Ausgabe 
8.9.1903 Zweites Blatt
 
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Manen schwer erkrankt. Außerdem sind eine Anzahl Soldaten in ärztliche Behandlung gegeben morden. Gleich­zeitig mehren sich auch die Meldungen über an bete leidige Vorkommnisse, hier Mißhandlung von Soldaten und dort Mangel an Sorgfalt von Seiten der Militär­ärzte gegenüber kranken Leuten. In der französischen Stadt Lille ging baß so weit, daß ein Unteroffizier sich er­schoß, weil der Militärarzt, den er wegen eines Fußleidens bat, chm ein paar Tage Ruhe zu verschreiben, ihn mit der N^e entließ:Konsultation ohne Strafe!" Das will heißen, daß der Kranke das nächste mal eine Disziplinarstrafe zu gewärtigen hätte, wenn er wieder ohne genügenden Grund ärztliche Hilfe in Anspruch nehme.

Politische Tagesschau.

Zum Luthertoast des Kaisers.

Der Kaiser hatte bekanntlich im Ständehanse zu Merse- bnrg von Luther als ,>em größten deutschen Manne" ge­sprochen, ,^er in Wittenberg für die ganze Welt die größte befreiende Tat geitan hat und die Schläge seines Hauuners aufweckend über die deutschen Gefilde schalten ließ". Dazu schreibt die klerikaleKöln. VolksM.":

Der Kaiser hat durch seine Rooe in Merseburg den pro­testantischen Theologen gezeigt, daß man den Dr. Luther und die Reformation in der schwungvollsten Weise preisen kann, ohne die Empfindungen der Ka­tholiken zu verletzen. Bisher wurde das immer bestritten; die Herren suchten alles Ernstes nachzuweisen, ohne Beschimpfung der katholischen Kircl)e lasse sich Luthers Lob nicht fingen. Wenn sie in der Weise des Kaisers die Reformation feiern, so wird kein Katholik etwas dagegen zu erinnern haben. Die Verschiedenheit der Auffassungen nruß als etwas Gegebenes hingenommen werden; von beiden Seiten haben wir mit der Tatsache zu rechnen, daß man dort in Luther den Mann sieht, der seinen Anhängern den Weg der Wahrheit gezeigt habe, während man hier der Ansicht ist, daß er sie in die Irre geführt. Wir werden es wohl nicht erleben, daß einer der beiden Teile seine Ansicht aufgiebt; aber wir möchten es erleben, daß die Vertretung der eigenen An­schauung hinfort ohne Beschimpfung des Gegenparts ge­schehe. Wo dagegen ganz vereinzelt von katholischen Seite gesündigt ist, haben wir es stets gerügt, aber wir möchten hoffen, daß man auch auf der anbern Seite endlich lernt, sich duldsamer auszudrücten. Der Kaiser hat gezeigt, dag man, ohne von der protestantischen Auf­fassung ein Tüttelchen preiszugeben, in der Beurteilung der Reformation doch eine Beleidigung der Katholiken vermeiden kann-

Diese Mildernd Versöhnlichkeit des großen rheinischen Zentrumsblattes ist außerordentlich charakteristisch für das Verhalten derführenden" Partei gegenüber dem neuesten Kurse. Da die Reichsregierung Pas Zentrum jetzt mit so überaus zarten Sammetpfötchen anfaßt und mit Aengsb- lichkeit darauf sieht, daß dem Zentrum ja kein weißes Kieselsteinchen auf den schwarzen Weg gelegt werde, erweist si ch' nun das Zentrum dankbar dafür und geht mit jung­fräulicher Sanftmut über die neueste überraschende Stegreif- rede Kaisers hinweg. Hoffentlich ist diese zarte Sanft­heit von Dauer uub hält in arideren Zeiten anderen Worten gegenüber gleichen Stand.

Ausland.

London, 7. Sept. Wie es heißt, beabsichtigt der Kriegsmini st pr infolge des Ergebnisses der Unter­suchung über den Transvaalkrieg seine Demission zu geben. Ebenso sollen einige andere Kabinetts- mitglieder entschlossen jein, gleichfalls von chren Posten zurückzutreten, weil sie, wie zahlreiche industrielle Vereinigungen, die Zollpläne Chamberlains nicht zu billigen vermögen.

Amsterdam, 7. Sept Panglima Polim und Razzia Keumala haben süh der niederländischen Regierung unter­worfen. Damit ist der Atchin-Krieg beendet.

Brüssel, 7. Sept König Leopold hat in der An­gelegenheit des Kongo st aates in Paris nicht den erwünschten Beistand gesunden. Es heißt, Frankreich werde zwar keine Feindseligkeiten gegen den Kongo dulden, aber auch nicht gegen die von mehreren Mächten geplante Enquete über Mißhandlungen Eingeborener und Verletzung der Handelsfreiheit opponieren. Einer Antwerpener Vield- ung zufolge soll die Kongoregierung beschlossen haben, die Ostgrenze des Kongostaates befestigen und zu diesem Zweck bereits bei Krupp Panzertürme unb schwere Artillerie bestellt haben.

Rom, 7. Sept Der Zar wird den P a p st b e s u ch von .der russischen Botschaft aus antreten. (Also nicht wie König Eduard, sondern wie Kaiser Wilhelnt)

Aon der neuen serbischen Hsstztersverschwörung liegen heute folgende Meldungen vor, die ein recht ver­worrenes Bild von den Zuständen im Lande des einst roten" Königs Peter entrollen:

Tie Häupter der Verschwörung vom 11. Juni halten täglich Beratungen ab, die mit den Minister-Konferenzen parallel laufen und auf diese einen verhängnisvollen Einfluß aus­üben. Von einigen Kabinetts-Mitgliedern, die von der Er­mordung des Königs Alexander wußten, werden sie offen­kundig unterstützt. Die übrigen Minister stehen unter chrem Terrorismus. König Peter wagt es gleichfalls nicht, gegen sre energisch auszutreten. Es steht fest, daß sich von den 1300 serbischen Offtzieren über 900 der Aktion gegen die ^rschwörer angeschlossen haben. Die ehemaligen Ver­schwörer fordern die Verhaftung des Generals Magdale- nitsch, der in der Armee großen Einfluß besitzt und des früheren Krregsministers Wastitsch. Tie E n t h e b u n g des verdächtigen Divisionskommandeurs in Nisch, Generals 2 a n k o w i t s ch, der sich bisher weigerte, sein Kommando abzugeben, wurde beschlossen und wird, wenn nötig, mit Gewalt durchgeführt werden. An seine Stelle soll Gene­ral Tjuknitsch treten, der cm der Verschwörung vom 11 Juni beteiligt ist. ö

Tie Gerüchte von einem Attentat, das gegen den König Peter versucht sein soll, werden offiziös als voll­kommen unbegründet bezeichnet. Aber der Minister des Innern erhielt die Mitteilung, die Verschwörer hätten General Ma gd alenitsch, Oberst Wasitsch Chefdes Preßburcaus nnd zwei Jo urnaHft^ zum Tove verurteilt. Tie Lage sei kritisch Der König erhalte, so wird pdbcu gemeldet, täglich Trob - triefe. Cr äußerte, er befinoe sich in emer s u r ch t b a r e n Situation. Das Komplott der Lssiziere ,oll sieb orrekt gegen den König gerichtet haben, dies werde ledoch ängstlich geheim gehalten. Amtlich wird erklärt

daß der Divisionskommandeur General Jankowitsch auf eigenes Ansuchen pensioniert sei. In Nisch sind wieder mehrere jüngere Offiziere verhaftet worden.

Iayressest des Kesstschen Zweigs der Südwest- deutschen Konferenz für Innere Mission.

(Original-Bericht desGieß. Anz.")

Pm. Darmstadt, 7. Sept.

Das Fest begann gestern abend mit einem Festgottes­dienst in der Stadtkirche, der durch die Mitwirkung des Posaunenchors der hiesigen christlichen Vereine junger Männer und des K'irchengesangvereins der Martinsgemeinde geschmückt war. Die Festpredigt hielt Stadtpfarrer Mühl­häuser aus Karlsruhe über Mre. 6, 3444 und zeigte Christus mitten unter der Masse des Volkes", wie er auch heute noch von seinen Jüngern verlangt, daß sie unter das Volk gehen und arbeiten. 1. Er drückt ihnen den Stachel ins Herz: Gebt ihr ihnen zu essen. 2. Er füllt ihnen die Hände. Ein sehr zahlreich besuchter Farnilienabeud ver­sammelte die Festgenossen imKaisersaal", wobei Pfarrer Wahl-Langen einen sehr anregenden Vortrag überStadt mrd Land in kulturgeschichtlicher und sozialer Beziehung" hielt. Heute morgen tagte die Versammlung im Gemeinde­hause der Martinsgemeinde. Um 9 Uhr fand zuerst eine Sitzung des Vorstandes mit den Shnodaivertreteru und Agenten statt, wobei besonders über Volkslektüre und Volks­bibliotheken verhandelt wurde. Die Jahresversammlung wurde durch eine von Herrn: Prälat D. Walz gehaltene Morgenandacht eröffnet. Alsdann erstattete der Vorsitzende, Professor Weimer, den Jahresbericht, aus dem wir u. a. entnehmen, daß die drei in den letzten Jahren begründeten Anstalten zur Erziehung der verwahrlosten konfirmierten Jugend gut gedeihen. Tie landwirtschaftliche Anstalt Au­mühle bei Darmstadt zählt 60 Zöglinge, darunter 23 aus Hessen, das Lehrlingshecm in Dillenburg 80 Zöglinge, darunter 16 Hessen, das Fraueuheim Eiten heim zu Frankfurt 60 Zöglinge, darunter 28 aus Hessen. Die Epi­leptischenanstalt in Nieder-Ramstadt ist nun ausge­baut und beherbergt an 80 Zöglinge. Tas geplante Halten von Vorträgen in Stadt und Land ist für ben Winter vor­gesehen. Tw Gesamteinnahmen betrugen 10 966,04 Mk., die Ausgaben 10 434,69 Mk. Den Mittelpunkt bildete der Vor­trag des Pfarrers Kops er mann ans Dreckenheim über Die Arbeit an der Jugend auf dem Land e". Die Arbeit an der Jugend auf dem Lande, so führte er aus, ist ebenso nötig, wie die an der städtischen Jugend. Sitte und Tracht sind in Verbindung mit dem Dialekt Bollwerk gewesen, die den Bauer als ein eigenartiges Stück unseres Volkstums vor dem Eindringen übler Einflüsse bewahrten. Jetzt flutet mit Macht städtisches Wesen oder vielmehr Unwesen ein. Auch die Erwerbsverhältnisse haben sich gewaltig verändert, schon die schulentlassene Jugend hilft zum Unterhalt beitragen, und nimmt sich dafür das Recht heraus, die Autorität der Eltern zu ignorieren. Das Familienleben fehlt überhaupt vielfach. Dafür hat die Ge­sellschaft umso gewaltigeren Einfluß. Wenn auch vielleicht die ländliche Jugend mehr naiv roh, nicht so raffiniert ist, wie die städtische; es ist bitter not, daß an ihr gearbeitet wird. Aber es ist auch ganz besonders schwer, daß an ihr gearbeitet wird. Einmal fehlt es an den Personen, die arbeiten können. Gewiß ist es des Pfarrers Pflicht, zu tun, was er kann. Aber zumal Sonntags ist er besonders in Anspruch genommen und nicht jeder taugt für die Arbeit, für die es in der Stadt auch mancherlei Helfer gibt, die auf dem Lande Raritäten sind. Es fehlt aber auch an den Personen, die an sich arbeiten lassen. Die Kreise in der Stadt sind größer, der Einzelne verschwindet mehr, ist auch von Jugend auf an eine gewisse Selbständigkeit gewohnt. Auf dem Lande ist die Jugend eine geschlossene Masse, von der den Einzelnen loszulösen fast ein Ding der Un­möglichkeit ist. Es scheut sich jeder, gegen den Strom zu schwimmen. Schließlich fehlt es an Lokalen. Es sollten auch auf dem Lande Gemeindehäuser gebaut werden, wie es hier und da geschehen ist. Hier könnte, ein Mittelpunkt für alle Werke der inneren Misiion geschaffen werden. Trotzdem muß man mit allen Mitteln darnach streben, irgend eine Art der Beeinflussung der Jugend zu ermöglichen. Sehr zu warnen ist dabei vor bloßer Uebertragung der in der Stadt bewährten Formen der Arbeit. Nicht überall werden sich Jünglings- und Jungfrauenvereine gründen und er­halten lassen, noch weniger derJugendbund für ent­schiedenes Christentum", eher schon die jetzt rasch sich ver­breitendenJugendklubs". Tas Beste ist wohl, zunächst eine kleine Zahl von Konfirmierten ohne feste Form zu sammeln und daraus allmählich auch von unten auf den Verein" re. wachsen zu lassen. Die Mittel, die gesammelte Jugend zusammen zu halten, sind im großen und ganzen dieselben, wie m der Stadt. Auf dem Lande ist vor allem nötig die Gewinnung des Vertrauens der Eltern und der Kinder, auch Aufklärung über die Erziehungsarbeit. Trotz aller Schwierigkeiten muß die Arbeit getan werden.

In der sich anschließenden Diskussion wurden die Schwierigkeiten, die Ausgaben und Mittel der Jugendfür­sorge von verschiedenen Seiten eingehend besprochen. Na­mentlich wurde auch auf die Möglichkeit hingewiesen, an die männliche Jugend durch die Männer heranzukommen. Neben manchen entmutigenden Erfahrungen konnte doch auch von recht schönen Erfolgen berichtet werden. Schließ­lich wurde folgender Antrag von Pfarrer Widmann ein­stimmig angenommen:

Der zu Darmstadt versammelte hessische Zweig der süd- westdeutschen Konferenz für innere Mission richtet an Großh. Ministerium des Innern die Bitte, die Arbeit der Jugend- sürsorge zu unterstützen durch nachdrückliche Empfehlung derselben bei den Großh. Kreisämtern und Gemeindevor­ständen in Stadt und Land, insbesondere den letzteren die Bereitstellung von Geldmitteln und Ueberlassung geeigneter Lokale zur Pflicht zu machen.

Aus Studl und Kund.

Gießen, den 8. September 1903.

Nachrichten über bemerkenswerte Vorkommnisse in Stadt und Land werden stets gern entgegengenommen und angemessen honoriert!

** S. K. H. der Großherzog haben am 5. September d. Js. der am 13. August 1903 durch die Stadtverordneten­versammlung zu Offenbach erfolgten Wahl des Stadtrats Karl Hermann David Zopfs zu Aue zum zweiten be­soldeten Beigeordneten der Stadt Offenbach die Bestätigung erteilt.

L. U. Am 21. September d. Js. beginnen in Berlin die Beratungen oes Internationalen Statistischen Instituts und dauern brs zum Ende der vierten September­woche. An der Tagung nimmt als Vertreter der Hessischen

Landesuniversität auf besondere Einladung der Reichsregierung Herr Professor Dr. M. Biermer teil.

L. U. Nach einer kürzlich eingelaufenen Mitteilung des Reichskanzlers wird sich das Deutsche Reich auf der Welt­ausstellung in St. Louis im Jahre 1904 durch em groß angelegtes Werk über das deutsche Unterrichtswesen, das namentlich auch die Universitätsverhältnisse zur Darstellung bringt, beteiligen. Die Oberleitung für die Abfassung dieser Monographie ist dem Preußischen Kultusministerium über­tragen worden. Die Universität Gießen bearbeitet der hiesige Nationalökonom Herr Professor Dr. M. Biermer.

* * Von der landwirtschaftlichen Ausstellung. Die Feuer-, Unfall- und Haftpflicht-Versicherungen für die Ausstellung wurden vom Versicherungs-Ausschuß mit der Thuringia in Erfurt abgeschlossen, welche übrigens am 19. d. Mts. die Feier ihres 50jährigen Bestehens be­geht. Der Abschluß erfolgte durch den hiesigen General-Agent Otto Pickert. Die offizielle Festpostkarte, die im Verlage von Ernst Balser erschienen und uns heute vorgelegt worden ist, wird sicherlich allgemeines Lob finden, da sie sehr ge­schmackvoll ausgeführt und durchaus keine sogenannteKerwe­karte" ist. Eine ' hübsche Ansicht von der Stadt, em nicht minder nettes Bild einiger Bäuerinnen in der oberhessischen Tracht sowie die Abbildungen etlicher landwirtschaftlicher Tiere sind darauf recht wirkungsvoll gruppiert. Von morgen ab wird, wie der geschäftsführende Ausschuß heute bekannt macht, der Ausstellungsplatz allen denen, die dort keine Geschäfte zu erledigen haben, verschlossen sein. Am Sonntag, den 13. d. M. beträgt der Eintrittspreis zum Platz von 6 Uhr abends ab 20 Pfennige.

* * Das 24. Dragoner-Regiment aus Darmstadt ist auf seinem Manöverzug heute früh durch unsere Stadt gekommen und in einige umliegende Ortschaften einquartterl worben.

* * Sänger-Ehrenpreis. Die Rheinische Bierbrauern Mainz übersandte dem Maschinenbauer-Gesangverein gestern einen sehr wertvollen Kunstgegenstand als Ehrenpreis zu dem im kommenden Jahre zu Pfingsten stattfindenden nationalen Gesangs-Wettstreit. Buchdruckereibesitzer Nitschkowsky über­sandte ebenfalls einen sehr wertvollen Ehrenpreis. Beide Ehrengaben sollen demnächst ausgestellt werden.

* * Die theoreti sche Meisterprüfungen für die Provinz Oberhessen nahmen am 7. September ihren Anfang und dauern bis zum 23. d. M., ausgeschlossen jeder Sonn­tag. Beteiligt sind hierbei 17 Schreiner, 3 Glaser, 9 Metzger, 3 Bäcker, 3 Schuhmacher, 3 Schornsteinfeger, 15 Maurer, 7 Zimmerleute, 6 Wagner, 7 Weißbinder, 3 Steinmetzen, 2 Dachdecker, 2 Schlosser, 3 Spengler, 1 Kupferschmied, 1 Mechaniker, 1 Drechsler, 1 Schneider, 1 Pflästerer, 2 Sattler und 1 Imker. Interessenten steht es frei, den Prüfungen beizuwohnen. Die Prüfungen dauern- von morgens 912 und von 26 Uhr.

n. Groß-Felda, 7. Sept. Gestern abend fand in der Weiffenbachschen Wirtschaft hier zu Ehren des nach Pohl- göns versetzten Dekans Wörißhosfer ein Abschieds­essen statt, das bei sehr starker Beteiligung aus dem ganzen Kirchspiel einen überaus schönen und erhebenden Verlauf nahm. Apotheker Gerber begrüßte die Festversammlung und brachte ein von echt patriotischem Geiste getragenes Hoch auf Kaiser und Großherzog aus. Im Namen des Kirchspiels Groß-Felda-Windhausen hielt hierauf Lehrer Neeb eine längere Ansprache an den Gefeierten, worin er dessen 24jährige segensreiche Wirksamkeit am hiesigen Orte in warmen Worten der Anerkennung und des Dankes schilderte. Landwirt H. Neeb von hier erfreute die Versammlung durch eine poetische Gabe, worin er der treuen Liebe der Gemein­den einen sinnig-schönen Ausdruck verlieh. Hierauf brachte ein ehemaliger Schüler des Herrn Dekans, stud. phil. Rühl, in schwungvollen Worten einen mit großer Begeisterung auf­genommenen Trinkspruch auf die Familie des Gefeierten aus. In bewegten, oft von Humor durchwehten Worten dankte Dekan Wörißhosfer allen Teilnehmern und Rednern des fest­lichen Abends und schloß mit einem Hoch auf die gemein­same Heimat. Noch mancher Trinkspruch in Ernst und Scherz wurde vernommen und auf eine Anregung des Herrn Haber­korn-Windhausen für die Wasserbeschädigten in Schlesien eine Tellersammlung veranstaltet, die ein ansehnliches Ergebnis hatte. Spät erst trennten sich die Teilnehmer des so schön und würdig verlaufenen Festes.

Frankfurt, 7. Sept. Die vier Leichen, die Sams­tag aus dem Main geländet worden sind, wurden als der Arbeiter Kefer aus Eckenheim, dessen Frau und Kinder rekog­nosziert. Die Frau war wegen Mißhandlung der Kinder zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden und hatte vor kurzer Zeit wegen desselben Vergehens eine neue Vor­ladung erhalten. Die Furcht vor neuer Strafe dürfte der Grund gewesen sein, daß die Familie den gemeinsamen Tod in den Fluten suchte. Am 25. und 26. Oktober findet hier der 1. Vat erländische Arbeiterkongreß statt. Aus dem Rückweg von einem Automobil-Ausflug nach der Saalburg, welchen der Teilhaber der Motoren- und Maschinen-Agentur A. Bollin, Heinrich Bollin, nut feinem Sohne und einem Neffen gestern unternommen hatte, verlor der Führer die Herrschaft über das Gefährt, der Wagen schlug um und die Insassen wurden herausgeschleudert. Bollin erlitt einen Arm- und Beinbruch, ein Knabe eine Gehirnerschütterung, auch der Führer trug Verletzungen da­von, während der andere Knabe mit dem Schrecken davonkam.

Dermischlrs.

e Dortmund, 7. Sept. In Königsbor,, verhaftete die Polizei drei Kurgäste, in deren Zimmer man m einem verschlossenen Behälter eine vollständig in Verwesung über­gegangene Kindesleiche fand.

' Acichen, 8. Sept. Der Bursche eines hiesigen Majors legte beim Gewehrceinigcn die Waffe auf ein Dienstmädchen an, m dein Glauben, das Gewehr sei nicht geladen und schoß. Das Mädchen stürzte t o t zu Boden.

Magdeburg, 7. Sept. Aus Licbesgram war»f sich heute nachmittag die 19jährige Tochter des Sekretärs Werner auf der Strecke AlagdebürgSudenburg vor einen Personenzug und wurde gräßlich verstümmelt Die Auflösung ihres Verlöbnisses mit einem Schlosser soll die Veranlassung zum Selbstmorde sein.