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6.7.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 155

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesfischen Landwirt die Siebener Kamillen» blätter viermal in der Woche betgelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der B r ühl'jchen Untoeri.-Buch» ».Stein» btuderti (Pietsch Erben) Kedaltton, Sxpedttton und Druckerei:

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«.

Fernlprechanschtuß Nr 51.

Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Montag 6. Juli 1903

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben

Bezugspreis: monatlich^ Ps., viertel» jabrlich Mk. 2L0; durch Abhole» u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen Mr die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZetlenprrtS; lokal 12Pf. auSwürtS 20 Psg.

Beraniworilich für den poltt and allgern. Teil: P. ©ittfo: für m Stadt und Land^ und .GerichiSsaalE; A ug u st Götz; für den An­zeigenteil: Han« Deck.

Ale heutige Yummer umfaßt 10 Seiten.

Bekanntmachung.

Betr.: Rotlauf Klein-Linden.

In den Gehöften der Kaspar Langsdorf Wwe., des Wilhelm Jung I. und des Johannes Leier II. in Klein- Linden ist Schweinerotlauf ausgebrochen. Die an Rotlauf erkrankten Schweine sind unter Stallsperre, die der Seuche verdächtigen Schweine sind unter Gehöftsperre gestellt.

Es ist ferner auf Grund des Paragraphen 8 . Qr .. « f , 7. Juli 1896

der Anweisung zum Gesetz vom - die Schutz-

<24. öcpi* -Lyuu

Impfung aller gegenwärtig in Klein-Linden befindlichen Schweine, sowie sämtlicher Schweine, welche innerhalb der nächsten 6 Monate in Klein-Linden zugehen, mit der Maß­gabe angeordnet worden, daß für diese Schweine ein Ent­schädigungsanspruch auf Grund des genannten Gesetzes nur dann geltend gemacht werden kann, wenn sie zur Schutz­impfung angemeldet worden sind.

Gießen, den 1. Juli 1903.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Kranzbühler.

Amüiche Nuchrichtcn über Viehseuchen.

In der Gemeinde Ober-Eschbach (Kreis Friedberg) ist die Schweinepest ausgebrochen.

Acr Kapst auf dem Totenbette.

Leo XIII., dessen Gesundheit bisher der zerstörenden Kraft des Greisenalters zu trotzen schien, ist am Freitag schwer erkrankt und hat bereits die Sterbesakramente erhalten. Lange Ohnmachtsanfälle deuteten an, daß ein ernstes inneres Leiden sich entwickelte. Der Leibarzt Dr. Lapponi mußte der Umgebung des Papstes verkünden, daß der Heilige Vater an einer Entzündung des rechten Lungenflügels er­krankt sei.

Gestern um Mitternacht erhielten wir folgendes Tele­gramm :

Rom, 5. Juli. (Ueber Berlin, dort um 11,8 Uhr aufgegeben.) Ueber das Befinden des Papstes, bei dem die Aerzte senileHepatisation*) derLunge festgestellt haben, wurde hier 8/49 Uhr folgendes Bulletin ausgegeben:(Seit heute früh hat die Schwäche leicht zugenommen. Der Zu­stand der Brust ist unverändert, die Atmung sehr viel schwerer, der Puls abgeschwächt, aber nicht unregelmäßig, die Temperatur unternormal, das Bewußtsein vollkommen klar. Lapponi. Mazzoni^.

Anderthalbe Stunde später traf folgendes Telegramm ein:

Rom, 6. Zuli. (UeberBerlin, dort um 12,45 ausgegeben.) Der Papst empfing die Sterbesakramente vom päpstlichen Sa- kristau Pisseri, umgeben von Kardinalen und Würdenträgern. Mau glaubt im Vatikan, der Papst habe genügend Kraft, um die Nacht zu überleben.

Ueber die ersten Wahrnehmungen der Erkrankung wird gemeldet: Der Pupst befahl am Freitag früh, einen Wagen zur Spazierfahrt in die vaiikanischen Gärten bereitzuhalren. Er begab sich aber, da er in oer Nacht nicht geschlafen hatte, bereits um 7 Uhr 45 Min. nach dem Garten und ging, da er einen Wagen nicht vorfand, auf einen Stock gestützt, spazieren. Wahrscheinlich war er hierbei in Schweiß, geraten. In seine Gemächer zurückgekehrt, äußerte der Papst, er befinde sich nicht wohl. Er empfing nachmittags seinen Leibarzt Lapponi. Auch für Samstag früh war eine Spazierfahrt im Garten angesetzt. Als der Papst nickst nach dem Garten herabkam, tauchten die ersten Gerüchte über eine Unpäßlichkeit auf.

Giornale d'Jtalia schreibt, der Papst schlief seit mehreren Nächten schlecht und sollte sich indessen schonen. Er wollte aber die ungarischen Pilger empfangen. Daher rührt die Schwäche, welche bei seinem Alter natürlich noch durch die ersten heißen Tage vermehrt wurde. Das Blatt meldet weiter, das Befinden des Papstes hatte sich nach dem Pontifikatsjubiläum gebessert, er wurde jedoch daraus von einem Katarrh ergriffen, ivelcher niemals gänzlich beseitigt wurde. Gr litt außerdem an Verdauungsstör­ungen.

Die Lungenentzündung rührt von einer LerzerscWaff- ung her, er hat weder Husten noch Fieber und hatte auch keine Ohnmachtsanfälle und kein Darmleiden. Gestern vor­mittag saß der Papst vorübergehend im Lehnstuhl. Gr ist sich seiner schweren Erkrankung bewußt, aber ruhigen Muts. Er klagt über große Schwäche. Die Hoffnung aus Genesung ist äußerst schwach.

Bereits am Samstag wurde das erste offizielle Bulletin veröffentlicht, nachdem Dr. Lappoui und Prof. Mazzoni gemeinsam den Papst etwa eine halbe Stunde untersucht hatten. Von der Veröffentlichung war man, so wird aus Nom gemeloet, allgemein schmerzlich betroffen. Gestern früh hielten Kardinalkämmerer Oreglia, die Kardinäle dc Pietro, Gotti, Macenni und Rampolla eine gemeinsame

*) Hepatisation heißt zu deutschVerleberung." Senile Hepatisation ist eine im Grelsenalter eintretende leberartiyeBeschaffen- heil der Xitmge oder einzelner Luugenabschnitte bei trupöser Lungen- entzimdung, bei der die lufthaltigen Lungenbläschen mit einem fascrslosfigeu Exsudat angesüllt sind und das entzündete Gewebe Ausleben und Konsistenz des Lebergewebes annimmt.

Beratung ab. Der Kardiualvikar ordnete in allen Kirchen Gebete für den Papst an. Eine Anzahl Mitglieder des diplomatischen Korps erschienen im Vatikan, um sich über das Befinden zu erkundigen. Gegen Mittag verschlimmerte sich das Befinden des Papstes etwas. Mazzoni äußerte, oie Krankheit zeige Neigung, sich auszudehnen, daher ist der Zustand ernst. Lapponi um> Mazzoni haben dem Neffen des Papstes Grasen Camillo Pecci, sowie Rampolla mit* geteilt, daß das Befinden des hohen Kranken ernst ist.

Der Tribuna zufolge reichte Lapponi in der Nacht zum Sonntag angesichts der Schwäche Reizmittel, gab stärkende Nahrung und versuchte durch Lagerveränderung Linderung zu schaffen. Bei der Untersuchung sagte der Papst zu Mazzoni, es sei das erste Mal, daß er ihn nicht zuversichtlich finde!Osservatore Romano" undStoce della Verita" forderten in Sonderausgaben zu Gebeten für die Genesung des Kirchenoberhauptes auf.

Um Mitternacht meldete noch dieAgenzien Stefani": Alle Personen, welche der Darreichung Viatikmns an den Papst beigewohnt haben, erklären, daß der Zustand viel ernster sei, als das Abendbulletin zugebe. Die Lage erscheine verzweifelt. Dreiviertel der Lunge sind er­griffen. Trotz überaus großer Schwäche hat der Papst, der am Nachmittag dem Monsignore Mazzolini ein langes Schreiben diktierte, einen Teil des Tages außer Bett zu- gebracht und mit großer Gei st es kl ar h eit und Gefaßtheit seine letzten Anordnungen getroffen.

Die Umgebung des Vatikans und der Vatikan zeigen das gewöhnliche Bild, nur sieht man, daß zahlreiche Kar­dinäle und andere kirchliche Würdenträger sich nach dem Vatikan begeben, unter ihnen die Kardinäle Serefino Van- nutelli, Gotti und di Pietro.

Der König von Italien, der sich in Racconigi be­findet, wird durch fortlaufende Depeschen von dem Be­finden des Papstes unterrichtet, ebenso der Ministerpräsi­dent Zanardelli und die Nuntiaturen im Auslande.

Die Politik, die nimmer ruht, beschäftigt sich schon mit dem Nachfolger Leos. Diejenigen Kardinäle, die in Anbetracht dessen, daß seit 1846 nur zwei Päpste regiert haben, tein langes Pontifikat wün schien, sind geneigt, den persönlichen Feind Leos, Oreglia, auch schon feines hohen Alters wegen zu wählen. Die Bersöhnungspolitiker in der Kurie schlagen die Kandidatur des Patriarchen von Venedig Sarto vor. Die italienischen Monsignori, die über den Gang der Kirchenpolitik der letzten Jahre unzufrieden sind, möchten alles daran setzen, daß Rampolla in seinen Hoff­nungen getäuscht werde. 9tun ist es Tatsache, daß Dank­barkeit selten zu finden ist, also vorauszujehen, daß auch alle Kardinäle von Rampollas Gnaden jetzt, wo sie unab- bängig sind, sich g/egen chren Macher wenden werden. Leider ist auch Kardinal Gotti, der sonst viel Aussicht hatte, in der Quotierung zurückgegangen, deshalb wenden alle besseren italienischen Elemente der Kurie sich Sera- sino Va nutelli zu, da Agliardi, der große Verteidiger der christlichen Demokratie, dieser durchaus moderne Mann, noch zu jung ist. Freilich wäre es ein großer Gewinn für die Kirche, wenn vielleicht die Wahl Serafino Vanutellis glückte und Agliardi dessen Staatssekretär würde. Wenig­stens hatten viele vernünftige Vatikanleute schon aus dem Umstand Hoffnung geschöpft, daß Agliardi kürzlich Mn Vizekanzler ernannt wurde. So wird wenigstens derFrkf. Ztg." aus Rom gemeldet

Deutsches Keich.

Berlin, 5. Juli. Aus Hannover wird gemeldet: Vom Kaiser ist bei dem Vorsitzenden des Festausschusses zum Bundesschießen folgendes Telegramm ein* gegangen:Ich ersuche Euer Hochwohlgeboren, dem Fest­ausschuß gegenüber nochmals zum Ausdruck bringen zu wollen, wie sehr ich es bedauere, daß es mir nicht vergönnt war, der Eröffnung des 14. deutschen Bundesschießens bei­wohnen zu können. Gleichzeitig bitte ich den gesamten Teil­nehmern des 14. deutschen Bundesschießens meinen Gruß zu entbieten und meinem Wunsche Ausdruck zu geben, daß oie Festtage in Hannover ungetrübt und zu jedermanns Befriedigung verlausen mögen. Wilhelm." PrinzFried- rich Leopold von Preußen nahm, nachdem er den Fest­zug in Augenschein genommen hatte, an dem von der Stadt Hannover gegebenen Frühstück teil, bei welcher Ge­legenheit er das Kaiserhoch ausbrachte.

Prinz Eitel Friedrich wird heute 20 Jahre alt Der Prinz^ mit vollmn Namen' Wilhelm Eitel Friedrich Christian Karl, bereitet in der Armee den Rang eines Ober­leutnants und tut als solcher Dienste im ersten Garde- Regiment zu Fuß.

Dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Wirkl. Geh. Rat Nasse, P eine Stiftung von mehr als 200 000 Mk. aus der Rheinprovinz aus Anlaß seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums zu freier Verwendung überreicht worden.

Der neue Reichstag wird, wie die ^Dtsch. Mediz. Wochenschr." mitteilt, folgende Aerzte unter seinen Mit­gliedern zählen: Dr. Mugdan-Berlin (freisinnige Bolks- partei), Dr. Krzyminsky-Jnowrazlaw (Pole), Geh. Medi­zinalrat Dr. Hoefsel-Buchsweiler (Reichspartei), Dr. Leon- hart-Kiel-Gaarden (freisinnige Volksparter), Scuütätsrat Dr. Ruegenberg-Bonn (Zentrum), Dr. Becker-Offenbach bezw. Sprendlingen (Hosp. d. NationaMb.), Lindemann (Soziaw.).

Ausland.

Birmingham, 5. Juli. Kolo irialmini ster Cham­berlain wohnte gestern in seiner Eigenschaft als Kanzler der hiesigetl Universität der Feierlichkeit der Erteil­ung von akademischen Graden bei. Cr hielt eine Rede, in welcher er den nationalen Wert umfassender techtüsch wissen­

schaftlicher Bildung für die bevorstehenden Kämpfe mit Englands Wettbewerbern betonte. Gelegen­heit zur Erlangung solcher zu geben, werde in Birmingham und von anderen Provinzialuniversitäten erstrebt Lord Rosebery irre, wenn er, wie von ihm bei der Entwicklung feines Planes der Errichtung einer der technischen Hochschule in Charlottenburg ähnlichen Anstalt in Lon­don ausgeführt wurde, glaube, daß ein solcher Versuch neu fei Neu sei er allerdings für London. So befinde sich unter den Neueinrichtungen für Mrminaham ein unter­irdisches Musterbergwerk, an welchem bte verschiedenen Phasen des Bergbaues praktisch studiert werden könnten. Wenn alle solche Einrichtungen in England zur Ausführung gelangt sein wurden, werde England, wie es in Deutschland und Nordamerika bereits der Fall sei, ein Netzwerk von Unterrichtseinrichtuugen besitzen, welche eine die andere unterstütze. In dem, was er, Redner, erstrebe, nicht in der Erziehung allein, liege der wahre Freihandet

Paris, 4. Juli Der Senat hat in der Frage der Viehzölle den Minimalsatz von 20 Frks. angenommen.

Eine Londoner Privatgesellschaft versichert, man spreche in der City von dem bevorstehenden Abschluß eines französisch-englischen Handelsvertrages. Der Entwurf soll bereits fertig gestellt fein. England werde dem Vertrage zufolge den ftanzösischen Weinen einen Vorzugs­tarif gewähren, wogegen Frankreich für englische ^)lonial- produkte gleichfalls einen Spezialtarif ausstellen werde.

Belgrad, 5. Juli Wie ein hiesiges Blatt meldet, soll das 6. Infanterieregiment in die kleine Provinzstadt Valjewo und die übrigen am Königsmord beteilig­ten Regimenter ebenfalls in die Provinz verlegt werden. Weiter melden die Blätter, daß die in Rumänien lebenden Serben von der rumänischen Regierung unter­drückt und von der Bevölkerung boykottiert werden.

Die beiden Söhne und die Tochter des Königs Peter werden unmittelbar, nachdem die Prinzen in Peters­burg chre Prüfungen bestanden haben, nach Belgrad kommen. Der König unternimmt hierauf eine Reise durch das Land und später eine Reise ins Ausland, wahr­scheinlich nach Petersburg, Wien, Berlin, Paris und Rom, um sich! den dortigen Staatsoberhäuptern vor- zustelleu.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 6. Juli 1903.

** Personalnachrichten. Durch Entschließung Gr. Ministeriums des Innern wurde der Großh. Regierungs- affessor Ernst Pi stör in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrtchtungen eines KreisamtmanneS bei dem Großh. Kreisamt Alsfeld beauftragt Ernannt wurde am 1. Juli d. I. der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Grün­berg Jakob Hauburger zum Gerichtsvollzieher mit hem Amtssitze in Ober-Ingelheim mit Wirkung vom Tage deS Dienstantritts seines Nachfolgers. S. K. H. der Groß­herzog haben durch Allerhöchste Entschließung vom 20. Juni aus Anlaß der am 3. Juli stattgefundenen Betriebseröffnung der neuen Grube Ludwigshoffnung Allergnädigst geruht, baS: Silberne Kreuz des Verdienstordens PhllippS des Groß­mütigen dem Obersteiger bei der Grube Ludwigshoffnung, Emil Keller daselbst, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift ,Für treue Arbeit^ dem Bergmann Heinrich Haxt zu Beienheim und dem Bergmann JohannrS Erb z« Beienheim zu verleihen.

** Eine neue Regierungsvorlage, betr. den Ent­wurf eines Gesetzes, die Umwandlunng und Ablösung der Streuberechtigungen in fremden Wald­ungen.

** Das Museum im alten Rathause wird im kommenden Monatz wie wir erfahren, für den allgemeinen Besuch geschlossen werden. Es ist zu empfehlen, dort vorher noch einen Besuch zu machen, denn die Sammlunaen h<chen sich wieder vermehrt, und manch interessanter Gegenstand ist zu dem alten hinzugekonrmen. Mit der Zeit sehr reich ist die Abteilung alte Bauernmöbel geworden, zu denen mehrfache Geräte gekommen sind, wie sie heute in ihrer Art aus dem Lande nicht mehr im Gebrauch sind. Der Schrank mit dem altehrwürdigen Zinngeschirr ist um einige Prachtstücke bereichert worden. Auch der Schrank mit dem alten Porzellan und Glas birgt manche Seltenheit, welche das Auge des Altertumsfreundes erfreut. Auf dem ehe­maligen Ratstisch der Stadt Gießen sind interessante 9ium- mern der Gießener Zeitungen aus den ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgelegt. Unsere Haussrauen er­sehen daraus, gewiß mit einem Seufzer bei dem Gedanken, was sie jetzt für Nahrungsmittel zahlen müssen, wie billig man anno 1800 in unserer Universitätsstadt leben konnte. Die hochinteressante Pfeifensammlung im Museum hat sich wieder um einige sehr seltene Exemplare vermehrt. In der Münzen- und Medaillensalnmlung hat teilweise ein Wechsel stattgefunden; es ist dabei besonders auf zwei inter­essante Gedenkstücke aufmerksam zu machen, die aus dem Jahre 1848 stammen und der Erinnerung dienen, yir Eröff­nung des ersten deutschen Parlcunents in Frankfurt a M. und dessen ersten Präsidenten, des Freiherrn Heinrich von Gagern. Im oberen Saal sind, fein sällverlich geordnet, die Ergebnisse der Ausgr^rbungen aus der letzten Zeit hmzu- gekommem Besonders aber wollen wir nicht imterlaffen, oaraus aufmerksam zu machen, daß auch die Sammlung aus der Psahlbmlzeit durch neue am Bodensee gemachte Funde, die ein Gönner unserem Museum geschenkt hat, eine wertvolle Bereicherung erfahren hat. Geöffnet sind die Sammlungeu zur Besichtigung gratis Sonntags von 11 bis 1 Uhr und au Wochentagen gegen ein geringes Eiv-