k- Büdingen, 18. Jan Am 16. Februar feieut Fürft Bruno zu Wfenburg und Bübingen sein 40jähr'igesRe gier ungsjubilLum. Wie verlautet, werden von der Bürgerschaft und den Beamten größere Ovationen für diesen Tag geplant.
Vermischtes.
* Die Tilsiter Frauen haben die Absicht, Kaisers Geburtstag durch einen großen öffentlichen Damenkaffee zu feiern, bei dem es an ernsten und heiteren Darbietungen nicht fehlen soll. W»hl bekomm'« ihnen.
* Der neue Pedell. Man erzählt den „M. N. R." folgendes Geschichtchen: Die Gymnasiasten zjn M. hatten das Bedürfnis, zuweilen ein Glas Bier zu trinken. Aber in den Wirtshäusern des Städtchens durfte das nicht ge- ichehen, der Rektor hatte es streng verboten. Deshalb gingen die angehenden Studenten auf ein benachbartes Dorf, wo fie alle Mittwoch und Samstag lustige Kneipe abhielten. Tas ging Jahre lang so hin, und niemand dachte daran, daß dies dem Seelenheile der jungen Leute schaden könne. Aber plötzlich sollte es anders werden. Es war ein neuer Pedell ans Gymnasium gekommen, ein ehemaliger Gendarm, der alle Mittwoch und Samstag nachmittag die umliegenden Dörfer absuchte und die im Wirtshaus getroffenen Gymnasiasten aufschrieb. Man wechselte die Ortschaften — der Pedell fand die Missethäter dennoch; man teilte sich in zwei und drei Gruppen — es half nichts. Kaum war ein Trupp im Wirtshaus angelangt, so erschien bereits der Pedell, eine Stunde später war er im zweiten Dorfe und nach einer weiteren Stunde im dritten. Wie er nur immer die Ortschaften erfuhr, in denen sie kneipen wollten? Es war ein reines Rätsel, und die Professoren selbst munkelten so etwas von „Hexerei". Endlich fand sich die Lösung. Der Pedell war nämlich ein Freund des Stadttürmers, mit dem er einst in demselben Regiment gedient hatte, er als Unteroffizier, jener als Spielmann. Der Türmer hielt nun alle Mittwoch und Samstag Mittag Auslug und konnte daher seinem Freunde genau sagen, wohin die Gymnasiasten ihre Schritte gelenkt hatten.
* Spaa, 18. Jan. Moorbrände in der Umgebung von Sait dauern an. Bisher sind ungefähr 1500 Hektar auf deutschem Gebiete verbrannt. Das Feuer breitet sich, unterstützt von einem heftigen Winde, nunmehr auch auf belgisches Gebiet aus. Teilweise sind auch Waldungen zer- stört und noch bedroht.
* Die Ode des Papstes an das neue Jahrhundert. Der „Osservatore Romano" veröffentlicht eine lateinische Ode des PavsteS an das neue Jahrhundert. Die Ode besteht aus 14 Strophen. Der Papst widmet zuerst dem Ende des 19. Jahrhunderts einen Scheidegruß und weist mtt Stolz auf die Scharen von gläubigen Christen hin, die jm heiligen Jahre nach Rom kamen; dann ruft er Jesus Christus an und bittet ihn, daß für alle bessere Zeiten kommen und daß die Völker in den Künsten des Friedens em neues Glück finden mögen; er schließt mit dem Wunsche, daß er trotz seinen 18 Lebenslnstreu noch eine einzige Herde und einen einzigen Hirten, d. h. die Bereinigung der christlichen Kirche, erleben möchte. — Die Ode ist im alkäischen Versmaß abgefaßt. Wir geben nachfolgend einige intereffante Strophen in deutscher Uebertragung wieder:
Soll blut'gen Mord, zerbrochene Throne ich Beklagen oder greulicher Frechheit Sturm k Den Krieg geführt mtt lausend Ränken Gegen die Veste des Vatikans?
Bar tfi der Städte Fürstin des Diadems, Das keine Knechtung je zu eniweih'n aervrgt, Der Sitz b<6 Papsttums, den die Vö ttr, Den die Jahrhunderte fromm vcrehiten
Weh den gottabgewandten Gesetzen! Weh!
Wo bleibt Gebot des Rechts und Vertrau'n auf Recht?
Es wankt das vom Altar gertss'ne
Recht, und ek finkt und stürzt zu Boden.
Gelehrter Wahnwitz stellt — Ihr vernahmt t« wohl? — Gottlose Sätze j.tzt mir Bewußtsein auf, Ins Jnnre der Natur, der stumpfen, Strebt er die Gottheit elnzuschließ«.
Den höheren Ursprung unseres Menschentums Verwirft er sinnlos, Schatten und Schemen nur Nachgiübelnd will er Tier und Mensche» Unter die nämliche Abkunft bringen.
Ju welchem Schlammpfuh! wälzt nun schamlos fich Ohnmächt'gen Stolzes blinde Gewaltsamkeit.
Bewahret Immerdar, o Menschen, Gottes Gebote, die stiafumdrohten!
Er, der allein Euch „Leben" und „Wahrheit" ist, Allein der rechte „Weg" auch zum Himmelreich, Er kann allein ben Staubgebornen
Wenden zum Heil die entfl eh'nden Jahre.
* Alexandrien, 18. Jan. ES wütet in arm- Klein- Asien die Pest — In Egypten richtete ein Orkan in Verbindung mit Hagelschlag großen Schaden an.
UnioersiMs Nachrichten.
— Bibliothekar Dr. Th Längt« in Freiburg i. B. hat eine Berufung als UnionfitütS-Bibltothekar nach Bern erb-lten. — Für ri< infolge der Ueberfiedclung von Professor Heinrich Wölfflin nach Berlin an der Hochschule In Bafel fich erledigende Prostssur fü« Kunstgeschichte toll P ivatdozent Heinrich Alfred Schmidt in Beritn, ilifistent Profefior Tschudt's an der Rattonalgallerte, und frühe, P tvaidozent in Würzburg, auSersehcn sctn. Schmidt ist ein g-borner BaSler.
Die Zahl der Frauen an deutschen Universitäten bat in diesem Winterhalbjahr das erste Taufend überschritten. Jm Ga. z n sind 1029 zugelaffen, gegen 618 im Somm r und 661 tm "origen Winter. Jmmatrikulirte Studen-tnnen gtebt e« 12: 10 in Freiburg und 2 i« Heidelberg. Auf Berlin entfallen 439 studierende grauen, auf Bonn 100, auf Leipzia 79 Halle 76. Breslau 67, Frei bürg 38, Göitingen 37, München 31, Würzburg 29, Königsberg 24, Gießen und H-idelberg je 23, ÄH 19, Straßburg 16, Greifswald 13, Marburg 6, Tübingen 4, Rostock 3 und Erlangen 2.
Kunst und Wissenschaft.
, , Maximilian Harden sollte eine neue sechsmonatige Feftunqs- haststrafe, die er durch einen Artikel seiner „Zukunft" wegm Majestäts oelktdtgung fich zugezogen hatte, in Weichselmünde verbüßen, Hal aber einen Strafaufschub bi« zum Frühjahr erkalten.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Preußische Staatsbahnen. Es muß als auffallend bezeichnet werden, warum aus dem vorletzten Etat noch 300 Lokomotiven rückständig geblieben sind, die jetzt plötzlich in einem Zuge bestellt werden sollen. Hieraus dürfte also hervorgehen, daß unser Eisenbahnminister, resp. dessen strenger Korrektor, Herr Miquel, mit den Bestellungen vorsichtig zurückgehalten hat, weil eben doch.ein Abstieg des Verkehrs wohl angenommen werden konnte. Daß in dieser Beziehung aber heute anders gedacht wird, beweist der von unserm Finanzminister in seinem Etat ausgesprochene Gedanke, wonach im ganzen die Abschwächung der Konjunktur )en Aufschwung von Deutschlands Handel und Industrie doch nicht aufhalten kann.
Verein für Handln ngs-Kommis von 1 858 (Kaufmännischer Verein) in Hamburg. Jm abgelaufenen Jahre wurden 6318 Stellen durch den 1858er Verein in Hamburg, der bereits mehr als 61 000 Angehörige zählt, besetzt. Die Zahl der im Jahre 1900 durch den Verein vermittelten Anstellungen ist dadurch wieder um 205 über- chritten worden und die Gesamtzahl der durch den Verein eit seinem Bestehen besetzten Engagements nunmehr auf fast 84 000 gestiegen. Diese Zahlen beweisen besser als Worte, in welch hohem Maße sich der 1858er Verein sowohl des Vertrauens der auftraggebenden Prinzipalität wie der stelle- uchenden Handlungsgehilfen erfreut.
Mannheim, 18. Jan. Pfälzer Tabak. Die Einlieferung« der von den Fabrikanten im badischen Oberlande erstandenen Tabake waren in jüngster Zät sehr reichlich, und eS hat der Ausfall derselben daS Hauptaugenmerk auf fich gelenkt. Jm Gegensatz zu den Tabaken dcS N-ckarthalS stellt dieses Erzeugnis eine durchweg tadelsteie Ware dar. Vor allen Dingen zeichnen fich die Oberländer Tabake durch ihre leichte Beschaffenheit aus und ilden deshalb für die Ztgarrenfabrtkation ein wertvolles Material, das in Folge dessen baldigster Aufnahme von dieser Seite entgegensetzen dülfte. Die eingebrachten Neckarthaler Tabake entwickeln sich in der Fermentation im großen Ganzen recht üefri.digend. In der Rheinpsalz hat nunmehr auch die Etnkaufs- genoffenschast die in Hatzenbühl erworbenen Gewächse dieser Tage in Empfang genommen und dafür Preise von 31—32 Mk. für den Zentner bezahlt. Der genannte Pflinzort erlöste in diesem Jahre für dteseS HandelsgewächS allein 170000 Mk., waS als ein Beweis der Rentabilität deS Tabaksanbaues gelten darf. In dem badischen Pßlanzort Seckenheim wurden weitere Mengen letzter Ernte zum Verkaufe gebracht, wobei die Erlöse auf 20 Mk. sich stellten. Die Be wegung im Geschäfte mit alten Tabak« wieS ein ruhiges Gepräge auf. Angebote in guten alten Emlage- sowie Umblatttabaken lagen zu Preisen von durchschnittlich 38—46 Mk. vor, während Umblatt- achen zu 48-52 Mk. pro 50 Kg Anstellung fanden. Jm Rippm- geschäste herrschte nach wie vor ein schwacher Zug. Für Pfälzer Rippen war daS Jntereffe förmlich erlahmt. Lose feine Ware bedang bei jüngsten kleine« en Uebergänperi durchschnittlich 8*/iMk., gebündelte Sachen erzielten Preise bis zu 12 Mk. für 50 Kg.
— Die Taharprodukiisn »«tzlandS. Noch den neuesten amtlrchen Ausweisen wurden 1898 in Rußland 853200 Ztr. Tabak verschiedener Güte geerntet. Die Preise bewegten sich zwischen 4—220 Rbl. ür den Zentner. Die Produktion wurde verarbeitet von 261 Fabriken, von denen 102 ausschließlich Machorka erzeugten. In den Fabriken waren 11120 Männer, 24500 Frauen und 8200 Kinder beschäftigt. Außer dem einheimischen Tabak wurden 8240 Ztr. ausländischen Tabaks verarbeitet; es wurden erz ugt: Rauchtabak 1. Sorte 12 150 Ztr, 2. Sorte 61770 Ztr., 3. Sorte 68419Ztr; Schnupftabak50Ztr.; Zigarren 1. Sorte 37495 239 Stück, 2. Sorte 7658000 Stück, 3. Sorte 149 392000 Stück; Papiros 1. Sorte 2936589000 Siück, 2. Sorte 3 775756000 Stück; Zigarewn 20075 000 Slück und Mgchorka 458000 Ztr. Ausgesührt wurden an Tabakfabrikaten: nach Frankreich 6834 Ztr., Deutschland 1492 Ztr,
Oesterreich 6600 Ztr., Türkei 341 Ztr., Großbritannien 268 Ztr., Fimr- and 25 000 Ztr. und nach ande en Staaten 3222 Ztr. Die aus geführten Fabrikate waren vorzugsweise Pap ros, die im Ausland guten Absatz find»». Der Tabakbau ruht in Rußland fast ausschließlich in den Händen der Bauern, große Plantaaen find so gut wie gar nicht vorhanden. Irgend welche Reformen die die Art des Absatzes im Auge haben würden, müßten daher die Interessen einer sehr großen Anzahl von Bauern berühren, von denen die meisten vorn Tabakbau leben.
Tabak.
Jm Laufe der BerichtSwoche wurde in Bellheim mit dem Verkaufe des neuen Tabaks zu Mk. 30 begonnen und wird zu diesem Presse dec sogenannte nicht verhagelte Tabak gekauft. Jm übrigen sind die Händler mit dem Einwiegen der neuen Tabake beschäftigt. Jm loco Geschäft wurden diese Woche einige hundert Zentner 1898er und 1899er Zigarrentabake zu Anfang bis Mitte Mk. 30 verkauft. Jm Laufe der Woche hat fich das Geschäft in neuen Tabaken entwickelt und wurden an einen Fabrikanten aus Heidelberg einige hundert Zentner Einlagetabake zu Anfang Mk. 40 und von einer größeren Rheinbayrischen Z'garrenfabrik, ReckarthÄac und Oderländer Tabak in der Preislage von Mk. 42—52 oriatnM verkauft. Diese hat ca. 6000 Zentner gekauft nach anderer Melvuv- c«. 100C0 Zentner. Jedenfalls werden die Mannheimer Fabrikant« jetzt auch eingreif«, um fich gute Ware zu sichern. In losen pfälzer Rippen geschäftSIoS, lose feine Mk. 8-850, gebündelte Mk. 11.—. Ferner wurden in H'xheim gestern 600 Zentner neuer Tabak gi Mk. 27 — und Trinkgeld verkauft und ist der Vorrat dort« auf einige hundert Zentner zusammengeschmolzm. Dieselben werd« vach unserer Ansicht noch in dm nächsten Tagm verkauft werd«.
Spirit«».
Spiritus konnte in der BerichtSwoche seinen Preis nicht voll bebauptm, ging um 20 Psg. zurück und schließt heute mit Mk. 44,70. Die Zufuhr« warm recht belangreich, wurdm aber von Seitru der ringfreim Spritfabrikm prompt ausgenommen. Die in dirser Woche berauSgekommme Dezember-Statistik weist eine noch nie dagewes«e Produktion nach, währmd der Bedarf an Konsumfp it dm Erwartung« nicht mtspricht, der Verbrauch zu technischm Zwecken und zur Dtn» turterung hat gegen den Vormonat abgenommm, sodaß ein ebenfalls noch nie dagewesmer Bestand von 600,737 Hl. zu verzeichnen ist. I» der im Monat Dezember stattgesundenm Gmeralversammluvg dar dem Ring angeschloffen« Fabrikanten kam es bereits zu heftig« AuS- einandersi tzungen. Vertreten waren 67 Betriebe. Die Mehrzahl dieser Fabrik« (55) gegm die Minorität (7) wurdm durch düse kleine Zahl von — 7 Fabrikm — welche aber vermöge deS Kapitals in der Lage sind, die Oberhand zu behaupten und auch den Nutzen einzuziehm, majorisiert. Die Minorität von 55 wirb sich dies für die Folge doch nicht gefallm lassen und wird Mittel und Wege find«, um aus dieser freundschaftlichen Umarmung herauszukommen. Wir komm« demnächst an anderer Stelle dieses Blatte« gelegentlich der Besprechung der in jener Versammlung zur Verteilung gelangtm Bilanz — Gewinn »"d Derlustrechnung, sowie des VerteilungSmoduS — auf alle Piese Punkte ausführlich zurück.
Da von 67 Beteiligten nur 62 an der Abstimmung teilnah««, vermuten wir, daß die fehlmdm 5 sich entweder der Abstimmung enthielten oder nicht mehr anwesend warm.
Kohle«.
ES notieren: Englische Anthracit Nußkohlen Mk. 430—44» per 10 Tonnen ab Mannheim. Die Nachfrage beginnt bei der anhaltend« Kälte wieder stärker zu werden; der Verkehr über die Häsen ist doB= - ändig gesperrt und sind die Zechen mit der Ausführung der vorliegenden Str-ckenaufträge vollauf beschäftigt.
Gingesandt.
(Für Form uub Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
H-euchelheim, 18. Jan.
Wie man leicht Geld verdient, zeigt uns wieder einmal einer unserer reichen Leute im Torf, der's Verdienen gewiß gar nicht einmal so nötig hat. Er hat ganz in der Nähe der Haltestelle Abend st ern zwei Aecker verhältnismäßig billig gekauft. Dann ließ er fid)i einen Plan zur Erbauung eines Hauses auf diesem Acker machen und kam bei unserer Bürgermeisterei um die Erlaubnis ein, in dem erst zu errichtenden Gebäude Wirtschaft betreiben zu können. Es erfolgte der Entscheid, daß hier, mitten im freien Felde, ein Bedürfnis zu einer Ausschankstelle vorhanden sei, obgleich keine 200 Meter davon entfernt das Restaurant Abend- tern sich befindet und obgleich der Gesuchfteller jedem, der es hören will, offen erklärt, daß er persönlich das zu errichtende Wirtsgeschäft gar nicht betreiben will, daß es vielmehr. lediglich seine Msicht sei, das neue Haus mit der hofften Wirtschafts-Konzession gilt zu verkaufen. Nach Lage der Sache würde der Manu sich nicht verrechnet haben, wenn der Kreisausschuß nicht noch ein Wort mitzureden hätte.
Schiffsnachrichten.
vrorddeutscher Lloyd. Vertretm in Gießen durch Agmt Earl Loos.
Bremen, 18. Januar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der lostdampfer Karlsruhe, Kapt. G Rott vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 8 Uhr morgens wohlbehaitm in New-Aork angekomme«.
Der Postdampfer „Southwark" der „Red Star Linie- in Antwerpen, ist laut Telegramm am 16. Januar wohlbehalten in Nerv-Aovk angekommen.
man gelegentlich des Baues der Sakristei prähistorische Gefäßreste. Oestlich von dem Dorfe wurden schon mehrfach Hallstattreste ausgegraben. Auf der nach Neuhäusel führenden Straße liegen einige Grabhügel von außergewöhnlichen Dimensionen. Es wird angenommen, daß die Staats- siraße Koblenz-Montabaur-Limburg, die über jene Terrasse Jübrte, ihrer Richtung nach mit einer Straße zusammen- fallt, die wohl schon bestanden hat, ehe die Römer die Gegend besetzten. An der Straße Koblenz-Montabaur ist acht Kilometer von Ehrenbreitstein entfernt, auf der Wasserscheide 03 $-enr '? unt) ^ahn das Dorf Neuhäusel gelegen. Von , „uhausel steigt man nach der Südkuppe der Montabaurer Hohe hinauf. Rechts der Straße, nach Süden, fällt das Ge- lande in die tiefe Thalmulde des Emser Bachs ab. Links, nach .iorden, senkt sich der bewaldete Hang, nach unten immer steiler werdend, zum Kalten Bach ab dessen Wasser bei Vallendar in den Rhein fließt. Auf dieser Seite erhebt ssch, eineinhalb Kilometer östlich von Neuhäusel ein kleiner steiler mit Fichten bewachsener Kegel. Ihm ist nach Norden jenes kleine Plateau vorgelagert, aus dem Ministerialrat Soldan im Herbste 1899 die ersten Spuren jener alten Niederlassung fand. Dieses Plateau fällt nach Osten, Nordosten und Norden mit sehr steilen Hängen zu dem in den Kalten Bach fließenden Platzer Bach ab. Der Platzer Bach bildet die Ostgrenze der Niederlassung. Jenseits der Straße Hhrenbreitstein-Montabaur ist bis jetzt noch keine Spur von prähistorischen Niederlassungen geftinden worden. Nach Norden steigen die Hügelcheu, die di" Reffe der Wohnstätten
bergen, bis fast zum Kalten Bach hinab. An einer Stelle wird er sogar von ihnen überschritten. Die Westgrenze der Niederlassung, die ans sechs durch kleine Zwischenräume von einander getrennte Gruppen zu bestehen scheint, konnte noch nicht genau bestimmt werden. Sie liegt aber wahrscheinlich auf der östlichen Thalwand eines von Neuhäusel nördlich nach dem Kalten Bach ziehenden tiefen Einschnitts. Dies sind die Grenzen der Niederlassung, die von Westen nach Osten 1250 Meter und von Süden nach Norden 800 Meter mißt. Zwischen den schon beschriebenen Hügeln findet man hier und da kleine runde oder längliche Hügelchen. Sie bergen die Gräber. Ein größeres zusammenhängendes Gräberfeld konnte bis jetzt noch nicht gefunden werden.
Die bis jetzt aufgedeckten gewöhnlichen Wohnstätten sind sämtlich Vierecke, meist gleichseitig, mit 4 bis 6 dreiviertel Meter Seitenlänge. Das zur Errichtung venvandte Material besteht aus Holz und Thon, dem man Sand oder Grashalme beigemengt hat, teilweise auch kleine Steine hinzufügte. Als Typus einer gewöhnlichen Wohnstätte wählen wir eine Hütte, die an der Waldecke bei Neuhäusel aufgedeckt wurde. Tie zum Zwecke der Trockenlegung erhöhte und mit Sorgfalt horizontal augeschüttete Plattform mißt 6,50 Meter in der Länge und 5,50 Meter in der Breite, sie ist mit einer aus Sand, Thon und Steinen bestehenden Tenne bedeckt. Sie ist von 10 starken Pfosten- löchern umstellt, von denen je 3 aus der Süd und West- und je 2 auf der West- und Ostsette gelegen sind. Die .cordwesteäe der Tenne ist uni 10 15 Ctm. vertieft; hier
ist auch, noch einmal 50—60 Ctm. tiefer, eine ziemlich große Feuerstelle eingeschnitten. Sie bildet eine Grube mit horizontalem Boden und sehr steilen Wänden. Auf ihrer Sudseite befindet sich eine Einbuchtung, in der, wie die durch die Glut gehärteten Wände zeigen, das Feuer brannte. Hier ist auch, wie bei unseren modernen Feldherden, ein Zugloch vorhanden. Sehr sinnreich ist der Zugang zu der Feuerstell». Vor zweieinhalb tausend Jahren kannte man eine Trepp« wohl noch nicht, man hals sich mit einer schiefen Ebene; damit diese jedoch nicht zu lang wurde und zu tief in die Tenne einschneide, führte man sie im Winkel hinab, sodaß in der Mitte, wie bei unseren modernen Treppen, ein Podep entstand. An der Südwestecke der Hütte liegt eine sehr regelmäßig eingeschnittene Grube, von der eine gradlinig a« der Hüttenwand hinlausende schiefe Ebene nach der Feuerstelle führt. Die erwähnte zweite Grube, die auch bei anderen Wohnstätten gefunden wurde, war sicherlich bö Vorratsraum, der Keller. Küche (die Feuerstelle) und Kell« lagen also ganz praktisch nebeneinander. Von Jnteress» sind auch 4 kleine Pfostenlöcher neben der Feuerstelle, bei anderen Hütten hat man hier auch eine aus Thon und Stei« hergestellte Bank gefunden, es wird deshalb vermutet, daß diese Pfosteulöcher von einer Bank herrühren, aber von einer, die ans Holz hergerichtet war. Aus der Ostsette be» Wohnstätte sitzen 4 Psostenlöcher; zwischen den beiden mitt° teren derselben setzt sich die Tenne fort; hier, der Feuerstelle gegenüber, war wohl die Thür der Hütte.
Fortsetzung svlgt.
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