Erstes Blatt.
Samstag 5. September 1903
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153. Jahrgang
Lietzener Anzeiger
** General-Anzeiger 99
Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen
tährhcf) Mk. 2L0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.' durch die Post Mk.2.— viertel» lährl. ausjchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für Öle TageSnumrner bis vorrnMagS 10 Uhr. ZetlenpreiS: total 12 Pi^ auswärts 20 Psg.
USecaiitroertUdL Mr den poltt und augem. TeUr P. tBilito: Mr «Stadt und Uanö* und .GerichtSfaal": August ; für den Anzeigenteil: Hand Beck.
9Sr. 308
Erscheint täglich außer Sonntags.
Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gietzener Familien- blätter viermal tn der Woche bergelegi.
ViotationSdrucl u. Berlag der Brüh l'ichen Univeich-Buch- u. Stein- dructerrr(Piehch Erben) SLedattton. Expedition und Druckereir
Schulstratze 2.
Adresse für Depeschenr «nzetger Gießen.
Aernsprechanschluß Nr. 61.
Kerr Wegnicr und die Iorposte« des 2. Hessische» Infanterte-Ziegimeuts, heutigen Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm, vor Wetz 1870.
Original-Artikel d.s „Siebener Anzeigers".
Von einem höheren preußischen Offizier geht uns folgende hochinteressante Auslastung zu:
In der jüngst erschienenen „Geschichte des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116. Herausgegeben von W. Bi^ge, Generalmajor z. D." geschieht auf S. 433—435 mehrfach einer Persönlichkeit, eines „Herrn Regnier", Erwähnung, die dem größeren Publikum aus den letzten Phasen des Humbert-Prozesses in Paris wenigstens dem Namen nach in der Erinnerung sein dürfte. Den Teilnehmern am Aeldzuge 1870/71, vor allen denjenigen des Regiments, die wahrend der Cernier- ung von Metz in den Tagen vom 23. bis 25. September 1870 sich zwischen Mosel und Jussy auf Vorposten befanden, ist Name und Person des Herrn Regnier wohl bekannt. In dem großen Prozeß der Schwindlerfamilie Humbert-Daurignac erscheint Regnier nicht im reinsten Licht, er wird kurzer Hand zu einem Spion des Für st en Bismarck gestempelt. Daß er dies nicht war, läßt sich fast mit voller Bestimmtheit behaupten, wenn er auch bei Verfolgung seiner eigenen, fraglos patriotischen Trieben entsprungenen Pläne ohne Zweifel mit dem Fürsten in Verbindung getreten und diesem auch bekannt gewesen sein mußte.
Doch hören wir, was die Regiments-Geschichte über Herrn Regnier uns kündet!
Es ist der 23. September. In dem oben angegebenen Abschnitt befindet sich das 2. Bataillon auf Vorposten, mit der 6. u nd 7. Kompagnie in erster Linie. Auf Seite 433 lesen wir:
„Der 23. September verlief irrt ganzen ruhig; nur vom Fort St. Quentin fielen etwa 20 Schüsse. Nachmittags erschien in Begleitung eines Offiziers aus dem Haupt- guartier des Prinzen Friedrich Karl in Corny ein ftanzösi- scher Zivilist Namens Regnier auf dem Repli I der 6. Kompagnie und ging von hier nach Metz. Ain 24. September ftüh kehrte er zurück und wurde durch einige Reiter nach Corny gebracht. Lieser Regnier hatte sich, zur Vermittelung zwischen dem deutschen Hauptquartier vor Metz und dem Marschall Bazaine angeboten. Er gab vor, ein Abgesandter der französischen Kaiserin Eugenie zu sein, in deren Auftrag er über den Frieden unterhandeln solle. Es gelang ihm auch, Bazaine zur Absendung des Generals Bourbaki an die Kaiserin zu bewegen, doch leugnete diese es später ab, Regnier einen solchen Auftrag erteilt zu haben, weshalb deutscherseits alle weiteren Verhandlungen mit ihm abgebrochen wurden.
Am 24. September um liy2 Uhr vormittags erschien Regnier abermals bei den hessischen Vorposten rn Begleitung des Rittmeisters v. Willisen aus dem Hauptquartier. Während letzterer auf dem Repli der 6. Kompagnie verblieb, begab sich Regnier wieder nach Metz hinein."
Des weiteren wird aus S. 434 berichtet:
„Mit Rücksicht darauf, daß der am Vormittag nach Metz abgegaugene Herr Regnier, der am Nachmittag hatte zurückkehren wollen, abends immer noch nicht ein- gettoffen war, und daß bei seiner etwaigen Rückkehr während der Nacht durch das Vorschieben der Patrouillen im Mosel- Tal leicht Mißverständnisse hätten entstehen können, unterblieben diese Unternehnrungen." rc.
Und endlich auf S. 435 finden wir:
„Um 5 Uhr morgens am 25. September löste die 5. Kompagnie .die 6. und die 8. die 7. auf Vorposten ab. — Um 61/2 Uhr früh erschien der Herr Regnier wieder bei den Vorposten und zwar in Begleitung von 6 Aerzten, die aus Metz herauswollten und eines Herrn in Zivil, der wie ein höherer Militär aussah. Es war der General Bourbaki, Kommandeur des französischen Gardekorps, der sich im Auftrage Bazaines zur Kaiserin Eugenie begeben sollte. Alle diese Herren gingen mtt dem Rittmeister von Willisen nach Corny ab", und zwar, wie der Einsender dieses als Augenzeuge berichten kann, bestiegen der General Bourbaki mit Herrn Regnier und dem Rittmeister einen Jagdwagen des Prinzen Friedrich Karl, während die Aerzte — es waren Luxemburger — in einem bereitstehenden Postwagen der hessischen Feldpost untergebracht wurden.
Aus den obigen Darstellungen geht mit Sicherheit hervor, daß bei den Regnierschen Plänen und Machenschaften es sich um die Restauration der am 4. September entthronten Bonapartes handelte und zwar gingen die Absichten dahin, „Lulu" unter Regentschaft der Kaiserin Eugenie an der Spitze der noch immer über 170000 Niann ' —^rmee iu Metz, der fteier Abzug mtt allen mtti- tauschen Ehren gewährt werden sollte, in Paris einziehen und den Thron seines Vaters besteig en zu lassen. Es gewinnt den Anschein, daß im Hauptquartier zu Versailles Die Verhandlungen mit Regnier, der sich als Answers einer Photographie der Kaiserin Eugenie mit deren Unterschrift bedient haben soll, und bald als politischer Schwärmer erkannt werden mußte, tells aus diesem Grunde, ^eils daran scheiterten, daß man französischerseits ßlL $er Forderung des Abzuges der französischen Armee wtk allen militärischen Ehren zähe festhielt.
o-n eiUI -ed dem Einsender dieses, der am 25. September . 0 von 5 Uhr früh an mtt einem Zug der 5. Konipagnie die o-elowache an der Straße Ars—Metz bez. auf der Mosel- iNsel bezogen hatte, auch möglich ist, eine große Menge interessanter Einzelheiten aus jenen denkwürdigen, unvergeßlichen Tagen den obigen Schilderungen hinzuzufügen, so möchte für heute hiervon Abstand nehmen und nur aus einen die Allgemeinheit in Anspruch nehmenden Punkt ganz besonders aufmerksam machen — das Herauslassen
von Bourbaki aus der Festung. Dieser hatte sich in einem am 23. older 24. September im Europäischen Hof in Metz »ehaltenen Kriegsrat mit dem Marschall Bo^aine in so em Maß verfeindet, daß letzteren die Gelegenhett, sich des stets zur Opposition neigenden Generals entledigen zu können, sehr willkommen war. Für die deutschen Heere aber erwuchs in Bourbaki der Führer einer neugebildeten französischen Südarmee, die nach wiederholten vergeblichen Versuchen nach Norden zum Entsatz von Paris durchzustoßen, schließlich durch das Vorgehen des 2. und 7. Korps unter General von Manteuffel auf Schweizer Gebiet überzutreten gezwungen wurde.
Was Herrn Regnier noch anlangt, so ist er bald nach dem Kriege, wie uns berichtet wurde, als Polizei-Kommissar in Sttaßburg t E. in deutsche Dienste getreten und dort auch verstorben. W—r.
Aus Stud! unÄ Kund.
Gießen, den 5. September 1903.
Nachrichten über bemerkenswerte Vorkommnisse in Stadt und Land werden stets gern eutgegengenommrn und angemessen honoriert!
** Personalnacyrichten. S. K. H. der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 19. August dem Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Adam Weber zu Ober-Beerbach das Allgemeine Ehrenzeichen mtt der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen, am 2. September den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lauterbach, Amtsgerichtsrat Ferdinand Frey zum Oberamtsrichter bei diesem' Amtsgericht zu ernennen und mittels Allerhöchster Entschließung vom 26. August dem Großh. Bademeister Franz Kissel zu Bad-Nauheim die Genehmigung zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Fürsten von Reuß j. L. Heinrich XIV. verliehenen Ehrenkreuzes 4. Klasse erteilt.
Q In einer star k besuchten Versammlung' von Kaninchenzüchtern wurde ein Verein gegründet unter dem Namen Kaninchenzuchtverein für Gießen und Umgegend. In den vorläufigen Vorstand wurden gewählt: die Herren Heinrich Stein, Friedrich Petter in Gießen und Heinrich Gabriel in Heuchelheim. In jedem Monat finden zwei Versammlungen im Pfälzer Hof statt Ter Verein hofft schon im nächsten Jahre mit einer Ausstellung vor die Oeffentlichkeit zu treten.
** Die beiden neuen Schnellzüge Berlin- Frankfurt bezw. Frankfurt-Berlin, die ursprünglich nur als Sommerzüge gedacht und daher im vorigen Winter ausgefallen waren, werden auch vom 1. Oktober ab gefahren werden.
** Eine neue Landtagsinterpellation. Der Vorsitzende des Vereins Mainzer Kaufleute, Landtagsabg. Molthan, hat folgende Anfrage an die Regierung gerichtet : Der große Warenhausbrand in Budapest, bei welchen: vornehmlich infolge sttäflicher Nichtbeachtung der baupolizeilichen Vorschriften, sowie der notwendigen Sicherheitsmaßregeln eine größere Anzahl von Menschen ihr Leben einbüßten, hat im Publikum vielfach Beunruhigung hervorgerufen. Es werden Zweifel darüber laut, ob in den im Großherzogtum bestehenden Großbazaren und Warenhäusern alle diejenigen Vorkehrungen getroffen sind, welche im Falle des Ausbruches eines Brandes oder einer Panik die Sicherhett des Publikums und des Personals gewährleisten. Der Landtagsabg. Molthan richtet deshalb an die Regierung die Anftage, ob dieselbe geneigt sei, eine Revision der Großbazare und Warenhäuser in dieser Richtung vorzunehmen. — Gleichzeitig hat der Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleute eine Eingabe an die Bürgermeisterei und Stadtverordnetenversammlung zu Mainz, gerichtet, worin um eine Untersuchung der Mainzer Warenhäuser in der Richttng der größt- möglichen Sicherheit des Publikums bei ausbrechendem Brande ersucht wird.
** Vom gestrigen Gewitter liegen uns heute noch mehrere Mitteilungen vor. In der Wett er au lag gestern an manchen Stellen der Hage: fußhoch. Er richtete besonders an den Obstbäumen großen Schaden an. Das noch teilweise auf dem Felde liegende Getreide wurde fast ganz ausgedroschen. In Mün st e r schlug der Blitz in die katholische Kirche, ohne indes größeren >L-chaden anzurichten. In A l l e n d o r f a. Lda. wurde durch Blitzschlag ein Kornhaufen vollständig vernichtet. Hier und da, wie in Klein- Linden, wurden Bäume vom Blitz zerschmettert oder doch beschädigt. Auch in den südhannoverschen Kreisen Duderst a d t und Northeim sowie in der Gegend von Han n.--- Münden ging ein furchtbares Hagelwetter nieder. Zwei Drittel der Tabakernte sind dort vernichtet.
** Zur beabsichtigten Erhöhung der Ansätze bei Anrechnung der Dienstwohnung auf die Besoldung der Beamten schreibt man uns: Für die zumeist mit den ländlichen Amtssitzen verbundenen Dienstwohnungen wurde seither nach Artikel 17 des Gesetzes die Besoldung der Staatsbeamten betreffend vom 9. Juni 1898 innerhalb der nichtstädtischen Kreisamts- und Amtsgerichte der Wert nur mit 7i/2 Proz. der Besoldung in den übrigen Gemeinden und Gemarkungen nur mit 5 Prozent der Besoldung veranschlagt. Für einen d i e n st a u f s i ch t f ü h r e n d e n R i ch t e r betrug also z. B. bei einem Gehalt von 4800 M a r k der A b z u g für eine Dienstwohnung 360 M a r t im Durchschnitt, wobei bemerkt sei, daß in dem Durchschnittsansatz von 4800 Mark die Nebenbezüge, d. h. die nichtpensionsfähigen Stellenzulagen schon eingerechnet sind. Man hatte diese Vergünstigung in dem Bestreben, alle vergütungsfähigen Son
derbelastungen in der Besoldung selbst zum Ausdruck zu bringen, bestehen lassen, sei es aus Rücksicht auf die Mehrbelastung der Gerichte durch die Neuregelung der frei* willigen Gerichtsbarkeit oder aus anderen Gründen. Nun jedoch soll an 'stelle der seitherigen 10 Prozent für die Städte Darmstadt, Mainz, Gießen, Offenbach, Worms und Bingen und an stelle der obigen 7y2 und 5 Prozent ein Wertansatz von 16, 12 und 8 Prozent treten. Tie Regierung scheint, wie in Juristenkreisen verlautet, der Neuerung auf das wiederhotte Drängen des Abg. Köhler und einiger anderer Landtagsmitglieder näherzutreten. Aber gerade die genannte Vergünfttgung bilder in ländlichen Verhältnissen wohlbegründeten sachdienlichen Ausgleich für die Mehrausgaben der Richter mit Dienstwohnungen auf dem Lande, da gerade dies von manchem, in der Sorge für seine Familie gewissenhaften Beamten den Ausschlag gegeben haben mag, weshalb er es nicht scheute, städtisch^ Verbindungen und Gesellschaft zu missen, und die Kinder vor Tagesanbruch die tägliche Reise zur Schule machen zu lassen. So manche anderen zutteffenden Gesichtspunkte, um tüchtige richterliche Kräfte auf dem Land zu erhalten, bleiben bei Kammerverhandlungen am leichtesten deshalb unerörtert, weil richterliche Beamte von der parlamentarischen Verttetung gesetzlich ausgeschlossen sind, und daher Schmälerungen ihrer Rechte keinen Widerspruch finden, wenngleich sie, wie im vorliegenden Fall schwerlich im Interesse des Publikums liegen.
**DerkatholischeLehrervereinfürdas Groß- Herzogtum Hessen zählt gegenwärttg 990 Mitglieder, darunter 720 Lehrer und Lehrerinnen, 249 katholische Gei.jp- liche und 31 Privatpersonen. Auf Mainz allein entfallen ca. 150 Mitglieder. Eine Anzahl katholischer Lehrer gehören zum hessischen Landes-Lehrerverein.
** Die Obsternte fällt diesmal, wie man uns schreibt, gering aus. Von fachmännischer Seite wird sie auf etwa ein Achtel d er vorjährigen guten Ernte geschätzt. An den Kreissttaßen Gießen-Grünberg und Londorf-Grünberg ist der Erttag säst Null, während es bei Lich, Langsdorf, Großen-Linden ziemlich Aepfel gibt, und zwar edle Arten wie: Gelber Edelapfel (Lich), Kasseler Reinette, Goldparmäne, Landsberger u. a. Bei Eberstadt gibt es ebenfalls ziemlich Aepsel und Birnen. Tie Wetzlarer-, Rodheimer- und Frankfurterstraße, welche im vorigen Jahre am besten behangen waren, haben wenig Obst. Tie edelsten Obstsorten läßt der Kreis mich diesen Herbst wieder pflücken und in Gießen zum Verkauf ausstellen. Voriges Jahr löste der Kreis rund 10 000 Mark für Obst, der Zentner kostete: 1. Sorte 10—12 Mk., 2. Sorte 5—6 Mark.
** Im 118. Infanterie-Regiment gibt es, — so lesen wir in der „W. Z." — eine große Anzahl Mannschaften, welche bei der Auswahl ihrer Ettern gut weggekommen sind. Da diese in Gießen, wo es ihnen sehr gut gefällt, ihre Lebenslust etwas zu lebhaft an den Tag legten, hatte das Kommando das etwas uberfteudige Gebühren der ihm untergebenen Marsjünger eines Vermerks würdig erachtet. Seit dieser Zeit sind die 118er eifrig bemüht, sich den sttlleren Oberhessen gegenüber von einer anderen Seite zu zeigen und wachen ängstlich über ihren guten Namen, was zu einem vielbelachten Falle wesentlich beittug. Als am Sonntag in später Abendstunde einige in der Garnison verbliebene 116 er sich etwas überlaut unterhielten, trat ein vorübergehender 118 er auf die Fidelen zu und rief energisch: „Zum Dunnerwetter! macht so kau Radau, sunscht heeßts gleich Widder, die 118 er werens gewest!"
Bad-Nauheim, 4. Sept. Bis zum 3. September ind 22 387 Kurgäste anaefonunen, wovon an genanntem Tage noch 2937 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 3. September 292 889 abgegeben. Bis pi 3. Sept. 1902 waren 21143 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis 3. Sept. 1902 267 971 abgegeben.
(Z) Friedberg, 4. Sept. Die Schweinepest ist in unserem Kreise mehr und mehr im Abnehmen begriffen. In einer Anzahl Orte ist sie bereits erloschen, z. B. in Bad-Nauheim, Ober- und Nieder-Wöllstadt, Jlben- tadt, Nieder-Erlenbach, Vilbel und Wölfersheim. Die Schweinemärkte werden jetzt wieder allerorts äbgehatten.
Darmstadt, 4. Sept. Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Elisabeth ist gestern zum Besuche bei deu Herzogin von Sachsen-Koburg und Gocha in Tegernsee wohlbehalten angedommen. (Darmst. Ztg.)
Darmstadt, 4. Sept. Die Nachricht, daß die Trauung der Prinzessin Alice nach griechischem Ritus stattfinden werde, hat in protestantischen Kreisen einige Erregung hervorgerufen (Ev. Sonntagsblatt), offenbar, weil man glaubte, daß damit eine Konversion zur griechisch-katholischen Kirche verbunden fei, wie dies bei der Kronprinzessin Sofie von Griechenland, einer Schwester unseres Kaisers, der Fall war. Wie die „N. H. Vbl." hören, ist ein lieber tritt der Prinzessin Alice durchaus nicht beabsichtigt, ihre Che wird voraussichtlich auch nach p r o t e st a n H sch em Ritus eingesegnet werden.
Offenbach, 4. Sept. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten war der vom Vorstand der städtischen Sparkasse gefaßte Beschluß, den Zinsfuß für Einlagen und für auszuleihenDc H>ypothekengelder von 3 auf 31/4 und von 4 auf 4y4 Prozent ab 1. Januar 1904 zu erhöhen, zur Beratung gestellt. Auf Widerspruch des Stadtv. Stadtmüller ging dieser Gegenstand an den Ausschuß zurück. Inzwischen ist dieser Vorstandsbeschluß in weiteren Kreisen besprochen und fast durchweg abfällig beurteilt worden. Man verurteilt das Verfahren der städtischen Sparkasse überhaupt, wenn diese, wie bisher, dazu dienen soll, der Stadt eine Einnahmequelle zu sein. Ein solches Institut sollte nur den Sparsinn fördern und den Geldverkehr vermitteln. Wenn man aber glaubt, den


