vorden sind, em« ihrer Bedeutung entsprechende Verwertung üntien.
Nürnberg, 30. Sept. Der Zar nahm gestern bei ber Durchreise auf dem Bahnhof die Vorstellung der Offiziere und Beamten seines ChevauxlegerS-Regiments entgegen und verlieh dem Kommandeur und mehreren Offizieren Ordensauszeichnungen.
München, 30. Sept. Das Namensfest des Königs Otto wurde heute in der herkömmlichen stillen Weise begangen. In dem Befinden des trauten Königs ist seit geraumer Zeit keine Veränderung eingetreten. Der König hat für einige Zeit an einem Abszesse am Fuße zu leiden gehabt, dessen Heilung sich bei der Natur der Erkrankung des Königs, d. h. bei der Schwierigkeit, ihm ärztliche Hilfe in der wünschenswerten Form angedeihen zu lassen, etwas verzögerte. In dem geistigen Zustand des Königs hat sich keine Besserung ergeben und eine solche ist auch bei der Natur seines Leidens nicht zu erwarten. Wenn das Wetter irgendwie geeignet ist, hält sich König Otto stets im Freien, in dem schönen, bei Schloß Fürstenried gelegenen Parke auf. Er ist noch immer ein leidenschaftlicher Raucher und bevorzugt Zigaretten, die er meist nach ein paar kurzen, hastigen Zügen wegwirft. Auch Heuer wurden ihm, da er dies liebt, zur Erdbeerenzeit, wie in den Vorjahren, Körbchen, gefüllt mit diesen köstlich duftenden Kindern des Waldes, als Aufmerksamkeit gereicht. König Otto, der seinem unglücklichen Bruder am 13. Juui 1886 auf dem Thron nachfolgte, steht nunmehr im 56. Lebensjahre.
Ausland.
Lond on, 30. Sept. Das vom 15. September datierte Schreiben des bisherigen Finanzministers Ritchie an den Premierminister Balfour, in welchem ersterer demissionierte, ist heute veröffentlicht worden. Er sagt in demselben: Nach dem, was gestern im Kabinettsrate geschehen ist, ist es mir unmöglich, Mitglied ber Regierung zu bleiben. Ich sympathisiere durchaus mit dem Wunsche, Mutterland und Kolonien enger zu verknüpfen; aber ich weiß von keiner anderen Methode, den Kolonien eine Vorzugslx l andlung einzuräumen, als derjenigen, die der Kolonialm.:.hier ungeraten hat, nämlkh den Zoll aus Lebensrnittel, welcher eine Vermehrung der Besteuerung bedeutet. Dagegen bin ich entschieden.
London, 30. Sept. Der vertraute Rat des Sultans -von Marokko, Sir Mac Lean, welcher seit einigen Tagen sich m London aufhält, erklärte in einem Interview, er glaube, der Sultan sei bereit, französische Offiziere mit der Leitung der marokkanischen Polizei zu betrauen, lieber die Frage des französischen Protektorats in Marokko erklärte er, er glaube davon kern Wort. Er sei zwar nicht eingeweiht in die Jntensionen der Ministerien von London, Paris, Madrid und Rom, aber eine solche Lösung der marokkanischen Frage sei unmöglich, da sich die Marokkaner dagegen mit aller Kraft widersetzen würden.
Ostende, 30. Sept. Die königliche Pacht Victoria and Albert, an deren Bord sich König Eduard befand, ist gestern beim Auslaufen aus dem Hafen mit einemDampfer zusarnmengestoßen. Dieser erlitt schwere Havarie, während die Dacht unbeschädigt blieb.
Paris, 30. Sept. Der sozialistisch-revolutio- 'Näre Kongreß in Reims hat die Einigung der Parte: beschlossen. Die ftanzösische Arbeiterpartei wird sich nunmehr als sozialistische Partei gruppieren. Dieser Beschluß wurde angenommen. Hierauf wurde mit der Beratung des Parteiprogramms begonnen.
Wien, 30. Sept. Wie verlautet, wird der König von Rumänien auf ber Rückreise nach Bukarest in Wien eintreffen und eine neuerliche Begegnung mit Kaiser Franz Josef haben, die mit Rücksicht darauf, baß sie unmittelbar nach dem Besuche des Zaren erfolgt, nicht ohne politische Bedeutung | erscheint.
Budapest, 30. Sept. Abgeordnetenhaus. Nach Erledigung des Einlaufs erhebt sich Graf Khuen und erklärt, daß er infolge ber gestrigen Abstimmung sein Entlaffungs- gesuch eingereicht habe. Kössuth drückt sein Befremden darüber aus, baß bas Ministerium streike. Er drückt den Wunsch aus, daß ein Ministerpräsident ernannnt werde, der die Uebergriffe des österreichischen Ministerpräsidenten von Körber entschieden zurückweise. Kakovsley krittsiert Ausführungen von Körbers. Er bezeichnet dieselben als Verstoß gegen das ungarische Gesetz. Nachdem sämtliche Parteiführer ihre Stellungnahme gegen bxe Aeußerungen Körbers über die Armeeftage bargekgt haben, führt Geza Kubinyi (Regierungspartei) aus, daß er, ohne einen Auftrag seitens der liberalen Partei erhalten zu haben, erklären müsse, daß die liberale Partei kein Kabinett unterstützen werde, das nicht ermächttgt sein werde, die die Rechte Ungarns verletzenden Aeußerungen v. Körbers auf das entsprechende Maß zu reduzieren.
Neues vom AalLan.
Der türkische Botschafter in Berlin Tewfik Pascha ist plötzlich vom Sultan nach Konstantinopel berufen worden und bereits heute morgen von Berlin abgereift.
Die Stadt Mehomia ist durch türkische Truppen in Brand gesteckt worden. Bei dem nahegelegenen Dorfe Radschwo finden blutige Gefechte statt.
Aus Sofia wird der „Frist Ztg." telegraphiert, daß nunmehr auch Italien zu dertürkisch-bulgarischen Spannung Stellung genommen hat. Nach einer Mitteilung des dortigen Vertreters schließt sich Italien den Erklärungen Rußlands und Oesterreich-Ungarns an, doch verspricht es, ähnlich England, einen Druck auf die Türkei wegen einer energischeren Durchführung der Reformen. Da Frankreich die russische und die österreichische Erklärung ohne Vorbehalt akzeptiert, so er- giebt sich, daß die Hoffnung auf eine englisch-französisch- italienische Sonderattion gescheitert ist.
Aus Audi und Kund.
Gießen, den 1. Oktober 1903.
L.U. Heute hat Herr Prof. Dr. Reinhardt Brauns die Reltoratsgeschäfte an unserer Landes-Universität übernommen.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Darmstadt I, Carl
K olb, zum Oberamtsrichter bei diesem Gericht ernannt, den Oberförster in Beerfelden, Forstmeister Karl Hey er zu Beerfelden, in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Jugenheim, den Oberförster in Dörnberg, Forstmeister Karl Ruths zu Dornberg, unter Belassung seines seitherigen Gehalts und in gleicher Diensteigenschast in die Obersörsterei Groß-Gerau und den Oberförster in Münster, Forstmeister Ludwig Spieler zu Dieburg, in gleicher Diensteigenschast in die Oberfürsterei Friedberg versetzt. — Dem Forstwart der abnormalen Domanial- forstwartei Ober-Sensbach, Heinrich Wilhelm zu Ober* Sensbach, wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter als Förster verliehen.
** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute stattgefundenen Schluß-Ziehung der 6. Klasse fiel die Prämie von 100 000 Mk. auf Nr. 83501 (nach Alzey), vier Prämien ä 50 000 Mk. auf Nr. 28249 (nach Oberstein), 41538 (nach Oppenheim), 53455 (nach Mainz) und 78487 (nach Gotha), ein Gewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 48915 (nach Oldenburg), acht Prämien von je 25 000 Mk. fielen auf Nr. 17043 22214 35953 54035 58952 75846 81966 84379, drei Gewinne von 2000 Mk. fielen aus Nr. 53288 72928 83158. (Ohne Gewähr.)
* * Der frühere Direktor unseres Stadttheaters, Herr Kruse, hat sich mit Herrn Gerlach assoziiert und wird, wie uns mitgeteilt wurde, demnächst in Neuwied eine Reche von Vorstellungen veranstalten.
** Aus dem Stadtheat er-Bureau. Der Freitag bringt uns Stobitzers historisches Lustspiel „Liselotte", das bei der sorgfältigen Vorbereitung, die ihm hier zu teil wird, wohl dieselbe Zugkraft ausüben dürste, wie an allen größeren Bühnen, über die es gegangen ist. Liselotte ist die historische Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte, die, durch Heirat an den Hof des Sonnenkönigs verschlagen, dort durch ihre deutsche Derbheit und drollige Natürlichkeit einen amüsanten Aufruhr her- vorrust. Frl. Margarethe Hohl, die in ber Eröffnungsvorstellung den Prolog sprach, hat die Titelrolle inne; sie darf Rollen dieses Genres als besondere Domäne betrachten. Diese Vorstellung ist die erste Freitags-Abonnements-Vorstellung. Es sei bei dieser Gelegenheit nochmals darauf hingewiesen, daß die Inhaber von Abonnementsbillets nur das 1. Billet ihrer Blocks abends vorzuzeigen haben und kein Tagesbillet einzutauschen brauchen. Die Direktion beabsichtigt, auch in den Sonntagsvorstellungen ein gewähltes Programm zu bieten, wovon Interessenten auf Sonntags- Abonnements gefälligst Kenntnis nehmen wollen.
* * Der Prolog, den bei der Eröffnung des Stadttheaters Fräulein Margarethe Hohl wirkungsvoll vortrug, hat, wie wir jetzt hören, Herrn Direktor Herrn, ©teing oetter zum Verfasser.
* * Jubiläum. Straßenmeister Bommersheim von beni städtischen Tiefbauamt feiert heute sein 2Hjähriges Dienstjubiläum. 15 Jahre war er als Schutzmann tätig, 10 Jahre lang widmete er dem Bauamt seine Dienste. Die Beamten des Hoch- und Taufbauamts ehrten heute morgen den Jubilar durch Geschenke.
* * Von der Jagd. ' Im Großherzogtum ist vom 1. Oktober an die Jagd auf den Dachs wieder offen.
* * Besitzwechsel. Frau Constantine Heintze verkaufte ihre Hofratte verlängerter Asterweg Nr. 53, an Makler Samuel Katz hier zum Preise von 24000 Mk.
** Nerlaui der Witterung von Dienstag bis Mittwoch. Die Wetterlage weist nur sehr wenig Aenderung auf; das Hoch behauptet trotz des von Westen her andrängenden Tiefs seine östliche und südöstliche Lage. Infolgedessen wehen meist üdöstliche und südliche Winde, unter deren Einfluß im Verein mit der kräftigen Sonnenstrahlung die Temperatur für die Jahreszeit hohe Beträge erreicht (20—22 Gr.). Die Tiefs rufen öfters dünne Bewölkung hervor, auch wird stellenweise ganz geringer Regen gemeldet (in Grünberg und Umgebung gestern mit Gewittererscheinungen), ohne daß der Wttterungscharakter hierdurch wesentlich geändert wurde. Ein Witterungsumschlag ist also vorderhand noch hingeschoben. A. P e p p l e r.
ß Griedel, 30. Sept. Ein junger Mann von hier, der verflossene Woche an Diphtherie erkrankte, zu der sich noch Genikstarre gesellte, starb infolge derselben. Er war 21 Jahre all und wollte jetzt zum Militärdienst rin- treten.
1. Bad-Nauheim, 30. Sept. Heute war der offizielle Schlußtag für die diesjährige Saison. Das herrliche Wetter lockte eine große Menschenmenge am Nachmittag sowohl wie am Abend auf die Terrasse und in die Parkanlagen. Das Kaiser-Wilhelm-Infanterie-Regiment Nr. 116 aus Gießen konzertierte unter Leitung des Musikdirektors Krauße. Am Abend sand ein kunstvolles Feuerwerk statt, das der diesjährigen Saison einen glanzvollen Abschluß gab. Die Frequenz unseres Bades zeigte in diesem Jahre ein befriedigendes Ergebnis, denn zirka 24 000 Kurgäste weilten hier und rund 320 000 Bäder wurden abgegeben. Im Vorjahre besuchten 22 000 Kurgäste unseren Badeort, denen 295 000 Bäder verabfolgt wurden.
L. B. Darmstadt, 1. Oktober. (Eigener Draht- bericht.) Zur Teilnahme an den Hochzeitssestlich- feiten trafen in diesen Tagen noch folgende Persönlichkeiten ein: Heute vormittag Prinz Ludwig von Battenberg, morgen vormittag Prinz und Prinzeffin Heinrich von Preußen. Großfürst und Großfürstin Sergius werden morgen nachmittag ermattet. Mit dem König von Gttechenland und der Königin von England trifft am Montag nachmittag auch der König von Dänemark hier ein. — Ans Anlaß der Vollendung der ruffischen Kapelle hat das Zarenpaar dem Architekten FriedrichOlberich eine prachtvolle, mit Edelsteinen besetzte Tabatiere verliehen. Dem russischen Maler, von Frolofs, wurde das Ritterkreuz II. Klasse des Ordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Großherzog hat am 30. September dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, Fritz Zimmermann, und dem Amtsrichter in Langen, Dr. Karl Langsdorf, den Charakter als Amtsgerichts- rat verliehen.
Darmstadt, 30. Sept. Die Braut-Ausstattung für die Prinzessin Alice von Battenberg ist, wie wir dem „$). T. Anz." entnehmen, zum guten Teile hiesigen Firmen übertragen worden, was gewiß als eine ehrenvolle Anerkennung für unsere heimischen Geschäfte umsomehr betrachtet werden darf, als derartige Lieferungen bisher zumeist von auswärts und namentlich auch aus dem Auslande bezogen wurden. Es ist hiermit ein gutes Beispiel gegeben, das hoffentlich auch in anderen Kreisen Nachahmung findet. So wird das Brautkleid der Prinzessin-Braut in der
Damenkonfektion von Anna Schuchmann (Rherrrstratze 16) dahier angefertigt. Der Stoff des Kleides besteht aus weißem Crepe de Chine; Form und Ausführung desselben erfolgt in einfach-jugendlichem Stil. Den Hauptputz an dem kostbaren Kleide werden die wundervollen echten Spitzen sein, welche dem Familienschatz der Eltern der Braut entstammen und die auch schon das Brautkleid ihrer Mutter sowie dasjenige der verstorbenen Großherzogin Alice schmückten. Der Brautschleier ist aus denselben echten Spitzen wie die Verzierungen des Kleides. Die Myrtenzweige zum Brautkranze sind auf der Terrasse des Heiligenbergs gewachsen (und stehen zur Zeit noch dort), während die Orangenblüten aus England bezogen werden. Einzelne Zweige des Kranzes werden später in die neue Heimat der Prinzessin, nach Griechenland, versandt, um dort emgepflanzt zu werden. Von Interesse dürfte wohl fein, daß nach dem Tode der Großherzogin Alice keine fürstliche Hochzeit hier in Darmstadt abgehalten wurde, als die der ältesten Tochter der Großherzogin, der Prinzessin Viktoria von Battenberg, und nun jetzt diejenige der ältesten Tochter der letzteren, der Prinzessin Alice.
sj Marburg, 30. Sept. Gestern mittag wurde bet Cölbe der 60 Jahre alte Arbeiter Vornam aus Unterrosphe vom Schnellzuge zermalmt. — Exzellenz Geh. Rat Professor Dr. v. Behring ist heute zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalt nach Italien abgereist.
Kleine Mitteitungen aus Hessen und den N.ach bar gebiet en. Die Turner in Lollar haben ihr Abturnen auf Sonntag den 4. Oktober verschoben. Daß ein rühriger Berichterstatter aus einem Nachbardörfchen Gießens bereits einen vervielfältigten eingehenden Bericht über den Verlauf der Veranstaltung an mehrere hessische Blätter schickte, war die Tat blinden Eifers im Dienste der Oeffentlichkeit. —- Wegen Beleidigung des Kaisers wurde am Dienstag in Kassel gerichtlich die Donnerstagsnummer des sozialdemokratischen hessischen Volksblattes beschlagnahmt. — Der 16 jährige Schüler der Dillenburger Präparandenschule Edmund Lehr von dort ist seit dem 21. September unter Mitnahme seiner Sachen verschwunden.
Vermischtes.
• Berlin, 30. Sept. In der Kaiser Friedrich- Gedächtniskirche im Tiergarten ist ein Einbruch verübt worden. Wettvolle Abendmahlsgerätschaften sind gestohlen worden, zwei große Kannen, zwei Kelche, ein Bibo- rium, eine Patena, ein Teller mit kleinen Löffeln. Größere und schwerere Silbergegenstände blieben unberührt. Der Diebstahl ist anscheinend von Persönlichkeiten ausgefühtt worden, die nut den Lokalitäten genau bekannt waren.
• Berlin, 30. Sept. Der durch seine Wetterprognosen bekannte Rudolf Falb ist am Dienstag abend in Schöneburg bei Berlin gestorben.
• Berlin, 30. Sept. Der Buchhalter Mieraß wurde heute früh mit seiner Frau in seiner Wohnung tot auf- gefunben. Der Tod ist infolge Gasvergiftung eingetreten. Ob das Ehepaar freiwillig aus dem Leben schied oder ob ein Unglücksfall vorliegt, ist nicht festgestellt.
• Elberfeld, 30. Sept. Der bei der hiesigen Staatsanwaltschaft beschäftigte Gerichtsassessor Dr. Meyer erschoß sich aus unbekannten Gründen in seiner Wohnung.
* London, 30. Sept. Tie Leiche einer Frau, die nur mit Strümpfen und Schuhen bekleidet war, und Schnittwunden an Hals und Beinen hatte, wurde heute früh bei der Waterloobrücke in der Themse gefunden.^ Tie Frau hatte starkes blondes Haar und war anscheinend • über 45 Jahre alt. Tie Leiche scheint zehn Tage im Wasser gewesen zu sein.
* Eine Massenerkrankung. Wie der „Frist Ztg." aus Budapest berichtet wird, sind im dortigen Armenhause aus bisher noch nicht aufgeklätter Ursache nach demMittag- essen 150 Personen schwer erkrankt, wovon eine bereits gestorben ist.
* Einen hübschen Rückblick auf denDresdener Parteitag wirst der Kladderadatsch. Er schreibt:
Misthaufen, Lügner, Quaffelpeter, Pestbeulen, Stänker und Verräter — So rief man sich in Dresden zu, Doch störte das nicht Singers Ruh'. Nur einmal ist er aufgesprungen Und hat die Glocke jäh geschwungen, Als ein Genosse wutentbrannt Den andern meuchlings „Herr" genannt.
* Humor des Auslandes. „Warum nennt man denn unsere Sprache die Muttersprache?" — „Weil der Vater doch nie zum Sprechen kommt." — Scherzfrage. Frage: „In welcher Stadt gab es den ersten sozialdemokratischen Zeitungsredakteur?" Antwort: „In Lystra in Kleinasien, denn Apostelgeschichte Kap. 14, V. 8 heißt es: „Und es war ein Mann in Lystra, der mußte sitzen." — Aut—Aut. Lehrer: „Lehmann, was heißt aus Lateinisch „sowohl . . . als auch"?" — Lehmann: „et . . . et." — Lehrer: „Und was heißt „entweder . . . oder?" Lehmann schweigt. — Lehrer: „Du kannst dabei an Automobil denken." — Lehmann : „Töff . . . töff." — Aus dem Aufsatz einer höheren Tochter. „Lessings Gram über den Tod seiner Frau war ein so tiefer, daß er überhaupt erst nach Italien gehen mußte, um dort die Wunden zu heilen, die ihm feine Frau geschlagen hatte." („Münchener Jugend.")
Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 30. Sept. Die anläßlich der Enthüllung des Richard Wagner-Denkmals geplanten Festlichkeiten sind heute mit einem Empfangsabend im Reichstagsgebäude eingelettet worden. Anwesend waren u. a. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen, Kultusminister Tr. Studt, Staatssekretär des Reichsschatzamts Frhr. v. Stengel, Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, Militärs, Finanziers und Künstler. Nach einigen Konzertvorträgen hervorragender Künstler und Künstlerinnen des In- und Auslandes wurde bis zum Schluß ein Promenaden lönzert des philharmonischen Orchesters aus Leipzig aus geführt.
— Neue, n eunte Ausgabe von Stielers Hand-Atlas, 100 Karten in Kupferstich, herausgegeben von Justus Perthes' Geographischer Anstalt in Gotha. (Erscheint in 50 Lieferungen, jede mit 2 Karten, zu je 60 Pfg.) 19. bis 22. Lieferung. — Die in den letzten Wochen heraus- gegebenen vier Lieferungen behandeln Frankreia), Spanien, Portugal und Rußland. Besonders eindrucksvoll sind die llebersichtskarteu von Frankreich und Portugal; auf der


