Ausgabe 
7.12.1903 Drittes Blatt
 
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Unwersitätsdruckerei (Putsch Erben), Greßen.

Nr. 287 Drittes Blatt. 153. Jahrgang Msntag 7.Dezember 1903

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^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der M..M K N 'O S äft, K, H Ft H

hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. K W H W ~ « VW

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Ereignisse vo

besorgteste und liebevollste Gatte. Die üimehr in hochergreulicher Weise ge­

rn Tokio warten. Ein bischen kriegerisch klingt nur, daß in Cardiff von den russischen Behörden Anweifungen ein- getrofsen sind, die Kohlenlieferungen für Port Arthur zu beschleunigen. Am Samstag i.fb das Zarenpaar in Zars- ko^ejelo eingetroffen.

Während in Ostasien die russischen Soldaten schon ge­zwungen waren, Cyunchujenblut zu vergießen und wo sie täglich Gefahr laufen, daß man ihnen frech ins Gesicht speit oder Sprengpatronen unter ihre Pferde wirft, erlebt die russische Regierung in Petersburg reine Freude endlich an der Türkei: Abdul-Hamid ist, wie ja schließlich zu

rührendster Eigenart. Ter durch die erschütternden w.. * 4 «i; r * "onSkierniewice im Innersten er-

Politische Wochenschau.

Dem inner-politischen Leben hat die R e i ch s t a g. s e r - öffnun g wieder neues Blut zugesührt. Freilich ward mit dep Thronrede ein trockenes Eingangssprüchlein für den in so sensationeller Weise ins Dasein getretenen Reichstag hergesagt. Da war nichts von einem Programm oder großzügiger Betrachtung der brennenden Zeitsragen. Gewisse Kreise des Volkes hat über bestimmte Vorkomm­nisse und Zustände in der Armee Beunruhigung erfaßt. Tie Thronrede findet kein Wort darüber. Da war nicht nur der Prozeß Bilse, der schwarze Schatten auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in unseren kleinen Grenz-Gar­nisonen warf. Es kamen höhere Offiziere, die sich offen über peinliche Zustände aussprachen, die Abhilfe nötig machen. Der bayerische Kciegsminister gab offen die Sol- datenmißh andlungen als einen Krebsschaden zu, an dessen Beseitigung bisher vergeblich gearbeitet sei. Ter kommandierende General des 1. Armeekorps Frhr. von der Goltz geißelte dieser Tage den Hang zum Luxus im O f f i z i e r k o r p s uird ein Frhr. v. G u h l e n schrieb ein Buch, in dem der Satz vorkommt:So wird die deutsche Natron die i mpo s anten Ka v a llerie attacken der Kaisermanöver mit dem in Strömen fließenden Blut seiner Söhne zu bezahlen haben." Aen- derungen im Heerwesen aber, wie sie heute beliebt sind, beziehen sich nicht auf größere und allgemeinere Uebelstündc, sondern unzählige Kleinigkeiten im Reglement- und Uni­formwesen werden heute scheinbar für wichtiger als alle anderen Reformen gehalten.

Tte Thronrede hat hier so wenig wie auf allen anderen Gebieten dem, der die Politik der letzten Wiochen verfolgt hat, neues gebracht; sie faßt lediglich zusammen, was des Offiziösentum tropfenweise bereits dem deutschen Volke ein- geftößt hatte. Von diesen Tinkturen zur Heilung der Volks- schäden kam die größte Dosis auf die Reichs sin an z- resorm. Beim Börsengesetz, dem Militärpensionsgesetz, der Reblausbekämpfuna, dem englischen Handelsproviso­rium war nur von Abänderungen oder Zusätzen zu be­stehenden Gesetzen die Rede. Auch die Entschädigung unschuldig Verhafteter, wozu bekanntlich Hessen die Anregung gegeben hat, und die Schaffung der Kauf­mann sgerichte kann an Wichtigkeit, so erfreulich diese Neuerungen tatsächliche sind, nicht mit der Umgestaltung der Reichsfinanzen konkurrieren. Herr v. Stengel will jetzt der starke Munn sein, der den Karren der Reichs finanzen wieder flott machen soll. Herr v. Thielmann verkündete alljähr­lich schmunzelnd, wie der Berliner sagt:Tat Ville Jeld", das in den Reichssäckel flösse, wüßte man gar nicht zu verwenden. Er merkte gar nicht, daß das übervolle Reser­voir der Reichsfinanzen aus den Säckeln der Bundes­staaten gespeist wurde, an die das Reich in Gestalt der Matrikularbeiträge eine für die Bundesstaaten une rträg- liche Säugpumpe angesetzt hatte. Frhr. v. Stengel will nun etwas mehr Einfachheit in dies System kommuni­zierender Röhren hineinbringen. Er will dem Reiche in Gestalt der Zölle, Tabak- und Stempelsteuern vo n vornherein die Reichtümer erhalten, die es bisher zum Schein auf Grund der sogen. Franckensteinschen Klausel an die Bundesstaaten ab lieferte. Nur in Bezug auf die Branntweinsteuer soll das alte Ueberweisungs- system beibehalten werden. Gleichzeitig ist von einem der vorzüglichsten deutschen Finanzmänner, dem hessischen Fi­nanzminister Dr. Gnauth, dem hessischen Land­tage ein Gesetzentwurf zugegangen, der die Schaffung eines Ausgl eichsfonds bezweckt zur besseren Staoiüsierung der hessischen Staatssinanzen. Tas deutsche Reichs- wie das hessische Landesfinanzprojekt haben zweifellos sehr be­deutende Vorzüge, die man wohl im Reichstage wre im hessischen Landtage anerkennen wird. Es ist aber doch vor­auszusehen, daß hier wie da von einer Beschränkung des parlamentarischen Budgetrechts viel die Rede sein wird. In Berlin wie in Darmstadt stehen also langwierige De­batten in bestimmter Aussicht.

Daß die Reichstags-Thronrede so eintönig im nüch­ternen Stile des Pflichtgefühls verlief, lag wohl nicht nur an dem Berliner Negierungssystem, das der Weisheit letzten Schluß wie in Oesterreich in der erlösenden Kraft der WorteProvisorium" undKompromiß" gefunden hat auch die Zwerggeburt der p r e u ß i s ch e n L a n d t a g s -

Ire nationaLrberale Jugend und der Abg. Uatzig.

Berlin, 6. Dez.

Unter zahlreicher Beteiligung fand hier eine Ver-» sammlung der nationalliberalen Jugend Berlins statt. Der Vorsitzende Tr. Marwitz hielt einen Vortrag über die Aufgaben nach den pr'euß. Landtagswahlen. Tie Nieder­lage der Sozialdemokratie sei zu bedauern, weil der Sozialdemokratie ein starkes Agitationsmittel aus den Händen gewunden worden wäre: 1600000-preußische sozialdemokratische Reichstagswähler gleich Null bei den Landtagswahlen! Ten Liberalen liegen durch den Ausfall der Mahlen schwere Pflichten ob. Sie müssen die Vertretung freiheitlicher Anschauungen im reaktionären Abgeordneten­hause in der Hauptsache allein führen. Wird die national- liberale Fraktion wirklich auch scharf liberal sein? Wir glauben es bestimmt. Im Gegensätze dazu stehe das Ver­halten des Abg. Patzig, der mitten im heißesten Wahl- karupfe gegen die Rechte jüngst in Görlitz eine Rede hielt, die im Sinne darauf hinauslies, daß derRuck nach links" nicht so tragisch genommen werden dürfte. Redner wandte sich scharf gegen diemittelparteilichen" Ausführungen! Patzigs in derTägl. Rundschau", die den liberalen Ent­wicklungsgang der Partei während der letzten Monate direkt in Abrede stellen. Alle ehrlichen Liberalen waren empört (Beifall) über dieses Vorgehen einesLiberalen" (Pfui­rufe). Der Angriff Patzigs in derTägl. Rundschau" auf die Jungliberalen, daß nach dem Willen derRekruten" alle Augenblicke einKorpsmanöver" (d. h. Parteitag) ab­gehalten werden solle, sei insofern deplaziert, ms die jähr­lichenKorpsmanöver" von keinem geringeren in der Partei befürwortet worden seien, als vom bisherigen Reichstags- fr aktionsvorsitzenden Bassermann. (Stürmsiche Heiterkeit.) Tr. Marwitz erinnerte an die Worte des Vizepräsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses Tr. Krause in Königs­berg, daß die seitherigen Landtagskartelle mir den Konser­vativen nach den Wahlen gelöst werden sollten und damit ein Zusammengehen der vereinigten Liberalen für die kom­menden Mahlen vorbereitet werden müsse. (Lebhafter Bei­fall.) Auch der bayerische nationalliberale Führer Eassel- mann hat der jungliberalen Bewegung jüngst Anerkennung gezollt.

In der Diskussion nahm man vielfach Stellung gegen die Behauptungen Patzigs und bedauerte, daß nicht sofort eine scharfe Entgegnung erfolgt sei. Tr. Roth stellt fest, es sei in der Partei längst bekannt, daß Patzig (wie die Herren von Heyl und Graf Oriola) zu den Freiumser- vativen hinneige. Tr. Poensgen meint, Patzig vertrete nicht nur in liberaler Hinsicht einen zweifelhaften Standpunkt, sondern teile offenbar auch die kühlen Anschauungen des Bundes der Landwirte in nationalen Fragen. Zum Schlüsse der Tebatte wurde eine Resolution gegen die von dem Abg.

grifsene Zar ist

Krankheit seiner , , , , ,

nesenden Gemahlin geht ihm über alle leidige Weltpolitik, und er nimmt sich nicht einmal die Zeit zu einer Aussprache mit seinem Minister des Aeußern, dem Grasen Lamsdorsf, der angeblich schon eine fertige Vereinbarung über das Thema: Uns die Mandschurei, Korea kür den japanischen Einfluß, in der Tasche hat. So mögen die Kriegsstürmer

Wahlreform in Gestalt der Teilung von ganzen drei Landtagswahlkreisen legt dafür Zeugnis ab nein, es wird dazu augenblicklich auch nicht wenig die Stimmung beigetragen haben, in die Kaiser Wilhelm durch seine Stimmoperalion versetzt worden war. Wer mit der Natur der Stimmleiden vertraut ist, wird es begreiflich finden, wie gerade auf einem geistig so lebendigem Naturell wie dem des Kaisers die Enthaltung von jeglichem lebendigen Gedankenaustausch und der raschen. Geltendmachung seiner Meinung wirken mutz. Es kann sein, daß hierauf allerlei Gerüchte zurückzuführen sind, die im Zusammenhang mit dem Plane aufgetaucht find, der Kaiser wolle südlichen Sonnenschein einmal für längere Zeit mit dem Potsdamer Nebelgrau vertauschen. Daß sein Fernbleiben von der Reichstagseröffnung und von der Letzlinger Hofjagd diesen Gerüchten neue Nahrung geben konnte, war erwartet wor­den. Aber man ist durchaus berechtigt, jeden Pessimismus und jede Anspielung auf das Jahr 1888 kategorisch abzu­lehnen. Möchten die kommenden Monate zu allgemeiner Beruhigrrng beweisen, daß der Monarch tatsächlich weiter nichts als eine vorübergehende körperliche Verstimmung zu überwinden hatte.

In England und Frankreich verfolgt die Presse natür­lich mit besmrderem Eifer die Nachrichten über Kaiser Wilhelms Befinden, wenn auch die Pariser Sousblätter heute nicht mehr wie vor zehn Jahren frech genug sind, Extraausgaben mit dem Aufdruck La maladie de Guillaume II, Guillaume II mort! zu verbreiten, nur weil die Kaiserin in Kiel ihren Gemahl, der sich einen Vollbart hatte stehen lassen,ein wenig verändert" gefunden hatte. . . Heute nennt man den Namen des deutschen Kaisers in Paris übrigens noch^ in ganz anderem Zusammenhänge. Jetzt soll der Makel, der Frankreich mit dem Namen T r e y - fus angeheftet war, endlich ganz ausgemerzt werden. Der französische Kriegsminister hat unter den Akten des Kriegs­gerichtes von Rennes zwei Schriftstücke gefunden, die wesentlich zur Verurteilung beigetragen, die sich aber jetzt als gefälscht herausgestellt haben. Und. zu der damit vervollkommenden stattlichen Reihe von Urkundenfälsch­ungen, die in diesem Prozey die französische Justiz bloß­gestellt haben, gesellt sicy. auch die Tatsache, daß die Treyfus entlastenden Beweisstücke gar nicht benutzt worden sind. Clemeneeau erklärt jetzt in derAurore", er habe nicht nur die Verhandlungen vor dem Kassations- Hose, sondern auch ein neues Kriegsgericht für Treyfus verlangt, um die Angelegenhoit noch mehr in die Oeffent- lichkeit zu bringen und etlvaige neue Fälschungen zu ver­hindern.

Es sind freilich noch immer weit wichtigere Fragen auf dem Tapet als die, ob Treyfus ganz und gar oder nur beinahe ganz und gar unschuldig ist. Japan und Rußland sträuben nun schon seit Wochen die Federn gegeneinander. In Japan, wo morgen, Dienstag, das Parlament eröffnet wird, schreit alles nach dein welt-^ historischen Cntscheidungskampf. Tie japanischen und die russischen Staatsmänner sind aber anderer Ansicht. Sie hoffen auf ein Gelingen des Ausgleichs der widerstreitenden Interessen. Trotzdem kommt die Friedensakiion nicht von der Stelle. Ter Grund ist von menschlich schönster,

erwarten lvar, nach allem Trotz und aller Unbändiakert ganz artig geworden. Er fyit geduldig das aanze Menu des R e f o r inp r o g r am ni s Oesterreichs und Rußlands heruntergegefsen, und der kleine Rest, den er noch eigen- sinnig liegen gelassen hat, weil ihm die Nirß zu hart zu knocken war, wird ihm mit der Rute, die in Gestalt des Ultimatums heute über seinem Haupte schwebt, auch noch beigebrach-t werden. .Das wird um so leichter sein, als nicht nur alle Mächte mit demselben eisernen Willen um die maeedonische Mahlzeit des Sultans herumgestanden haben, sondern die Haupimacht Oesterreich sich jetzt auch im Innern wieder etwas zu erholen beginnt. Die ungarische Opposition wagt es nicht mehr, Obstruktion zu machen, nachdem Kossuth erftärt hat, daß seine Partei zwar den Kampf nicht aufgebe, aber doch das Parlament arbeitsfähig machen wolle. In Wien haben neuerdings die T;chechen dem Polenklub förmlich d:e Freundschaft gekündigt. Vor­läufig hat jede Fühlungnahme zwischen Tschechen und Polen autgehört, da der größere Teil des Polenllubs mit dem Obmann Jaworski an der Spi^e schon lange die obstruk- tionelle Haltung der Tschechen Mißbilligt. Im Polenklub hat es zudem verstimmt, daß das jungtschechische OrganNa- rodny Listi" mit dem Polenklub förmliche Abrechnung hielt und jedes weitere Zusammengehen der Jungtschechenpartei mit dem Polenklub ablehnt. Dadurch ist auch im Wiener Parlament die Opposition wesentlich geschwächt zu gunsten der Teutschen in Oesterreich.

Lttteralur und Kunst.

Die Kunstanstalt Grimme & Hempel, A.-G., Leipzig, publiziert soeben ein schönes Bildnis Goethes. Tas Porträt geht im Original auf das in der Münchener Neuen Pinakothek befindliche Oelgemälde von Jos. Stieler zurück. Tie Arbeit ist mit den besten Mitteln moderner Farben- reproduktionstechnik hergesrellt und zeichnet sich dank der tonschönen und gediegenen Ausführung und des billigen Preises von 6 W als prächtiges Festgeschenk aus.

Arnold Böcklrn". Nach den Erinnerungen /einer Züricher Freunde von Adolf Frey. Mit einem 'Jugendbildnis Böcklins von Rudolf Koller. Stuttgart und^ Berlin 1903. I. G. Cottasche Buchhandlung Nachf. G. m. b. 5I. Das Buch gibt auf Grund eines reichen unveröffent­lichten Materials eine Schilderung Böcklms in seinen Zü­richer Jahren (18351892). Aus dem Kreise seiner näch­sten Freunde stammend, zeigt sie eine lebendige Frische und Intimität sowohl in der Auffassung des Künstlers als des Menschen, die sie höchst anziehend und fesselnd macht.

Hedwig Dohm: Die Mütter. Beitrag zur Erziehungsfrage. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 3 Mk. Inhalt: Tie Mutter und die Babies. Sind Mutterschaft und Hausftauentum vereinbar mit Berufstätigkeit? An­regungen zur Erziehungssrage. Tie Mutter der erwachse­nen Tochter. Tie Schwiegermutter der Zukunft. Die alte Frau. Hedwig Dohm ist die tapfere Streiterin geblieben, als die sie sich ihr Leben lang getummelt hat; auch ihre Waffen hat sie jung erhalten; frisch und lebendig liest sich ikr Buch. Sie legt weniger Gewicht auf streng logische Be­weisführung als auf Anschauung und Erlebnis, und liebt Anekdoten als am kräftigsten überzeugend. Witz, Sarkas­

mus, ironische Laune beslügeln das Tempo ihrer Aus-1 führungen. Besonders praktische Bedeutung haben die Ka­pitel über Erziehung; ein stiller Reiz liegt auf dem über die alten Frauen.

Der große Krieg von 1870/71 in Zeit­berichten. Herausgegeben von Joseph Kürschner. (Hermann Eiliger Verlag. Berlin W. 9.) Eins der origi­nellsten Werke des früh verstorbenen Joseph Kürschner ist dieses große Sammelwerk. Mit Bienenfleiß ist hier alles zusammengetragen, was sich an jene große Zeit knüpft, und die verschiedenartigsten Organe treten in die Erscheinung, um von allen Gesichtspuntren aus den Krieg, seine >Ent- stehungsgeschichte und seine weittragenden Folgen zu be­leuchten. Tie Schlachtenberichte werden auch der hmtigen Generation noch als ein willkommener Beitrag zur Historie des Jahres 70 erscheinen, und s'o mancher, der jene schwere und doch schöne Zeit selbst mitgemacht hat, wird mit freudigem Eifer nach diesen Blättern greisen, aus denen ihm seine eigene Jugend entgegenleuchten Joseph Kürsch­ner, den nun schon seit mehr als Jahresfrist der Rasen deckt, hat auch mit diesem Buche ein Werk geschaffen, das einen Ehrenplatz in den deutschen Famllien beanjpruchen darf. Tie soeben erschienene, neue Auslage stellt sich als kleines Prachtwerk dar und kostet trotzdem nur 5 Mk.

Die Entstehn n g und Entwickelung des Menschengeschlechtes stellt eines jener schwierigen Gebiete der Forschung dar, auf dem nur wenige Gelehrte dauernden Erfolg zu erringen vermochten. Während sich die anthropologische Forschung in England und orankreich bereits seir Jahrzehnten auf einer sehr hohen Stufe befand und die Kenntnis der wichtigsten Tatsachen aus der Ent­wickelungsgeschichte der Menschheit dort schon längst Ge­meingut des Volkes geworden ist, hat die Anthropoidaie

i in unserer Heimat bisher noch nicht festen Fuß gefaßt. Mit Freude ist es deshalb zu begrüßen, daß der Heidel­berger Universitätsprofessor Tr. Hermann Klaatsck; zum erstenmale den kühnen Schritt wagte, eine zusammen­fassende Darstellung der neuesten Ergebnisse der Forsch­ungen nach der Entstehung und Entwickelung des Men- schen-Geschlechtes in einem Werke zu geben, das in seiner zwar streng wissenschaftlichen, aber doch gemeinverständ­lichen Tarftellung nicht nur dem engen Kreis seiner Fach­genossen, sondern den Gebildeten aller Nationen zugäng­lich ist. Klaatschs Arbeit, die unmittelbar nach dem Er­scheinen seitens berufener Faktoren die glänzendste Beur­teilung erfahren hat, füllt den größten Teil des soeben mit Lieferung 41, 42, 43 zum Abschluß gelangten zweiten Bandes der von uns wiederholt erwähnten großen Publika­tion Hans Kraemers Weltall und Mensck;heit" (Teutjches Verlagshaus^ Bong & Co., Berlin W. 57). Der gleich dem ersten glänzend ausgestattete 2. Band (518 Seiten mit vielen Beilagen) enthält außerdem noch eine nicht minder wertvolle und sejselnoe Darstellung der Ent­wickelung der Pflanzenwelt aus der Feder des Professors an der Königlichen Bergakademie in Berlin, Tr. Henry Potoniö und endlich eine kurze aber er­schöpfende Heber sicht über die E u t w i ck e l u n g d e r T i e r- w e 11 vom Bergakademie-Pvosefsor Tr. L. Benshausen. In seiner klaren, auch dem Laien leicht verständlichen Lar­stellungsweise und in seiner ebenso vr.ginellen wie wissen­schaftlich korrekten Illustrierung, zu der in den berühm­testen Museen des Kontinent-:' tule hunderte von Original- aufnahmen gemacht wtirden.. steht der 2. Band vonWeltall und Menschheit" ebenbürtig nebelt dem ersten und wird sicherlich die Zahl der Freunde der neuen Puolikanon Hans Kraemers beträchtlich vermehren.