schwere Schläge mit einem Stocke über den Rücken versetzte. Der ärztliche Fundbericht giebt grüne Verfärbungen an Arm und Rücken ansidie auf derbe, jedoch nicht übertriebene Züch-- tigung schließen lassen. Die Beweisaufnahme ergab auch, daß der ^gezüchtigte Junge ungehorsam und auslehnend war und die Schläge sehr wohl verdient hat, daß ferner der Lehrer ihn nicht absichtlich auf Arm und Rücken, sondern aus den Körperteil hat schlagen wollen, der hierzu vorzugsweise bestimmt ist. Auch hat der Lehrer das Maß seines Züchtigungsrechtes nicht überschritten. Die Kammer sprach ihn djaher von Strafe und Kosten frei.
Ueberschwemmungen in Schlesien.
Kultusminister Dr. Stud t ist in der vergangenen Nacht von seiner Ben.a)tigungL>reise aus Schlesien zu^ückgekehrt. Die eingehenoe Prüfung der sanitären Verhältnis fe der durch das Hochwaster geschädigten Ortschaften führte zu dem erfreulichen Ergebnis, oaß bie am 22. Jult getroffenen Anordnungen, welche die Instandsetzung der Wohnungen, die Desinfektion der Wohnstätten und Gehöfte, die Kontrolle des Gesundheitszustandes, die Unterbringung der obdachf- los gewordenen Personen usw. betrifft, durch die zuständigen Beamten tatkräftig und erfolgreich zur Durchführung gebracht worden sind. Nur in einem Falle hatte der Minister Veranlassung, die Entsendung eines besonderen Kam- missars in eine größere Ortschaft anzuordnen, um die wirksame Durchführung aller notwendigen Maßnahmen sicher zu stellen. Den nach den gefährdeten Stellen entsandten Offizieren und Mannschaften, welche bei den Rettungsarbeiten beteiligt waren, wurde die größte Anerkennung für ihre Tätigkeit gezollt. In einer Schluß-Konferenz, welche der Minister gestern nachmittag zu Oppeln abhielt, konnte er seiner Befriedigung über das Rettungs- und Sanierungswerk Ausdruck geben. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist begründete Hoffnung vorhanden, daß die Provinz Schlesien vor weiteren traurigen Folgen der über sie hereingebrochenen schweren Heimsuchung bewährt bleiben wird. — In Breslau trat unter dem Vorsitz des Landwirtschaftsministers v. Podbielski gestern, Freitag, vormittag im Oberpräsidium eine Konferenz zusammen, die sich hauptsächlich mit wasserbautechnischen Fragen befaßte. Die Konferenz beriet außer einer Reihe anderer Fragen vornehmlich die Regulierung des Schwarzwassers, eines kleinen Nebenflusses der Oder, der bei der letzten Katastrophe ungeheuren Schaden anrichtete.
Vermischtes.
* Köln, 8. August. Mehrere Knaben spielten mit einer Dynamitpatrone, als diese explodierte. Zwei Kinder wurden schwer verletzt.
Witten a. d. R., 7. Aug. In dem benachbarteu Annen wurde ein Wirt und ein Gemüsehändler wegen Falschmünzerei verhaftet. Sie hatten 2- und 5-Mark- ftücfe hergestellt und in den Verkehr gebracht.
* Berlin, 8. August. In der Adalbertstraße jagte ein scheu gewordenes Pferd über den Fahrdamm und rannte derart gegen einen Straßenbahnwagen, daß die Scheerbaumstange einem auf dem Vorderperron des Straßenbahnwagens stehenden Mann in den Unterleib drang. Der Verwundete wurde in ein Krankenhaus geschafft. Sein Zustand ist bedenklich.
* Magdeburg, 8. Aug. Ein Maurer, der mit einer Witwe ein Verhältnis unterhielt, versuchte diese zu ermorden. Er brachte ihr mit einem Sattlerpfriemen elf Stiche bei. Die Verwundete wurde in ein Krankenhaus gebracht. Der Täter ist verhaftet.
* Göttingen, 7. Aug. Heute nachmittag fand in Münden die Einweihung des Lokomotivführerheims statt. An der Feier nahmen etwa 500 Lokomotivführer aus allen Teilen Deutschlands teil. Minister Budde entsandte als Vertreter den Ministerialdirektor Wehrmann. Anwesend waren ferner der Präsident der Eisenbahndirektion Kassel und Vertreter der Eisenbahndirektionen Hannover, Frankfurt, Magdeburg und Erfurt.
* Braunschweig, 7. August. Die Meldungen über zahlreiche Typhus-Erkrankungen von Schulkindern sind stark übertrieben. Insbesondere handelt es sich überhaupt nicht um Typhus, sondern um leichte gastrische Erkrankungen, die sämtlich einen gutartigen Verlauf nahmen. Dritte Personen sind nicht angesteckt. Die Entstehungsursache wird hauptsächlich in dem ungünstigen Wetter erblickt.
* München, 7. August. Einer dem Ministerium des Aeußern vorliegenden Denkschrift ist zu entnehmen, daß die 1. Wagenklasse in Bayern beibehalten, dagegen aber die 4. Wagenklasse nicht eingeführt werden soll. Eher empfehle sich, den Preis für die dritte Wagenklasse auf jenen der 4. zu ermäßigen. Weiter wird empfohlen, für Schnellzüge nur 1. und 2. Klassewagen einzustellen und die 3. Klasse lediglich auf die Eilzüge zu beschränken.
* Antwerpen, 7. August. Im Dorfe Caap bei Tourn- hout an der holländischen Grenze sand ein vom Felde zurückkehrender Landwirt seine Frau im Bette ermordet vor. Kurz darauf entdeckte er im Brunnen die Leiche seiner Schwiegermutter. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur.
* Gastein, 7. August. Geheimrat Felix Dahn ist zum Kurgebrauch hier eingetroffen.
'"Durand, 7. August. In Michigan auf der Trunk Eisenbahn stieß ein Teil des Zuges, der den Zirkus Wallaee Brothers beförderte, mit dem anderen Teil zusammen. 19 Personen, darunter der Zugführer, sind getötet, 30 verletzt.
Kunst und Wissenschaft.
R 0 s e g a e r s D a n k. Peter Rosegger in Krieglach erläßt m der „Frkf. Ztg." folgende Danksagung:
In jungen Jahren habe ich mir gedacht, welch ein königliches Gefühl das sein müßte, auf dieser Welt mehr zu geben als zu empfangen, der Menschheit Schuldherr zu sein. Zeitweilig schien es, als wäre diese stolze Würde mir beschieden. Hub nun in meinen alten Tagen bin ich so lief in Schulden geraten. Das ivas ich jetzt empfangen, kami ich nimmermehr bezahlen. Bin doch viel aii Nachsichc unb Güte gewohnt worben, aber vor dieser Hochflut an Ehren und Liebe steh ich ratlos da. Fast verzagend. Ich weiß ja, daß es ein großer Tank ist und daß wahrer Tatst fernen Gegen- banf erwartet, aber in mir ist keine Ruhe, solange ich nicht jcbem, ber mich in irgenb einer Form zii meinem 60. Geburtstag begrüßt hat, gebankt habe. Uiib bas ist nicht möglich. — Es war ein grimmiges, herzfrohes Unwetter. Ein Rauschen in den Blattern wie Ätalensöhii unb Sommersturm, ein Gießen imb Strömen aus allen Weltgegenden, aus allen Tiefen unb Höhen — tagelang. Ich habe mich umsoiisl zu schützen gesucht unb bin mm naß bis auf bie
Neueste MewmMtt.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 8. Aug. Der in der Presse im Borans viel besprochene E m p f a 11 g des deutschen Botschafters Freiherrn Speck vo n Sternburg hat einem New- Dorker Telegramm des „Lok.-Anz." zufolge gestern in Oysterbay stattgesunden. Der Botschafter traf um 11 Uhr in Oysterbay ein und fuhr bald darauf von einer Privat-Equipage des Präsidenten abgeholt nach dessen Villa auf Sugamore Hill, wo er durch den Staatssekretär Loomis vorgestellt wurde. Mit einer Ansprache, in welcher er die Versicherung ausdrückte, daß er sich bemühen werde, die langjährigen ohne Unterbrechung bestandenen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika zu pflegen und weiter zu entwickeln, überreichte der Botschafter sein Beglaubigungsschreiben. Präsident Roosevelt hob in seiner Erwiderung hervor, daß Freiherrn Speck von Sternbnrgs Vertrautsein mit dem Wesen der amerikanischen Regierung und des amerikanischen Volkes von besonderem Wert sei. Die amerikanische Regierung werde dell Botschaster in jeder Weise unterstützen. Auf Einladung des Präsidenten verblieb Freiherr von Sternburg auch die Nacht über in Sagamore Hill.
B e r [ i 11, 8. Aug. Zur Reichstags-Ersatzwahl in Dessau-Zerbst meldet das „Berl. Tagebl.", daß die Sozialdemokraten entweder Dr. Leo Arons oder den Rechtsanwalt Liebknecht als Kandidaten aufstellen werden.
Haut. Der Geburtstagsgruß ist ein brausendes Lied geworden. Wohl em Jahr lang werde ich zu lesen haben daran, was in diesen märchenhaften Tagen freundlich, liebreich und schön an und über mich geschrieben worden ist. — Anzengruber hat einmal seinen Geburtstagsgratulanten versprochen, er wolle fleißig dafür dichten. Sollte der Dank von unsereinem nicht besser darin bestehen, das Dichten endlich sein zu lassen? Ich kann nichts versprechen. Lasset Mich jetzt nur innig danken, von dieser Stelle aus nach allen Seiten hin, jeder Körperschaft und jedem Einzelnen danken für alle Grüße, für alle Spenden, für alle Ehrungen —für alle Liebe. Und bann lasset mich wieder zurückkehren zu mir selbst.
Krieglach, 6. August 1903.
Peter Rosegger.
Wteratur.
Die Gedächtnisrede zur Jahrhundertfeier des Geburtstags Liebigs hat Geh. Hofrat Professor Dr. A l e £. Naumann mit Einschaltungen im Druck erschenien lassen. Die Schrift, die im Verlag von Friedr. Vieweg in Braunschweig erschienen ist, ist mit einem sehr guten Bildnis Liebigs geschmückt.
— Wer Freude an der Photographie haben will, sollte nicht versäumen, sich zuvor neben den nötigen Handgriffen eine gewisse Summe des photographischen ABE anzu- eignen, dann erst kann er zielbewußt feine Aufnahmen fertigen, entwickeln und kopieren. Wer dies erreichen will, greife zii Dr. E. Vogels Taschenbuch der Photographie, ivelches jetzt gerade in 11. Auflage im Verlage von G u st a v Schmidt, Berlin W. 35 neu bearbeitet und vervollständigt er- schienen ist. Es ist ein Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene, in dem er alles silidet, was er braucht — gute Lehren, Ratschläge, Anweisungen, auch bildliche Anschauungen, Rezepte, Tabellen und vieles Andere. 89 Texlfiguren, 12 instruktive Tafeln und 20 Bildvorlagen schmücken den Band. Der Preis von Alk. 2,50 für das gebundene handliche Büchlein macht es für Jeden erschwinglich.
Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 7. August 1903.
(Mitgeteilt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 31/« Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oest. Kredit.... 208.20 208.25
Deutsche Bank . . . 213.00 212.80
Darmstädter Bank . . 136.80 137.00
Bochumer Guß ... 181.00 180.60
Harpener Bergbau . . 180.10 180.20
Schluß-Tendenz: ziemlich fest.
Getreide. Der Weitzenmarkt verkehrte während der abgelaufenen Woche in fester Haltung. Die Abschlüsse waren in der ersten Wochenhälfte ziemlich belangreich, das alsdann eingetretene bessere Wetter veranlaßte aber unsere Mühlen zu größerer Zurückhaltung. Tas Angebot von Amerika ist klein und die verlangten Preise sind hier nicht zu erzielen. Rumänien offeriert ziemlich viel, hat aber die Forderungen um 1—2 Mk. per Tonne erhöht. Von Rußland liegen verhältnismäßig wenig Offerten vor; die Preise koniiten ebenfalls 1—2 Mk. gewinnen. Tie Muster der neuen russischen Weizen zeigen, daß dieQualitäten teilweise zu wünschen übrig lassen. Vom Rhein lagen in den letzten Tagen auch schon Offerten, in neuem Weizen vor und wurde Mehreres getauft. Roggen ist sehr fest und höher; der Ausfall der russischen Ernte soll nach über- emftimmenben Berichten hinter den Erwartungen zurückbleiben. Dagegen scheint Norddeutschland eine gute Ernte und namentlich vorzügliche Qualitäten zu haben. Futtergerste etwas höher gehalten., Braugerste. Die bisher vorgelegten Proben der neuen Pfälzer Gerste haben die Aussichten auf gute Qualitäten wesentlich herab- geftimmt. Es zeigte sich daher tm Wochenlaufe mehrfach Frage nach guter alter Gerste; auch in Ungargerste haben schon einige Abschlüsse stattgefunden. Hafer etwas fester bei kleinem Verkehr. Mais ebenfalls fester. Tie heutigen Notierungen sind: Weizen. Red Winter 2 Wik. 135,5, Kansas 2 Mk. 135,5, Ulkaweizen 127,5, Rumänischer 134. Roggen. Russischer 101. Gerste. Ruff. Futtergerste 89ch. Hafer, russischer 100. Mais mixed 105, Laplata r. t. 98. Per Tonne erf Rotterdam.
Hopfen. Was soll man über den Stand der Anlagen sagen ? Gut oder schlecht, beides wäre sehr voreilig. Wohl haben die anhaltenden Regengüsse der letzten Wochen den Boden etwas stark durchfeuchtet, wieder aber sind viele Anlagen vorhanden, denen dasselbe sehr zugute kam. Die Hauptsache ist, daß sich inztvischen wieder wärmender Sonnenschein eingestellt hat, bei dessen Fortdauer und unter dessen Einfluß sich die Anlagen wohl sehr gut weiter entwickeln werden, so daß man in den nächsten 14 Tagen sich schon eher em Urteil erlauben kann. Am Markte in Nürnberg erscheint jetzt täglich zurückbehaltene Ware unb zwar sind die täglichen Zufuhren stets um ein bedeutendes höher als die Abgänge. Immerhin treten ständig noch Käufer auf, so daß die Vorräte bis zum Eintreffen der neuen Ernte geräumt sein dürften. Minimale Partien neuer Hopfen langten in Postsendungen an; man fordert per Pfund Mk. 2, wofür sich jedoch keine Abnehnier finben bürsten. — Die letzten Notierungen lauten für Marktware, prima Mk. 130 bis 135, mittel Mk. 122—128, gering Mk. 115—120, Württemberger, prima Mk. 135—14Q, mittel All. 128-132, Babenser, prima Alk. 135-140, mittel Mk. 128—132, Elsässer, prima Mk. 132—138, mittel 125—130.
Märkte.
Gießen, 8.August. Marktbericht. Aus heutigemWocbemnarkt kosteten: Butter pr. Pfb. 1,00—1,20 Mk., Hühnereier 1 St. 0—0 Pfg., 2 Stck. 13—15Pfa., Gäiiseeierl2—13 Pfg., Enteneier8—0 Psg., Käse vr.Stck. 5—8 Pf., Käsematte2Stck. 5—6Psg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,75—0,90Mk., Hühner pr. St. 1,20—1,80 Mk., Hähne pr. Stück 0,65—1,00 Mk., Enten pr. Stück 1,70—2,00 Mk., Gänse pr. Pfb. 54—60 Pfg., Ochs en fleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- unb Rindfleisch pr. Pfund 60—66 Psg., Schweinefleisch pr. Pfunb 66—76 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 68—74 Pfg., Hainmelfleisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 10,00—10,50 Mk., Weißkraut per Stück 00-00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 8,00—8,50 All., Milch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Pfb. 3g—40 Pfg., Aepsel per Pfb. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Psg. Trauben 00-00 Pfg.
Köln, 8. Aug. Von drei jungen Leuten, welche infolge einer Wette oberhalb der Stadt quer über ben Rhein s ch w immen wollten, wurde einer vermutlich von Krämpfen befallen und ertrank, bevor Rettung gebracht werden konnte.
Pl au en, 8. Aug. In der vergangenen Nacht brannte das aus Holz gebaute Wohnhaus des Gutsbesitzers Neudel in Rentengrün bei Adorf nieder. Dabei verbrannten 6 Kinder, die auf dem Boden schliefen. Der Vater erlitt bei dem Versuch, die Kinder zu re tten, schwere Verletzungen.
Heidelberg, 8. Aug. Zu dem Kommers ber Heidelberger Studentenschaft in ber Stadthalle hatten sich gestern abend etwa 1600 Teilnehmer eingesunden, während weitere tausend Personen, meist Damen, die Gallerien besetzt hatten. Um halb 10 Uhr trafen der Großherzog, der Erbgroßherzog, die Minister, Prorektor Eeerny, Oberbürgermeister Dr. Wilckens und andere Ehrengäste ein. Der Präside des Kommerses, Stud. Go ecke, erster Chargierter des Korps Suevia, teilte der Versammlung mit, daß der Großherzog den Ehrenvorsitz des Kommerses zu führen geruht habe. Nach bem ersten Gesäuge ergriff der Großherzog das Wort zu einem Hoch auf den deutschen Kaiser; Stud. G 0 e ck e brachte das Hoch auf ben Großherzog und auf das Großherzogliche Haus aus. Darauf toastete Prorektor Czerny auf die Ehrengäste, Stud. Trapp auf die Lehrer, Geheimrat Lewald auf die Ruperto-Carola und die deutschen Hochschulen. Stud. Haff en er brachte ein Hoch auf die Stadt Heidelberg aus; Bürgermeister Walz erwiderte mit einem Hoch auf die Studentenschaft. Nachdem in werteren Trinksprüchen der Armee und ber Damen gedacht war, schloß der offizielle Teil des-Kommerses um 113/4 Uhr.
Kaiserslautern, 8. Aug. In Bad Herrenalb ist ber frühere langjährige Abgeordnete, jetzt noch Landtagsabgeordneter für den Wahltteis Neustadt-Landau i. b. Pf., Oberlandesgerichtsrat a. D. Theodor Brünings von Landau im Alter von 64 Jahren gestorben.
London, 7. Aug. 12 Uhr nachts. Unterhaus. Fortsetzung. Die Verhandlung über das Automobilgesetz, die Mittags anfing, dauert noch an, da die Automobilfreunde sehr unbefriedigt sind über das Amendement, welches die Schnelligkettsgrenze auf 20 englische Meilen pro Stunde festsetzt, und die Vorlage heftig bekämpfen. Die Verhandlungen dauern wahrscheinlich noch mehrere Stunden.
Barcelona, 7. Aug. Ein heftiges Feuer zerstörte die Wohnungen der Arbeiterkolonie Esparra- guera. Einige Arbeiter sind umgekommen, etwa 3000 Arbeiterfamilien sind obdachlos.
Wien, 8. Aug. Nach Mitteilungen, welche der römische Korrespondent der „Neuen Freien Presse" von einer die Absichten des Papstes genau kennenden Persönlichkeit erhalten hat, wird der Lebenszweck des Papstes nicht die Lösung der römischen Frage in temporalem ©inne fein, sondern der Stur^ des liberalen Regiments und die allmähliche Unteroronung des Einheitsstaates unter den Willen des Papsttums. Der Papst werde nicht wie sein Vorgänger immer klagen und protestieren, dafür aber um so eifriger an der klerikalen Organisation arbeiten, um im gegebenen Moment die Gesetzgebung in klerikalem Sinne zu beeinflussen.
Asch (Böhmen), 8. Aug. Im Dorfe Kit erkrankten nach dem Genuß giftiger Pilze 11 italienische Arbeiter. Sieben sind bereits gestorben, die übrigen schweben in Lebensgefahr.
Agram, 8. Aua. In Esseg tötete sich aus unglücklicher Liebe der Schüler der 4. Gymnasialklasse Sabatos, der Sohn eines angesehenen Eisenbahnbeamten, durch einen Revolverschuß in die Schläfe.
Budapest, 8. Aug. Graf Khuen wurde gestern in Ischl wieder vom Kaiser empfangen. Seine Demission ist vorläusig noch nicht angenommen worden.
Belgrad, 8. Aug. Die Zeitung „Stampa" bringt die sensationelle Meldung, der serbische Mobilisier- ungsplan sei in Abwesenheit des Kommandanten des 7. Regiments, Oberstleutnant Alexander Dimitriewitsch aus dessen Schreibttsch gestohlen worden. Der Verdacht habe sich auf den Oberstleutnant Pawel Michailowitsch gelenkt, welcher verhaftet wurde. Die Sache erregt großes Aufsehen.
Wchrntliche WnjiihtLrr TodksMe mderZtaKGießei?.
31. Woche. Vom 26. Juli bis 1. August 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 sinkt 1600 Mann Militär) Sterblichkettsziffer: 27,06, nach Abzug von 6 Ortsfremden: 15,46 c/co.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene:
im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Iah*
Tuberkulose des
Gehirns
1
1
Gehirukrankheit
KD
Kl)
w» —
Lungenentzündung
3(1)
3(1)
— ■
Broitchitts
2(1)
KD
— 1
LUerenentzündung
1
1
«■*
Jtn Wochenbett
Kl)
1(1)
Altersschwäche
1
1
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Lebensschwäche
KD
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1(1) -
Darmkatarrh
2
—
2 —
Aiasern
KD
—
1 (1) -
Summa:
14 (6)
9(4)
4(2) 1
Annt.: Die in
Klammern
gesetzten Ziffern geben an, wie viel
der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aut von auswärts nach
Gießen gebrachte Kranke kommen.
Telephonischer Kursbericht
Jc'rmsikturi u. jÜ., 8. August lbu3.
3Vfl°/u Reichsanleihe . . 102.00 3% do. ... 90.90 3V»0/o Konsolb .... 101.80 3% do......90.00
SVs0/,) Hessen .... 101.10 3% Oberhessen . . . 100.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.90 4Oesterr. Silberrente 100.80 4% Ungar. Goldrente . . 101.10 4°/J Italien. Rente . . . 103.30 4Va% Portugiesen . . . —.— 3°/ Portugiesen.....31.20
1% C. Türken . ... 3490 Türkenlose ......131.00
4% Griech. Monopol.-AnL 44.20 4V»% äussere Argontiner 40.90
3% Mexikaner . . . 26.60 4,/2,)/o Chinesen . , . . 92.50 Electric, bchuckert . . . 98.00 Nordd. Lloyd . . . . 98.00
Kreditaktien .... 207.80 Diskonto-Koinmandit. . . 187.90 Darmstädter Bank . . . 136.95 Dresdener Bank .... 147.90 Beniner Handolsges. . . 154.50 Oesterr. Staatabahn . . . 143.10 Lombarden.....17.10
Gotthar-ibahn .... 191.00
Laurabütte...... 220.00
Bochum.......179.80
ilarp-ner .... 180.20
Tendenz: abgeschwächt.
Rheinisches Technikum Bingen für Maschinenbau und Elektrotechnik.0245 am—


