tretung des deutschen Volles zu sein unb die an ihn heran- ixetenben Aufgaben zum Heil und Segen unseres Vaterlandes zu erledigen.
Lebhafter Beifall wurde den Ausführungen des Redners zu teil. Tie Kundgebungen legten sich, als Kommerzienrat Georgi sich wieder erhob und dem Handclskammer- syndlkus Schloßmacher aus Offenbach das Wort erteilte.
Herr Schloßmacher erörterte in einer längeren packenden Rede die Hauptfragen, die den zukünftigen Reichstag beschäftigen werden und die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen in erster Linie beherrschen. Seine Aus-- füyruugen knüpften vortrefflich an die Rede des Kandidaten Heyligenstaedt an und begannen mit dem Hinweis, daß er seiner langjährigen Verbindung mit der Tabak- industrie die Ehre verdanke, heute vor der Versammlung über die Wahlfrage zu sprechen. Verschiedene Parteien haben darüber geklagt, daß keine eigentliche Parole für den Wahlkampf vorhanden sei. Tas ist aber falsch; es giebt eine Parole: die Handelsverträge! Der Zolltarif bedingt neue Handelsverträge. Nun hat der Vorredner Heyltgenstaedt ja schon gesagt, daß bei der hastigen Festsetzung des Zolltarifs Fehler gemacht worden seien. Aber wir müssen uns nun der Mehrheit fügen, und auf der Grundlage des neuen Tarifs neue langfristige Handelsverträge zu erlangen suchen. Die Regierung wird bei Verträgen, die mit einjähriger Kündigungsfrist laufen, nicht bleiben können. Es muß daher jedenfalls über kurz oder lang die Handelsvertragsfrage entschieden werden. Leicht ist es nicht, passende Handelsverträge zu bekommen. Staaten wie Oesterreich-Ungarn und die Schweiz haben auch nun vielfach in zwcichsachem ober dreifachem Grade Zollerhöhung gegen seither und werden auf dieser Grundlage mit uns verhandeln. Redner verweist dann auf Schwierigkeiten, die im Lande selbst liegen, auf die Widerstände, die von sozialdemokratischer Seite und wiederum auch von den allzu hochgespannten Forderungen, die vielfach die Landwirtschaft erhebe, herrührten. Dazu kämen auch die sogenannten Unbeteiligten, die den Handelsverträgen so wenig Wert beimessen und in ihrem kurzsichtigen Kleinkram sich einbilden, es könnte sich auch ohne Verträge die Kaufkraft im Lande heben. Der Redner wies dabei hin auf eine Braun'sche Reichstagsanekdote, die diese Leute vortrefflich illustriere. Ein paar Dienstmänner, die sehr schlau zu handeln dachten, als sie an einem heißen Tage ein Faß Bier mit hinaus aus der Stadt nach einem Dorfe, in dem es keine Wirtschaft gab, schleppen wollten, um es dort mit hohem Verdienst glasweise loszuschlagen, es aber unterwegs austranken, für jedes Glas einander 10 Pfennig zahlten, sodaß ihnen das Faß schließlich selber außerordentlich teuer wurde und ihre Taschen leer wurden, handelten gerade so weitsichtig wie die Handelspolitiker, die sich nicht um das Ausland bekümmern wollen. Dagegen steht doch fest: Wenn wir dem Ausland mehr verkaufen als mir von ihm kaufen, wird der Nationalwohlstand wachsen. Deutschland muß em strebsames Glied der neuen Weltwirtschaft werden, deren Bedeutung sich immer mehr erhöht hat, was der Redner zahlenmäßig belegen konnte. Tie Gesamtausfuhr aller Länder zusammen betrug im Jahre 1860 29 Milliarden, 1899 84 Milliarden. Von Land zu Land ist die Güterausfuhr gewachsen. Deutschland hat bezüglich der größeren Ausfuhr die 2. Stelle erreicht. Englands Ausfuhr betrug 1882 19,7 pCt. deS gesamten weltwirtschaftlichen Austausches, 1899 nur noch 17 pCt.; Deutschland hatte 1882 10,3 pCt., 1899 11,8 pCt.; die Vereinigten Staaten hatten 1882 9,9 pCt., 1899 9,6 pCt.; Frankreich hatte 1882 11,1 pEt., 1899 8 pCt. — Folgende vergleichenden Zahlen für Deutschlands Außenhandel waren interessant: 1892: Einfuhr 4468 Millionen, 3477 Millionen Ausfuhr; 1901: Einfuhr 6016 Millionen, Ausfuhr 4825 Millionen. Unsere Handelsbilanz ist zwar passiv, aber unsere Teilnahme an der Weltwirtschaft besteht nicht nur im
Güteraustausch. Güter wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Art, die wir im AuSlande haben, verzinsen sich. Ist also auch die Handelsbilanz passiv, so ist die Zahlungsbilanz doch aktiv. Wir sind tatsächlich vorwärts gekommen. Wir haben vom Auslande mehr bekommen, als wir bezahlt haben, das geht aus den Einkommenoerhältnisien hervor: der Wohlstand ist ganz außerordentlich gewachsen seit 10—20 Jahren in den weitesten Kreisen. Auch die Statistik über die Ein- und Ausfuhr der Edelmetalle ergiebt, daß wir im großen und ganzen doppelt so viel bekamen als hinausgaben. Redner ging über zu einer mteresianten Kritik der Handelsverträge. Tie alten Handelsverträge haben durchaus günstig ab* geschloßen. Nur eben die Ausfuhr nach Nichtvertragsstaaten ist nicht gestiegen. Aus den statistischen Zahlen des Redners folgte, daß unser Geschäft mit den Vertragsstaaten gut gewesen ist. Und nicht nur bei Artikeln, bei denen uns Vergünstigungen zustanden, haben uns die Verträge Nutzen gebracht, sondern auch bei anderen Artikeln. Gerade aber bei langfristigen Handelsverträgen ist ein stabiler Austrag gewährleistet. Darum sprach der Redner seine Freude darüber aus, daß der ausgestellte Kandidat für solche Handels- vertrüge ist. Herr Schloßmacher kam danach ausführlich auf die Fragen der Landwirtschaft zu sprechen. Er führte aus, daß die Industrie nicht ein Feind der Landwirtschaft sei. Nicht die Industrie schädige die Landwirtschaft — eher nütze sie ihr — sondern die exotischen Länder, die wegen ganz besonderer Produktionsbedlngungen große Massen von Getreide zu unverhältnismäßig niedrigeren Preisen exportieren, als in Deiitschland der Produktion möglich ist, machen der Landwirtschaft in erster Linie zu schaffen. Darum solle sich die Landwirtschaft nicht einseitig gegen die Industrie wenden, sondern Handelsverträge ermöglichen. Ein Fünftel der Bevölkerung Deutschlands lebt von der Ausfuhr, und mittelbar noch mehr. Andererseits seien 35 pCt. der Gesamtbevölkerung landwirtschaftlich tätig und man müsse, so sagte der Redner, sorgsam an die Frage herantreten, wie sich die Interessen des großen Bauernstandes fördern ließen, ohne die anderen Kreise allzusehr zu schädigen. Wir müssen auf der Grundlage des Tarifs zu Handelsverträgen kommen. Der Bauernstand sollte sich nicht vom liberalen Bürgertum abwenden, sondern daran denken, daß jetzt wie ehemals, als er gerade durch die tätige Mithilfe der Städte von der Hörigkeit gegenüber den Großgrundbesitzern befreit wurde, feinen einzigen natürlichen Gegnern, denen er sich jetzt in seiner kurzsichtigen Befangenheit wieder unterordne und sich von ihm willenlos inö Schlepptau nehmen lasse, seine Interessen mit denen des Gros der städtischen Bevölkerung und der Industrie verknüpft sind. Redner sprach von den Sozialdemokraten und den Klerikalen, die ihre Herrschaftsgelüste überall zur Geltung bringen wollten und da fehle rs noch gerade, daß auch der Bauer sich absondere und wieder, wie einst, der Herrschaft der Junker sich unterwerfe. Wir brauchen den Bauern und der Bauer braucht un8l Redner spricht nochmals seine Freude aus, daß beide Parteien, die Nationalliberalen und die Freisinnigen, sich zu dem .gemeinschaftlichen Kandidaten geeinigt hätten und wünscht der Wahl in diesem Sinne guten Ausgang.
Reicher Beifall wurde laut, als der Redner geendet hatte.
Als sich nach Herrn Schloßmacher Justizrat Dr. Gut- fleisch erhob, wurde er von der Versammlung mit lautem Bravo begrüßt. Die Rede unseres ftüheren hiesigen Reichstags- und Landtagsabgeordneten war außerordentlich packend und schneidig. Er führte aus: Als ich heute hierher ging, hatte ich noch keine Kenntnis von dem Flugblatt, das die Sozialdemokratie gestern ausgeteilt hat. Nun, ich bin
auch einer von den ,Angstmeiern* (Heiterkeit). llebrigenS ist erfreulich, daß eine so große Zahl von .Angstmeiern" heute erschienen ist. Uns trennt von der Sozialdemokratie eine ganze Welt. Ich brauche heute nicht gegen diese Partei zu polemisieren, ich konstatiere nur, daß die liberalen Parteien von früheren Jahren her die Gewohnheit hatten, in den Versammlungen Anfragen zu gestalten und beantworten zu laßen. Ta hat uns aber die Erfahrung hier und an anderen Orten gelehrt, daß die Sozialdemokratie sich damit nicht zufrieden giebt, sondern daß ans ihren Reihen gewöhnlich ein Redner nach dem anderen die Tribüne besteigt, nicht um sachliche Diskussion zu führen, sondern um ganz außerhalb des Rahmens der Versammlungen das sozialdemokratische Programm m allen Tonarten zu preisen und breit zu treten. Das wollten wir verhindern. — Seit Jahren leidet unser Wahlkreis darunter, daß der Gei st Pickenbachs noch dann herrscht. Der Streit der Jntereßen ist mehr emgetreten, als gut ist. Ein Gutes hat ja dieser Kampf: er hat ein Heroortreten derjenigen mit sich gebracht, die früher dem politischen Leben ganz fern standen. Aber das Schlimme überwiegt doch zu sehr: man sollte wieder vom Kampf der Jntereßen zu einer gesunden Politik zurückkehren. Ter seitherige Abgeordnete Köhler und ferne Leute, die reinen Agrarier, haben keine Ahnung, was es mit denen giebt, die feine Bauern find. Man betrachte die großen politischen Aufgaben des Reiches, die gewaltigen An- l'trengungen für unser Ansehen, für Heer und Flotte l Ja, wird es möglich fein, daß der Bauer imstande ist, diese Machtstellung zu schaffen? Nein, Industrie und Handel drängen darauf hin und fördern dies alles. Sie haben darin etwas geleistet und werden etwas leisten. Gewiß, der Bauernstand ist eine gute Grundlage für unser Gedeihen und unsere Kraft, und ihm, dem Barier, wollen wir gern geben, was ihm zukomml. Aber der Bauer sollte auch das In- tereffe des anderen Bürgers verstehen. Nicht für eine einzige Klaffe darf man politisieren, sondern für die Gesamtheit, und das Interesse des andern darf nicht zu kurz kommen. Seither war das bei dem Abg. Köhler nicht der Fall. Herr Köhler hatte seither als Abgeordneter feine besondere Eigentümlichkeit: er blieb immer hübsch daheim bei seinen Wählern (Große Heiterkeit) und ging nicht einmal in den Reichstag, um seinen Kreis zu vertreten. Ta sagte man ja wohl oft: „Ja, der Köhler ist nicht so schlimm, der verdirbt wenigstens nichts!" (Heiterkeit.) 9lun, das ist ein sehr bescheidenes Lob, das man einem Abgeordneten erteilen kann. Und mit der Entschuldigung seines Verhaltens hat er sich doch eigentlich als Kandidat unmöglich gemacht; „er liebe die Preußen nicht, und Berlin sei ihm zu teuer." Nun erinnere ich Sie an das Jahr 1870 und an die Freude darüber, daß man endlich eine Volksvertretung hatte, deren Vertreter direkt aus dem Volk gewählt wurden. Was ist aber nun seit 13 Jahren aus unterem Wahlkreis geworden! Nicht nur, daß wir nicht den richtigen Abgeordneten hatten, Köhler geht nicht einmal hin und tut niemals seine Pflicht. Das ist für das politische Gewißen der Wähler doch ein starker Druck. Es war seither gerade so, als hätte man uns das Wahlrecht genommen. — Und bann: von einem Antisemiten vertreten zu fein, ist keine Ehre! Tie Antisemiten zerfallen in fünf bis sechs verschiedene Parteien und es fehlt ihnen jeder politische Halt. Wir müßen bedauern, daß gerade wir hier noch so vertreten find. 1890 kam Picken* bach, und es ist unbegreiflich, wie man diesem Manne entgegenkam. Tie irregeleitete Bevölkerung fiel dann 1893 leicht Herrn Köhler in die Hände. Wenn dieser nun, nachdem er 10 Jahre lang nicht feine Pflicht getan hat, wieder.kommt, um sich als Kandi dat vvrzu».
mit einer Ansprache, in der er einen geschichtlichen Rückblick des alten Dtömers und über die Entstehungsgeschichte des neuen Rathauses gab. Er führte u. a. aus: Lunge Sorge erfüllte die Herzen, als ui neuester Zeit angesichts der raschen Bevölkerungszunahme und der gewaltig wachsenden kulturellen und sozialen, wirtschaftlichen und technischen Ausgaben der Stadtverwaltung die alten Räume zu eng wurden und immer gebieterischer die Notwendigkeit eines Rathauses und damit die Frage hervortrat, ob denn die städtischen Behörden wirklich ihren durch die Erinnerungen eines halben Jahrtausends geweihten Römer verlassen sollten. Es erschien unmöglich, und getreu dem Goethe- scheu:
„Was Tu ererbt von Deinen Vätern hast. Erwirb es, um es zu besitzen"
suchten und fanden wir endlich, nut Hilfe begnadeter Künstler, den Weg, der die Möglichkeit gab, unter Beseitigung entbehrlich gewordener oder untergeordneter Bauteile und durch Anfügung neuer, dem gegenwärtigen Bedürfnis an- gepaßter Räume, in engem Anschluß an den alten Römer und doch ohne Gefährdung seines eigenartigen Bildes, einen geräumigen, straßenüberspannendcn und erweiterungsfähigen, an die gewundenen Straßen der Stttstadt und ihren baulichen Charakter sich eng anschmiegenden Neubau zu errichten und so der Väter Erbe aufs neue ucks zu eigen zu machen.
Tarauf erwiderte der Kaiser folgendes:
Es ist mir ein Bedürfnis, im Namen Ihrer Majestät der Kaiferin und in meinem der Stadt Frankfurt aus tiefem Herzen warmen Tank zu sagen für die Lage, die sie und bereitet. Spontan, ein Ausbruch herzlicher G fühle, war der gestrige Empfang, actragen von dem aus vielen tausend Kehlen gesungenen deutschen Liede. Es war so recht das Bild der Iräftig sich regenden, nach allen Richtungen sich entwickelnden großen Metropole, der Erfolg dessen, was das Schwert meines siegreichen Großvaters für das Vaterland errungen hat, ein Beweis dafür, wie mit eS Frankfurt unter preußischer Krone gegangen ist. am Kysshäuser her zog meine Bahn, zur alten Römerstadl hin; bad Knfchansertor ist gesprengt, und offen sind die Tore und Gassen der Stadl Frankfurt geworden, vergangen die alten Zeiten und zur Geschickte geworden. Tas neue Deutsche Reick ljat Frankfurt zur neuen Bedeutung sich entwickeln sehen, und jo war es denn mein Wunsch, wie schon in früherer Zeil aus Frankfurt die ersten schönen Sprößlinge des deulschen Liedes erstanden und wie heute zmn ersten Male in Ihren Mauern deutsche Männer sich versammelt hal'en, um nach alter Sitte im Liede mit einander zu ringen, so möge in Verbindung mit der modernen Entwicklung und Ausgestaltung der Stadt, wie hier im Rathaus, die Pflege her alten Xraöüwuen uud der alten
Geschichte der Stadt Hatid in Hand gehen, denn nur wer [eine Geschichte pflegt, wer feine Traditionen hochhält, kann in der Welt etwas werden.
Tie Ordenskette, die Sie um die Schultern Ihres Oberbürgermeisters glänzen sehen, ist ein Beweis dafür, wie grate aus einem meinem Herzen so naheliegenden und von mir so eifrig durchforschtem Gebiete, dem der sozialen Politik, Frankfurt an der Spitze marschiert, und wie eS mir am Herzen lag, die Stadt und ihr Oberhaupt dadurch zu zieren, und mein vollstes Einverständnis zu erklären mit den Wegen, die Sie hier eingeschlaaen haben, zum Segen für Ihre Bürger und zum Beispiel für das Vaterland.
Es ist mir aber wohlbekannt, daß außerdem noch ein Wunsch die Brust Frankfurts bewegt, dem ich gern Folge gebeut werde. Es ist schon lange der Wunsch, daß die Zu- sammengehörigkeit ocr Stadt mit ihrer Garnison durch ein äußeres Band auch in der Heeresgeschichte sich kennzeichnen möge; und diesem Wunsche der Frankfurter Patrizier entgegenkommend, habe ich befohlen, daß vom heutigen Tage an das 2. hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 63 „Frankfurt" heißen soll. So möge denn auch die Garnison in Verbindung mir der Bürgerschaft Frankfurts in Frieden und Freundschaft, stolz au; ihren 4tarnen auch Ihnen, den Bürgersöhneu, ein Heim bieten, und möge Gottes reichster Segen auf allen Ihren Unternehmungen ruhen, auf welchem Gebiete es auch sei. Das ist mein heißester Wunsch und darauf leere ich den Pokal! Auf das Wohl der Stadt Frankfurt! Hurra! Hurra! Hurra!
Brausend ertönte dieses erste Hurra in dem neuen Saal. Die Majestäten ließen jia) darauf die Mitglieder des Magistrats, den Stadtverordnelenvorsteher Dr. Humser und verfchiedene andere Herren vorftellen und zogen viele von ihnen ins Gespräch. Dann schrieben der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, die Prinzen Eitel Friedrich und Sldalbert, der Herzog von Sachsen-Eoburg Gotha und Prinz Friedrich Marl von Hessen ihre Namen in das Titelblatt des Goldenen Buches der Stadt Frankfurt ein.
Durch das Kurfürstenzimmer und den Kaisersaal über die reich mit Blattpflanzen geschmückte Kaisertreppe gelangten die kaiserlichen Gaste zum Ausgange nach dem Römerberg, von wo sie unter endlosen Hochrufen der Menschenmenge zum Frühstück beim Prinzen und der Prinzessin Friedrich .Hari von Hessen fuhren.
Mittags waren Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg Lippe hier eingetroffen, die nachmittags mit den Prinzen dem Wett'iilgeu der zweiten owuppe beiwohnten und mit ihnen um Uhr nad) Wiesbaden fuhren.
Nach Beendigung des Ehrentrunk-Festaltes im Rathaus hatte der Preßausschuß die Vertreter der hiesigen und aus
wärtigen Presse zu einem Frühstück in das Weinrestaurant Aegir auf dem Festplatz geladen, und abends fand im Restaurant Wartburg ein gemütliches Beisammensein der Mit-> glieher des hiesigen Journalisten- und Schriftstellervereins mit den auswärtigen Kollegen statt, eine Erholung, die den Vertretern der öffentlichen Meinung nach dem an* strengenden Dienst der letzten Tage ivohl zu gönnen war. —
^amdtag mittag 1 Uhr gibt der Kaiser im Hotel Imperial am Opernplatz ein Frühstück, wozu die fremden Fürsten, die Spitzen der Behörden und andere Ehrengäste, wie verlautet auch die Preisrichter, geladen sind. — Die Kaiserin wird neueren Meldungen zufolge auf Besuchen in hiesigen Wohltätigkeitsanstalten verzichten müssen. Ihre Seit, die ihr gemessen ist, gestattet dies nicht. — Dem Kaiser gefielen bei seiner gestrigen Rundfahrt die Illumina- tionswagen ungemein. Wiederholt äußerte er sich lobend über das glänzende Arrangement.
Außer den gemeldeten Ordensauszeichnungen erhielten noch Bankdirektor Siebert den Roten Adler -
orden 4. Kl., Generalkonsul Krebs Pfaff und Kaufmann und Stadtverordneter Adolf Kugler den Kronenorden 4. Klasse unb Maximilian Fleisch, Direktor am Rafsschen Konservatorium, den Titel Professor.
Wiesbaden, 4. Juni. Nachmittags 5.40 Uhr trafen der K a i f e r und die Kaiserin, von Frankfurt tommend, wieder hier ein und begaben sich direkt zuin König von Tänemark, um ihm anläßlich des Hinscheidens dessen Bruders, des Prinzen Julius, einen Kondolenzbesuch ab* zustatten. Der Kaiser trug dänische Admirals-Uniform, die Kaiserin tiefe Trauer. Ter Besuch bed Kaiserpaares beim Honig dauerte etwa eine Viertelstunde. Mit dem Kaiserpaar trafen von Frankfurt ein Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburgslppe, während um 6 Uhr der Großherzog von Hessen hier cüittaf. Vor dem Theater nahmen der Grogherzog nno die prinzlichen Herrschaften an der kaiser- iidjen Tafel teil, woraus man sich ins Theater zur ersten (5 e ]t d o r )t e (l u n g b c d Oberon begab. — Die Besich- altromischen Ausgrabungen auf dem Terrain R aU^"' /.'S um Engel" finden am Sonntag vormittag
Kaiierpaai wird am Sonntag vormittag dem .-iilitargottcvuicnfte in der evangelischen Hofkirche frei- wohnen, worauf eine Parade der hiesigen Garnison statt- sindet. — xte Jestvotstellung des „Oberon" verlief in der blichen xTCüe. Frl. Plaichingcr sang die Rezia, Äolisch den Huon, ^rl. Robinson den Oberon. Herr v. Hülfen wurde gutem Vernehmen nach zum G e n e r a 11 n t c n * Dante h mit dem Prädikate Eizellenz ernannt. S
J on Hessen ist nachts mit ~onbcröug wieder nach Darmstadt zuruckgekehrt.


