Ausgabe 
4.5.1903 Erstes Blatt
 
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Hauk. Der Papst sah anßerorberrktich wohl au§ mrd war von erstaunlicher Frische. Er richtete in französischer Sprache eine etwa vier Minuten währende Ansprache an die Herren, in der er die künstlerischen und wissenfchaft- lichen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien, be- fonderö Rom, yervorhob; insbesondere machte er wissen­schaftliche Institute namhaft, in denen deulscye Gelehrte in hervorragender Weise tätig sind, so vor allem die Goerres- Gesellschaft, die vatikanische Bibliothek unb das preußische historische Institut. Der Papst machte dem Kaiser ein iu der Fabrik des Vatikans hergestelltes prachtvolles Mosaikgemälde, welches das Forum Romauum darstellt, zum Geschenk; zwei andere Mosaikgemälde, Darftellungeu der Fontana Trevi und der Engelsburg, bilden ein Geschenk des Papstes für die kaiserlichen Prinzen Nachdem der Kaiser sich vom Papste verabschiedet hatte, stattete er mit den kaiserlichen Prinzen dem Kardinal- StaatSsekretar Rampolla einen Besuch ab (auch dieser Zeremonie hat ötönig Eduard sich nicht unterzogen! D. Red.-; die Unterredung währte 10 Minuten. Um 4 Uhr L5 Min verlieh der Kaiser mit dem Kronprinzen, dem Prinzen Eitel Friedrich und dem Gefolge den Vatikan wieder und fuhr in gleichem Zuge wie bei der Hinfahrt nach der preußischen Gesandtschaft zurück, wo die Ankunft um 4 Uhr 40 Min. erfolgte. Bei der Rückfahrt wurde der Kaiser auf dem Santa Martaplatze von rheini­schen und auf dem Sakristeiplatze von anderen deutschen Pilgern, die dort mit Fahnen aufgestellt waren, wiederum stürmisch begrüßt. Zwei junge Mädchen, welche kleine deutsche Fahnen trugen, überreichten dem Kaiser Blumen­sträuße. Tie militärischen Ehrenbezeugungen waren wäh­rend der Rückfahrt dieselben wei bei dem Wege zum Vatikan. Wiederum bereiteten die Bewohner Roms, welche sich auf den Straßen drängten und die Fenster und Balkone der Häuser erfüllten, dem Kaiser eine begeisterte Begrüßung. Um 4 Uhr 50 Min. fuhren die kaiserlichen Prinzen von der preußischen Gesandtschaft nach dem Quirinal zurück.

Ter Kaiser verließ um 6 Uhr 40 Min. die preußische Gesandtschaft und gab bei mehreren Palastdamen des könig­lichen Hauses seine Karte ab. Darauf stattete der Kaiser der Donna Laura Minghetti (der Schwiegermutter des Grafen Bülow. D. Red. » einen viertelstündigen Besuch ab und kehrte um halb 8 Uhr, von der Volksmenge überall lebhaft begrüßt, nach dem Quirinal zurück.

Vor dem heutigen Galadiner empfing der Kaiser den Ministerpräsidenten Zanardelli. Der Kaiser verlieh dem Botschafter Grafen v. Monts den Kronenorden erster Klasse.

Bei dem Galadinerim Quirinal brachte König Viktor Emanuel in italienischer Sprache folgenden Trinkspruch aus:Heute ist ein Freudentag für mein Haus. Es weilt neben mir Eure Majestät, mein treuer Verbündeter. Wie treue Verbündete waren unsere ruhm­reichen Großväter, Kaiser Wilhelm L und König Viktor Emanuel 1L, und unsere Väter makellosen Angedenkens. Bei uns hier weilen die jungen Prüizen, die Söhne Eurer Majestät, der Stolz des Kaiserherzens, die Hoffnung des deutschen Vaterlandes. Und wir können auch I. M. die Kaiserin und Mönigin Auguste Viktoria als zugegen an- sehen, welche sicher im Geiste bei uns ist, wie wir mit unseren Gedanken bei ihr weilen. Ich danke daher lebhaft Eurer Majestät, welche in allen unseren Schicksalswand­lungen Italien einen Beweis beständigen Interesses und herzlicher Sympathie geben wollte, ein Pfand der innigen Freundschaft, die ein f e st es Baud schon seit drei Generationen ist zwischen unseren Familien, unseren Heeren und unseren Völkern. Die heutige Begegnung ist eine Be­kräftigung des gemeinsamen Willens Deutschlands und Italiens, alle ihre Anstrengungen und ihr einträch­tiges Wirken unter den Auspizien des gegenseitigen Bündnisses auf die Fördern» g des Friedens zu richten. So wende ich mit voller Treue meinen Wunsch Eurer Majestät edlem Reiche zu, welches, groß durch ge- ivaltige Ueberlieferungen, auch auf dem (Gebiete jeglichen Fortschrittes der Gesinnung groß sein will, und trinke auf die Gesundheit Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und Königiii, der erlauchten Prinzen, die heute meine Gäste sind, und der gesamten Familie Eurer Miajestät."

Rach diesem Trttikspruch^ den die Anwesenden stehend angehört hatten, spielte die Musik die deutsche Hymne.

Der deutsche Kaiser erwiderte mit einem Trink- spruch^ der folgenden Wortlaut hatte:

.Wollen Eure Majestät gestatten, beh Ausdruck meines ties» Slten Tankes darzubringen für den mich durch Glanz und artlgkeü ebenso wie durch warme Herzlichkeit auszeichnenden (Empfang seitens Eurer Majestät und Volk. Ich erkenne darin die Bekräftigung der Tatsache, daß das Bündnis, das unsere beiden Länder imb Häuser verbindet, von dem italienischen Volk in voller Sympathie anerkannt und unverändert gepflegt wird. In dem Augenblick, in dem ich mein Glas auf Euer Majestät Wohl zu erheben im Begriff bin, darf ich es wohl wagen, den Blick zurück­schweifen zu lallen auf die mir unvergeßliche GestaÜ Eurer Maje­stät von >nir so umig geliebten Vaters. Sein Andenken als eines ritterlichen Helden und herzgewinnenden Merischen wird mir stets heilia fein, und unvergeßlich der Druck feiner Hand, ivie der Blick auS feinen treuen Augen sein, und des Himmels Segen ruhe auf Eurer Majestät, auf Eurer Majestät erlauchten Gemahlin und dem Haufe Savoyen. Zur Bekräftigung dieses Wunsches leere ich mein Glas: bero alla saluto delle loro maesta il re e la regina, bevo alla salute del valoroso eaercito italiano, bevo alla saluto della bella e nobile Italia e del gentile popolo italiano.

Die Musik spielte hieraus den italienischen Königsmarsch.

Die Zeitungen widmen dem Besuch Kaiser Wilhelms ausführliche Besprechungen.Popolo Äiomano" kommt auf die Aeußerunaen deutscher Zeitungen bei der Abreise des Kaisers von Berlin zurück, die hervorgehoben hätten, daß der Besuch des Kaisers nicht nur eine höfliche Erwider­ung de-S Königs Viktor Emanuel in Berlin sei, sondern eine feierliche 'Bekräftigung der von der Diplomatie neu gefertigten Baude, die Italien mit den Zentralrnächten ver­einen. Wir bezweifeln, sagtPopolo Romano", daß das die Absicht des Kaisers ist, wenn er zum drittenmale den Hof und die Hauptstadt Italiens mit seinem Besuche be- ehrt; denn niemand so sehr als er ist überzeugt, daß der Vertrag der treuen Freundschaft, der für den Frieden der Welt abgeschlossen ift> keiner Bckräf - tigung mehr bedarf, aber jedenfalls hat das Volk 9!oms, das der Dolmetscher der Gefühle der Ration ist, ihm wieder bestätigt, daß der Dreibund, der feit einem Viertelachrhunderi einen festen Panzer für die Integrität der verbündeten Staaten und für den Frieden der großen europäischen Familie bildet, wirftich eine Allianz der Völker ist.

Die Balkan-Unruhen.

Die Revolutionärc haben noch verschiedene Zeichen ihrer Tätigkeit gegeben. Am Bahnhof und in zwei Restaurants in Saloniki wurden am 30. April wieder mehrere Born- oen geworfen. Außer einem Schweizer und einem Jta- liener, sowie iechü türkischen Soldaten, die getötet

wurden, find drei Deutsch« enb drei Italiener schwer verletzt worden. Ein furchtbares Blutbad hat die türkische Bevölkerung unter den mit Dynamit betroffenen Ruhestörern angerichtet. Nach einer Budapester Depesche soll Saloniki an 4 0 Stellen brennen. 35 Bulgaren, welche bei den Haussuchungen, ober bei der Verhaftung sich widersetzten, wurden kurzweg erschossen und gegen 200 Verhaftungen vorgenommen. Der türkische Minister des Aeußern giebt auf türkischer Seite 7 Tote und einige Dutzend Verwundete an. Eine Namenliste der verwundeten Fremden ist noch nicht ertig gestellt. Die Haussuchungen und Verhaftungen dauern fort Die Verstecke, wo das Dynamit fabriziert und verbor­gen gehalten wird, find angeblich entdeckt. Tie Beunruhigung ist noch sehr groß. Handel und Verkehr sind gestört. Einer Belgrader Depesche zufolge waren die bulgarischen B o m b en- werfer in Saloniki teilweise als Frauen und Mädchen verkleidet. Während die Bomben geworfen wurden, zer­störten die Attentäter die Verbindungen mit der Gasfabrik, sodaß in der Stadt Finsternis herrschte.

Wie das ,93erL Tagebl.* au5 Konstantinopel meldet, tauschen die Botschafter Oesterreichs und Rußlands fortgesetzt ihre Ansichten über die Lage aus. Sinowjew hatte eine Audienz beim Sultan. Er wies ihn auf den Ernst der Lage hin. Gleichzeitig wurde der Pforte eine Note übergeben, die eine Art Ultimatum enthalten soll, und worin die Landung von Matrosen in Saloniki und der Einmarsch der Oesterreicher in Novibazar angedroht wird. Nach einer Wiener Depesche wird in den nächsten Tagen eme österreichische Flotte n-Demon st ration vor Saloniki statt- finben. Außer Italien unb Oesterreich werden auch andere Mächte Kriegsschiffe dorthin entsenden. Die Schiffe haben nicht die Aufgabe, auf Durchführung der Reformen oder Herstellung der Ordnung einzuwirken, doch erhofft man von ihnen einen Eindruck auf die Bevölkerung, damit sich diese der Durchführung der Reformen nicht widersetzt. Nach einer Meldung au5 UeSfueb ist dort ein aus Saloniki einge­troffener Bulgare verhaftet worden, der die Explosion auf dem Dampfer Guadalquivir durch Legung einer Bombe ver­ursacht haben soll. Auch in UeSfueb sollen Dynamitattentate beabsichtigt gewesen fein. Zahlreiche dortige Bulgarenhäuser werden durchsucht. Verhaftet wurde auch ein Zolldirektor. Schemsi Pascha soll von Albanesen gefangen genommen worden fein.

Petersburg, 3. Mai. DerRegierungsboteschreibt: Wie der kaiserliche Botschafter in Konstantinopel berichtet, verurteilte das Kriegsgericht den Albanesen Ibrahim, welcher den Konsul Schtscherbina in Mitrowitza tätlich ver­wundete, zum Tode. Einen anderen Urteilsspruch konnte man nicht erwarten. Der Kaiser, beseelt von einem Gefühl deS Müleids, drückte jedoch den Wunsch aus, daß dem Ver­brecher das Leben geschenkt werde. Davon benachrichtigt, erklärte der Sultan dem ruffischen Botschafter, daß er sich dem hochherzigen Willen des Kaisers unterordne, jedoch werde der Verbrecher zu lebenslänglicher Zwangsarbeü ver­urteilt.

Politische Wochenschau.

So hat sich denn das P»rtal des Rebchshauses am Königsplatz in Berlin geschlossen hinter dem zehnten Reichstage des neuen Teutschen Reiches; öd und leer ist die Stätte, in der bis vor wenigen Tagen noch der Streit der Meinungen widerhallte, ausgeräumt die Pulte, in denen manches Schriftstück schlummerte, das Aufklärung geben könnte über die parteipolitischen und wirtschaft­lichen Tisharmonien der verflossenen Sessionen, und wer weiß, wie mancher von denen, die an dem Rad der Gesetz­gebungsmaschinerie mit drehen zu helfen berufen waren, ihr fortan für immer fernbleiben werden Aber bevor sie beim ging en, die Reichsboten, den Neuwahlen entgegen, gaben sie noch ein Werk vollbracht das auf dem Verdienst- Lonbo des verflossenen Reichstags nicht an letzter Stelle verzeichnet stehen wird; mit der Annahme der Novelle zum Krankenversicherungsgesetz haben sie die oziale Gesetzgebung um ein weiteres Stück vorwärts ge­bracht und gar mancher Arbeiter wird sich dessen freuen, trotzdem es sich die Sozialdemokratie versagt hat, dem Gesetz ihre Zustimmung zu verleihen. Bedenklich genug stand es freilich mit dem Zustandekommen des Entwurfs, und fast hätte die Regierung außer der glatten Nieder- läge, die sie in Sachen des Nachtragsetats für das Reichsmarineamt erfuhr, noch eine weitere ungleich größere Enttäuschung zu verzeichnen gehabt, wenn nicht schließlich das Bedauern, soviel fleißige Arbett einiger bei gutem Willen leicht zu vermeidender Differenzen halber umsonst geleistet zu haben, obgesiegt und die Mehrheit veranlaßt hätte, der Krankenversicherung ein neues Reis aufzupflanzen, von dem mit Gewißheit erwartet werden darf, daß es reiche Fruchte trägt

Weniger harmonisch und einig sind die Verhandlungen des preußischen Landtages ausgeklungen, wo der Entwurf über die Befähigung zum höheren Ver­waltungsdienst eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Kammern gezeitigt hat, die zum Scheiiern des Entwurfs führte. Wir wollen der bevorstehenden hessischen Reform auf diesem Gebiete ein besseres Schicksal wünschen. Tie Mehrheit des preuß. Abgeordnetenhauses hatte schon um deswillen keine Steigung zur Nachgiebig kett, weil die Art, in der sich der Minister des Innern zu den Klagen über die Bevorzugung des Adels und der aus den üorps hervorgegangenen Beamten äußerte, Verstimm­ung erzeugt hat

Tie Mahnungen zur Einigkeit unter den libe­ralen Parteien angesichts der bevorstehenden Reichs­tagswahlen sind vieler Orten nicht vergebens er­klungen. Auch den Reichstagswählerii unseres Wahl- kreises ist jetzt ein liberaler Kandidat vorgeschlagen worden, der Handclstrmmer-Syndikus Schloßmacher in Lffenbarf), ein Mann von erprobter wirtschaftlicher Tüch^ ngkett und Erfahrung. Ein großer Teil unseres 'Bürger- himd Mi sich gewiß bewußt, daß Einigkeit allein zu einem erwünschten Ziele führen kann und daß alle klein­lichen Bedenken unbebingi zu unterdrücken sind, wenn es Iich um die Erreichung eines bestimmten Erfolgs handelt

Özer de utsche Kaiser ist am Samstag nachmittag tu Rom euigem)wen. Seine Ankunft verzögerte sich in­folge eines Erdr utfches bei Eornew einige Nletten nörd­lich von Ewtta oecchia. Ter Direktor der ^citiel nie erbten und einige Ingenieure nahnien aber die schleunige Wie­derherstellung der Linie nach Eorncto vor, und so konnte denn Kaiser Wilhelm bereit vorgestern nachmittag bald nach ö Uhr feinen Einzug in der ewigen Stadt hatten. Wir

berichten darüber an anderer Stelle unserer heutigen5 Nummer ausführlich In erster Linie gilt sein römischer Besuch der Enthüllung des von ihm der Haupfitadt Ita­liens geschenkten Goethe^Standbildes. Trotz dieses reut äußerlichen Anlasses hat der Besuch natürlich auch insofern polittsche Bedeutung, als er von neuem von dem harmo­nischen Verhältnis zwischen Italien und Deutschland Zeug­nis ablegt Ter Besuch des Kaisers folgt fast unmittelbar dem des Königs von England, der in der ersten Hälfte der vergangenen Woche in Rom weilte und aus dem ttalienischen Königspalafte sich direkt zum Papste begab, zu dem Monarchen sonst aus ihrem GejandtschastS- hotel, nicht aber stehenden Fußes aus dem dem Vatikan verhaßten Quirinal zu wandeln pflegten. Allerdings er­innern sich die Klerikalen Roms jetzr daran, daß vor 20 Jahren auch der deutsche Kronprinz Friedrich vom Qui­rinal aus zum Papste gefahren und daher auch feinen Gegenbesuch des damaligen Staatssekretärs des Papstes, des Kardinals Iaeobini, erhalten habe. Uebrigens soll es zwischen dem Papst und dem Kardinal Rampolla zu einer heftigen Szene gekommen sein, da letzterer tonsequent bis zuletzt darauf bestand, der Papst solle den König Eduard nicht empfangen, wenn er vom Quirinal aus den Besuch antrete. Die Stimmung im Vatikan ist noch arg gedrückt, namentlich wegen der offiziellen englischen 'Jtote, die be­tont, daß der Papst den Besuch ausdrücklich gewünscht habe, was von der klerikalen Presse Roms bestritten wird. Am besten wird die Stimmung der römischen Klerikalen durch das Wort eines Prälaten gekennzeichnet:Besser wäre es ge­wesen, wenn der Papst den König Eduard gar nicht, als so empfangen hätte". Tie Klerikalen finden letzt natürlich sehr großen Trost darin, daß Kaiser Wilhelm seinen Papst-Besuch am gestrigen Sonntag genau nach dem alten Zeremoniell, also auf dem Umwege über die preußische Gesandtschaft beim Vatikan, ausgeführt hat, und nehmen die vorzügliche Gelegenheit wahr, daraufhin gegen Fran kr eich zu demonstrieren, dessen Präsident soeben den Besuch Eduards VH. erhalten hat. Ter englische König möchte gar

zu gern in Paris die seit Faschoda etwas ge­

lockerten Beziehungen zwischen England unb Frankreich wieder mehr festigen. Veranlassung dazu liegt ja für England mehr denn genügenb vor. Nicht etwa nur der marokkanischen Frage halber, die nicht minder latent zu werden droht, als die des Balkans, sondern wett auch sonst die weltpolitische Situation sich England nicht gerade freundlich erweist. Das Verhaften Rußlands hin­sichtlich der Räumung der M a n d s ch u r e i, die vertragt mäßig schon zu Mitte des verflossenen Monats hätte er­folgen müssen, behagt in London außerordentlich wenig; Rußland fühlt sich so sehr als Herr der Situation in China, daß es kurzerhand durch feinen Gesandten mit der Einverleibung der Mandschurei drohen ließ, wenn die Mächte fvrtführen, Wjderspruch gegen die russischerseits getroffenen Maßregeln zu erheoen. Ein derartiges Ver­haften, das ganz offen verrät, wie wenig Rußland daran denkt, seine einmal in der Mandschurei eingenommene Position wieder aufzugeben, kann natürlich England nicht behagen, und so ist es nur eine Politik der Klugheit, die König Eduard, obgleich ihm die englische ä3erfa|)ung kein Einmischen in die Politik gestattet, treibt, wenn er seine Frühjahrsreise benutzt, um England Freunde zu werben Unbi »baä um so mehr, als man in England der deutschen Politik noch immer nicht traut, von der die Londoner Hetzvresse behauptet, daß sie die russische Polttik in der Mandschurei unterstützt. Was mtt dieser Lüge be­zweckt wird, ist unschwer zu erraten; schließlich aber wird mit Bezug auf Oftasien sowohl wie auch hinsichtlich der viel angejeindeten Bagdadbahn die Zukunft beiveisen, daß mit der Ehrlichkeit der deutschen Polittk die Polttik keines anderen Landes gleichkommt, und daß man den deutschen Diplomaten eher den Vorwurf allzugroßer Offenheit und Ehrlichkeit machen kann, als den der Heimlichkeiten und der Jntrigue. Und gerade in England halte man alle Veranlassung, sich fein säuberlich um sich selbst zu kümmern und jede Reibung zu vermeiden, die geeignet fein könnte, Tisharmonien mit irgend einem anderen Lande herauf­zubeschwören Wie schon der südafrikanische Krieg, so be­weist auch der Feldzug, den England im So malt lau de gegen den Mullah führt, daß es mit der Kriegstüchtigkeit der englischen Söldner doch ein eigenes Ting ist. Die Schlappen, die ihnen von den Anhängern des Mullah beigebracht wurden, sind so bedenklicher Natur, daß Ge­neral 'Manning Befehl erhalten hat, seine Truppen rück­wärts zu konzentrieren und den Feldzug abzubrechen, bis die Zett zur Mederwerfung des Aufstandes glücklicher erscheint. Tag das nicht dazu dienen kann, das Prestige der englischen Waffen in Afrika, insbesondere aber bei den Arabern und Abesiyniern zu erhöhen, läßt sich unschwer ermessen, unb so ist vorauszu sehen, daß für den briti­schen Löwen auch nod) die Zett kommen wird, wo er mög­licherweise an der Politik Stütze sucht, die er jetzt schmäht, und wo diese Politik es vielleicht gerade sein wird, die ihn davor bewahrt, sich in Abenteuer nut dem russischen Bären einzulassen, die ihm schlecht bekommen könnten Aber es wäre schade, wenn gerade Teutfchland berufen fein würde, ihm bie Lektion zu ersparen.

Vermischtes.

St. Johann, 1. Mai. Der Polizei-Konflikt ist beigelegt. Die hiesige nahonalhberale Pattei verbreitet folgendes Telegramm: Tie Abg. Boltz, Prietze und Daub haben soeben mit dem Minister des Innern die Polizeiftage besprochen. Sobald Beruhigung betreffs des Cafötier Bruch eingetreten sein wird, soll eine wohlwollende Regelung der Polizeistunde erfolgen.

Danzig, 1. Mai. Der in Rendsburg beheimatete Segler(£rbnete', auf der Fahrt von Memel nach Olden­burg, mit Holz beladen, kenterte vor 12 Tagen auf hoher See. Der Dampfer ,Aurora schleppte gestern nachmittag das Schiff in den Hasen Neusahrwaffer ein, da man ver­mutete, daß sich noch Menschen in dem Schiff besanden. Die Rettungsarbeiten wurden m Angriff genommen. Nach mehr­stündigen Bemühungen gelang cs, Kapitän Engcllandt zu befreien. Er hatte 12 Tage, vom Wasser ein- geschlossen, im Schiffsraum zugebracht, doch glück­licherweise etwas Proviant vorgesunden. Seinen Durst hatte er mit Seewaffer gelöscht.

lieber Haarausfall

schreib! Herr Tr. meb. W. in R. 6. 02: »Habe bei Kraiikheüen ber Kopihauk und der rtopihaare (iorvte Haarausfall)Oberweyers Herba-Seife mit zufriedenstellendem Ettolg angenxxnbi*. Z. h. in allen Apotheken, Drogerien u. Parf- 1262