Ausgabe 
1.8.1903 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt.

Samstag 1. August 1903

153. Jahrgang

Nr. 178

Hrscheirrt täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesfischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche betgelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der BrÜhlllchen Univers.-Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei:

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GiehenerAnzeiger«

General-Anzeiger " 3ESg

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MHZ

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Ländliche Arcuden.

Aus ländlichen Greifen wird derK. Z." geschrieben:

Ich möchte einmal' auf einen sehr nebensächlich er­scheinenden, aber leider sehr wirksamen Erreger von Miß­stimmungen Hinweisen, auf die angestrebte Einschränk­ung der ländlichen Kirmessen. Ich kenne sehr wohl die Entartung, die das Kirmeswesen in Städten und industriellen Gegenden vielfach gefunden hat, und weiß, daß eine Einschränkung solcher Feste da, wo ein vielblütiges Vereinswesen überreiche Gelegenheit zum Amüsieren und Geldausgeben geschaffen hat, den Beifall aller vernünftigen Leute findet. Grundfalsch ist es dagegen, die Kir­messen infolge vielfältiger Entartung ganz und gar für schädliche und überlebte Feste zu halten und nach gleich­mäßiger Schablone an ihrer gänzlichen Unterdrückung zu arbeiten. In entlegeneren Landstrichen, zum Beispiel in den meisten Gebirgsorten, ist die Kirmes das einzige Fest, das mit Tanzmusik und sonstigen Veranstaltungen der berechtigten Lebenslust eine Gelegenheit zur Entfaltung bietet, ein Ereignis, aus da^ sich jung und alt während 'eines tagen arbeitsvollen Jahres freut. Man ist in solchen Orten alten Sitten und Gebräuchen noch ungemein an­hänglich, man ist sparsam und kennt einen regelmäßigen Wirtshausbesuch nur für die Sonntagnachmittage. Tie Kirmes bildet eine fröhliche Ruhepause in dem Getriebe solch eintönigen, bescheidenen Bauernlebens, es ist eine un­säglich schöne Oase im ewigen Einerlei des Alltags. Tie jungen Burschen schmücken hier noch nach uraltem Gebrauche die Kirmesbäume und wählen als Vorzugstänzerinnen ihre Kirmesmädchen. Die Mädchen rüsten ihren Tanzputz, die Frauen backen ansehnliche Mengen von Kuchen usw. Tas ganze Dorf bereitet sich vor aus die einzige festliche Ausnahmezeit, in der einmal tüchtig gegessen und getrunken werden soll, einmal Fleisch in Fülle aus den Tisch kommt und man sich überhaupt einmal mit echt germanischer Gründlichkeit das Leben von der vergnügten Seite ansehen will. Tie Verwandten besuchen einander in den Kirmes- tagen; wer draußen in Dienst und Arbeit steht, erscheint, wenn irgend möglich, im heimischen Dorfe während dieser Festeszeit. Der städtische Kaufmann läßt sich dann ver­gnügt im Kreise seiner Landkunden sehen, der Brotherr des einen oder des andern Arbeitsmannes findet es für gut und vernünftig, dessen Dors aufzusuchen, bei diesem Salat und Schinken zu speisen und bei einer Flasche Wein dem sich unendlich geehrt fühlenden Arbeitnehmer menschlich näher zu rücken. Die Kirmes ist in solchen Orten noch ein Volksfest im guten, alten Sinne, ein Tag, der Familien­angehörige, Verwandte und Freunde zusammenführt und soziale Unterschiede einmal in wohltätiger Weise verschwin­den läßt. Dieses Fest nun, die einzige Zeit des Jahres, die der Bauer so hoch schützt, daß er vielfach noch seine Erlebnisse und wirtschaftliche Tätigkeit nach ihr datiert, wird in der letzten Zeit von der Regierung zielbewußt be­schnitten. Man begann damit, die Kirmessen eines größeren odek kleineren Bezirks auf einen Tag zu legen und hinderte so die Bauern daran, einander bei solchen Gelegenheiten zu besuchen. Nachbarliche Raufereien, wie sie noch hier und da im Schwünge waren, wurden freilich dadurch unter­bunden, aber gleichzeitig fühlte sich auch der religiöse und historische Sinn der Leute, denen das Fest vielfach mit der Erinnerung an Kirchenpatrone und Gedenktage verbunden ist, verletzt, und der bescheidene, kleinbäuerliche Familien­vater fragte sich entrüstet, warum in aller Welt man ihn daran hindere, sich einmal im Jahre ein kleines Räusch- lein im Orte des Schwagers oder Bruders zu holen und für seine Kinder ein Tuch voll Kuchenstücke von der Tante mit nach Hause zu bringen. Ein weiterer Schritt zur

Kirmesbeschränkung waren die Erhöhung der Gebühren jur Tanzerlaubnis, die Beschneidung der Tanzstunden und dann in diesem Jahre vielerorts die Einschränkung der Kirmes auf zwei Tage.' Ter Erfolg dieser Verordnungen ist überall derselbe negative. Zunächst führte das Eingreifen der Be­hörden und die entsprechende Tätigkeit der Gendarmen, die sogar hier und da altübliche Umzüge um die Dorflinde, das Einholen und Begraben der Kirmes kurzerhand unter­sagten, zu allgemeinen Uebertretungen der Verbote, zu ärgerlichen Zusammenstößen und noch ärgerlicheren Straf­mandaten und Gerichtskosten. Dann wurden die Bauern schlauer. Sie gründeten, was sie an vielen Orten über­haupt noch nicht besaßen, passende Vereine, bauten sogar in einzelnen kleinen Dörfern Kasinogebäude und feierten im Schutz der sogenannten geschlossenen Gesellschaft Kirmes in beliebiger Ausdehnung. In einzelnen Gegenden feiert man sogar jetzt der Behörde zum Trotze zweimal Kirmes, einmal offiziell an den neuerdings festgesetzten Tagen, das andere Mal privatim in den geschlossenen Gesellschaften, deren zeitgemäße Existenz natürlich die Wirte eifrig fördern. Wo man höchst unnötigerweise dachte, für Sitte, Zucht und Sparsamkeit wirksam zu sein, indem man dem kleinen Bauer seine hergebrachten, bescheidenen Freuden beschnitt, hat man kräftige Keine für kommende Vergnügungssucht und kost­spielige Nahäfserei städtischen Gesellschaftslebens großge­zogen. Di Leute sind verbittert geworden, die Jungen, denen mar die letzten poetischen und gemütlichen IÜize des Landloens raubt, macht man störrisch und zu Wider- setzlichkeite aufgelegt, den Alten giebt man neuen Stoff für das leider heute überall auf dem Lande variierte Thema, dessen Leiiatz lautet:Der Staat ziehtKch selbst die Sozial- demokrate." Ein Hinweis auf die dttitzlichkeit der Kirmes- beschränkugen, auf.etwaige Hebung der Moral und des baren Vemögens verfängt ganz und gar nicht mehr beim Bauer, 'c kann die Nützlichkeit da, wo er gänzlich arm ist an solch! Vergnügungen, durchaus nicht einsehen. Seine Moral . allen realistischen Bauerngeschichten zum Trotz noch recht gute, und als Tugendwüchter kennt er im übrigenlur Kirche und Pastor an. Er liest außerdem heute seine Ztung, er erfährt viele Musterbeispiele von Herren- plaisierund Herrenmoral, und es erfüllt ihn mit stillem Grimn daß die Herren ihm nicht einmal eine dreitägige Lustigst gönnen wollen. Eine zeitweise Einschränkung der Baueikirmessen alten Stils wäre nur nach sorgfältigem Studtn der örtlichen Verhältnisse vorzunehmen, und zwar nur t wo Ausschreitungen Grund und Anlaß dazu böten. Im wigen sollten unsere Verwaltungsbeamten lieber zu dererVeredlung beitragen, zur Kultivierung alter, schöner Bräge durch gelegentliche Besuche in Kirmesdörfern, die der ) leicht an seiner Gemütsseite anfaßbare Bauer ihnen außordentlich hoch anrechnen würde. Die Zerstörung des deuhen Gemütlebens, das mit allen Fasern doch an altem Brcch und herkömmlichen Sitten hängt, ist unseres Er- achas überhaupt die Ursache des Herdendenkens, jenes Näbodens der allgemeinen Unzufriedenheit und der Sozial- derkratie.

Vermischtes.

* Ulm, 29. Juli. Das Generalkommando des 13. Aleekorps hat verfügt, daß jeder Offizier, Truppenteil u'., gegen den durch die Presse eine Beschuldigung er- hen wird, sofort zur (Anleitung der Untersuchung Bericht z erstatten hat. Man bringt diesen Erlaß in Zusammen- tyg mit verschiedenen Soldaten miß Handlungen, t bei dem hier garnisonierenden Grenadier-Regiment Nr. 3 vorgekommen und entweder durch die Presse oder

anonym zur Kenntnis des Generalkommandos gelangt sind. In dem einen Falle wurde einem Gefreiten der 10. Komp, des genannten Regiments bei einem nächtlichen Wortwechsel von einem Unteroffizier ein Kochgeschirr an den Kopf ge­worfen. Die dadurch verursachte Wunde wurde in der Re­vier-Krankenstube behandelt. Es trat aber dann eine Eiter­ung nach innen ein, die in Verbindung mit Kopfrose den Tod des Gefreiten herbeiführte. Den Atanschaften wurde unter Androhung von Strafen Stillschweigen anbesohlen. Bei der 9. Komp, wird ein Sergeant beschuldigt, einen Rekruten dermaßen gegen die Wand geworfen zu Haben, daß er ein Schlüsselbein brach Bei der 3. Komp, ertränkte sich kürzlich ein Soldat. Hinterlassene Briese erhoben schwere Beschuldigungen gegen einen Leutnant und einen Unteroffizier. Untersuchung ist in allen Fällen eingeleitet.

*JmBernerOb erlaub ist unweit der Berglihütte auf schroffen Felszacken über dem Vieschergletscher in der Höhe von 3103 Meter ein Chalet zur Mönchsruhe durch die Sektion Bern des S. A. C. angelegt worden.

-'Versicherung gegen Blinddarmentzünd» un g. Die englische medizinische ZeitschriftThe Lances teilt mit, daß sich in England eine Versicherungsgesellschaft gegen die Blinddarmentzündung gebildet hat. Der Umstand, daß die J-urcht vor dieser Krankheit noch weitaus ver­breiteter ist als das Uebel selbst, läßt die Gesellschaft gute Geschäfte machen'. Allerdings geht aus den von der Ver­sicherungsgesellschaft angestellten statistischen Ermittelungen hervor, daß im Jahre 1900 im Vereinigten Königreiche nicht weniger als 15 000 Blinddarmoperationen vorgenom­men wurden und daß 10 Prozent der Patienten der Krank­heit erlegen sind. Die Versicherungspolizen 'lauten im Maximum über 500 Pfund Sterling und die von dem Versicherten zu zahlende Jahresprämie beträgt 5 Schilling für 100 Pfund Sterling. Im Falle einer Erkrankung an Appendizitis genießt der Versicherte unentgeltliche ärztliche Behandlung und Verpflegung und im Todesfälle wird die Versicherungssumme ausbezahlt.

* Spieler glück. An die gleichnamige Erzählung E. Th. A. Hoffmanns erinnert wenn auch nicht im Schlußeffekt eine seltsame Geschjchte, welche sich vor einigen Tagen in Moskau zugetragen hat. Ein reicher Kauf­mann verspielte nämlich an einem Wend im Klub sein ganzes Vermögen an'seinen nicht minder wohlhaben­den Partner. Da er nun gar nichts mehr in der Tasche hatte, seine unselige Spielwut ihm aber nach wie vor zu- setzte, schlug er vor, um sein eigenes Weib zu spielen. Der Andere, welcher seit langem schpn ein Auge auf die wunderschöne Frau geworfen, war damit einverstanden und setzte die Summe von 200 000 Francs dagegen. Doch aber­mals war das Glück dem verzweifelten Spieler abhold. Ruhig strich der Gewinner sein Geld wieder ein und ent­fernte sich mit dem Weibe des Gefährten, der nun ganz vernichtet ins Nebenzimmer eilte und sich dort eine Kugel indenKopsschoß.

Teurer Kuß. Die junge Frau eines Kaufmanns in Gheiwitz hatte sich zur Behandlung an einen Zahn­arzt gewandt. Ter junge Arzt, der erst seit kurzer Zeit verheiratet ist, konnte bei dem Anblick seiner schönen Patientin während einer Operation der Versuchung nicht widerstehen, ihr einen Kuß auf die rosigen Lippen zu drücken. Ueber diese unverhoffte Liebkosung war jedoch die junge Frau sehr aufgebracht und setzte ihren Gatten davon in Kenntnis, der zuerst gegen den Zahnarzt straf- rechtlich vorgehen wollte. Schließlich einigte man sich friedlich auf ein Sühnegeld. Der Zahnarzt sttstete 500 Mk. ür einen wohltättgen Zweck.

fe im Sattel, die ihm liebkosend die Ohren tätschelt wie iistmals Titania dem verzauberten Zettel im Sommer­

verständnisinnig und denkt: Was wär ich ohne die vielen tausend Esel, die. . .

Oben vor dem Restaurant ist reges buntes Treiben.- Bier und Kognak, Gesottenes und Gebratenes, Verkauf von Eintrittskarten, Wartburgandenken, Ansichtskarten usw. Selbst die Schirme werden dem geduldigen Publikum an der Verkaufsbude in ziemlich brüsken Tone abverlangt, wenn sie die Eintrittskarten lösen, ganz gleichgiltig, ob es regnet oder nicht. Denn jeder Schirm giebt nachher wieder ein Trinkgeld! Es ist eine lebhafte Industrie da oben, vielleicht schon ein bischen zu lebhaft! Aber was erträgt man nicht alles für seine Ideale und Erinner­ungen! Mit 7080 Menschen zusammen läßt man sich bald danach durch die geweißten Räume führen, mitunter auch schieben, drängen und stoßen, hört etwas von den Schwind'scheu Fresken in der Elisabethgalerie, ohne natür- lick) etwas Erkleckliches davon zu sehen, wandert durch Sängerfaal, Landgrasenzimmer und Rüstkammer, steht mit ea. 40 mehr oder minder verdutzten Zeitgenossen zusammen­gepfercht danach im Lutherstübchen und hat dann das Recht,

der eine Tinktur für Haarerzeugung in allen Zeitschriften annonciert und dabei ein reicher Mann geworden ist, nickt

Aus dem Aannkrcis der Wartöurg.

lchtstranm, den uns Vollmer in Berlin mit seinem Thüringer Klagen. Eselgedanken. Zuviel Industrie!hldenen Humor so entzückend drollig verkörpert: bald Im Lutherhaus. lit einer feisten Schlächtermadam, die herrisch auf ihn los-

an A. - < wm orWU und ihn zum Laufen anfeuert, damit man denken

Ki Cb en aeweien^ sie habe Reitstunden gehabt, und gehöre zur haute

Ernte ) o recht von Herzen znfri d g ) mlpp ^nnit wieder muü er fich vbotoaravbieren lallen p VirrMen^brautben^E irgend einemBubi" auf dem Rücken, der ihn mit solches Wunderexemplar setzen, ohne soi j 1 nfreiben5 iniPen kurzen Beinchen auf dem Fell herumsttampelt beim chn auszahlen Beinahe eb ns Somä^us! es ist kein Vergnügen, ein Esel zu sein! Und doch

die armen Landwirte es sind, g 15 c 1 )«. daß es Esel gibt in der Welt. Wenigstenshöre

merwirtmnen m allen Badern pn e 9 das eine Ströme schwitzende, umfänglich höchst beach-

Welt. Klagen ist chnen eine Art - a^aestovit baä' tenswerte Dame äußern, als sie seufzend vor der Burg- worden, und wenn jie gange Ha 6 l Pf p-^rte Abschied nimmt von ihrem Grauchen. Und ihr Gatte, bis zur letzten bettstellenbreiten Taa)bodenkammer. ugei n Lz - - ~

etwas könnte doch eben noch besser sein! Aber Th> ringen speziell scheint doch in diesem Jahre einen Gru zum Stöhnen zu haben. Der Krach von Leipzig wirkt w immer nach und macht sich in einem auffallenden Man an Passanten geltend. Freilich, Eisenach, die alte Wr burgstadt, spürt nichts von allen diesen schmerzen, i seinen Straßen wimmelt es von Menschen wie in waschechten Großstadt und das Gaumengezrjch ^ld-C lands mischt sich zu Zeiten mit Lauten aus aller He^ Ländern. Das Hauptziel bildet naturta die sager^ toobcne Veste, in der unsere Mmne anger gestritten ug outher seinen Kampf mit dem Gottjeiberuns bestanden^, und die durch Fürstengunst und pietätvollem Sinn unb nach zu einem wahren Schmuckstück, etner Art W- htm für evangelisch erzogene Christenleute geworde^st.

L.ti°g ßt nicht just beschwerlich. Aber die rr- toaite i, bic bas Schwenmgern gerade am nötigsten k«. assen ich gar zu gern in Eqnchagen hmaufsahreE aber fie vertrauen ihre kostbare Last einem braveM an und reiten. So ein armes Grautier zählt doch N^ch ,,u den bescheidensten Geschöpfen der Welt Gednltlegt ez seinen Weg zurück, bald mit einer schlanken l>°en

noch ein Exttatrinkgeld in die Hand des auch in seinem Führeramt den Schablonendrill nicht verleugnenden Be­amten zu legen! Mich schüttelt's, wie ich heraus bin aus dieser Massen-Abfütterung und ich habe so meine Gedanken, daß da manches anders sein könnte! Wie wär's, wenn man das alles eine £1 einigfett weniger industriell be­triebe ?

Freilich, wenn man nun gar in das sogenannte Luther- Hans in Eisenach gerät, dann merkt man erst, um wie viel schlimmer es droben aus der Veste noch betrieben werden könnte. Im Lutherhaus, das einstmals der wohltätigen Frau Cotta gehört haben soll, die den armen Kurrende- schüler, der so schön und andächtig singen konnte, als Pflegling zu sich nahm, in diesem Hause ist eine flotte Bierwirtschaft etabliert, altdeutsch, mit Butzenscheiben, Wandbilderrl und einem Rtnsikautomaten, der alte fünf MinutenEin' feste Burg ist unser Gott" zum besten gibt. Der Kellner fragt an, natürlich erst, wenn man etwas verzehrt hat, ob man das Lutherstübchen besichtigen wolle und nach selbstverständlicher Bejahung offeriert er Ein­trittskarten zu 25 Pfg. Für diesen Obulus sieht der er­staunte Gast eine Treppe hoch ein Zimmerchen mit Neben­gelaß, in dem ein paar alte Mbeldrucke ausliegen Und etliche mittelmäßige Holzschnitte aus der Geschichte des Reformators an den Wänden umherhängen. Ein altes Oelbild Gott mag wissen, wen es darstellt wird als Frau Cotta erklärt; ein altes Tirttenfaß soll von Luthers Vater stammen; ein Stück grauschwarzes kommisarttges Tuch gar muß als Kurrendemantel Luthers herhalten. Ich wußte nicht, ob ich mich entrüsten oder lachen sollte. Schließlich habe ich doch die humoristische Seite dieser Sache herausfinden können. Aber wenn man tünsttg üt gewissen Kreisen über den heiligen Rock von Trier spöttelt, werde ich sehr ernsthaft an den Lnthermantel in Eisenach denken und die Achseln zucken. ... A. R.