153. Jahrgang
Drittes Blatt.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen
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n
490 = 87,58 7. (83,28)
I übermäßigen Ansprüchen, die der heutige Kontrakt an die Mieter stellt, hauptsächlich den Krebsschaden der Grund-
15-60 über 60
andere benannte, weniger wichtige Krankheiten bei 187 (228) Personen. _ ,
Unbekannt geblieben ist eine Todesursache in 56 (56) Sterbe- h'nCn’2ötlid) verunglückt sind 26 Personen au» dem Kreise und 16 Kreisfremde, durch Selbstmord endeten 14 (im Borjahre 14).
Bietzen, im April 1908.
Grotzh. KreiSgesundheitSarnt Gießen.
Dr. Haberkorn.
die Post Tlt. 2.—viertel- jährt, ausscht. Bestellg. Annahme von »nzetge« sür die Tageonummer bi» vormittag» 10 Uhr. ßetlenpret»: lokal 12
duirodrt» 20 Ptg. Verantwortlich tttr den poltt und aQflem. teil; B. Wiltko. tüt ,Siadt und Vanlr und ,Gericht»saaf: August Götz, Hu den Anzeigenteil: Han» Beck.
Nr. 102
Hrscheivt täglich
außer Sonntag».
Dem Gietzener Anzeiger werden tm Wechsel mit bem Sesßsche, landwirt die rleßeaer Zamllte»- dlLtlee viermal in der
Woche beigelegU
Rotationsdruck u. Verlag der Blüht 'schea Untoeri.»Buch' u. Stein» druckerer (Pietsch Geben- Redaktion. ErvediNoa und Druckerei:
Schal ft raße 7.
Ubrefle tüi Teoeschent «ozeiger Vietze».
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_____stellt, hauptsächlich den Krebsschaden der wunD» stücksspekulatron, der die Mieten unbarmherzig in me Höhe treibt und geben mit statistischem Material ost überraschende Aufschlüsse. So würden in Schöneberg im verflossenen Rechnungsjahre von den 1567 bebauten Grundstücken 192 den Besitzer wechseln, also säst ein Achtel der gesamten Immobilien. Die an Staat und Kommune dafür zu entrichtenden Gebühren betrugen ca. 1 Million; Notariats-, Gerichts- ic. Kosten, Provisionen usw. erhöhen diese auf das anderthalbfache, und da bekanntlich diese Abgaben vom neuen Besitzer sofort auf den Grundstuckswerr angc- rechnet werden, >o ergiebt sich ganz von selbst daraus die Notwendigkeit einer Mietssteigerung, tfur die ca. 2/000 Haushaltungen Schönebergs beträgt diese, um Die 1,2 MUI. zu decken, durchschnittlich 60 Mark. Und trotzdem l^>en wir in einer Zeit, wo die Mietschraube nur sehr vorsichtig gedreht werden darf, da kein großer Zuzug nach Berlin zu svüren ist und Tausende von Wohnungen leer stehen! Vielfach arbeitet der Spekulant, der nicht ein paar Hauser auf Lager hat, auch mit S ch w i n bei mieten, um vertrauensselige Leute, die ihr Geld sicher anlegen mochten, übers Ohr zu hauen. Zumal mit Geschäftsräumen wird dieser Trick häufig in e^ene gesetzt. Ter Bäcker oder Fleischer, der in einem sich eben erst entwickelnden Stadtteile seinen Laden mietet, bekommt seinen Kontrakt mit einem Mietsberrage von etwa 800 Mark, xa er aber, wie der human scheinende Vermieter sagt, zunächst ja noch nicht auf ein gutes Geschäft und ausreichende Kundschaft rechnen kann so wird in einem Extra-Abkommen vereinbart daß er zunächst nur drei Viertel der Vollmiete zu zahlen hat Auf diese Weise ist die Kaserne bald von oben bis innen besetzt, und der Reflektant, dec zunächst nichts von den Exrra-Vereinbarungen erfährt, sondern nur die ersten üontrakie sieht, wird getäuscht. Gewöhnlich trifft nachher den Vermittler die Schuld, der es „vergessen" hat, d^n Käur^ von den nebensächlichen Abmachungen zu unterrichten d:c ja auch nur ein kurzes Provisorium bedeuten. fu)er diese Provisorien ziehen sich mitunter recht lange
hin und enden nicht selten mit einer Aushebung des ganzen Kontraktes. Tann steht der Laden leer, und der neue Besitzer erkennt, daß man ihn doch ein bischen über den Löflel barbiert hat; gewöhnlich freilich wenn es zu spät ist. Die Freude an dem Grundstück verringert sich mit den schwindenden Ueberschüssen; kommen gar Anforderungen der Parteien nach kostspieligen Reparaturen rc , so sie alsbald in Grimm und Groll über, ein längerer Mieteausfall gebiert bann den notleidenden „Hausagrarier"! . _
Natürlich haben auch die Mieter ihr reichlich belastetes Konto! Und nicht wenige sind es, die trotz aller Kontrakt- paragraphen dem Hausbesitzer ein Schnippchen schlagen, mit Sack und Pack einziehen, viermal Miete zahlen und nachher nicht wieder - und nur so lange wohnen bleuen, bis dem mehr ober weniger menschenfreundlichen Birte ber Gebuldfaden reißt! „Sack und Pack" ist in solchen Fällen meist erborgt. Ich habe einen Hauswirt kennen gelernt, der solche Gäste beinahe ein Jahr in einer seiner GartNi- wohnungen beherbergte. Es ging ihm trotz der Trägheit des Familienhauptes, das wohl im jtande gewesen Ware, für ausreiä enden Erwerb zu sorgen, gegen das Gefühl, die Polizei in Anspruch zu nehmen. Es hatte wohl auch in der Nachbarschaft ein bischen Hallo gegeben; denn die feinste Eeaend ist es just nicht, in der er feine Grundstücke liegen hat Nun aber hatte er für die Wohnung einen wirklich anständigen und zahlungsfähigen Mieter, den er nicht ab- weisen wollte. Er sann lange hm und her, bis ihm endlich eine Idee kam. Langsam stieg er die Treppe hinauf zu dem Seßhaften der nickst daran dachte, zu räumen, und eröffnete ihm, daß er bereit sei, ihm die Miete für den ersten Monat in einer ev. neuen Wohnung zu schenken und auch noch 30 Mark für den Umzug, wenn er ihm den Gefallen tun wolle, gutwillig und schnell auszuziehen. Und dieses Mittel half. In drei Tagen war die Wohnung leer. Wen der Seßhafte nachdem glü^lich gemacht hat, habe ich nicht erfahren. Jedenfalls hatte 5h:. 1 es lange genug ertragen und war berechtigt, sich eine Ablösung zu verschaffen. A. R.
(1901 ■ 27 4)
Eröupöse Lungenentzündung war 59 (83) mal, andere entzündliche Erkrankungen der Atmungsoraane 167 (101) mal als Todesursache genannt, darunter sind 14 Falle von Influenza einbegriffen. .... ,
An Gehirnschlagfl uh erlagen 54 (46), an Herzkrankheiten 50 (61) Personen, an Magen- und Tarmkatarrhen 47 (49), davon 87 tm KindeSalter.
24(21) kleine Kinder sind an allgemeiner A b z e h r u n g, wohl auch meist verschuldet durch Darnikalarrhe, gestorben und 69 (43) an angeborener Lebensschwäch e.
Ter Krebskrankheit und anderen bösartigen Neubildungen sind 72 (74) Kreisangehörige und in den Kliniken 30 Kreis- fremde, zusammen 102, erlegen. __
Altersschwäche führte in 199 (174) Fallen zum Tode,
Samstag 2. Mai 1903
Vc)ng»pret»r monatlich/5Pl^ viertel» jährlich Mk. 1.20; durch Abhole- il Zweigstellen monathd) 6o Ps.; durch
Aus Stadt und Laiid.
m. Londorf, 1. Mai. Die Arbeiten an unserer Wasserleitung schreiten rüstig weiter. Voraussichtlich wird sie anfangs Mai vollendet fein. — Am Schulhaus- neubau, zu welchem vorigen Sommer der Grundstein gelegt wurde, wird gegenwärtig am inneren Ausbau gearbeitet Tas stattliche Gebäude soll im Nachsommer ober bei Beginn bes Winterhalbjahrs seiner Bestimmung übergeben werben. t, ,, ,,
Ober-Roden, 28. April. Für die hiesige evan. gelische Bevölkerung, die sich zum weitaus größten Teile aus Bahn-Beamten und -Bediensteten zusammensetzt, war der verflossene Sonntag von besonderer Bedeutung. Am genannten Tage war es der auS ca. 160 Seelen bestehenden evang. Einwohnerschaft vergönnt, zum ersten Male hier dem Gottesdienste beiwohnen zu können. Herrn Pfarrer Schuster zu Dudenhofen gebührt das Ber- dienft, diese so notivendig gewordene Einrichtung so rasch und zuftiedenstellend herbeigeführt zu haben. AIS Betsaal dient ein von der Gemeinde gemieteter leer stehender Schulsaal, dessen würdige Einrichtung die evangelische Gemeinde übernahm. Kanzel und Altar sind ein Geschenk aus dem früheren Betsaale zu Groß-Steinheim. Dem erftmaligen Gottesdienste, bezw. der Einweihung des Saales, wohnten viele auswärtige Glaubensgenossen, namentlich aus Dudenhofen, bei. z , ,, (?. Z)
O p p e n h e i m, 27. April. Ein Fabrikarbeiter, der von seiner Nachtarbeit heimkehrte, gewahrte aus dem unteren Saale der Schule anbei Kat h ar in e n kir che dichten Rauch auf st eigen und Helle Flammen leuchten, worauf er mit mehreren Leuten in den Saal eindrang unbl das Feuer löschte. Der Katheber bes Lehrers, der viele Bücher enthielt, war ganz verbrannt, sowie der Fußboden und eine Bank angebrannt. Da bet Ofen nach der anderen Seite zu steht und am Samstagnachmittag kein Feuer brannte, ist anzunehmen, day das Feuer von den unfuß- treibenben Burschen, die, um in den Saal zu gelangendem Fenster einschlugen, angelegt wurde. (M. Tgbl.)
Nackenheim, 29. April. Im neuen Sommerfahrplan, ivelchcr am 1. Mai infraft tritt, ist der Fruh- zug Worms-Mainz, welcher bisher die Station Nackenheim um 5.42 Uhr passierte, so verleat worden, daß er nunmehr bereits um 4.59 Uhr in Nackenheim abgeht. Tiefs Aenderung ist für die auf den Verkehr nach Mainz angewiesenen Händler, Bauersleute und Fabrikarbeiter durchaus ungeeignet und lästig. Es ist deshalb von hier eine mit zahlreick-en Unterschriften bedeckte Eingabe an die Eisen- bahndirektion abgeganaen, in welcher um Beibehaltung der bisherigen Fahrzeit ersucht wird. Unser Landtagsabgeordneter, Herr Molthan sowie die hiesige Bürgermeisterei haben die Petition an zuständiger Stelle unterstützt und toir hoffen, daß im Interesse des Publikums die gewünschte Aenderung eintritt. (M. 2 )
Plaudereien aus der Kaiserstadt.
(Nachdruck verboten.)
Berliner Mietkontrakte. — Mielervereine. — Befitzwechsel und waS er kostet. — Schwindelmieter der „HauSagrarier . 8m
Seßhafter.
Wenn man die Berliner Mietkontrakte liest und nicht eine sehr hohe Meinung von seinen eigenen moralischen Qualitäten hat, fühlt man sich — vorausgesetzt, datz man nickst Hausbesitzer ist — Überaus gedruckt, klein und lumpig, sozusagen als ein Mensch zweiter d
es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, brave auf allen erdenklichen Wegen zu schädigen und zuprell en. Man hat von vornherein allen Aussetzungen zu enft g, , verpfändet sich mit allem Hab und Gut jur tne punkili pränumerando zu zahlende Hausmiete und gestrengen Hauspasck>a ausdrücklich das Recht ein, uns am 2. des Quartals ohne weiteres auf die zu setzen,
wenn man nicht, am 1. mit dem „vollen , I® Berliner sagt, angetreten ist- Außerdem verpstM sich gewöhnlich mit Ausnahme von .^wfisck)en, keme Haustiere zu halten, etwaige Kinder auj höchste ^rausch- losigkesten zu dressieren und allen $
unaen ben Abschied zu geben. Da der Hauswirt meist ein paL T^er ha? dieW Pianino vollkommend ausreichend zum Wimmern bringen und bei den dünnen lelbstversuindlilh alle längen über ^ar mck „Munk «r mMtis bssO s »StitaRSSÄ .1Ä;W briätiaunfliür Puck und Maio; und vor allem nnc ungen erscheinen. In diesen beleuchten )te neben den
bltiu«fud)en wir die T o d e s u r s a ch e n, so sind zunächst an den ansteckenden Krankheiten im gewöhlichen Sinne 68 Peuonen oeftotben (im Vorfahre 106), und zwar cm Masern, welche m Kindenstruth, Kesselbach, Utphe, Gietzen, Röthgen und Stangenrod epidemisch ausgetreten waren: 18 (40).
Scharlach war in Gießen, Wieseck, Allertshausen, Londorf, Watzenborn, Leihgestern, Burkhardsfelden und Garbenteich in zahl- rc icben, in anderen Gemeinden mehr in Einzelfallen auigetrelen; von den uns gemeldeten 153 Erkrankten sind 6 16) gestorben.
Von den amtlich bekannt gewordenen 250 (838) Krankheitsfällen an D iph tberitis sind 15 oder 6 7» (6,25 ./») gestorben, oder von 10 000 Einwohnern: 1,8 /«. (2,55); misch war Tivhtherilis ausgetreten in den Orten Gießen, Lindenstruth, Birklar, AUen-Buseck, Burkhardsselden und Reiskirchen. ,
Keuchhusten war verbreitet in Gietzen, Lang-Gon.-, Lauter, Heuchelheim, Klemlinden, Rödgen, Staufenberg und Steinbach; es starben daran 19 Kinder (15).
An Rose, Erhsipela«, sind 8 (5) Personen verstorben.
Unterleibstyphus wurde beobachtet bei 9 (21) Personen mit 2 Todesfällen oder 0,23 von 10 000 Einwohnern, und zwar waren m Gießen und Garbenteich je 2, in Haufen 4, m Rodgen 1 Person an Typhus erkrankt. ...
Tie Sterblichkeit an den genannten ansteckenden Krankheiten war hiernach eine geringe im Vergleich mit fniheren fahren; es fei z. A. nur erwähnt, daß in den Jahren 1893 und 1894 vor
Gesundheit^staud und Sterblichkeit im Kreise Gießen während des Jahres 1902«
Im Anschlüße an unsere Deröffentlichung über Dewegmig der Bevölkerung m der Stadt Gießen wird über die Sterduchkeils Verhältnisse im Kreise Gießen wahwid des Jahres 1902 Folgendes aus der Statistik bekannt gegeben. .
° U Tie Einwohnerzahl des ZtreiseS wird auf rund 83 800 be- "^Bei 1490 Todesfällen im Jahre 1902 würde di^Sterb- lichkeitSziffer, d. h. die Zahl der Sterbfalle auf 1000 ^nwo^ner 17 78 •/„ betragen; ziehen wir ledoch, wie wir bei der ^taot Gießen die Ortsfremden unberücksichtigt gelassen haben, d»e m den Kliniken der Kreisstadt verstorbenen 18 6 K r e i S f r e m d e n ab, jo bleiben zu verrechnen nur 180 4 Todesfälle im ^^ife mn einer Sierblichkeitsziffer von 15,56'/^. 2m Vmi°hre waren 13 Kreisangehörige gestorben mit der ^erblichkeilsziffer Jg>; Tie enlsprechenden Zahlen der 6 letzten Jahre waren für 189b. 16 10, 1897 : 16,18, 1898: 14,76. 1899: lo,94, 1900; 14,9o, 1901. 15,78Getrennt für Stadt ®ie6en unb ßanbbeAttt ift btc Ziffer für da» Berichtsjahr in Gießen: 12,54 7*, für den Rest des Kreises. 16 93 " mit anderen Worten : es sind au, 1000 Einwohner nn Landbezirke 4 Personen mehr gestorben al» in der Kreisstadt.^ Der nahe liegende Schluß, den man auS diesem Verhältnis der «terblichkeit zwischen Stadl und Land ziehen konnte, daß nämlich die Gesund- Heitsverhältmsse in der Stadt bessere seien als in den Landge- geinelndcn, ist deshalb nicht berechtigt, weil die Zusammensetzung der Bevölkerung in Gießen eine wesentlich vestchiedene ist von der- iemgen des Landbezirkes ; 1600 Mann Militär, über 1000 Studierende, eme große Zahl jugendlichen TienstperionalS u. s. w. sind in der (Linim)h>>erzahl der Kreisstadt nntgemhlt, welche als lugendliche, widerstandssähiae Personen die Sterblichieusz.ffcr selbstverständlich in günstigem Sinne beeinflußen. . ..
Bon den im Kreise verstorbenen Personen gehörten m die
WrMafie »on 0-1 2°h-: 241 = 18,«7. (21,61)
405 = 31,06 7. (81,08)
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger w
Einführung der Behandlung mit peilserum — noch 27» resp. 187 i Kinder an Divhtherüi« im Kreise Gießen verstorben iind. . <
Nun wäre es noch erfreulich, wenn wir feststellen konnten, daß auch die Z a h l d e r K r a n k h e i t S f ä l l e an den gclahr- s lichen Kinderkrankheiten, Diphtherie und Scharlach, tm Abiiehmen begriffen wäre; es ist die» leider nicht der ^all, und die L-chuld daran trägt allein das Publikum in der Nichtbeachtung der polizeilichen Vorschriften über Isolierung (Absperrung vom Verkehr) der Kranken. Nach langjährigen Erfahrungen und Beobachtung des Verlaufes von Epidemien in kleineren Gemeinden — in einer Stadt ist dies ganz unmöglich — erklären wir die Isolierung des Kranken und seiner Angehörigen für den Kardtnalpunkt bei Bekämpfung von DiphtheriN» und Scharlach (ebenso von Ala ern, Rötheln und Keuchhusten) und für viel wichtiger als die ebenfalls notwendige TeSinfektion der Wohnung; beim: eine Scharlach- oder Tiphtheriekranke Person ift nachgewiesener, maßen 5 bis 6 und mehr Wochen lang fähig, die Krankheit auf andere Menschen zu übertragen, es ist niithin v o r der Wohnungsdesinseklion, welche erst nach Adlaiif der Rraiu- heit vorgenoinmen wird, reichlich Gelegenheit gegeben, bie Ange- hörigen und im Haus Verkehrende zu inftzieren. Dieser Verkehr in Wohnungen, in welcheii ansteckend Kranke hegen, ist nach unserer Erfahrung vielmehr an der Verbreitung einer seuche chuld, als die Schule; denn w»e anders wäre es zu erklären,,dav tm Anfang einer Epidemie wir in den Krankenmeldungen so hauflg dieselben tfamiliennamen sinden, und daß sich eine Kinderkrankheit zunächst in der 9lachbarschaft und der Straffe des ersten Krankheitsfalles ausbreitet? Es sind eben die Besuche der Verwandten und Slachbarn, die trotz ärztlicher Warnung und gegen geietzliche Vorschriften gemacht werden, eine polizeilich strafbare, aber meist nur mit schweren Sorgen um ein teueres Kind und nut Behandlungskosten in der Tat bestrafte Unsitte. Warum sehen wir eine schwer auslrelende Epidemie m einer Landgemeinde ost plötzlich — wie abgeschnitten" — aufhören, wenn kurz hinteremanö« 84 Kinder sterben, und eine andere, leicht verlaufende sich über Aionate hinziehen? Tie Erklärung liegt auf der Hand: im ersten Falle stehl das Publikum in den Todesfällen den Beweis für die Richtigkeit der ärztlichen Anordnungen und der Polize,Verordnung über die Isolierung der Kranken und meidet die befallenen tzamilren, im anderen Falle sieht man keine Gefahr, glaubt nicht daran und überträgt die Krankheit auf die ganze Gemeinde.
Drastische Beispiele haben wir schon viele beobachtet, insbesondere waren vor 2 und 3 Jahren in den Gemeinden H. und R. eme Scharlach- und eine Diphtherie-Epidemie für diese Verhältnisse äußerst lehrreich. . '
©eben wir weiter in Betrachtung der Sterblichkeit des Kreises, so sind cm W o ch e n b e t l s i e b e r im Berichtsjahre 6 grauen um Vorfahre 5) gestorben oder von rund 2200 Wöchnerinnen: 0,27 /0; anderen, nicht fieberhaften Erkrankungen des Wochenbettes erlagen ^t^n” Tuberkulose der Lungen (Lungenschwindsucht) sind 168 Personen gestorben '1901: 165), das sind 20,4 auf 10 000 Einwohner. Tie entsprechende Ziffer irn Jahre 1900 nr das Grotz- herzo^lum war: 23,6 irn funstährigen Durchschnitt 189o-1899, '4,° 4hi‘ anderen tuberkulösen Krankheiten starben 64 (61), die Sterblichkeit anTu b erkulos e überhaupt war bei 232: 27,7 l000
Summa: 18o4 — lou °/e
Auö den in ( ) beigeiügten Zahlen des Jahre« 1901 ergibt sich, daff die Säuglingssterblichkeit sich verringert hat, und mehr Atenschen im Greisenalter verstorben sind als tm Vorjahre.
Ueber die einzelnen I a h r e s a b s ch n i t t e verteilen sich die Sterbefälle in der Weise, daß im 2. Quartale die meisten, im 8. bie aermafte Hahl der Todesfälle oorkamen; von den Alonaten warmer 81ovember der günstigste, und der Älai brachte die größte


