Offenbachs ^Schöne Helene- gegeben und Diensdrg findet das Benefiz für den Leiter des Operetten-Enfembles, Herrn Oberregisseur Siegfried Bruck, statt, der sicy Sullivans „Mikado" gewählt hat, worin er die Rolle des Oberscharfrichters und ehemaligen Schneidermeisters Koko vertreten wird.
-t- Burkhardsfelden, 1. Mai. Heute feiert die älteste Frau unseres Ortes, die Förstersfrau Justine Weiß, in vollster Rüstigkeit den 88. Geburtstag.
p. Friedberg, 29. April. Tie Teilung von zwei Klassen der erweiterten Mädchenschule ist seitens des Ministeriums wegen Mangels an Lehrkräften nicht genehmigt worden. — Die hiesige Gewerbe-Akademie wurde am 1. Oktober 1901 gegründet und hat somit dieser Tage ihr viertes Semester begonnen. Das Institut hat sich, wie zu erwarten stand, gleich in den ersten Semestern so außerordentlich entunckelt, daß nicht nur das Anstaltsgebäude, sondern auch die provisorischen Unterrichtsräume wieder voll besetzt sind und daher mit dem Bau des projektierten Akademie-Gebäudes baldigst begonnen werden muß. Die Zahl der Techniker ist jetzt auf über 300 gestiegen, die zum Teil auch in Bad-dtauheim und Fauerbach wohnen. ES bestehen z. Zt. sechs Verbindungen: Teutonen, Rhenanen, Germanen, Askanen, Thuringianer, Arminen (lathol.) und eine freie wissenschaftliche Vereinigung.
Hartmannshain, 30. April. In der Schmal- oach'schen Wirtschaft fand heute eine Brenn - und Nutzholzversteigerung statt, und bie Preise waren ungemein hoch Buchenscyetth-olz 1. Masse kostete im Durch schnitt 6 Mk., solches 2. Masse 4 Mk., Buchenknüppel 5 Mk., Frchteustammholz 22 bis 23 Mk. pro Festmeter. Die Versteigerung war gut von auswärts besucht.
§ Br eung e shain, 30. April. Gestern morgen tzeaen 10 Uhr entstand in der Hofraite des Landwirtes Kaiser Schadenfeuer, welches das ganze Anwesen bis auf einen Stall gänzlich einäscherte. Da- Vieh konnte gerettet werden Brmldstifter ist ein 16jähriger unecht, welcher in der Scheune mit Stteichhölzchen gespult hatte. Er wurde sofort durch die Schotten er Gendarmerie verhaftet. Bis zum Ein- treffen der Wehren aus Michlbach und Busenbom hatte unsere Wehr vollauf zu tun, um das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, da auch die Nact)bargebäude gefährdet schienen
-t- Gedern, 29. Astril. Ein IS jähriger Junge von hier wurde wegen Sittlrchkeitsvergehens an einem achtjährigen Rcädchen verhaftet, und in das Arresthaus nach Ortenberg verbracht.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten In Homburg erschoß sich der Bezirksfeldwebel Stieger, als er die Nachricht empfing, daß ferne in einer Wiesbadener Klinik befindliche junge Frau im Sterben hege.
Vermischtes.
♦ München, 28. April. Eine hiesige hochadelige Dame machte vor kurzem die unangenehme Entdeckung, daß aus ihrem Schmuckkästchen ein auf 15= bis 20000 Mk. gewerteter Brillantschmuck, ein attes Familienstück, verschwunden war. ES stellte ftch» bald heraus, daß der Sohn derDame,alserin Geldverlegenheit war, diesen Schmuck bei einer hiesigen Tandlerin und Bersetzerin um den Betrag von — 2000 Mk. verkauft hatte. Die Bersetzerin hatte aus dem Schmuck die Steine auebrscheu und daraus teilweise Ohrringe anfertigen lassen; zwei Brillanten kaufte chr ein Herr um den Preis von je 400 ML ab; die Tandlerin hat auf diese Weise ein brillante» Geschäft gemacht. Dieser Tage tourbe sie jeboch von ber Dame ausfindig gemacht, die nun kategorisch die Rückgabe des Schmuckes verlangte. Sie versprach ber Tändlerin eine nicht unbeträchtliche Summe, wenn es ihr gelinge, bie zerstreuten Teile bes Schmuckes nach Möglichkeit wieber zur Stelle zu bringen.
* Ein neuer spiritistischer Schwinoel. Während in ben letzten Jahren Anna Rothe ihre spiritistischen Sitzungen veranstaltete und eine große Anzahl Anhänger der „dKulten Wissenschaft" mit ihrem Hokuspokus in Erstaunen setzte, hat auch in Meerane (Sachsen) eine Sekte ihr Unwesen getrieben und den Offenbarungen eines Ate- diums Glauben geschenkt, das den Unverstand und Aberglauben der Mttglieder dieser spiritistischen Bereinigung finanziell geschickt auszubeuten wußte. Das Medium der Sette war, tuie jetzt festgestellt wurde, die Ehefrau Luise des Schmiedes Frenzel. Diese Frau hat es nun — genau wie bie Rothe, im Zustande ber „Trance" — ver
standen, die der Sette angehorenden Mitglieder derart zu düpieren, baß letztere den Offenbarungen der Frenzel Glauben schenkten und zu allen Opfern, die bas Medium wünschte, bereit waren. Was in solchen Sitzungen nun für Experimente ausgeführt würben, beziehungsweise was das Medium dabei offenbarte, ist kaum glaublich und wird manchen zum Kvpsschütteln veranlassen, denn es rst geradezu lächerlich. So soll das Medium unter anderem, um Versio r b e n e von ihren Sünden zu erlösen (!), öfters ein Skatspiel arrangiert haben, wobei es die Karten gewöhnlich immer selbst verteilte, aber auf bie Weise, daß das Medium mit feinem Gatten fast regelmäßig gewann. Hatten die übrigen Mitspieler das Glück, einmal zu gewinnen, dann mußten fie das gewonnene Geld an das Medium abliefern. An diesem Spiel haben natürlich auch die weiblichen Spirittsten teilgenommen, obgleich fie vom Skatspiel überhaupt keine Ahnung hatten. War bie Skatkasse gut gefüllt, dann würbe auc Abwechslung bann und wann ein Abendessen veranstaltet, an dem sich bie ganze Sekte gütlich tat Bezeichnend für ben Blöbsinn, Verstorbene selig zu machen, ist auch folgendes Beispiel, über bas wohl selbst bas Mebium Rothe lachen bürste. Das Mebium bestimmte nämlich im „Trancezustand" auch, baß bie Spirittsten bestimmte Tanzsäle ber Umgebung besuchen und hier Terpsichore chren Tribut zollen mußten. Taber schrieb das Mebium sogar vor, wieviel Touren getanzt werben mußten. In ungefähr brei Fällen, in benen es sich nur um Gelb hanbelte, hat bas Medium aber seinen Haupt trumpf aus- gespielt. Es hatte sich Kapitalien in Höhe von etwa 3600 Mark gegen Zinsen von verschiedenen Personen geliehen. Tie Zinsen sind wohl auch ein halbes Jahr lang gezahlt worden, aber bann fällte ber Geist bes Mebiums einen wichtigen Spruch. In einer Seance offenbarte das Mebium, nachdem es eingeschlummert war, ben Gelbdarleihern, daß man berartige irdische Guter (in diesem Falle also die Zinsen) nicht annehmen dürfe. Das Geld müßte ohne Zinsen geliehen werben, damit tue man für den Heiland ein gutes Werk. Die beiden Ehegatten wurden schließlich von ber Polizei verhaftet.
* Eine „unsolibe Stabt". Die Zittauer Frauen wollen bie Einführung einer Polizeistun be burchsetzen und haben sich deshalb hinter eine Anzahl Stadtväter gesteckt, die denn auch in der letzten Stadtgemeinderatsfitzung bie Sach? eifrigst betrieben und verschiedene Schriftstücke verlasen, in denen es u. a. heißt: „Mein früher fleißiger Mann ist in Zittau verbummelt, er vertrinkt und verspielt sein Geld bei K. und bei D., und verlangt bann frisches Gelb von mir; verweigere ich's chm, dann schlägt er bie Kinder und wirft sie vor die Wand." — „In Zittau ist's fteilich kein Wunder, wenn die Männer so schlecht werden, denn die ftneipen stehen ja bie ganze auf. . ." Ein Stabtrat erzählte, bie Frau eines hiesigen Hanbwerksmeisters, beren Mann im Begriff stand, mit einer Kellnerin eine Vergnügungsreise zu machen, sagte mir: „Solch ein lüberliches Leben wie in Zittau kann es nicht leicht wieder geben; hier geht alles, was auswärts nicht geht." Und eine Fabrikantenftan äußerte: ,Mie viele verheiratete Männer kommen erst gegen Morgen nach Hause aus den Kneipen! Da spielen ne ben Nooeln und geben ben Kellnerinnen fünf Groschen Trinkgeld, damit sie recht schön mit ihnen tun. Will aber einmal die Frau einen Groschen Geld, dann wird sie angesHiauzt." — Ob es wirklich so schlimm steht in Zittau? Die Stadtverordneten haben ben vom Rate genehmigten Entwurf noch einmal zurückverwiesen. Vielleicht ersteht dort den Zittauer Bürgern doch noch ein EH.ren- retter.
* Eine Million in einer Droschke vergessen und wied er erhalten. Vor einigen Tagen stürzte eine Engländerin mit allen Zeichen des Schreckens und der Aufregung in das Polizeibureau des Faubourg Montmartre zu P a r i s und erzählte, daß sie soeben in einer Droschke eine eiserne Kassette habe stehen lassen, in welcher sich Schmuckfachen im Werte von einer Million und ein Check über 30000 Fr., gezogen auf die Bank von Frankreich, befanden. Ta die unvorsichtige Dame die Stummer ber Droschke, bie sie von ihrem Hotel nach einem Restaurant des Faubourg Montmartre gefahren hatte, angeben konnte, ließ ber Polizeikommissar sofort nach dem Kutscher recherchieren. Ter brave Rosselenker, welcher die Kassette in feinem Wagen bemerkt hatte und annahm, daß sie Geld enthielt, war bereits nach dem Hotel zurückgefahren und batte hier ben gefundenen Gegenstand bei dem Portier abgegeben. Die Eigentümerin der vergessenen Million, welche sich Frau Mat- tausch nannte und angab, daß sie aus Monte Carlo nach Paris gekommen sei, war über den Fund hocherfreut, zeigte
sich aber dem ehrlichen Kutscher gegenüber wenig generös, indem sie ihm nur 100 Frank als Belohnung einhandigtr.
Vnwersitäts-Ualyrlchtr«.
— Der außerordentliche Professor ber Theologie an der Uni- verfttät Greifswald, Dr. Friedrich Bosse, ist als Hilfsarbeiter in das preuß. Kultusministerium berufen worden. Prof. Bosse ist em Sohn des früheren preußischen Kultusministers.
— Aus Würzburg wird geschrieben: Tie Prioatdozenten Dr. I. Müller (innere Medizin) und Dr. I. S o b o t l a (Slna- tomic) wurden zu a.o. Professoren ernannt. — Aus Hannover wird geschrieben: Prof. Rinne von hier hat im Auftrage bc5 Reichs-Marine-Amles eine Reise nach Kiautschau angetreten, wo er technisch-geologische Untersuchungen vornehmen wird. — Ter a. o. Professor Karl B r o ck e l m a n n in Brest au wurde als Nachfolger des Professors Jahn o. Professor der semitischen Sprachen au der Universität R ö n i g s b e‘r g. — Mit einer Probevorlesung : „Ucber die Untersuchungen des Herzens und der großen Gesäge durch Röntgenstrahlen", hat sich Tr. med. Lothar v. Erregern als Privatdozent m der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig eingesührl. — Tie philosophische Fakultät der Leipziger Hochschule erteilte dem Tr. phil. F. Krueger die venia legendi für Philosophie. — Aus Paris wird berichtet: In der Akademie der Wissenschaften wurde für die geometttsche Abteilung Professor N ö t h e r aus Erlangen zum korrespondierenden Mitglieds gewählt.
Eiliges mitt.
(Für Form und Inhalt alier unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt Die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Ter Mai ist gekommen, und es belebt sich jetzt wieder Feld und Wald mit Spaziergängern. Unsere Stadt bietet mit ihren herrlichen Anlagen und wohlgepflegten Wegen jedem zur Erholung recht gute Gelegenheit. Auch für denjenigen, der em Gärtchen oder em Stückchen Land in Besitz hat, ist nun die Zeit der Arbeit, aber auch die der Erholung durch den Aufenchalt im Freien gekommen. Leider wird ihm dieser doch ost verdorben durch die überaus schlechte Beschaffenheit einzelner Wege. Man mache x. B. einmal einen Gang von dem Neuitädter Viadukt rechts der Bahn entlang nach dem Viadukt an der Schwarzlach — em Weg, der nicht nur von Interessenten, sondern auch von Spaziergängern sehr häufig benutzt wird — und man wird sich fragen, wie em öffentlicher Weg m nächster Nähe der Stadt — besonders von den SchmaU'schen Eishänjern an bis zu den Wiesen — in einem derartigen Zustand sein kann. Augenblicklich ist diese Strecke nicht zu passieren, ohne den Bahndamm betreten zu müssen, was bekanntlich verboten ist. Und wie schnell wäre dem abgeholsen, wenn man nur ein par Wagen Kies für den Weg übrig hätte. X.
Odenhausen, den 1. Mai 1903.
Zur Zeit herrscht aus dem Wege von der HaUestelle Friedel- Hansen bis ins Tors Odenhausen em solcher Mora st, daß für den Fußgänger ein Turchkommen fast unmöglich ist. Bei dem dort gewöhnlich recht starken Verkehr wäre es sehr angebracht, wenn die zuständige Behörde dafür Sorge tragen würde, daß diesem Uebelftanb abgeholsen wird. G. B.
Uölhklltliche licdcrlilhi der TodesMk m du Stadt Gießt«.
16. Woche. Vom 12. April bis 18. April 1903.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeilsziffer: 15,46, nach Abzug von 4 Ortsfremden: 7,78 °/oo.
Kinder
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Krarcke kommen.
ES starben an: Zusammen: Erwachsene:
im vom
1. Lebensjahr: 2.—Iß. Jahr
Keuchhusten
1
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Tuberkulose der
Lungen
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Krebs
2 (1)
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ErysipelaS
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Leukämie
1
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Stünmtt tzenkramps
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Summe
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2 —
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104.20
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Anatolier . .
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Bad. Lhlr. 100
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Dresdner Bk. .
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Württemberg. .
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Bremen v. 1899
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gar. . . .
—.—-
Ungar. Staats
347.40
do „ C.
31.90
32.40
4'/,
do. . . .
83.50
Adler Kleyer .
185.95
190.— 8'7
Preuß. Pfand-
4
Ruff. <vüdost 97
st. 100
348^0
do. . D.
29.40
| 30.30
Bad. Anülu .
«7-
439.50
bries-vonk .
100.75
100.75
Ar.....
—.—
—.—
Benetraner 8.30
33.—
3LL0


