Ausgabe 
30.3.1901 Erstes Blatt
 
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-ie unter Pos. 4 und Pos. 5 angeforderten Betrage. Po,. 6 betrifft die Kosten bes Predigerseininars, es ist hier eine Erhöhung der Wohnungsvergütung des 3. Professors von 500 aus 800 Mk. vorgesehen. Hierzu erklärt Synodale Weisse nbach, daß er von der unter dieser Position g^ Iroffenen Aenderung nicht überzeugt sei. Er wolle jedoch nicht gegen einen .Kollegen stimmen, werde sich deshalb der Abstimmung enthalten. Tie Pos. 7, 8 und 9 werden einstimmig angenommen. Zu Pos. 10, Beiträge zu den Deranatsbibliotheken, fragt Synodale A u l b e r nach den Grundsätzen für die Vertretung dieser Verträge an die ein­zelnen Bibliotheken. Lberkonsistorialpräsident Buchner bittet, mit der Beantwortung bis zur zweiten Lesung zu warten. Pos. 11 betrifftdie Kosten der Ver,ehung des Pfarrdienstes". Der Ausschußantrag lautet auf Bewilligung der hier eingeforderten 1 636 894 Mk. Der Ausschuß ist jedoch der einstimmigen Ansicht, daß mit größtmöglicher Be- ichleuniaung der Synode eine Vorlage über feste Regelung der Gehaltsverhältnisse der nicht definitiven Geistlichen zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet werden solle. Tas Oberkonsistorium gab daraufhin eine Erklärun g ab:

Wir werden thunlichst bald der Landessynode eine Vorlage über die Grundsätze machen, nach denen die Gehalte der nicht definitiv angestellten Geistlichen erhöht werden sollen. Da diese Grundsätze bei der nächsten Tagung mach mehr vereinbart werden können, so wünschen wir Genehmig­ung der Landessynode, daß wir solche, wenn sie durch das erweiterte Lberkonsistorium genehmigt werde, für 1901/1902 einstweilen zur Anwendung bringen und zwar mit der Ermächtigung, die hierfür notwendigen Mittel, soweit sie nicht bereits ziffernmäßig im Voranschlag für 1901/02 vorgesehen sind, aus etwaigen Ueberschüssen dieses Jahres oder nötigenfalls des vorherigen Jahres zu ent­

nehmen." r,

Bei der Abstimmung wird der Auch chußan trag auf Bewilligung der angeforderten Summe von 1636 894 Mk. einstimmig angenommen. Hierauf wird ein Antrag des Synodalen Wahl-Langen, den Gehalt der nicht definitiv angestellten Geistlichen vom 1. April 1901 an nicht unter 1500 Mk. zu bemessen, angenommen. Ebenso wird der Kirchenbehörde die Ermächtigung erteilt, einen sich hierbei ergebenden Mehrbedarf aus Einnahme-Ueberschüssen oder aus in anderen Rubriken erzielten Ersparnissen zu decken. Rubrik 12 betrifftdie Ruhegehalte". Es ist hier von dem Ausschuß beantragt: Wiederherstellung des vorjährigen An­sitzes durch Einstellung von 133 000 Mk.

Bei der Abstimmung wird die angeforderte Summe nach dem Ausschußantrag einstimmig bewilligt. Zu Rubrik' 13 werden die angeforderten 2500 Mk. zur Unterstützung erkrankter Geistlicher bewilligt. Bei Punkt 14: Studienunter­stützung, werden die eingestellten 7500 Mk. einstimmig ge­nehmigt. Die Rubriken 15 und 16 werden einstimmig an­genommen. Zu Rubrik 17:Kosten der Veranlagung und 'Erhebung der Umlage", bemängelt Synodale Dressel- ^roß-Zirnmern die Höhe des eingesetzten Betrages von 27 000 Mk.

Oberkonsistorialrat R e b e l erklärt, daß eine Ver­ringerung unter keinen Umständen möglich sei.

Rubrik 17 wird hierauf einstimmig angenommen, ebenso trie Rubriken 18, 19 und 20. Zu Rubrik 21:Witwen- und Waisengelder", wundert sich Abg. Wahl-Langen, daß das -Oberkonsistorium hier, statt wie früher 16h 000 Mk., nur 160 000 Mk. einstellen wolle. Bei der Abstimmung werden die angeforderten 160 000 Mk. bewilligt, ebenso die Ru­briken 2332, womit die erste Lesung des Voranschlags erledigt ift

Nächste Sitzung heute nachmittag 4 Uhr.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen am 28. März 1901.

Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Heorgi Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Euler, Flstt.Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Hanau, Haubach, Heylrgenst aedt, Huhn, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leid, Löber, LooS, Orbig, Dr. Schäfer, Schiele, Schmall und Wallenfels.

Entschuldigt: die Stadtverordneten Emmelius, Grünewald, Dr. Gutfleisch und Petri.

Stadtv. Orbig stellt vor Eintritt in die Tagesordnung den Antrag: Die Versammlung möge beschließen, die Großh Regierung zu ersuchen, den Vertreter Hessens im Bundesrat dahin zu informieren, seine Stimme gegen die Erhöhung der Getreidezölle abzugeben, überhaupt gegen jede Er- Höhung zu wirken; die Versammlung wolle ferner beim Bundesrat und beim Reichstage um Ablehnung der betreibe« zoll Erhöhung petitionieren. Stadtv. Orbig begründet seinen Anttag mit der drohenden Verteuerung der Lebens­haltung der arbeitenden Klassen und der Gefährdung der Handelsverträge und beantragt weiter, seinen Antrag al- dringlich zu behandeln. Nachdem Bürgermeister Mecum durch Abstimmung die Dringlichkeit des Antrages festgestelll. wird derselbe zum Beschluß erhoben.

Dem Gesuch des Architekten Huhu und Schneidermeisters Engelhardt um Gestattung der Anlage eines Kanals nach dem Schoorgraben zwecks Entwässerung ihrer Häuser in der Plockstraße soll stattgegeben werden, wenn die auf Widerruf zu genehmigende Anlage nach Angabe des Stadt- hauamts erfolgt und die Gesuchsteller sich zur Entrichtung einer Anerkennungsgebühr verstehen.

Das Gesuch der Witwe Leierzapf um Erlaubnis zur Anlage einer Ueberbrückung nach ihrem Hause in der Schützenstraße wird unter der Bedingung genehmigt, daß die Gesuchstellerin für Herstellung und Unterhaltung des Pflasters sorgt.

Den Eigentümern der in der verlängerten Alice- "straße errichteten Häuser sollen die anteiligen Kosten für Straßenauffüllung (Mk. 1.10 per Kubikmeter) bei Berechnung )eS StraßeubaukostenbeitragS gutgeschrieben werden.

Neber den Verkauf eines Bauplatzes an der Moltke Itraße an A. K. E. Noll^Äird in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. DaS Gesuch der Firma Zur buch um DiSpenS Liegen Bebauung außerhalb des OrtSbauplanS ist zurückge­zogen werden.

Der an die Stadtkaffe zu entrichtende Betrag für Unter- Haltung des Erbbegräbnisses der Familie des Pro- ffefforS Dr. Bix wird mit 987 Mk. festgesetzt.

Die Straßenkehrer der 3. Lohnklaffe (22 Pfg. per Stunde) find um Gleichstellung im Lohne mit ihren Kollegen bet 2. Klaffe (25 Pfg. per Stunde) eingekommen. Ein weiteres Gesuch derselben richtet sich auf Wegfall der Herbftgrati fikation, an deren Stelle eine Lohnerhöhung um 2 Pfg. pro Stunde treten soll. Auf Anttag des Stadtbauamts, das die Beibehaltung der Gratifikation lediglich als im Interesse der Arbeiter selbst liegend bezeichnet, und bett, der Gleich stellung mit den Arbeitern der 2. Lohnklaffe berichtet, daß mehrere der Gesuchstellet demnächst aufrücken, die übrigen aber erst verhältnismäßig kurze Zeit in städtischen Diensten stehen, beschließt die Versammlung Ablehnung des Gesuches.

Dem Fuhrknecht Hilgärtner, der in der Löberstraße unabfichtlich einen vom Stadtgättner mit 16 Mk. bewerteten Baum beschädigt hat, soll mit Rücksicht auf seine ungünstige Lage der Ersatz des Schadens erlaffen werden.

Das Gesuch der Unterstützungskasse für hilfsbedürftige Deutsche in Budapest um Gewährung einer Beihilfe wird abgelehnt.

StadtkassendieuerGengnagelist wegen Kränklich­keit um seine Entlassung eingekommen. Die Stelle war bisher nicht etatsmäßig, ihr Inhaber bezog 300 Mk. Fixum und etwa 800 Mk. Mahngebühren. Es wird beschlossen, den künftigen Stadtkaffendiener mit festem Gehalt anzustellen, die Gebühren aber in die Stadtkaffe überzuführcn. Als Gehalt werden 1320 Mk., steigend bis zu 1800 Mk., nach Maßgabe der für städtische Beamte geltenden Gehaltssätze angesetzt. Die Stelle soll ausgeschrieben und für die Dauer eines Jahres provisorisch besetzt werden.

Der Entwurf einer Besoldungsordnung für die Forstwarte sieht ein von 1200 Mk. von drei zu drei Jahren um 50 Mk. bis zum Höchstbetrage von 1500 Mk. steigendes Gehalt vor; außerdem erhalten die in Gießen wohnenden Forstwarte, sofern ihnen eine Dienstwohnung nicht zur Verfügung steht, einen Wohnungsgeldzuschuß von',240 Mk. Für die Qualifikation der Forstwarte gelten im allgemeinen die für die im Staatsdienste stehenden Forstwarte geltenden Bestimmungen.

Der Voranschlag der Realschule für 1902/3 sieht vor an persönlichen Ausgaben Mk. 108 320, an sachlichen Ausgaben 7230 Mk. Der Beitrag der Stadt beläuft fich aus Mk. 37 940.50, die Einnahmen aus Schulgeld auf 46 502 Mk., der Staatszuschuß auf 30 000 Mk.

Neber die Errichtung eines Bezirksschulhauses wird in nichtöffentlicher Sitzung beraten. Das Schulhaus soll, wie wir erfahren, an der verlängerten Wiesenstraße errichtet werden.

Der Voranschlag der Stadt Gießen für 1901 bis 1902 ist zur Ausgabe gelangt. Vorbehaltlich der für eine spätere Sitzung vorgesehenen Spezialberatung erklärt fich die Versammlung mit der Genehmigung der Gehalte, Löhne und laufenden Ausgaben einverstanden.

Das Gesuch des Jakob Noll um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause SelterSweg 13 (Brauerei Friedel) wird befürwortet.

Abonnements - Einladung.

Die stetig wachsende Abonnentenzahl des

Gießener Anzeigers

darf wohl als bester Beweis dafür gelten, daß er allen billigen Anforderungen Rechnung zu tragen versteht.

Er wird auch weiter weder Kosten noch Mühe scheuen, seinen Beruf als größte Tageszeitung Ober­hessens zu erfüllen und gern jede Gelegenheit ergreifen, die Interessen der gesamten Bevölkerung der Provinz wahrzunehmen. Wünfdjt öder dir AllSgkstMug »userrs Klattrs muh beliebiger Achtung hin werben, wetm fie uns m Ohren kommen, stets »mH Möglichkeit Seröckstchtigung staben.

Durch die volkstümlich gehaltenen Beilagen:

e Gießener Familienblätter, Hessischer Landwirt und Blätter für hessische Volkskunde kommt die Zeitung den verschiedenartigsten Wünschen und Interessen ihres Leserkreises entgegen.

Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, iüre Bestellung bei der Post bezw. den Zweigstellen baldgefl. aufgeben zu wollen. Aeahmsatreteabe hießgt Absmttlltrll erhalten vim rage der Sesteüaag bis 31 März ben Anreißer Kostenfrei ^gestellt. Auch schicken wir jederzeit Probe- Nummern postsrei nach auswärts und ersuchen alle Freunde des Gießener Anzeigers, ihre Bekannten darauf aufmerksam zu machen. Unseren hiesigen Lesern werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtungsvoll

Verlag desGießener Anzeigers" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steiudruckerei ______________________(Pietsch Erben).

Aus Stadt und Land.

Vietze», 29. März 1901.

Personal-Nachricht. Der Großherzog hat dem Amts- gerichtsdiener bei dem Amtsgericht Büdingen, Heinrich Wil­helm Srenkel, das Allg. Ehrenzeichen mit der Inschrift Für langjährige treue Dienste- verliehen.

Parlamentarisches. Der zweite Ausschuß der Zweiten Kammer hat fich für den Antrag der Abg. Ulrich und Ge

uvffen, betreffend die Entschädigung unschuldig Ver­hafteter, ausgesprochen und beantragt, die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst eine Gesetzesvorlage zu bringen, dic eine feste Entschädigung von zu Unrecht verhafteten Persouen vorsieht. Wir zweifeln nicht, daß dieser Anttag Annahme im Plenum finden wird. Dann wird Heffen wieder einmal an der Spitze der deutschen Staaten marschieren in einer Sache, die ihm zur höchsten Ehre oereidit.

** Kunst verein. Man schreibt uns: Wir mackw" dic Kunstfreunde auf die im Turmhaus am Brand ausge­stellten farbigen Zeichnungen von Frl. Elisabeth W e i h r i ch aufmerksam. Die flotte und energische Zeichnung, die diskrete Färbung, die mit ihren einfachen Mitteln doch eine so intensive, malerische und Stimmungswirkung zu erreichen wissen, verleihen den Blättern einen intimen künstle» ischen Reiz, der durch das Gegenständliche der Darstell­ungen gesteigert wird: malerisch alte Bauten, anheimelnde Winkel und Gäßchen, zumeist in Mainz und Rothenburg ob der Tauber gesammelt. Aspekte, die man in diesem Miz und in dieser, von modernen Aenderungcn gänzlich unbe­rührten Stimmungspoesie kaum mehr vorhanden glauben möchte, und auf die uns erst ein künstlerisch gesckMltes Auge aufmerksam machen muß, damit wir sie dann auch, wo fie uns in Wirklichkeit begegnen, erfassen und uns daran erfreuen.

* * Der Gabelsberger S t e n o g r a p h e n - V e r - ein von 1861 (eingetr. Verein) hielt am 27. ds. seine ordentliche Hauptversammlung im Ease Ebel ab. Ter von dem ersten Vorsitzenden Prof. Dr. Pitz erstattete Bericht legte Zeugnis davon ab, daß der Verein auch in dem ab­gelaufenen (39.) Geschäftsjahr recht schöne Erfolge in Bezug auf die Verbreitung der Kunst Meister Gabelsbergers zu verzeick>nen hat. In vier Anfängerkursen wurden 30 Herren und 20 Damen unterrichtet. Weiter ist aus dem Bericht zu erwähnen, daß am 3. April v. I. das Damenkränzchen ge­gründet worden ist, und diesem zurzeit schon 20 Jünger­innen angehören, während der Verein 62 Mitglieder zählt. Nach der Verkündung der Resultate von dem letzten Vereinswettschreiben sand die Vorstandswahl statt und zwar wurde der seitherige Vorstand einstimmig wiederge­wählt. Derselbe fetzt sich zusammen aus Prof. Dr. Pitz 1. Vorsitzender, .Kreisamts Bureauvorsteher Schiffnie 2. Vor­sitzender, F. Hanstein 1. Schriftführer, H. Rothe 2. Schrift­führer, W. Jullmann, Rechner und A. Mickel, Bucherwart. Es oiebt in Gießen gewiß viele Jünger Gabelsbergers, die dem Verein noch fern stehen. Im Interesse der All­gemeinheit wäre es, wenn sich diese dem Verein als Mit­glieder anschließen würden, denn nur vereinte Kräfte führen zum Ziel. _____

Vermischtes.

*Rosenmontag" in Wien. Der erfolgreichen Erstaufführung von Otto Erich HartlebensRosenmontag" im Burgtheater gingen zahlreiche Proben und eine General­probe voraus, über deren Verlauf der Theaterchronist des WienerFrdbl." allerhand Lustiges ausplaudert: Diese Generalprobe hatte einen ganz merkwürdigen Charakter. Es war die gerührteste, thränenreichste seit langen Jahren. Das Publikum weinte, als gäbe man eine Allerseelen­komödie und nicht eine Faschingmontagstragödie. Im Parterre saßen dichtgedrängt sämtliche Regisseure und alle dienstfreien Schauspieler mit ihren Angehörigen. Die erste große Bewegung kam von der Bühne, als Rudorff von der Kabale erfährt, der er und seine geliebte Traute zum Opfer gefallen sind. Als aber das Mädchen dem ins Herz getroffenen Geliebten feine Leidensgeschichte erzählt, da ging ein großes Schluchzen durch das .Haus. Fräulein Witt konnte sich kaum fassen, und auch ihrem Nachbarn, dem wohlbeleibten Dr. Schlenther, rannen schwere Thränen selbstverständlich dicke über die Wangen . . . Da6 Theaterbarometer stand ungemein tief, ober um ein physikalisches Lieblingswort des Altmeisters Goethe zu ge­brauchen es deutete kräftigst aufWasser-Bejahung". Aber trotz all dieser Rührung gab es bei der General­probe auch manche heitere Momente. Eine urko­mische Sache sogar, sie läßt sich nicht leicht erzählen, aber wir wollen es versuchen. . . Tie luftige Sache war im zweiten Akt. Da zeigt Die Szene das Wohnzimmer des Leutnants Rudorff und im Hintergrund die Thür zu dem engen Schlafgemach lieber diese Thür ist nach Vorschrift des Buches ein viergeteiltes kleines Fenster mit Milch­scheiben angebracht, das um die Mitte verstellbar ist. Tas heißt: horizontal durch die Mitte der Scheibe geht eine Achse, so daß das Fensterchen auch wagrecht gestellt und somit das Ventil benützt werden kann; denn oberhalb und unterhalb der wagrechten Scheibe kann Luft einbringen. Im Burgtheater nun hat man vielleicht diese Thüre samt bem oberhalb befindlichen Fenster zu schmal unb biskret gemacht, so baß sich die Thüre wohl wie eine stille Pforte ausnimmt aber nicht gerade zu einem Schlafkabinett. Tatsächlich hatte auch bas Galleriepublikum der^ General­probe biesen merkwürdigen Verdacht gegen bie Thüre unb was dahinter ist. Unb merkwürdigerweise bestärkte nicht nur bas Fenster aus getrübtem Glas, sonbern auch bie Dichtung biesen Verbacht immer mehr. Als nämlich der Bursche bes Leutnants Ruborsf bas geheimnisvolle Ge­mach zum ersten Male betrat unb schon nach kurzem Ver­weilen aus bemselben ging, ba machten sich die ersten Spuren von Heiterkeit kenntlich. Als aber später auch Leutnant Rudorff in das Gemach ging und es zufällig ebenfalls nach verdächtig kurzem Verweilen verließ, da konnte die Heiterkeit auf der Galerie nicht mehr an sich halten. Man brüllte! Auf der Bühne hatte man natürlich feine Ahnung, warum. Die für eine Tragödie gefährliche Stimmung des Galeriepublikums hätte vielleicht noch ange­halten, wenn nicht zufällig Kommerzienrat Schmitz bald darauf feinen Schwiegersohn Leutnant Rudorff fragen würde, wo er denn eigentlich fein Schlafzimmer habe? Nun kann der Leutnant auf diese Thür weisen uno seinem Schwiegervater die eigentümlich bescheidene Schlafftelle er­klären. Rudorff öffnete nun zur Freude der auf da- Merkwürdigste und Ueberraschendste gefaßten Galerie-Be­sucher zum ersten Male bie schmale Thür voll und ganz. Hier ist mein Schlafgema ch", sagt ber Leutnant ein kleiner Raum, ganz bunkel". Unb bamit man auch das verstellbare Fenster versteht, fügt Rudorff hinzu:Licht und Lust kommen einzig unb allein hier oben durch dies Fenster. Das ist verstellbar. Natürlich läßt maus den ganzen Tag offen". Nun wußte bie Galerie, woran ne sei, und bald machte tieffte Ergriffenheit bem heiteren Zweifel ein Ende.