Ausgabe 
2.3.1903 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

LU. Promotionen. Im Februar wurden an der Landesuniversität promoviert: Zum Dr. theol. honoris causa der Geh. Hofrat Prof. Dr. Rudolf Eucken m Jena. Ferner: 1) Wilhelm Hövel, approbierter Arzt aus Spel­dorf, 2) Otto Gros, approbierter Arzt aus Kürnbach, 3) August Todt, Oberlehrer an der Großh. Oberrealschule in Darmstadt, 4) Otto Dibelius, cand. theoL aus Groß- Lichterfelde, 5) Richard Aninger, cand. phil. aus Wien.

Gießener Volksbad. Im Februar wurden 7681 Bäder verabreicht gegen 7418 im Januar 1903 und 6339 im Februar 1902 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 297 Bäder gegen 270 im Januar 1903 und 249 im Februar 1902. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad 3965 Männer, darunter 721 zu 10 Pfg.,

, 567 Frauen, 145 10

Wannenbäder 1. Klasse 261 Männer, 91 Frauen,

, 2. 604 , 386

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Dtassage zusammen 118 Männer, 23 Frauen. Brausebäder 1244 Männer, 259 Frauen. Die Personenwage wurde von 180 Personen benutzt. Das Bad von 8 Personen besichtigt.

G- Stadttheater. Der gestrige Abend brachte uns die Lustspielantiquität ,DerVeilchenfresser". Das Haupt­interesse galt aber weniger dem Stück als vielmehr den Dar­stellern, insbesondere Herrn Dietzfch. Die Rolle des Victor von Berndt bietet wenig sichere und bestimmte Anhaltspunkte, die Entwickelung unseres früheren Helden und ersten Lieb­habers in Bezug auf Stillstand resp. Fortschritt deutlich ver­folgen zu können. Dazu stellt dieser charakterüberzuckerte Garanison-Don Juan doch zu wenig Anforderungen an große künstlerische Auffasiung und echtes tiefes Empsinden. Mit äilßeren Mitteln ist Herr Dietzsch reichlich ausgestattet, eine große, elegante Bühnenerscheinung, ein volles markantes Organ, Dinge, die ihm das klassische Schauspiel näher legen als leichten Konversationston. Wir persönlich hätten an dem gestrigen Abend von unserem Gast eine etwas größere Unter­ordnung unter das allgemeine Banner eines gleichmäßigen Zusammenspieles lieber gesehen, als die bisweilen wohl etwas zu stark betonte Eigenschaft eines werten Besuches in stiller Koketterie mit dem Publikum. Im übrigen war seine Leistung abgerundet und zeugte von guter Befähigung und schau­spielerischer Gewandtheit. Frl. Feige gab die Witwe von Wlldenheim mit gutem Geschick als eine Dame mit scharfem kritischen Verstand und einem warmen Herz. Als nette kleine Naive zeigte sich Frl. Bünau; unbegreiflich, daß der arme Referendar von Feldt 4 Akte dazu brauchte, diesem netten Wesen seinen langgereiften Antrag zu machen. Herr von Stahl gab diesen Unglückswurm mit starker Betonung des humoristisch-karrikierenden Momentes. Herr Steinert schien, zum mindesten was Aeußeres anbelangt, seiner Rolle als Oberst von Rembach nicht gewachsen. Ton und Gesten hätten freier sein müssen. Die übrigen Darsteller ließen es sich m kleineren Rollen angetan sein, zum Gelingen des Ganzen nach Kräften beizusteuern. Auf einen Punkt sei zum Schluß noch hingewiesen. Was soll die ebenso unangebrachte wie zweck­lose Einführung deskleinen Cohn" in die Exerzierszenen des 3. Aktes? In einem Stück, das an und für sich schon von Flachheiten wimmelt, sollte man nicht noch solche hinzufügen, man könnte ja dann schließlich soweit kommen, in den Zwischen- rrkten Spezialitäten auftreten zu lasten.

DerArtillerieverein Gießen ist in den Landes­verband Hassia ausgenommen worden.

* * Eine große Anziehungskraft übt das seit einigen Tagen bei Herrn Hch. Schneider, Oswaldsgarten, aufgestellteRiesenpianoorchester" aus. Das Werk, ausge­führt von der alten Schwarzwälder Firma Wolfg. Blesiing- Unterkirnach, macht schon äußerlich einen großartigen Ein­druck und bringt die größten Ouvertüren, Märsche, Tänze rc. vollendet zum Ausdruck.

p. Lollar, 1. März. Von heute ab sind zum Sprech­verkehr die Orte Aschaffenburg, Obernau und 'Schweinheim (Unterfranken) zugelassen.

w. Rod heim a. d. Bieber, 1. März. Die auch für die hiesige Sektion des deutschen Flottenvereins in Aussicht genommenenkinematographischen Vorführungen" kommen am 24. März zustande. Der hiesige Flottenverein hatte anfänglich nur zwei Vorstellungen für diesen Tag vor­gesehen, da aber die Anmeldungen schon so zahlreich er­gangen sind, so müssen vier Vorstellungen gegeben werden. Die Musik wird eine Kapelle des 47. Artillerie-Regiments m Fulda ausführen.

Bad-Nau heim, 27. Febr. Wie derWett. Anz." erfährt, ist der Witwe des verstorbenen Musikdirektors Machts seitens der Großh. Regierung vom 1. April d. Js. ab ein lebenslänglicher Witwengehalt von 600 M., sowie für jedes ihrer beiden Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres ein Waisengeld von je 120 Mk. jährlich gewährt worden. Auch ist zur Bestreitung etwaiger notwendiger Aus­gaben der Frau Machts eine einmalige Beihülfe von 300 Mk. ausgezahlt worden.

Villingen, 27. Fedr. Der Briefträger Döring von Laub ach, wollte ein von hier gebürtiges und in Laubach bedienstetes Mädchen zum letzten Zuge begleiten, als er in der Nähe des Bahnhofes durch einen Schuß schwer am Kopf verletzt wurde; das eine Auge scheint verloren zu sein. Den Schwerverletzten brachte man in die Klinik nach Gießem Man vermutet, daß der Täter ein Vetter des jungen Mädchens ist, der inzwischen verhaftet und in das Gerichts- gesängnis nach Laubach gebracht wurde.

----- Orleshausen b. Büdingen, 28. Febr. Der hie­sige pensionierte Lehrer Dönges kehrte gestern abend in der Dunkelheit von Büdingen zurück. Unterwegs jagte ihm der Sturm den Hut vom Kopfe. Indem der Mann sich an» schickte, seine Kopfbedeckung zu suchen, geriet er in den Sce- menbach und ertrank. Zwei Knaben welche em Schiffchen auf dem Wasser treiben ließen, fanden erst einen Regenschirm und bann eine weiße, aus dem Wasser ragende Hand, welche einen Grasbüschel wie zur Rettung erfaßt hielt. Der Hut lag weitab vom Bachesufer. Dönges war 50 Jahre in Or­leshausen Lehrer und seit drei Jahren pensioniert. Er hin­terläßt eine Witwe und drei erwachsene Kinder.

sd. Darmstadt, 1. März. Der deutsch nationale Handlungsgehülfenoer bandMain - Weser-Gau" heute seinen 6. gutbesuchten Gautag ab, zu welchem

auch Vertreter aus Butzbach, Gießen, Marburg, Nidda, Wetzlar :c. erschienen waren. Es wurde als Ort für den nächsten Gautag Limburg a. L. gewählt. Abends schloß "ich im Kaisersaal das hüsch verlaufene Stiftungsfest der Ortsgruppe Darmstadt mit Konzert, Vorträgen, Ball, Theater rc. an.

Mainz, 1. März. Die Leiche der 26jährigen Anna Winkler wurde gestern Nachmittag am Zollhafen geländel. Die Untersuchung hat keinerlei Anhaltspunkte ergeben, daß das Mädchen gewaltsam ums Leben gebracht wurde, und die An­gaben der Schiffer, daß sie ausgeglitten und ins Wasser gestürzt sei, scheinen auf Wahrheit zu beruhen. Die beiden Schiffer wurden gestern wieder aus der Haft entlasten. In plötzlicher Geistesumnachtung suchte sich gestern eine junge Dame das Leben zu nehmen. Sie weilte hier zu Besuch und sollte von ihren Angehörigen abgeholt werden, da sie seit einiger Zeit ein schwermütiges Wesen zeigte, das man auf einen Unglücksfall zurückführt, besten Augenzeuge sie gewesen war. Als sie mit ihren Verwanbten nun fast bie Straßenbrücke überschritten hatte, sprang sie laut schreienb auf das Brückengeländer unb wollte sich in ben Rhein stürzen. Mit äußerster Mühe gelang es, bie Bedauerswerte zurück­zureißen, bie bann auf Anraten eines Arztes in entsprechend Bchanblung gegeben worben ist. In ben Tagen vor Karneval wurden auf der hiesigen Kreissparkasie weit über 100000 Mark erhoben; allein 87000 Mark von Karnevalsspartasten. In einem früheren Jahre wurden auf der städtischen Sparkasse einmal tu der Woche vor Karneval 180000 Mark erhoben. Das ' dürfte in diesem Jahre ent- prechend mehr gewesen sein, so daß wohl die gesamte erhobene Summe auf 300000 bis 400 000 Mark geschätzt werden kann.

Frankfurt a. M., 1. März. Auf der Homburger- Strecke wird am 1. April die Bahn steig sperre eingeführt. Die neuen Bahnsteigschaffner haben bereits ihre Versetzung nach Stationen der Homburger Bahn erhalten.

Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben Nachbarstaaten. Die bicsjährige Jahresversammlung des Evangelischen Bundes für das Großherzogtum Hessen findet Ende September in Groß-Umstadt statt. In Worms findet am 21. März in Gegenwart der Kreisamls- behörde eine außerordentl. Generalversammlung derFleische r- innung (Zwangsinnung) des Landkreises Worms statt. Mehrere Mitglieder haben den Antrag gestellt, die Innung aufzulösen. Bei Gimbsheim fing am Donnerstag der Fischer I. Rehe zwei Karpfen im Gewicht von 23 und 18 Pfund. Wohl in wenigen Städten dürften die Klein­brauereien so zurückgegangen sein, wie in Mainz. Noch vor 50 Jahren gab es dort 42 Steinbrauereien, die heute bis auf zwei verschwunden sind. Einige Kleinbrauereien, z. B.Schöfferhof", wurden in Aktien-Gesellschaften um- gewandelt, bie übrigen sind zumeist von Großbrauereien auf­gekauft worben. Die ZentralkrantenkasseHumania", Sitz Mainz, würbe auf Antrag bes Kreisamtes, weil bie Kasse ihren Verpflichtungen gegen bie Mitglieber nicht nachgekommen ist, vom Provinzialausschuß für geschloffen erklärt. In Mainz ist bie Leiche bes stäbtischen Hafemoerkmeislers Färber gelänbet worden. An der Oberrealschule in Fulda ist am 1. April eine Hilfslehrerstelle für Mathematik, Natur­kunde, Französisch zu besetzen. Bewerbungen sind an Direktor Dr. Bergmann zu richten. In Kahl bei Hanau deckte der Sturm, welcher in der Nacht vom 28. Februar zum 1. März herrschte, bas Bahnhofsgebäube ab. Ganze Teile vom Dache flogen auf ben Bahnkörper unb mußten erst entfernt werben, ehe bie Züge passieren konnten.

Vermischtes.

* Stettin, 1. März. Auf ber Werft bes Vulkan geht gegenwärtig ber bei weitem größte unb schnellste Dampfer ber Gegenwart mit Riesenschritten seiner Vollend­ung entgegen. Es ist der SchnelldampferKaiser Wilhelm II." des Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 16. April seine erste Reise nach Newyork antreten soll. Der Dampfer wird kontraktlich auf eine Geschwindigkeit von 24 Seemeilen in der Stunde gebaut, so daß derselbe schon damit an die Spitze aller Schnelldampfer der Gegenwart tritt. Als interessante Neuerung im Innern Ausbau mag erwähnt werden, daß ber Dampfer ein Wiener Eafö erhält, in welchem ganz nach ber an Lanb üblichen Art ben Tag über Getränke unb Speisen nach der Karte verabreicht werden. Die Einrichtung ist sogar so getroffen, daß bei schönem Wetter- Tische unb Stühle des Cafös vor bie Tür auf Deck gebracht werben können, ohne baß ber Verkehr über Deck badurch gc- hinbert wirb. Für besonders fleißige ober geschäftlich sehr in Anspruch genommene Leute erhält bas Schiff ein eigenes Sekretariat, in welchem einige Stenographen unb Schreib­maschinenschreiber bem Reisepublikum zur Verfügung stehen. Wie wir hören, ist schon heute ein großer Teil ber Plätze für bie erste Reise nach Newyork belegt.

* Karlsruhe, 1. März. Heute früh fanb in ben Ettlinger Schießstänben zwischen ben polnischen Studierenden Schwarz aus Radowitz unb Goldberg ein Pistolen- duell statt. Goldberg erhielt einen Schuß ins Rücken­mark, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Schwarz ging flüchtig.

* Tas enbgiltigc Programm des 9. Intern. Kongresses gegen den Alkvholismns, Bremen, 14. bis 19. April, ist soeben in deutscher, englischer unb französischer Sprache heransaegeven worden. Nach den bis­herigen Anmeldungen zu schließen, wird dieser zum ersten Male in Deutschland tagende Kongreß der besuchteste seiner Art werden. Nicht zum wenigsten dürfte das ^bongreß^ Programm dazu iycitrageu, das 22 hervorragende Redner und Rednerinnen, zur Hälfte aiis dem Auslande, zählt. Auf dem Bremer Kongresse wird nicht mehr die ganze Alkohol­frage, wie auf früheren Kongressen behandelt werden, son­dern elf Kapitel sind ausgewählt worden, um Raum für eine ausgedehnte Besprechung zu behalten. Eine reich­haltig beschickte Ausfüllung wird ebenfalls dazu beitragen, ben Kongreß inte. . ;it 511 gestalten. Erwähnen wollen wir noch, daß der i lat Bremens die Kongreßteilnehmer zu einem Früh st ü in Rath au fe ciniaben wird unb baß die Direktion des a 0deutschen Lloyd eine Fahrt in See aus einem feiner St ellbampfer vorgesehen hat

* Giro n. Aus München meldet man, Giron sei amtlich das Betreten des b a y r 1 s ch e n und österreichische n Bodens 11 erboten worden.

In Rochefort erschossen sich gestern em VerwallungS- Offizier sowie ein Kolonialsolbat. Die Ursache ber Selbst- morbc ist unbekannt.

VniversUüts-Vaqrichtrn.

Anläßlich des Abganges des Kronprinzen von ber Bonner Universität sind folgenben Professoren der rheinischen Hochjchule Auszeichnungen verliehen worden: bem ord. Proiesfor Landgerichts- rat Dr. Konrad E 0 sack der Charakter als Geheimer Justtzrat, bem derzeitigen Rektor Geh. Justjzral Prof. Tr. Ernst Z 11 e I« manu der Rote Adlerorden druler Klane mit der Schiene, den Professoren Physiker Dr. Heinrich Kayser, Kunsthistoriker Tr. Georg L0 ei chke und Germamslen Tr. Berthold 1!i tzmann der Rote Adler-Orden vierter Klasse, schließlich dem Geh. Justizrar Tr. Philipp Zorn sowie dem Historiker Geh. Reglerungsrai Dr. Heinrich N i s s e n der Kronen-Örten zweiter Klasse.

Wie aus Heidelberg berichtet wird, sind die Privat» dozenten Dr. Dittrich, Dr. Lauterborn, Dr. Gluck und Dr. Stolls von der nalurwisienschastlich-malhemalijchen Fakultät zu a.-o. Professoren ernanl worden. Dr. M. Faulhaber, Privai- dozent an der katholisch-theologischen Fakultät der llniverfität Würzburg, wurde als 0. Proiessor für alttesramentliche Exegese an die Universität Straßburg berufen. Wie aus Freiburg l. Br. berichtet wird, hat Dozent Dr. Wolf Müller einen Ruf an die stäousche Ehemiejchule in Mülhausen i. E. erhalten. ^Tr. Miller mirb dem Rufe zwar Folge leisten, aber doch ferne Stellung in Freiburg beibehalten. Aus Jena wird berichtet: Ter Grund' zu dem neuen Univerj ilätsgebäude, bas Lauvrograrnrn sowie bie Bedingungen für bie Bewerbung um bie Plärre sind iertrggestellt. Tie Unterlagen zirkulierten m ber letzten Sitzung des Gemerirderats. Tte Arbeiten werden mit größter Beschleu­nigung weiter gefördert. Weiter wird aus Jena geschrieben: Tem zoologischen Institut ist em wertvolles Geschenk über­geben worden, und zwar die aus über 3000 mikroskopischen Prä­paraten bestehende Sammlung des verstorbenen Zoologen Dr. Otto vom Rath aus Kölrr. Ter a.-o. Professor Dr. L. Kerschuer wurde zum 0. Professor ber Histologie und Entwicklungsgeschichte an der Universität Innsbruck ernannt. Der a.-o. Prosenor D. I. B. R 0 h 0 n ist zum 0. Profesior der Histologie unb Em­bryologie an der böhmischen Universität in Prag ernannt worden. Wie aus Hanau geschrieben wird, haben am dortigen Gym nafium bet dem am 26. d. beendeten Abiturlentenexameri auch vier Damen, Irl. Ella Kühn unb Frl. Martha Kassel aus Hannover, Frl. Sternberg aus Homburg und Frau Ernestine Glaesnier aus Frankfurt die Reifeprüfung beltanben.

Kunst und Msenschajt.

Rom, 28. Febr. Ter Unterrichtsminister einigte sich heutemil ber Deputation der Stadl Venedig über ben Wiederaufbau bes Mark us türms und die Restaurierung der beschä­digten Paläste. Tie Regierung giebt der Stabt einen Zu­schuß. Der Markusturm wird von bem Mailänder Architekten Beltrami wieder aufgesührt werden. Die Baukosten bezifsern sich auf zwei 9)üllioncn Lire, wovon anderthalb Millionen schon durch Sammlungen ausgebracht sind. Die Bauzeit beträgt vier Jahre. Tie Grundsteinlegung sindet am 24. April statt.

Die Lage der Theater in Italien ist, wie berMondo artifiico" schreibt, sehr traurig. In Eremona haben mehrere Schauspieler des Ponchielli-Theaters kein Honorar erhalten und mußteil die etabt verlassen; in Foggia hat bas Tauno-Theater seine Tore nach der erften Vorstellung, die nicht einmal bis zu Ende geführt merben konnte, geschlossen; in Florenz ist das Verdi- Theater vorzeitig geschlossen rvorden und m Piacenja Hal das Piiblikum in einer Vorstellung vonEuore belle faueiulle", un zusrieden mit der Oper, ber Aufführung und der Tlretlion, das Schauspiel nicht zu Ende gehen lassen. Tie Saison sängt schlecht an.

Zpielplan der veremigteu Frankfurter tztadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 3. März*):Der Wildschütz." Mittwoch beh 4. März, abends halb 7 Uhr: ,2er Ring des Nibelungen". Zweiter Tag:Siegfried." Donnerstag den 5. März:Tie kleinen Michus". Freitaa ben 6. März geschlossen. Samstag den 7. März:Tie kleinen Michus". Sonntag den 8. 'März, nach mittags halb 4 Uhr:Ter Zigeunerbaron." Abends 7 Uhr:Tie Regimentstocher." Hierauf: Tanzszenen. Montag den 9. März, abends 6 Uhr:Der Ring des Nibelungen." Dritter Tag:Götter­dämmerung."

Schauspielhaus.

Dienstag ben 3. Februar *):Hamlet". Mittwoch ben 5. Februar:Der Pfarrer von Kirchseld." Tonnerstaa den 6. März: Wilhelm Teil." Freitag den 6. März:Im bunten Rock." Vorher: Ist Mitleid Sünde?" Samstag den 7. März:Rosenmontag." äomitag den 8. März, nachmittags halb 4 Uhr:Flachmaun als Erzieher." Abends 7 Uhr:Monna Danna." Montag den 9. Alärz: Der blinde Passagier."

) Anfang, wenn nicht cmders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Gerichtssaal.

ed. Darmstadt, 1. März. Wegen Bigamie hatte sich gestern der Buchbinder I. Hch. Huth vor der ©traffanuncr zu verantworten. Seit 1888 verheiratet, lebte er von feiner Fran seit ca. 6 Jahren gänzlich getrennt. Er machte einmal einen Bei such die El)e zu trennen, unterließ jedoch, anscheinend wegen der Kosten, die eigentliche Klage auf Ehescheidung. Im vorigen Jahre sing er bann mit einem hiesigen Mädchen ein Verhältnis an und heiratete dann zum zweiten Male, ohne von der ersten Fran geschieden zu sein. Der Gerichtshof billigte ihm mildernde Umstände zu, da er sonst mit Zuchtlians bestraft worden luare und verurteilte ihn zu 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Die zwette Ebe ist selbstverständlich ungiltig.

Paris, 1. März. Bataui legte Berufung gegen das Urteil in dem Humbert-Prozeß ein.

Landwirtschaft.

Aus Rheiuhcffcu, 27. Febr. Schon fett einigen Wochen herrscht in einer sehr großen Anzahl von Ortschaften der Provinz Rheinhessen, vornehnrlich aber des Kreises Worms, beim Rind­vieh eine ansteckende Krankheit.L ch e t d e k a t a r r h" genannt, von der man früher nur sotten Höne, unb die wohl noch nie ,0 großer Schaden angerichtet hat luic jetzt. Ter Schaden besteht dann, daß die von der Krankheit besalleneri Kühe rind Rmdcr nicht mehr trächtig werden und bcsljalb abgeschlachtet werden müssen. Im Kreise Worms gibt es Ortschaften, in denen alle Rinder und Hübe Scheidekatarrh haben; in Bechtheim wurden etiua, 200 Kranke Thiere gezählt; nicht minder ausgedehnt ist die Epidemie unter dem Rindviehbeslande der Orte Monzeml)oim und Blödesheini, ebenfalls im Kreise Worms. Der Kreistterarzt hat in den genannten Orten Vorträge gehalten, um die Leute über die Bedeutung der Krankheit und Vorsichtsmaßregeln aufzuklären.

Interessant ist die Tatsache, daß der Etat des Preu­ßischen '1U i n i ft e r i u m 5 für Landwirtschaft auf bas Jahr 1903 für ländliche Fortbildungsschule n die be­scheidene Summe von 135 000 Mark verlangt, während der ^.is- pofiitionsfonb zu Prämien bei Pferderennen 231000 Mark beträgt. Letztere Summe erfährt 1903 noch eine außerordentliche Zuwendung von 250 000 Mark, die damit gerechtfertigt wird, daß die Einnahmen aus dem Totalisator und den Eintrittsgeldern im Jahre 1902 sehr zurückgegangen seien, sodaß die Rennvereine eine solche besondere Gabe notwendig gebrauchen. Die Liebe der maß­gebenden Kreise auf bem Platten Lvnde für Hebimg der Volks­bildung durch Fortbildungsschulen ist m einzelnen Provinzen Preußens sehr gering, was schon aus ber Tatsache folgt, daß es Provinzen giebt, die noch gar keine solcher Schulen haben. Im Ministerium schreibt man sich bie- Finger wund aber geholfen hat eS wenig, blutwenig.