Nr. 301
Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
Sonntag 22. Dezember 1901
Erscheint täglich mü Ausnahme des Montags.
Die Eichener Zamilien. blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den .Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
GietzenerAiMiger
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Annahme von Lnzetae« au der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Dermitt- lungsstellen deS In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen.
Zeilenpreis: lokal 13 Pf* auswärts 20 Psg.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen UnwersitätS - Druckerei (Pietsch Erben).
Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: HanS Beck.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schul- zeugniffe die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam genracht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne weiteres zurückgegeben werden.
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungß-Kom- Mission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Grohherzogtum gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre und muff spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgcsucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.
Ter Nachweis- der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. (Wenn z. B. mit Rücksicht auf das Lebensalter die Einreichung des Gesuches nicht weiter hinausgcschobcn, das vorschriftsmäßige Schulzeugnis aber erst am Schlüsse^des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugnis bis 1. April nachfolgen werde.
L. Tas Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Aktenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adreffe anzugeben.
4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilstands-Register, nicht Taufschein).
b) Tie Einwilligung des gesetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für die Dauer des einjährigen Dienstes die Sxoftcit des Unterhalts, mit Einschluß der Kosten der Ausrüstung, Bekleidung und Wohnung von dem Bewerber getragen werden sollen; statt dieser Erklärung genügt die Erklärung des geschlichen Vertreters oder eines Dritten, daß er sich dem Bc- werber gegenüber zur Tragung der bezeichneten Kosten verpflichte rind daß, soweit die Kosten von der Mili- tärverwaltung bestritten werden, er sich dieser gegen- übcr für die Ersatzpflicht des Bewerbers als Sclbst- schuldncr verbürge.
Die Unterschrift des gesetzlichen Vertreters und des Tritten, sowie die Fähigkeit des Bewerbers, des gesetzlichen Vertreters oder des Tritten zur Bestreitung der Kosten ist obrigkeitlich zu bescheinigen, lleber- r.imtnt der gesetzliche Vertreter oder der Tritte die in vorstchendein Absätze bezeichneten Verbindlichkeiten, so bedarf seine Erklärung, sofern er nicht schon kraft des Gesetzes zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet ist, der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung :
c) ein Unbefcholteuheitszeuguis, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober- Realschulen', Progymnasien, Realschulen, Realpro- gynmasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen Militärberechtigten Anstalten) durch den Direktor der Anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;
d) das Schnlzeugnis.
Sodann wird noch besonders bemertt:
zu poe. d) daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämtlich nach Muster 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. No
vember 1888 — Ncg.-Bl. Nr. 27 von 1894 — ausgestellt sein müssen.
Im übrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.
Grotzh. Prüfungs-Kommission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt.
Der Vorsitzende: Wick.
Bekanntmachung.
Tie Benutzung des Cchwcincmarktplatzes und verschiedener anderer Plätze zur Förderung des in der Lahn gewonnenen Eises soll für den lausenden Winter
Samstag den 21. Dezember, vormittags 11 Uhr, an Ort und Stelle öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 18. Tczcmbcr 1901. 8271
Großherzogkiche Bürgermeisterei Gießen.
_______________________________ M c c ii m. _______________________ _
Bekanntmachung,
betreffend: Die Erhebung des Octrois von Getränken in der Provinzial-Hanptstadt Gießen.
Nach Beschluß der Stadtverordneten-Bersanunlung wird mit Genehmigung Grosch. Ministeriums des Innern die Erhebung des Octrois von sämtlichen Getränken vom 1. Januar 1902 ab den städtischen Octroihebestellen überwiesen.
Tic von auswärts eingesührten oetroipflichtigcn Getränke sind daher vom genannten Zeitpunkte ab wie die übrigen octroi- pslrchtigen Gegenstände von den Einbringern an derjenigen Oclroi- hebestelle, an welche sie zuerst gelangen, oder welche der Behausung, in ivelche das Getränk eingesührl werden soll, zunächst liegt, anzumclden und sofort zu versteuern.
Tie mit der Eisenbahn eingehenden oetroipflichtigen Getränke sind sofort bei der Eitrfuhr vom Bahnhose in die Stadt von den Empfängern oder deren Beauslragten (Spediteuren,Tienstmännern, Tienslboten u. dcrgl.) an den Hebestellen Celterslhor oder Ncu- städterthor anzumelden und zu versteuern. Kann die zu versteuernde Cache bei der Einfuhr nicht nach Art und Menge genau angegeben werden, so erhält der Einbringer einen Transportschein, welcher vom Empfänger binnen 2 Tagen unter Vorlage der betreffenden Frachtbriefe, Faßlislen, Rechnungen n. dcrgl. zwecks Feststellung der alsbald zu entrichtenden Abgaben an derjenigen HcbesteUe, welche den Transporlschein ausstellte, einzureichen ist. Bei verspäteter Vorlage der Transportscheine und bei verspäteter Zahlung der "Abgabe tritt wie seither Ordnungsstrafe von 1 bis 5 Mark gegen den Empfänger ein.
Von dem im Oelroigcbiete hergestellten Branntwein und Bier wird das Octroi aus Grund der von Großh. Hauptsteueramt Gießen geführten Bücher rind Ncgistcr nach Ablaris eines jeden Kalender-Vierteljahres durch den Oetroi-Inspettor festgesetzt und zur Erhebung an die von uns bestimmte Octroihcbestelle überwiesen.
Tas von den Wei,i° und Obstwein-Produzenten, den Wein- rnid Bräunt,veiii-Großhändlern zu entrichtende Octroi wird ebenfalls drirch den Octroi-Inspektor auf Grrmd der bestehenden Bestimmungen noch vorheriger Kontrollierung der hergestellten Mengen oder nach vorheri^r Prüfung der cingcreichten Buchauszüge über den Verkauf innerhalb des Octroigebietes festgesetzt und zur Erhebung an die von uns bestimmte Octroihebeftelle überwiesen.
Gießen, den 18. Dezember 1901. 8268
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
________________________F. V.: Wolff.________________________
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur ösfcnllichcn Kenntnis gebracht, daß Sonntag ben 22. und Mittwoch den 25. d. Mts., vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, im Wcihnachts- vcrkehr cintrcffende AuSlandsscndungcn in unseren Geschäftsräumen zollamtlich abgesertigt werden können.
Gießen, den 21. Dezember 1901. 8285
Großherzogliches Hauptsteueramt.
Weissenbru ch.
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Stadt Grimberg für das Fahr 1902/03 liegt vom 23. Dezember 1. Js. ab acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgcr- meisterei-Büreau dahier offen.
Grün berg, den 19. Dezember 1901.
Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg.
Zimmer, 8287
e volle Schuld an dem Nichtzustande- messe. Es würde den Wünschen und fett bezw. Unthätigkeit der Regierung m die Erste Kammer den Antrag ihres
g-Büdingen zieht hierauf seinen An-
zu Hernsheim wünscht eine andere nenden Standpunktes der Ersten Kammer
wat Michel bittet, dem Antrag auf enthalbahn nur zur Zeit keine Folge tliegern an der projektierten Bahn doch bzuschneiden.
g findet dann der Ausschußantrag An-
noch auf der Tagesordnung stehenden 2 Kammer ohne Debatte den Beschlüssen ei; die Regierungsvorlage betr. Staats- x und Oldenburg wegen Vertriebes der adcslotterie in Oldenburg findet gleich- sine.
f) das Haus auf unbestimmte Zeit.
ng 11 Uhr._________________________
sche Tagesschau.
ie Kunstrede des Kaisers
(oben und von unserem eigenen Standen, liegen nur wenige Preßsttmmen eundliche Berliner „Germania" denkt h daraus Kapital zu schlagen. Sie Icoderne feindliche Stelle hervor und
daß der Kaiser die „sogenannten en und Strömungen" in der Kunst ers erfreulich aber, daß er von der solle „mithelsen, erzieherisch auf das sie solle „auch den unteren Ständen nd Arbeit die Möglichkeit geben, sich teber aufzurichten". Der Kaiser Wilk n, „die erhebt, statt daß sie in den t". Diele Worte des Kaisers enthalten .g an die ganze deutsche Kunst und die berufen sind, mitzuhelfen, daß ch auf das Volk einwirke, aber auch die Kunst in den „Rinnstein" der niedersteige. Die Erinnerung an die gt sich hier unwillkürlich auf, und on über diese Kaiserrede wird wohl egenheit bieten, diese'Gedanken weiter ’yC freundlichen Parteien denkt die wenn sie schreibt:
at über Kunst, Kunstübung und Kunsv- :sönliche Ansicht ausgesprochen. Tie n zu gleichen Auffassungen bekennen, t zujubeln." lieber die andere Partei t: „Die anders meinenden werden den sein."
• r r.", der sich stets sehr gemäßigt iesem Fall offen aus, daß die der
der Jachenau, jenem einsamen Wald- gries am Jnnflusse nach dem Walchen- schönes Radelthal — teils auf dem 'pielt und das Publikum sehr zu be
bte Kunst durch die Bauerndarsteller t Seen gewinnt, habe ich schon in 'esprechungen der Schlierseer Abende m, unbewußt und unbeabsichtigt, auf bei, dem Realismus in der Kunst t, indem sie uns Volksszenen bieten, wch eine vortreffliche, ja mustergiltige .ändlichcn Sitten und Gebräuche unoer- nmen, wenn die Daxsteller sich so recht : Beziehung erinnern sie an die ver-
luv ia) Mw oocy Oie sw eie Stimmung, die die Tegernseer wachrufen selbst mit einer so beinahe grotesken Symbolik und so erz-hausbackenen Moral. Man sieht auch aus diesem Erfolg der Tegernseer so etwas von großdeutscher Brüderlichkett.
Die gute Darstellung trug zu dem Erfolg wieder wesentlich bei. Die Sklavenmoral Petrucchios gegenüber dem schönen Geschlecht kommt in dem Stück der wandernden Komödienspieler von Tegernsee in der Person des Flosser- Martl von Lenggries zur Geltung, freilich lange nicht in der rücksichtslosen Weise Shakespeares, immerhin aber in eindrucksvoller Weise, und für die richtige Wirkungder Zähmungskur ist Martls überlegene Kraft — dies Wort in seiner Bedeutung nach allen Richtungen hin genommen — erste und unentbehrliche Vorbedingung. Nirgends darf sein Gebahren den Eindruck von Brutalität hervorbringen.
H'tet|ter der Kindererziehung, wurde von Herrn Moser brillant bargestellt, am amüsantesten in ber Rauschszene, bie ein kleines Kabinetstück war. Die Kreszenz ber Hanni Bergmoser mit ihrer Jugendgeschichte und ihrer aus eigenen Erfahrungen schöpfenden Lebensweisheit bildete den Chorus des Liebes- bramas und zwar in einem etwas prebigerhaften Tone. Aber sie gab doch einen wirksamen Kontrast zu ihrem taprigen Bruber und ihrer fuchsteufelswilden Nichte. Resl Einöds- hofer hatte sich gestern entsitzebutzelt und war ein putziges, busserliges Puffelchen. Einige Genresiguren, ber prächtige Hausierer des Edi Hartl mit seinem Geschäftseifer und seiner weibisch-sächsischen Schwatzhaftigkeit, ber ländliche Medizinalrat, ber Bader bes Beni Glas, der das Kunststück fertig bringt, daß einer seiner Patienten, der eine Flasche Jod austrinkt, nun tagelang jod—eit, ber Hallobri deS Fritz Fuchs 2C. rc. vervollständigten bas alpenibyllrsche Gesamtbild ber
2 haben dieselbe Andacht zum Unbe» n für eine belebte Bühne und ebenso ilere, Gerätschaften. Aber sie müffen . , _ z , , ,c Kunst verschwinden, wenn sie nicht von der ewigen Wiedergabe ihrer Normalstücke sich abroertben unb einem wirklichen Dichter bas Wort abtreten. In ihrer Mittelposition sind die Bauerndarsteller freundlicherer, ja ber freundlichsten Teilnahme wert. Schule für andere zum Los- reißen aus den heimischen Verhältnissen und zum Losreisen auf Gastspiele dürfen sie aber nicht mehr machen. Das wäre ein Unheil, nicht allein für die Kunst! Mit ihnen unb ben Schlierseern ist es wahrlich genug! P. W.
— Die „Amberger Volksztg " meldet: Seminarpräfekt Dr. Beck fand in ber Provinzialbibliothek einen größeren Teil des Manuskriptes be§ Epos „Parsival" von Wolfram v. Esch en b ach. Das Manuskript diente seither als Buchumschlag und entstammt wahrscheinlich dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts.


