhelms II. zu g.ewinnen. Der Entschluß muß erst in der letzten Zeit und ziemlich plötzlich gefaßt worden sein. Man hält es übrigens in unterrichteten Kreisen nicht für ausgeschlossen, daß Idäe Reichsregierung trotz der Diäten- verweigerung doch noch die eine oder andere Konzession an ältere Wünsche des Reichstags macht, auch wenn sie nicht von den Konservativen geteilt werden. Es ist vielleicht Nicht ausgeschlossen, daß die Rechtsfähigkeit der Be­ruf s v e r e r n e auf Grundlage des bürgerlichen Gesetz­buches durch einen Gesetzentwurf eingeführt wird, eine Forderung, die neuerdings wieder das Zentrum in einer zum Etat des Reichsamts des Innern eingebrachten Reso­lution gestellt hat.

In Frankreich rollt man wieder die Dreyfus- Frage auf. Angeblich um des Rechts und der Gerechtigkeit willen, vielleicht um politischer Machtfragen willen! Ver­mutlich haben bei der Entscheidung in Rennes geheime Aktenstücke abermals einen gesetzwidrigen Einfluß ausgeübt, für den nun Revanche genommen werden soll. Wie aus Paris mitgeteilt wird, will I a u r ö s bei Besprechung der Dreyfus-Affäre in der Kammer den Beweis erbringen, daß der Serbe Czernuschi, welcher im Prozeß zu Rennes als Belastungszeuge auftrat, für seine Aussage bezahlt worden ist, ferner daß das den Richtern vorgelegte gefälschte Schrift­stück denselben durch die Gattin des Generals Saint Ger- main üoermittelt worden ist. Weiter soll bewiesen werden, daß ein früherer MitarbeiterdesOberstenHenry, welcher Kenntnis von den Fälschungen hatte, ermordet worden ist!

Der französische Ministerpräsident Combes hat in der vergangenen Woche eine gefährliche Klippe umschifft, wobei es sich um die Reliaion handelte. Der Kammer­ausschuß wollte sämtliche Genehmigungsgesuche der Kon­gregationen en bloc abgelehnt sehen; der Ministerpräsident und ein Teil seiner Anhänger verlangte dagegen die Prüfung der einzelnen Gesuche und chre sachliche Entscheidung. Nach­dem Combes durch eine feierliche Verbeugung vor dem Moralunterricht eine frühere, religiös angehauchte Rede etwas eingeschränkt hatte, verständigte man sich dahin, die Kongregationen in drei Gruppen zu teilen und ihre Gesuche in drei Beschlüssen ab zu lehnen! Doch behält sich die Regierung vor, mit der Schließung der Klöster zu warten, bis zur Uebernahme ihrer Lehr-, Armenpflege- und sonstigen Tätigkeit Ersatz geschaffen ist. Mit anderen Worten: die Kammer beschließt, radikalen Grundsätzen getreu, die Auf­hebung der Klöster; die Regierung aber vollzieht diesen Beschluß, wenn es ihr gefällt.

Der Sultan von Marokko wandelt ohne Erröten in den Spuren Philipps von Mazedonien. Kann er den Feind nicht mit dem Schwerte besiegen, so schickt er in seine Reihen einen mit Gold beladenen Esel. Einige aufrührerische Stämme haben sich bestechen lassen, und Bu Hamara wurde überrumpelt und gefangen genommen. Die Revolution scheint gescheiter^ und Abdul Afis sitzt wieder fest auf |einem Throne bis zum nächsten Aufstande!

Im preußischen Ab^eord retenhause ist am Samstag eine nationalliberale Interpellation ein­gegangen betreffend Aufhebung der Gerichtsferien. Alsdann wurde die zweite Beratung des Etats des Minislc- riums des Innern beim Titel Mmistergehalt fortgesetzt m Verbindung mit dem Anträge Barth, welcher Einführung der geheimen Stimmabgabe und Neuordnung der Wahlkreise in Preußen will. Nach längerer Debatte wurde der Titel Ministergehalt genehmigt. Der. Antrag Barth wurde abgelehnt.

Im Diittelpunkt der Beratung stand die Besprechung über Rechte, Pflichten und Zweckmäßigkeit der Theater- Zensur. Auf freisinniger Seite verlangte man selbst­verständlich völlige Aufhebung derselben und Uebertragung der strafrechtlichen Verantwortlichkeck auf den Thecckerdirektor. Einer besonderen Krckck unterlag das Verbot von Dreyers »Thal des Lebens" und Heyse's »Maria von Magdala". Der Minister des Innern nahm in beiden Fällen das Verhalten der Zensur in Schutz. In dem erst­genannten Stück handele es sich darum, daß vor hundert Jahren in einem Zweige des brandenburgischen Königshauses künstlich der Versuch gemacht sei, einen Nachfolger auf un­gesetzlichem und unlauterem Wege zu erzielen. In dem anderen künstlerisch fein angelegten Werke von Paul Heyse liege das Bedenkliche der Situation darin, daß sozusagen Leben oder Tod Christi, also das Herzstück der Heils­geschichte für die Christenheit, von dem mehr oder weniger sittlichen Entschluß einer Buhlerin abhängig gemacht werde. Man könne auch nicht die Entschuldigung geltend machen, daß der Erlöser nicht in Person auf der Bühne erscheint oder daß eine andere ehrwürdige Gestalt der biblischen Geschichte, Johannes dec Täufer, tatsächlich das Opfer eines sittenlosen Weibes fei. In »Maria von Magdala" sei die direkte Be­ziehung zur religiösen Empftndungswelt bewußter Christen zu stark angezogen worden, als daß nicht eine gefährliche Ver­letzung derselben befürchtet werden müsse. Man möge allerlei Stoff aus der Kirchengeschichte bis hinein in die biblische Geschichte auf die Bühne bringen, aber man solle sich doch hüten, mit der szenischen Darstellung unmittelbar religiöse Töne anklingen zu lassen.

KartoffcLverweUung.

Berlin, 8. Februar.

Die Ausstellung für Kartoffelverwertung ist gestern eröffnet worden. Kürz nach der Eröffnung wurde die Preis­verteilung im Wettbewerbe betr. Herstellung von Trocken­kartoffeln als Futtermittel und Handelsware im Groß- und Kleinbetrieb bekannt gegeben. Für die Erzeugung von Trockenkartofseln im Großbetrieb waren 25000 Mark aus­gesetzt, von denen ein Preis von je 10000 Mark Wilh. Knauer-Kalbe a S. und Akt.-Ges. Vennlette und Ellenberg-Darmstadt und einen Preis von 5000 Mark Büttner u. Meyer-Uerdingen a. Rh. für Herstellung im Kleinbetrieb erhielten, einen Preis von je 2500 Mark: Akt.-Ges. Vennlette u. Ellenberg-Darmstadt und Büttner und Meyer-Uerdingen a. Rh. Besondere Anerkennungen wurden ausgesprochen für die Leistungen von L. Wüsten- Hagen-Hecklingen i. Anh. und der Anhalter Zündwaren- sabrik Heintz u. Bischof-Coswig i. Anh.

Die Ausstellung bietet auch für die Frauen viel des Interessanten, so die Aartoffelkonserve, von der man in sauberen Beutelchen Proben entnehmen kann zum Versuche in der eigenen Küche, über deren vielseitige Ver­wendung man sich aber auch in der Kartofselküche der Ausstellung durch Kostproben überzeugen kann, ferner die Kartoffel st ärke, die als Mehl, in stückiger Form, zu Nudeln oder Sago verarbeitet dargeboten wird, den Kartofselsyrup, mit dem eingekocht sich in sau­beren Glasbüchsen das rheinische Kraut empfiehlt, und endlich auch dem Aartoffelzucker, mit dessen Hilfe der mit dem Aartofselkoch wetteifernde Ausstellungskondi­tor herrliche Torten und Kuchen backt. Nicht minder inter­essant für die Frauenwelt sind die Spiritusherde und die Verwendungen des Spiritus zu den verschiedenen Be uch-

tungszwecken von der Einfachen Küchenlampe bis zur Ball­saalkrone und der Dreihundertkerzen-Lampe der Leucht­türme. Auch eine Plättstube ist in Tätigkeit gesetzt, wo flinke Hände die mit Kartosselmehl gestärkte Wäsche mit den spiritusgeheizten Bügeleisen plätten. Heber all sausen flinke Moto re, in denen i/2 Liter Spiritus so viel Kraft schafft wie ein Pferd in einer Stunde, und rasselnd durcheilen das Ausstellungsgelände schon jetzt elegante Spi- rituskutschen und schwere Spiritus-Lastautomoblie.

In der Ausstellung finden populäre Vorträge statt. Heute sprach Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Delbrück überDie Kartoffel im deutschen Wirtschaftsleben" mit Skioptikon- Vorführung. Montag, den 9. Februar und Sonntag, den 15. Februar wird Professor Dr. Wittelshöfer überDie technische Verwendung von Spiritus" mit Vorführung von Apparaten, den 10. und 14. Februar Dr. Behrend über Kartoffel-Verwertung" mit Demonstration von Proben und Skioptikon-Vorführung sprechen.

Aus und Land.

Gießen, den 9. Februar 1903.

Postalisches. Wir erfahren, daß bei der Ober- Postdirektion in Darmstadt eine Sendung, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zählt, als unbestellbar lagert: Einschreibbrief aus Bad Nauheim an Georg Siebert in Wies­baden, Herrmannstr. 17 III. vom 15. 7. 02. Der zur Em­pfangnahme des Brieses Berechtigte muß sich binnen 4 Wochen bei der Ober-Postdirektion melden, widrigenfalls der Brief vernichtet wird.

** Preisausschreiben. Von der Großh. Zentral­stelle für die Gewerbe in Darmstadt ist ein Wettbewerb aus­geschrieben worden, an dem sich die in Hessen ansässigen Künstler und Zeichner beteiligen können. Näheres ist aus dem Inseratenteil ersichtlich.

Der Verein ehern. Kameraden der Großh. Hess. (25.) Division zu Berlin hielt, wie man uns aus Berlin schreibt, im vergangenen Monat seine ordentliche Generalversammlung ab, wobei der Vorstand wie folgt, zu­sammengesetzt wurde: Dr. Schäfer als Vorsitzender, Beamter Walter als Stellvertreter, Wachtm. Send- zik (ehern. 116) I. Schriftführer, Kaufmann E. Fischbach (aus Gießen) II. Schriftführer, Beamter Gebier als Rendant, Schneidermeister Krüger als Kassierer, Poliz.-Lt. von Carnap, Lt. d. N. Schmidt und Apotheker Weiß als Beisitzende. Der Verein zählt auch eine stattliche Anzahl Offiziere, darunter mehrere Generäle zu seinen aktiven Mit­gliedern. Daraus ersieht man einen schönen Erfolg der Rührig­keit des Vereins. Die monatlichen Vereinssitzungen finden am 2. Mittwoch nach dem 1. eines jeden Monats, abends 8 V2 Uhr, im Vereinslokal Niederwallstraße Nr. 11 (Krebs- Hotel) statt. Ehemalige Kameraden, die das Geschick nach Berlin führt, sind an den Vereinsabenden als Gäste stets willkommen.

M. Beuern, 8. Febr. Unsere Gemeinde-Jagd stieg bei der Verpachtung dieser Tage auf 1440 Mk. Der seit­herige Pächter, Freiherr v. Röder, erhielt sie wieder. Vor sechs Jahren hat er sie für 605 Mk. erhalten.

-i- Köddingen, 8. Febr. Der hiesige, vor drei Jahren gegründete Kriegerverein beging dieser Tage das Fest der Fahnenweihe, verbunden mit der Feier des Geburts­tags des Kaisers. Beim Festakt, im Saale des Gastwirts Baur, hielt Pfarrer Scriba aus Stumpertenrod die Weihe­rede. Später richtete Geh. Regierungsrat Schönfeld noch mehrere Ansprachen an die Festversammlung. Gegen Abend begann der Feslball.

Frankfurt, 7. Febr. Das genaue Resultat der hier am 1. Februar vorgenommenen Arbeitslosenzählung liegt nunmehr vor. Gezählt wurden 3570 Arbeitslose. Da­von waren 2094 gelernte Arbeiter, 955 ungelernte Arbeiter, 206 Kaufleute und verwandte Berufe, 315 Mädchen und Frauen.__________ ______________________

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, cibi. zer ronprinz wohnte gestern abend in der Aula der Universität einer Sitzung der Inter­nationalen Musikgesellschaft und der Psychologischen Gesell­schaft bei, in welcher die Lösung des Problems der Photo­graphie ber Musik, der Stimme und Sprache be­handelt und der vom Ingenieur Vernenka aus Prag er­fundene neue P h o t o p p o n o g r a p h vorgeführt wurde.

Berlin, 8. Febr. In der gestrigen Sitzung der Ge­sellschaft für Erdkunde hielt Sven Hedin einen Vortraa über seine dreijährige Reise in Jnnerasien und Tibet. Geheimrat Schmidt vom Kultusministerium über­reichte Sven Hedin nach dem Vortrag den Kronenorden zweiter Klasse mit dem Stern. Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde ernannte ihn zum Ehrenmitglied und verlieh ihm die goldene Nachtigall-Medaille. Heute wiederholte Sven Hedin imInstitut für Meereskunde" den Vortrag. Kultusminister Tr. Studt überreichte Sven Hedin als sichtbares Zeichen dieses Tankes und zur Er­innerung an seinen Berliner Aufenthalt die anläßlich des 200jährigen Jubiläums der Akademie der Wissenschaften geprägte Plakette. Heute mittag fand zu Ehren Sven Hedins bei dem norwegischen Gesandten ein größeres Früh­stück statt, an dem auch Minister Tr. Studt und mehrere Räte aus dem Kultusministerium teilnahmen.

Der G o e t h e b u n d Deutschlands meldet sich) Er wählte in schriftlicher Abstimmung Bremen als Vorort für 1903 und wird vermutlich noch im Frühling einen Delegiertentag einberufen.