Ausgabe 
1.10.1903 Erstes Blatt
 
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ersten befindet sich ein Plan der weiteren Umgebung von Daris mit Angabe sämtlicher Befestigungen. Eine Pracht- leistnng verspricht die neue Karte vorn Europäischen Ruß- land und Nordsrandinavien in 1:3 700000 zu werden, von welcher die beiden ersten Blätter, die das nördliche Skan- dinnvien, Finnland und das nördliche Rußland enthalten, vorliegen. Die Aufgabe, den Gegensatz zwischen den tief einschneidenden Fjorden und der Hochgebirgswelt des nördlichen Norwegen mit ihren Gletschermassen, zwischen den tausenden von Seen und Inseln Finnlands und den einförmigen Tundren und Sumpjflächen des nördlichen Rußland zur bildlichem Darstellung zu bringen, ist von den Kartographen H. Kehnert und H. Habenicht trefflich gelöst

Streikenden Frachtemnaga^in am Westbahnhof, wobei auf die einschreitende Polizei geschossen wurde. Die Polizei erwiderte das Feuer, wobei es beiderseits etwa 60 Verwund ete gab, darunter mehrere schwer. Nach diesem Zusammenstoß wurde Militär requiriert, welches das Streiklager zernierte und nach heftigem Kampf sprengte, wobei sehr viele Verhaftungen erfolgten. Nachmittags ist es gelungen, zwischen den Fuhrwerksbesitzern und Kutschern eine Einigung zu erzielen, wodurch der Streik in der Hauptsache beigelegt ist. Den Streikenden wurde eine Er­höhung des Wochenlohnes um zwei Kronen, eine Krone für Ueberstunden und achttätige Kündigung bewilligt.

worden.

NerreKunstliteratur. Anselm Feuerbachs Vermächt­nis, das fesselnd geschriebene, weit verbreitete kleine Buch galt bis­her als historische Quelle und wurde als solche benutzt. Diese Le­gende wird von H. Werner nunmehr endgültig zerstört, der im Oktoberheft derRunst" (München, Bructmann, vlerteljährüch 6 M.) in einem interessanten Artikel nach eingehendem Studium der Originalhandschristen nachweist, wieviel Umgestaltungen und willkürliche Erweiterungen und Kürzungen darin enthalten sind. Aus dem übrigen Inhalt dieses Heftes, das als erstes des 5. Jahrganges besonders glänzend ausgestattet ist, sei hervorgehoben: Franz Stuck, eine reich illustrierte Monographie von F. v. Ostini; Oskar Bie: lieber den Genuß alter Kunst; B. Zuckerkandl. Josef Hoffmann und seine Architektur;Aus dem Hohenzollern-Kunstge- werbehaus Berlin";Die Porzellanfabrik Bing u. Grondahl Kopen- hagen"; R. v. Schneider-Florenz:Zuerst der Hof und bann das Haus."

Gerichtssual.

Hüsseuer. Nach einer Kieler Depesche hat Hüssener sich am Mittwoch dem Kriegsgerichtsrat vorsühreu lassen und einen formellen Antrag auf Haftentlassung gestellt.

Beuthen, 30. Sept. Im zweiten Laurahütter W-ahlkr awallproz wurde der Hauptangeklagte Gninz zu sechs Jahren Zuchthaus, sechs Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeranfircht, der zweite Hanptangeklagte Graikzarek zu fünf Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust, die übrigen Angeklaglen zu zwei bis vier Jcchren Gefängnis und entsprechenden Nebeustrafen verurteilt.

Arlreitertkewrgung.

Berlin, 30. Sept. Die Allgmeine Berliner Omni­bus-Gesellschaft erläßt an den Anschlagsäulen eine Erklärung, daß sie von den ausständigen Angestellten die­jenigen, die über 10 Jahre in ihren Diensten waren, sofort, die über fünf Jahre nach Bedarf wieder einzustellen be­reit sei.

Berlin, 30. Sept. Die Massenaus sperrnng der Metallarbeiter erfolgte nicht in dem erwarteten Umfange. Wahrend mit der sofortigen Entlassung von 12 000 bis 15000 Arbeitern gerechnet wurde, beträgt die Zahl der Ausgesperrten bis gestern abend nur gegen 800. Von den maßgebenden Großftrmen der Metallbranche erfolgten über­haupt keine Entlassmrgen.

Bu d ap e st, 30. Sept. Der StreikderLohnfuhr- werkskutscher hat im Verlaufe des Tages überaus gefahrdrohende Dimensionen angenommen. Die Polizei war genötigt, mit den Streikenden, welche nun etwa 2000 zählen, veritable Straßenkämpfe zu führen, wobei die Attacken der sft>lizei trotz Gebrauches von Säbel und Revolver wieder­holt zurückgeschlagen wurden, sodaß militärische Hilfe requi­riert werden mußte. Die aufgeregte Menge widersetzte sich amfy energisch den einschreitenden Husaren, und es mußten in einzelnen Straßen halbstündige Gefechte ge­liefert werden, bis es gelang, die Menge auseinander zu sprengen. Die Rettungsgesellschaft errichtete im Streiklager ein Lazarett, da es unmöglich war, die vielen Ver­wundeten sofort zu transportieren. Die Kämpfe be­gannen bereits am frühen Morgen, da die Streikenden bei, den verschiedenen Stallungen den Auszug der Arbeits­willigen mit Gewalt verhinderten. Die Streikenden durch­schnitten die Telephondrahte, sodaß die Polizei keinen Sukkurs erhielt. Die Stallungen der Firma Hoffmann wur­den von etwa 1000 Streikenden gestürmt und förmlich demoliert. Die einschreitende Polizei. wurde in die Flucht gejagt. Nach dem Eintreffen von Verstärkung gelang es einigermaßen, Ordnung zu machen. Später stürmten die

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Petersburg, 30. Sept. DieHandels- und Jndustrie-Ztg." meldet, daS Fmauzministerium bringe zur allgemeinen Kenntnis, daß über die nachgesuchle Ermäßigung desZ o l ls auf importierte Baumwolle nicht früher als im Herbst 1904 entschieden werden könne.

Leuox (Massachusetts), 30. September. Die Vereinigung der B a u m w o l l e f a b r i k a n t e n hat in ihrer Halbjahresverfamm- lung einen Beschlußantrag angenommen, in dem das Staats­departement ersucht wird, der Vereinigung jede mögliche In­formation über die Bedürfnisse des ausländischen Baumwollmarktes zukommen zu lassen. Dies wird als Anzeichen dafür erachtet, daß der Ausfuhr von Baumwollwaren mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden soll.

Deutsche Rcichsbauk. Berliner Meldungen zufolge waren die Ansprüche bei der Reichsbank zu Ultimo relativ mäßig; wenigstens bis jetzt, so weit sich dies übersehen läßt, da seitens der Bankwelt wegen Befürchtung einer eventl. Diskonterhöhung früh­zeitig Vorsorge getroffen war. Die Goldzustüffe dauern au. Die Ansprüche, die die Provinz macht, sind noch nicht zu beurteilen.

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 30. September 1903.

Sie haben wiederholt die Spalten Ihres Blattes zur Ver­fügung gestellt, wenn es aalt, Mißstände zu beseitigen. Ein solch geradezu unerträglicher Mißstand besteht darin, daß in nächster Nähe der Stadt das Kartoffelkraut verbrannt und hier­durch die Luft und Atmosphäre verpestet wird. Nicht nur die Spaziergänger nach der Marburgerstraße und dem Philosophen­wald leiden unter dieser Unsitte, nein, am gestrigen Abend war auch die Südanlage und Umgebung von diesem Qualm und Rauch gefüllt. Ich glaube mich zu entsinnen, daß vor einigen Jahren dieserhalb ein Polizeiverbot erlassen wurde; vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, dem zuständigen Aufsichtspersonal die Polizei­verordnung in Erinnerung zu bringen und so für Abhilfe zu sorgen.

Einer für Viele.

Neueste Melonugeu.

Origiualdrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 1. Okt. DerVolksztg." zufolge ist auf Ver­anlassung der Nieder-Barnimer Landratsamtes gegen den verantwortlichen Redakteur der Pankower Zeitung, Salis, ein Zeugnis-Zwangs-Verfahren eröffnet worden. In einer der letzten Nummern des Blattes war eine Lokal-Notiz enthalten, wonach irrtümlicherweise an 15 000 Mk. Steuer­gelder von der Gemeindekasse zv Pankow zu viel an die Kreiskasse abgeführt worden seien.

L. Danzig, 1. Okt. Der Husar Kooks vom 1. Leib- husarenregiment wurde vom Kriegsgericht wegen Majestäts­beleidigung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Auch wurde aus Versetzung in die 2. Klasse des Soldaten­standes erkannt.

Königsgrätz, 1. Oktober. Die Verwaltung des Schloßes Natiborric bei Nachod, welches dem Prinzen Wilhelm von Schaumburg-Lippe gehört, erhielt anonyme Briefe, in denen die Ermordung der auf der Besitzung wellenden Königin Charlotte von Württemberg augedroht wird. Die Polizei vermutet einen anarchistischen Plan und hat eine strenge Untersuchung eingeleitet.

London, 1.Okt. Lord George Hamilton gestattete, daß der Brief, in dem er seine Entlassung aus dem Amte des Staatssekretärs für Indien nachsucht, gleichzeitig mit dem Schreiben veröffentlicht werde, in welchem er Aufklärung zu

seinem Entlassungsgesuche giebt. In seinem EntlasiungS- gesuche sagt Lord Hamilton, er könne nicht einsehen, wie Schutzzölle und Wie derverg eltungszölle dem Handel Großbritanniens zum Vorteil gereichen könnten, es sei denn auf Kosten der einheimischen Konsumenten. Er könne sich nicht daran beteiligen, die Grundsätze der Fiskalpolitik, auf denen das Gebäude der britischen Wohlfahrt beruhe, umzustoßen.

Madrid, 1. Okt. Der spanische Botschafter in Paris erklärte alle Lesarten über ein französisch-spanisches Abkommen in der Marokko-Frage für falsch. Die­selben entbehrten jeder Grundlage. Bon anderer Seite verlautet, daß die Verhandlungen sich um die Ausdehnung des spanischen Gebietes bei Ceuta und Melilla sowie um Rechte der in Marokko ansässigen Spanier handelten. Gestern fand in Valadolid ein Studenten-Krawall statt. Die Studenten, die mit dem Prüfungs-Modus nicht zufrieden sind, schlugen sich mit den Professoren herum und warfen einige Fensterscheiben ein. Mehrere Personen wurden verwundet.

Wien, 1. Oktober. Tie in Schönbrunn gehaltenen Trinksprüche werden von der gesamten hiesigen Presse als Kundgebungen von höchster politischer Bedeutung bezeichnet, da sie eine Friedensbotschaft ersten Ranges ver­künden von zwei inächtigen Herrschern, welche in ihrer Ge­meinschaft stark genug sind, ihren Willen durchzusetzen.

Mürzsteg, 1. Okt. Die heutige Hofjagd begann um 11 Uhr vormittags und dauert' bis 3 Uhr nachmittags. Um y27 Uhr findet im Jagdschloß Galatafel statt.

Mürz st eg, 1. Oktober. Gendarmen patrouillieren im ganzen Park auf allen Wegen und Stegen, halten alle Dörfer besetzt und versperren die Eingänge zum Schloßpark. Zwei Leute, die man für Italiener hielt, wurden füftiert, aber wieder freigelassen, nachdem sich herausstellte, daß sie ganz harmlos waren.

Budapest, 1. Oktober. Bei dem Zusammenstoß zwischen streikenden Kutschern und der Polizei wurden vier Streikende erschossen und über 60 verwundet. 45 Per­sonen wurden verhaftet. Es werden weitere Demonstrationen befürchtet.

Belgrad, 1. Oktober. In dem Feldlager bei Top- schider gab des nachts ein unbekannter Täter auf das Zelt des Hauptanführers der Verschwörer gegen König Alexander, Major Lazarewlljch mehrere Schüsse ab, welche die Zeltleinwand zerstörten. Da der Major zufällig abwesend war, entging er dem Anschlag.

Odessa, 1. Okt. Ein englischer Taucher, der für Rechnung der hiesigen Hafenoerwaltung arbeitet, ist er* trunken, weil der Lustzuführungsschlauch riß.

Teiephomschcr Kursberäöht

jfc'raMkturt w. 26., 1. Oktober iaü3.

372% Reichsanleihe . . 101.60 3% do. ... 90.10 37,% Konsols .... 101.60 3% do......90.10

372% Hessen .... 100. 37i% Oberhessen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrente . . 101.60

47s % Oesterr. Silberrente 100.45

4% Ungar. Goldrente , . 99.50

4°/j Italien. Rente . . . 102.90 41/, % Portugiesen ... 50.80 5°/o Portugiesen. .... 30.90 1% C. Türken .... 36.20 Türkenlose ...... 133.40 4% Griech. Monopol.-AnL 43.50

47,96 äussere Argentiner 41.70

8% Mexikaner .... 27.20 4%% Chinesen .... 91.80 Electric. Schuckert . . . 96.60 Nordd. Lloyd . . . . 102.10

Kreditaktien ..... 202.50 Diakonto-Kommandit. . . 187.60 Darmstädter Bank . . . 136.90 Dresdener Bank . . . . 148.00 Berliner Handelsges. . . 154.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 139.50 Lombarden . . . , . 16.30 Gotthardbahn.....191.70

Laurahütte ...... 226.50 Bochum ....... 18L40 Harpener......185.80

Tendenz: fest.

Bou wirtlich sozialer Bedeutung sind Ai a g g i's be­währte Produkte. Denn sie ermögllchen es, die Kosten der Er­nährung ganz erheblich zu verringern. Die moderne Wissenschaft und Technik haben in dieser Beziehung viel geleistet, aber Aiaggis Produkte dürfen eine der allerersten Stellen bearsipruchen. Sie ver­einigen mit ausgezeichneter Qualität alle Vorzüge praktischer und bequemer Verwendbarkeit, der Ausgiebigkeit und Billigkeit.

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StaatskonunlaBar.

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TecIhmSram Jsmenau -Techniker ______________________ und -Werkmeister.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Bildung der Schöffengerichte und Schwurgerichte.

Die Urlrste für die Schöffen und Geschworenen liegt eine Woche lang und zwar von Freitag den 2. bis einschließlich Freitag den 9. Oktober d. Js. auf dein Bürgermeisteret-Bureau Zimmer Nr. 15 zu Jedernianns Einsicht offen. Innerhalb jener Offenlegungsfrist kann gegen die Richtigkeit und Vollständig­keit der Urliste' schriftlich oder zu Protokoll des Bürgermeisters Einsprache erhoben werden.

Gießen, den 30. September 1903. 7386

Groß herzogliche Bürgermeisterei Gießen.

____________ Mecum._______________

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Rohrverlegungen auf dem Kreuz- Platz muß am Freitag den 2. Oktober d. I. das Wasser auf dem Kreuzplatz, sowie in folgenden Straßen: Mäusburg bis zur Schulstraße, Wettergasse, Neuenweg, Weidengasse, Seltcrsweg zwischen Kreuzplatz und Volksbadweg, Plockstraße, Johannesstraße, Löwengasse, Katharinengaffe, Teuselslust- .gärtchen und Kaplansgasse von 7 Uhr morgens bis gegen 2 Uhr nachmittags abgestellt werden.

Wir empfehlen den Anwohnern genannter Straßen, sich vorher für diese Zeit mit Wässer zu versehen.

Gießen, den 30. September 1903. 7366

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

Otto Bergern

7363

aus Chevieaux- und Kalbleder etc. werden neuerdings hauptsächlich mit Galopcreme Pilo gewichst, denn dasselbe giebt am schnellsten wunderbaren Glanz.

* Bessere Schuhe

Vergebung von Kauarlmlen.

Die für den Rohbau eines neuen Schulharrses, Her­stellen von Einfriedigungen und Hofanlagen in Annerod erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis Dienstag den 13. Oktober l. I., nachmittags 3 Uhr, auf Großh. Bürgermeisterei Annerod, woselbst Pläne, Vor­anschläge und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, porto­frei einzureichen.

Die Arbeiten und Liefer­ungen sind. wie folgt veran­schlagt: Erd- und Maurer- JL arbeiten 14735.96

Steinmetzarbeiten ' 5038.50 Zimmerarbeiten 4661.30 Dachdeckerarbeiten 2611.52 Spenglerarbeiten 443.65 Schlosserarbeiten 948.80 Schreinerarbeiten 725.04 Weißbinderarbeiten 126.40 Chaussierungsarbeiten 375. Pflasterarbeiteü 720. Eisenlieferung 1669.61 Kieslieferung 70.

Gießen, 29. Septbr. 1903. Der Großh. Kreisbauinspektor

Dieh m, Baurat. 7378

Aus der Gemeinde-Sand­grube Ursulum kann bis auf werteres für Auswärtige kein Sand abgegeben werden.

Wieseck, 1. Oktober 1903. Großh. Bürgermeisterei.

Sommerlad. 7377

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