Nr. 283
Drittes Matt.
153. Jahrgang
Mittwoch 2. Dezember 1903
Erschein! täglich mit Ausnak:^» deS toonntagS.
Di- „Gießener Zamilienblätter" meroen dem Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der "Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Verantwortlich Mr den aüflenetnei Iffl:
P. Wittko; für den 91n»eteentetl: Be<
Rotationsdruck und Verlag der BrQhl'sch« Unwersitätsdruckeret (Pietsch Erden), Bietzen,
Genera!-Anzeiger Amis- und Anzeigeblatt für Len Kreis Gießen.
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Ralitifche Tagesschau.
Dr. Rohrbach.
Mr haben geftern bereits kurz Notiz genommen von den gegen den Reichskommissar Dr. Rohrbach in Deutsch- Südwcst-Afrira erhobenen Beschuldigungen. Ls wurd-e n. a gesagt:
Die Siedlungs.gesellschaft hat früher auf Farm Hoffnung Unjummeu verschwendet und für Repräsentation verschleudert, der Festlichkeiten und des Champagners war kein Ende, aber die Bauten, Farmanlagen, Geräte und Brunnen wurden von der Zeit zerstört ohne Aussicht auf Erfüllung ihres Berufes! Aber auch die Regierung dieses Landes disponiert über die Etatsglieder häufig recht unpraktisch, daß, wie in diesem Falle des Regierungskommissars Dr. Rohrbach, große Summen zwecklos dahinfließen. Herr Dr. Rohrbach weiß nun kein Deut mehr wie vor seinem Besuch in Farnr Hoffnung über deren Betrieb und Einrichtung. Es ist sonnenklar und nicht immer durch die geringen Geldmittel der deutschen Negierung zu entschuldigen, daß das Auswärtige Amt wüt geringere koloniälwirtschastliche Fähigkeit als England aufweist."
Man wirft ferner dem Dv- Rohrbach, dem „Theologen" seine Unkenntnis der afrikanischen Verhältnisse vor, man behauptet in dunklen Redewendungen, er sei von denn Bagdadunternehinen als sozusagen abgesügt zu betrachten und verdanke nur der Fürsprache eines hochnwgenden Freundes aus eben jenen an der Bagdadbahu interessierten Kreisen den Posten, den er gegenwärtig bekleidet. Jetzt lesen wir in Dr. Friedr. Naumanns ,Hilfe":
„Ter Herr Heinrich Nippler macht sich die Mühe, in der „Tägl. Rundschau" um die Mitteilungen des alldeutschen Zentralorgans einen Leitartikel herumzuschreiben, dessen Gedankenarmut er hinter mißglückten Bosheiten, wie der, daß das Kolonialamt sich „diesen Mann aus dem Konkurse der nationalsozialen Gruppe heraus- ftschte", zu verbergen sucht- Auf die fadenscheinigen Gründe, mit denen die Zweifel an der wissenschaftlichen Qualifikation Rohrbachs belegt werden, gedenken wir zurückzukommen, nachdem wir uns eingehender über die betreffenden Punkte informiert und uns weiter auch vergewissert haben, daß wir zur Bekanntgabe gewisser die Ernennung Rohrbachs begleitender Umstände berechtigt sind; für heute beschränken wir uns darauf, die bemerkenswerte Tatsache gebührend hervorzuheben, daß eine Notiz, deren kleinliche Gehässigkeit aus der Hand liegt, den Anlaß zu einem ä ternpo-Losschlagen auf Rohrbach bietet. Herr Rippler der über Kolonialangelegenheiten so wenig Bescheid weiß, daß er „Re- bierungskommissar"' und „Reichskommissar" verwechselt, rft aus leicht begreiflichen Gründen an der Spitze der Hetzer. Wer mit Preßdingen Bescheid weiß, der muß unbedingt zu der Vermutung kommen, daß hier irgend eine Jntrigue hinter den Kulissen spielt. Daß Rohrbach Gegner hat, ist nicht verwunderlich. Er war weder Jurist noch Soldat, er war „nur" ein wissenschaftlich gebildeter Mann, und was in artderen Ländern, in Frankreich und England, gang und gäbe ist, das ist bei uns etwas Unerhörtes. Da wird denn flugs die Jagd auf den Bönhasen eröffnet Das ist, wie gesagt, nicht verwunderlich, aber zu bedauern, lebhaft zu bedauern ist es, daß sich in Deutschland eine Presse findet, die hier Treiberdienfte tut. Spalten die Blätter vom Schlage der „Tägl. Rundschau" Bedenken gegen Rohrbach, warum sind sie »nicht hervorgetreten, als die Nachricht von seiner Ernennung bekannt wurde und Rohrbach noch Gelegenheit hatte, auf ihre dunklen Andeutungen Zug um Zug zu antworten? Sie geben vor, erst Taten Rohr
bachs haben abwarten zu wollen. Und min urteilen sie auf Grund des Berichtes eines anonymen Briesschreibers, nachdem Rohrbach ausgerechnet 14 Tage im Lande gewesen ist. Die noble Kanrpfesart erreicht ihren Höhepunkt in der Medergabe des Gerüchtes, Rohrbach beziehe, „wie man sagt", 30 000 Mark Gehalt. Hätten die guten Freunde den dritten Teil der Summe genannt, so wären sie der Wahrheit erheblich näher gekommen.
Aus Stadt und Kund.
Gießen, den 2. Dezember 1903.
Die Büste Professor HermannLöhleins, die kürzlich in der hiesigen Frauenklinik enthüllt wurde, ist eine Arbeit des Professors Ludwig Brunow in Berlin.
** Die F erbe rsche Universitäts-Buch Handlung übersendet uns ihren diesjährigen Weihnachts-Katalog. Das stattliche Heir ist mit Sorgfalt zusammengestellt und bringt besonders alle Neuerscheinungen aus sämtlichen Gebieten der Litteratur. Wer ein gutes Buch zu kauten beabsichtigt, wird aus der Fülle der aufgeführten Erscheinungen leicht eine passende Gabe zu finden wissen, mag diese für Kinder, für die reifere Jugend oder für Erwachsene bestimmt sein. Wie wir hören, gelangt die große Auflage des Katalogs in den nächsten Tagen zur Verbreitung an den Kundenkreis der Firma.
-r. Grünberg, 1. Dez. Am 28. November hatten die Lehrer des Bezirks Grünberg unter dem Vorsitz und der Leitung des Kreisschulinspeklors Kleinschmidt die Herbstkonferenz int „Hirsch" zu Grünberg. Die Konferenz nahm um 10 Uhr ihren Anfang. Der Vorsitzende gedachte der Trauer unseres geliebten Großherzogs «nb die Mitglieder erhoben sich dabei von ihren Sitzen. Das Protokoll der vorigen Konferenz wurde verlesen und ohste Aender- ung von der Versammlung angenommen. Von einem Vortrag mußte diesmal abgesehen werden. Der Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn war verhindert, seinen Vortrag zu halten. Die folgende Debatte war bei einigen Gegenständen sehr lebhaft.
Grünberg, 1. Dez. Seitens der hiesigen Mitglieder der Bezirkssparkasse Grünberg wurden als Vertreter Bürgermeister Zimmer und Dekan Wagner gewählt. Auf Grund ihrer Mitgliederzahl hat die Stadt von 36 zwei, alle übrigen Gemeinden nur einen Vertreter zu wählen. — In Reinhardshain brach in dem Anwesen des Michael Jakob Feuer aus, das beim Eintreffen der Feuerwehr bereits Scheuer und Stall ergriffen hatte. Das stark gefährdete Wohnhaus konnte gerettet, das Vieh rechtzeitig aus dem Stall getrieben werden. Die Heu- und Strohvorräte, landwirtschaftliche Geräte usw. sind aber verbrannt. Lieber die Entstehungsursache ist nichts näheres bekannt. (Gründ. Anz.)
-j- Lindheim i. d. W., 30. Nov. An der hiesigen landwirtschaftlichen Haushaltungsschule fand vorigen Samstag" die feierliche Entlassung der Schülerinnen in Anwesenheit des Kreisrats aus Büdingen und der Mitglieder des Aufsichtsrats statt. An die Feier schloß sich eine Besichtigung der ausgestellten Handarbeiten. Die Anstalt wurde 1889 ins Leben gerufen und erfreut sich seitdem eines stets steigenden Besuchs, im abgelaufenen Kursus zählte die Schule 43 Schülerinnen. Die Schule hat die Aufgabe, junge Mädchen im Alter von 16—20 Jahren zur Führung einer bürgerlichen Haushaltung vorzubereiten. Der Unterricht für den Winterkursus beginnt am 4. Januar.
? Vom oberen Vogelsberge, 30. Nov, Gegen 80 000 Christbäumchen werden in dieser Woche per Bahn nach Frankfurt verbracht; sie werden meist auf Grundstücken gehauen, die in der Nähe von Fichtenwaldungen liegen
getränt des deutschen Volkes gemacht.
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und durch Selbstpflanzung gewachsen sind. Die Nachfrage wird von Jahr zu Jahr stärker.
-k- Mainz, 1. Dez. Der Seniorenkonvent der Stadtverordnetenversammlung beschloß, den Stadtverordneten die Anstellung eines dritten besoldeten Beigeordneten vorzuschlagen. Mit dem neuen Beigeordneten würde die Stadt Mainz für die Folge fünf Beigeordnete haben.
Bingerbrück, 1. Dez. Der Weichensteller Müllet von hier fischte eine Flasche aus der Nahe, die einen Zettel mit folgendem Wortlaut enthielt: „Wer diese Flasche findet, der bete für ein unglücklich v e r l a s s e n e s Weib und verfluche die daran schuldige Dirne aus Bonn, die mich von meinem Manne getrennt hat. Gott erlöse mich von meinem Leid und Qual.*
Vermischtes.
* Elberfeld, 1. Dez. Die Firma Sch lie per und Baum st i f t e t e anläßlich ihres 75jährigen Bestehens für die Beamten und Arbeiter 100 000 Mark.
* Triemerheim, 1. Dez. Heute früh gegen 7 Uhr fuhr der von Hochfeld in den Güterbahnhof in Rheinhausen einfahrende Güterzug Nr. 6303 in Gleis 3 a u f den in diesem Gleis stehenden verspäteten G ü t e r z u g 6240 auf. Durch den Anstoß wurden 27 Güterwagen beschädigt und zum Teil zertrümmert. Zwei Bremser wurden getötet, einer leichter verletzt. Der Lokomotivführer,^ Heizer und Zugführer blieben unverletzt. Obgleich die Gleise unsahrbar wurden, wurde der Verkehr aufrecht erhalten. Der Unfall wurde durch unrichtige Befehlserteilung seitens des dienst- habenden Stationsbeamten herbeigeführt.
* Tondern, 1. Dez. Die in Sachen des Nord- s e eb a d e s N a k o l k sich seit Freitag in Untersuchungshaft befindlichen Direktoren und Gründer bezw. Gesellschafter Jacobsen, Thammsen, Schmidt, Petersen, Oluffen Lasten, Sonntag und Vogel wurden heute wieder au§ Haft entlassen.
* Thorn, 1. Dez. Heute mittag entstand infolge einer Explosion in einer Droguerie in der Breitestraße ein Brand, welcher das ganze Häuserviertel an der Ecke der Breite- und Schillerstraße in Flammen setzte. Das Feuer war um 3 Uhr nachmittags ziemlich gelöscht. Zwei Häuser sind zum Teil abgebrannt. Ein Droguisten- lehrling erlitt infolge der Explosion Brandwunden im Gesicht und an den Händen.-
Familien Nachrichten.
Gestorben. Jakob Frank in Grünberg. — Otto Herzberger in Laubach. — Georg ' "">ber in Friedberg.
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daß der Sekt stets in liegendem Zustande aufbewahrk wird, damit der Kork von der Flüssigkeit völlig umspült wird. Dadurch wird das Entweichen der Kohlensäure verhindert und der Sekt kann infolgedesten jahrelang aufbewahrt werden, ohne an Qualität imb Mouffeux zu verlieren. Die Temperatur des Aufbewahrungsortes sei k ü h l.
„Kupferberg Gold" ist derjenige deutsche Sekt, welcher völlig einwandfrei dasteht. Seine erstklassigen Eigenschaften, sein vorzüglicher Geschmack, seine leichte Art und seine große Bekömmlichkeit haben ihn zu einem Lieblings-
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