Nr. 28«
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Dem «Lietzener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem K-sfilchen Landwirt dir E'etzener Familien, blätter viermal tn der Wache beigelegt tRotattofiflbrucT a. Verlag bei Brühl 'fchen llniverj.-Buch- u. Stein- beackeret (Pietsch lLrden) Vtebafttoiv tSrpebttum und Drricrerel:
Schutsteatze 7.
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FerniprrchanichlußNr 51.
Erstes Blatt
153. Jahrgang
General-Anzeiger
Amts- und Anzetzeblati für den Kreis Gießen
Samstag 5. Dezemder 1N03
Ä ve-ngSpret»r
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Deutsches Keich.
Berlin, 4. Dez. Gestern mittag unternahm das Kais er paar einen gemeinsamen Spaziergang im Park von Sanssouci.
— Tie „Kons. Korr." schreibt: „Die Hauptaufgabe des Königl. Literarischen Bureaus ist die Sammlung von Ausschnitten aus der Presse aller Parteien für den Kaiser. Der bisherige Leiter dieses Amtes war der Geh. Regierungsrat v. Falck. Wie die „Kreuzztg." mitteilt, war der an dessen Stelle mit der einstweiligen Leitung des literarischen Bureaus Betraute, Redakteur» am ,/Hann. Courier". Es muß das höchste Befremden erwecken, daß hier schon wieder ein prononz-ierter Liberaler in eine so wichtigeStellung berufen wird. Offenbar steht die Regierung tatsächlich auf dem Standpunkte, daß die liberalen Ansprüche auf einen bedeutsamen Einfluß auf die innere Politit berechtigt seien; denn die fast gesamte Preßvertretung der Reichs- und Staatsregierung befindet sich nun in liberalen Händen. Zieht man aber in Betracht, rn wie gehässiger Weise gerade der „Hann. Courier" die Konservativen verdächtigt und denunziert hat, so kann man sich ungefähr davon eine Vorstellung machen, in tvelchem Sinne ein aus einer solchen Schule hervorgegangener Leiter des Könrgl. Literarischen Bureaus den Kaiser vermittelst „entsprechender" Auswahl von Zeitungsausschnitten informieren werde. Und da schreien die Liberalen über die im Banne einer „konservativ-klerikalen Mehrheit" sich, befindliche Regierung:' (Die „Kons. Korr." hat wohl vergessen, da0 der Vorstand des Literarischen Bureaus des Auswärtigen Annes, oer Wirkt. Leaationsrat Dr. Hamm ann, ernst Redakteur der links- fteisinnigen „Nordhäuser Ztg." gewesen ist Sern Freisinn hat aber keinen langen Bestand gehabt Ebenso werd woch Herr Tr. Wyneken im Kgl. preuß. Literarischen Bureau seinen Liberalismus bald an den nächsten Ast hangen. D. Red. fr. Gieß. Anz.) . ...
- Pommersche Blätter berichteten, wie wir mitteilten, von einer Duellaffäre, die sich in CosUn zwischen einem G e r i ch t s a s s e s s o "C und einem £ a n d r i u) t e r abgespielt haben sollte. Der Oberlandesgerichi.spra,ient in Stettin teilt nun mit, daß eine Herausforderung zum Zweikampf überhaupt nicht stattgefunden hat, demnach auch die weitere Meldung von einem Dis Ml m ar ver fahr en auf Erfindung beruht, tDiese schnelle osiizielte Klarstellung ist sehr dankenswert, da die unrichtige Notcz^ geeignet ist, in weiten 5lreisen der Bevölkerung lebhaftem Aufsehen zu erregen. D. Red.) ........ „
Auslanö.
Daris. 4. Dez. Ter Nationalist Marquis de Tion ist von der nationalistischen Partei zu d-n Monarchien zurnck- aeledrt. Er hat ein plebiszitäres Kvmnec gebildet, welche» en Prinzen Viktor zum Präsiden en der Re- vublik erklären will. Wre de Dion ertmrt, 5at der Zert- JunJt Dafür zwar noch nicht gekommen, aber man werde
Madrid', 5. Dez. Ter König beauftragte Maura mit
Nolilische Tagesschau.
Die Sozialpolitik im neuen Reichstage behandelt Pros. Tr. Franke in einem Aufsatz, der „Sozial. Praxis". Er ist nicht allzu erbaut von Dem Programm, das, wie er wohl mit Recht meint, an einer gewissen Blutleere leide. Im einzelnen urteilt Professor Franke: Man spricht v-on einer kleinen Abänderung, der Seemannsord- nung, die nach dem Vorgang der Krankenkassennovelle auch für die Seeleute die hier den Reedern allein obliegende Krankenfürjorge von 13 aus 26 Wochen erstreckt. Auch wird endlich der Gesetzentwurf über Kaufmannsgerichte kommen, der seit Jahr und Tag im Bundesrat stecken geblieben ist; die erste Vorlage sah die Angliederung an die Gewerbegerichte vor, jetzt wird die Andeutung gemacht, man tvolle es offen lassen, ob die Kaufmannsgerichte an ein Amtsgericht oder ein Gewerbegericht an gefügt und ob die Mitglieder gewühlt oder ernannt werden sollten. Vorbereitet wird ferner seit geraumer Zeit die Regelung der Arbeitsverhältnisse in der Heimarbeit der Tabakindustrie und 'zwar teils durch Verschärfung und Erweiterung der bestehenden Bundesratsvevordnung, teils durch ein Gesetz, wojür das am 1. Januar 1304 in Kraft tretende Kinder,chutzgesetz den Boden ebnet. Kommt die Vorlage über die Tavalhausindustrie wirklich jetzt schon an die Volksvertretung^ was man nach den jahrelangen Vorbereitungen wohl erwarten darf, so wäre damit em erster wichtiger Schritt getan, dem Arbeiterschutz als neue Provinz auch die Heuuaobeit anzugliedern. Daß im Reichs- haushaltsetat auch diesmal eine Reche von sozialpolitischen Fordk-rungen wrederkehrt, ist selbstverständlich; darunter ist auch ein ö Millionen-Kredir für Wv hnun gs z we ck e, der im Verein mit einer vom Reichsamt des Innern auf Wunsch des Reichstags ausgearbeiteten Denkschrift über die Leitungen der Einzelstaaten in der Wohnungsfrage Anlaß zur erneuten Besprechung über eine der Grundbedingungen aller Sozialresorm bieten werd. Einem anderen Verlangen des Reichstags hat der Bundesrat nur in sehr abgeschwächter, fast ausweichender Form entsprochen: Der Reichstag wollte die Einjetz-ung einer Kommission zur Unter,uchung über die Möglichtett einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, der Bundesrat aber laßt durch das Kaiserlich Staiipi.che Amt ledigüch eine literarische ZusammensUl.ung der bisherigen Einrichtungen pnd Leistungen auf diesem Gebiete her^ellen und dem Reichstage zugeyen; auch dieser Anlaß wird zweifelsohne aufs neue zu eingehenden Debatten führen.
der Bildung des Kabinetts. Maura nahm den Auftrag an.
Petersburg, 4. Dez. Es wird behauptet, das Allgemeinbefinden des Zaren sei nicht das beste. Ter Zar sei sehr nervös und abgespannt.
Aus § tilut und LuuL.
Gießen, 5. Dezember 1903.
* ' Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Eisenbahnsekretär Peter Joseph Wagner in Gießen, dem Bureauassistenten Johannes Karl Wilhelm Quandt in Wiesbaden, dem Stationsverwalter Friedrich Zimmermann in Londorf und dem Stationsassistenten Johannes Wiegel in Betzdorf sämtlich in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschast, die unkündbare Anstellung verliehen. — Am 20. Oktober d. I. wurde dem Lokomotivführer Karl Hermann Weidig zu Betzdorf, am 21. Oktober d. I. dem Wagenmeister Karl Friedrich Klisfmüllerzu Gießen, beide in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft, die unkündbare Anstellung verliehen.
* * Oesfentliche Lesehalle. Im November wurden 2170 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende rtitteratur 932, Zeitschriften 621, Jugendschriften 251, Versdichtungen 55, Länder- und Völkerkunde 48, Kulturgeschichte 17, Geschichte und Biographien 102, Kunstgeschichte 6, Naturwissenschaft, Technologie 74, Seewesen 16, Hauswirtschaft 6, Gesundheitslehre. 8, Religion und Philosophie 23, Staatswisjenschaft 6 Bände. Nach auswärts kamen 128 Bände.
* * Aus dem Bureau des Stadttheaters. Nochmals sei auf die beiden Sonntagsvorstellungen: nachmittags 3V2 Uhr Fremdenvorstellung „A l t h e i d e l b er g" und abends 8 Uhr „Erb forste r" hingewiesen.
* * Der Tag des heiligen Rikolaus. Der 6. Dez. war ursprünglich ein Wodanstag, ein unheimlicher Tag, einer von den zahlreichen bedeutungsvollen schicksalskündenden Dezembertagen, vor der Wintersonnenwende. Da ritt Wodans wilde Jagd dahin. Als das Christentum zur Herrrschaft gelangte, da mußte Wodan diesen Tag dem wundertätigen Bischof Äiikolaus von Ntyra al treten, dem Märtyrer, der unter Kaiser Dioeletian eingekerkert, erst unter Constantin befreit wurde und am 6. Dezember starb. Lange Zeck gehörte der 6. Dezember nur nominell dem Bischof Nikolaus, faktisch verblieb er dem Wodan, der als „Knecht Ruprecht" die Häuser heimsuchte. Durchaus heidnische Vorstellungen knüpften sich an diesen Tag. Da halten die Wölfe Zusammenkunft; man darf an diesem Tage nicht spinnen, sonst fällt der Wolf in die Heerde. Stellt man sich in der Nacht an einen Kreuzweg, so erscheint der Teufel, lehrt allerlei Künste, gibt Geld und den zauberkräftigen Farnsamen, der seinem Träger Kraft verleiht und zur Erfüllung aller Wünsche verhilft rc. Alit der Zeit aber gewann der Nikolaus einen immer christlicheren und immer freundlicheren Charakter. Er wurde ein Tag der Kinder und der Geschenke. Bischof Nikolaus oder Knecht Ruprecht treten in die Häuser, und die Kinder fallen auf die Kniee, beten und werden beschenkt, die unartigen Kinder werden mit der Nute geschlagen oder in den Sack gesteckt. Erst vereinigte der „Nikolo" in sich das belohnende und strafende Prinzip; dann trat eine Trennung ein; in einzelnen Gegenden verblieb dem Ätikolo nur die Nolle des Kinderschreckers, während das Christkind, in dessen Begleitung er erschien, die guten Kinder belohnt. In anderen Gegenden vertritt jedoch der Nikolo das gute Prinzip; den bösen Kindern erscheint der „Krampus", eine Karrikcckur des Teufels, schwarz, mit roter heraushängender Zunge, roten Hörnern, mit Kette und Nute. — Während alle anderen Schicksalstage der Adventzeit, der Andreastag, ThomaStag, Barbaratag, alle diese Tage des Aberglaubens, wo die Burschen und Wtädchen des Torfes eine Frage an das Schicksal frei hatten, über Heirat und Tod, während alle diese Tage in den Städten mit zunehmenden Rationalismus jede Bedeutung verloren haben, hat sich der dtikolotag als ein Kinderfesttag trotz der Nähe des Weihnachtsabends erhalten.
fc. Ilbenstadt, 5. Dez. Vor ca. 7 Wochen wurde während der Kirmes die Ehefrau des Gastwirts Josef Klein durch einen Schlaganfall getötet, so daß die Kirchweih abgebrochen werden mußte. Vor einigen Tagen ist nun auch der Mann durch einen Schlaganfall gestorben. Bei seiner Beerdigung beabsichtigte der Verein „Cäeilia" ein Grablied zu fingen, erhielt aber vom katholischen Pfarrer nicht die Erlaubnis dazu. Trotzdem zog der Verein, mit seinem Dirigenten an der Spitze, auf den Friedhof, wo ihm das Singen noch einmal vom Pfarrer unterfagt wurde. Der Verein fang aber, nachdem der Geistliche und der Bürger^ meister den Friedhof verlassen halten, doch.
d. Mainz, 5. Dez. Seinen Verletzungen er- l a g gestern nachmittag im Rochushospital der 27jährige Metzger Johann Gg. Schorr, der am Buß- und Bettag von Wiesbaden aus, wo er in Arbeit stand, mit Freunden unsere Stadt besuchte und auf seinem Heimwege nachts nach dem Bahnhof Kastel mit seiner Gesellschaft aus der Brückenrampe Streit bekam urid dabei einen Messerstich in die linke Lunge erhielt. Der Täter befindet sich im hiesigen llntersuchlungsge,ängnis. Heule findet die gerichtliche Obduktion der Leiche statt. Schorr stammt aus Appenfelden (Mittelfranken).
Vermischtes.
. • New-Port, 4. Dez. Die von Dr. Nelden an einem hiesigen Millionär cmsgesührte Operation, welche darin bestand, demselben ein Ohr anzusetzen, ist wie verlautet, vollstndig gelungen.
* Von einem „ametifartif chen „Tuell" zwi- s ch e n M a d ch e n berichtet die „Now. Wremja": Eine junge Petersburgeri.n, Frl. L., hatte einen jungen Mann kennen gelernt und such heimlich mit ihm verlobt. Die Braut ijatte eine Freundin, Frl. ?)., und die schavärmerische Freundschaft der beiden Mädchen wurde plö^lich auf eine harte Probe gestellt. Frl. machte ihren Bräutigam mit Frl. 2). bekannt, und der junge Mann verliebte jich glühend in Frl. s2). und fand Gegenliebe. Der Seelenzustand, in dem sich die beiden Mädchen befanden, wurde unerträglich, und der Tod einer von ihnen schien der einzige Ausweg aus dieser trostlosen Lage zu sein. Es wurde ein amerikanisches Duell vereinbart. Mt einem Revolver in der Hand schlossen jte sich in em Zimmer ein. Das Los, die Freundin zu erschießen, traf Frl. L. Sie hob die Waffe gegen die Freundin, aber von einem Impuls getrieben, richtete sie sie plötzlich gegen die eigene Brust und sank tätlich getroffen zu Boden. In höchstem Schmerz entriß Frl. der sterbenoen Freundin die Waffe und suchte sich zu töten; die Kugel glitt jedoch an ihrem Körper ab und verwundete sie nur leicht an der Hüfte. Ohnmächtig brach Frl. an der Leiche der Freundin zusaurmen und Hausgenossen fanden sie später in furchtbarer Verzweiflung neben dem entseelten Körper. (Sehr romantisch, wenn's wahr ist!)
Vniveilltüts-Uachrlchten.
— Der Universität London wurde anonym ein Geschenk von einer At i 11 i o n sür naturwissenschaftliche Forschungen gemacht.
Gerichtsiaat.
R.-B. Darmstadt, 4. Dez. Einen bösen Abschluß fand heutt vor der hiesigen Strafkammer die Herzensgeschichte eines Brautpaares aus Bischossheim. Der Schlosser Joh. Taub von dort hatte sich mit der Tochter eines dort wohnenden Ehepaares namens Ximt verlobt und zuerst erschien auch alles in bester Ordnung. Aber nach und nach stellten sich allerlei unangenehme Dinge ein. Alan eriuyr, daß der Bräutigarn wegen eines Diebstahls bestraft worden war und auch sonst kein einwandfreies Leben führte; er machte Schulden, lächelte anderen Schönen zu 2C. Die Eltern der Braut machten schließlich die Verlobung rückgängig und auch Gretchen stiinmte diesem Entschlüsse zu, indern sie sämtliche vom Bräutigam erhaltene»i Geschenke zurücksalidte. Dieser aber tat das Gleiche nicht. Er versteife sich nun erst recht daraus, daß Gretchen ihm gehöre und für alle Zeiten cm seiner Seile blerben solle. Um das zu erzwingen, suchte er Gelegenheit zu iveiteren Begegnungen, und als das nicht half, griff er zu dem unschöiien Alittel der Drohbriefe. Er schrieb den Eltern, daß er absolut nicht von Gretchen lassen würde und em großes Unglück geschehen könnte, ivenii sie bet ihrer ablehnenden Haltung verharrten; auch an Bedrohung mit Totschießen ließ der Angeklagte es nicht fehlen, so daß die Eltern in ihrer Angst, er köwite seine Drohung ivahr macheli, der Staatsanwaltschaft Anzeige machtem Tie Folge war eine Aiiklage wegen 9lötigung, und der Gerichtshof diktierte ihm eine Gefängnisstrafe oon 14 Tagen zu. Hoffentlich wird in stiller Beschaulichkeit nunmehr sein Liebeseifer erkalten und Gretchen nicht weiter von ihm belästigt werden.
Koblenz, 5. Dez. In einer Sitzung des Oberkriegsgerichts wurde Al a j o r Z i e r m a nn aus Aachen wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Ziermann hatte ein unentladenes Gewehr feinem Burschen Aum Reinigen übergeben, wobei ein Schuß losging, der ein neben dem Burschen stehendes Atädchen tötete.
Berlin, 4. Tez. Die Frage des Sadismus, die auch in dem Prozesse gegen den Hauslehrer Dippold zur Sprache kam, spielte eine Rolle gegen den Zigarren- fabrikanten O 11 o E ß l i n g e r aus Mannheim, der sich gestern wegen Körperverletzung in zwei Fällen vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Da sich die Verhandlung auf dem Gebiete krankhafter Verirrung ber Sinnenlust bewegte, wurde die Oefsentlichkeit für die ganze Dauer ausgeschlossen. Dem Vernehmen nach hat die Verhandlung nicht bie Darstellung gedeckt, die in einer Zeitungsnotiz über bie Einzelheiten der Dem Angeklagten zur Last gelegten Vergehungen gegeben worden war, insbesondere soll nicht bestätigt worden fein, daß bie Körperverletzung, bie der Angeklagte einer Frauensperson zugesügt, den Tod der letzteren zur Folge gehabt hat. Tatsächlich ist diese Person an einer mit der Verirrung des Angeklagten nicht zusammenhängenden Krankheit gestorben. Auch die Andeutung, daß der Angeklagte mit dem noch nicht aufgeklärten Morde an einer Prostitu- tuierten möglicherweise in Verbindung zu bringen sei, entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage. Als medizinische Sachverständige waren Medizinalrat Dr. Leppmann, Gerichtsarzt Tr. Störmer, Assistenzarzt Dr. Backenheim und Arzt Tr. Tändler geladen. Der Angeklagte, ein noch nicht lange verheirateter, in besseren Verrnogensverhältnissen lebeiider Mann von 33 Jahren, wurde der Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges beschuldig:. Letzteres bestand in einer Hutnadel, bie er ber inzwischen verstorbenen unverehelichten Dobschin in den Hinterteil ihres Körpers gestochen hat. Jii bem zweiten Falle haubelt es sich um eine einfache Mißhandlung. Zur Verhandlung waren mehrere Zeuginnen geladen, mit denen ber Angeklagte angedandeit haben soll unb die Tatsachen bekunden sollten, welche auf eine durch das Wort „Saoismus" gekennzeichnete Perversität hindeuteli tonnlen. lieber Wesen und Bedeutung dieser krankhaften Neigungen gaben Dr. Leppmann und Tr. Stürmer längere Gutachten ab, aus denen hervvrging, daß ihnen ein ähnlicher wie ber hier verhandelte Fall auf bem Gebiete des Sadismus noch nicht vorgelommen sei. Ter Gerichtshtos sprach den Angeklagten der Körper-


