daher höchst lohnende Sorte für die einzelnen Lagen festzustellen und zu verwenden.
Ter russische Eingeborene zeigt überaus wenig Neigung, der ihm gesetzten Aufgabe gerecht zu werden. Er überläßt die Kultur den eingewanderten fremden Unterthanen, ohne von ihnen zu lernen, und in der Folge muß er den Boden unter den Füßen verlieren. Trotzdem könnten geeignete Kräfte den Tabakbau auf die ihm gebührende Höhe in den südlichen Provinzen Rußlands bringen und die Jn-§ teressen der Landwirtschaft mit denen der Industrie zusammen fördern.
lieber die deutschen Taba kpflan^ungen im Innern Rußlands entwirft der Bericht des Landwirtschaftlichen Sachverständigen ein im ganzen trübes Bild. In den deutschen Siedelungen der Provinz Samara befindet sich das Tabakland durchweg an einer besonderen Stelle, die von der Gemeindeverwaltung für Wassermelonen, Gemüse- und Tabakbau Vorbehalten und aus den bestgeeigneten Feldern gewählt wird. Jeder Hofbesitzer hat seinen bestimmten Anteil an dieser Fläche, die je nach Bedarf von Zeit zu Zeit verlegt wird. Vielfach wird der Tabak auch auf dem Gartenland untergebracht. Im Herbst wird ungedüngt gepflügt und während des Winters Dung auf das Tabakfeld gebracht, soweit dies nicht infolge von Mißernten unmöglich wird. In der ersten Hälfte Juni werden die Pflanzen meist auf 50 bis 55 Ctm. im Geviert gesetzt. Die weiteren Feldarbeiten unterscheiden sich wenig von den in Deutschland üblichen.
Wenn die Gärung beendigt ist, wird der Tabak zum Verkauf gestellt. Die wenigen Aufkäufer verteilen den Tabak unter sich und bezahlen in den letzten Jahren höchstens 13 Mk. für 1 Doppelzentner. In der Regel macht der Käufer bei der Abnahme noch Geschenke, deren Wert den oben genannten Preis auf vielleicht 15 Mk. erhöht. Nimmt der Bauer den ihm gebotenen Preis nicht an, so bleibt er gewöhnlich selbst Besitzer des Tabaks und auf alle möglichen Schleichwege angewiesen, um später noch irgend eine Verwertung zu erzielen. Als mittleren Ertrag darf man 10 D-Zentner vom Hektar rechnen. Diese brachten früher eine Einnahme von etwa 400 Mk. und dem Pflanzer eine volle Bezahlung aller Leistungen. Der heutige Preis macht jeden Reinertrag unmöglich. Der Anbau selbst erhält sich nur deswegen, weil der deutsche Siedler der Pfeife bezw. der selbst gedrehten Zigarre treu geblieben ist und seinen eigenen Tabak nicht vermissen will.
Deutsche Ansiedler bauen ferner einen höherwertigen Tabak in der Provinz Tschernigoff, doch ist hier die angebaute Menge zu gering, um Beachtung beanspruchen zu können.
Umversüäts Nachrichten.
Geh. Rat Prof. Dr. E. v. MartenS, der berühmte Eonchy liologe der Berliner Universität, feierte seinen 70. Geburtstag. Dem Jubilar wurde von seinen Kollegin vom Zoologischen Museum eine Festschrift gewidmet. — In Heidelberg ist der älteste Mediziner Deutschlands, Medizinalrat Dr. Würth, in sein 97. Lebensjahr etn- getreten. — An der Universität Freiburg i. B. hat sich Dr. Wolf Müller für bei Fach der Chemie habilitiert. — An Stelle des nach BreSlau berufenen Professors der Philosophie in der katholisch theologischen Fakultät der Universität Freiburg t. 23., Dr. Marlin Baumgartner, ist der Privatdozent der PHUosophie an der Uui versttät München, Dr. Adolf Dyroff, zum a. o. Professor de: Philosophie an der Freiburger Hochschule und zwar in der philosophischen Fakultät ernannt worden. Dr. Dyroff hat hauptsächlich auf dem Gebiet der Geschichte der griechischen PHUosophie gearbeitet und ist, wie aus seinem Auftreten auf dem Münchener katholischen Gelehrten- kongreß erhellt, ein „gläubiger Philosoph". Mit dieser Entscheidung in der vielumstrittenen Besetzung hat dnS badische Zentrum gesiegt. — Profeffar Dr. Kümmel In BreSlau hat den Ruf an die Straßburger Hochschule all Nachfolger Kuhns abgelehnt. — Gebeimerat Profeffor Engler, der Direktor deS Berliner Botanisch« Gartens, der sich noch auf einer größer« wissenschaftlich« Reise nach den kanarisch« Inseln befindet, wird am 9. Mat sein Amt wieder en tret«. — Die Universität Ba sel hat mtt der Unfall« und Hastpfltcht- Ve'ficherungs-Gesellschaft „Zürich" ein« Vertrag abgeschlosstn, ba mtt Beginn deS Sommersemesters in Kraft tritt und Studenten wie Assistenten Versicherung geg« körperliche Unfälle beim Studium gewährt. Jeder in einem medizinischen oder naturwissen schastlich« Uaiversttätstnstttut arbeitende Studmt oder Asfist«t hat für die Sewesterdauer 1 Frank« zu entrichten, um für diese Zeit der Versicherung tellhastig zu sein.
Eisenbahn Zeitung.
Vilbel, 17. April. Die Bahn von Vilbel nach Frankfurt-Ostbahnhof wird bekanntlich auch von Frankfurter Seite, besonders von den Bewohnern des Ostends, lebhaft gewünscht, da eine direkte Linie Stockheim—Frankfurt nicht mehr in Aussicht steht, vielmehr der Verkehr von Stockheim über Vilbel nach Frankfurt geführt werden soll, wobei dem Vernehmen nach ein Umsteigen in Vilbel nicht erforderlich sein wird. Beim völligen Ausbau aller in unserer Provinz geplanten und von den Ständen bereits bewilligten Nebenbahnen wird dann ein bedeutender Teil des östlichen Oberhessens (Lauterbach, Herbstein, Gedern, Ortenberg, Altenstadt u. a. m.) fast gradlinig mit Frankfurt verbunden sein. Von Vilbel selbst würde nur etwa die Hälfte der Bahnfahrt, d. h. 10—15 Minuten, zur Erreichung Frankfurts nötig sein; Bergen und Seckbach würden Stationen erhalten. Daß radurch der Verkehr Frankfurts (und besonders seines Ostteiles) sehr zunehmen wird, dürfte zweifellos sein. Ter Frankfurter Landtagsabgeordnete Sänger hat nun in einer
dortigen Versammlung seine Ansicht dahin ausgesprochen, daß in der nächsten Session des preußischen Landtags u. a. vielleicht auch die Bewilligung der Mittel für die Bahn Vilbel-Ostbahnhof zur Beratung kommen werde. Voraussetzung dürfte unseres Erachtens das Zustandekommen der Bahn Stockheim-Vilbel sein. Diese begegnet zwar, wie der Präsident des Großh. Finanzministeriums neulich in der Zweiten Kammer mitteilte, in Hessen keinerlei Schwierigkeiten mehr. Tagegen haben die preußischen Gemeinden statt 178 000 Mk. erst 148 000 Mk. zur Geländestellung bewilligt, die restlichen 30000 Mk. zuzuschießen wurde vom Kreistag des Landkreises Hanau abgelehnt. Dennoch hofft man, daß diese verhältnismäßig geringe Summe noch auf gebracht werden wird und die von vielen Orten Oberhessens, die noch ohne jede Bahnverbindung sind, lebhaft ersehnte Bahn endlich gebaut werden kann.
Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen.
15. Woche. Vom 7. H8313. April 1901.
Etmoobnerzechl: angenommen jn 25 560 (tncl. 1600 Mann Militär) StervUchkvttlztffer: 16,06, nach Abzug der Drtefrcmb«;i2,09»/».
ES starben an: Zusamm«: Erwachse«: tat vom
Anm. Die in Klammern gesetzt« Ziffern geb« an, wie vier bet Todesfälle ta bet betreffend« Krankheit auf von auswärts «ach Gieß« gebrachte Kranke komm«.
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr^
Lungmschwtabsucht
2(D
2 (1) -
Lungenentzündung
1
1 — —
LredS
1
1 — —
Altersschwäche
2
2 — —
Gehirnerweichung
1
1 — —
Verunglückung
1 (1)
1 (1) -
Summa:.
8 (2)
8(2) - -
Ungeachtet gewaltigen Wettbewerbs behauptet die
Tflielensderfer
ihren wohibegründeten Ruf als einfachste, darum zuverlässigste, dabei dauerhafteste und handlichste
zfchreibmascfiine.
Preis der No. 5: Mk. 160-, der No. 7: Mk. 226,—.
Ausführliche illustrierte Kataloge und Anerkennung^ schreiben durch die
BvfchVscke Druckerei, Giessen,
Schulstrasse 7.
Bekanntmachung.
Die Rechnung der Stadt Gießen pro 1899/1900 nebst Verwaltungsbericht, sowie die Rechnung des städtischen Gas und Wafferwerks und die Rechnung des Stadterweiterungsfonds für 1899/1900 liegen in Gemäßheit des Art. 87 der Städte« ordnnng während acht Tagen auf dem Bürgermeisterei-Bureau — Zimmer Nr. 15 — zu Jedermanns Einsicht offen. Bemerkungen zu denselben können in der angegebenen Frist daselbst eingereicht werden.
Gießen, den 19. April 1901. 8041
GwßherAogliche Bürgermeisterei GäeHerk. Mecum.
Bekanntmachung.
Verschiedenes städtisches Gelände, nämlich:
1 Stück Gelände auf der Stephansmark,
S Abteilungen Gelände auf dem Hamm bei der Neumühle, und 10 Abteilungen Gelände auf dem Seltersberg bei der Mar» garetenhütte
soll Donnerstag de« 25. d. MtS., nachmittags vo«
S Uhr an, öffentlich verpachtet werden.
Die Zusammenkunft ist am Eck der Bismarck- und Stephanstraße.
Gießen, den 19. April 1901. 3040
GroßherAogliche Bürgermeisterei tSietzen.
Mecum.
llrrgthang vonKMtlltmarbeilku.
Die zur Erbauung einer gewölbten Lahubrücke bei Ruttershausen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen und zwar:
1. Abbruchsarbeiten, veran
schlagt zu 550.— AL
2. Steinhauerarbeiten, veranschlagt zu 34 500.— AL
3. Erd« und Maurerarbeiten, veranschlagt zu 8900.— AL
4. Zimmerarbeiten,veranschlagt zu 14 000.— AL
5. Materiallieferungen (Bruch steine, Kleinschlag, Sand, Gement und Kalk), veranschlagt zu 12 900.— AL
6. Errichtung einer Notbrücke, veranschlagt zu 750.— AL
sollen DieuStag, 7. Mai l. I, vormittags IO Uhr im Amtszimmer des Unterzeichneten , woselbst Voranschlag, Zeichnungen und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, öergeben werden.
Schriftliche Angebote find bi« zum gleichen Termine daselbst abzugeben.
Gießen, am 18. April 1901. Der Großh. Krelsbauinspettor.
Stabl. 3039
Versteigerung.
Aiknstas, 23. April d. I., «achmittag- 2 Uhr verfieigere ich Reustadt 55 dahier gegen Barzahlung r
i. diverse Kolonialwaren al» Kaffee, Zucker, »eise, Rudel«, Thee, Stärke, Bleich»Soda, Waschpulver, Cichorien, «alg- kaffee, Salat- und «hristast- Del, Weinessig, «hokolade, Cacao, Tigaretten, 8 Klaschen Cognac, eiserne» Petroleum- Fatz mit Pumpe, 1 Salatöl-, 1 Rüdöl» u 1 Petroleum Be hälter je mit Metzapparat u. dergl. m., fernst ein russisches Billard und ein Fahrrad.
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Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt statt.
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