Ausgabe 
3.4.1903 Zweites Blatt
 
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Kirche und Schule.

Trier, 2. April. Demnächst soll ein katholischer Oberlehrer an der Töchterschule und am Seminar den Unterricht im Deutschen und in der Geschichte erteilen und die Pfarrgeistlichen von Lorenzius im Auftruge des Bischofs ftorum den Religionsunterricht übernehmen. Damit dürfte Ser Trierer Schulstreit vollständig erledigt sein.

Berlin, 2. April. Kultusminister Tr. S t u d t machte tn einem Erlaß die Pflege einer guten, lefer- l i ch e n L> a n d sch r i ft bei den Schülern allen Leitern und Lehrern der höheren Lehranstalten zur besonderen Pflicht.

Ausland.

London, 2. April. Der nach Kapstadt zurückgekehrte Bu r e n k o m m a n d a n t D e r o ß meldet, daß die inTa- mara-Land (Deutsch-Südwestafrika) angcsicdel- ten Buren mit den Weide ei gen schäft en des Lan­des unzufrieden seien, ter ist überzeugt, daß die 1300 Durenansiedler nach und nach auf britisches Terri­torium zurücllehren werden, und spricht auf das Rüh- mendste von den Deutschen, die alles tun, um die Duren dort zu behalten.

Im Unterhause erwiderte auf eine Anfrage betr. bie Zucterfabrikation Lord Cranborne, in Oester­reich sei ein Gesetz angenommen worden, durch welches die Quantität Zucker festgesetzt werde, die für den heimi­schen Markt produziert werden dürfe. Wie verlaute, habe der Staatssekretär des deutschen Neichsschatzamtes er­klärt, daß die verbündeten Regierungen bislang keinerlei Grund hätten, für Deutschland eine derartige Maßnahme vorzuschlagen, welche die Schaffung eines Monopols für die bestehenden Zuckerfabriken bedeuten würde, und daß die Entscheidung über die Frage, ob jene» Gesetz der Zahlung einer Prämie gleich zu achten fei oder nicht, der ständigen Kommission in Brüssel zusiehe.

Haag, 2. April. In der Kammer sprach heute Lroelstra über drei Stunden. Er sagte u. a., der Minister­präsident Kuyper habe neben feinem persönlichen Körper augenscheinlich noch einen Astralleib, der sich bald in einen kleinen Calvin, bald in Stapoleon oder Bismarck verwandle, und wie letzterer, suche er die Liberalen im Kampf gegen die Sozialoenrokratie an die Wand zu drängen.

Lissabon, 2. April. König Eduard von England ist an Bord seiner Jacht und in Begleitung der Kreuzer Venus" undPallas" hier eingetroffen. Gefolgt don portugiesischen Kreuzern dampfte König Eduard die Tajo­bucht hinauf und ankerte. Inzwischen fuhr König Car- los auf der von 80 Ruderern bemannten Staatsgaleere zwischen den paradierenden Kriegsschiffen zur Jacht des Königs Eduard und verweilte dort anderthalb Stunden. Dann begann unter dem Donner der Geschütze die Fahrt historischer Barken, in deren erster die beiden Könige jaßen, zum Landungsplatz. Nachdem die Könige in dem Empfangs- vaoillon die Würdenträger begrüßt hatten, bestiegen sie den historischen Hofgalawagen und hielten unter dem Jubel der Bevölkerung ihren feierlichen Einzug in die Stadt.

Rom, 2. April. Die Blätter bestätigen, daß König Eduard Ende April Rom besucht. DerMessa- gero" meldet, daß dasjenige Geschwader, das nach Algier gehen werde, um den Präsidenten Loubet zu begrüßen, am 21. April nach Neapel zurückkehren und sich dort mit dem Geschwader, das den König Eduard erwarte, vereini­gen werde. DieTribuna" sagt, ein Besuch des Königs von England im Vatikan fei nach den Verhandlungen zwischen Kardinalftaatsfekretär Rampolla und dem Erz- bischof Vaughan im Prinzipe feststehend. Die einzige Sctstvierigreit würde der Ort bilden, von dem aus der König zum Vatikan fahren werde, da England keine diplo- matstche Vertretung beim Vatikan besitze, diach einer Meld­ung desselben Blattes hätte der Vatikan vorgeschlagen, daß dies vorn englischen Kolleg aus geschehe oder vorn Palaste des Fürsten Massino. In diesem Palaste wohnte der König, alü er als Prinz von Wales Rom besuchte.

Tie Neden bei Eröffnung des Provinzial Siecheuhau,es.

Die erste Rede bei der feierlichen Eröffnung des Pro- dinzialsiechenhauses am 1. d. M. hielt der Erbauer, Geh. Oberbaurat o. Weltzien. Er führte aus:

Hochgeehrte Herren!

An dem Tage, an dem die Provinz Oberhessen den ersten von ihr errichteten Hochbau der Benutzung übergeben will, ist es wohl begründet, einiges über seine Entstehung und seine Baugeschichte mnzuteüen. Seitdem am 14. Juli 1880 der Provinztaltag mit 12 gegen 10 Summen den Antrag abgelehnt hatte, eine Siechen- Anstalt für 300 Pfleglinge zu erbauen, fehlte es nicht an stets er­neuter Anregung, einen solchen Bau auszusühren, um eine den heutige« Ansprüchen besser genügende Fürsorge für gebrechliche, chronisch Kranke und Altersschwache zu schaffen, die bisher der Arineuverjorgung der Kreise und Gemeinden anheimfielen. Unter dem 26. Oktober 1898 erteilte der Provmzialausschuß mir dcn Auftrag, den generellen Enrwurf zu einer Siechenanstalt auSzu- arbeiten, die möglichst in kleinerem Umfange, aber zur Aufnahme von 600 Pfleglingen erweitert iverden könne. Der Provmzialtag vertagte indessen am 8. Juli 1899 eine Beschlußfassung über diese Bauangelegenheit uiid beauftragte eine Kommission mit der Klar­stellung einiger noch aiiiklärungsbedür'tiger Punkte. Diese Kom­mission erstattete unter dem 7. März 1900 einen Bericht und be­schloß in einer gememschaitlichen Sitzung mit dem Provinzialaus- schuß die Einberuiung des Provinzialtages aut den 4. Juli 1900 zur endgilngen Erledigung der Sache. In dieser Sitzung herrschte zwar über die 9lolioenbmteit des Baues Einigkeit, doch bot bie Entscheidung über deu Ort, an dem die Anstalt zu errichten sei, euilge Schwierigkeit, weil außer Gießen auch Grünberg, Alsfeld und Lich |id) um die Anstalt bewarben und das dazu erforderliche Gelände kostensrei zur Verfügung fteUcii wollten. Die Vorteile des von der Stadt Gießen angebotenen Platzes ergaben sich bei der Abwägung nur als so erhebliche, daß der Pro- vinzialtag beschloß, auf diesem ein SiechenhauS für zunächst 2öO blS 280 Pfleglinge unter einigen Abänderungen des generellen Entwurfs mit einem Kostenaufwand von 600000 Mk. zu erbauen. Tie dem gestellten Verlangen entsprechend abgeänderte Entwurssskizze genehmigte der Provinzialauöschuß am 26. Sep­tember 1900 und beauftragte mich dann nut der Aus­arbeitung der Baupläne und des Kostenanschlages. 9iach Er­füllung dieser Aufgabe erhielt ich am 27. April 1901 die Ermächti­gung, mit der Bauausführung vorzugehen. ES ist nun sogleich die Vergebung der Bauarbeiten vorbereuet und die baupolizeiliche Genehmigung eingeholt worden. Am 21. Akai 1901 wurde mit den Erdarbeiten begonnen, am 8. Juli der erste Stein vermauert und am 10. Dezember war das Dach des letzten Gebäudes ge­richtet. Bei Eintritt des Winters waren alle Dächer emgedeckt. Vom 30. Januar bis 1. Februar 19o2 fanden Probebelanungen der über den Schlassälen der großen Psleglingsgebäiide aan­geführten Henmbigen-Decken statt, die ein durchaus günftigeS Re­sultat ergaben. Am 20. Januar wurde die Montage der Heiz­anlagen begonnen, am 1. 'März die Tüncherarbeilen im Inneren der Gebäude and am 1. Juli die Kanalisaiionsardeuen. Am 6. März dieses Jahres erfolgte die Uebcrgabc der Gebäude an die Baukonnnission des ProvüizlalauSschusjeS, der die Bauten seitdem

mit Betriebsinventar auSftattete, bei besten Deschassimg von meiner angebotenen Mitwirkung abgesehen wurde. Bei dem Entwurf wie bei Der Ausführung war es mein Bestreben, den eigenartigen An­forderungen der Bauanlage in vollem Blaße Rechnung zu tragen, jedoch in der durch bie verfügbaren Mittel gegebenen Begrenzung. Möchte es mir gelungen fein, das in mich gelegte Vertrauen ver­dient und eine Anstalt erbaut zu haben, bie ben neuzeitlichen Ver­hältnissen entspricht imb Zeugnis ablegt von ber greisen Füiforge, welche bie Provinz Oberhesien ihren Pslegebebüiftigen roibmet. Zum Zeichen, baß benfelben nunmehr bie Pforten bei Anstalt ge­öffnet werden können, überreiche ich dem Herrn Prooinzialbirektor, als ben Vertretern ber Bauherren, symbolisch biefen Schlussel, be­gleitet von bem herzlichen Wunsche, daß alle armen Gebrechlichen imb Altersmüben des oberhessijchen Landes hier em willkommenes Asyl finden mochten. Das walte Gott.

Tie Rede des Provtnzialbirektors Dr. Breidert hatte folgenden Wortlaut:

Sehr geehrte Herren! ES sind nun gerade zehn Jahre, daß es der dankenSiverten Tätigkeit des Damaligen Provnizialolrektors der Provinz Rheinhesten, jetzigen Herrn -Ltaatsministers Rothe Exzellenz, gelungen war, das eilte Provinzialfiechenhaus des Landes in Heidesheim zu eröffnen. Heute ist bie Provinz Oberhesien im Begriff, bem bewährten Beispiele bet Schivesterprovmz zu folgen. Wenn ber Bau heute vollendet, in gefälligen und ansprechenden Formen vor Ihnen steht, so gebührt der Tank dafür in erster Linie ber Opierwilligkeit ber Provinz und ihrer Vertretungskörper, bem freundlichen Entgegenkommen der Stadt Gießen und ihres Stabt- Vorstandes, der trefflichen Bauleitung und allen, die sie unterstützt und gefördert Haden, ganz besonders aber dem Provinzialausschug, der von ihm gewählten Kommljfion und seinem Vorsitzenden, dem leider nicht mehr unter uns weilenden Herrn Gehennerat o. Bechtold, der sich durch seine großen Verdienste um daS Zustande­kommen und die Errichtung des Siechenhauses ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Aber nicht allein die ganze Provinz ilt ihm dafür zu Tank verpflichtet, sondern auch die zahlreichen Siechen und Gebrechlichen, für welche dies Haus gebaut ist, und welche in ihm eine liebevolle Aufnahme, eine gute Heimstätte und sorgsame Pflege finden sollen. Tenn des Menschen vornehmste Ausgabe zu erfüllen, anderen Menschen zu helfen, wenn sie ber Hilfe bebürfen, bazu ist das SiechenhauS bestimmt. Tiefem edlen und erhabenen Zrvccke zu dienen, haben Sie übernommen: Ter Leiter der An­stalt mit bem Verwalter, ben Schwestern, Oberwärtern, Wärtern unb bem gesamten Peiional. Ihrer liebevollen Fürsorge, Ihrer treuen hingehenden Sorgsamkeit übergebe ich das Haus unb seine Pfleglinge mit ber Hoffnung, aber auch mit ber festen Zuversicht, daß es Ihnen gelingen wird, ben Ihnen anvertrauten Armen und Hilfsbedürftigen in diesem Hause jederzeit ein zusnebenes unb segens­reiches Leben zu bereiten.

Sodann sprach der dirigierende Arzt Dr. Markwald:

Indem ich ben Schlüssel unb bamit bie Leitung biefer Anstalt übernehme, spreche ich ber Prooinzial-Verwaltung meinen Tank aus für bas ehrenvolle Vertrauen, das Sie mir burch Uebertragung ber Stelle bewiesen haben. Ich bin mir bewußt, daß ich ein schwieriges Amt übernehme, denn bie Aufgabe, bie ber leitende Arzt einer so großen Anstalt zu erfüllen hat, stellen große Ansprüche an seine Arbeitskraft. Jeder ihm anvertraute Pflegling hat das Recht auf gewissenhafte ärztliche Fürsorge; sie auszuüben ist die erste und vornehmste Pflicht des Arztes. Dabei möchte ich besonders heroorheben, daß bie Provinzialverwallung im vollen Verständnis für die Wichtigkeit einer geordneten Krankenpflege, die Beschaffung hierfür notwendiger Hilfsmittel und Einrichtungen angeordnet hat. Hand In Hand damit geht bie Aufgabe, bafür Sorge zu tragen, daß bie desonbers Hilfsbedürftigen geschützt und vor Schaden be­wahrt unb bie Schwachen geschont werben und dahin zu wirken, daß ein geordnetes unb friedliches Zusammenleben aller Insassen ermöglicht wirb. So bietet sich bem Arzte ein reiches unb viel­seitiges Arbeitsgebiet dar. Ich hoffe, baß es mir im Zusammen­wirken mit allen Angestellten ber Anstalt gelingen wirb, baß uns entgegengebrachte Vertrauen voll unb ganz zu erfüllen unb daß ber Zweck in jeder Hinsicht erreicht wird zum Wohl dieser Jnsasten und zum Stutzen unserer ganzen Provinz.

Die Ansprache des Ministerialrats Weber lautete:

Im Auftrag des Slaatsministers habe ich am heutigen Tage die besten Glückwünsche zu überbringen zur Eröffnung dieses schönen Werkes, für das bie Provinz fo zahlreiche Opfer aufgebracht hat, die nicht genug zu schätzen sind. Die Regierung ist der Ueberzeug- ung, daß daS Werk, das heute vor Ihnen steht und das Sie tu Betrieb übergeben haben, bie segensreichsten Früchte tragen unb bie Hoffnung wahr machen wirb, die wir auf dasselbe setzen. Wir haben bannt in unserem engen Vaterlanbe ein Werk werktätiger 'Menschenliebe eingerichtet. Auch Se. Kgl. Hoheit ber Großherzog nimmt an biesem Werk, das Sie heute vollendet haben, lebhasien Anteil und er hat den Wunsch gehabt, fernem Interesse an der Anstalt auch einen sichtbaren Ausdruck zu verleihen, indem er Allergnädigst geruht hat, den beiden Mitgliedern des Provinzial- Ausschusses, die bis zur Vollendung des Baues mitgearbeitet haben, bie Krone zum Ritterkreuz 1. Kl. zum Verbienstorben Philipps deS Großmütigen zu verleihen. Se. HgL Hohert ber Großherzog haben Allergnäbigst geruht, dem Landgerichtsrat Dr. Schäfer und Ingenieur Schiele zu Gießen die Krone zum Ver­dienstorden Philipps des Großmütigen zu verleihen und ich bin beauftragt, Ihnen diese Auszeichnung zu übergeben unb bamit zu oerbinben bie herzlichsten Glückwünsche zur Allerhöchsten Auszeich­nung-

Aus AtuSl und Kund.

Gießen, 3. April 1903.

M Das Großh. Regierungsblatt Nr. 22, au§- gegeben am 1. April dS. IS., enthält: 1. Gesetz zur Ab- änderung deS Gesetzes, die Ausführung der deutschen Straf­prozeßordnung betreffend, vom 9. Juni 1879. Vom 17. März 1903. 2. Verordnung, den Ansatz, die Erhebung und die Beitreibung der Gerichtskosten betreffend. Von gleichem Datum.

** Reichstagswahlen. Wir machen die Leser an dieser Stelle noch einmal aufmerksam auf die vom Kreisamt erlassenen Bestimmungen an der Spitze unseres heutigen Blattes. Die Auslegung der Wählerlisten beginnt danach Dienstag, den 19. Mai.

* Bei den Kanalisationsarbeiten in der Wall- thorstraße fand man vorgestern abend ein umfangreiches Skelettstück, das zunächst die Finder mit großen Erwartungen erfüllte. Man glaubte vorerst, eine Seltenheit aus der Mammuthzeit gefunden zu haben. Nachdem man unter sach­verständiger Leitung das Fundstück gründlich gereinigt hatte, stand man bedauernd und mit enttäuschter Miene vor einem ganz gewöhnlichen, nicht einmal unversehrten Skelett eines Pferdekopfes.

** Die Gemäldeausstellung am Brand, welche seit acht Tagen geschlossen ist, wird voraussichtlich am kom­menden Dienstag wieder geöffnet sein. Wir können schon heule unseren Kunstfreunden mitteilen, daß die diesmalige Serie hervorragende Kunstwerke bekannter Meister aufzu­weisen haben wird. Außer einer Kollektion von Werten des hervorragenden Sck-wcdcn Bruno Liljefors gelangen noch Werke Den Bracht-Dresden, Thoma-Karlsruhe, Grützner- München, Klimpsch, M. A. 2ker und Burnitz-Frantsurt, Keller-Reutlingen, R. Scholz-München, Munthe-Düsselborf, Eckenbrecher und FalatBerlin, Kielwein-Gutach, C. Ächmoll v. teiseniverth und A. Hofmann-Paris, sowie von Gadano Ehertzi-Neapel zur Ausstellung.

Männertnrnoeretn. Wie bereits in Dem gestrigen Inseratenteil bekannt gegeben ist, findet die Frühjahrs- Hauptversammlung morgen (Samstag) im »Hotel

Schütz* statt. AllserttgeS Erfchemen ber Tntgiteoer tfi jeyr erwünscht.

* Ein silb crneS Kegler-Jubiläum beging in dieser Woche em Handwerksmeister unserer Stadt. Seit 25 Jahren ist der Herr Mitglied einer im .Frankfurter Hof kegelnden Herren-Gesellschaft. Zur Feier des Eceigniffes er­schienen die Kegler am Mittwoch abend auf der Kegelbahn in feierlicher Kleidung und hielten ein Jubiläums-Preiskegeln ab. Der 1. Preis fiel übrigens an ein Mitglied, das auch bereits 21 Jahre lang den Kegelsport betreibt.

* Ter Landes- Lehreroerein für Hessen hält, wie wir demSchulboten" entnehmen, am 2. und 3. Juni seine Vertreter- und Hauptversammlung in Neu-Isenburg ab. Tie Vertreterversammlung findet am Psingstdienstag statt. Auf der Tagesordnung stehl u. a. Jahresbericht, Rech­nungsablage und Voransch.ag des Landcslehrervereins und des llnterstützungsoereins für provisor.sch angestellte Lehrer unb die Gründung einer Militar-Tarlehnskajse. Tie Haupt­versammlung wird am 3. Juni abgehalten. Dabei wird Lehrer Lampert-Neu-Jsenburg überLa.zmanns Bedeutung für unsere Zeit" unb Hauptlehrer Hujf-Darmstadt sprechen über die Fi.age:Welche Wünsche haben wir bezüglich der Lehrerbildung, und weiche Berechtigungen sind daraus ah- zuleiten?"

* Die Darmstädter Künstlerkolonie, die, wie wir erfahren, keineswegs in der Auflösung begriffen ist, son­dern ganz im Gegenteil unter den Professoren Olbrich, Habich und Bosselt über einen ganz stattlichen, im Ernst - Ludwig-Hause fleißig schaffenden jungen Nachwuchs verfugt, wird demnächst eine wesentliche bedeutungsvolle Erweiterung erfahren. Eine hervorragende Kraft auf bem Gebiete der graphischen Kunst soll von der Dresdner Kunsthoch­schule nach Darmstadt berufen werben und ferner ficht, an Stelle dcS aus dem Leben geschiedenen Patnz Huber, die Berufung einer anerkannten Au tontat auf dem Gebiete ber Innendekoration bevor.

** Bon der Jagd. Zu bem Artikel unseres D.» Korrespondenten haben wir nachzutragen, daßttuer-Birk- fasanen, Truthähne, Trappen, Schnepsenarten, Brachvögel und alles übrige gesetzlich g.schätzte Wild" vom 1. September bis Ende Mai Jagdzeit haben.

j-s Li ch, 2. Aprck. Lehrer i. P. GilbertSeipp wurde heute hier unter zahlreicher Beteiligung ber Lehrer von hier und der Umgegeird beerdigt. Der Verstorbene stand tm 78. Lebensjahr und hat lange Jahre segensreich im benachbarten Btrtlar gewirkt.

§ Friedberg,2. April. Mit bem Bau ber Straßen­unterführung am Fauerbachertor unter ber Main-Weser- Bahn burch ist nun begonnen worden, nachdem vorige Woche das Gelände enugiltig envorben wuroe. Tab et bekam Herr Reuß sür einen Kohlenlagerplatz z2 Mark pro Quadratmeter, für die Durchfahrt 10 Man, andere An- grenzer erhielten 8 Mark pro Quadratmeter. Mit zwei Besitzern konnte eine Einigung nicht erzielt werden, sobaß bas nötige Gelände enteignet werden wirb.

Darmstadt, 2. April. Die Ankunft Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs hier erfolgt morgen nachmittag über Heidelberg mit bem Zuge 3 Uhr 39 2Xm. Heute abend trifft Se. Hoheit Prinz Albert zu SchleSwtg-Hol- l'tem hier em unb nimmt im alten Palais Wohnung.

R. B. Darmstadt, 3. April. (Eigener Draht- bericht.) Aus Anlaß der nach mehr ats 3^monalliu-er Abwesenheit erfolgenoen Rückkehr Sr. Kgl. Hoheit des Großherzvgs herrscht in ber ganzen Stadt fest­liche Bewegung. Alle öffentlichen Gebäube ic. hoben Fahnen­schmuck angelegt, und bie Straßen, die der Landesi-err bei feiner Fahrt ins Schloß passiert, sind gleichfalls Haus bei Haus festlich geschmückt. Die amtlicheDarmst. Ztg." widmet Sr. Kgl. Hohett einen hübschen Begrußungsartitel. Ernannt wurden ber Staatsanwaltsgehilse Georg Denn in Mainz zum Gerichtsschreiber in Friedberg, ber Gerichtsschreibergehilfe Karl Ran in Herbstein zum Hilfs­gerichtsschreiber in Alsfeld, der GerichtsschreibermHilfe Jvh. Heinr. Wambold in Grünberg zum Gerichtsschreiber ui Fürth, der Gerichtsschreibergehilfe H e i n r i ch F i s ch in Lau- rach zum Hilfsgerichbsschreiber in Offenbach, der Gerichts- schreibergehilfe Ludwig Schar mann in Lich zum Hilssgerichtsschreiber in Umstadt und ber Gerichlsschreioer- gehilse Christian Otto Schäfer in Büdingen zum Hilfs» gerichtsschreiber in Gernsheim.

sc. Vom Odenwald, 2. April. Seit drei Tagen herrscht hier S chneegestöber. Der Schnee bleibt auf den Bergesgipfeln liegen.

Mainz, 2. April. Der Schiffer Andreas Reinhart ver­suchte in der vergangenen Na-cht an einem Dienstmädchen am Rheinufer ein Verbrechen zu begehen. Als er Widerstand erfuhr, wollte er das Mädchen in den Rhein werfen. Auf die Hilferufe der schwer Bedrohten eilte ein Lkiroi- beamter und mehrere Passanten heroei, denen es gelang, dasselbe aus ben Händen des Schiffers zu befreien. Ter letztere wurde von Schutzleuten bann verhaftet unb kam ins Untersuchungsgefängnis. Er wirb sich wegen Mord­versuchs unb Sittlichteitsverbrechens zu verantworten haben.

Mainz, 2. April. Zur großen Freude aller Haus» frauen ist hier endlich ein A b s ch l a g d e r F l c i s ch p r e i ss eingetreten, vorerst zwar nur beim Schweinefleisch, das um 10 Pfg. das Pfund abgeschlagen ist.

Worms, 2. April. Bon einem Gehirnschlag be­troffen wurde gestern vormittag nach Beendigung de- UnierrichtS im Korridor des Gymnasiums Oberlehrer Prof. Heinr. Beith. Er wurde in seine Wohnung verbracht und ist dort abends, ohne das Bewußtsein w.eder zu er­langen, verschieden. Der Verstorbene halte gestern feine Berufung an bie Oberrealschllie nach Darmfiaal erhalten^ ter war wegen seiner liebcnSroürbigeii Art unb seines auf­richtigen iiharalters bei allen Kollegen und iklannteir äußerst beliebt Seine Schüler verehrten in ihm einen vorzüglichen und gerechten Lehrer.

Frankfurt a. M., 3. April. Die Festordnung des Längerwett st reirs ist nunmehr cnbgiltig fest* gestellt. Die Tage des Wettstreites sind der 4., J. und 6. Juni; an diesen Tagen beginnt das Wettsingen der ein­zelnen Gruppen jeweils vormittags um 10 unb nachmittags um 3 Uhr. TaS große, vom Frankfurter Sängerbund unb bet Frankfurier Sängerocreiniguiig gegebene Begrußungs* konzert, bei bem 1700 Sänger mitwirken, findet am Milt^ woch, ben 3. Juni, abends 8 Uhr, statt. Am letzten Wett^ [Ireittage, am 6. Juni, nachmittags 3 Uhr, ist das Prcis- Imgen der elf zum engeren Wettbewerb bestimmten Vereine uno daran schließt sich bie Preisoerteilung. Um 9 Uhc des­selben Tages beginnt ber Festkommers für die Sänger.

Aus N a s sa u, 2. April. In Tachsenhaus.n wuroe del. 53jährige Altersrentenempfänger PH. ZehreS von eure»