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während des hies der Kas zu nah Flamme Abends völlig gerichtet * i
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die Saiten tönen:
„Lauscht dem, was die Welt erregt, Teilet ihre Sorgen
Und empfindet froh bewegt 3eben neuen Morgen.
Und wenn einst in Dunkelheit Ihr der Tag will schwinden, Sei's dann um die Rosenzeit Und die Zeit der Linden."
schreibt oie „Post" wieder einen langen Artikel darüber. Warum will man denn nicht anerkennen, daß eine „Mauserung" fortgesetzt stattftndet? Wer die revolutionäre Umsturzpartei so sehr haßt und für so gefährlich hält, müßte sich doch über jedes Zeichen der Umkehr freuen. Jene Leute wollen aber nicht sehen, weil sie ein Interesse daran haben, die „umstürzlerische Sozialdemokratie" immer wieder gxgen die Sozialreform auSzuspielen und zur Empfehlung von Ge waltmaßregeln, zur Unterdrückung jeder selbständigen Regung in der Arbeiterschaft zu verwerten.
Allein sie mögen noch so laut toben und noch so wüst alle beschimpfen, die an die „Mauserung" glauben, eine solche geht doch vor sich. DaS liegt überhaupt in der Natur jeder Partei, zumal einer radikalen. Jede ändert sich mii der Zeit, und die Partei, die an der Grenze des möglichen Radikalismus steht, muß sich naturnotwendig nach einer ge mäßigten Richtung hin entwickeln, wenn die Verwirklichung der extremen Grundsätze und Forderungen eine Weile auf sich warten läßt. So sehr wir aber von der Mauserung der Sozialdemokratie überzeugt sind, an eine baldige Spaltung glauben wir nicht.
liche gute Laune und vor allem warmes Gefühl. Er übertrug die „Ternieres chanions" jenes damals gefeiertsten und populärsten französischen Dichters ein Jahr nach dessen Tode, 1858, mit frischer Grazie ins Deutsche. Von Frankreich wandte er sich nach England unb Irland. Hier entstanden seine- anmutigen und lebensvollen Reiseschilderungen „Ein Herbst in Wales", „Die Insel der Heiligen" (Irland), „Tag und Nacht in London" usw. usw. Später folgten „Stilleben auf Sylt", „Diesseits und jenseits der Alpen", „Ein dänisches Seebad" (Helsingör), „Wiener Sommertage", um aus der langen Reihe seiner poetisch verklärten, zu Büchern gestalteten Reiseeindrücke die wesentlichsten herauszuheben. Es sind Wanderskizzen, Studien, historische Erinnerungen, Genre und Landschekftsbilder, alle herzhaft erquickend durch den warmen Anteil, den er an Landschaften und Mensck-en, Gebäuden und Geräten, an gegenwärtigen und namentlich an vergangenen Zuständen nahm. Hier sehen »vir, wie aus dem Schilderer von Land und Leuten allmählich ein Romandichter sich zu entwickeln begann. Manche seiner Schilderungen sind Gedichte in Prosa, und es entstauben auch einige der englischen Sage und Geschichte, zu der er sich besonders hingezogen fühlte, entlehnte novellenartige Idylle in Versen; andere seiner Reisebücher zeigten deutlich nach Anlage und Kern die Veranlagung des Erzählers für den Roman.
1861 kehrte Rodenberg nach Deutschland zurück und ließ sich dauernd in Berlin nieder, um sich dem redaktionellen Berufe zu widmen. 1862—64 gab er das „Deutsche Magazin" heraus, 1865—67 redigierte er das belletristische Beiblatt des „Bazar" und gründete darauf die Monatsschrift „Salon für Litteratur, Kunst und Gesellschaft". 1874 rief er nach dem Muster der „Revue des deur Mondes" die groß angelegte „Deutsche Rundschau" ins Leben. Noch heute nimmt diese Monatsschrift unter den deutschen Revuen die Führerrolle ein', und alle Bemühungen anderer, neuerer Zeitschriften haben sie ihr nicht streitig machen können. Freilich unsere Modernen liehen der Rodenbergschen „Deutschen Rundschau" nicht besonders sympathisch gegenüber, und es ist auch nicht zu verkennen, daß fie heute nicht mehr ganz den hohen Platz einnimmt, wie einst. Roden
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durch das Eingreifen des Reichskanzlers die Sache so befriedigend beigelegt ist. Uebrigens ist T<r. Reicke nicht Geistlicher, sondern Jurist. Er war juristischer Beirat des Berliner Konsistoriums.
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„Die Grandidiers, ein Roman aus der französischen Kolonie (1879, drei Bände), die prächtige Geschichte emes den Re- ugies entstammenden Berliner Hutmachers, ber nut Tros und Zähigkeit alles unter seinen Hut bringen will, ein vortrefflicher Roman aus dem Volke für dav Volk.
In diesem Jal)re erschienen in 6. Auflage seine „Lieder und Gedichte" (Gebr. Paetel in Berlin). Da zeigt sich seme dichterische Begabung wohl am vollkommensten, die leichte Anmut seiner sangbaren Sprache, seine Kunst geistreicher Pointierung, seine Gutherzigkeit, seine Liebesfähigkert und eine herzhafte Fröhlichkeit, sein Naturgefuhl und vor allem eine innige Liebe zur hessischen Heimat, zu den Bergen. Zu dem Ergreifendsten gehört der kleine Eyklus von Gedichten zum Gedächtnis seiner verstorbenen Arutter. Das letzte dieser Poeme (betitelt „In Memoriam", int Cotta- scheu Musenalmanach für 1899 enthalten, und in ber Neuauflage seiner „Lieder" merkwürdigerweise fortgelassen) de-
’ mit den Versen:
„O wäre noch ein Abend mir verliehen, Ter still und hell vom Lichte bessrer Zonen Und voll vom Widerhall der Melodien, Tie mit bcn Sel'gen in ben Sternen wohnen."
Wir wollen hoffen, daß ein solcher Lebensabend dem liebenswürdigen, empfindungsreichen, immer noch unermüdlich fleißigen Manne, bent heute noch als höchstes Gni eine lebensfreubige Anschauung zu eigen ist, beschieden sei. Zwar nahen ihm sich bie Tage, von denen, rote er selber einst aussprach, Menschen und Tiere sagen: „ste gefallen mir nicht". Aber noch hat seine Lebenssonne bte Kraft, Wolken zu zerstreuen, nod) fühlt seine Seele Lust, wenn
Aus Stadl und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist UUt unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Änr" gestattet.)
L.-U. Studentische Repr'äseutatiouskasse. Es haben sich früher wiederholt Schwierigkeiten ergeben, wenn es galt, die Mittel zur Deckung gemeinsamer Ausgaben der Studenten- fchast aufzubringen. Zu dem Zweck wird mit dem Beginn bes nächsten Semesters eine „studentische RepräsentationS koste" gegründet werden, wozu auf den Kopf der Studenten' schast und für das Semester 1 Mk. erhoben werden wird. Es soll so die Möglichkeit geschaffen werden, die Kosten für Vertretung der Studentenschaft nach außen hin zu decken für gemeinsame Aufzüge, allgemeine Kommerse u. dgl. m. Später hofft man auch eine akademische Lesehalle damit ins Leben rufen zu können.
•* Personal Nachrichten. Der Gr o ßherzo g hat den Stationsassistenten bei der Main Neckar-Eisenbahn, Emil Horn, zum Stationsassistenten bei der Station Darmstadt dieser Bahn, den Stationsgehilfen bei der Main-Neckar- Eisenbahn, Ernst Völger aus Arheilgen, zum Stationsassistenten bei dieser Bahn ernannt. — Versetzt wurde der Dammwärter Heinrich HaaS zu Frei-Weinheim in den Dammwärterbezirk I mit dem Wohnsitz in Wimpfen, der Dammwärter Wendel Krauß zu Lampertheim in den Dammwärterbezirk IX mit dem Wohnsitze zu Biebesheim. — Er> nannt wurde am 19. Juni der Schutzmann in Worms, Georg Schnellbächer, zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Worms.
-1- Heuchelheim, 24. Juni. Gestern feierte der Gesangverein „Liederkranz" das 30jährige Stiftungsfest. Erschienen waren die Gesangvereine „Germania" und „Teu tonia“. Um 3 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die OrtSstraßen. Am Festplatze, oem schön geschmückten Garten deS Gastwirts Ludwig Steinmüller, angekommen, begrüßte der Dirigent des Vereins, Lehrer Wolfschmidt, die Erschienenen und hielt die Festrede, die in einem Hoch auf den Gesang gipfelte. Den Gesangvereinen „Germania" und „Teutonia" wurden ErinnerungSblätter überreicht. Hierauf knüpfte einer der Gründer des Vereins, Beigeordneter Volk mann, mit einer kurzen Ansprache eine von den Ehren Mitgliedern des Vereins gestiftete Fahnenschleife an die Fahne. ES folgten nun Liedervorträge der Vereine im Wechsel mit Konzertstücken der Kapelle, bis dann gegen halb 6 Uhr auch die Tanzlustigen zu ihrem Rechte kamen. Am Abend war der Festplatz elektrisch beleuchtet.
M. Mufchenheim, 25. Juni. Nächsten Sonntag findet hier das Bezirksfest des Kriegervereinsbezirks Lich statt. Zugleich feiert der hiesige Kriegerverein sein 25jährigeS Bestehen. Zahlreiche Vereine haben bereits ihr Erscheinen zugesagt. Bei dem Feste wird der Vorsitzende deS Bezirks Lich, Herr Blei aus Nieder-Bessingen, an die Kriegervereine Muschenheim, Langsdorf, Ettingshausen und Nieder-Bessingen anläßlich ihres 25jährigen Bestehens Gedenktafeln überreichen. Auch erhalten drei ältere, treue Mitglieder deS Bezirks Ge denkblaitec.
e. Friedberg, 24. Juni. Unsere Stabt bereitet sich vor, um das großartige Fest, die Einweihung der wieder- hergefiellten evangelischen Stadtkirche würdig begehen zu können. Schon am Bahnhof trifft der Fremde Handwerksleute, die anstreichen und ausbessern; so ist auch das Fürstenhäusd>en neu angestri-chen worden, benn das Großherzogliche Paar hat sein Eintreffen zur Einweihung der Stadtkirche am 26. Juni zugesagt, ebenso auch; der Staatsminister Rothe, sowie bas Ober-Konsistorium und Mitglieder der Ersten und Zweiten Kammer der Stände. Auf den Straßen wird das Pflaster ausgebessert und die große und breite Kaiserstraße ist in Rauchwolken eingehüllt, weil dort noch schnell der Rest des Asphalttrottoirs fertig zu stellen ist. Morgen sind dann die Hauptstraßen mit
Asphalttrottoir versehen und die Nauheimer Kurgäste, die gexn uns besuchen und hier speisen und Aepfelwein trinken, können bequemer herumspazieren. Architekt Hubert Kratz ist mit seinen Reiiovierungsarbeiten ber Kirche fertig. Gegen wärtig sind zahlreick)e Arbeiter auf dem Platze vor ber Kirche mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt; hinter ihnen rücken sogleich andere Leute heran, die den Platz planieren. Tie Schmückung der Stadt dürfte sehr vornehm und reich werden, denn alle Konfessionen werden den 26. Juni in Ehren halten und sich an der Feier beteiligen. — Am 1. Juli erhält Friedberg eine Reichsba n kneben st e l l e in dem Trapp scheu Hause an der Kaiserstraße, für den 6. August ist die Einweihung des neu erbauten Hauses für bas Gymnasium, eines schloßartigen Gebäudes int Burgstil, festgesetzt. Anfangs Juli wird die neue Bahn- l i n st e Friedberg —Homburg dem Betriebe übergeben; der Tag der Eröffnung ber Bahn, auf die unsere ganze Gegend wartet, konnte noch nicht bestimmt werden, da noch einige wichtige Arbeiten an einer Brücke nötig waren. Am 12. Juni hat der Großherzog die Vereinigung des Torfes Fauerbach mit der Stadt Friedberg genehmigt und im Herbst wird hier die Städt- orduung eingeführt, weshalb man jetzt schon duf dec Suche nach einem passenden Bürgermeister ist. Das sind viele Neuerungen auf einmal! Tie Friedberger sehen es aber auch mit Stolz, daß die alte Kreisstadt, die einst mit Frankfurt, a. M., Gelnhausen und Wetzlar den Bunb der vier Wetterauer Reichsstädte bildete, jetzt wieder mächtig im Zeichen des Aufschwungs steht. Tie Gemeinde Friedberg schafft anhaltend für das Wohl ihrer Bürger. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, auf ber Seewiese einen neuen Kinderspielplatz anzulegen und mit Bäumen zu bepflanzen; überhaupt sollen die In gen d- spiele mehr gepflegt werden. Manche Hausfrauen wünschen jetzt eine praktischere dlbfuhr des Kehrichts. Ter Gemeiuderat, in dem sehr tüchtige und verständige Männer sitzen, will auch ben Wünschen der lieben Hausfrauen zart entgegenkommen, wie er überhaupt beständig für Verbesserungen aller Art sorgt. In finanzieller Hinsicht ist das freilich nicht so leicht, denn bie Einnahmen der Stadt setzen sich nur aus kleinen Teilen zusammen und da heißt es haushalten. „ u _ *■<
§ Schotten, 24. Juni. Im Hochsommer ist das Waffer- quantum der Nidda manchmal äußerst gering. Da bie Telegraphenstangen. Imprägnier - Anstalt zur Speisung des Dampfkessels auch der Nidda noch Wasser entnahm, so erblickten hierin mehrere Müller oberhalb der Stadt eine Schädigung ihres Betriebes und wandten sich beschwerdeführend an die zuständige Behörde. Bor einigen Tagen erhielten die Kläger von der Direktion des Unternehmens eine Entschädigungssumme von 1700 Mk. ausbezahlt. Wie verlautet, haben einige Müller im oberen Niddathal ebenfalls Beschwerde wegen Wassermangels, der durch Füllung der MeßbasfinS deS Frankfurter TiefbauamtS verursacht wird, beim kiesigen Kreisamt eingereicht.
—r. Tübingen, 24. Juni. Gestern fand hier, vom schönsten Wetter begünstigt, das 2 2. Kirch en g es an g fest statt, unter Beteiligung ber Kirchengesangvereine von Büdingen, Friedberg, Lick), Ober-Mockstadt, Ortenberg, Schotten und Wenings. Nachdem die gegen 10 Uhr hier eingetroffenen Vereine unter Vorantritt des Ober-Mockstädter Posannen- chores zur Kirche geleitet worden waren, fand hier die Generalprobe statt, unter Leitung des Kirchenmusikmeisters Prof. Mendelsohn aus Tarmstadt. Darauf folgte unter dem Vorsitz des Ministerialrates Ewald die Hauptversammlung der Vertreter der hessischen Kirchengesangvereine, ^er Präsident des hessischen Kirchengesangvereins, Geh. Staatsrat Hallwachs Exz. war leider durch Unwohlsein verhindert, zum Feste zu erscheinen. Um l-alv 3 Uhr fand der Festgottesdienst in ber Stadtkirche patt. An Chören kamen zum Vortrag: „Sollt ich meinem Gott nicht singen" von I. Swop 1641, „Schaffe in mir Gott ein reines Herz", von G. Winter 1648, „Aus tiefer Not", Melodie 1524, ,/Somm o mein Heiland", Mel. 1704, „Mir nach spricht Christus , Mel. 1628, Nur freut euch lieben Christen Gemein", Mel. 1524, „Wie schön leuchtet der Morgenstern", Mel. 1599, ,'.Schönster Heil Jesu, Tonsatz von F. Bender. Tie Altarliturgie hielt Pfarrer Schaefer, die Festpredigt hielt an Stelle des burd) Unwohlsein verhinderten Stiftspfarrers Weber aus Lich, Pfarrer Goebel
Politische Tagesschau.
Die Frage, ob es gesetzlich zulässig sei, nach dem Urteilsspruche int Gumbiuner Mordprozeffe den Sergeanten Hickel in der Untersuchungshaft verbleiben zu lassen, wird noch immer heiß umstritten. Von hohem Jntereffe muß es somit sein, zu erfahren, auf welchem Rechtsboden der Gerichtsherr Generalleutnant v. Alten sich gestellt hat. Bon wohlunterrichteter Seite wird darüber aus Insterburg mitgeteilt:
In militärischen Kreisen gilt zurzeit der bäuerische Generalauditeur v. Koppmann als maßgebender Kommentator des neuen Militärstras- gcsetzes. Herr v. Koppmann aber sagt über § 179 des Gesetzes, der die Aufhebung der Haft im Falle der Freisprechung aufhebt: „Wenn nach der Aufhebung der Untersuchungshaft eine neue gesetzliche Veranlassung (S 176 Nr. 2—4) als Fluchtverdacht, Aufrechterhaltung der Disziplin, Kollusionsgefahr rc. für die Haftnahme sich ergiebt, so ist die Wieder Verhaftung durch einen neuen Haftbefehl nicht ausgeschlossen. Auch im Falle der Freisprechung dürfte deshalb erfolgter Aufhebung der Untersuchungshaft einer Wiederverhaftung nicht entgegenstehen, wenn nach Einlegung des Rechtsmittels der Berufung ein gesetzlicher Anlaß zur Erlasiung eines neuen Haftbefehls sich ergiebt, z. B. Kollusion der in der Berufungs instanz aufgebotenen Zeugen oder dringender Verdacht der Flucht, indem nach Einlegung des Rechtsmittels durch den Gerichtsherrn (auch ohne neue Verdachtsgründe oder Beweismittel in Bezug auf die Anklage) der Angeklagte, die diesmalige Verurteilung besorgend, seine nunmehrige Freilassung benutzend, Zurüstungen zur Flucht trifft."
Neber ben Fall des Konsistorialrats Dr. Reicke, ber in ber Presse so viel Staub aufgewirbelt hat, erfährt man noch folgenbes: Es gab sofort eine ganze Anzahl einflußreicher unb maßgebenber Männer, bie nach bem Bekauntwerbeu ber angeblichen Strafversetzung be§! Tr. Reicke nach Königsberg keinen Hehl daraus machten, daß biese bie schwersten Bedenken Hervorrufen müßte. Es sei nicht zu fassen, baß ein Mann, ber für bas Berliner Konsistorium nickst geeignet sein sollte, für bas Königsberger genügen könnte. Tiefe Anschauung hat auch ber Reichskanzler geteilt. Seinem Eingreifen ist zu verdanken, baß Tr. R. nicht nach ber Stabt ber reinen Vernunft geht. Tr. Reicke hat ben maßgebenden Faktoren - wieberholt erklärt, baß er bie Versetzung nach Königsberg als eine unoerbiente Strafe betrachten müsse. In wie weit burd)' bie jetzt zurückgeuommene Versetzung bie Stellung bes Staatssekretärs Grasen Posadowsky erfdjüttert fein sollte, ist unverständlich, dagegen kann das Eingreifen des Reichskanzlers am preußischen Kultusministerium nicht spurlos vorübergehen. Tr. Studts Stellung war bekanntlich nie fest und wenn auch durch ihn die Versetzung nicht direkt beantragt worden ist, so kann man ihn doch nickst ganz von der Mitwirkung freisprechen. Taß Dr. Reicke eine Schulratsstelle im Westen der Monarchie abgelehnt hat, ist richtig. Eine Stellung im Reichsversicherungsamt war nicht frei'; er wird daher, wie wir bereits mitteilten, eine solche in dem neu zu begründenden Aufsichtsamt über Die Privatgesellschaften erhalten, und damit werden sich die Wellen'wieder legen, die der Fall Reicke hervvrgerufen hat. Es wird allgemeine Genugthuung Hervorrufen, daß
berg ist alt geworden unb Titular-Professor, er bringt ben Bestrebungen unserer dichtenden Jugend, unseren modernen Romanciers, den Wolzogen, Polenz, den Hart- ’ eben, Bierbaum usw. nicht bas gleiche Interesse entgegen wie einst Gottfrieb Keller, Theobor Storm, Konrab Ferb. Meyer, Th. Fontaue, Paul Heyse, der Ebner-Eschenbach usw. Daß er aber diese Größen ber beutschen Roman-Dichtung rühzeitig zu würdigen versianden hat, baß er sie burd) eine Zeitschrift einem größeren Publikum bekannt machte, >as ist eins seiner hervorragendsten Verdienste.
Mit seinen eigenen Romanen hat Rodenberg nicht das gleid)e große Glück gehabt. In ben siebziger Jahren schrieb er „Tie Straßensängerin von London", „Die neue Sünd- tut", „Von Gottes Gnaben", später „Tie Grandibers", ,Klostermanns Grundfttick" u. a. Man verkennt nicht in einer breiten, gemütlichen Scknlderungsart, bie oft vom Thema ab weicht, aber gerade in diesen Abweichungen ihre intimsten Reize offenbart, eine gewisse Aehnlichkeit mit Tickens, bisweilen auch mit Washington Irving, mit Thacke- ray und Scott. Er vereinigt in diesen seinen größten Werken zarte, diskrete Empfindung mit realistischer Detailarbeit, scharf pointierte, lebendige unb wirksame Charakteristik mit elegischen Träumereien. Auch in ihnen steckt noch ein wenig vom Romantiker, wenn ihn and) zumeist ein ausgeprägter Wirklichkeitssiun fest auf ber Erde unb am Gegenstänb- lichen hält. Seine MensckMi sinb immer warmblütig, sinnlich lebendig, psyd>ologisch wahr. Er, der einstige Dichter des „Dornröschens", hat etwas von Moritz von Sckfwiud, mehr aber nod) von der Schalkhaftigkeit, dem guten Humor des alten Karl Spitzweg an sich. Mitten im rauschenden Leben unserer Zeit, im Trubel Berlins, das er mit fast Fontanescher Meisterschaft zu schildern versteht, bewahrt er sich dock) das frohe Behagen des hessischen Kleinstädters an den Bildern einer engumgrenzteu Welt, an stillen Gäßchen unb Wiukelchen, an grillig wunderlichen Baulichkeiten. Tabei seine besondere Liebe für das alte, nun ganz und gar verschwundene Berlin C., für den Cöllni- schen Fischmarkt, ben einstigen Michlendamm usw. Sein bekanntester, sehr lesenswerter R-mmi, der alle diese Eigentümlichkeiten Rodenbergs am besten in sich vereint, sind


