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Tem (Siebener Anzeiger werden im Wechlcl mn dem hessischen Landwirt die ftiefecner Zomtlien Mäher viermal tn der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag bei Brüh l'schen Uiiivcri.-Buch- u Sifin- bruderei tPierich Erven) Rebaftion, (trpebuion und Druckerei: Schul st ratze 7.
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F,rnipr,chun>chliitzAr bl.
Drittes Blatt.
Iö3. Jahrgang
Tamötag 4. lUüBWrtl
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
vezn gspret», monatlich 7bAt.. Dierteh tährlid) Wt 8JO. durch Abhole- u. Zweigstellen inonuihch 6o id.; durch die Pott Ml. 2.— vtericl- läbil- an-schi. Veiiellg. Annahme von Anzeigen *ür die laaetinnninec bil vormittag» 10 llhr. Zeilenorei» lokal ILPs^ aueioan» zu t<tg.
Deiantwonlich Hit den poltu und allgein. Teil U Witiko, für »Stadt und VanöJ und ,chenchl»saal': August Vdiz. füi den An» zementeN: £»on< deck.
GeDiegenheu und Preis.
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fehlt. lieber die rechtliche
bisher in der Rechtsprechung und in der w.s,enschaftiid)cn Beurteilung vielfache Zweifel und weitgehende Mcinungs- ocrschiedenheiten geherrscht. Bemerkt sei noch, daß den
im Avivachsleiche schnoen nichts, ja sie nützen Karaujche vertilgen. Ta, wo es die Verhältnisse gestanen, letze man Schleie zu. Ganz belouderS aber empiehle ich als Velfatzsiich die
Crie. S»e ist keineswegs nur em Zierstich, sondern em ülutzsilch wie der Karpfen. 9.Qbei nimmt fic diejem kernesiveg» die 9tah- runfl, da |ie öieie stets an der Oberfläche jucht. Sie wächst viel schneUer als der Karpfen, dabei ist fie augcril »viderstaudsjahig und eu<' 11il) iebr Imninduu'i.
£ani>iuiil|ttju(L
Wie besehen iv i r unsere meine indet eich et Cct ist eine beklagenswerte Erscheinung, daß cS so viele Gemeinde» ieiaje gicbi, bie den Besitzern auch nicht einen Psenmg Rente billigen. Erkundigt man sich nach den Ur fachen, so hon man last überall dieselbe Redensart: »Tle stischzuchl m unseren Teichen lohnt sich nicht, deshalb Iahe» wir die Teiche lieber leer liegen/ Ties vLianlaut miet), nachslebendcs zu verosjenilichen: Tie nieisten der kleinen Toisleiche eignen sich nicht zur Fliwzucht, wohl aber alS A. ivachsleiche von Kuxpicit 'lei der Vesetznng solcher Teiche werden m der Regel vom taien Fehler begangen, die im|ianbe sind, den ganzen t r olg zu vere.ieln. T »cse Teiche sind meisienS nicht geeignet, Fische zu überwintern; daher besetze man sie nn Fruchahr nut solchen Kaipicn, die man im daraicholge» Herbst schon alS cpciielaipicn vcxivciien lann. Auch m der Wahl der Karpieurasfe wird noch viel gesiiudigt. Un^r verbesjerter deutscher Karpieu ver- uagt das Klima, den Transport und den Wasserwechsel besser, alB Ser ausländische. Tcn impoitierten Galizier z. V. hat die poch» nicht ocriveichucht; daher tarnt er weder den Wechsel des KlunaS noch den langen Transport vertragen. Er krankt im Teiche und verendet schlteglich. Ter Vaie begeht häufig auch grobe Fehler denn Transport und beim Entsetzen der Karpfen. Ter Karpfen darf nicht wie eine Kanosjel, sondern will als Fisch behandelt werden. Daher muß man ihm beim Transport stete Bewegung verschossen, da er sollst leicht mail wird. Aber auch beim Einsetzen muß man vorsichtig jein. Keineswegs darf man ihn tn den Teich menen, sondern man setze ihn m die flachste ciclle desselben und beobachte ihn, bis er sich erholt und vom Ufer entfernt hau Vor allen
Präsident Roosevelt über die Monroe-Doktrin.
Ms entschiedenen Anhänger der Monroe-Lehre bekennt sich Präsident Roosevelt in seinem neuen Werk „Amerikanis- mus", das in deutscher Ueberßßung von Dr. Paul Rache- Hamburg demtrachst im Verlag von Hermann Seemann Wad)folger erscheint. Nach dem uns übermittelten Aushängebogen schreibt Roosevelt: „Bestände die Monroe-Lehre nod) nicht, so würde sie unverzuglid) verkündet werden." Roosevelt vertritt den Standpunkt: Tie Mvitroe-Lehre ist lein juristisd)er, sondern ein politifchcr Grundbegriff. Tet Einwand, daß die Lehre nidjt als ein Grundsatz des Völkerrechts gelten kann, sei ein nu^lofed Spiel mit Worten.
Ter kurze Inhalt der Monroe-Lehre, so schreibt Roosevelt, „ist das Verbot europäifdjcr Gebietserweiterung an amerikanischem Loden. Die vereinigten Staaten suhlen nicht das mindeste Bedürfnis, ein allgemeines Protektorat über andere amerikanische Staaten za prollanueren und die Verantwortung für deren Zivtstigteiken zu übernehmen Gerät einer von ihnen in «sdpuierigleiten mit einem europäischen Staat, dann rnun ihr Zwist auf die eine oder andere gebräuchliche Weise geschlichtet werden. Aber keiner curopüi|üjen A^acht darf das Richt zug. standen werden, ihr Gebiet in Amerika auf Kosten eines amerikanischen Staates auszubreiten. Auch ist kein Austausd) amertlaui|d)ei Kolonien zwischen europäischen Staaten gestaltet, wenn dii Vereinigten Staaten der Meinung sind, dap dieser Austausd ihren eigenen Interessen fdstro.ich ist." Roosevelt erinnert daran, daß John Quincy Adams, der unter der Präsidentschaft von Monroe zuerst die Leyre, die den Namen seines Ehe,S trügt, tlar auseiiiandersetzte, sie später auf Spanien und Rußland anwandte. Er nahm d.esen Standpunlt i)iuj> land gegenüber ein, als dieses drohte, das Land, was setzt Oregon ist, in Besitz zu nehmen, und gegenüber Spanien, als dieses mit jjufdmmung anderer europäischer Mächte einige der spanisch-amerikanischen Staaten erobern wollte. lHoo|öt>clt erinnert ferner daran, dag die Vionroe-Lehre zweimal gegenüber Frankreich angewendet worden ist. Als Frankreich Mexiko erobert und zu einem Kaiserreich erhoben hatte, hatten die Franzosen, durch die Einmifchung Der Vereinigten Staaten eingeschüchtert, den Kai,er Niaxi- milian feinem Schidsat überlassen. Üikuer sch recht 9iou|u» velt: „Großbritannien hat mit Venezuela einen Grenz- frreit England macht Anfpruch aus ein Gebiet, das Hkiu- jueÄi als zu sich gehörig betrachtet. TaS Land, um das |id) der Streit dreht, hat ungefähr die Große des Konig- reid)3 Italien. Will unsere Regierung den Traditionen der Monroe-Lehre getreu bleiben, |o kann sie nicht zugeben, dag England sich ein so großes Stück Lano aneigiut, vhlle in ihrem eigenen Jntere,se zu untersuchen, inwieweit Eng- lands Forderung gerechtfertigt ist. Es ist natürlid) lädjer- lid), mit dem Gruiivsatz hervoizulreten, daß keine europai,che Mad)t die Hand auf amerikanisches Gebiet legen darf, das
Verlobte
verlangen von der Darmstädter Möbel-Fabril, Lurmstadt» Cfferie nebst Kaialog und 'Preisliste. VedeuienDfies und grogles Eurrichlungshaus Atittel- und Suddeulfchlairds tue alle Stande. 160 Hmuner- Einrichtungen wohnungsterng, emichließlich Küche. Lehcuswurvigleit 1. Siaugco. Lpczialitat: Vraulausflallungen in jedem Genre und Preis. Koirturrenzlos m Auswahl, Form,
bei der Beratung des Entwurfes von 1890 zutage getretenen Bedenken in dem vorliegenden Gcfctzentwursc Jicdjnung getragen worden. Er verfolgt den Zweck, die dringenden öffentlichen Interessen der ^tabtgcmcinbe mit Den privaten Jnteres.en der WallarundstückSbesitzer burd> idjarfe Abgrenzung beider Jntercs,ensphären dauernd in Einklang zu bringen.
öffcntlidjen Interesse, die „Daklservitut" mit wirksamem recht!id-em Schutze »u umgeben, an meldjem es ihr in einem chrer öffentlichen Bedeutung entsprechenden Mape zur Zeit Natur der „Wallservikut" haben
Tiiiaen enlierne man die Karausche, denn sie nimmt dem Karpien Sie Nahrung und bringt abjolul keinen stützen. Einige kleine Hechle infofern, als ne die
ihr nicht geljört, und dann zu dulden, daß diese Macht selber entscheidet, wer der Eigentümer des Gebietes ist. Großbritannien weigerte sich, dnse Streitfrage mit Venezuela friedlich zu regeln ober einem Schiedsgericht zu unter- breiten. Ten Vereinigten Staaten blieb a.so nicht- weiter übrig, als selbst eine Kommission zu ernennen, um die Angelegenheit zu untersud-cn. Hat England recht — gut Hat England aber unrecht, bann können mir natürlich nicht dulden, daß es sich auf Kosten Venezuelas bereichert. Wir hatideln nicht anders, wie Uiigiano in einem ähnlichen oalie mit vollem Recht handeln würbe. Als ber deutsche Kaiser sich unlängst in bie Transvaal-Affäre einmischte, vertändele England fofort für Südafrika feine eigene Monroe-Lehre."
Jin Anschluß hieran weist Roosevelt hin auf die Möglichkeit eines Krieges im Falle, daß England feinen Anspruch auf ein Qkoiet in Venezuela nicht aufgiebt. Einen luldjen Krieg, schreibt SloofeiKlt, wurden wir beuauern, „aber unendlich mehr Englands als unfertwegen. Wie die KnegS- Ehanccn aud) laufen mögen, wie groß der Schaden und der augenblickliche Verlust für die Vereinigten Staaten aud) fein mag, schon die Tatsache, daß England |d)lie[>lid) notwendigerweife Kanada verlieren wirb, macht bicjen Krieg für Eng- lanb zu einem Unglück."
Politische Tngcbschml.
Gesetz über die Bebauung von Wallgrundstücken in Frankfurt a. M
Der bem preuß. Abgeordnetenhaus zugegangene Entwurf eines Gesetzes über die Bebauung und Benutzung ehemaliger Wallgiundsiücke in Frankfurt <l M. lautet:
tz 1. In ber Stadt Frankfurt a. M. können burd ^emeiNbebefchluß im Einvernehmen mit der Lrtspolizci- behörde für bie ehemaligen Wallgrunbslücve folgende bc sondere V.stimmungen getroffen werden: 1. Tie Zulässig- leit ber Uxbauung kann auf bestimmte Teile ber Grundstücke cingesd-rantt, unb es tonnen über bie Art ber Bauausführung bijonbere Vorschriften erlassen werden; 2. du Benutzung der Grundstücke zum Gewerbebetriebe kann bc- jdjränli iverden; für die unbebauten Teile der Grundstücki lann die gartenmaßige Eilind-tung und Erhaltung, sowie die Art der Einfriedigung vorgeschrieben werden; 4. bu .Herstellung von Ausgängen von den Grunbstücken nad) bei stüdtifchr.n Promenaoe hm bars untersagt werben. Ter Be schluß bebarf der Bestätigung burd) den Bezirksausschuß.
8 2. Soweit durch bie angeordneten Beschränkungen zurzeit ber Veröffentlichung des Gemeindebesdstusies bc- flehende Prioatrcchte beeüitidd)tigt werden, ist bie Stadt- gemeinde Fraiilfurt a. M. verpftid-tet, Entschädigung zu leisten. Tie Uiii|ct)abigungdpflid)i ist ausgesd-lo.sen, insoweit die auferlegten Beschränkungen nicht H.nausgehen: a) lieber allgemeine Beschränkungen, denen dos G^unde.geiitum nad, bi in jclvciis geilenden Öiedg ohne Ailfprud) auf Entschädigung uiilerliegt; b. über diejenigen Besd)iänkungen, dir bum Inkrafttreten dieses Gesetzes burd) das unter bem Namen „Wal^Servitut" bestehende Rechtsverhältnis oder einen anderen besonderen Rechts.itel begrünbet ist.
Fn ber Begründung wird u. a. ausgcsührt: Als im Anfänge des l‘J. Jahrhunderts die Enrsefiigung ber Staol Frankfurt a. M. erfolgte, ist bas Gctaiide der früheren Walte und GlaciS in fernem äußern, der Stadt abgelebten Teile zur Herstellung der rrngs um die alte Stadt sich hinziehenden Promenade vcrioandt, zum anderen Teil an Private unter gewißen, die Art des Gcbraud)S unb der Nutzung ber Grund,mcke besd-ränkeiiden Bedingungen veräustert worben. Nach den im wesentlichen gleichlautenden Berausterungöbedingungen mußte auf jedem Wall- grundsiück ein Haus erridchct unb ber unbebaute Teil als Gartcn hcrgeria)let werden. Tie Gärten mußten mit einer Enisried.gung von durchsichtigen Staketen versehen werden, die leine Ausgange nach der Promenade hm enthalten durfte. Tie Besitzer hatten bie Was,erableitung zu unterhalten und den im Grunde des alten Fesrungsgrabens verlaufenden städtischen Kanal in den Grenzen ihres Grunb- pückcs zu reinigen. Erhöhungen ber Grundstücke durch Anlegung von Terrassen über die Höhenlage der angrenzenden Straße hinaus waren unter,agt. Tie Rechte und Pflichten der Wallgrundstüdsbesitzer haben im Lauf ber Zcit hier unb dort Wandlungen erfahren; in den hauptsächlichen Punkten bestehen aber bie gedachten Bau- und T>nutzuligSdefchrankuiigen nod) heute unter der al.gemein angenommenen Bezeichnung „Wallseroitut" fort. Die dauernde Erhaltung ber Ganenflächen ber Wallgrunbstücke al» Licht- unb Lujtspender zwischen engbebauten Stabt- tcilen ist für bie Stadt in sanitärer Hinsicht von der erheblichsten Bebeukung, bie mit der Zunahme ber Der- groperung ber Stadt noch ständig wöchft. Auch in äslheti- scher Beziehung würde ein unwiederbringlicher Verlust für die Stadt eintreten, wenn eine fortschreitende Bebauung auf den Wallgrundstücken Platzgreifen sollte und die Stadt auf die Erhaltung der an manchen Stellen nur schmalen Promenade beschränkt würde. Es liegt im
»iauöcreifn aus öer Kaiferstadt.
(dkachdruck verboten.)
KachNanze vom Rokheschwindel. — Ter Mann, der nicht um- rubrillgen ist. — Berliner Spargelfelder. — Bon den M üiontn- bauern. — Eiue tzochzeilScp.sode.
Das sck-aliiNde Gelächter, das über die Aussagen im Rothe-Prozeß allerorten erklungen ist, wird die sog. gläubigen Serien nun und nimmer zu stören vermögen. Sie zucken überlegen bie Achseln über uns ungläubige Ignoranten, bie wir unsere Apfelsinen vom ersten beften Händler beziehen, anstatt sie uns^von Kcs.elfchmiedefrauen mit übcrird.fu-em Verkehr einsach ‘matcriadiieren zu lajen; unb setzen ihre Zwiespradre nut knackenden alten Tisck)- beinen, bie nun einmal ber Lieblingsausenthalt ber ab- aefchiedenen Geister sind und bleiben, getrcudch fort. Bei jo riet unerschütterlicher Gläubigkeit freilich nimmt ihr tiefes Bedauern über die ungerechte Verurteilung des großen Eheinnitzer Mediums Anna Rothe doppelt wunder. „Manit^ken", horte ich einen logisch veranlagten Wcißbierzccher zu einem Tifd-gencs,en sagen, der aud) alle» „für echt" gehalten wissen rnohle, „um die anderthalb Fahre brauchen Sie sich denn doch nid) usszuregen, wenn ,allcs echt' i)L Tenn sitzt sie die Geschichte mit ihrem Astralleib ab, und jonöelt mit dem andern Der- iniegt in die Welt rum — oder umgekehrt! Zcdensails is fe besser dran, wie unsereens, der bios die eene Pelle hat!" Ter Rothes.eund schüttelte nur unmi.lig den Kop, und verschwand. TTse Banausen an der Spree haben eben nar Line Ahnung vom Geisterreiche! Fnterc,sallt war mir d'.e llnterhalmng nut einem aden Herrn, der eine gute B.ldung genossen, einen höheren multanschen Rang bekleidet haue, dann aus etdaje Ja.-re nach Amerika ge- oQngcn war, um später als reicher 'Kann in die Heimat rurudzukommen. „Was an der Rothe ist, weiß ich nicht!" erklärte er mir. „Aber an der Sache an unb für sich itt etwas. Zch habe in Amerika Tinge erlebt —!" Ich
benutzte bie Pause, ihn barauf aufmerksam zu machen, baß er in starkem Zug fäße, was in feinem Alter boch nicht gar zu leicht zu nehmen sei. Er lächelte mich überlegen an unb sagte bann: „Ter schadet mir nichts! Ich kann ben Schnapsen Liegen, ich lann mich erkälten! Aber weiter auch nichts. Sterben kann ich nidjt baran! Ich sterbe, ivenns Zeit ist! Es ist nod) nicht Zeit!" unb wenn jemanb auf Sie schießt? wagte ich einzuwenden. „Er kann mich oerrounben. Töten nicht! Ich bin jetzt 69 Fahr alt, bleibt mir noch ein Lcbensrest von 15 Jahren, d Monaten unb einigen Tagen; benn ich werbe ziemlich 85 Jahre all!" — „Lnb woher wissen Sie bad „Tas hat mir ber Geist meiner verstorbenen Schtvester in einer Satzung in Chicago mitgeteilt!" — „'dber" — „Bitte, kein aber. Sie war es. Sie wußte bie intimsten Tinge von mir, währenb unter ben bamals anwesenden Spiritisten keiner war, der mich je zuvor gesehen hatte!" Ter alte Herr war drüben offenbar das Opfer einer raffiniert arbeitenden Sekte geworden, die über ben ahnungslos ins Netz Gegangenen eingehend informiert gewqon. Aber er war so zähe in seiner Ueberzeugung, baß es unmöglid) war, mit ihm bas Thema weder zu behaiideln; zäh wie alle Spiritisten.
Tas wunderbar warme Frühlingswetter hat bem einförmigen Stabtbilde überall grüne dichter aufgesetzt. Es ist ein Leben wie im Sommer. Am 27. März aoenos um 11 Uhr würbe an ber Weidcnbammcr Brnue in einem Biergarten flott Konzert i m 5 re t e n abgehalren. Wenn wir uns dafür nur nicht im Juli was h.izen lassen müssen! Aua) bie Küche zieht chr gut Teil von Dem vorzeitigen Lenz, -ber langst die er,am Spargc.p.i-cn bo fchcrt hat. Ter Spargvibcoarf Werins r. ivie, A. längst rcid>en bie Beete ber Umgegend nicht m.hr u.iö, chn zu decken. Tic berühmtesten faU)_übLgims [j cui^
gegangen. Tas find Die Sd)öneberger Felber, d.e einft das ganze vornehme Berlin, bis au, u^e Hofiafel, oerforgten. Nur Bismarck erkannte dem 'o ritz er ^pa.gel bie Palme zu. Je mehr Schöneberg wuchs, yc geringer
würbe natürlich bie Ernte unb je schwieriger aufcerbem, sie auch selbst einzubnngen. Tie Bauern hatten schließlich Tag und Nacht Wäd-ter auf ben Spargel selbem, um bie keaen Liebhaber bes kostlid)en Gemüses von ben Grenzen zu halten. Heute rollen bie Kolosse ber Straßenbahnen aber bie Gebiete, unb ber Bauer von bamals sitzt in einer stolzen Vida uno Weiß nicht, was er mit bem vielen QMbe an fangen soll, bas ihm Der Verkauf feiner Aecker als Baugrunoe eingebradjt hat. Aber auch biefes G.sd>led)t ist schon im Aus^crben begriffen, unb ber Nad)wuchs oerstcht befjer mit Millionen umzugehen. Rührenb ist Die Gefchid)te eines biefer Alten, ber seiner Einfachheit treu gebluben war, obgleich bas Gelb ihm in wahren Ström.» zusloß. Er feierte bie Hochzeit feiner Tochter mit einem vornehmen Manne, unb hatte einen große» Berliner Hotelier, eaien Freunb aus Kindertagen mit ber Ausrichtung bet Feier betraut. Es kostete natur lick ein Heidengeld. Adem d.e Menukarte, die jeder Gast bekam, ,teilte sich, von Künstlern hergcstellt, aus 20 Mark pro Stuck. Sp.iscn und ume waren natürlid) dementsprechend. Tcm Alten war das durchaus recht. Aber mitten in dem festlichen Trubel, nicht allzulange nad) der Suppe, erfd/ien er plötzlich vor dem HotrUer und sagte: „Tu, Ede, hier um die ^cke rum bei Tir war früher ne nette, fleene Weißbierbude! Weeßtc noch?" „Natürlich!" sagte der Hotelier. „Tic is )ogar nod) da!" „Tas is famos, komm, laß uns ne Weiße mit n Kümmel nehmen. Tie oa oo.ii werden ganz gut ’ne Weile ohne mich fertig. — —-enn id) blos nachher berappe!"
Spradjs, nahm den oeruupicn Jugenbfreund unter den Arm unD stieg mit ihm in die verräucherte Weißbier- tn^rpe, wo ihm Das gewohnte Käsebrot und der säuer- na;c Bernner Phaistertrank besser mundeten, als die ulikatejscn aus a.lcn Himmelsgegenden, bie ein paar il 3d)abe, daß sie ausfterben, diese Alten! A. R.


