Ausgabe 
16.7.1901 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Schlesische

abgelehnt.

Tabak

4266

12. Ebba.

Dresden,

D. R. P. 76 912 von

Literarische Neuerscheinungen.

Engel, Dr. Th , Die wtchtigstm Grstetr-Sarten der Erde nebst voraus geschickter Etnsührunp in die Geologie. Zweite verm. u. v rb. Auflag'- 1. Lieferung. (S. 1 bis 48.) Ravensburg, Otto Mair.

Wagener fit Schilling Oberkaufangen

tragen Diese Einlagen sind nach aßen Setten biegsam, unzerbrechlich und rostfrei.

Man verlange ausdrücklich nur Corseis oder Mieder mit Stempel: Wagener & SchiUingsche Hercules-Spiral-Einlagen, oder Hercules-Spiralen D. K. P.769IÄ

w Ueberall zu haben. "W

1 Mark.

Die Gesellschaft. 17. Jahrg. 1. Jultheft.

E. PterfonS Verlag. 75 Pfg.

Nord und Süd. Bd. 98, Heft 292. Breslau,

Wir sind nicht in der Lage, über eine Besierung des Geschäfts während der abgelaufenen Woche berichten zu können; das Geschäft liegt sehr ruhig. Es wurden verkauft einige hundert Zentner alter 1898er Rheinbayrische Schneidtabake zum Preise von Mk. 28, tranfit, und einige Kleinigkeiten 1900er Einlagetabake zu Mk 35 transit. In gutbrennender loser alter Einlage macht sich Mangel an guter Ware immer mehr geltend, und es besteht bedeutend mehr Nachfrage als Vorräte vorhanden sind. In losen Pfälzer Rippen ruhig, lose feine Mk. 9,00 bis 9,50, gebündelte Mk. 11,00 bis 11,50.

Viehmarkt.

Die süddeutschen Viehmärkte waren während der Berichtswoche fast sämtlich sehr stark frequentiert, aber auch der Handel gestaltete sich sehr lebhaft. Im Vordergründe des Geschäftes stand natürlich prima Groß­vieh, das schlanken Absatz fand, während bei der großen Nachfrage und deS verhältnismäßig geringen Zutriebes in ersterem auch mittlere Quali­täten bester beachtet wurden. Das Geschäft in letzteren ist als sehr gutes

Ei! Ei! Fräulein Pellenat! Nehmen Sie sich nur in

Verlagsanstalt. 2 Mk.

Blümlein. Karl, Die Saalburg. S-parat-Abdruck aus dem Jahrg. 1901 desHumanist. Gymnasiums".

zu bezeichnen, Kälber waren etm<iR weniger angeboten, der Absatz hierin war ein schlanker, an einigen Plätzen konnte sogar der Bedarf nicht ge. deckt werden. Fette Schweine waren allenthalben sehr gefragt und die Zufuhren hierin rasch verkauft. Mittlere Qualitäten wie auch Läufer und Milchschweine erfreuten sich sehr guter Beachtung: es kann der Handel hierin als mittelmäßig angenommen werden.

Mehl.

Obgleich Amerika die letzten Tage meistens flauere Kurse sandte, konnte sich Weizenmehl infolge starken Konsums ziemlich im Preise halten. Rheinische Mühlen erzielt-n Mk. 24,25 Bas. 0. Gegen Ende der Woche machte sich eine Besserung geltend und dürfte ein Steigen der Preise wohl eintreten. Futterarttkel ruhig.

«taflet.

Mannheim, 12. Juli. Die Zufuhren der neuen Ernte fangen an, größer zu werden, doch ist man darauf gefaßt, und selbst viel höhere Ziffern werden keinen erheblichen Eindruck machen. Man ist zulange schon daraus vorbereitet worden. Die Weltvorräte haben laut Dunring um rund 15 000 Tonnen abgenommen, die europäischen Stocks dagegen um rund 5000 Tonnen zugenommen. Elftere belaufen sich auf 404 750 Tonnen gegen 842 960 Tonnen am 1. Juli 1900. Letztere auf 243 550 Tonnen gegen 239 450 Tonnen am 1. Juli 1900 Heber die Qualität der ®mte verlauten widersprechende Nachrichten. Vielfach wird behauptet, die Qualität lasse zu wünschen übrig. Die Stagnation dauert fort, das beste, was gesagt werden kann, ist, daß niemand größere Rückgänge für wahrscheinlich hält. Vielleicht kann von Kaffee noch gesagt werden: In der Erscheinungen Flucht, der einzige ruhende Punkt". Der Wechsel­kurs ist von 11 neun Sechszehntel am 4. Juli auf ll/u am 11. Jult retourgegangen. Havre notierte am 11. Juli 35*/4 für September, 353/4 für Dezember, 36*l/4 für März, 3£8/4 für Mai gegen 358/< für September, 36>/s für Dezember, 87 für März, 37*/, für Mat am 4. Juli.

UmversiMs Nachrichten.

In der Universität zu Berlin fand die'zahlreich be­suchte General-Versammlung der Berliner Freien Studentenschaft statt. Aus dem Semester­bericht ist mitteilenswert: Das Gesuch des Präsidiums um 500 Mk. Beihilfe aus dem Studentenfonds zur Gründung eines Arbeitsnachweises für Studierende wurde vom Rektor- abschlägig beschieden. In das Komitee für Volks hochschul- kurse wurde ein Vertreter entsandt. Für die Hallenser Fin- lenschaft nahm man einstimmig folgende Resolution an: Die ordentliche Generalversammlung der Berliner Freien Studentenschaft spricht ihren bedrängten nichtinkorporierten Komilitonen in .Halle ihre herzliche Sympathie in ihrem Kampfe um die Existenzmöglichkeit aus."

Diakonus Thomas in Gera hat vor einigen Tagen vor der theologischen Fakultät dec Universität Gießen das sogenannte examen rigorosum bestanden und die Würde eines Licentiaten der Theologie erworben. Die von ihm eingereichte wissenschaftliche Arbeit betrifft die Anschauung der Reformatoren vom Wesen der christlichen Kirche.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Zürich, 12. Juli. Heute fand die konstituierende Ver­sammlung der internationalen Gesellschaft zur Förderung des kaufmännischen U n t e r r i ch t s we s e n s statt. Gegen 80 Delegierte waren anwesend aus Deutsch­land, England, Frankreich, Rußland, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Holland, Schweden-Norwegen, Serbien, Schweiz. Den Vorsitz führt Regierungsrat Stegemanu (Braunschweig). Die vorgeschlagenen Statuten wurden in ihren Grund- zügeu angenommen. Jedes Land bildet eine besonders Gruppe. Als Organe der Gesellschaft fungieren die General- Versammlung, der Zentral-Ausschuß und der Zentral­vorstand.

Lfa. 50 Pfg.

ELo aus dem Gebirge. Jllustr. Fachblatt für Z ther- fpt l. 19. Jahrgang Nr. 4 bis 6, 2. Qu. 1901. Stuttgart, Karl Grüntuger. 1,20 bezw. 1,70 Mk.

Neue Muftkzettung. 22. Jahrg. M. 7 bis

ihnen vergeblich nach. Erst nach mehreren Tagen spürte man den Aufenthaltsort der schönen Marie auf und über­redete sie, zu den Elter» zurückzukehren. Sie that das aber erst, nachdem man ihr die feierliche Versicherung gegeben hatte, daß den Entführer keine Strafe treffen sollte. Doch es kam anders. Der Vater des Mädchens verklagte den Fürsten Konstantin und Marie änderte vor Gericht ihre erste Aussage und sagte, daß sie gegen ihren Willen und mit Gewalt entführt worden sei. Die Aussagen von Zeugen und da« Verhalten der schonen Fürsten.ochter vor ihrer Rückkehr zu den Eltern ließen jedoch darauf schließen daß Maile mit bet Entsührung einverstanden war. Die erste Instanz » urteilte den Fürsten daher nur wegen einfacher Entsührung einer Minderjährigen ju sech« Monaten Gesängn,«. Gegen dieses Urteil legte der Vater der Entführten in Tilsit Be- rufunfl ein, und Marie, die inzwischen einen reichen Mann geheiratet hat, belastete den ehemaligen Geliebten derart, daß er zu Zwangsarbeit und zum Verlust aller besonderen Rechte verurteilt wurde. Fürst Konstantin appellierte jedoch an den Senat und wies nach, daß Marie auf Anstiftung ihrer Eltern ihre ersten Aussagen geändert hätte. Der Senat hob das in Tilsit gesprochene Urteil aus, und der Prozeß wird noch einmal verhandelt werden.

Acht!" , !

Am nächsten Morgen soll Schiller dann aurij; mit seiner Zimmerwirtin, der Frau Pellenat, über diesen Gegen- ; stand ein Gespräch angeknüpft haben. Er gab der Mutter ; Öen Xat, ihre Tochter zu veranlassen, zum Landrichter Zimmermann, dem Untersuchuiigsrichter, zu gehen und ihre Aussage zurückzunehmen. Noch fei es Zeit, noch könne sie agen, sie habe sich geirrt. Die Familie würde sich damit große tlnannehmlichkeiten ersparen, denn bei der Verhand­lung könnte leicht eine für tnc Tochter unangenehme Angelegenheit mit zur Sprache kommen.Lassen Sie sich raten, Frau Pellenar, es ist Vesser für Sie, Sie entgehen großen Unannehmlichkeiten". Frau Pellenat mußte ihm chließlich noch-die Hand darauf geben, daß sie ihrem Manne nichts sagen werde. Schiller reifte dann flach Berlin, als er nach acht Tagen zurückkam, sagte er nvch>- mals zu Frau Pellenat:Ei! Ci! eie haben nicht recht gethan, daß Sie meinen Rat nicht befolgt haben."

Zu den HauptbelasMngszeugen für Moritz Lewy g. hörte auch der Klempnergeselle Gustav Schlichter aus Könitz, der ebenfalls Winter und Lewy zusammen gesehen haben wollte. In Könitz hatte Schlichter zusammen mit dem Klempnergesellen Friedrich Nickeleit gearbeitet, der dann aber nach Neustettin gegangen war. Am 28. Dezember wurde ihm auf seiner Arbeitsstätte ein Brief von Schiller überbracht, in dem er gebeten wurde, in das Restaurations- loial des Preußischen Hofes in Neustettin hinüber zu kom­men. Schiller habe ihm Grüße von seinen Eltern aus Gumbinnen zu überbringen und ichm manches zu sagen. Für die Zeitversäumnis solle er entschädigt werden. Ms Nickeleit in der Gaststube eintrat, begrüßte ihn gleich Schiller, der sieh als Kriminalpolizeiagent vorgestellt und oesagt haben soll:Ich bin bei Ihren Eltern in Gum binnen gewesen und habe mit Ihnen in einer gewissen Angelegenheit zu sprechen." Er forderte Nickeleit auf, leise zu sprechen und fragte ihn, ob er den Klempnergesellen Gustav Schlichter kenne. Als Nickeleit das bejahte, sagte er : Es ist doch wahr, daß Schlichter zu Ihnen gesagt hat, er wolle Bloß den Moritz Lewy einkriegen."

Nickeleit fragte erstaunt, wer ihm das gesagt habe. Darauf entgegnete Schiller:Der alte Lewy, dem haben Sie es ja selbst gesagt." Als Nickeleit erklärte, daß er den alten Lewy gar nicht kenne, soll Schiller geantwortet haben:Sie wollen mir nichts sagen, Lewy hat Geld, er verlangt es nicht umsonst. Wenn Sie es beschwören, daß Schlichter so zu Ihnen gesagt hat, sollen Sie andy ein schönes Geld erhalten." Nickeleit will dann erwidert haben: Ich kann doch nicht beschwören, was ich nicht weiß", worauf Schiller noch geantwortet haben soll:Ich habe meinen Vorteil, und Sie auch, besinnen Sie sich nur."

Freiburg i. B., 14. Juli. Die Strafkammer hatte den Zahnarzt Max Jsele von der Anklage freigesprochen, durch Führung des amerikanischen Doktortitels gegen §360 Ziffer 8 R. St. G. B. verstoßen zu haben. Die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision ist vom Oberlandes­gericht Karlsruhe verworfen und somit die Freisprechung

Aufruf

wegen Errichtung eines Scheffel-Denkmals zu Reichelsheim im Odenwalds.

Es ist beabsichtigt, einem LieblingSdichier des deutschen Volke-: Joseph Viktor 0 Scheffel, ein Denkmal zu Reichelsheim im Odenwalde mit Rücksicht auf die Beziehungen des Dichters zu diesem Orte und dessen Umgebung zu setzen.

Joseph Viktor v. Scheffel hat sich für alle Zeiten nicht nur die Bewunderung, sondern auch die begeisterte Verehrung der Deutschen erworben, denn ihm, dem liebenswürdigen Humoristen, ist eS vor allen gelungen, die Eigenart in Sitten und Gebräuchen, im Denken und Fühlen feiner StammeSgenoffen mit lebensvoller Frische poetisch dar- zustellcn. Seinem stark ausgeprägten Natursinn, seiner gemütlich«, Versenkung in die Schönheit seines Heimatlandes, seiner Neigung, von der Landschaft die Anregung zu dichterischem Schaffen zu empfangen, seiner Vorliebe für die poetische Wiedergabe lokaler Sagen und Ueber- lieserungen verdanken wir seine besten Werke, verdanken wir seine herrlichen Lieder, die ihre Bedeutung nicht verlieren werden, so lange in unserem Daterlande und insbesondere in der deutschen Jugend ein gesunder Sinn für heitere und poesievolle LebevSauffaffung eine Stätte hat.

Wenn auch Scheffel seine hauptsächlichsten Anregungen von ,,bm wildbachdurchrauschten Thälern des Schwarzwatdes, dem träumerischen Verweilen in zerfallenen Bergvesten und verlassenen Klosterhöfen" »einer engeren Heimat empfing, so ist doch auch der Odenwald und vorzugsweise die Gegend von Reichelsheim auf seine dichterische Schöpf­ung in hervorragendem Maße von Einfluß gewesen. Sie hat ihm den Anlaß uib Stoff zu einer Reihe von Liedern gegeben, in denen ein unübertrefflicher Humor Herz und Gemüt erfreut, in bmen aber auch ein gutes Stück Lebensweisheit verborgen liegt. Es werden die Lieder vom Rodenstein, diese in sich vollendeten Meisterwerke der humoristischm Kunst wie Johannes Pcoelß, der ausgezeichnet« Biograph de» Dichters, hervorhebt ihren Wert und ihre Wirkung nie einbüßen.

Nachdem Scheffels erstes LiedDas wilde Heer" in Heidelberg mächtigen Anklang und ungeahnten Beifall gefunden, hat dieser Erfolg auf den Dichter fo ermunternd gewirkt, daß er nach einer Wanderung durch den Odenwald im Sommer 1857 dieselben humorvollen Töne erklingen ließ und die Lieder von den drei Dörfern schuf, die zu dm Perlen der humoristischen Weltlitteratur gezählt werden.

Durch diese und die daran anknüpfenden Dichtungen hat Scheffel die Gegend von Reichelsheim und insbesondereReichelsheim das treue" weit über die Grmzen Heffens hinaus bekannt gemacht. An der Stätte, an welcher der Dichter in seinem echtm Sinn für volks­tümliches Wesen, mit seinem urwüchsigen kerndeutschm Humor be­sonderes Interesse genommen, die er in schöpferischer Kraft für alle Zeiten mit feinem Ruhm verknüpft hat, ihm ein ehrendes Zeichen der Erinnerung zu widmen, ist gewiß ein Akt dankbarer Huldigung.

Das unterzeichnete Komitee für die Errichtung eines Scheffel- Denkmals zu Reichelsheim glaubt daher, die so zahlreichen Freund« des Dichters in Nah und Fern zu Beiträgen für das Denkmal auf­fordern zu dürfen.

Reichelsheim, im Juli 1899.

Das Komitee.

KreiSratFey,Erbachi.O. RealfchuldirektorDr.Gerhard,Michelstadt. (Vorsitzender.) (Schriftführer.)

Kreisschulinspektor Kleinschmidt, Erbach t. O. (Rechner.)

Arthur, Graf zu Erbach. Museumsinspekior Dr. Back, Darmstadt. Kaufmann Bauer, Reichelsheim. Provinzialdirektor v. Bechtold, Gießen. Hofkammerrat Bickel Haupt, Erbach. Oberlehrer B ormuth, Reichelsheim. EisenbahndirektionSpräsidmt Breitenbach, Mainz. Ministerialrat Braun, Vorsitzender des Odenwald-Klubs, Darmstadt. KretS-Bauinfprktor Die hm, Erbach. Bürgermeister D i n g e l d e i n, Reichelsheim. Lehrer Fritz, Vor­sitzender der Odeowald-Klubsektion Reichelsheim. Oberstleutnant z. D. Gab, Vorsitzender des Journalisten- und SchriftsüllervereinS Datm- stadt. Generalmajor Freiherr v. Gemmingen, Fränkisch- Crumbach. Provinzialdirektor Freiherr v. Gagern, Mainz. Rechtsanwalt HallwachS, Darmstadt. Reichstagsabgeordneter Ge­heimer Regierungsrat Haas, Offenbach. Landtagsabgeorbneter Häusel, Michelstadt. Freiherr M. 0. Heyl, Darmstadt. Oekonom Jost, Reichelsheim. Geh. Hofrat Professor Dr. K i t t l e r, Darmstadt. Geh. Hof rat Professor Dr. Lepstuö, Darmstadt. Dr. med. Lipp, Reichelsheim. Geh. Medtzinalrat Professor Dr. L ö h- lein, Rektor der Universität Gießen. Oberpostdtrektor Maier, Darmstadt. Rentner Marburg, Michelstadt. Geheimrat v. M a r- quardt, Großh. Provinzialdirektor, Darmstadt. Postverwalter Mer gell, Reichelsheim. Dr. W. Merck, Darmstadt. K-rk Müller, Ehrenvorsitzender des Odenwald Klubs. Darmstadt. Re- fierungsrat N 0 a cf, Vorsitzender der Zmtralftelle für Gewerbe, Darm- tabt. Landtagsabgeordneter Nipper, Pfaffen-Beerfurth. Bürger­meister Ripp er, Gersprenz. Kabinetsrat Römheld, Darmstadt. Karl Schäfer, Schriftsteller, Darmstadt. Lanbtagsaogcordnetrr Rechtsanwalt Schmeel I., Darmstadt. Pfarrer Schnerder, Reichelsheim. Beigeordneter W er ner, Reichelsheim. RegterungSrat Wick, Erbach. Karl Wittich, Darmstadt. Hauptmann ä la suite 3ernin, Schriftsteller, Darmstadt.

Gerichtssaal.

Söltt, 11. Juli. Nicht weniger als vier Personen hatten sich heute wegen Vergehens gegen § 176 Absatz 3 des Strafgesetzbuchs vor der Strafkammer zu verantworten. Der 41jährige verheiratete Kaufmann Jos. Hub. Zeitig wurde wegen Vergehens in drei Fällen er hatte die That mit den in die sog. Sternbergaffaire verwickelten Mädchen unter deren Weihnachtsbaum begangen zu sieben Monaten Gefängnis ver­urteilt- Der 32jährige, bereits wegen des gleichen Vergehens vorbestrafte verkrüppelte Taglöhner Heinr. Kneife! wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Zuchthaus beantragt. Der Kohlenhändler August Kleffenstein, welcher von der Strafkammer zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war, hatte an das Reichs­gericht appelliert, das die Angelegenheit an die Strafkammer zurückverwies; diese bestätigte heute das frühere Urteil. Der vierte Angeklagte, ein ver. heirateter Schuhmacher, wurde freigesprochen.

Könitz, 13. Juli. Wegen Verleitung zum Meineid wurde heute der Privatdetektiv Schiller zu 2 ein halb Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Beantragt waren 3 Jahre Zuchthaus.

Nach dem Anklagebeschluß war Sch. beschuldigt, in der Straffache gegen den inzwischen wegen Meineids zu vier Jahren Zuchthaus von dem Konitzer Schwurgericht verurteilten Fleischergesellen Moritz Lewy durch zwei selbst­ständige Handlungen: 1. die Zeugin Fräulein Käthe Pelle­nat zur Abgabe eines falschen' Zeugnisses zu verleiten versucht zu haben, 2. versucht zu haben, den Klempner- gesellen Friedrich Nickeleit zu Neuftettin zu verleiten, daß er wissentlich ein falsches Zeugnis mit einem Eid be­kräftige oder den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugnis bekräftige. Schiller war kurz nach der Auffindung der Leichenteile des aus bisher unaufgeklärte Art am 11. März 1900 um das Leben gekommenen Gymnasiasten Ernst Winter nach Könitz ge­kommen, um nach dem Mörder zu suchen, und sich die 'ausgesetzten hohen Belohnungen (32000 Mk.) zu verdienen. Schiller wohnte bei^ dem Steueraufseher Pellenat in Könitz. Die Tochter dieser Familie, Käthe Pellenat, war am 6. De­zember v. Js. in dem Beleidigungsprozeß gegen die Stäats- bürger-Zeitung uwtz am 8. Dezember v. Js. in der Unter- suchungssache gegen Moritz Lewy als Zeugin vernommen worden. Fräulein Pellenat gehörte auch zu jenen Per­sonen, die einen Verkehr zwischen Ernst Winter und Moriz Lewy gesehen hatten. Kurz nach ihrer Vernehmung tra- Fräulein Pellenat Schiller, der zu ihr sagte:Nun, Fräu­lein Pellenat, Sie sind a)so auch schon vernommen wor­den?" Als Fräulein Pellenat ihm ihr Erstaunen ausdrückte, daß er das schon wisse, erwiderte er:Ich weiß es." Er hob dann wie warnend einen Finger aus, und sagte:

Jeder Familienvater

sollte darauf sehen, daß seine Frau und Töchter im Jntereffe ihrer

Gesundheit nur Mieder oder Corsets mit

Hercnles-Spiral-Federn

bestätigt worden.

Wegen Erschießung seiner Braut verurteilte das Kriegsgericht in Leopolds hall den Musketier Pfeffer vom 93. Regiment zu zwölf Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen.

handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Attierrgesellschast für Treberirocknuua in «affel. Eine Versammlung der Kvnkursverwattung und der Aufsichtsratsmitglieder dieser Gesellschaft hatte zum Resultat, daß man sich mit einem außer: gerichtlichen Arrangement der Aussichtsräte E. S. Otto-Dortmund und Schulze-Dellwig-Sölde einverstanden erklärte. Im Prinzip beschloß man, den Betrieb der Trebertrvcknungs-Anlagen weiterzusühren, nachdem der Konkursverwalter die Anlagen bereist hat und zu der Ueberzeugung ge kommen sein soll, daß bei dem nunmehr sanierten Beamtenkörper, bei dem die gewiffenlosen Mitglieder und Parasiten ausgeschieden sind, eine gesunde Entwickelung der Institute zu erhoffen ist.

Kassel, 12. Juli. Es ist nunmehr zweifellos festgestellt, daß der Direktor Schmidt der iTrebergesellschaft Donnerstag Nacht im benach­barten Grebenstein eingestiegen ist mit einem Billet nach Düsseldorf. Sicherlich ist er nach Holland geflüchtet. Darauf basiert wohl das in der Stadt verbreitete, aber unbestätigte Gerücht, Schmidt sei in einem Grenz­dorf Lollands gesehen und in Gewahrsam genommen worden.

Leipzig, 14. Juli. Die bisher durch Oberamtsrichter Justizrat Meißner gegen die verhafteten Direktoren und den Vorsitzenden des Auf­sichtsrats geführten Erörterungen in Sachen Leipziger Bank haben zur Einleitung der Voruntersuchung geführt, welche durch Landrichter Mittel- fiädt geführt wird.

«SlektrizitütA-Akt.-Ges. vorm. Schuckert, Nürnberg. In der dieser Tage abgehaltenen Generalversammlung verlas der Vorsitzende eine von Aufsichtsrat und der Direktion einstimmig beschlossene Erklärung, in der es u. a. heißt:Als der Aussichtsrat iu seiner Sitzung vom 15. v. M. beschloß, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent vorzuschlagen, war noch zu hoffen, daß die Krise, in der Handel und Industrie sich befinden, nicht zu lange dauern und von nicht zu schlimmem Einfluß aus die finanzielle Lage unserer Aktiengesellschaft sein werde. Mitllerweile erfolgte jedoch der Zusammenbruch der Leip­ziger Bank. Unser Institut ist bei dem Falliment der Leipziger Bank nur insofern beteiligt, als wir von der genannten Bank Aktien der Elek­trizitäts-Gesellschaft Jaice im Betrage von Mk. 4 200 000 angekauft haben. Um diese Aktien in unseren Besitz zu bekommen, waren wir genötigt, diesen Kaufschilling sofort zu bezahlen- In dieser vorzeitigen Zahlung liegt der Schaden, den wir bei dem Falliment erlitten. Der Aufsichtsrat hält seine Bilanz, wie sie seinem Bericht angefügt ist, in allen ihren Teilen zwar auftecht und erklärt, daß dieselbe durch keinen Verlust in j)et Zwischenzeit alteriert wurde, erachtet ab.r die Verteilung einer Divi­dende aus den angeführten Gründen nicht für rätlich, hält vielmehr die Rückstellung des ganzen Erträgnffses im Jntereffe der Gesellschaft geboten, der hierdurch die Mittel zur Verfügung gestellt werden, um an sie heran- tretenden Forderungen gegenüber gerüstet zu sein. Aussichtsrat und Vor­stand haben deshalb einstimmig beschlossen, der Generalversammlung vor­zuschlagen, über den Gewinnsaldo folgendermaßen zu verfügen: Der ver­tragsmäßigen Tantieme des Vorstandes und der Beamten Mk. 749 250, für Gratifikation an Beamte und Arbeiter Mk 300 000, für die Pensions­kasse Mk. 100 000, dem Unterstützungsfond zuzuwenden Mk. 41 800 und den Rest mit Mk. 5 052 662 auf neue Rechnung vorzutragen.- Nach mehrstündiger Debatte wurde die Bilanz nach Maßgabe dieses Beschlusses genehmigt rnnd die Entlastung erteilt. Ein Antrag, die Mk. 5. Millionen zu Abschreibungen zu verwenden, wurde mit allen gegen 32 Stimmen